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Donnerstag, 16. Oktober 2025

Inselbücher - drei in einem Post


Geht man durch die Reihen der Regale im Buchmessenantiquariat in Leipzig, findet man meterweise die schmalen Bücher im Pappband und dem aufgeklebten Etikett der Insel-Bücherei. Stöbern in den unzähligen Titeln macht Spaß, so fand ich mal diesen Hemingway. Im Frühjahr sah ich dann am Insel-Stand ganz andere Insel-Bücher, solche kamen mir noch nicht unter die Augen. Drei möchte ich hier kurz vorstellen.

Keines der drei bedarf inhaltlich an sich einer Vorstellung. Sowohl Die Odyssee als auch Die Nibelungen sind bekannt, Ali Baba und die 40 Räuber aus 1000 und Eine Nacht vielen sicher auch. 

Montag, 19. August 2024

Plenz, Ralf: Das kleine Märchenbuch - Wie ein Buch Leben verändert.

Über Bücher schreiben: regelmäßige Beschäftigung von professionellen und semiprofessionellen Bloggern, Literaturkritikern und den Amateuren unter diesen. Meist aber geht es um das, was zwischen den Buchdeckeln auf die Seiten gedruckt wurde. Meist „schnöder“ Text. Manchmal mit Fotos und Bildern. Illustrationen. Schwarz-weiß oder farbig.

Darüber, wie Bücher gemacht werden, wird selten geschrieben. Vor wenigen Monaten las ich ein Buch, in dem ging es um einen Buchmaler in Zürich im Mittelalter.

Das man über schön gemachte Büchern schreiben kann, zeigt der schon regelmäßige Ausflug zu den Perlen der Literatur oder die schöne Bücherbibliothek.

Donnerstag, 25. Juli 2024

Fallada, Hans: Geschichten aus der Murkelei

„Kultausgabe“ nennt der Aufbau-Verlag diese hier. Da liegt an der Verwendung der Original-Illustrationen von Conrad Neubauer (Conny). Die hatte der Verlag erstmal 1947 herausgebracht, in dem Jahr, in dem Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, geboren 1893 in Greifswald, starb. Auch die Erstausgabe des letzten Romans Jeder stirbt für sich allein besorgte der Verlag.

Schlendert man durch das kleine übersichtliche Fallada-Haus in Carwitz, vor wenigen Wochen schrieb ich hier darüber, finden sich so manche Bilder des Hans Fallada mit seinen Kindern. Uli (Murkel), Lore (Mücke) und Achim. In der neuen Biografie von Peter Walther ist von den Kindern oft die Rede. Bei einem zweiten Besuch vor einigen Tage fanden dann diese Geschichten den Weg zu mir.

Sonntag, 19. Mai 2024

Siegmund, Fabienne: Das Zylinderkabinett oder das Mädchen, das nicht dorthin gehörte (Hörbuch)

 

Alles, was mit Magie in Berührung kommt – egal, ob für einen Sekundenbruchteil wahrer Magie oder für jene Momente, die der Illusion auf den Bühnen der Welt gehören – wird irgendwann selbst magisch. So geht es auch Puschkin, dem weißen Kaninchen eines Zauberers in Montparnasse, das abseits der Vorstellung sein Leben im Zylinderkabinett verbringt – jenem Ort, an dem Tücher wie Schmetterlinge fliegen und Tauben zu Plastikrosen werden. Dort, wo die Schuhmaus alle Geschichten kennt und der Regenbär die Seerosen gießt, wo die Pikdame die Geheimnisse hütet und die Puschelwuschelohrenkatze ihr Unwesen treibt: Genau dort taucht eines Tages direkt vor Puschkins Hasennase ein winziges Mädchen auf, das einen Schlüssel im Rücken hat und sich nur bewegt, wenn man ihn dreht. Schnell wird klar, dass Eugenie, wie dieses Mädchen heißt, nicht in das Zylinderkabinett gehört, und so macht sich Puschkin mit ihr auf den Weg zum von allen gefürchteten Schmuckfrosch – der einzigen Hoffnung, die Eugenie noch zu haben scheint… (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hörbuchmanufaktur Berlin / 2020 / B0839HPB7J / 139 Minuten
 

 
 
Ein Zufallsfund war dieses Hörbuch, und aufgrund der Kürze des Vortrags konnte ich es einfach mal "dazwischen schieben". Tatsächlich bekam ich hier irgendetwas zwischen Hans Christian Andersen und Alice im Wunderland - eine leise märchenhafte Geschichte aus einer magischen Zwischenwelt. Mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen:

Sonntag, 21. April 2024

Kerstin Groeper erzählt Indigene Märchen


Im Literaturunterricht in der Schule lernten wir etwas über Fabeln. Tiere, gelegentlich Pflanzen übernahmen die Rollen von Menschen, und dadurch wurden in kurzen Prosatexten den Menschen Lehren oder kleine Belehrungen erteilt. Märchen dagegen enthalten bei uns meist wundersame Begegnungen, manchmal Zauberei und lassen sich von mythologischen Sagen und Erzählungen manchmal nur unscharf trennen.

