Mittwoch, 16. September 2026

BlogPost 220: Dresden (er)lesen

Es ist bereits das zehnte Mal, dass auf Schloss Albrechtsberg, hoch über der Elbe bei Dresden, die kleine und feine Buch- und Verlagsmesse Dresden (er)lesen stattfand. Gleich hier ein Dank an Katharina Salomo, die es immer wieder schafft, am Tag des offenen Denkmals diese wunderschöne Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Natürlich war Litterae-Artesque wieder mit dabei.

Mit Carmen Rohrbach sprach ich über Reisen durch Patagonien und staunte über ihren Tripp allein durch den Jemen, mit Matthias Schildbach ging es um Kriegstagebücher und eine Idee zum Thema Königsstein, mit Jens Korch um Wannenbücher, mit Barbara Micklaw um Neues von Miarbilis, bei Thomas Zahn erinnerte ich mich an meinen Uropa, der Seilermeister war. Ich traf Patricia Holland Moritz und Frank Goldammer. Ein ausgiebiger Plausch mit Frank Eltsner zum Thema Liselotte Welskopf-Henrich musste sein.  Dann lauschte ich bei Lesungen Ulf Grossmann und Tankred Lerch und dann trof ich doch noch MissRose (Katja) zu einem Abschluss Capuccino. 

Einen Eindruck verschaffen vielleicht die drei folgenden Videos. Bis zum nächsten Mal.
©️ Der Bücherjunge


 





 

Dienstag, 15. September 2026

Finale: Babylon Berlin

Wir wissen, mit Volker Kutschers 10bändigem Werk hat die fünfstaffelige Serie Babylon Berlin nur noch einen Teil der Protagonisten und der Handlung gemein. 

In fünf Staffeln und 48 Folgen, 36 Stunden oder rund 2160 Minuten erzählen Tim Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten die Geschichte von Charlotte "Charly" Ritter und Gereon Rath und verwenden dazu Motive der ersten fünf Bücher von Volker Kutscher.

1929 kommt Gereon Rath (Volker Bruch), Kriminalkommissar, von Köln nach Berlin, und lernt dort Charly (Liv Lisa Fries) kennen, beide arbeiten später in der "Mord", der Inspektion von Kriminalrat Ernst Gennat (Udo Samel), der wirklich Kriminalgeschichte geschrieben hat. Zuschauer und Zuschauerinnen, Leserinnen und Leser lernten in Buch und Serie, dass die Ermittlungen am Tatort und die Spurensicherung grundlegend für den Erfolg von Kriminalfällen sind, äußeres Zeichen für die Berliner ende der zwanziger Jahre das "Mordauto" mit Spurentafeln und Fotoausrüstung zur Beweissicherung. Alles zur Vermeidung "Nasser Fische" - ungelöster Kriminalfälle. Daher der Name des ersten Kutscher-Buches: Der Nasse Fisch.

Montag, 14. September 2026

Pásztor, Susann: Von hier aus weiter

 

Nach dreißig Jahren Ehe ist Marlene plötzlich Witwe. Statt zu trauern, ist sie vor allem wütend. Die Mitglieder ihrer angeheirateten Großfamilie wundern sich über ihr Verhalten, aber Marlene lässt niemanden an sich heran. Bis sie eines Tages einen unerwarteten Mitbewohner bekommt. Nach Rolfs Tod schleppt sich Marlene mehr schlecht als recht durch ihren Alltag als Hinterbliebene. Erst als Klempner Jack, ihr ehemaliger Schüler, auftaucht und kurzerhand bei ihr einzieht, kommt Bewegung in ihr Leben: Jack entpuppt sich nicht nur als fantastischer Koch, sondern auch als einfühlsamer und aufmerksamer Mitbewohner. Aber warum Marlene nicht trauert, sondern vor allem wütend ist, kann auch er nicht so ganz begreifen. Während sich zwischen Jack und Marlenes Hausärztin Ida eine zarte Liebe anbahnt, taucht bei Marlenes Freundin Wally in Wien ein Brief von Rolf auf, der möglicherweise die Antwort auf alle offenen Fragen enthält. Gemeinsam mit Jack und Ida macht Marlene sich auf eine Reise, die völlig anders verläuft als erwartet. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Kiepenheuer & Witsch / 2025 / ISBN 978-3-462-00568-4 / 256 Seiten

Susann Pásztor bei Litterae Artesque: Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts I Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster I Die Geschichte von Kat und Easy


Kurzmeinung: Selbst ein Roman über Trauer kann unerwartet hoffnungsvoll sein und durch humorvolle Szenen eine schöne Leichtigkeit erhalten...

Samstag, 12. September 2026

Menasse, Eva: Alleinruhelage

 

Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen. Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus – und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«. (Verlagsbeschreibung)

DNB / Kiepenheuer & Witsch / 2026 / ISBN 978-3-462-00262-1 / 224 Seiten

Kurzmeinung: Ruhiger Roman, der dem assoziativen Fluss der Gedanken und Erinnerungen der Ich-Erzählerin folgt - Zwischenbilanz eines Lebens...

