Kurzmeinung: Verlust, Freundschaft und erste Liebe in einem Genremix aus Coming-of-Age, Jugendroman, Krimi, Abenteuerroman - atmosphärisch und spannend.
ATMOSPHÄRISCH, BERÜHREND, SPANNEND...
Dieser Roman begleitet den zwölfjährigen Pierce, der hier als Ich-Erzähler fungiert, und schildert dabei das raue und karge Leben im Jahr 1991 auf Perigo Island, einer kleinen (fiktiven) Insel vor der Küste Neufundlands. Drei Jahre zuvor hat Pierce seinen Vater verloren, dessen Boot damals auf dem offenen Meer gefunden wurde, sein Körper allerdings nicht. Wie fast alle Männer auf der Insel war Pierces Vater Fischer, die Fabrik zum Verarbeiten des Kabeljaus gleich auf der Insel - der Arbeitsplatz vieler Frauen. Pierce und seine beiden Freunde Bennie und Thomas lungern oft am Hafen herum, um Kabeljauzungen herauszuschneiden und später an Touristen zu verkaufen.
Gerade in den Ferien haben die Jungen viel Zeit, um auf die ankommenden Fischer zu warten, wenn sie nicht gerade auf ihren Trikes über die Insel fahren. Doch die Konkurrenz der anderen Jungen ist groß, und es werden immer weniger Fische, die den Männern ins Netz gehen. Immer häufiger bleibt die Fabrik geschlossen, weil es keinen Kabeljau zum Verarbeiten gibt. Eine Entwicklung, vor der man allmählich nicht mehr die Augen verschließen kann, und die viele der Erwachsenen zwingt, auf dem Festland nach Arbeit zu suchen. Pierce und seine Mutter sind entschlossen, auf der Insel zu bleiben, in ihrem kleinen Häuschen mit dem Garten, in dem seit dem Tod des Vaters dessen Boot kieloben liegt und durch die Witterung allmählich verrottet. Doch Pierce und seine Freunde haben den Plan, Geld zu sparen und das Boot wieder instand zu setzen - auch wenn Pierce eine diffuse Angst vor dem Meer entwickelt hat, seit der Vater nicht mehr nach Hause kam.
Das eintönige Geschehen auf der Insel in den Ferien verändert sich, als erst Anna verschwindet und dann Emily auftaucht, eine Cousine von Bennie aus den USA, die das Gefüge unter den Freunden ordentlich durcheinanderwirbelt. Anna ist ein Mädchen, dem Pierce nur einige Male begegnet ist, doch durch ihre direkt-ehrliche Art hat sie ihm sehr geholfen, mit dem Verlust des Vaters umgehen zu lernen. Der Gedanke, auch sie noch zu verlieren, ist für den Zwölfjährigen unerträglich, und so setzt er alles daran herauszufinden, was mit Anna geschah. Seine Freunde sind da natürlich mit von der Partie.
Mit seinem Debüt legt Perry Chafe einen atmosphärischen, berührenden und spannenden Genremix aus Coming-of-Age, Jugendroman, Krimi und Abenteuerbuch vor, der schon auf den ersten Seiten beginnt, einen ganz eigenen Sog zu entwickeln. Der Schreibstil ist eingängig, und mit den detailreichen und bildhaften Schilderungen fühlt man sich schon bald als Teil der Insel. Besonders die Schilderungen der riesigen Eisberge, die immer wieder dicht an der Insel vorbeitreiben, haben mich sehr fasziniert. Kein großes Drama erwartet die Lesenden hier, sondern leise Spannung, authentische Charaktere, glaubwürdige Dialoge und persönliche Entwicklungen.
Ein leiser Roman, der mich gefangen nahm und den ich mit einem Lächeln schloss.
Klare Leseempfehlung!
© Parden


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