DNB / LAGO / 2018/ ISBN 978-3-95761-188-8 / 208 Seiten
Kurzmeinung: Schlichtes Cover, typografisch besonders in Szene gesetzte Lyrik - verschiedene Lebensphasen und Themen wie Trauer, toxische Beziehungen...
SEHR PERSÖNLICHE LYRISCHE TEXTE...
Amanda Lovelaces Gedichtband ist mehr als eine Sammlung moderner Lyrik. Unter dem märchenhaften Titel verbirgt sich eine schonungslose, sehr persönliche Auseinandersetzung mit Trauma, Verlust, toxischen Beziehungen, Selbstfindung und weiblicher Selbstermächtigung. Die Autorin verarbeitet darin Erfahrungen aus ihrer Kindheit, Jugend und ihrem Erwachsenenleben und macht die Lyrik zu einem Ventil für Schmerz, Wut, Angst und schließlich Heilung.
Wer klassische Gedichte mit Reimen und festen Formen erwartet, wird hier nicht fündig. Lovelace schreibt in freien Versen, oft nur aus wenigen Zeilen bestehend. Diese Reduktion ist zugleich Stärke und Schwäche des Bandes: Manche Texte entfalten eine enorme emotionale Wucht, andere wirken eher wie kurze Gedanken oder Lebensweisheiten. Dennoch entsteht aus der Gesamtheit der Gedichte ein eindrucksvolles Bild eines Menschen, der sich Schritt für Schritt aus Verletzungen befreit.
Besonders berührend sind die Texte über das schwierige Verhältnis zur Mutter und die vergebliche Sehnsucht nach deren Liebe und Anerkennung. Auch spätere Erfahrungen mit Liebe und Enttäuschung, Hoffnung und Trauer ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Anfangs begegnet man einer verletzlichen, oft hilflosen Erzählerin; im Verlauf der Sammlung gewinnen die Texte jedoch zunehmend an Stärke und Selbstbewusstsein. Diese Entwicklung spiegelt die persönliche Reise der Autorin wider und verleiht dem Band eine klare innere Dramaturgie.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ist die typografische Gestaltung. Wörter und Zeilen sind auf besondere Weise auf der Seite angeordnet, wodurch die gewohnte Leserichtung aufgebrochen wird. Das zwingt dazu, langsamer und aufmerksamer zu lesen, und verstärkt die Wirkung einzelner Aussagen. Die Gestaltung wird damit selbst zum Bestandteil der poetischen Ausdrucksform.
Dieser Lyrikband zeichnet sich weniger durch sprachliche Raffinesse oder komplexe Metaphorik aus. Seine Kraft liegt in der Ehrlichkeit und Verletzlichkeit der Botschaften. Menschen, die selbst Erfahrungen mit familiären Konflikten, emotionalem Missbrauch, Verlust oder schwierigen Beziehungen gemacht haben, werden sich in vielen Zeilen wiederfinden und teilweise auch tief berührt fühlen. Amanda Lovelace erzählt eine Geschichte vom Überleben und davon, die eigene Stimme wiederzufinden – und macht damit deutlich, dass die Prinzessin am Ende niemanden braucht, der sie rettet, außer sich selbst.
Alles in allem eine intensive, sehr persönliche Gedichtsammlung über Schmerz, Heilung und weibliche Selbstbestimmung. Nicht jeder Text trifft gleichermaßen, doch als Gesamtwerk entfaltet das Buch eine starke emotionale Wirkung.
© Parden


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