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Sonntag, 26. Mai 2024

Kampe, Lea: Beelitz Heilstätten


Beelitz-Heilstätten.
Eine Autobahnabfahrt der BAB 9, die erste, wenn man den Berliner Ring am Dreieck Potsdam verlässt. Auf diese Einrichtung wurden wir, Anne Parden und ich im Jahre 2016 aufmerksam, in die stillgelegten Gebäude der einst modernsten Lungenklinik der Welt hatte der Krimiautor Tim Pieper einen Tatort verlegt. Einige Jahre später begab ich mich auf die Suche nach diesen Lost Places, verlorenen Orten, eben dort.

Und nun finde ich vor wenigen Wochen diesen Roman von Lea Kampe. Eine junge Frau mit einer altertümlichen Arzttasche auf einer Treppe, eines der meistfotografierten Orte in den Heilstätten. Über die Lost Places schrieb ich im Jahre 2019. Nach fünf Jahren scheint es mal wieder einmal Zeit zu sein. 

Inhalt 1938. Eine junge Biologiestudentin könnte sich mit Tuberkulose infiziert haben. Der Arzt der einst wohlhabenden Familie überweist Antonia Marquardt in die Heilstätten. TBC, volkstümlich Schwindsucht genannt, wurde zwar nicht eindeutig diagnostiziert, aber weil Antonias Mutter an ihr starb, gilt die Tochter als exponierte Person.

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Leimert, Jochen: Lost & Dark Places DRESDEN

Über 33 vergessene, verlassene und unheimliche Orte berichtet Jochen Leimert mit vielen Fotos in diesem Buch. Die meisten sind mir völlig unbekannt. So einige werde ich sicher mal mit der Fotoknipse besuchen. Zum Beispiel den Nordfriedhof mit dem Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges, oder das alte Kraftwerk im Liebetaler Grund. Viele diese Plätze sind Industriedenkmäler, das Betreten könnte schwierig sein. Auf „Betretensregeln“ weißt der autor im Vorwort hin, nebst den Tipps für unerkanntes „unrechtmäßiges“ Fotoshooting.

Verblüffend: Unweit des Moritzburger Schlosses haben Arbeiter zu Zeiten August des Starken einen Tunnel durch einen Hügel getrieben. Da konnten die Aristokraten mit Kutschen durchrasen. Der Autor stellt die Frage, ob dies eine Geisterbahn war? 

Jedenfalls wurde das heutige Bodendenkmal auch für Szenen des Indianerfilms DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN genutzt. Die Bärenhöhle in die Black Hills wurde hier „eingerichtet“. Der Tunnel wurde auch für andere Filme genutzt.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Witzke, Christiane: Domjüch

eine Landes-, Heil- und Pflegeanstalt in Mecklenburg

In alten Plattenbauten übten wir vor 17 Jahren noch das Absperren und Durchsuchen von Gebäuden. Es war eine alte Kaserne der Sowjetarmee. Doch wurde das Gelände am idyllischen Domjüchsee nicht immer als Militärgelände genutzt. Was ich damals nicht wusste, hier befand sich eine Landesirren-, Heil- und Pflegeanstalt bei Strelitz-Alt. Die alten Gebäude dieser Anstalt waren mir aus dieser Zeit nicht mehr erinnerlich. Vielleicht hätten sie vor fast zwanzig Jahren noch etwas besser ausgesehen, denn sie wurden von den russischen Militärs besenrein und sauber übergeben. Dies berichtet der Verein zur Erhaltung der „Domjüch“. Die Plattenbauten stehen nicht mehr. An ihrer Stelle befindet sich ein Solarplattenfeld. Hier wurde vor Jahrzehnten Landwirtschaft betrieben. 

So betrat ich vor einigen Tagen an einem Sonntag das Gelände, nachdem ich in einem Fotobuch über verlorene Plätze, lost places, wieder einmal darauf aufmerksam wurde. Sonntags öffnet der Verein das Gelände.
In einer interessanten Führung hörte ich, wie der Gebäudekomplex entstand, wie sich dieses, damals moderne Krankenhaus entwickelte, bis es zum Lazarett und nach dem 2. Weltkrieg zur Kaserne wurde. Der Verein hatte Kaffee und Kuchen Angebot und, unter anderen,  dieses Buch.