Indigene Märchen lassen sich auf diese Weise nicht einfach trennen, aber auf eine literaturwissenschaftliche Erläuterung kommt es gar nicht an. In ihnen wird die Schöpfung, die Mythologien, Märchen und Fabeln fast gleichermaßen erzählt. Manchmal erscheint uns das wundersam.

Donnerstag, 24. November 2022

Schubert, Lisa: Ein Märchen aus Zucker und Sand

Im Märchenreich Kronia ist nichts so wie es scheint. Die Knusperhexe Amara hat den Ruf, eine kinderfressende Kannibalin zu sein, doch wie viel ist an den Gerüchten dran? Als Hexenjäger Chanan sie fängt, merkt er schnell, dass hinter Amaras Fassade mehr steckt, als mit dem bloßen Auge zu erkennen ist. Was für ein Fluch verwandelt ihr Äußeres jeden Tag ums Neue in das einer alten Frau? Und wieso besitzt die scheinbar böse Hexe ein so großes Herz? Amara fühlt sich unterdessen immer mehr zu ihrem eigentlichen Feind hingezogen. Wieso ist Chanan der Einzige, der sie wirklich zu sehen scheint? Und was wird er tun, wenn er sich zwischen seiner Pflicht als Hexenjäger und seinen frisch erwachten Gefühlen zu ihr entscheiden muss? Gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Zady und Chanan steht Amara vor der schier unlösbaren Aufgabe, die wichtigsten Geschichten des Märchenreichs vor den verbitterten Grimms zu schützen, welche die Magie mit ihrer mächtigen Tinte auslöschen wollen. (Klappentext)
 
 
 
 
 
Als Kind habe ich gerne Märchen gelesen, vor allem die von den Gebrüdern Grimm, später auch die von Hans Christian Andersen. Erst in der weiterführenden Schule kamen noch Kunstmärchen hinzu, mit denen ich allerdings eher weniger anfangen konnte. Ab und zu widme ich heute noch Märchenadaptionen, weil ich es spannend finde, was ein:e Autor:in aus den bekannten Titeln zu zaubern vermag. Wie mir diese Märchenadaption gefiel, könnt Ihr hier nachlesen:

Sonntag, 8. Mai 2022

Vor Schulte, Stefanie: Junge mit schwarzem Hahn (Hörbuch)

Der elfjährige Martin besitzt nichts bis auf das Hemd auf dem Leib und seinen schwarzen Hahn, Behüter und Freund zugleich. Die Dorfbewohner meiden den Jungen, der zu ungewöhnlich ist. Viel zu klug und liebenswürdig. Sie behandeln ihn lieber schlecht, als seine Begabungen anzuerkennen. Als Martin die Chance ergreift und mit dem Maler zieht, führt dieser ihn in eine schauerliche Welt, in der er dank seines Mitgefühls und Verstandes widerstehen kann und zum Retter wird für jene, die noch unschuldiger sind als er. (Klappentext)
 
 
 






  • Herausgeber: Diogenes; 1. Edition (25. August 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Sprecherin  : Robert Stadlober
  • Ausgabe  :  Ungekürzte Ausgabe, 4 Stunden und 18 Minuten
  • ASIN  : B09KMCZHR5





Auf dieses (Hör-)Buch war ich neugierig, seit es erschienen ist. Die Rezensionen dazu verrieten nicht wirklich, worum es hier geht, was die Neugierde nur noch um so mehr anheizte. Nun ergriff ich die Gelegenheit und tauchte selbst ein in die Geschichte. Mal sehen, ob ich in meiner Rezension vermittelt bekomme, was dieses Hörbuch ausmacht:


Sonntag, 6. Juni 2021

Apuleius, Lucius: Amor und Psyche (Hörbuch)

Als die Göttin Venus von der überirdischen Schönheit der Königstochter Psyche erfährt, schickt sie ihren Sohn Amor auf die Erde. Er soll die unliebsame Konkurrentin mit einem schrecklichen Dämon verheiraten. Doch auch Amor erliegt Psyches Schönheit und statt die Wünsche seiner Mutter zu erfüllen, lässt er die Geliebte heimlich in ein abgelegenes Schloss bringen. Dort besucht er sie Nacht für Nacht - bis Venus den Betrug ihres Sohnes entdeckt und die Liebe der beiden auf eine harte Probe stellt.  
 
 
 
 
 
 
 
  • Herausgeber : Der Audio Verlag (10. März 2017)
  • Sprache : Deutsch
  • Übersetzung : August Rode
  • Sprecherin : Helene Grass 
  • ISBN-10 : 3742400150
  • ISBN-13 : 978-3742400154
  • ungekürzte Ausgabe : 1 Stunde und 48 Minuten





Auf dieses mir vollkommen unbekannte Hörbuch stieß ich, als ich durch das Programm von NDR-Kultur stöberte. Den sog. Klassikern widme ich mich eher selten - zumal wenn ich wie hier noch nie zuvor etwas davon gehört habe. Doch da die Dauer der Lesung nicht sehr umfangreich war, beschloss ich, hier einen Versuch zu wagen. Und so entdeckte ich ein antikes Märchen aus dem 2. Jhd. nach Christus, bei dem sich etliche Elemente finden, die in späteren Märchen aufgegriffen wurden. Angenehm zu hören war es außerdem...

