Keines der drei bedarf inhaltlich an sich einer Vorstellung. Sowohl Die Odyssee als auch Die Nibelungen sind bekannt, Ali Baba und die 40 Räuber aus 1000 und Eine Nacht vielen sicher auch.
Donnerstag, 16. Oktober 2025
Inselbücher - drei in einem Post
Montag, 19. August 2024
Plenz, Ralf: Das kleine Märchenbuch - Wie ein Buch Leben verändert.
Donnerstag, 25. Juli 2024
Fallada, Hans: Geschichten aus der Murkelei
Sonntag, 19. Mai 2024
Siegmund, Fabienne: Das Zylinderkabinett oder das Mädchen, das nicht dorthin gehörte (Hörbuch)
Alles, was mit Magie in Berührung kommt – egal, ob für einen Sekundenbruchteil wahrer Magie oder für jene Momente, die der Illusion auf den Bühnen der Welt gehören – wird irgendwann selbst magisch. So geht es auch Puschkin, dem weißen Kaninchen eines Zauberers in Montparnasse, das abseits der Vorstellung sein Leben im Zylinderkabinett verbringt – jenem Ort, an dem Tücher wie Schmetterlinge fliegen und Tauben zu Plastikrosen werden. Dort, wo die Schuhmaus alle Geschichten kennt und der Regenbär die Seerosen gießt, wo die Pikdame die Geheimnisse hütet und die Puschelwuschelohrenkatze ihr Unwesen treibt: Genau dort taucht eines Tages direkt vor Puschkins Hasennase ein winziges Mädchen auf, das einen Schlüssel im Rücken hat und sich nur bewegt, wenn man ihn dreht. Schnell wird klar, dass Eugenie, wie dieses Mädchen heißt, nicht in das Zylinderkabinett gehört, und so macht sich Puschkin mit ihr auf den Weg zum von allen gefürchteten Schmuckfrosch – der einzigen Hoffnung, die Eugenie noch zu haben scheint… (Verlagsbeschreibung)
Sonntag, 21. April 2024
Kerstin Groeper erzählt Indigene Märchen
Im Literaturunterricht in der Schule lernten wir etwas über Fabeln. Tiere, gelegentlich Pflanzen übernahmen die Rollen von Menschen, und dadurch wurden in kurzen Prosatexten den Menschen Lehren oder kleine Belehrungen erteilt. Märchen dagegen enthalten bei uns meist wundersame Begegnungen, manchmal Zauberei und lassen sich von mythologischen Sagen und Erzählungen manchmal nur unscharf trennen.
Donnerstag, 24. November 2022
Schubert, Lisa: Ein Märchen aus Zucker und Sand
Sonntag, 8. Mai 2022
Vor Schulte, Stefanie: Junge mit schwarzem Hahn (Hörbuch)
- Herausgeber : Diogenes; 1. Edition (25. August 2021)
- Sprache : Deutsch
- Sprecherin : Robert Stadlober
- Ausgabe : Ungekürzte Ausgabe, 4 Stunden und 18 Minuten
- ASIN : B09KMCZHR5
Sonntag, 6. Juni 2021
Apuleius, Lucius: Amor und Psyche (Hörbuch)
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| Auf dieses mir vollkommen unbekannte Hörbuch stieß ich, als ich durch das Programm von NDR-Kultur stöberte. Den sog. Klassikern widme ich mich eher selten - zumal wenn ich wie hier noch nie zuvor etwas davon gehört habe. Doch da die Dauer der Lesung nicht sehr umfangreich war, beschloss ich, hier einen Versuch zu wagen. Und so entdeckte ich ein antikes Märchen aus dem 2. Jhd. nach Christus, bei dem sich etliche Elemente finden, die in späteren Märchen aufgegriffen wurden. Angenehm zu hören war es außerdem... |
Dienstag, 5. Januar 2021
Rowling, J.K.: Der Ickabog
Ein sagenumwobenes Ungeheuer, ein Königreich in großer Gefahr und zwei Kinder, die außergewöhnlichen Mut beweisen müssen. In diesem ganz besonderen Märchen geht es um den Sieg von Hoffnung und Freundschaft gegen alle Widrigkeiten, erdacht von einer der besten Geschichtenerzählerinnen der Welt, J.K. Rowling.