Samstag, 2. November 2019

Lost Places - Teil 2

Wo ist das? Der Bogensee? Das war eine Frage, die sich vor kurzem während der Lektüre zu STILLE HAVEL von Tim Pieper stellt. Schon einmal hatte der Autor in den Romanen um den Kriminalisten Toni Sanftleben Handlungen in Gegenden gelegt, die man Lost Places - verlorene Orte nennt: etwas düster, verlassen, versperrt, manchmal baufällig oder aber augenfällig gut erhalten. Im Roman DUNKLE HAVEL waren dies die Beelitzer Heilstätten.

Doch suchte ich den BOGENSEE und fand einen Ort in der Nähe von Wandlitz, ja das Wandlitz, welches vor 30 Jahren erst richtig bekannt wurde als Wohnsiedlung von Regierungsmitgliedern der DDR. Diese Bushaltestelle sieht ja ziemlich brauchbar aus, aber die Zufahrtstraße ist gesperrt. Nicht weit davon baute man Jahrzehnte vor eine Villa für einen bekannten Mann und seine Familie: Die Villa Bogensee.


Da fuhr ich nun an einem der ersten Herbsttage hin.




Mittwoch, 16. Oktober 2019

Lost Places - Teil 1

Verlorene Plätze oder verlorene Orte.

Sie reizen Fotografen, Schriftsteller Videografen zu allerlei. Manchmal auch entstehen in diesen große Filme. Zunächst allerdings war es ein Potsdamer Autor namens Tim Pieper, der mich auf solche verlorenen Orte aufmerksam machte. Dies geschah in seinem Roman Kalte Havel. Ein Verbrechen geschieht an einem Ort, der einstmals weltberühmt gewesen ist. Die Beelitzer Heilstätten habe ich nach der Romanlektüre besucht.




Die Arbeiter-Lungen-Heilstätten oder auch Beelitz-Heilstätten wurden zwischen 1898 und 1930 errichtet. Gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts grassierte in der Reichshauptstadt Berlin die Schwindsucht, von der besonders die arme Arbeiterbevölkerung betroffen war. Robert Koch hatte die Tuberkel-Bazillen auch in Berlin entdeckt, nun wollte man die Tuberkulose offensiv bekämpfen und baute mehrere Kliniken in diesem großen Waldgebiet südlich Berlins.


Freitag, 4. Oktober 2019

Pieper, Tim: Stille Havel

Wann habe ich das letzte Mal an einer Leserunde teilgenommen? Es wird wohl der dritte Havelkrimi von Tim Pieper gewesen sein. Tim Pieper sagt, dass es meine siebente Leserunde mit ihm gewesen ist. Das wird stimmen und seit der Leserunde zum Minnesänger sind bereits neun Jahre vergangen.

Nun also der sechste Sanftleben-Roman, oder der vierte um den Kriminalhauptkommissar Toni Sanftleben, Ururenkel von Otto...


Die Geschichte
Es liegt ein Toter da im Park Sanssouci, dessen Kopf weißt eine tödliche Wunde auf, die von einem stumpfen Gegenstand stammen könnte, das war ein Mord. Der Mann, so stellt sich heraus, war Kunstsachverständiger. In einem Museum hängt ein Bild, auf dem ist eine schwarz gekleidete, verschleierte Frau, gemalt von einem der bekanntesten Maler aus den USA in der Mitte der sechziger Jahre. Der Mann interessierte sich noch für mehr, zum Beispiel für eine Villa auf der Havelinsel Schwanenwerder. In dieser wohnt Marie, deren Großmutter gerade verstorben ist, zu ihrem Vater hat sie keinen weiteren Kontakt. Auch dessen Fabrik stand im Fokus des Kunstsachverständigen.

Nach und nach bekommen wir als Leser, meist schneller als der KHK, aufgrund der Rückblenden ein neues Puzzleteil in die Hand. Wir lernen eine junge Schauspielelevin kennen, die im Jahr 1921 geboren ist, bei den Hiller-Girls engagiert war und für ihre Schauspielkarriere an einem Mann im Reiche nicht vorbei kommt. Der Mann ist Doktor der Philosophie und Reichspropagandaminister. Am Ende des Krieges wird die junge Lydia Riefenberg nach Schweden geschickt ...

Mehr zu verraten geht hier indes nicht...

Freitag, 2. Dezember 2016

BlogPost Nr. 83: Zusammenfassung der Beiträge im November 2016


Lesen bei Kerzenschein und heißem Tee, auf dem Sofa mit gemütlichen Kissen und flauschigen Decken - sperren wir das Grau aus!




