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Sonntag, 22. Oktober 2023

Merkentrup, Inge: Eines Tages werde ich berühmt sein

Emma Ritter hat ein stattliches Lebensalter erreicht. Geboren wurde sie 1878 in Vechta im Großherzogtum Oldenburg und sie wurde 95 Jahre alt. Aber gehört hatte ich von ihr nie. Allerdings las ich von einer Gruppe Künstler, die die beteiligten Maler DIE BRÜCKE nannten. Schon einmal erzählte ich hier von einer jungen Frau, die einst in Moritzburg auf eine Gruppe von Malern und Modellen traf, die Novelle DIE BADENDE VON MORITZBURG schrieb Ralf Günther im Jahr 2017.

Diese Emma Ritter traf in ihrer jungen Schaffensphase mit den Brücke-Künstlern zusammen. Doch wie traf ich auf Emma? Am 06. Oktober 2023 fand in Ingolstadt eine 7er-Lesung statt. Anlass war die Verleihung der HOMER – Literaturpreise 2023. Im Stadtmuseum Ingolstadt las Inge Merkentrup aus dem biografischen Kunstroman EINES TAGES WERDE ICH BERÜHMT SEIN. Ihr Thema: Emma Ritter expressionistische Malerin.

Mittwoch, 20. September 2023

Haas, Wolf: Eigentum

„Alles hin.“ Die Mutter, das Geld, das Leben. – Der neue Roman von Wolf Haas

„Ich war angefressen. Mein ganzes Leben lang hat mir meine Mutter weisgemacht, dass es ihr schlecht ging. Drei Tage vor dem Tod kam sie mit der Neuigkeit daher, dass es ihr gut ging. Es musste ein Irrtum vorliegen." Mit liebevoll grimmigem Witz erzählt Wolf Haas die heillose Geschichte seiner Mutter, die, fast fünfundneunzigjährig, im Sterben liegt. 1923 geboren, hat sie erlebt, was Eigentum bedeutet, wenn man es nicht hat. „Dann ist die Inflation gekommen und das Geld war hin." Für sie bedeutete das schon als Kind: Armut, Arbeit und Sparen, Sparen, Sparen. Doch nicht einmal für einen Quadratmeter war es je genug.  (Verlagsbeschreibung)


DNB / Hanser Literaturverlage / 2023 / ISBN: 9783446278332 / 160 Seiten






Gelesen habe ich diesen schmalen Roman im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks - und es war für mich der erste Titel von Wolf Haas. Tatsächlich ließ mich diesmal das Cover genauer hinschauen, packpapiermäßig und puristisch, mit einem Titel, der wie mit einem Stempel aufgedrückt wirkt. Eigentlich kein Hingucker - aber genau deshalb eben doch. Wie es sich kurz darauf ergab: dieser Titel steht auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises. Na, wenn ich schon bisher keinen Titel der Longlist des Deutschen Buchpreises gelesen habe... Aber um Buchpreise soll es hier ja gerade gar nicht gehen, sondern um diesen einen Roman:

Donnerstag, 7. September 2023

Bergel, Hans: Die Wiederkehr der Wölfe

Eine neue Welt entstand vor meinen Augen, als ich begann, Hans Bergels autobiografisch hinterlegten Roman Wenn die Adler kommen las. Allein die Sprache, die die siebenbürgischen Karpaten beschrieb, die Menschen, mit denen Peter Hennerth, die Hauptfigur des Romans, in Berührung kam, die faszinierende Gestalt seines Großvaters Thomas Hardt, der den Enkel behutsam lenkt. Als die Adler kommen, geschieht ein großes Unglück und außerdem marschieren Soldaten mit dem Adler auf der Brust des Uniformrocks durch Europa und auch durch Rumänien.

Auf der kleinen Buchmesse Dresden (er)lesen steuerte ich zielgerichtet den Stand von Noack & Block an. Begierig, mehr zu erfahren, zum Beispiel darüber, ob der mittlerweile fünfundneunzigjährige Autor den dritten Teil der Saga, die sich gleichermaßen um seine Familie rankt, nun schreibt. Ich hatte mich durch das Internet gewühlt und fand zu Bergel eine Reihe Einträge, die mir nicht alle gefielen, auch aus Gründen der politischen Anschauungen, die dabei zu erkennen waren.