Schlaraffien war einst das glücklichste Königreich der Welt. Es gab Gold zuhauf, einen König mit einem unglaublich schneidigen Schnurrbart und dazu Metzger, Bäcker und Käser, die mit den erlesenen Produkten ihrer Handwerkskunst Menschen vor Begeisterung zum Tanzen brachten, wenn sie davon aßen.
Alles war perfekt – wenn man einmal vom nebligen Marschland im Norden absieht, wo einer Legende nach der schreckliche Ickabog haust. Natürlich weiß jeder, dass der Ickabog nur ein Mythos ist, mit dem man kleinen Kindern Angst macht. Das Lustige an solchen Geschichten ist aber, dass sie manchmal ein eigenes Leben entwickeln.
Kann ein Mythos zur Absetzung eines beliebten Königs führen? Kann er ein Land an den Rand des Verderbens bringen? Und kann er zwei Kinder völlig unerwartet in ein gefährliches Abenteuer stürzen?
Wer mutig ist, kann weiterblättern, in die Geschichte eintreten und es selbst herausfinden …
(Klappentext: Carlsen Verlag)
- Herausgeber : Carlsen; 4. Edition (10. November 2020)
- Sprache : Deutsch
- Übersetzung : Friedrich Pflüger
- Gebundene Ausgabe : 352 Seiten
- ISBN-10 : 3551559201
- ISBN-13 : 978-3551559203
- Lesealter : 8 Jahre und älter
- Originaltitel : The Ickabog
Montag, 16. September 2019
Funke, Cornelia: Das Labyrinth des Fauns (Hörbuch)
Donnerstag, 6. Dezember 2018
Eltern family: Weihnachtsmärchen
Ob diese Kombination gelungen ist, kann man hier nachlesen:
Freitag, 17. Februar 2017
Hetmann, Frederik: Indianermärchen
Diese Märchen, Mythen und Legenden der Indianer Nordamerikas erzählen von Abenteuern und Helden, von Schlangenbrüdern, Himmelsfrauen und vielem mehr. Sie erlauben uns einen Einblick in die Lebensumstände der einzelnen Stämme, ihre magischen Vorstellungen und das Selbstverständnis der Indianer. Dabei kam es Frederik Hetmann darauf an, möglichst authentische Texte zu sammeln, die weitestgehend frei von klischeehaften Veränderungen durch die Weißen waren. Durch den überlieferten traditionellen Erzählstil übermitteln die Geschichten sehr einprägsam für den Leser das tiefe Naturverständnis, die Lebensweisheit und Traditionen der Indianer.
(Klappentext Königsfurt-Urania-Verlag)
- Format: Kindle Edition
- Dateigröße: 1504 KB
- Seitenzahl der Print-Ausgabe: 192 Seiten
- Verlag: Königsfurt-Urania Verlag GmbH; Auflage: Neuaufl. (21. März 2007)
- Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
- Sprache: Deutsch
- ASIN: B011S45KO2
MYTHEN, LEGENDEN UND MÄRCHEN DER NORDAMERIKANISCHEN INDIANER...
Das Bild der Indianer wurde jahrhundertelang nach den Vorstellungen der Weißen gezeichnet. Dabei kam es zu einer verzerrten, häufig klischeehaften Darstellung der indianischen Kultur. Ein wirkliches Verständnis ist aber nur möglich, wenn die Indianer aus ihrer eigenen Welt, ihren Mythen, ihren Traditionen und ihrem eigenen Bewusstsein heraus begriffen werden. Dazu können die hier gesammelten Märchen wichtige Anhaltspunkte und Hilfen geben.
