Mittwoch, 6. Mai 2026

Keerl, Inés: Die Frauen vom Tafelberg

 Catharina Ustings´ mutiger Kampf um ihr Glück

Der Stand von Inés Keerl auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse gehörte zum geplanten Programm des Besuches. Bereits 2024 war die Autorin mit ihrem Roman Die Löwin vom Tafelberg für den HOMER Literaturpreis für die besten historische Romane des Jahres 2023 nominiert. Mit der Fortsetzung über Die Frauen vom Tafelberg hat sich emons: gedacht, wir probieren das gleich nochmal. Schon in Erinnerung an Band eins zu Catharina Ustings kühnen Weg in die Freiheit findet der Blogger dies für eine gute Idee.

Der Weg in die Freiheit ist sperrig. Wenn Band zwei ihren mutigen Kampf um ihr Glück erzählt, dann ist der Weg in die Freiheit immer noch nicht abgeschlossen.



Inhalt:  Einst heuerte Catharina Usting als Mann verkleidet auf einem Schiff in Hamburg an und erst am Kap der Guten Hoffnung kam sie vom Schiff. Aber ist das Freiheit, dort am Kap, das von der niederländischen Ostindischen Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie; Vereenigde Geoctroyeerde Oostindische Compagnie, abgekürzt VOC oder kurz Compagnie) beherrscht wird? Es ist nicht leicht ein wirklich freier Vrijburgher zu werden, geschweige denn eine Vrijburgherin. Sie hatte doch ihr Glück gefunden mit Hans Ras.

Nun, sieben Jahre später, wir schreiben das Jahr 1672, verlässt sie das Glück. Mit Blutvergiftung konnten die Menschen noch nicht umgehen, der wandernde rote Strich am Arm von Hans nach einem Löwenbiss bedeutet sein Ende, gegen das man nichts tun kann. Fällt das Land, welches der Vrijburgher besaß, damit an die Compagnie zurück? Nicht, wenn Catharina wieder heiratet.

Als endlich ein zupackender und engagierter neuer Kommandant ankommt, und dessen Stellvertreter seine Pfünde schrumpfen sieht, wird es wieder gefährlich für die Weduwe Ras oder Weduwe Champelaer, nun schon zum zweiten mal Witwe...

Bei den Steenbergen sucht sich Katharina mit ihren Kindern und dem Ziehsohn Arre, einem Koij, neues Land. Heute steht dort ein Fünf Sterne Hotel, ein Weingut und ein Golfplatz.

Wird Catharina Ras es schaffen, sich zu behaupten? Gar zu mächtig scheint der Secunde, welcher für die Heren XVII die Geschäft, oft in die eigene Tasche, lenkt.



Die Geschichte:  Wer bereits diese oder jene Rezension historischer Romane gelesen hat, der weiß, dass ich es mag, wenn historische Personen zu Hauf auftreten. Genau dies ist bei den Tafelberg-Romanen von Inés Keerl hier der Fall. Man muss im Personenverzeichnis förmlich nach fiktiven Personen suchen. Wie kommen Autorinnen auf so „ausgefallene“ Geschichten und besondere Figuren, die sie sich nicht mal ausdenken müssen? Schon eine andere Homer-Autorin, Silke Elzner, hat mit Jakobäa, eine Grafentochter des 15. Jahrhunderts, eine solche Figur in den Mittelpunkt ihres Romans Der Schwur der Gräfin gestellt. Wenn man allerdings das Geld für ein nobles 5-Sternehotel mit Golfplatz in Südafrika hat, dann wird man mit der Nase auf Catharina Ras gestoßen. Oder man googelt halt nach Steenberg und Wein und Südafrika. Inés Keerl hat ihren Stoff in einem Reiseführer gefunden.

Dann weiß man plötzlich wie Catharina Ras aussah, und kann ihrer Geschichte nachlesen. Der Roman von Inés Kerl ist natürlich weitaus spannender.

Da ist die Auseinandersetzung mit den eingeborenen Stämmen, die noch Macht besitzen und den Betrieb der Europäer empfindlich stören können, das spätere Apartheid-System scheint allerdings schon angelegt zu sein. Die Autorin bricht eine Lanze für die Khoi, die sich selbst als Hottentotten bezeichneten, er kennt den abwertenden Begriff nicht? Die Nachfahren der Vrijburghers sind die Buren, mit oft deutscher, niederländischer oder französischer Abstammung, die einerseits gegen die Weltmacht Großbritannien demokratischen Republiken gründeten, natürlich ohne Wahlrecht für die indigenen Stämme, andererseits im 20. Jahrhundert die latente Rassentrennung in ihrem Apartheidsregime zum Gesetz erhoben.

Die vielen Personen und Episoden erforderten ein erneutes Blättern im Band 1, wer da mit wem unter den meist niederländischen Namen wie verbunden ist, muss sich die Leserin, der Leser erarbeiten. Der Einstieg war daher nicht ganz einfach, die Recherche, ob zwischendurch oder im nach hinein, gab Aufschluss über Geschichte, Politik und nicht zu letzt das Land am Kap der Guten Hoffnung, am Goede Kap.

* * *

Eine glasklare Empfehlung für einen (bisher?) zweibändigen Roman, man sollte allerdings mit der Löwin vom Tafelberg beginnen.
Ich hoffe doch sehr, dass sich Inés Keerl zu einem der HOMER-Preise vorarbeitet und bedanke mich für das persönlich gewidmete Buch.





©️ Bücherjunge

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite, werden automatisch über Blogger (Google) personenbezogene Daten, wie E-Mail und IP-Adresse, erhoben. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken eines Kommentars stimmst Du der Datenschutzerklärung zu.

Um die Übertragung der Daten so gering wie möglich zu halten, ist es möglich, auch anonym zu kommentieren.