Donnerstag, 10. September 2026

Neitzke, Mario: Orientierungslauf

 

Wie fühlt sich Reizüberflutung an? Warum kostet ein einfacher Behördengang manchmal mehr Kraft als ein Marathon? Wie klingt Misophonie? Wie denkt jemand, dessen Kopf nie wirklich still wird? Was passiert, wenn man den Kompass verlegt - und niemand erklärt hat, wofür er eigentlich gedacht war? Eine Sammlung literarischer Essays über Familie, Erinnerung, Reizüberflutung, Identität und den Versuch, im eigenen Kopf nicht verloren zu gehen. Es ist kein Ratgeber. Kein Fachbuch. Keine Autobiografie. Es sind Geschichten über das Leben mit einem Gehirn, das selten geradeaus denkt. Dieses Buch erklärt ADHS nicht von außen. Es versucht, von innen nach außen zu übersetzen. (Auszug aus der "Gebrauchsanweisung" zum Buch)

Lese- bzw. Rezensionsexemplar aus dem Selbstverlag / imkopfgegenstrom.de / 2026 / 168 Seiten



Kurzmeinung:  In den Social Media Kanälen erhält man durch manche Accounts einen Eindruck von einem Leben mit ADHS. Hier steht es schwarz auf weiß (oder weiß auf schwarz, je nachdem) und hat mich sehr beeindruckt.


Dienstag, 8. September 2026

Mendel, Meron: Über Israel reden

Fünfundzwanzig Jahre wuchs der Autor dieses Buches in Israel in einem Kibbuz auf und studierte Geschichte an der Universität in Haifa. Später setzte Meron Mendel das Studium in Frankfurt a.M. fort. Er promovierte an der Goethe-Universität über die Lebensraelitäten jüdischer Jugendlicher. 

Mendel leitet die Bildungsstätte Anne Frank. Wer wenn nicht er kann sich "einmischen" in die intensiven Debatten in Deutschland über Israel, die vermutlich in keinem anderen europäischen Land so geführt werden.

Der Pädagoge und Publizist beschäftigt sich in diesem Buch weniger mit dem Staat Israel selbst, mehr mit der emotional geführten, oft verbitterten Debatte, die sich aktuell auf deutschen Straßen in der Auseinandersetzung zwischen pro-palästinensischen und pro-israelischen Kundgebungen und Demonstrationen darstellt,  wobei die pro-Palästina Veranstaltungen überwiegen. Oft ist ein mehr als sichtbarer größerer Einsatz von Polizeikräften zum Schutz verschiedener Versammlungen, vor allem aber deswegen notwendig, damit jeweils Andersdenkende nicht angegriffen werden.

Kurzmeinung: Ein überaus informatives und aufschlussreiches Sachbuch über Israel und Deutschland.

Montag, 7. September 2026

Thürk, Harry: Taifun - Aufzeichnungen eines Geheimdienstmannes I-III


Zu Beginn eine „Buchgeschichte“ aus den Jahren 1988 und 2009.

Es wird im Jahre 1987 oder 88 gewesen sein. Da bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt. Genauer gesagt, ich musste mich anstellen, denn eine Reihe anderer wollte es auch lesen. Dann las ich den ersten Band. Und wollte es kaufen. Also ging ich in das Haus des Buches am Dresdner Postplatz, die damalige Nr. 1 Buchhandlung der Stadt.

Ich: "Tag auch, ich hätte gern den Thürk Roman "Taifun". 
Verkäuferin: "...tut mir leid, Kenn ich nicht."
Ich: "Na so was, hab ich ja bereits gelesen..."
V: "Kann nicht sein..."
Ich: "Doch..."
V: "Sie meinen bestimmt "Der schwarze Monsun"
Ich: "Nee..."

So ging das eine Weile hin und her. Sie schaut ind die Bibliographie und sagt: "Gibt es nicht!!!" (Mit drei Ausrufezeichen) Langsam hielt sie mich wohl für bescheuert.

Raus kam aber später: Der Roman wurde zwar im mitteldeutschen Verlag verlegt, aber zuerst nur in Staatssicherheitskreisen vertrieben. So geheim waren die nun auch nicht, das Buch war dort wohl nicht als "Geheime Kommandosache" eingestuft. Bis 1989 war es nicht mehr weit hin, mein Exemplar ist von 1990, mit ISBN Suche wird auch nur 1990 angegeben. Jedenfalls hab ich es vor dem Erscheinen im Mitteldeutschen Verlag gelesen.

Sonntag, 6. September 2026

WAS DARF ISRAEL? ein Streitgespräch zwischen...