Die Wiederkehr der Wölfe hatte ich da gerade erst begonnen, das beflügelnde Gespräche führte mich zu Literatur über Hans Bergel aus der Frank & Timme GmbH, zu der die Edition Noack & Block gehört. Der Mann ohne Vaterland – Hans Bergel – Leben und Werk von Renate Windisch-Middendorf begleitete das Lesen der letzten einhundert Seiten und erhellte so manchen Aspekt zu einem Menschen, der mehr Beachtung im deutschen Literaturkosmos verdient. Die Rumänen schauen da mehr auf den 1968 in die Bundesrepublik Deutschland ausgereisten gebürtigen Kronstädter (Brasov). Der Tanz in Ketten wird das nächste Buch sein, doch nun geht es um die Wiederkehr der Wölfe.

Freitag, 25. März 2022

Schley, Fridolin: Die Verteidigung

„Länger betrachtete Richard die zu dem Artikel abgedruckte Fotografie. Darauf stützt sich ein vornehmer älterer Mann sitzend auf eine Holzbarriere und sieht lächelnd zu einem Jüngeren auf, der in Anwaltsrobe vor ihm steht und den Kopf ein wenig gesenkt hält, die Augen geschlossen, wie etwas verlegen, als wüsste er nicht, ob er dem anderen die Hand reichen soll, weil auch der zögere zu ihm aufzustehen, würden sie sich einem Moment lang winden in angedeuteten wieder zurückweichenden Bewegungen. Aus ihrer Haltung  und ihren Blicken versuchte Richard zu lesen, was in ihnen lag: Erwartung oder Stolz, Fürsorge oder Zweifel und ob der Abstand zwischen ihnen Nähe anzeigte oder Distanz. Oder ob sich in ihm statt ihrer etwas kurz berührte, das, woher sie kamen und das, wohin sie gingen. Und er wartete darauf, dass sich eine Erinnerung in ihm einstellte. Unmöglich konnte ein Fotograf sie in diesem persönlichen Moment überrascht haben und sein Zeugnis nun alles sei, was davon blieb. Als Richard sich auf den Hintergrund des Bildes konzentrierte, auf die Schraffur einer Marmortür und wiederum dahinter verlaufende Kabelstränge entlang der Flurwände, verschwammen der Vater und er und schienen leicht zu verrücken. Doch gleich darauf erstarrten sie wieder, ohne dass er darauf kam, was sie in diesem Augenblick zueinander gesagt hatten und schließlich stellte er sich einfach vor, sie hätten sich dort im Gerichtssaal schon über die spätere Bildunterschrift amüsiert, auf die Richard auf dem Foto herab schielt und deshalb den Vater nicht ansieht. „Weizsäcker Junior hilft Weizsäcker Senior zur Freiheit.““ 


In den letzten zwei Wochen sah ich zwei Filme, die indirekt mit dem Fall zu tun haben, in dem ein Sohn hilft, seinen Vater zu verteidigen. Da war einmal der neueste Film über die Wannseekonferenz von Matti Geschonneck und später fiel mir bei einem der bekanntesten Streaminganbieter der Film München – im Angesicht des Krieges auf, ebenso von einem deutschen Regisseur, Christian Schwochow. Letzterer ist eine Literaturverfilmung nach dem Roman München von Robert Harris.

Samstag, 13. Februar 2021

Bergel, Hans: Wenn die Adler kommen

Etwas finster und ernst schaut Hans Bergel uns von seiner Webseite an. Viel erlebt hat der fünfundneunzigjährige Siebenbürgener Sachse, der 1925 in   Rosenau / Râșnov geboren wurde, das liegt in der Nähe von Kronstadt / Brașov, gegründet vom deutschen Ritterorden. Beide finden wir im Burzenland – rumänisch Țara Bârsei, ungarisch Barcaság. Einst blieben Siebenbürgener Sachsen und Neusiedler aus Deutschland auf sogenanntem Königsboden, nur dem ungarischen König untertan. Eine besondere Rechtsstellung hatte dieses Gebiet bis 1867, im Jahr 1920 fiel es nach dem großen Krieg an Rumänien. [1]

Doch nein, hier geht es nicht um die Historie von Siebenbürgen, es geht um einen Roman, den Hans Bergel mit autobiografischen Bezügen schrieb: Europa zwischen den Kriegen – die Gewitterwolken des sogenannten Dritten Reiches sind für die Siebenbürgener Sachsen schon zu sehen am Horizont. [2]


