Mittwoch, 25. März 2026

Lukaschewski, Manfred: Verschenkte Jugend - Robert und Franz

 

Bilder aus Wikipedia (Stalingrad, U-Boot-Krieg, Deportation)


Roman einer Jugend nannte Dieter Noll 1960 seinen ersten Band von Die Abenteuer des Werner Holt. Manfred Lukaschewski hat den sicher gekannt, als Jahrgang 1951 und in Altenzaun geboren, so wie vermutlich jeder (männliche) Jugendliche in der DDR. Die jungen Männer, die unmittelbar nach dem Abitur über die Flak und den Reichsarbeitsdienst (RAD) in die Wehrmacht gingen, freiwillig, lernen in den letzten Kriegsmonaten die Schrecken des Krieges kennen. Freundschaften gehen auseinander. Holt, zerrissen zwischen den Freunden nachdenklichen Gomulka und dem fanatischen Wolzow wird erst nach Kriegsende begreifen, was der Nationalsozialismus dem deutschen Volk brachte.

Jedoch sind es die Erlebnisse des Vaters vor Stalingrad, die Lukaschewski hier verarbeitet hat. Ist es ihm gelungen, Nationalsozialismus, Holocaust, Krieg so eindringlich darzustellen, dass dies den Weg in die Köpfe junger Menschen findet?

  • DNB / tolino media (Verlag) - Self-Publishing / 2026 / ISBN: 978-3-8194-0517-4 / 467 Seiten
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Robert und Franz machen Abitur. Franz ist der Sohn eines gestandenen Sozialdemokraten, der in Schutzhaft genommen wird und im das Konzentrationslager Sachsenhausen gequält wird. Robert, obwohl dem Nationalsozialismus und dem Führer folgend, sucht mit dem Freund nach dem Vater. Sie erfahren wohin er verbracht wurde, aber erreichen nicht mehr.

Franz besteht das Abitur wegen der Geschichtsprüfung nicht, da er unbequeme Fragen stellt. Robert geht freiwillig zur Wehrmacht und wird an der Westfront, später in einem Bewährungsbataillon (Strafbataillon) an der Ostfront bei Stalingrad eingesetzt. Franz entgeht weiterer Verfolgung durch den "freiwilligen" Eintritt in die Kriegsmarine bei der U-Boot-Flotte. Als er nach einem Fliegerangriff und inzwischen mit EK 1 und 2 ausgezeichnet, ein steifes Bein zurückbehält, bewirbt er sich zum Schrecken seiner Eltern bei der SS. Franz ist ein anderer Mensch geworden, so wie Robert sich in eine entgegengesetzte Richtung entwickelt in Angesicht von Verbrechen durch die Wehrmacht.

Gibt es für die einstige Freundschaft nach dem Krieg noch eine Chance?

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Auf 467 Seiten versucht der Autor zu erzählen, was die NS-Schreckenszeit aus den Menschen macht. Es gelingt ihm mit diesem Weg „über Kreuz“ eindringlich. Der ständige Wechsel zwischen beiden, zeigt die Etappen beiderseitigen umdenken, Erkenntnisgewinnung des einen, Radikalisierung des anderen. Dabei hat Robert das Glück auch in den schlimmsten Situationen Kameraden zu finden, was Franz nicht vergönnt ist. Das Endergebnis ist folgerichtig, Leserinnen und Leser sollten es sich aber sebst erarbeiten.

Was zu Beginn verwundert, ist ein gewisses Unwissen über den Weg bei Marine und Heer, für zwei 17/18jährige, die doch so lange Jahre bei der HJ gewesen sein müssten. Robert auf jeden Fall, bei Franz war nicht zu lesen, dass er kein HJ-Mitglied war. Dienstgrade der Wehrmacht, Kriegsmarine, ebenso von SS und SA,  Musterungsabläufe und Laufbahnen gehörten sicher zum Grundwissen der Mitglieder der Hitlerjugend.

Ich empfehle dieses Buch jüngeren Lesern, es ist eindringlicher und letztlich kürzer als die oben genannten Romane, welche ihre Zeit hatten. Trotzdem lege ich Verschenkte Jugend zu ihnen in eine Reihe. Es sieht weit dicker aus, als es letztlich ist.

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Manfred Lukaschewski, bisher bekannt durch seine kriminalistischen Fachbücher, hat hier sein Romandebüt gegeben, welches ihm gelungen ist. Der Diplom-Physiker und promovierte Diplom-Kriminalist hat mit „Stolpersteine der Kriminalistik“ für Autoren und Drehbuchautoren ein oft amüsantes Kompendium veröffentlicht, möge er ein solches nicht selber brauchen, aber lektorische Unterstützer in der Belletristik.

Vielen Dank an den Autor für das Rezensionsexemplar.

©️ Bücherjunge





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