Diesmal gab es wieder zwei BlogPosts zum Monatsbeginn. Nr. 79 zeigte unsere Neuerwerbungen im Oktober, Nr. 80 die Zusammenstellung unserer Beiträge im Vormonat. Wieder einmal eine bunte Mischung...


Gruseliges passend zu Halloween hat Anne da gelesen - ein Kinderbuch, das auch Erwachsene zu unterhalten vermag. NIGHTMARES! DIE SCHRECKEN DER NACHT ist der erste Band der Nightmares-Trilogie von Jason Segel und überzeugt nicht nur durch seinen gruseligen Inhalt, sondern auch durch die liebevolle und überaus stimmige Aufmachung. Anne war sehr angetan von dem Buch!


MEIN BESTER LETZTER SOMMER von Anne Freytag ist eine süßtraurige Liebesgeschichte, ein ganz besonderer Roadtrip, ein Jugendbuch, das Lächeln und Tränen einen gleichwertigen Platz einräumt. Eine Siebzehnjährige, die bald sterben muss, doch in den letzten Wochen noch auf die Liebe ihres Lebens trifft. Das Buch konnte Anne sehr berühren...



Auf der Dresdner Schriftgut sprach ich mit dem Ruhrpott-Autor Uwe Wittenfeld, der doch tatsächlich einen Dresden-Roman geshrieben hat. Die Mauerzwillinge sind durch eine gescheiterte Republikflucht zu Adoptiveltern gekommen wurden. Trixi flieht später über Ungarn und trifft Karl und Hugo. Doch nun ist sie tot. Gestürzt vom Blauen Wunder auf einen der Elberaddampfer. Eigentlich kommt man dabei nicht gleich ums Leben, einfach nicht hoch genug. War es Mord? Karl, Jenny und Hugo machen sich auf die Spur. ► Hier gibt es meine Rezension


Mit DAS HEXENMÄDCHEN von Max Bentow hat Anne nun auch den vierten Band der Reihe um den Ermittler Nils Trojan gelesen. Kurze Kapitel, geschickt platzierte Cliffhanger sowie wechselnde Perspektiven sorgten, verbunden mit einem gewohnt flüssigen Schreibstil und immer wieder aufkeimender Spannung, dafür, dass Anne nur so durch die Seiten flog. Trotz einiger Kritikpunkte freut sie sich daher schon auf Band 5!


Eine erste Einstimmung in die anstehende Vorweihnachtszeit versprach sich Anne von ADVENT FÄNGT IM SEPTEMBER AN. Doch die 12 Geschichten, die sich rund um Evelyn Sanders und ihren weitverzweigeten Familienclan drehen, konnten in keinster Weise überzeugen. Plätschernde Langeweile attestierte Anne diesem Buch - hier gibt es keine Leseempfehlung!



KALTE HAVEL von Tim Pieper ist für Anne ein gelungener zweiter Teil der Reihe um Hauptkommissar Toni Sanftleben. Hier ermittelt er an vielen verlassenen Orten, und die Lost Places als Schauplätze tragen zur düsteren Atmosphäre des Krimis bei. Anne jedenfalls freut sich schon auf die Fortsetzung! Die lässt jedoch noch bis zum Frühjahr 2018 auf sich warten, wie der Autor verriet...

Auch für den KaratekaDD gab es dieses Buch, welches zwar einen "echten" Pieper-Roman enthält. Allerdings konnte die Kalte Havel den Blogger nicht ganz so begeistern wie seinerzeit die Dunkle Havel.


In jedem Jahr liest Anne wenigstens ein Buch von der Liste des Deutschen Buchpreises. In diesem Jahr fiel ihre Wahl erstmals auf den Gewinner des Preises: WIDERFAHRNIS von Bodo Kirchhoff. Von der Möglichkeit einer Liebe handelt diese preisgekrönte Novelle, von einer Reise in den Süden, in die Vergangenheit, in einen Abschied, von Verdrängung, von Schuld - von zwei Leben. In jüngeren Jahren hätte Anne  das Buch vermutlich nicht angesprochen, doch da sich Kirchhoff eher an eine etwas reifere Leserschaft wendet, hat sie die Erzählung getroffen. Und arbeitet weiter. Zwischen den Zeilen...


