Montag, 13. Juli 2026

Dostojewski, Fjodor M.: Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett (Hörbuch)

 

Den alten Schabrin plagt die Eifersucht. Seine Frau Glafira ist auf Abwegen, dessen ist er sich sicher. Um seiner Qual ein Ende zu setzen, beschließt der gehörnte Ehemann seine lebenslustige Ehefrau in flagranti zu ertappen. Doch seine Streifzüge münden stets in skurrile Situationen, bis er gar selbst unter Verdacht gerät, der Gespiele einer ihm fremden Frau zu sein, und sich zu allem Übel auch noch versehentlich mit Glafiras Liebhaber verbrüdert. Verwechslungen, Ausreden, seltsame Zufälle – Dieter Mann nimmt den Hörer mit auf eine rasante Odyssee durch das St. Petersburg des 19. Jahrhunderts. (Verlagsbeschreibung)

DNB / DAV / 2019 / ISBN 978-3-7424-1141-9 / 111 Minuten

Kurzmeinung: Turbulente Verwechslungskomödie, die eine ungewöhnlich humorvolle Seite Dostojewskis zeigt...






EIFERSUCHT...


Wer bei Dostojewski ausschließlich an düstere Seelenanalysen und existenzielle Abgründe denkt, dürfte von dieser kurzen Geschichte (erschienen 1848) überrascht werden. Die frühe Erzählung ist eine turbulente Verwechslungskomödie, in der Eifersucht, Missverständnisse und absurde Zufälle eine herrlich groteske Dynamik entwickeln. Hinter dem Humor blitzt jedoch immer wieder Dostojewskis feines Gespür für menschliche Schwächen auf – besonders für die Selbsttäuschung und die zerstörerische Kraft krankhafter Eifersucht.

Ein wesentlicher Grund, diese ungekürzte Hörbuchausgabe (1 Stunde und 51 Minuten) zu empfehlen, ist der Sprecher. Dieter Mann liest mit großer Souveränität, wobei er jeder Person eine eigene Stimme verleiht und gelungen die Balance zwischen Ironie, Situationskomik und unterschwelliger Tragik trifft. Gerade die Dialoge gewinnen durch seinen nuancierten Vortrag deutlich an Lebendigkeit, sodass die knapp zweistündige Lesung kurzweilig und abwechslungsreich bleibt.

Trotz des altertümlichen Sprachstils funktioniert der Humor insgesamt erstaunlich gut. Manche Passagen wirken etwas ausschweifend, und nicht jede Pointe entfaltet die gleiche Wirkung. Wer hier angelehnt an Dostojewskis große Romane eine Geschichte mit ausgefeilter psychologischer Tiefe erwartet, sollte wissen, dass diese Erzählung deutlich leichter und boulevardesker angelegt ist.

Insgesamt ein vergnügliches Hörerlebnis, das Humor und feine Menschenbeobachtung gekonnt verbindet. 


© Parden




Fjodor Dostojewski, geboren 1821 in Moskau, hinterließ Jahrhundertromane wie »Schuld und Sühne«, »Der Idiot« und »Die Dämonen«. Nach seinem Studium an der Technischen Universität Sankt Petersburg und seiner Arbeit als Militärzeichner widmete er sich ab 1844 ganz dem Schreiben. Bereits zu Lebzeiten fand Dostojewski für seine zahlreichen Werke große Anerkennung. Er starb 1881 in Sankt Petersburg. (Quelle: dav)


1 Kommentar:

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