Dienstag, 17. Februar 2026

Schneider, Richard C.: Die Sache mit Israel

DIE SACHE MIT ISRAEL von Richard C. Schneider erschien in einer ersten Fassung bereits am 28.06.2023. An einen terroristischen Angriff wie ihn die HAMAS am 07.10.2023 verübte, dachte noch keiner. Vorherrschend waren in meiner Erinnerung die Proteste von 10tausenden Israelis gegen die Regierung Netanjahu. Unmittelbar nach dem 07/10 las und rezensierte ich Saul Friedländers BLICK IN DEN ABGRUND, der mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten schonungslos umgeht und die Gefahren für eben diese Demokratie deutlich benennt. Mit diesem Buch ermöglicht Friedländer es den Leserinnen und Lesern genau in diese „Ecken“ zu schauen und zu vergleichen

Die „israelische Sache“ beschäftigt mich an sich erst seit dem Herbst 2009, aufgrund des Besuches in diesem Land. Eine Reihe diesbezüglicher Büchern finden sich in Buchbesprechungen auf diesem Blog. Richard C. Schneider war bisher nicht dabei, dessen Gesicht aber war mir von einer Reihe von Filmdokumentationen aus dem Nahen Osten bekannt. Der ehemalige Chefkorrespondent der ARD in Tel Aviv (2006 – 2015) hat einen selbst gewonnen tiefen Blick auf Israel, dessen „Alltag (er) im Ausnahmezustand“ sieht.

Montag, 16. Februar 2026

Tetzner, Gerti: Karen W.

Es war ein Geburtstag, der mich auf diesen Roman aufmerksam werden ließ. Der 80ste Geburtstag des Aufbau Verlages, der bereits im August 1945 als erster Nachkriegsverlag gegründet wurde. Dieser Anlass führte zu einem Gesprächsabend im Neustrelitzer Kulturquartier. Davon berichtete ich hier.

Aus diesem Anlass suchte der Verlag nach einem authentischen Roman, der nach langer Zeit wieder (einmal) veröffentlicht werden könnte. Ein Roman, der in Vergessenheit geriet, sicher jedoch ab dem Jahre 1989/90, als sich niemand mehr für Literatur aus der Zeit der DDR interessierte.

Mir war die Autorin Gerti Tetzner (*1936) völlig unbekannt. Kein Wunder, denn aus der „Weiberrunde“ der Christa Wolf war mir einzig Brigitte Reimann bekannt, und selbst sie nur durch die Verfilmung der Franziska Linkerhand.

Ein Frauenname auf dem Cover, eine Autorin aus dem Kreise um Christa Wolf, ein Roman aus dem Jahre 1974 – ein Frauenroman?

DNB / Aufbau Verlag / 2.2025 / ISBN: 978-3-351-04264-6 / 308 S.

Samstag, 14. Februar 2026

Kinsky, Esther: Rombo

 

Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft im nordöstlichen Italien. An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, unzählige sind ohne Obdach, viele verlassen ihre Heimat. In Esther Kinskys preisgekröntem Roman berichten sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, Männer und Frauen, von ihrem Leben, in dem das Beben tiefe Spuren hinterlassen hat. Von der gemeinsamen Erfahrung von Angst und Verlust spleißen sich bald die Fäden individueller Erinnerung ab und werden zu eindringlichen und berührenden Erzählungen tiefer, älterer Versehrung. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Suhrkamp / 2023 / ISBN 978-3-518-47311-5 / 264 Seiten

Kurzmeinung: Sperriger, anstrengender Schreibstil, der besonders bei Beschreibungen und Schilderungen der Landschaft sehr fordert - ein mühsames Lesen...


Freitag, 13. Februar 2026

Kutscher, Volker: Rath

DER ZEHNTE RATH - ROMAN

Nun lag er vor mir, der zehnte Rath - Roman aus der Feder von Volker Kutscher. Er hatte vor einiger Zeit erklärt, dass er die Reihe mit dem Jahr 1938 abschließen würde, dem Jahr, in dem am 9. November die Synagogen brannten, dem Jahr der Reichspogromnacht.

Doch blicken wir kurz ein wenig zurück:

Im Jahr 1929 kommt ein junger Kommissar als Köln zu Berliner Polizei. Dies hat sein Vater vermittelt, der den Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel kannte. Gereon Rath hatte in Köln mit einem Fall um den Oberbürgermeister Konrad Adenauer zu tun. In Berlin fängt Rath erst bei der Sitte an und wechselt dann zur innovativen Mord-Inspektion, die von einem besonderen Kriminalrat, nämlich Ernst Gennat geleitet wird.
 