Dienstag, 5. Januar 2021

Rowling, J.K.: Der Ickabog

Der Ickabog kommt …

Ein sagenumwobenes Ungeheuer, ein Königreich in großer Gefahr und zwei Kinder, die außergewöhnlichen Mut beweisen müssen. In diesem ganz besonderen Märchen geht es um den Sieg von Hoffnung und Freundschaft gegen alle Widrigkeiten, erdacht von einer der besten Geschichtenerzählerinnen der Welt, J.K. Rowling.

Schlaraffien war einst das glücklichste Königreich der Welt. Es gab Gold zuhauf, einen König mit einem unglaublich schneidigen Schnurrbart und dazu Metzger, Bäcker und Käser, die mit den erlesenen Produkten ihrer Handwerkskunst Menschen vor Begeisterung zum Tanzen brachten, wenn sie davon aßen.

Alles war perfekt – wenn man einmal vom nebligen Marschland im Norden absieht, wo einer Legende nach der schreckliche Ickabog haust. Natürlich weiß jeder, dass der Ickabog nur ein Mythos ist, mit dem man kleinen Kindern Angst macht. Das Lustige an solchen Geschichten ist aber, dass sie manchmal ein eigenes Leben entwickeln.

Kann ein Mythos zur Absetzung eines beliebten Königs führen? Kann er ein Land an den Rand des Verderbens bringen? Und kann er zwei Kinder völlig unerwartet in ein gefährliches Abenteuer stürzen?

Wer mutig ist, kann weiterblättern, in die Geschichte eintreten und es selbst herausfinden …

 (Klappentext: Carlsen Verlag)


  • Herausgeber : Carlsen; 4. Edition (10. November 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Übersetzung : Friedrich Pflüger 
  • Gebundene Ausgabe : 352 Seiten
  • ISBN-10 : 3551559201
  • ISBN-13 : 978-3551559203
  • Lesealter : 8 Jahre und älter
  • Originaltitel : The Ickabog


 

 

Dieses Buch von J.K. Rowling war ein Weihnachtsgeschenk 2020. Es ist ein Märchen für Kinder, das aber auch Erwachsenen Spaß machen kann. Es dauerte etwas, bis ich mit der Erzählung warm wurde, dann aber hatte sie mich gepackt. Ein düsteres Märchen mit Botschaftscharakter...

Montag, 16. September 2019

Funke, Cornelia: Das Labyrinth des Fauns (Hörbuch)

Ein sehr ansprechendes und düsteres Cover - dies hat mich neugierig werden lassen auf das Hörbuch der Kinder- und Jugendbuch-Autorin  Cornelia Funke.

Ein düsteres Märchen erwartet den Hörer hier - so viel sei schon einmal verraten. Und auch, dass es mir richtig gut gefallen hat. Weshalb, könnt Ihr hier nachlesen:



Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eltern family: Weihnachtsmärchen

Ein Hörbuch für Kinder hat mich erreicht, freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.
In der hübschen, weihnachtlich gestalteten Box gibt es zwei CDs mit zwei Versionen bekannter Weihnachtsmärchen, dazu noch ein kleines Malbuch, das als Adventskalender fungieren kann, da es 24 kindgerechte Motive zum Ausmalen beinhaltet.

Ob diese Kombination gelungen ist, kann man hier nachlesen:

Freitag, 17. Februar 2017

Hetmann, Frederik: Indianermärchen


Diese Märchen, Mythen und Legenden der Indianer Nordamerikas erzählen von Abenteuern und Helden, von Schlangenbrüdern, Himmelsfrauen und vielem mehr. Sie erlauben uns einen Einblick in die Lebensumstände der einzelnen Stämme, ihre magischen Vorstellungen und das Selbstverständnis der Indianer. Dabei kam es Frederik Hetmann darauf an, möglichst authentische Texte zu sammeln, die weitestgehend frei von klischeehaften Veränderungen durch die Weißen waren. Durch den überlieferten traditionellen Erzählstil übermitteln die Geschichten sehr einprägsam für den Leser das tiefe Naturverständnis, die Lebensweisheit und Traditionen der Indianer.

(Klappentext Königsfurt-Urania-Verlag)

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1504 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Königsfurt-Urania Verlag GmbH; Auflage: Neuaufl. (21. März 2007)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B011S45KO2


















MYTHEN, LEGENDEN UND MÄRCHEN DER NORDAMERIKANISCHEN INDIANER...




