Dienstag, 10. März 2026

Stürikow, Regina: Kommissar Gennat und der BVG-Lohnraub

 

Leserinnen und Leser, wenn sie gern Kriminalromane lesen, haben da so ihre kriminalistischen Vorlieben. Vor allem bei Regionalkrimis und diversen Buchreihen folgen sie ihren Spezies, die da Max Heller (Frank Goldammer) oder Julia Durant (Andreas Franz), Toni Sanftleben (Tim Pieper) oder Harry Hole (Jo Nesbø) heißen. (Hier auf diesem Blog gibt es außer diesen noch mehr)

Wer sich einer Reihe namens Babylon Berlin näherte und Volker Kutschers Gereon Rath folgte, lernte dabei einen dicken Kriminalrat kennen, der mal keine fiktive Figur darstellte, Ernst Gennat (1880 – 1939) arbeitete während der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und unter den Nationalsozialisten in der Berliner Polizei, der Aufbau einer modernen Mordkommission geht dabei auf sein Konto. Bei Volker Kutscher lesen wir, dass das „Mordauto“, bestückt mit Tatortuntersuchungsmaterial, unter den Berlinern bekannt war.

Gennat galt länger als vergessen. Regina Stürickow hat ihren Anteil daran, dass er, der „Buddha vom Alexanderplatz“ in diversen Büchern wieder auflebt.
* * *

1931 - Wikipedia
Inhalt: 
 
In diesem Buch, dass den Raub von Lohngeldern der Berliner Verkehrsbetriebe behandelt, bei dem ein Geldbote stirbt, tappt der Kriminalrat lange im Dunkeln, aber er hat da ja einen neugierigen Freund, den jüdischen Journalisten Max Kaminski, der in den Ermittlungen kräftig mitmischt. Ein „Lohnraub“ ist schon mal Diebstahl mit Gewalt, hier besteht die Gewalt in Mord. Sind es „wilde Cliquen“, gewaltbereite Jugendbanden, die hier am Werk sind? Eine Reihe von weiteren Fällen stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Fall. Ohne Kaminski, der sich selbst in Gefahr begibt, ist da wohl nichts zu machen, ohne ihn würde er zu einem „nassen Fisch“.


Zeit:    Der BVG-Lohnraub, ein wahrer Fall, ereignet sich im Jahr 1932. Die Zeit ist geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, während der kommunistische Rotfrontkämpferbund verboten bleibt, werden SA und SS bald wieder zugelassen.
In der „roten Burg“ finden sich auch bald mehrere Kriminalisten, die NSDAP wählen. So tritt der spätere Chef der Berliner Kripo, Arthur Nebe, hier noch als Kommissar auf.
Der spannende Fall ist Zeitgeschichte pur und Polizeigeschichte ebenso. Am Beispiel der fiktiven Familie Kaminski wird erzählt, dass der um sich greifende Antisemitismus bereits vor der Machtübernahme erkennbar war.

Buch:   Björn Harras liest den Roman in einer erstaunlichen Geschwindigkeit, was der Spannung zugutekommt. Er lässt den Hörer nicht aus seinem Bann. Allerdings übertreibt er, der die vielen Personen stimmgewaltig unterscheidet, manchmal etwas daneben, er übertreibt. Dies gilt zum Beispiel für Ernst Gennat selbst, wenn er hier zornig und aufbrausend auftritt. Die Legende beruht auf der Professionalität, Humor und menschlicher Zugewandtheit des übergewichtigen Kuchnliebhabers.

Mit einer Länge von 8 ¾ Stunden Hören erscheinen die Fälle „überschaubar“.


Autorin:  Regina Stürikow (*1958) studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte, sie promovierte in Paris. In den 90er Jahren entdeckte sie den Namen „Gennat“ im Archiv, im Laufe der Jahre hat sie ihn vielfach bekannt gemacht.

Kriminalisten werden im Film und in Ramen oft einfach als Kommissare bezeichnet. Hier wirkt das etwas irritierend, denn Ernst Gennat war zum Schluss Regierungs- und Kriminalrat, der zur nationalsozialistischen Ideologie auf Distanz blieb.

Stürikow schrieb mit Kommissar Gennat – Der Kommissar vom Alexanderplatz (zuerst 1998) eine Biografie über den „dicken“, manchmal auch der „volle Ernst“ genannt.


Fazit:   Mit ihren Büchern lesen oder hören wir nicht nur interessante Kriminalfälle, historische Fiktion, wir erfahren eine Menge über die Zeit, insbesondere der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

©️ Bücherjunge


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