Gereon trifft auf Charlotte Ritter. Die Tochter eines Justizbeamten in Moabit arbeitet gelegentlich für die „Rote Burg“, das Polizeipräsidium und will unbedingt Kriminalassistentin werden. Beide kommen sich näher und werden einige Bände später auch heiraten. Charlie ist die zielstrebigere, die bewusstere von beiden, Gereon dagegen zwar ein brillanter Ermittler, aber politisch weitaus weniger weitblickend.

  • DNB / Piper / München 24.10.2024 / ISBN:978-3-492-07410-0 / 624 Seiten
  • audible / 21 Std. 49 Minuten 

Mittwoch, 11. Februar 2026

Trauboth, Jörg.H.: Operation Machtergreifung

Wenn die Welt verrückt spielt, so wie zurzeit, dann sollten sich die Medien diverser Spekulationen enthalten. Das heißt ja nicht, dass sie gar nicht in die Zukunft blicken dürfen, oder die Folgen politischer Entscheidungen nicht darstellen.

Romanautoren haben es da etwas einfacher, die dürfen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Inwieweit sie dabei an Verschwörungstheorien kratzen, bleibt ihnen überlassen, es sind letztlich die Leserinnen und Leser, die über den Erfolg entscheiden; und die Verlage versteht sich.

Mit diesem Thriller begeben wir uns in die nahe Zukunft. Soweit weg ist die nicht, die nächste Bundestagswahl ist in drei Jahren. Was bei dieser rauskommt, ist sicherlich mit davon abhängig, wie die Demokratie verteidigt werden kann. Wenn dies nicht gelingt, dann gewinnt die PfD – die Partei für Deutschland. Das ist sicher keine Fantasie, das ist möglich.

Der Autor des Buches, Jörg H. Trauboth, das Fünfte, in dem der ehemalige KSK-Soldat Marc Anderson die Kastanien aus dem Feuer holen muss, hat bereits in den vorherigen Bänden aktuelle Ereignisse mit fiktiver Handlung verwoben. Diesmal bleiben wir hier, das schließt einen kurzen Ausflug auf der Rattenlinie (ich kannte die als „Römischer Weg“) mit ein.

  • DNB / ratio-books Verlag /bv01.02. 2026 / ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3961369751 / 572 Seiten
  • Anazon / Kindle

Samstag, 7. Februar 2026

Kutscher, Volker und Menschik, Kat: WESTEND

„Was aber soll im Jahre 38 gut laufen? - Die ganze Geschichte verbietet förmlich ein Happy End. Und am Ende geschieht ein Mord aus Rache. Ein Mann in schwarzer Uniform erschießt einen anderen Mann, einen mit weißem Kittel...“

Dies waren die letzten Zeilen zum Inhalt des 10. Gereon-Rath-Romans, die ich am 19. November 2024 im Blog veröffentlichte. Als es hieß, dass es einen Abschluss geben wird und dieser das dritte gemeinsame Buchprojekt von Kat Menschik und Volker Kutscher werden soll, war ich überaus gespannt auf das Ergebnis.

Freitag, 6. Februar 2026

Bronsky, Alina: Pi mal Daumen (Hörbuch)

 

Moni Kosinsky und Mathe, das passt auf den ersten Blick gar nicht zusammen. Denn Moni ist Anfang 50, hat diverse Nebenjobs und hütet voller Selbstaufgabe ihre drei Enkel, während Tochter Püppi beim Discounter an der Kasse sitzt. Aber trotzdem erfüllt sie sich einen Lebenstraum und beginnt, Mathematik zu studieren. Auch für Oscar, einen Überflieger mit autistischen Zügen aus gutbürgerlichem Hause, ändert sich alles, als er im Hörsaal auf Moni trifft – denn obwohl die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten, findet er in ihr eine Freundin, die seinem Leben eine entscheidende Wendung gibt. (Verlagsbeschreibung)

DNB / dav / 2024 / ISBN 978-3-7424-3334-3 / 379 Minuten


Kurzmeinung: Mathematik als charmante Kulisse für eine Geschichte über Freundschaft, Mut und den Glauben daran, dass es nie zu spät für etwas Neues ist.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Schätte, Lena: Das Schwarz an den Händen meines Vaters

 

»Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so. Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol. »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / S. Fischer / 2025 / ISBN 978-3-10-397657-1 / 192 Seiten


KurzmeinungSchilderung eines Familienlebens, in dem generationenübergreifender Alkoholismus eine große Rolle spielt - schnörkellos, leise, präzise...