Das Bild der Indianer wurde jahrhundertelang nach den Vorstellungen der Weißen gezeichnet. Dabei kam es zu einer verzerrten, häufig klischeehaften Darstellung der indianischen Kultur. Ein wirkliches Verständnis ist aber nur möglich, wenn die Indianer aus ihrer eigenen Welt, ihren Mythen, ihren Traditionen und ihrem eigenen Bewusstsein heraus begriffen werden. Dazu können die hier gesammelten Märchen wichtige Anhaltspunkte und Hilfen geben. 

Allerdings sind die Märchen bei den indianischen Stämmen immer nur mündlich tradiert worden. Eine Schriftsprache besaßen die nordamerikanischen Indianer nicht. Nach den Jesuiten im Jahr 1633 waren es vor allem Handlungs- und Forschungsreisende, in deren Aufzeichnungen  über ihre Erlebnisse im Indianerland sich sporadisch auch Elemente von Indianermärchen und -legenden fanden. Als im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts eine breitere Sammlung indianischer Folklore aufkam, neigten die Schreiber leider oft dazu, die indianischen Märchen ihrem eigenen persönlichen Geschmack entsprechend einzufärben und umzuformulieren. 

Durch den Eifer verschiedener amerikanischer Universitäten kam schließlich eine immense Forscher- und Sammlertätigkeit auf. Es gibt mittlerweile kaum einen primitiven Kulturbereich, dessen Mythen, Legenden und Märchen so erschöpfend und genau notiert worden sind, wie derjenige der nordamerikanischen Indianer. 

Die hier vorliegende Auswahl bietet höchstens eine kleine Kostprobe aus der inzwischen umfangreichen Sammlung. Dabei wurde sich bemüht, die Verfälschungen der ursprünglichen Erzählungen durch die Schreiber wieder rückgängig zu machen, um sich dem Original wieder anzunähern. Es wurden vor allem solche Texte ausgewählt, die etwas über die Lebensumstände der einzelnen Stämme, die magischen Vorstellungen und das Selbstverständnis der Indianer aussagen. Die Indianer können so ohne Verfälschung durch das Selbstverständnis der Weißen aus ihrer eigenen Tradition und Weltsicht heraus kennengelernt werden. 

Auch wenn heute nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass ursprüngliche Überlieferungen vollkommen unverfälscht an uns herangetragen werden können, war ich neugierig darauf, was mich hier erwartet. Und tatsächlich gewährte diese Sammlung einen interessanten Einblick in die Vielfältigkeit der indianischen Stämme einerseits und das Verbindende der indianischen Kultur andererseits. Die Naturverbundenheit, der Aufbau einer indianischen Gemeinschaft, die Lebensgewohnheiten und die Mythen der Ureinwohner Amerikas werden hier glaubhaft präsentiert.

Auch wenn die einzelnen Texte oft recht schmucklos und z.T. fast nüchtern daher kommen, hat mir die Lektüre gut gefallen. Manche Indianerstämme kannte ich  zuvor noch nicht einmal vom Hörensagen. Von anderen habe ich inzwischen ein viel umfassenderes Bild erhalten. In jedem Fall kommt solchen Sammlungen eine immense Bedeutung zu: die Bewahrung von vergänglichen kulturellen Schätzen. 

© Parden 



















Der Königsfurt-Urania-Verlag schreibt über den Autor:

Am 17.02.2014 blickten wir auf den 80. Geburtstag von Hans-Christian Kirsch zurück. Kirsch alias Frederik Hetmann, geb. 1934 in Breslau, gest. am 1.6.2006 in Limburg, ist einer der wirkungsreichsten und vielseitigsten Märchenexperten der Bundesrepublik. In vielen Ländern hat er Feldforschung betrieben: in Archiven und Bibliotheken oder ausgestattet mit altmodischen Diktiergeräten, etwa zur Aufnahme von Erzählern tief im Süden der USA. Oder unterwegs mit Pferd und Planwagen im Westen Irlands. Mit leichter Hand trug Frederik Hetmann ein riesiges Wissen über Entstehung und Verwendung der Märchen zusammen. Wie selbstverständlich eröffnete er dem Leser eine Vielfalt von Perspektiven. Und mit brillanter Schärfe und feinem Witz verbreitete er Aufklärung über Märchen und Märchen als Aufklärung. Seine Märchensammlungen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit.

übernommen vom Königsfurt-Urania-Verlag

Donnerstag, 9. Februar 2017

Wolfe, Swain: Die Frau, die in der Erde lebt



Meine Ausgabe stammt aus dem Bertelsmann Verlag 1993 und ist nur noch antiquarisch zu erhalten.



















EIN ÖKOLOGISCHES MÄRCHEN...




In einer archaischen, geschichtslosen Zeit, vor der Erfindung moderner Maschinen - oder lange nach ihrem Untergang - begegnen wir Sarah, dem Mädchen mit den Mandelaugen. Eine seit Monaten anhaltende Dürre bedroht die Existenz ihrer Eltern, die einen kleinen Bauernhof bewirtschaften. Im Dorf herrschen Furcht und Aberglauben, jeder beobachtet den anderen mit Misstrauen.


