Mittwoch, 29. Mai 2024

Auf den Spuren von Hans Fallada


Schon lange hatte ich vor, einen Ausflug in die Feldberger Seenlandschaft unternehmen und mich auf die Spuren von Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen (1893 - 1947), alias Hans Fallada begeben. Dort, in der Abgeschiedenheit auf einem Grundstück im kleinen Dorf Carwitz, überlebte er den Krieg, er der doch allen Grund gehabt hätte gleich anderen zu emigrieren. 

Im Bücheregal steht so einiges rum, was von Fallada stammt, wobei das "Nachlesen" der filmischen Umsetzungen von Wolf unter Wölfen und Kleiner Mann was nun?. Nun staune ich im Museum über den "Vielschreiber". Es ist noch nicht lange her, da stieß ich beim Lesen über die Landes-, Heil- und Pflegeanstalt in Mecklenburg am Domjüchsee auf den Namen den Romanciers, denn einer der leitenden Ärzte, Dr. Johannes Hecker, behandelte Fallada in der Neustrelitzer Strafanstalt, in der der Alkoholiker und psychisch anfällige Dichter einsaß. Vielleicht verhinderte dessen Gutachten Falladas Einweisung in ein Konzentrationslager. Es handelte sich demnach um ein Gerücht, dass Ditzen in der "Landesirrenanstalt" einsaß.

Montag, 27. Mai 2024

Hartmann, Ilona: Klarkommen (Hörbuch)

 

“Klarkommen” erzählt die Geschichte von Mounia, Leon und der Erzählerstimme selbst, die nach dem Abitur gemeinsam den Sprung in die Großastadt wagen und schnell feststellen, dass die Bücher, Filme, Serien und Songs gelogen haben: Die Party ist entweder schon vorbei oder hat nie angefangen. Niemand fickt, fast alle haben Angst vor Drogen, und cool sind immer nur die anderen. Gemeinsam und einzeln hadern sie mit der eigenen, peinlichen Verspultheit und der unschaffbar scheinenden Aufgabe, schnell noch aufzublühen, bevor sich die Zivilisation selbst beendet. Die große Frage, die sie alle umtreibt, lautet: Wo ist mein Platz im Leben, und wie finde ich ihn? Und sie brauchen nicht zuletzt einander, um das herauszufinden ... Ilona Hartmanns neues Buch berührt mit feinen Beobachtungen und intensiven Momente, die kraftvoll und wahrhaftig vom Leben in all seinen Tiefen, Höhen und Grautönen erzählen. „Klarkommen“ ist der Gegenentwurf zu allen high action Coming of-age-Romanen, in denen auf einer Seite mehr passiert als in einem Lebensjahr eines normalen Teenagers. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hörbuch Hamburg / 2024 / ISBN 978-3-8449-3705-3 / 208 Minuten
 
Ilona Hartmann bei Litterae Artesque: Land in Sicht


Ein Hörbuch, das ich als Rezensionsexemplar über NetGalley erhielt und das sich aufgrund des geringen Minutenumfangs auch zügig hören ließ. Leider entpuppte es sich als oftmals banal und langweilig - die Orientierungszeit nach dem Abitur ist sicher nicht einfach, aber hier wird definitiv nichts Neues verraten... 

Sonntag, 26. Mai 2024

Kampe, Lea: Beelitz Heilstätten


Beelitz-Heilstätten.
Eine Autobahnabfahrt der BAB 9, die erste, wenn man den Berliner Ring am Dreieck Potsdam verlässt. Auf diese Einrichtung wurden wir, Anne Parden und ich im Jahre 2016 aufmerksam, in die stillgelegten Gebäude der einst modernsten Lungenklinik der Welt hatte der Krimiautor Tim Pieper einen Tatort verlegt. Einige Jahre später begab ich mich auf die Suche nach diesen Lost Places, verlorenen Orten, eben dort.

Und nun finde ich vor wenigen Wochen diesen Roman von Lea Kampe. Eine junge Frau mit einer altertümlichen Arzttasche auf einer Treppe, eines der meistfotografierten Orte in den Heilstätten. Über die Lost Places schrieb ich im Jahre 2019. Nach fünf Jahren scheint es mal wieder einmal Zeit zu sein. 

Inhalt 1938. Eine junge Biologiestudentin könnte sich mit Tuberkulose infiziert haben. Der Arzt der einst wohlhabenden Familie überweist Antonia Marquardt in die Heilstätten. TBC, volkstümlich Schwindsucht genannt, wurde zwar nicht eindeutig diagnostiziert, aber weil Antonias Mutter an ihr starb, gilt die Tochter als exponierte Person.