Montag, 2. Februar 2026

Tannert, Ida: Crime im Heim

 

Das Haus Silberblick, ein progressives Seniorenstift, braucht mehr Kultur! So sieht das zumindest der ehemalige Feuilletonchef und Heimbewohner Friedhelm Klemp und fasst die Inszenierung von ›Hamlet‹ ins Auge. Unterstützt wird er von seiner vergeblich Angebeteten, Katia Horenfeld, dank derer sich eine bunte Truppe unterschiedlichster Charaktere zusammenrauft. Doch schon das erste Probentreffen wird von einer grausigen Tat begleitet: Ophelia, der Mops einer Darstellerin, wird tot aufgefunden. Das Ergebnis der Obduktion des Hundes, ausgeführt von einem pensionierten Zahnarzt mithilfe eines gräflichen Nageletuis, überrascht und entsetzt alle: Das Tier wurde erschossen. Also ein klarer Fall von Mord! Katia, der die Rolle von Hamlet zugedacht ist, soll auch die »Ermittlungen« durchführen. Dabei ergeben sich immer mehr Ungereimtheiten rund um die Tat. Während Katia noch überlegt, wie sie am besten vorgehen soll, taucht die nächste Leiche auf. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Dumont / 2025 / ISBN 978-3-8321-6722-6 / 272 Seiten


Kurzmeinung: Ziemlich viele und ziemlich klischeehafte Charaktere, die hier im Altersheim zwischen Theaterproben und Mordermittlungen agieren, etwas lahm...

Samstag, 31. Januar 2026

Mercier, Pascal: Der Fluss der Zeit

 

Die Romane »Nachtzug nach Lissabon« und »Das Gewicht der Worte« verführten ein Millionenpublikum dazu, über große Themen wie Identität, Freiheit, Zeit oder den Sinn des Lebens nachzudenken. Nun ist Pascal Mercier in fünf bisher unveröffentlichten Erzählungen auch als Meister der kurzen Form zu entdecken: Kann ein Mann auf dem Höhepunkt seiner Jahre noch einmal die Zeit seines Aufbruchs ins Leben heraufbeschwören? Wann beschädigt Großzügigkeit die Würde eines Künstlers? Gibt es Emotionen, die unser Verstand nicht mehr erreicht? Noch einmal lernen wir mit Pascal Mercier unvergessliche Figuren kennen, die uns mit ihren Gefühlen und Gedanken sehr nahekommen – und dabei unverhofft Einblicke in unser eigenes Selbst eröffnen. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hanser / 2026 / ISBN 978-3-446-28577-4 / 112 Seiten

Pascal Mercier bei Litterae Artesque: Das Gewicht der Worte



Kurzmeinung: Fünf ruhige Vignetten, die aus dem Nachlass des Autors stammen - Szenen des Innehaltens, des Bangens, des Loslassens, einer Entscheidung...

Freitag, 30. Januar 2026

Goldammer, Frank: Eingeschneit - Flieh wenn du kannst

Was als besinnlicher Weihnachtsurlaub unter alten Freunden beginnt, wird zum Albtraum im Schnee.

Ein abgelegenes Ferienhaus, gutes Essen, Musik aus der Jugend – endlich wieder unbeschwerte Tage, fern von Familie und Verpflichtungen. Doch als einer von ihnen tot aufgefunden wird, erlischt die festliche Stimmung mit einem Schlag.

Was bleibt, sind Misstrauen und alte Wunden, die nie ganz verheilt sind. Unter der Oberfläche brodeln Neid, Enttäuschung und verpasste Chancen. Und als ein zweiter Todesfall die Gruppe erschüttert, wird klar: Die Gefahr lauert nicht draußen im Wintersturm – sie sitzt mit am Tisch.

Aus Freunden werden Feinde, aus Erinnerungen werden Beweise. Und während draußen der Schnee leise fällt, beginnt drinnen ein tödliches Spiel um Wahrheit, Schuld – und Rache. 

Klappentext. Mehr kann man eigentlich nicht sagen oder schreiben. Oder doch?
  • audible / ASIN ‏ : ‎ B0FZCMJXHG / 12.11.25 / 6 h 25 min 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Zweig, Stefan: Die Liebe der Erika Ewald (Hörbuch)

 

Die Liebe der Erika Ewald ist eine feinfühlige Novelle von Stefan Zweig über das Aufblühen und Zerbrechen einer zarten Liebe. Erika, die nicht mehr an das große Glück glaubt, begegnet einem jungen Musiker – sensibel, talentiert, voller Hingabe. Zunächst scheint das Glück vollkommen. Doch als er zwischen seiner Kunst und der Liebe wählen muss, stellt sich die Frage: Ist wahre Leidenschaft vereinbar mit Hingabe an einen anderen Menschen? (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hörbuchzeit / 2015 / ISBN 978-3-943952-25-4 / 107 Minuten

Stefan Zweig bei Litterae Artesque: Brief einer Unbekannten / Sternstunden der Menschheit





Kurzmeinung: Tolle Stimme, die hier eine Novelle von 1904 vorträgt - über die Liebe einer jungen Frau, die mit einer lebenslangen Enttäuschung endet...