Annes erstes Buch von Ian McEwan - und garantiert nicht ihr letztes! Menschliche Abgründe des Lebens aus einer seeeeehr ungewöhnlichen Perspektive werden dem Leser hier in NUSSSCHALE geboten. Dazu lässt Hamlet grüßen, denn dieser Stoff erscheint hier in neuem Gewand. Eine Mixtur aus Drama, Krimi und Satire, die Anne bestens unterhalten hat. Manche Passagen waren ein wenig zu viel des Philosophierens, aber ansonsten war der Roman wirklich überzeugend!


Runenzeit II - Krieg um Germanien ist der zweite Teil des sechsbändigen Romans von Mark Bredemeyer, in dem Leon Hollebeck aus Bremen in die Zeit der römisch - germanischen Kämpfe, verschlagen wird. Inzwischen ist er der Schwiersohn eines Chauken-Häuptlings und nennt sich Witandi. Im Band zwei sucht er nach neuerlichem Aufenthalt "zu Hause" Frau und Sohn bis hinaus in das Mare Germanicum.
Hier geht es zur Rezension


Anne war begeistert, nach längerer Durststrecke endlich wieder ins Buchland eintauchen zu können. BEATRICE - RÜCKKEHR INS BUCHLAND ist Band 2 der geplanten Trilogie von Markus Walther. Düsterer als der vorherige Band, ist es jedenfalls mehr als ein Fantasybuch, denn wenn ein Roman es schafft, einen zum Lachen zu bringen und zu Tränen zu rühren, sich die Augen zuhalten zu wollen und zum Nachdenken bewegt - dann hat er viel erreicht. Und genau so ist es Anne mit dem Buch ergangen.
Der Film macht das das Buch komplett, könnte man sagen. Film und Buch bilden eine Symbiose. Sicherlich hätte das Buch den Films von Natalie Portman nicht gebraucht, aber die Bilder ergänzen eben den großen autobiografischen Roman des israelischen Autors Amos Oz ganz hervorragend. Jedoch sollte man das Buch vorher gelesen haben.

Buchrezension
Filmrezension


Ein kleines feines Büchlein hat Anne da entdeckt: das literarische Debüt des Schauspielers Hanns Zischler. DAS MÄDCHEN MIT DEN ORANGENPAIEREN fängt gelungen die Atmosphäre jener Zeit der 50er Jahre ein, die von Traumatisierung und Verlust geprägt war. Symbolhaft, metapherlastig und bildgewaltig ist die Sprache - manchmal ein wenig zu viel in Annes Augen. Dennoch war das Debüt Zischlers insgesamt recht angenehm zu lesen...


Endlich mal wieder ein Thriller! Und dann gleich wieder solch ein gelungener... Andreas Gruber avanciert allmählich zu einem von Annes Lieblingsautoren! TODESFRIST ist der erste Band um den extravaganten Ermittler Maarten S. Snijder und seine junge Kollegin Sabine Nemez. Dem Struwwelpeter-Mörder sind sie auf der Spur - und doch ist dieser den Ermittlern stets einen Schritt voraus! Ein für Anne rundum überzeugender Thriller mit ungewöhnlichen Mordarten, einem spannenden Wettlauf mit der Zeit und mit einem überaus schrägen Ermittler. Zum Glück gibt es schon Fortsetzungen der Reihe...

Wieder ein Stück zeitgenössischer Literatur, das Anne mit NACH EINER WAHREN GESCHICHTE von Delphine de Vigan gelesen hat. Ein raffiniertes Spiel mit Fiktion, Wirklichkeit und Identität schuf die Autorin hier. Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll. Die oft langen, ineinander verketteten Sätze, der analytische Blick, das Sezieren der Gefühlslagen, Gedankengänge, Zustände - sehr gekonnt, aber eben auch sehr fordernd. Deshalb war es eine langwierige Lektüre, die sich aber gelohnt hat. Ein außergewöhnlicher Roman, der mit einer verwirrenden aber faszinierenden Geschichte aufwartet, undurchschaubar bis zum Schluss. Auf die Verfilmung ist Anne jedenfalls sehr gespannt!