Samstag, 25. Mai 2024

Goldammer, Frank: Tod auf der Elbe

Gleich komme ich auf Frank Goldammer und Gustav Heller zurück, doch bei Tod auf der Elbe fällt mir gleich mal ein anderer Autor ein. Uwe Wittenfeld, ein Bochumer, ließ 2014 eine Frau vom Blauen Wunder auf einen nicht namentlich genannten, aber über 125 Jahre alten Raddampfer fallen. Mauerzwillinge heißt das Buch, den Autor lernte ich auf der Dresdner Schriftgut kennen. Das war im Jahr 2016. Ebenfalls auf der Schriftgut lernte ich zwei Jahre vorher diesen Frank Goldammer kennen, damals war von Max Heller, geschweige denn von dessen Großvater Gustav nichts in Sicht.

Nachdem Goldammer sieben Bände zu den Fällen des Max Heller herausbrachte und auch die (unvollständige?) Vorgeschichte erzählte, liegt vor uns ein noch weiter zurückführendes Buch: In Tod auf der Elbe explodiert der Kessel eines Elbedampfers und Kriminalrat Gustav Heller, Rittmeister und Pferdezüchter, befindet sich in der Nähe, der Dampfer strandet an der Pillnitzer Elbinsel. Allerdings schreiben wir das Jahr 1879.

Montag, 20. Mai 2024

Anour, René: DIE TOTENÄRZTIN - Wiener Blut

René Anour ist bei HOMER – historische Literatur kein Unbekannter. Der Veterinärmediziner, der sich nach den Angaben auf seiner Webseite auf die junge Wissenschaft Conservation Medicine spezialisierte, also das Ineinanderspielen der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, war mehrfach präsent mit seinen Büchern. Legt man diese Spezialisierung zu Grunde, ist es kein weiter Weg zur Rechtsmedizin.

Also erfand er eine junge Ärztin, die heimlich selbst obduziert, dabei eine gefährliche Entdeckung macht und persönlich in Gefahr gerät. Als ein Obdachloser in die Gerichtsmedizin in Wien gebracht und weder der leitende Professor, noch der „Partner“ von „Schwester“ Fanny Goldmann auf die Ungereimtheiten des Falls eingehen wollen, macht das eben Fanny.

Fanny ist Medizinerin. Aber der Professor hat sie nur als Hilfskraft eingestellt, sie lebt in Wien um die Jahrhundertwende, d.h. um die vorletzte Jahrhundertwende. Alles klar?

In dieser Zeit werden Diamantsterne vermisst, die von niemand Geringeren stammen als der ermordeten Frau des habsburgischen Kaisers. Hier klingelts natürlich, denn das kann nur die Elisabeth, genannt Sissi sein.

Welche Rolle spielt dabei eigentlich die Frau des Professors? Und dann der Cousin, der von der Familie abgelehnt im Theater arbeitet und Fanny, alsi es braucht, mit einem sonst unbezahlbaren Ballkleid versorgt?

Band eins endet mit einem unglaublichen Cliffhanger und daher muss Band 2 bald gehört werden...

Sonntag, 19. Mai 2024

Siegmund, Fabienne: Das Zylinderkabinett oder das Mädchen, das nicht dorthin gehörte (Hörbuch)

 

Alles, was mit Magie in Berührung kommt – egal, ob für einen Sekundenbruchteil wahrer Magie oder für jene Momente, die der Illusion auf den Bühnen der Welt gehören – wird irgendwann selbst magisch. So geht es auch Puschkin, dem weißen Kaninchen eines Zauberers in Montparnasse, das abseits der Vorstellung sein Leben im Zylinderkabinett verbringt – jenem Ort, an dem Tücher wie Schmetterlinge fliegen und Tauben zu Plastikrosen werden. Dort, wo die Schuhmaus alle Geschichten kennt und der Regenbär die Seerosen gießt, wo die Pikdame die Geheimnisse hütet und die Puschelwuschelohrenkatze ihr Unwesen treibt: Genau dort taucht eines Tages direkt vor Puschkins Hasennase ein winziges Mädchen auf, das einen Schlüssel im Rücken hat und sich nur bewegt, wenn man ihn dreht. Schnell wird klar, dass Eugenie, wie dieses Mädchen heißt, nicht in das Zylinderkabinett gehört, und so macht sich Puschkin mit ihr auf den Weg zum von allen gefürchteten Schmuckfrosch – der einzigen Hoffnung, die Eugenie noch zu haben scheint… (Verlagsbeschreibung)

DNB / Hörbuchmanufaktur Berlin / 2020 / B0839HPB7J / 139 Minuten
 

 
 
Ein Zufallsfund war dieses Hörbuch, und aufgrund der Kürze des Vortrags konnte ich es einfach mal "dazwischen schieben". Tatsächlich bekam ich hier irgendetwas zwischen Hans Christian Andersen und Alice im Wunderland - eine leise märchenhafte Geschichte aus einer magischen Zwischenwelt. Mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen:

Freitag, 17. Mai 2024

Unger, Christina: Der seltsame Mr. Bridges

 