Allerdings sind die Märchen bei den indianischen Stämmen immer nur mündlich tradiert worden. Eine Schriftsprache besaßen die nordamerikanischen Indianer nicht. Nach den Jesuiten im Jahr 1633 waren es vor allem Handlungs- und Forschungsreisende, in deren Aufzeichnungen über ihre Erlebnisse im Indianerland sich sporadisch auch Elemente von Indianermärchen und -legenden fanden. Als im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts eine breitere Sammlung indianischer Folklore aufkam, neigten die Schreiber leider oft dazu, die indianischen Märchen ihrem eigenen persönlichen Geschmack entsprechend einzufärben und umzuformulieren.
Durch den Eifer verschiedener amerikanischer Universitäten kam schließlich eine immense Forscher- und Sammlertätigkeit auf. Es gibt mittlerweile kaum einen primitiven Kulturbereich, dessen Mythen, Legenden und Märchen so erschöpfend und genau notiert worden sind, wie derjenige der nordamerikanischen Indianer.
Die hier vorliegende Auswahl bietet höchstens eine kleine Kostprobe aus der inzwischen umfangreichen Sammlung. Dabei wurde sich bemüht, die Verfälschungen der ursprünglichen Erzählungen durch die Schreiber wieder rückgängig zu machen, um sich dem Original wieder anzunähern. Es wurden vor allem solche Texte ausgewählt, die etwas über die Lebensumstände der einzelnen Stämme, die magischen Vorstellungen und das Selbstverständnis der Indianer aussagen. Die Indianer können so ohne Verfälschung durch das Selbstverständnis der Weißen aus ihrer eigenen Tradition und Weltsicht heraus kennengelernt werden.
Auch wenn heute nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass ursprüngliche Überlieferungen vollkommen unverfälscht an uns herangetragen werden können, war ich neugierig darauf, was mich hier erwartet. Und tatsächlich gewährte diese Sammlung einen interessanten Einblick in die Vielfältigkeit der indianischen Stämme einerseits und das Verbindende der indianischen Kultur andererseits. Die Naturverbundenheit, der Aufbau einer indianischen Gemeinschaft, die Lebensgewohnheiten und die Mythen der Ureinwohner Amerikas werden hier glaubhaft präsentiert.
Auch wenn die einzelnen Texte oft recht schmucklos und z.T. fast nüchtern daher kommen, hat mir die Lektüre gut gefallen. Manche Indianerstämme kannte ich zuvor noch nicht einmal vom Hörensagen. Von anderen habe ich inzwischen ein viel umfassenderes Bild erhalten. In jedem Fall kommt solchen Sammlungen eine immense Bedeutung zu: die Bewahrung von vergänglichen kulturellen Schätzen.
© Parden
► übernommen vom Königsfurt-Urania-Verlag
Donnerstag, 9. Februar 2017
Wolfe, Swain: Die Frau, die in der Erde lebt
EIN ÖKOLOGISCHES MÄRCHEN...
Sarah geht mit offenen Augen durch die Welt; die Natur und ihre Geheimnisse faszinieren sie, Tiere betrachtet sie als gleichwertige Lebewesen. So rettet sie einmal einen Fuchs vor der grausamen Spielwut der Dorfkinder - einen ganz besonderen Fuchs, will es scheinen, denn er kann in Gedanken nicht nur mit dem Mädchen sprechen, sondern zeigt ihr auch, wie es ist, ein Falke, ein Blume oder ein Baum zu sein.
Von ihrer Urgroßmutter Lilly erfährt Sarah, dass vor uralten Zeiten Gelbe Seefahrer an dem Ort lebten, wo nun der Bauernhof der Familie steht. Als Sarah die Seele eines der längst verstorbenen Gelben Seefahrer begegnet, erzählt dieser ihr von der Frau, die in der Erde lebt. Und plötzlich ahnt Sarah, wie sie die Dürre des Landes und auch die Dürre in den Herzen der Menschen vertreiben kann...