Von der diesjährigen Schriftgut berichtet Uwe einmal mehr - er ist dort inzwischen schon Stammgast. Von Dresdnern für Dresdner - und doch auch ein wenig mehr.  BERICHT

Mittwoch, 16. November 2016

Pieper, Tim: Kalte Havel


Am Ufer der Havel wird ein junger Mann erschossen, sein bester Freund verschwindet spurlos. Es ist der Sohn einer Potsdamer Staatsanwältin, die viele Feinde hat. Für Hauptkommissar Toni Sanftleben beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Entschlossen ermittelt er in den Beelitzer Heilstätten und an anderen gespenstischen Orten, die dem Verfall preisgegeben sind. Doch die Ruinen sind bewohnt und werden mit allen Mitteln verteidigt …

(Klappentext Emons Verlag)

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (19. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3740800011
  • ISBN-13: 978-3740800017
  • Reihe: Toni Sanftleben Bd. 2







Ich danke dem Autor Tim Pieper ganz herzlich für die Bereitstelltung des Rezensionsexemplars. Bislang habe ich jedes Buch von ihm gelesen - stets auch im Rahmen einer Leserunde - und ich muss sagen: es ist mir stets ein Vergnügen!






LOST PLACES...



Wikipedia



Eigentlich ist Toni Sanftleben ganz zufrieden mit dem Leben, so wie es jetzt ist. Er ist nach den Ereignissen im vorherigen Band zwar vom Dienst beurlaubt, doch kümmert er sich nun liebevoll um seine Frau, die nach etlichen Jahren wieder zu ihm und seinem Sohn zurückgekehrt ist. Eigentlich verschwendet Toni kaum noch einen Gedanken an seine frühere Arbeit, und um so überraschter ist er, als die Staatsanwältin ihn auf seinem Hausboot aufsucht.

Ein Freund ihres Sohnes Alexander wurde erschossen - und seither ist er selbst wie vom Erdboden verschwunden. Entführt? Ermordet? Weggelaufen? Die Staatsanwältin hofft, ihren Sohn lebendig wiederzusehen und bittet Toni dringend um seine Mithilfe. Für diesen einen Fall ist seine Beurlaubung aufgehoben, und schon bald ist klar, dass er hier seine gesamte Erfahrung als Hauptkommissar in die Waagschale werfen muss, um Schlimmeres zu verhindern...

Düster ist die Atmosphäre, die Tim Pieper hier in dem zweiten Band um den Berliner Ermittler Toni Sanftleben schafft. Viele der geschilderten Szenen spielen sich in sog. Lost Places ab, wie z.B. in den Beelitz-Heilstätten bei Potsdam oder in der verlassenen Kaserne in Krampnitz. Diese morbide Atmosphäre erscheint ungemein passend zu den Geschehnissen und Hintergründen des Falls, was mir sehr gefallen hat.


"...und er erfasste instinktiv, was die einmalige Atmosphäre ausmachte. An den vernagelten Fenstern, an den verrosteten Teppichstangen und dem überwucherten Sportplatz war abzulesen, dass alles, was sich hier abgespielt hatte, unwiederbringlich der Vergangenheit angehörte. Gleichzeitig war dieser Ort noch keiner neuen Bestimmung zugeführt worden, was ein Gefühl des Schwebenden, des Vagen und des Ungewissen auslöste, das in der geordneten Welt außerhalb (...) kaum entstehen konnte. Dieser Ort suggerierte eine Parallelexistenz." (S. 61)


Toni Sanftleben hat es nicht leicht, wieder in den geordneten Dienst zurückzukehren, zumal nicht alle Kollegen ihn wieder willkommen heißen. Doch bald schon ist er bis über beide Ohren in den Fall verstrickt und ermittelt dabei teilweise in gänzlich anderer Richtung als in die von seinem Chef vorgegebene. Im Grunde hat er mit seinen Kollegen im Laufe der Ermittlungen kaum etwas zu tun - er gibt Anweisungen und holt sich gelegentlich Informationen ein, doch eigentlich geht Toni die meiste Zeit über seiner ganz eigenen Wege. Dieser Aspekt war für mich doch etwas verwunderlich, denn Polizeiarbeit im konsequenten Alleingang ist doch zumindest außergewöhnlich.

Dennoch ergeben sich im Laufe der Ermittlungen immer neue Aspekte und Hintergrunddetails, die Toni allmählich klarer sehen lassen - und doch auch wieder nicht. Denn alles, was er herausfindet, komplettiert einerseits das Täterprofil, passt jedoch andererseits gleich auf mehrere der Verdächtigen. Das hat Tim Pieper wieder geschickt konzipiert, denn auch der Leser wird bis kurz vor Schluss im Unklaren gelassen, wer denn nun hinter der Ermordung des Freundes von Alexander steckt und was es mit dem Verschwinden des Sohnes der Staatsanwältin tatsächlich auf sich hat.