Am Stand der Edition Noack & Block, es war tatsächlich eine kleine feine Buchmesse – Dresden (er)lesen – im Jahr 2020, fiel mir des Buch mit dem Adler auf, ein interessantes Gespräch mit Frau Matthes zum Thema ließ mich neugierig werden und so tauchte ich ein in eine mir völlig unbekannte Welt. In die Welt des Peter Hennerth in Mitten einer wilden Karpatenlandschaft inmitten von Deutschen, Rumänen, Ungarn, Szeklern und Zigeunern. [3]

Sonntag, 18. Oktober 2020

Simenon, Georges: Brief an meine Mutter

Als Georges Simenon in seine Heimatstadt Lüttich kommt, um seine neunzigjährige Mutter während ihrer letzten Tage zu begleiten, richten sich im Krankenhauszimmer zwei Augen von verwaschenem Grau auf ihn. »Warum bist du gekommen, Georges?« So beginnt ein letztes, regloses Duell zwischen Mutter und Sohn. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen war das Leben der Mutter geprägt von Entbehrungen und Enttäuschungen, von unbedingtem Aufstiegswillen, von Sorgen um ihr Auskommen und ihre Außenwirkung. Das Verhältnis zu ihren zwei Ehemännern war kühl, den Ruhm des Sohnes wusste sie nicht zu würdigen. Nie war er gut genug. Haben sie einander je verstanden, haben sie sich je geliebt? Drei Jahre nach ihrem Tod schrieb Simenon seiner Mutter einen Brief. Es ist sein wohl bedeutendster autobiographischer Text, ein schmales Buch von gewaltiger Wirkung.
 
 
 
  • Gebundene Ausgabe : 112 Seiten
  • ISBN-10 : 3311210018
  • ISBN-13 : 978-3311210016
  • Herausgeber : Kampa Verlag; 1. Auflage (4. Oktober 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: Lettre à ma mère
  • Übersetzung: Melanie Walz 
 
 
 
Manchmal stößt man nur durch Zufall auf Titel - aber dann springen sie einen sofort an. Nachdem ich vor Jahren schon Franz Kafkas 'Brief an den Vater' gelesen hatte, geht es hier also um Simenons Mutter, der er sich schriftlich zu nähern versucht. Vielleicht gibt es bei jedem von uns Punkte im Verhältnis zu unseren Eltern, die schwierig sind und nie angesprochen werden können oder konnten. Bei der/m einen mehr, bei der/m anderen weniger. Und vielleicht ist dies eine Methode, sich der Thematik noch einmal und dann abschließend anzunähern? Kafka und Simenon machen es vor...

Samstag, 17. Oktober 2020

Mellem, Daniel: Die Erfindung des Countdowns

Nach dem Ersten Weltkrieg bricht das Zeitalter der Utopien an. 1920 zieht es den jungen Hermann Oberth von Siebenbürgen nach Göttingen, um Physik zu studieren - die spannendste Wissenschaft der Zeit. Hermann will den Menschheitstraum von der Mondrakete verwirklichen. Als der Durchbruch nah ist, weisen seine Professoren ihn ab. Seine lebenslustige Frau Tilla versucht, einen gemeinsamen Alltag als Familie zu ermöglichen, als doch jemand an Hermanns Forschung glaubt: Wernher von Braun, Mitglied der SS. Doch statt der Mondrakete soll Hermann die V2 mitentwickeln, eine »Vergeltungswaffe« für die Nazis. Seine Kinder Ilse und Julius verliert er an den Krieg. Und so stellt sich ihm und auch Tilla mit voller Wucht die Frage nach der eigenen Verantwortung für die Geschichte.
 
 
 
 
 
  • Hardcover: 288 Seiten
  • ISBN-10: 342328238X
  • ISBN-13: 978-3423282383
  • Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft (15. Sept. 2020)
  • Sprache: Deutsch
 
 
Diesen Roman durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen. Herzlichen Dank hiermit noch einmal an den Verlag für das Bereitstellen des Leseexemplars! Besonders schön fand ich es, dass der Autor sich an der Leserunde beteiligte und auch auf kritische Anmerkungen und Fragen sehr angenehm reagierte. Keine Selbstverständlichkeit. Diesmal gestaltete sich die Leserunde außerordentlich lebendig und es wurde teilweise deutlich kontrovers diskutiert. So viel sei vorweg verraten: der Roman wurde sehr unterschiedlich aufgenommen. Wie er bei mir ankam, könnt Ihr hier nachlesen:

Dienstag, 9. Juni 2020

Lisse, Matthias: Die geteilten Jahre

Marcus und ich. Viel gemeinsam haben wir nicht, dieser Marcus Leipold und ich. Sechseinhalb Jahre älter als ich, hätte ich ihn kaum kennengelernt. Und wenn ich ihn kennengelernt hätte, dann hätte er mir nicht von seinen Gedanken erzählt, Gedanken zu dem Land, in dem wir beide geboren waren. Und hätte ich seine Gedanken gekannt, ich hätte sie abgelehnt. 