"... wurde sie geblendet von dem grellen Rechteck, das die Türöffnung mit dem Hof dahinter bildete. Mitten in diesem Licht, mitten auf dem Hof stand der Brunnen, angestrahlt von der gleißenden Sonne. Einen Augenblick schien der Brunnen verschwinden zu wollen, (...) zitternd zu verblassen und nur der grelle Lichtfleck übrigzubleiben, eingerahmt vom staubigen Dunkel des Schuppens (...) ob er versiegen würde?" (S. 13)
Seit nunmehr 21 Jahren stand dieses Buch ungelesen im Regal und fiel mir jüngst wieder in die Hände. Höchste Zeit, daran etwas zu ändern! Und bereits nach wenigen Stunden klappte ich das Buch zu, immer noch im Bann der mythisch anmutenden Erzählung, traumartig, poetisch, voller eigenartiger Bilder.
Swain Wolfe, der in Colorado und Montana
aufwuchs und in jungen Jahren Holzfäller, später Bergarbeiter war,
schrieb mit 'Die Frau, die in der Erde lebt', sein erstes Buch. Die
Themen dieses ökologischen Märchens beschäftigen ihn seit Jahrzehnten.
Träume, Erfahrungen aus seinen verschiedenen Jobs, die immer mit der
Natur zu tun hatten, seine Auseinanersetzung mit Mythen und Erzählungen
vergangener, darunter auch indianischer Kulturen - all dies ging in die
Geschichte mit ein. Dieses traumartig anmutende Gefühl beim Lesen war durchaus angenehm, wenn auch befremdlich. Die mythischen Elemente woben sich konsequent durch die Zeilen, und weil ich beispielsweise mit den indianischen Kulturen nicht vertraut bin, wirkte dies so fremdartig auf mich, gleichzeitig aber auch faszinierend. Dem Vergleich mit 'Der kleine Prinz' von Antoine de Saint-Exupéry - so der Klappentext einer anderen Ausgabe dieses Buches - hält die Erzählung nicht stand, denn sie ist einfach anders.
Mir gefällt der klare, unverstellte Blick, mit dem Sarah die Dinge um sich herum betrachtet, und mit welcher Selbstverständlichkeit sie die teilweise unglaublichen Geschehnisse hinnimmt. Die Geschichte hat auch sehr spannende Momente, denn die Bedrohung, die von der Dürre und den Menschen ausgeht, ist deutlich spürbar.
Ein sehr besonderes Buch, das es verdient hat, endlich von mir wahrgenommen und gelesen zu werden. Ein ökologisches Märchen, das deutlich macht, wie wichtig es ist, den Menschen mit der Natur wieder zu versöhnen. Gerade in der heutigen Zeit kann dies nicht deutlich genug gesagt werden...
© Parden
Samstag, 25. Juni 2016
Shaw, Ali: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen
Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda´s Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten … und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas.
Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas’ Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten.
(Klappentext Script 5 Verlag)
- Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
- Verlag: script5; Auflage: 1 (9. Januar 2012)
- Sprache: Deutsch
- Übersetzung: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
- ISBN-10: 3839001315
- ISBN-13: 978-3839001318
- Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
EIN ORT DER DÜSTERNIS...
Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda´s Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten … und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas. Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas’ Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten.
Er schlug die Augen auf. Irgendwo im Dunkeln tickte eine Uhr. Das war jener Teil der Nacht, in dem die Dinge unwirklich schienen, in dem sich ein Gedanke, den man bei Tageslicht einfach beiseiteschob, ins Bewusstsein krallen konnte und bis zum Morgengrauen nicht mehr abschütteln ließ...