Die Mischung aus morbider Atmosphäre einerseits und den vielen Fragezeichen andererseits, die lange immer mehr zu werden scheinen, hat mir gut gefallen. Ebenso empfand ich die Verwebung der fallrelevanten Elemente in der Gegenwart mit den Rückblenden aus der Sicht des ermordeten Opfers als sehr gelungen. Auch die privaten Einblicke in das Leben von Toni Sanftleben stehen in einem angenehmen Verhältnis zu dem Fall an sich - und machen Lust auf weitere Folgen der Reihe. Denn hier ist das letzte Wort noch nicht geschrieben, und etliche Antworten bezüglich des Privatlebens von Toni bleibt der Autor hier noch schuldig. Ein geschickter Schachzug!

Der Schreibstil ist dabei flüssig und angenehm zu lesen, wobei ich manche Stellen als etwas zu gestelzt und zu gewollt empfunden habe, andere Passagen dagegen sehr bildhaft und fast schon poetisch fand.

Insgesamt also ein gelungener zweiter Teil der Reihe, der unbedingt neugierig macht auf die Folgebände.



© Parden






Tim Pieper mit Tobi
Live-Mitschnitt eines Radiointerviews von Tim Pieper zu seinem neuen Krimi








Der Emons Verlag schreibt über den Autor:

Tim Pieper, geboren 1970 in Stade, studierte nach einer Weltreise Neuere und Ältere deutsche Literatur und Recht. Mit seiner Familie lebt er im Südwesten von Berlin, nur wenige Kilometer vor den Toren Potsdams, und liebt es, die idyllische Landschaft Brandenburgs mit dem Fahrrad zu erkunden.

übernommen vom Emons Verlag

Mittwoch, 20. November 2013

Groschupf, Johannes: Lost Places


Verfallene Gebäude und verlassene Plätze - ein Roman mit Sog!

Die Jugendlichen Chris, Moe, Kaya, Steven und Lennart sind Urban Explorers: Im nächtlichen Berlin erkunden sie stillgelegte Fabriken, leer stehende Häuser und verfallene Krankenhäuser. Doch was als aufregendes Abenteuer beginnt, wird bald ein riskantes Unterfangen. Denn die verlassenen Gebäude bergen nicht nur Charme, sondern auch Schrecken. Als die Freunde in einem halb verfallenen Haus eine Leiche entdecken, vermuten sie, dass die Motorradgang Bandidos dahintersteckt. Und dann wird es plötzlich so richtig gefährlich ...

Atemraubend. Unheimlich. Fesselnd. Tauchen Sie ein in die verborgenen Lost Places!







Der Kapuzenmann...

(auch veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am 21.11.2013




 "Sieh nicht hin, sieh nicht hin."
Jede Nacht höre ich meine eigenen Worte.
Aber wir haben hingesehen.

 

Sie sind wie Katzen in der Nacht: Chris, Moe, Steven, Kaya und Lennart. Im nächtlichen Berlin erkunden die Freunde LOST PLACES - verfallene Krankenhäuser, stillgelegte Fabriken, leer stehende Häuser. Doch die verlassenen Gebäude bergen nicht nur Charme, sondern auch Schrecken.
Als die Freunde in einem heruntergekommenen Haus eine Leiche entdecken und vermuten, dass die Motorradgang Bandidos dahintersteckt, wird es richtig gefährlich...

 

"Wir waren wach wie noch nie. Drei oder vier Schritte waren wir in den pechschwarzen Keller vorgedrungen. Schulter an Schulter stehend, konnten wir fast spüren, wie die Herzen der anderen schlugen. Die Dunkelheit stand wie eine Wand vor uns. Unsere Augen gewöhnten sich nur langsam an die Finsternis.
Ich hörte die anderen atmen. Ich nahm den Geruch von feuchtem Zement und Moos auf, als könnte ich mich an ihm entlangtasten. Ich hörte Wasser tropfen, irgendwo weit hinten, und nahm den leichten Luftzug wahr, der von der Kellertür in den undurchdringlichen Raum vor uns wehte. Neben mir stand Moe, und ich tastete nach ihrer Hand. Sie war trocken, kühl und klein."


