Donnerstag, 4. Juni 2026

Brø, Tuva: Tödliches Leuchten

 

In der eisigen Dunkelheit von Tromsø erschüttert ein brutaler Mord die verschneite Idylle. Der erfolgreiche Tourismusunternehmer Glen Solberg wird vor seinem Haus tot aufgefunden, mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe hingerichtet. Noch bevor Anta Thorsen und Hans Vigeland von der Polizei Tromsø Antworten finden können, geschieht ein zweiter Mord. Tief im Schnee, in einer abgelegenen Hütte, wird ein Mann in einen Hinterhalt gelockt und erstochen - ausgerechnet in einer Nacht, in der die Nordlichter besonders hell über den Himmel tanzen. Zwei Tote. Zwei Tatorte. Und es gibt nur stumme Zeugen: die Polarlichter. (Verlagsbeschreibung)

DNBGmeiner / 2026/ ISBN 978-3-8392-8004-1 / 336 Seiten

Reihe: Polarblut Bd. 1

Kurzmeinung: Unterkühlter Krimi an einem Handlungsort nördlich des Polarkreises - sehr belastete Kommissare, schleppende Ermittlungen, imposante Natur...






UNTERKÜHLTER KRIMI...


Manchmal kommen Bücher zufällig zur rechten Zeit - diesen Krimi las ich während einer Urlaubsreise durch Norwegen, und das nördlichste Ziel dieser Tour war genau der Ort, in dem dieser Krimi spielt: Tromsø. Leider ist dieses passende Zusammentreffen keine Garantie dafür, dass einem der Krimi auch gefällt...

Mit "Polarblut - Tödliches Leuchten" eröffnet Tuva Brø eine neue Krimireihe, die in Tromsø, der größten Stadt Norwegens nördlich des Polarkreises, angesiedelt ist. Die Ausgangslage verspricht einen atmosphärischen Nordic Noir: Der erfolgreiche Tourismusunternehmer Glen Solberg wird vor seinem Haus mit einem Kopfschuss hingerichtet. Kurz darauf folgt ein zweiter Mord in einer abgelegenen Hütte. Die Ermittler Anta Thorsen und Hans Vigeland versuchen, Verdächtige und Motive zu finden und etwaige Zusammenhänge zwischen den Verbrechen aufzudecken.

Die besondere Kulisse ist zweifellos die größte Stärke des Romans. Brø fängt die extreme Dunkelheit der Polarnacht ebenso eindrucksvoll ein wie die harschen Wetterbedingungen mit Schnee, Eis und klirrender Kälte. Auch die Beschreibungen der Nordlichter, für deren Beobachtung Tromsø weltweit bekannt ist, verleihen der Handlung eine eindrucksvolle Atmosphäre. Die Natur wird fast zu einer eigenen Figur und sorgt für viele stimmungsvolle Momente.

Weniger überzeugen konnten hingegen die Ermittler. Anta Thorsen ist geschieden und entfremdet von ihren beiden Töchtern, die keinen Kontakt mehr zu ihr wünschen. Die Hintergründe dafür bleiben im ersten Band noch offen, da sie offenbar Teil der übergeordneten Reihenhandlung sind. Stattdessen nimmt Antas Sportsucht einen überraschend großen Raum ein. Die detaillierten Schilderungen ihrer Trainingsroutinen wirken auf Dauer repetitiv und drängen die eigentliche Krimihandlung immer wieder in den Hintergrund.

Auch Hans Vigeland trägt sich mit Problemen. Ein kürzlich aufgedecktes Familiengeheimnis hat ihn überhaupt erst dazu veranlasst, sich nach Tromsø versetzen zu lassen. Doch statt die Figuren dadurch greifbarer zu machen, bleiben beide Ermittler über weite Strecken distanziert und schwer zugänglich. Generell fiel es mir schwer, Sympathie für jedwelche Figur zu entwickeln, da für mein Empfinden alle Charaktere kühl und unnahbar wirken.

Die Ermittlungen selbst verlaufen erstaunlich schleppend. Obwohl die beiden Morde möglicherweise miteinander zusammenhängen, scheint das Team lange eher orientierungslos zu agieren. Verdächtige gibt es reichlich: die Schwester des ermordeten Unternehmers, die Ehefrau des zweiten Opfers, Geschäftskonkurrenten und zahlreiche weitere Personen. Ein klares Motiv kristallisiert sich jedoch erst spät heraus. Zudem wirken manche Entscheidungen innerhalb des Ermittlerteams wenig nachvollziehbar. Eine Kollegin wird teilweise ignoriert oder übergangen, während ein Kollege in einen anderen Ort geschickt wird und dort bleiben soll, bis er auf Ergebnisse stößt. Nicht selten scheint der Fall eher durch glückliche Zufälle als durch überzeugende Polizeiarbeit voranzukommen.

Dadurch entstand bei mir zunehmend der Eindruck, dass die Ermittler wenig professionell agieren. Spannung kommt zwar immer wieder auf, doch durch die zahlreichen Umwege und Zufälle war die Auflösung für mich letztlich fast schon uninteressant. Gegen Ende war ich vor allem erleichtert, als der Fall endlich gelöst war.

Interessant ist zudem, dass Tuva Brø keine Norwegerin ist. Sie lernte Norwegen während ihres Studiums kennen; der nordisch klingende Name wirkt daher eher wie ein bewusst gewähltes Pseudonym und könnte leicht einen anderen Eindruck vermitteln.

Insgesamt ist Polarblut ein atmosphärisch starker Krimi mit eindrucksvollen Naturbeschreibungen, dessen Figuren und Ermittlungsarbeit jedoch wenig überzeugen können. Die faszinierende Kulisse Tromsøs und die eindrucksvoll eingefangene Polarnacht reichen nicht aus, um die Schwächen bei Charakterzeichnung und Plotentwicklung auszugleichen. Für mich blieb daher der Eindruck eines eher unterkühlten und wenig überzeugenden Reihenauftakts zurück.

Einem möglichen Nachfolgeband sehe ich deshalb skeptisch entgegen...


© Parden



Tuva Brø entdeckte ihre Liebe zu Norwegen während ihres Studiums – seither zieht es sie immer wieder für kürzere und längere Aufenthalte in das Land der Fjorde und Trolle. Am meisten fasziniert sie die Verbindung von moderner Lebensweise und scheinbar unendlicher Natur. So ist sie eine begeisterte Anhängerin des norwegischen „Friluftsliv“, der Idee, das Beste aus der Zeit in der freien Natur zu machen. Die raue Schönheit und Einzigartigkeit Tromsøs zog sie bereits bei ihrem ersten Besuch in der Arktis in ihren Bann. Regelmäßig kehrt sie in das „Paris des Nordens“ zurück – zur Zeit der Mitternachtssonne, während der Polarnächte oder um das magische Leuchten der Aurora borealis zu erleben. (Quelle: Gmeiner)


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