Ida und Midas begegnen sich nur zufällig auf dieser wenig bevölkerten Insel - er auf der Suche nach interessanten Motiven und besonderen Lichteffekten für seine Fotografie, sie auf der Suche nach dem vielleicht einzigen Menschen, der ihr noch helfen kann. Ihre nahezu farblose Erscheinung und ihr seltsamer Gang sind das Erste, was Midas an Ida auffällt. Doch noch ahnt er nicht, welch seltsame Verwandlung die dicken Stiefel des Mädchens verbergen. Dick gepolstert sind Idas Füße, geschützt unter mehreren Lagen Socken, zu leicht sonst könnten sie Schaden nehmen - denn die Füße sind aus reinem Glas. Und stets schreitet die Verwandlung weiter voran, von Knochen und Fleisch und Blut in das spröde, durchsichtige Material, das so zerbrechlich ist. Als Midas schließlich zu einem späteren Zeitpunkt von dieser Absonderlichkeit erfährt, beschließt er, alles daran zu setzen, um Ida zu helfen. Um sie zu retten.
Er fragte sich, ob jemand wie sie, die vom Festland kam, die Wirrungen des Lebens hier auf den Inseln überhaupt verstehen konnte. Wo die Gerüchteküche größeren Einfluss hatte als das Fernsehen. Wo die Nachbarn Geheimnisse schneller aufspürten als Krähen Aas. und sogar noch schlimmer (denn Menschen konnte man noch ignorieren): Wie der Ort selbst immer wieder ungewollt neue Details heraufzuwürgen schien.
Der Schnee war so steif wie der Rest von St. Hauda's Land. Die Äste boge sich widerwillig im Wind, Laub zerfiel wie uraltes Pergament. Sogar ein Falke, den sie beobachtet hatte, war ohne jede Anmut dahingeflogen, mit mechanischen Flügelschlägen. Es schien, als wäre dies das Wesen dieser Inseln - die Dinge zu lähmen, ihnen die Lebenskraft zu rauben. Genau das tat dieser Ort mit ihr.
Voller dunkler Bilder ist diese Erzählung, traumartig anmutend oft das Geschehen, strotzend von düsteren Metaphern. Und auch der Leser wird gefangen in diesem Gespinst aus Einsamkeit und Traurigkeit, während er Ida und Midas begleitet auf der Suche nach einem Heilmittel gegen das Glaswerden, auf der Suche nach ihrer Liebe zueinander, auf der Suche nach sich selbst. Viel ist von der Vergangenheit die Rede, von der Sprachlosigkeit der Eltern, deren Verzweiflung angesichts der Umstände, der Hoffnungslosikeit, die sich immer wieder Bahn bricht. Und auch wenn die Sprache überaus bildhaft und oftmals nahezu poetisch ist, war diese eigentümlich düstere Stimmung, von der das Buch durchzogen ist, mir persönlich letztlich zu viel.
Und am Ende blieb doch auch so manche bedeutsame Frage offen und ließ mich etwas ratlos zurück. So hätte ich beispielsweise gerne gewusst, was eigentlich hinter dem Phänomen des Verglasens steckt, wodurch es ausgelöst wird und wen es befällt.
Ein wenig mehr Fantasy hatte ich hier erwartet, und sowohl der Klappentext als auch das wunderschön gezeichnete Cover bestärkten mich noch in dieser Annahme. Stattdessen erwarteten mich düstere und oftmals bedeutungsschwere Sequenzen, die sich mir sicher nicht immer in ihrer ganzen Komplexität erschlossen.
Durchaus mal etwas anderes, aber man sollte in der richtigen Stimmung sein, um dieses Buch wirklich genießen zu können...
© Parden
Der Script5 Verlag schreibt über den Autor:Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Dorset, Großbritannien, auf. Nach seinem Abschluss in Englischer Literatur an der Universität von Lancaster arbeitete er als Buchhändler und in einer Bibliothek in Oxford. Sein Debüt Das Mädchen mit den gläsernen Füßen war ein großer Überraschungserfolg und wurde in 18 Sprachen übersetzt. Gerade hat Ali Shaw seinen zweiten Roman beendet.