Dienstag, 27. Januar 2026

Woolf, Virginia: Orlando - Eine Biografie


Der Versuch, sich wieder einmal an Weltliteratur zu wagen. 

Tja, der Orlando, die Orlando. Sechzehnter Band der wirklich hervorragenden Reihe PERLEN DER LITERATUR, vielfach gelobt, fast schon besungen auf unserem Blog. Über die Buchreihe muss ich nicht mehr viel vermelden, dass ist den regelmäßigen Leserinnen und Lesern des Blogs bekannt. Warum ich sie als „hervorragend“ bezeichne, könnt ihr in einer der unten verlinkten Buchbesprechungen nachlesen. 

Nun also Band 16. Es gibt Bücher, für die braucht man entweder unendlich viel Zeit, oder aber sie sind nicht für einen geschrieben. Bei Orlando ist mir das nicht so recht klar. 

Montag, 26. Januar 2026

25er Rückblick des Bücherjungen

Nicht nur, dass mit 2025 ein viertel Jahrhundert zu Ende ging, am Ende geprägt durch einen Krieg im Osten Europas und Unsicherheiten für die Demokratien in denen wir in Europa leben, es war auch das Jahr des Eintritts in die Pension und die Nutzung der letzten beiden Monaten für eine lange Reise nach Südamerika.


Da es hier um Bücher geht, fang ich mit denen auch an: Meine 12 Buchbesprechungen des Jahres 2025:

01: Ein Jahr ohne Frank Goldammer? Das geht irgendwie nicht und im Januar ging es gleich um zwei Bücher, wobei Blätterrausch die Fortsetzung von Vergissmeinnicht und letzteres als Neuauflage 2024 in meine Hände kam. Das Buch wurde von Katharina für Salomo Publishing an Bloggerfreunde und andere während Dresden (er)lesen verschenkt. 
Es sind "alte" Goldammer, aber gerade bei Frank lohnt sich immer mal wieder der Rückgriff...

Hier die Rezension zu beiden Büchern

Samstag, 24. Januar 2026

Kicaj, Jehona: ë

 

Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz. Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort. Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Wallstein / 2025 / ISBN 978-3-8353-5949-9 / 176 Seiten



Kurzmeinung: Eindrucksvoller Roman um die Sprachlosigkeit angesichts von Verwüstung, Unterdrückung, Vernichtung - generationsübergreifendes Kriegs-Trauma...

Donnerstag, 22. Januar 2026

Gottwald, Josefine: Die Eiselfen (I-III)

Litterae - Artesque liest Fantasy!

Ja, das kommt vor. Zugegeben, der Rezensent ist gegenüber „nichtklassischer“ Fantasystoffe generell skeptisch. Eigentlich sind Fantasystoffe wiederum immer irgendwie klassisch, irgendwas kommt immer vor: Elfen, Alben, Elben, Zwerge, Drachen, Könige, Götter, Druiden, Prister, Zauber, Magie…

Und irgendwie, da bin ich ein wenig stur, wurde durch DER HERR DER RINGE und Klett Cotta - Bücher (also J.R.R. & C. Tolkien - Bücher) sowie GAME OF THRONES alles gesagt. Selbst THE HOUSE OF DRAGON empfinde ich schon fast überflüssig wie DIE RINGE DER MACHT.

Und so einer liest plötzlich Fantasy? Und dann noch gleich eine neunbändige Reihe? Lest über das Ergebnis der Lektüre hier…




  • DNB / Eiselfen I  - Das Bündnis / Thalia - Tolino / EAN: 9783754628409 / EPUB
  • DNB / Eiselfen II -  Thírions Erbe / 15.12.2021 / Thalia - Tolino / EAN: 9783754628690 / EPUB
  • DNB / Eiselfen III - Der Kodex / Thalia - Tolino / EAN: 9783757923174 / EPUB

Samstag, 17. Januar 2026

Casement, Nina: Dehumanisation - Wege in den Terror


 „Das vorliegende Buch enthält einzelne, kurze Schilderungen von Gewalt…“

Altersempfehlung: 16 Jahre

Der Titel zeigt, was die Leserin, den Leser - vermutlich - erwartet. Das Eingangsstatement verdeutlicht dies. Dass ein Zitat Barack Obamas, nachdem „Guantànamo wahrscheinlich mehr Terroristen auf der Welt geschaffen hat, als jemals dort inhaftiert wurden.“ dem Text vorangestellt wird, zeigt, warum sich Nina Casement dem Thema „Radikalisierung“ widmet. Gleich mehrfach.

