Samstag, 2. November 2019

Lost Places - Teil 2

Wo ist das? Der Bogensee? Das war eine Frage, die sich vor kurzem während der Lektüre zu STILLE HAVEL von Tim Pieper stellt. Schon einmal hatte der Autor in den Romanen um den Kriminalisten Toni Sanftleben Handlungen in Gegenden gelegt, die man Lost Places - verlorene Orte nennt: etwas düster, verlassen, versperrt, manchmal baufällig oder aber augenfällig gut erhalten. Im Roman DUNKLE HAVEL waren dies die Beelitzer Heilstätten.

Doch suchte ich den BOGENSEE und fand einen Ort in der Nähe von Wandlitz, ja das Wandlitz, welches vor 30 Jahren erst richtig bekannt wurde als Wohnsiedlung von Regierungsmitgliedern der DDR. Diese Bushaltestelle sieht ja ziemlich brauchbar aus, aber die Zufahrtstraße ist gesperrt. Nicht weit davon baute man Jahrzehnte vor eine Villa für einen bekannten Mann und seine Familie: Die Villa Bogensee.


Da fuhr ich nun an einem der ersten Herbsttage hin.






Ich stieß auf einen Gebäudekomplex, der zu einer Hochschule passt. Wohngebäude, Schulgebäude, Mensa, Sporthalle, Heizwerk und Werkstätten aus den 50iger und 60iger Jahren inmitten eines riesigen großen Parks. Sozialistische Jugendhochschule? Man muss schon nachlesen, denn die Skulptur eines vietnamesischen Soldaten, erkennbar man angedeuteten Hut aus Reisstroh, fällt nicht gleich auf. Leider waren die Gebäude alle verschlossen und so macnte ich mich auf die Suche nach der Villa Bogensee.

"Im Jahr 1936 schenkte die Stadt Berlin den Bogensee und 496,3 Hektar Land mit einem am Ostufer des Sees errichteten Blockhaus Reichspropagandaminister Goebbels zu dessen 39. Geburtstag auf Lebenszeit." (wikipedia - Stichwort Bogensee)







Dort hält sich im Roman die junge Schauspielerin Lydia Riefenstein bei der Famile Goebbels auf und betreute gelegentlich deren Kinder... Erst wenn man unmittelbar davor steht, merkt man, dass da doch niemand mehr drin wohnt. Die Dachdauben oben fürhren bestimmt zu den Zimmern der im Führerbunker von den eigenen Eltern ermordeten Kindern...

Das Gebäude wurde nach einer Nutzung als Lazarett durch die sowjetische Militäradministration dann also der FDJ übergeben, deren Vorsitzender ein gewisser Erich H. gewesen ist. Schaut man sich das interessante Anwesen an, dann wird klar, für eine vielköpfige Familie ist es durchaus stattlich, für die Schulungsinteressen der FDJ reichte es bald nicht mehr aus.

Nun scheint es unverkäuflich, da man wohl befürchtet, es könnte zu einer rechten Pilgerstätte mutieren. Um den gleich anschließenden, an den sozialistischen Baurealismus erinnernden Campus, der Architekt hieß Henselmann - Frankfurter Allee (Stalinallee) -,  ist es schade, hoffentlich findet sich mal ein Nachnutzer.

Lost Places - verlorene Orte - auf den Spuren der Geschichte und literarischen Geschichten. Nicht nur zum Fotografieren interessant.

© Bücherjunge

Kommentare:

  1. Schöner Bericht und tolle Fotos. In dem zweiten Fotoblock ganz unten rechts müssten das die versenkbaren Fenster sein, oder? Damals stellten sie eine kleine technische Sensation dar. LG

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    1. Das konnte ich natürlich nicht ausprobieren. Aber ja.

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  2. Und noch ein Bücher-Spurensucher-Projekt. Schöne Idee!

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