Sarah geht mit offenen Augen durch die Welt; die Natur und ihre Geheimnisse faszinieren sie, Tiere betrachtet sie als gleichwertige Lebewesen. So rettet sie einmal einen Fuchs vor der grausamen Spielwut der Dorfkinder - einen ganz besonderen Fuchs, will es scheinen, denn er kann in Gedanken nicht nur mit dem Mädchen sprechen, sondern zeigt ihr auch, wie es ist, ein Falke, ein Blume oder ein Baum zu sein.


Von ihrer Urgroßmutter Lilly erfährt Sarah, dass vor uralten Zeiten Gelbe Seefahrer an dem Ort lebten, wo nun der Bauernhof der Familie steht. Als Sarah die Seele eines der längst verstorbenen Gelben Seefahrer begegnet, erzählt dieser ihr von der Frau, die in der Erde lebt. Und plötzlich ahnt Sarah, wie sie die Dürre des Landes und auch die Dürre in den Herzen der Menschen vertreiben kann...


"... wurde sie geblendet von dem grellen Rechteck, das die Türöffnung mit dem Hof dahinter bildete. Mitten in diesem Licht, mitten auf dem Hof stand der Brunnen, angestrahlt von der gleißenden Sonne. Einen Augenblick schien der Brunnen verschwinden zu wollen, (...) zitternd zu verblassen und nur der grelle Lichtfleck übrigzubleiben, eingerahmt vom staubigen Dunkel des Schuppens (...) ob er versiegen würde?" (S. 13)


Seit nunmehr 21 Jahren stand dieses Buch ungelesen im Regal und fiel mir jüngst wieder in die Hände. Höchste Zeit, daran etwas zu ändern! Und bereits nach wenigen Stunden klappte ich das Buch zu, immer noch im Bann der mythisch anmutenden Erzählung, traumartig, poetisch, voller eigenartiger Bilder.


 Swain Wolfe, der in Colorado und Montana aufwuchs und in jungen Jahren Holzfäller, später Bergarbeiter war, schrieb mit 'Die Frau, die in der Erde lebt', sein erstes Buch. Die Themen dieses ökologischen Märchens beschäftigen ihn seit Jahrzehnten. Träume, Erfahrungen aus seinen verschiedenen Jobs, die immer mit der Natur zu tun hatten, seine Auseinanersetzung mit Mythen und Erzählungen vergangener, darunter auch indianischer Kulturen - all dies ging in die Geschichte mit ein.


Dieses traumartig anmutende Gefühl beim Lesen war durchaus angenehm, wenn auch befremdlich. Die mythischen Elemente woben sich konsequent durch die Zeilen, und weil ich beispielsweise mit den indianischen Kulturen nicht vertraut bin, wirkte dies so fremdartig auf mich, gleichzeitig aber auch faszinierend. Dem Vergleich mit 'Der kleine Prinz' von Antoine de Saint-Exupéry - so der Klappentext einer anderen Ausgabe dieses Buches - hält die Erzählung nicht stand, denn sie ist einfach anders.


Mir gefällt der klare, unverstellte Blick, mit dem Sarah die Dinge um sich herum betrachtet, und mit welcher Selbstverständlichkeit sie die teilweise unglaublichen Geschehnisse hinnimmt. Die Geschichte hat auch sehr spannende Momente, denn die Bedrohung, die von der Dürre und den Menschen ausgeht, ist deutlich spürbar.


Ein sehr besonderes Buch, das es verdient hat, endlich von mir wahrgenommen und gelesen zu werden. Ein ökologisches Märchen, das deutlich macht, wie wichtig es ist, den Menschen mit der Natur wieder zu versöhnen. Gerade in der heutigen Zeit kann dies nicht deutlich genug gesagt werden...



© Parden

Samstag, 25. Juni 2016

Shaw, Ali: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen


Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda´s Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten … und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas.
Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas’ Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten.


(Klappentext Script 5 Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: script5; Auflage: 1 (9. Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
  • ISBN-10: 3839001315
  • ISBN-13: 978-3839001318
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

















EIN ORT DER DÜSTERNIS...



Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda´s Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten … und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas. Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas’ Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten.


Er schlug die Augen auf. Irgendwo im Dunkeln tickte eine Uhr. Das war jener Teil der Nacht, in dem die Dinge unwirklich schienen, in dem sich ein Gedanke, den man bei Tageslicht einfach beiseiteschob, ins Bewusstsein krallen konnte und bis zum Morgengrauen nicht mehr abschütteln ließ...


Ida und Midas begegnen sich nur zufällig auf dieser wenig bevölkerten Insel - er auf der Suche nach interessanten Motiven und besonderen Lichteffekten für seine Fotografie, sie auf der Suche nach dem vielleicht einzigen Menschen, der ihr noch helfen kann. Ihre nahezu farblose Erscheinung und ihr seltsamer Gang sind das Erste, was Midas an Ida auffällt. Doch noch ahnt er nicht, welch seltsame Verwandlung die dicken Stiefel des Mädchens verbergen. Dick gepolstert sind Idas Füße, geschützt unter mehreren Lagen Socken, zu leicht sonst könnten sie Schaden nehmen - denn die Füße sind aus reinem Glas. Und stets schreitet die Verwandlung weiter voran, von Knochen und Fleisch und Blut in das spröde, durchsichtige Material, das so zerbrechlich ist. Als Midas schließlich zu einem späteren Zeitpunkt von dieser Absonderlichkeit erfährt, beschließt er, alles daran zu setzen, um Ida zu helfen. Um sie zu retten.