Drei Schicksale stellt Casement in den Leseraum. Da ist der Iraker Ismat, der in der Nähe von Faludscha, einer ehemaligen IS-Hochburg im Irak beheimatet ist, dann der Brite Oliver aus London und der aus dem Iran stammende Naid, welcher ebenfalls in London lebt. 

Montag, 12. Januar 2026

Schiewe, Ulf: Der Bastard von Tolosa

Letztens veröffentlichte Anne PARDEN hier ihre Challenge 2026 Rezensionsexemplare. Einige Titel könnte ich hinzufügen, auf jeden Fall etwas überschaubarer. Annes Liste ist allerdings nicht der Grund für diese Rezension eines solchen Exemplars, das eBook bot sich erneut an, als eine lange Flugreise anstand. 

Diese Rezension des Bastards von Tolosa hat eine Vorgeschichte, denn ich erhielt das eBook vom Verlag, nachdem ich die Laudatio zu Ulf Schiewes Der eiserne Herzog während der Gala zum HOMER - Literaturpreis für historische Romane im Jahre 2023 halten durfte. Das ist über zwei Jahre her, nun endlich ist der Debüt-Roman des Erfolgsautors, der Auftakt zur Montalban-Reihe, gelesen.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Maschik, Anna: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

 

Mit einem heimlich geschlachteten Schaf beginnt der Blick in die Innereien einer Familie. Hier rührt die Urgroßmutter das Blut für die Würste, der Großonkel schläft fünfzehn Jahre lang, und die Großmutter stiehlt nachts die Ziegel vom Dach. Am Ende steht die Urenkelin Alma und fügt die Einzelteile der Familiengeschichte zusammen: vom kargen Alltag auf einem Bauernhof an der Nordsee über den Krieg und den Neuanfang fern der Heimat bis in die Gegenwart, in der die Großmutter ins Heim muss und Alma versteht, dass sie das letzte Glied in der familiären Kette ist. In kurzen, virtuos verdichteten Passagen entfaltet Anna Maschik einen ganzen Kosmos – die Familie als ein großer Resonanzkörper, in dem die Prägungen widerhallen über die Generationen hinweg. Es ist eine Geschichte von bevorzugten Geschwistern, vom Scheitern am Schlaf und an der Sprache, von der Verwandlung in ein Möbel, einen Wolf, einen Zitronenbaum. Lakonisch und voll schwebender Magie erzählt sie davon, was Vorbestimmung ist und ob man ihr entkommen kann. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Luchterhand / 2025 / ISBN 978-3-630-87814-0 / 235 Seiten


Kurzmeinung: Eine ungewöhnliche, fragmentarisch erzählte Familiengeschichte über vier Generationen - schlicht-poetisch, distanziert-eindringlich...

Montag, 5. Januar 2026

Madreiter, Armela: südpol.windstill

 

Wenn die 10-jährige Ida nach Hause kommt, weiß sie nicht, was sie erwartet: Ihre Mutter ist Alkoholikerin und psychisch krank. An Südpol-Tagen ist sie aufgekratzt und unternehmungslustig; an Nordpol-Tagen depressiv und antriebslos. Doch mit Robert Falcon Scott hat Ida glücklicherweise einen imaginären Freund, der sich bestens mit Polarforschung auskennt. Mit Erfindergeist, Empathie und Intelligenz lernt Ida, ihre schwierige Situation zu meistern. (Verlagsbeschreibung)

DNB / reclam / 2025 / ISBN 978-3-15-014622-4 / 70 Seiten



Kurzmeinung: Ernst und doch von Stärke und Humor durchzogen - eine Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter u. kreative Möglichkeiten, damit klarzukommen...


Samstag, 3. Januar 2026

Unterthiner, Miriam: Blutbrot

 

Der Theatertext Blutbrot beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In Blutbrot leistet die Kollektivfigur DasDorf diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. DasDorf beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und DasDorf mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In Blutbrot wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben. (Verlagsbeschreibung)

DNB / edition laurin / 2025 / ISBN 978-3-903539-50-1 / 72 Seiten


Kurzmeinung: Gewinner des Österreichischen Debütpreises 2025 - sehr experimentell, eher modernes Theater über ein totgeschwiegenes Thema...