Henry Bridges lebt trotz seiner 42 Lenze immer noch im Haus seiner Mutter in New York. Diese versucht verbissen, ihren Sohn unter die Haube zu bringen, aber Henry zeigt keinerlei Interesse an Frauen oder einer Familie. Stattdessen hegt er einen lange verborgenen Traum: eine Bildungsreise nach Europa und eine Safari in Afrika. Eines Tages bucht Henry einen Flug nach London … und von da an kennt sein Schicksal nur noch Chaos und Katastrophen. Schöne und weniger schöne Frauen werden ihm regelmäßig zum Verhängnis. Er findet einen Koffer voller Geld, der kolumbianischen Drogenhändlern gehört und die ihn bis Amsterdam verfolgen. Henry flieht nach Paris und weiter nach Neapel – wo er in einem unheimlichen Dorf landet, in dem nur Männer leben – entkommt mit knapper Not und in Unterwäsche nach Sizilien, gerät dort an einen Mafioso und landet schlussendlich bei einem Naturvolk vom Stamm der Ponga-Ponga in Afrika. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Luzifer Verlag / 2022 / ISBN 978-3-95835-665-8 / 292 Seiten

 

 

 

 

Manchmal lese ich auch gerne einfach nur zur Unterhaltung, ohne großen Anspruch oder Tiefsinnigkeit. Im Rahmen einer Challenge stieß ich auf dieses Buch und versuchte einfach mal mein Glück. Die Sache mit dem Humor ist allerdings - so eine Sache. Hier nun vorab meine Kurzmeinung: Hastig aneinandergereihte slapstickhafte Szenen um einen naiv-gutgläubigen und konservativ-staubtrockenen Bibliothekar. Nervig statt lustig. Mehr dazu gibt's hier:

 

Mittwoch, 15. Mai 2024

Römling, Michael: Tankred - Weihrauch und Schwert

Das ist ein geheimnisvoller Bibliothekar,
dieser Tankred. Mönch und doch nicht, ausgebildet im Waffenhandwerk, der Sohn eines Adligen? So nach und nach erfahren wir seine Geschichte, doch zu Beginn muss er den Bücherschatz retten. Er versteckt ihn im Glockenturm des Klosters Prüm in der Eifel. Dann muss er fliehen.* Wir schreiben das Jahr 882 nach Christi Geburt. Es ist Januar und ziemlich kalt.

Tankred hat eine Schwester namens Judith, von deren Verbleib momentan weder sein Bruder noch sein Vater wissen. Er sucht sie in Aachen, doch findet er sie dort nicht. So reist wer weiter nach Koblenz und bis Trier, parallel zu den Normannen, die die Eifel mit ihren Raubzügen überziehen. Begleitet wird er zeitweise von einem windigen Burschen, dessen Profession so eine Art Reliquien-Betrug ist.

Wird er seine Schwester finden?

Dienstag, 14. Mai 2024

Arnim, Elisabeth von: Bezaubernder April

 

„An diesem Abend herrschte Vollmond. Der Garten war ein verwunschener Ort, in dem alle Blumen weiß schienen. Die Lilien, der Seidelbast, die Orangenblüten, die weißen Levkojen, die weißen Nelken, die weißen Rosen – man konnte sie so deutlich sehen wie am Tage; aber ihre Farbe existierte nur als Duft.“ (Seite 267)




Der Anfang eines bezaubernden Buches, oder das Ende? Fast, denn diese Zeilen leiten das letzte Kapitel über eine Gruppe glücklicher Menschen ein. Das klingt seltsam? Finde ich auch.

„Die Erzählung reflektiert in bewusster, aber liebevoller Distanz das emanzipatorische Dilemma von vier Frauen, die am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts selbstbestimmt ihrem Leben neuen Inhalt und einen eigenen Sinn geben wollen.“ (Seite 5)
Dies schreibt Gerrit Pohl im Vorwort zu diesem Buch aus der Reihe Perlen der Literatur; es wurde zurecht darin aufgenommen.

Sonntag, 12. Mai 2024

Keerl. Inès: Die Löwin vom Tafelberg

Das ist doch mal eine Nachricht: Inés Keerl steht mit der iher Löwin vom Tafelberg auf der Shortlist für den HOMER - Literaturpreis für historische Romane für das Jahr 2024. Im letzten Jahr kam das Buch heraus. Daher war die Buchbesprechung schon vorher im Netz. Den Anlass nutzend, stelle ich die Rezension an die Spitze, da heißt, ich hole sie aus der vorjährigen Versenkung.


 Die Königin vom Tafelberg
Catharina Ustings kühner Weg in die Freiheit / 
Die Siedlerin vom Kap der Guten Hoffnung

Das sind ja gleich drei Titel, den dieses Buch aufweist, was eigentlich nach Fortsetzungen schreit, aber bleiben wir mal bei Tafelberg, der sich nun auch in meinen Gedanken mit Kapstadt und den Kap der Guten Hoffnung verbindet. Das es mich da einmal hintreibt, würde ich ja ob noch vieler anderer Reiseziele eher nicht annehmen, aber nun war ich mit Catharina Usting schon mal literarisch dort.