Er fragte sich, ob jemand wie sie, die vom Festland kam, die Wirrungen des Lebens hier auf den Inseln überhaupt verstehen konnte. Wo die Gerüchteküche größeren Einfluss hatte als das Fernsehen. Wo die Nachbarn Geheimnisse schneller aufspürten als Krähen Aas. und sogar noch schlimmer (denn Menschen konnte man noch ignorieren): Wie der Ort selbst immer wieder ungewollt neue Details heraufzuwürgen schien.



Was für ein unwirtlicher Ort! Karg und felsig, voller schroffer Klippen und unergründlicher Abgründe, sumpfig und morastig, kaum einmal Sonnenschein, Regen, Graupel und immer wieder Nebel, einsam gelegene Häuser, die Farbe von Wind und Salzwasser abgeschält, die jungen Menschen längst aufs Festland abgewandert, die Alten harren aus. Und die Menschen ein Abbild der Landschaft: schroff und wortkarg, einsame Gestalten im kümmerlichen Licht.


Der Schnee war so steif wie der Rest von St. Hauda's Land. Die Äste boge sich widerwillig im Wind, Laub zerfiel wie uraltes Pergament. Sogar ein Falke, den sie beobachtet hatte, war ohne jede Anmut dahingeflogen, mit mechanischen Flügelschlägen. Es schien, als wäre dies das Wesen dieser Inseln - die Dinge zu lähmen, ihnen die Lebenskraft zu rauben. Genau das tat dieser Ort mit ihr.


Voller dunkler Bilder ist diese Erzählung, traumartig anmutend oft das Geschehen, strotzend von düsteren Metaphern. Und auch der Leser wird gefangen in diesem Gespinst aus Einsamkeit und Traurigkeit, während er Ida und Midas begleitet auf der Suche nach einem Heilmittel gegen das Glaswerden, auf der Suche nach ihrer Liebe zueinander, auf der Suche nach sich selbst. Viel ist von der Vergangenheit die Rede, von der Sprachlosigkeit der Eltern, deren Verzweiflung angesichts der Umstände, der Hoffnungslosikeit, die sich immer wieder Bahn bricht. Und auch wenn die Sprache überaus bildhaft und oftmals nahezu poetisch ist, war diese eigentümlich düstere Stimmung, von der das Buch durchzogen ist, mir persönlich letztlich zu viel.

Und am Ende blieb doch auch so manche bedeutsame Frage offen und ließ mich etwas ratlos zurück. So hätte ich beispielsweise gerne gewusst, was eigentlich hinter dem Phänomen des Verglasens steckt, wodurch es ausgelöst wird und wen es befällt.

Ein wenig mehr Fantasy hatte ich hier erwartet, und sowohl der Klappentext als auch das wunderschön gezeichnete Cover bestärkten mich noch in dieser Annahme. Stattdessen erwarteten mich düstere und oftmals bedeutungsschwere Sequenzen, die sich mir sicher nicht immer in ihrer ganzen Komplexität erschlossen.

Durchaus mal etwas anderes, aber man sollte in der richtigen Stimmung sein, um dieses Buch wirklich genießen zu können...


© Parden















Der Script5 Verlag schreibt über den Autor:

Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Dorset, Großbritannien, auf. Nach seinem Abschluss in Englischer Literatur an der Universität von Lancaster arbeitete er als Buchhändler und in einer Bibliothek in Oxford. Sein Debüt Das Mädchen mit den gläsernen Füßen war ein großer Überraschungserfolg und wurde in 18 Sprachen übersetzt. Gerade hat Ali Shaw seinen zweiten Roman beendet.

übernommen vom Script5 Verlag

Freitag, 11. März 2016

Zitkala-Ša: Roter Vogel erzählt... Märchen



Das Buch Roter Vogel erzählt wurde bereits im letzten Monat besprochen. Hier in diesem Post geht es nun um die in ihm enthaltenen indianischen Märchen.

Es sind eine ganze Menge, die in Roter Vogel erzählt, enthalten sind. Natürlich sticht eines davon hervor. Es ist das Märchen vom Steinknaben, welches hier schon einmal besprochen wurde.  Doch darauf komme ich noch einmal zurück.

"Die hier aufgeschriebene Legenden entspringen dem einst unberührten Boden unseres Landes. Gemeinsam mit vielen anderen gehören sie zu jenen Geschichten, denen die kleinen, schwarzhaarigen Ureinwohner so gerne lauschen, wenn sie beim abendlichen Lagerfeuer beisammensaßen."