Eigentlich hätte es die Geschichte des Marcus Leipold so gar nicht geben sollen. Aber Vater und Mutter Leipold sind schlichtweg einen Tag zu spät von der Ostsee wieder in Richtung Süden gefahren. Ihr Ziel war der Bahnhof Friedrichstraße. Doch plötzlich war die Richtung, in die sie umzusteigen anvisierten, gesperrt. Es war ein Sonntag im August des Jahres 1961. Es war der dreizehnte Tag des Monats...

Montag, 6. Januar 2020

Müller, Titus: Der Schneekristallforscher

Dieses kleine Büchlein stand schon seit einiger Zeit in meinem Bücherregal, nun griff ich endlich danach. Es ist aufgrund der geringen Seitenzahl rasch gelesen, doch reichen manchmal auch wenige Seiten durchaus aus, um den Leser zu verzaubern...

Vor fast exakt einem Jahr stellte ich hier bereits ein Werk von Titus Müller vor: "Das kleine Buch vom Alltagsglück". Das aktuelle Büchlein ist zwar kein Ratgeber wie das letztjährige, macht aber auch deutlich, wie kraftvoll Träume sein können...





Samstag, 14. Dezember 2019

Schädlich, Susanne: Immer wieder Dezember

Es sind gerade die Gegensätze zur eigenen Geschichte, das Fremde, was mich zu manchen Büchern greifen lässt. Der Blick über das eigene Leben hinaus.

Gerade hier in unserem Blog gibt es diese Gegensätze in unseren Biografien auch. Aufgewachsen in Ost und West, sind die Prägungen der Kindheit kaum zu leugnen, auch wenn seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 nun bereits fast 30 Jahre vergangen sind. Nun hat nicht jeder, der in der ehemaligen DDR aufwuchs, eine Stasi-Geschichte zu erzählen. Susanne Schädlich allerdings schon - als Betroffene. Für mich ein sehr eindrückliches Buch...


Freitag, 23. August 2019

Marly, Michelle: Madame Piaf...

... und das Lied der Liebe.

Musikfilme haben es mir angetan. Erst kürzlich, also im letzten Jahr, war es Bohemian Rapsody, mit dem Freddy Mercury fast schon auferstand. Viele kennen sicherlich die Lebensgeschichte von Tina Turner, umgesetzt in Tina – What’s Love Got to Do with It? So lernt man Musiker kennen, die doch um einige älter als man selbst waren oder sind. In Nashville Lady wurde uns Loretta Lynn vorgestellt und Jonny Cash in Walk the line. Auf Janis Joplins Spuren wandelten wir in The Rose und auch die Jackson Five erlebten wir in einem Spielfilm.

Die Genannten vertraten Rock- und Country-Musik, Genre, die an anderer Stelle vielleicht einmal zur Geltung kommen. Vor einigen Jahren begeisterte mich La vie en rose, der Film über das kurze Leben der Édith Piaf. Welch eine Stimme und dank YouTube kann man wunderbar in der Zeit zurückreisen. Chansons sind ganz besondere französische Lieder. Gibt es überhaupt andere als französische?


Samstag, 12. Januar 2019

De Vasconcelos, José Mauro: Mein kleiner Orangenbaum

Ein Zufallsfund. Manchmal entpuppen sich solche Bücher als Flop, oftmals freue ich mich darauf gestoßen zu sein - und gelegentlich erweisen sie sich als kleine Perlen.

Dies ist ein Buch voller Fantasie und Traurigkeit, und dennoch weit offen für die Schönheit des Lebens. Ein Buch, das mich lachen ließ und zu Tränen rührte, ein Kleinod, das aus meinem Regal nicht mehr wegzudenken ist. Alles Weitere dazu erfahrt Ihr hier: