Kurzmeinung: Eine ungewöhnliche, fragmentarisch erzählte Familiengeschichte über vier Generationen - schlicht-poetisch, distanziert-eindringlich...
GENERATIONENPORTRÄT...
Ein schräger Titel, ein auffälliges Cover - und dazu ein neugierig machender Klappentext. Klar wurde ich da aufmerksam, und als der Debütroman von Anna Maschik dann auch noch erst auf der Longlist und schließlich auch auf der Shortlist des Österreichischen Debütpreises landete, stand für mich fest: das Buch möchte ich lesen!
Bei diesem Roman handelt es sich um ein Generationenporträt, das bis zur Urgroßmutter der allwissenden Erzählerin Alma zurückreicht und das sich schwerpunktmäßig den weiblichen Mitgliedern der Familie widmet. Eine ländliche Gegend in Norddeutschland ist zu Beginn der Schauplatz des Geschehens, ein kleiner Bauernhof, auf dem hart gearbeitet wird. Dort begegnet man auch dem heimlich geschlachteten Schaf, das seinen Tod leise erduldet und somit in Kriegszeiten mit strengen Auflagen nicht zum Verräter werden kann. Später wird die Familie auseinandergerissen, weil es eine der Töchter der Liebe wegen nach Österreich zieht.
Kapitelweise, oft eher spotlightmäßig und fragmentarisch einen winzigen Einblick gewährend, zuweilen auch mit einer leeren Seite mehr ausdrückend als es viele Worte könnten, beleuchtet die Autorin szenisch das Leben von vier Frauen und zeigt auf, wie Lebensthemen gernerationenübergreifend bedeutsam sein können. Armut, Entbehrungen, Hunger, schweigsame Männer, ertragende Frauen, die ihre Rolle duldsam erfüllen, ihr Herz an eines der Kinder heften und die anderen emotional sich selbst überlassen - all das nüchtern und unsentimental geschildert und damit alles andere als larmoyant. Nicht jede Szene ist leicht zugänglich, manches erscheint gar surreal. Aber in Summe ist dieses Buch ein starkes, innovatives, stringentes.
Eine oft gewaltvolle aber dennoch poetische Stimme für diejenigen, die zeitlebens still gelitten haben. Ein beeindruckendes Debüt, schlicht-poetisch, distanziert-eindringlich...
© Parden


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