So schrieb Zitkala-Ša über die gesammelten Märchen und Legenden selbst in einem Vorwort. [1] Geister und Naturkräfte tummelten sich um die Feuerstellen der Tipis. Diese wurden personifiziert. Oftmals sind es den Tieren nachempfundene Gestalten, was an die bekannten Fabeln erinnert.

"Die Fabel (lateinisch fabula, „Geschichte, Erzählung, Sage“) bezeichnet eine in Vers oder Prosa verfasste kürzere Erzählung mit belehrender Absicht, in der vor allem Tiere, aber auch Pflanzen und andere Dinge oder fabelhafte Mischwesen menschliche Eigenschaften besitzen (Personifikation) und auch menschlich handeln (Bildebene). Die Dramatik der Fabelhandlung zielt auf eine Schlusspointe hin, an die sich meist eine allgemeingültige Moral (Sachebene) anschließt." [2]

Die Geschichten erinnern im weitesten Sinne auch an solche Werke wie Reineke Fuchs von J.W.v. Goethe, wobei ich annehme, das trotz weitgehender höherer Schulbildung der Lakota-Autorin dieser Dichter eher unbekannt war.


Ein Beispiel für die Gemeinsamkeiten ist ein Spinnenwesen namens Iktomi. Der ist gleichzeitig ein Schelm, ein Betrüger, ein Magier - ihm ist nicht zu trauen. Gleichwohl besitzt er eine Familie. Charakteristisch erscheinen die Züge der Figur, die Angela de Cora, eine Winnebago-Indianerin, in den Illustrationen zu "Old Indian Legends" gezeichnet hat und die hier wieder verwendet wurden. Diese Figur zieht sich durch eine Reihe von Geschichten. Der Charakter gleicht dabei durchaus einer Spinne, die ihre Netze webt und still wartet, bis sie zuschnappen kann. Er ist durchtrieben aber nicht weise, so heißt es in Iktomis Decke. In dieser gibt er seine Decke für Fleisch dem alten Urgroßvater Inyan (Stein). Bevor das Fleisch des Hirsches fertig gebraten ist geht die Sonne unter und dem indianischen Spiderman friert. Er holt sich die Decke zurück, findet aber nur noch das Gerippe am Feuer. "Und du wirst dich wundern, kleiner Leser, anstatt zu bereuen... begann er laut zu wehklagen: "Oh! Oh! Oh! Hätte ich doch nur zuerst das Fleisch verzehrt, und danach die Decke geholt." [3]

Andererseits haben die Märchenfiguren zwar Tiernamen und fabelmäßige Charakter und Eigenschaften, sie handeln aber wie menschliche Jäger. In der Geschichte Der Dachs und der Bär heißt es:

"Am Rande des Waldes lebte einmal eine große Dachsfamilie. Ihre Behausung hatte sie unter der Erde gebaut und die Wände mit Steinen und Stroh ausgekleidet. Der alte Vater Dachs war ein großartiger Jäger. Er kannte sich bestens darin aus, Hirschen und Büffeln nachzuspüren, und täglich trug er auf seinem Rücken erlegtes Wild nach Hause." [4]


Eine der Geschichten ist auch aus den Büchern der Liselotte Welskopf-Henrich bekannt. Es ist die Geschichte vom Steinknaben, die in Form eines Kinderbuches bereits hier beschrieben wurde. Die Geschichte wird von Zitkala-Ša allerdings etwas anders erzählt. Im Kinderbuch ist die Figur des Steinknaben  negativ besetzt. Der Jäger, welcher mehr Tiere als notwendig erlegt, wird am Ende zu Stein und versinkt im Erdreich. Bei Zitkala-Ša verwandelt sich der Steinknabe aus einem Stein zu einem Menschen, der Heldentaten vollbringt. Er kann sich verwandeln und Freunde retten. Er formt mit seinen Brüdern eine Nation (Sioux), nach vollbrachter Tat, wird er wieder zu einem Stein. So unterschiedlich können die Geschichten sein. [5]



Was der Blogger allerdings zum ersten Mal las, war das Wort Prügel. In der Geschichte Die Hexen-Frau bekommt ein Mädchen, welches weggelaufen war, weil es "unstandesgemäß" heiraten wollte, "eine Tracht Prügel." [6] In der Regel wurde in der Literatur betont, dass Indianerkinder keine Schläge erhielten. Eine Erklärung wird dafür leider nicht mit geliefert, obwohl die Geschichten und Erzählungen sonst durchaus kommentiert werden. [6]


* * *

Die von Zitkala-Ša aufgeschriebenen Texte sind wie andere Märchen auch lehrreich und sehr vielseitig. Wie in anderen Völkern auch, werden Märchen und Legenden abends am Feuer erzählt. Indianische Märchen mussten auf ihre schriftliche Überlieferung bis Ende des 19. Jahrhunderts warten, Autoren wie Zitkala-Ša kommt dabei eine hohe Bedeutung zu, relativ kurze Zeit nach den letzten Kämpfen zwischen den Ureinwohnern und den Eroberern erkannte die 1876 geborene Indianerin, dass zur Erhaltung ihrer Kultur Niederschriften der Erzählungen notwendig sind.

"Die alten amerikanischen Legenden gehören den Kindern der blauäugigen Patrioten ebenso wie denen der schwarzhaarigen Ureinwohner. Und ich hoffe, dass sie sich als Erwachsene weiterhin für die indianische Kultur interessieren werden, da das Studium derselben sehr deutlich unsere Verwandtschaft mit der übrigen Menschheit zeigt." [7]


DNB / Palisander Verlag / Chemnitz 2015 / ISBN 978-3-938305-70-6 / 400 S.

© KaratekaDD


Quellen:

Sonntag, 31. Januar 2016

Darling, Lillian A. & Dance, Rupert: Blaue Feen & Weiße Königinnen



Wenn Spiegel Urteile fällen, in einem Frosch ein König steckt, oder Spindeln hundert Jahre währenden Schlaf bringen, dann wissen wir, wir sind bereits tief im Märchenwald, der uns in zauberhafte Zeiten entführt, in ferne Welten, die schon unsere Vorfahren verzauberten. Schwarzweißmalerei und Grausamkeit, Archetypen und Urängste – hier findet der Mensch sich im Kern seines Seins, seines Hoffens, seiner Wünsche und Erwartungen. Die Literaturwissenschaftler Rupert Dance* und Lillian A. Darling** blicken hinter die Kulissen der Märchen. Wo liegen ihre Ursprünge? Wie haben sie sich durch die Zeiten verändert? Und warum üben Märchen auch heute noch so eine Faszination auf uns aus? Erlebe schaurig-schöne, traurige, herzerwärmende & humoreske Märchen in neuem Gewand, die zum Nachdenken anregen. Mit und ohne “Happily Ever After”.

 (Klappentext Amazon.de)

 
  • Taschenbuch: 146 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (2. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1508700893
  • ISBN-13: 978-1508700890


















Hinter den Pseudonymen Lilian A. Darling und Rupert Dance verbergen sich nicht sonderlich konsequent zwei erfahrene Autorinnen. Bereits am Anfang wird deutlich, dass es sich bei Rupert Winston Basil Dance um die schottische Autorin Rona Walter handelt, während sich hinter Lillian Anne Darling die Hamburger Autorin Kristina Lohfeldt verbirgt. Danach befragt, gaben die beiden zur Antwort, dass sie das Pseudonym nicht in erster Linie der Leser wegen gewählt haben, sondern vor allem für sich selbst - ein genrefremdes Schreiben sollte so unbelasteter vonstatten gehen können. In jedem Fall setzten die beiden hier eine originelle Idee um: die Neuinterpretation volklstümlicher Märchen.

Die Essenz der Märchen
, so auch der Nebentitel des Werkes, dreht den Spieß des Gewohnten häufig um. Klares Schwarz und Weiß wird zu grau oder die Rollen werden gleich ganz vertauscht: wo sonst stets das blonde Haar eines jungen Mädchens für Unschuld und das Gute stand, die schwarzhaarige Hexe aber für das Böse, kann man sich in diesen Neuinterpretationen keinesfalls darauf verlassen.

Nach einem aufschlussreichen und interessanten Vorwort, das kurz darüber informiert, woher die bekannten Märchen eigentlich stammen - ja, sie sind viel älter als die Gebrüder Grimm - gibt es zahlreiche Neufassungen bekannter und weniger geläufiger Märchen. Manchmal wäre ich nicht auf das Ursprungsmärchen gekommen, wenn die Überschrift darüber nicht Auskunft gegeben hätte - oftmals werden auch Elemente verschiedener Märchen vermischt. 13  Geschichten und 3 Gedichte sind hier versammelt - und vor allem die frech gehaltenen Gedichte haben mich bestens unterhalten.


Hundert Jahre sind vergangen,
Rosen um die Mauern ranken,
als ein Prinz auf lautem Ross,
Outfit Leder und von Boss,
ganz beherzt dem Schlosse naht,
müde von der langen Fahrt.
Parkt die Harley ganz behende
mit gekonnter heißer Wende.
In der Zeit von Harry Potter
sind die Prinzen heute hotter...



Ein wenig gruselig und dem Dunklen zugewandt sind die Geschichten in der Regel, aber das Abweichen von den üblichen Klischees ist erfrischend angenehm, und die Neugierde auf weitere Neufassungen trieb mich immer weiter durch das Buch. Nebenher lassen sich die Märchen dennoch nicht lesen, denn sie sind nicht einfach geschrieben. Vor allem aber muss man sich auf die jeweilige Atmosphäre einlasen - ansonsten wäre es nur das halbe Vergnügen...

Etwas störend empfand ich die doch noch häufigen Fehler, die dem Lektorat wohl entgangen sind. Dies ließ die ein oder andere Textstelle etwas holperig erscheinen, was ich schade fand. Die Originalität der Neuinterpretationen dagegen hat mich wirklich überzeugt.

'Happily ever after' - 'Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute' - war gestern. Heute gibt es schaurig-dunkle Überraschungen... Mir hat es gefallen!


© Parden