 
Lost Places haben eine ganz eigene Atmosphäre...


Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Lennart, einem Jugendlichen in Berlin, der in der Schule gerade sitzengeblieben ist und deshalb von seinen Eltern nicht mit in den Urlaub genommen wird. Auf sich allein gestellt und eigentlich lernen sollend, macht er jedoch die Nacht zum Tag - gemeinsam mit seinen Freunden. Sie ziehen durch die angesagtesten Clubs, wenn sie denn reingelassen werden, rauchen hin und wieder einen Joint und hängen zusammen ab. Lennart ist heimlich verliebt in Moe, was er aber nie sagen würde, und zieht so gut wie nie seine Kapuze vom Kopf. Unsichtbar, so fühlt er sich - keine Ahnung, wo das Leben mit ihm hinsteuert.
Durch Zufall geraten die Freunde auf das Gelände einer verfallenen Fabrik und machen sich auf, diese in der Nacht zu erkunden. Unheimlich und spannend und mit ganz besonderen Eindrücken behaftet verläuft diese Erkundungstour. Einmal Geschmack daran gefunden, beschließen die fünf, in der kommenden Zeit noch weitere LOST PLACES zu erkunden - Berlin ist schließlich voll davon. Doch als sie eine Leiche entdecken und auch noch Mitglieder der Bandidos auftauchen, wird aus dem Spaß Ernst...

 
Erstaunlich, dass der Autor Johannes Groschupf die tatsächlich exisitierenden Bandidos in seinem Buch benennt...


Johannes Groschupf gelingt es gut, die Gedanken- und Gefühlswelt der Jugendlichen darzustellen. Vor allem Lennarts pubertäre Zerrissenheit wirkt sehr authentisch - auch wenn ich den so selbstverständlich geschilderten Drogenkonsum (und sei es auch "nur" Gras) schon kritisch sehe.
Das Buch ist flüssig und spannend geschrieben, oftmals allerdings recht knapp. Manche Szenen oder auch Charaktere kommen dadurch teilweise etwas zu kurz. Hierzu schrieb der Autor selbst innerhalb der Leserunde: "Dein Bedauern über die Kürze der Szenen und des ganzen Buches kann ich mittlerweile teilen. Ich schreibe immer knapp, vielleicht allzu verknappt. Die ständige Sorge, nicht weitschweifig und langweilig zu werden! Aber du hast recht, einige Szenen hätten es verdient, mehr entfaltet zu werden." Manchesmal boten die Auslassungen und Leerstellen allerdings auch den Raum für den Leser, eigene Vorstellungen entfalten lassen zu können.



 
Das alte, verlassene Kinderkrankenhaus in Berlin ist einer der Schauplätze im Roman...


Insgesamt legt Johannes Groschupf hier ein spannendes, authentisch wirkendes Jugendbuch vor, das sich flüssig lesen lässt und das sich mit einer nicht alltäglichen Thematik befasst. Die geschilderte Atmosphäre der LOST PLACES ist überaus faszinierend, und es wird deutlich, weshalb sich manche so intensiv damit beschäftigen.
Die Geschichte ist glaubhaft konstruiert und hält die Spannung bis zum Ende aufrecht. Das Ende allerdings hätte ich mir anders gewünscht. Mir persönlich war es etwas zu platt und zu banal, aber wie den Reaktionen der Leserunde zu entnehmen ist, konnten sich andere durchaus damit anfreunden. Und vielleicht ist ein solches Ende der eigentlichen Zielgruppe auch eher angemessen, wer weiß...

 
Noch einmal das Kinderkrankenhaus - diesmal von außen...


Jedenfalls bedanke ich mich ganz herzlich bei Lovelybooks.de und dem Verlag Oetinger, dass ich dieses Buch erhalten habe und so an der sehr kommunikativen Leserunde mit dem Autor teilnehmen konnte.


© Parden 





 >>> Hier geht es zum Buchtrailer.











J. Groschupf

Johannes Groschupf, 1963 in Braunschweig geboren, studierte Germanistik, Publizistik und Amerikanistik. Heute lebt er als freier Journalist in Berlin und schreibt für Die ZEIT, die FAZ, den Tagesspiegel, die Berliner Zeitung u.a. Er hat bereits zwei Romane für Erwachsene veröffentlicht und erhielt 1999 den Robert-Geisendörfer-Preis für das NDR-Feature „Der Absturz“.