► übernommen vom Script5 Verlag
Freitag, 11. März 2016
Zitkala-Ša: Roter Vogel erzählt... Märchen
Das Buch Roter Vogel erzählt wurde bereits im letzten Monat besprochen. Hier in diesem Post geht es nun um die in ihm enthaltenen indianischen Märchen. Es sind eine ganze Menge, die in Roter Vogel erzählt, enthalten sind. Natürlich sticht eines davon hervor. Es ist das Märchen vom Steinknaben, welches hier schon einmal besprochen wurde. Doch darauf komme ich noch einmal zurück.
"Die hier aufgeschriebene Legenden entspringen dem einst unberührten Boden unseres Landes. Gemeinsam mit vielen anderen gehören sie zu jenen Geschichten, denen die kleinen, schwarzhaarigen Ureinwohner so gerne lauschen, wenn sie beim abendlichen Lagerfeuer beisammensaßen."
So schrieb Zitkala-Ša über die gesammelten Märchen und Legenden selbst in einem Vorwort. [1] Geister und Naturkräfte tummelten sich um die Feuerstellen der Tipis. Diese wurden personifiziert. Oftmals sind es den Tieren nachempfundene Gestalten, was an die bekannten Fabeln erinnert.
"Die Fabel (lateinisch fabula, „Geschichte, Erzählung, Sage“) bezeichnet eine in Vers oder Prosa verfasste kürzere Erzählung mit belehrender Absicht, in der vor allem Tiere, aber auch Pflanzen und andere Dinge oder fabelhafte Mischwesen menschliche Eigenschaften besitzen (Personifikation) und auch menschlich handeln (Bildebene). Die Dramatik der Fabelhandlung zielt auf eine Schlusspointe hin, an die sich meist eine allgemeingültige Moral (Sachebene) anschließt." [2]
Die Geschichten erinnern im weitesten Sinne auch an solche Werke wie Reineke Fuchs von J.W.v. Goethe, wobei ich annehme, das trotz weitgehender höherer Schulbildung der Lakota-Autorin dieser Dichter eher unbekannt war.
Andererseits haben die Märchenfiguren zwar Tiernamen und fabelmäßige Charakter und Eigenschaften, sie handeln aber wie menschliche Jäger. In der Geschichte Der Dachs und der Bär heißt es:
"Am Rande des Waldes lebte einmal eine große Dachsfamilie. Ihre Behausung hatte sie unter der Erde gebaut und die Wände mit Steinen und Stroh ausgekleidet. Der alte Vater Dachs war ein großartiger Jäger. Er kannte sich bestens darin aus, Hirschen und Büffeln nachzuspüren, und täglich trug er auf seinem Rücken erlegtes Wild nach Hause." [4]
"Die alten amerikanischen Legenden gehören den Kindern der blauäugigen Patrioten ebenso wie denen der schwarzhaarigen Ureinwohner. Und ich hoffe, dass sie sich als Erwachsene weiterhin für die indianische Kultur interessieren werden, da das Studium derselben sehr deutlich unsere Verwandtschaft mit der übrigen Menschheit zeigt." [7]
► DNB / Palisander Verlag / Chemnitz 2015 / ISBN 978-3-938305-70-6 / 400 S.
© KaratekaDD
Quellen:
Sonntag, 31. Januar 2016
Darling, Lillian A. & Dance, Rupert: Blaue Feen & Weiße Königinnen
Wenn Spiegel Urteile fällen, in einem Frosch ein König steckt, oder Spindeln hundert Jahre währenden Schlaf bringen, dann wissen wir, wir sind bereits tief im Märchenwald, der uns in zauberhafte Zeiten entführt, in ferne Welten, die schon unsere Vorfahren verzauberten. Schwarzweißmalerei und Grausamkeit, Archetypen und Urängste – hier findet der Mensch sich im Kern seines Seins, seines Hoffens, seiner Wünsche und Erwartungen. Die Literaturwissenschaftler Rupert Dance* und Lillian A. Darling** blicken hinter die Kulissen der Märchen. Wo liegen ihre Ursprünge? Wie haben sie sich durch die Zeiten verändert? Und warum üben Märchen auch heute noch so eine Faszination auf uns aus? Erlebe schaurig-schöne, traurige, herzerwärmende & humoreske Märchen in neuem Gewand, die zum Nachdenken anregen. Mit und ohne “Happily Ever After”.
