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Dienstag, 14. Mai 2024

Arnim, Elisabeth von: Bezaubernder April

 

„An diesem Abend herrschte Vollmond. Der Garten war ein verwunschener Ort, in dem alle Blumen weiß schienen. Die Lilien, der Seidelbast, die Orangenblüten, die weißen Levkojen, die weißen Nelken, die weißen Rosen – man konnte sie so deutlich sehen wie am Tage; aber ihre Farbe existierte nur als Duft.“ (Seite 267)




Der Anfang eines bezaubernden Buches, oder das Ende? Fast, denn diese Zeilen leiten das letzte Kapitel über eine Gruppe glücklicher Menschen ein. Das klingt seltsam? Finde ich auch.

„Die Erzählung reflektiert in bewusster, aber liebevoller Distanz das emanzipatorische Dilemma von vier Frauen, die am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts selbstbestimmt ihrem Leben neuen Inhalt und einen eigenen Sinn geben wollen.“ (Seite 5)
Dies schreibt Gerrit Pohl im Vorwort zu diesem Buch aus der Reihe Perlen der Literatur; es wurde zurecht darin aufgenommen.

Montag, 16. Oktober 2023

Yuzuki, Asako: Butter (Hörbuch)

Rika, eine junge Journalistin in Tokio, recherchiert über die Serienmörderin Manako Kajii, die Männer mit ihren Kochkünsten verführt und anschließend umgebracht haben soll. Manako behauptet, sie verabscheut nichts mehr als "Margarine und Feministinnen" und hat eine ausgeprägte Leidenschaft für hemmungslosen Genuss und insbesondere Butter. Jetzt, wo sie im Gefängnis sitzt, empfängt sie Rika, unter der Bedingung, nur über ihre Kochkünste zu reden. Für Rika werden die Begegnungen mit Manako zu einer Meisterklasse der Lebenskunst. Ein Roman, der Genuss, Essen und Trinken feiert, vor allem aber die unmöglichen Erwartungen thematisiert, die an Frauen in patriarchalen Gesellschaften heute gestellt werden. (Verlagsbeschreibung)

DNB / aufbau audio / 2022 / ISBN: 978-3-96105-681-1 / 815 Minuten




Dieses Hörbuch bekam ich als Rezensionsexemplar über NetGalley, wofür ich mich herzlich bedanken möchte. Ich habe meine Zeit gebraucht, um diese Erzählung zu hören - nicht weil es langweilig war, sondern weil das Erzähltempo ein langsames ist und das Hören für mich dadurch auch langsam geriet. Immer wieder musste ich Pausen einlegen, stieg dann aber gerne wieder ein. Und nun ist es beendet, und ich lasse die Figuren nur ungern ziehen, irgendwie. In jedem Fall ein besonderer, außergewöhnlicher Roman. Mehr dazu könnt Ihr hier lesen:

Samstag, 23. September 2023

Nam-Joo, Cho: Miss Kim weiß Bescheid (Hörbuch)

Nach ihrem feministischen Weltbestseller Kim Jiyoung, geboren 1982 widmet sich die koreanische Autorin Cho Nam-Joo weiterhin dem Schicksal von Frauen in ihrem Land, die unter den patriarchalen Strukturen leiden. Sieben Frauenleben werden beleuchtet und wieder gelingt es der Autorin, dass sich Frauen weltweit angesprochen fühlen.

Miss Kim weiß Bescheid versammelt die Leben von sieben koreanischen Frauen im Alter von 10 und 80 Jahren. Jede einzelne dieser stellvertretenden Frauenbiografien wird vor einem aktuellen gesellschaftlichen Thema in Korea verhandelt: das heimliche Filmen von Frauen in der Öffentlichkeit, Hatespeech und Cybermobbing auf Social-Media-Plattformen, häusliche Gewalt, Gaslighting, weibliche Identität im Alter und die Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz. Auch sich selbst, die plötzlich weltbekannte Autorin, nimmt sie ins Visier. Ihr Erfolg ermöglicht ihr einerseits, ihr Leben als Schriftstellerin komfortabel zu führen, andererseits lässt sie der Hass, der ihr vor allem im Netz begegnet, nicht kalt.

Cho Nam-Joos meisterhaftes Können besteht in der glasklaren Sprache, in der sie ihre Prosa verfasst und gleichzeitig in dem genauen Blick auf die Ungerechtigkeiten Koreas, den sie mit nichts verschleiert, sondern im Gegenteil messerscharf zu Papier bringt. Wie schon bei Kim Jiyoung, geboren 1982 sind auch die Schicksale dieser sieben Frauen nicht annähernd so weit von uns weg, wie wir meinen und hoffen.

(Verlagsbeschreibung)

 

DNB / argon hörbuch / 2022 / ISBN: 978-3-7324-5945-2 / 402 Minuten
 

 
 
 
Nach ihrem ebenso interessanten wie verstörenden Debütroman Kim Jiyoung, geboren 1982, der zum Weltbestseller mutierte, habe ich mich gefreut, wieder auf eine Publikation der südkoreanischen Autorin zu stoßen. Diesmal ist es ein Erzählband, und bekommen habe ich ihn über NetGalley, wofür ich mich herzlich bedanke. Ein wenig Sorge hatte ich, ob einzelne Geschichten an die Intensität des Romans heranreichen könnten, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Wie es mir ansonsten mit dem Hörbuch erging, könnt Ihr hier nachlesen:


Montag, 15. März 2021

Nam-Joo, Cho: Kim Jiyoung, geboren 1982

In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mitdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern – wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht – von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung’s Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung’s Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern. »Kim Jiyoung, geboren 1982« zeigt das schmerzhaft gewöhnliche Leben einer Frau in Korea und gleichzeitig deckt es eine Alltagsmisogynie auf, die jeder Frau – egal, wo auf der Welt – nur allzu bekannt vorkommt.
 

Cho Nam-Joo hat mit ihrem Roman einen internationalen Bestseller geschrieben. Ihre minimalistische und doch messerscharfe Prosa hat nicht nur viele Leserinnen weltweit begeistert, sondern auch Massenproteste in Korea ausgelöst.
 
  • Herausgeber : Kiepenheuer&Witsch; 3. Edition (11. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Übersetzung: Ki-Hyang Lee 
  • Gebundene Ausgabe : 208 Seiten
  • ISBN-10 : 3462053280
  • ISBN-13 : 978-3462053289
  • Originaltitel : 82년생 김지영
 
 
 
 
 
Auch diesen Roman durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen. Bis auf einen Mann diskutierten hier ausschließlich Frauen, und es ging sehr lebhaft zu. Es bestand Einigkeit darin, dass sich das Buch passagenweise wie ein Sachbuch las - und doch fand es regen Zuspruch. Die gesichtslose Frau auf dem Cover spiegelt tatsächlich den Inhalt des Buches: im Grunde geht es hier um eine Frau, die für alle anderen Frauen steht. In jedem Fall für alle Frauen in Südkorea, eigentlich aber auch weltweit. Das macht das Buch zu etwas Besonderem...