| Meister Floh - PdL 20 |
Ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde
„Hier werden Titel wiederveröffentlicht, die bereits im 19. oder 20. Jahrhundert in Europa erschienen sind und zeitweise sehr erfolgreich waren oder sprachliche Besonderheiten aufweisen und auf jeden Fall richtungsweisend waren“
Das sind die Perlen der Literatur aus dem Input-Verlag, hier nun die zwanzigste Vorstellung der Reihe, welche inzwischen bereits vierzig Bände umfasst.
Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (1776 – 1822), der den Wilhelm wegen seiner Mozart-Verehrung gegen Amadeus austauschte, schrieb den Meister Floh am Ende seines Lebens und hatte dabei noch Ärger mit der Justiz und vielleicht ist das für diese oder jene Leser oder Leserinnen die eigentlich spannende Geschichte dieses Buches.
Welchem Dichter wird schon eine Oper nebst Hauptrolle gewidmet? Hoffmanns Erzählungen von Jaques Offenbach beruht auf drei Erzählungen und eine vierte, die von Klein Zaches, genannt Zinnober, erhält in der Oper ein eigenes Lied, gesungen vom Dichter. Allein dies sollte auf den Dichter neugierig machen, der eine ganze Reihe von Literaturperlen verfasste.
Welchem Dichter wird schon eine Oper nebst Hauptrolle gewidmet? Hoffmanns Erzählungen von Jaques Offenbach beruht auf drei Erzählungen und eine vierte, die von Klein Zaches, genannt Zinnober, erhält in der Oper ein eigenes Lied, gesungen vom Dichter. Allein dies sollte auf den Dichter neugierig machen, der eine ganze Reihe von Literaturperlen verfasste.
- DNB / INPUT-Verlag / Hamburg 20222 / ISBN: 978-3-941905-54-2 / 255 S.
Was lesen wir? Ein in geschliffenem exakten Deutsch geschriebenes Märchen, in dem ein seltsamer Mensch namens Peregrinus Tyß mit weiteren eigentümlichen Figuren zu tun bekommt, als da wären die Prinzessin Gamaheh, die Distel Zeherit, der Genius Thetel und Meister Floh, sowie einige ander, insgesamt sollen 205 sein.
Letzteren ist vom Flohbändiger Leuwenhoek auf ihn übergesprungen und begleitet Herrn Tyß nun fortwährend. Der Meister Floh ist der „in allen Dingen des Lebens zur Meisterschaft gelangter“ Chef der Flöhe, deren Senat genau 49.999 Mitglieder umfasst, des eindeutigen Abstimmungsergebnisses wegen.
Der Meister Floh kann dafür sorgen, dass Tyß die wahren Gedanken seines Gegenübers erkennen kann, wenn er ihm ein optisches Instrument, ein Mikroskop, in die Pupille setzt. Zudem hat unser Peregrinus die weihnachtliche Angewohnheit, zuerst das Geschenkeritual seiner Kindheit an sich selbst und gleich danach an benachteiligten Nachbarskindern zu wiederholen. Er hat sich unsterblich in eine Dame verliebt, wird für deren angebliche Entführung kurz verhaftet und währe ohne seinen Floh vielleicht nicht... Aber das Ende kommt am Ende.
Geschliffenes Deutsch und für unser Gefühl enorme Schachtelsätze: Das ist der Dichter Hoffmann, der auch Musikdirektor und Jurist gewesen ist, mehrfach verheiratet und am Ende des Lebens halb gelähmt im Bett die letzten Seiten dieses Märchens druckgenau niederschreibend oder diktierend verfasste. Das passt zusammen und ist trotzdem schwer zu lesen.
Zumindest geht es dem Rezensenten so, der das Gefühl nicht los wurde, trotz der wunderbaren Sprache nicht vom Fleck zu lesen. Womit er zu Knarrpanti kommt.
Der Jurist Hoffmann vertrat einen heute selbstverständlichen rechtsstaatlichen Standpunkt, nachdem „Gedanken, die nicht zur Tat geworden, nicht strafbar sind.“ Dies findet sich in der Knarrpanti-Episode, mit der das Interesse des Rezensenten neu geweckt wurde, denn er fand dieses Buch von 1953, welches viel Interessantes zu Hoffmann beinhaltet.