(Klappentext Amazon.de)
- Taschenbuch: 146 Seiten
- Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (2. März 2015)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 1508700893
- ISBN-13: 978-1508700890
Hinter den Pseudonymen Lilian A. Darling und Rupert Dance verbergen sich nicht sonderlich konsequent zwei erfahrene Autorinnen. Bereits am Anfang wird deutlich, dass es sich bei Rupert Winston Basil Dance um die schottische Autorin Rona Walter handelt, während sich hinter Lillian Anne Darling die Hamburger Autorin Kristina Lohfeldt verbirgt. Danach befragt, gaben die beiden zur Antwort, dass sie das Pseudonym nicht in erster Linie der Leser wegen gewählt haben, sondern vor allem für sich selbst - ein genrefremdes Schreiben sollte so unbelasteter vonstatten gehen können. In jedem Fall setzten die beiden hier eine originelle Idee um: die Neuinterpretation volklstümlicher Märchen.
Die Essenz der Märchen, so auch der Nebentitel des Werkes, dreht den Spieß des Gewohnten häufig um. Klares Schwarz und Weiß wird zu grau oder die Rollen werden gleich ganz vertauscht: wo sonst stets das blonde Haar eines jungen Mädchens für Unschuld und das Gute stand, die schwarzhaarige Hexe aber für das Böse, kann man sich in diesen Neuinterpretationen keinesfalls darauf verlassen.
Nach einem aufschlussreichen und interessanten Vorwort, das kurz darüber informiert, woher die bekannten Märchen eigentlich stammen - ja, sie sind viel älter als die Gebrüder Grimm - gibt es zahlreiche Neufassungen bekannter und weniger geläufiger Märchen. Manchmal wäre ich nicht auf das Ursprungsmärchen gekommen, wenn die Überschrift darüber nicht Auskunft gegeben hätte - oftmals werden auch Elemente verschiedener Märchen vermischt. 13 Geschichten und 3 Gedichte sind hier versammelt - und vor allem die frech gehaltenen Gedichte haben mich bestens unterhalten.
Hundert Jahre sind vergangen,
Rosen um die Mauern ranken,
als ein Prinz auf lautem Ross,
Outfit Leder und von Boss,
ganz beherzt dem Schlosse naht,
müde von der langen Fahrt.
Parkt die Harley ganz behende
mit gekonnter heißer Wende.
In der Zeit von Harry Potter
sind die Prinzen heute hotter...
Ein wenig gruselig und dem Dunklen zugewandt sind die Geschichten in der Regel, aber das Abweichen von den üblichen Klischees ist erfrischend angenehm, und die Neugierde auf weitere Neufassungen trieb mich immer weiter durch das Buch. Nebenher lassen sich die Märchen dennoch nicht lesen, denn sie sind nicht einfach geschrieben. Vor allem aber muss man sich auf die jeweilige Atmosphäre einlasen - ansonsten wäre es nur das halbe Vergnügen...
Etwas störend empfand ich die doch noch häufigen Fehler, die dem Lektorat wohl entgangen sind. Dies ließ die ein oder andere Textstelle etwas holperig erscheinen, was ich schade fand. Die Originalität der Neuinterpretationen dagegen hat mich wirklich überzeugt.
'Happily ever after' - 'Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute' - war gestern. Heute gibt es schaurig-dunkle Überraschungen... Mir hat es gefallen!
© Parden





















