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Samstag, 22. Juni 2024

Mau, Steffen: Ungleich vereint


Vor zwölf Monaten schrieb ich hier im Post Zwei Bücher – Geschichte im Streit über das, manchmal oder oft leidige Thema Ost/West. Eigentlich ging es um die Sicht auf die DDR, die hiesige (jaja, ich schreib das gerade im Osten und ich wohne ja da) und die drübige. Beide Bücher hielt ich für lesbar, als Fazit schloss ich, dass es Zeit wäre, eine „Geschichte des deutschen Volkes 1945 bis Gegenwart“ zu schreiben...

Dienstag, 2. November 2021

Nguyen-Kim, Mai Thi: Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit.

 Wahr, falsch, plausibel - Die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft

Sie geistert schon einige Zeit auf erfrischend „wissenschaftlich-jugendliche“ Art und Weise durch die Social Media Kanäle, die vierunddreißigjährige Mai Thi Nguyen-Kim, promoviert an der Universität Potsdam – heute meist (unzulässig) verkürzt als Wissenschaftskommunikatorin bezeichnet, weil sie andererseits genau das macht: Wissenschaft zu kommentieren und deren Ergebnisse, Forschungen und Studien zu kommunizieren – nicht nur in ihrem eigenen Fach. [1]

Es waren die Videos des YouTube–Kanals MailLab, die sie immer bekannter machten, wozu Klimakrise und vor allem die Covid 19 – Pandemie nicht unerheblich beigetragen haben dürften. „MaiLab“ hieß ursprünglich „schönschlau“ und wird vom Südwestrundfunk produziert: [2]


„Hallo, Freunde der Sonne, holt euch einen Tee und macht es euch gemütlich, jetzt geht es los mit der kleinsten gemeinsamen Wirklichkeit“,
würde sie dort sagen, um das Buch vorzustellen, das seit Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher zu finden ist. 


Montag, 15. März 2021

Nam-Joo, Cho: Kim Jiyoung, geboren 1982

In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mitdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern – wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht – von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung’s Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung’s Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern. »Kim Jiyoung, geboren 1982« zeigt das schmerzhaft gewöhnliche Leben einer Frau in Korea und gleichzeitig deckt es eine Alltagsmisogynie auf, die jeder Frau – egal, wo auf der Welt – nur allzu bekannt vorkommt.
 

Cho Nam-Joo hat mit ihrem Roman einen internationalen Bestseller geschrieben. Ihre minimalistische und doch messerscharfe Prosa hat nicht nur viele Leserinnen weltweit begeistert, sondern auch Massenproteste in Korea ausgelöst.
 
  • Herausgeber : Kiepenheuer&Witsch; 3. Edition (11. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Übersetzung: Ki-Hyang Lee 
  • Gebundene Ausgabe : 208 Seiten
  • ISBN-10 : 3462053280
  • ISBN-13 : 978-3462053289
  • Originaltitel : 82년생 김지영
 
 
 
 
 
Auch diesen Roman durfte ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen. Bis auf einen Mann diskutierten hier ausschließlich Frauen, und es ging sehr lebhaft zu. Es bestand Einigkeit darin, dass sich das Buch passagenweise wie ein Sachbuch las - und doch fand es regen Zuspruch. Die gesichtslose Frau auf dem Cover spiegelt tatsächlich den Inhalt des Buches: im Grunde geht es hier um eine Frau, die für alle anderen Frauen steht. In jedem Fall für alle Frauen in Südkorea, eigentlich aber auch weltweit. Das macht das Buch zu etwas Besonderem...