Der Kammergerichtsrat Hoffmann wurde Mitglied der „Immediat-Untersuchungskommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe“ und sollte darin „Gefahren ermitteln, die Deutschland und Preußen drohen.“
So legt er sich, auch durch die Anwendung des oben genannten Grundsatzes mit dem Ministerialdirektor im Polizeiministerium, Karl Albert von Kamptz an, den er dann in vierten und fünften Kapitel seines „Meister Floh“ unsanft verspottet, mit Knarrpanti verballhornt Hoffmann dessen Namen. Er hatte Freunden von den „Floh-Abenteuern“ erzählt, und Kamptz wurde das zugetragen.
Dass er deshalb auf dem Krankenbett ein wenig am Text feilt, weil ihm Disziplinarverfahren wegen Beamtenfaulheit drohen, ist letztlich unerheblich, er stirbt kurz nach der Veröffentlichung, wobei die Kürzungen in einer Ausgabe von 1908 wieder in den Gesamttext aufgenommen wurden, welche man 1905 im Geheimen preußischen Staatsarchiv fand.
Näheres, das sei ausnahmsweise extra erwähnt, kann man dem umfangreichen Wikipedia-Artikel zu E.T.A. Hoffmann entnehmen.
Die Geschichte ist also einigermaßen kompliziert, ein Märchen, welches man auch als Beginn der Fantasy-Literatur ansehen könnte. Das unten abgebildete Buch aus dem Verlag das Neue Berlin konzentriert sich auf die Knarrpanti-Episode und lässt das erste sowie das letzte Abenteuer einfach aus, ist dafür schön aufgemacht und beinhaltet viele Illustrationen und zusätzliche Informationen zum Autor dieser Geschichte.
Die Literaturperle ist ebenso mit einem informativen Vorwort und einem umfangreicheren Nachwort von Rainer Lewandowski versehen, der auf Hoffmanns Rechtsgedanken nach dem „ bloße Gesinnungen, sind sie nicht als Tat ins Leben getreten, nicht Gegenstand einer Kriminaluntersuchung sein können,“ intensiv eingeht. Für die, die es ganz genau wissen wollen, findet sich am Schluss noch die von Hoffmann diktierte Verteidigungsschrift zum „Knarrpanti-Fall.“
Das ein schwieriges Märchen seine Tücken hat, wird durch teils umfangreiche Fußnoten deutlich, der Verleger, Ralf Plenz, erkennt wohl die „Lesefallstricke“ des hoffmannschen Stoffes an. Bibliografisch erinnert er an eine Jubiläumsausgabe aus dem Jahre 1922 und daher erhalten Leserinnen und Leser eine Vorstellung vom Meister Floh, der er auf dem Vorsatzpapier des blauen Buches abbildet.
Für den Rezensenten wurde Meister Floh zu einem überaus interessanten Kriminalstück, und endet doch als „wundersames Märchen mit einem fröhlichen und erwünschten Ende.".
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Perlen der Literatur:
Proserpina (Elisabeth Langgässer) / Seefahrt ist not! (Gorch Fock) / Einbahnstraße (Walter Benjamin) /
Kleine Stadt (Heinrich Mann) / Palmström... (Christian Morgenstern) / Die Weihnachtsuhr (Antje Thietz-Bartram) / Forschungen eines Hundes (Franz Kafka) / Das Fenster zum Sommer (Hannelore Valencak) / Bezaubernder April (Elisabeth von Arnim) / Eine blassblaue Frauenschrift (Franz Werfel) / Sterben (Arthur Schnitzler) / IDA und Im Rausch des Weines (Irène Némirovsky) Orlando (Virginia Woolf) Bambi (Felix Salten) /
Aus dem Leben eines Erfolgsschriftstellers (Michael Krüger) / Die Mutter (Grazia Deledda)
Meister Floh (E.T.A. Hoffmann)

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