 ... Hamed Abdel-Samad & 
Philipp Peyman Engel

Ein harter Austausch zu Nahost

Der Anschlag vom 7. Oktober und der Gazakrieg haben die Lage im Nahen Osten dramatisch verändert. Aber auch in Deutschland: Plötzlich werden Dinge ausgesprochen, die lange ein Tabu waren, plötzlich radikalisieren sich auch hier die Haltungen. Selbst unter Freunden: Hamed Abdel-Samad und Philipp Peyman Engel schreiben sich Briefe zur Lage im Nahen Osten und tauschen sich direkt und kontrovers zur Lage im Nahen Osten: Betreibt Israel in Gaza einen Genozid? Unterstützen die Palästinenser den Terror? Auf welcher Seite steht Deutschland? Und: Wie kann die Zukunft der Region aussehen?

©2025 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München (P)2025 RBmedia Verlag (audible.de)

  • DNB / audible / 3 Std. und 45 Min. / DTV / 11.09.2025 / ISBN: 978-3-423-44876-5 / 160 Seiten
  • mit Hilfe von Copilot erstellt
Kurzmeinung: Eine Streitschrift, intensiv, widerspruchsvoll, gegenüber der Auseinandersetzung in den Internet-Medien wohltuend höflich und sachlich.

Samstag, 5. September 2026

Scott-Baumann, Michael: Die kürzeste Geschichte von Israel und Palästina.

Michael Scott-Baumann gelingt mit Die kürzeste Geschichte von Israel und Palästina etwas, woran viele Sachbücher scheitern: Er erklärt einen der komplexesten Konflikte der Gegenwart verständlich, ohne ihn auf einfache Wahrheiten zu reduzieren. Auf knappem Raum zeichnet er die historischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach, die den Nahostkonflikt bis heute prägen.
Besonders überzeugend ist die ausgewogene Darstellung der unterschiedlichen Perspektiven. Der Autor lädt dazu ein, die historischen Erfahrungen und Interessen beider Seiten nachzuvollziehen. Dadurch eignet sich das Buch sowohl für Einsteiger als auch für Leser, die einen kompakten Überblick suchen.

Allerdings scheint der sich der Überblick im letzten Drittel etwas nach einer Seite zu neigen, wenn die durchaus berechtigte Kritik an der Politik der israelischen Regierung in der Vordergrund tritt. Außerdem geht auch dieser Autor nicht weiter auf die Frage ein, warum in den rund 20 Jahren, in denen von 1949 bis 1967 Jordanien das Westjordanland besetzt hielt, die arabisch - palästinensische Seite keine Anstalten machte, den durch die UNO avisierten Staat wenigstens dort zu gründen.

Natürlich kann ein so kurzes Buch nicht alle Facetten eines über hundert Jahre alten Konflikts behandeln. Gerade deshalb liegt seine Stärke in der klaren Struktur und der Fähigkeit, Orientierung in einem oft unübersichtlichen Thema zu bieten.

Fazit: Ein gut geschriebener und gesprochener, informativer und zugänglicher Einstieg in die Geschichte Israels und Palästinas. Wer die Hintergründe des Konflikts besser verstehen möchte, findet hier eine empfehlenswerte erste Lektüre.

©️ Bücherjunge
(mit KI-Unterstützung - Copilot)

Donnerstag, 3. September 2026

Amjahid, Mohamed: Alles nur Einzelfälle?

Das System hinter der Polizeigewalt

„Die moderne Polizei, wie wir sie heute kennen, basiert auf diesem Prinzip: Menschen und vor allem Besitz sollen geschützt werden.“ Das Prinzip beruht, so der Autor im 2. Kapitel, welches mit „Eine kleine Geschichte der Polizei“ überschrieben ist, darauf, dass die Polizei von alters her „Eigentum vor der verarmten Bevölkerung zu schützen, die naturgemäß ein Stück vom Kuchen abhaben wollte. Es ging darum, die proletarischen Massen zu kontrollieren und sie dem Adel und später dem Bürgertum als billige, ausgebeutete Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.“ 

Das Kapitel enthält zwar Hinweise auf die Rolle der Polizei im NS-Staat und die Polizei in der DDR, aber Gründe dafür, wie und warum die Polizei der Bundesrepublik nach deren Gründung so aufgebaut wurde wie sie ist und sich entwickelt hat, führt Amjahid nicht an. 

Das Buch ist Ergebnis einer jahrelangen Beschäftigung mit dem dargestellten Phänomen, es bringt vermutlich jegliche Form von Polizeigewalt, Rassismus, Racial Profiling, Rechtsextremismus in der Polizei, extremistische Chatgruppen zur Sprache, Drohungen gegen den Autor und andere.

Eine große Menge an Fußnoten dient als „Beleg“ für die aufgezeigten Fälle, das Verzeichnis kann mittels QR-Code abgerufen werden. In der Masse sind das allerdings Internet-Adressen, ohne extra, also lesbarer Quelle und mehrfach verweist.

Mohammed Amjahid, geboren 1988, ist Journalist und Autor politischer Bücher, er hat für viele Medien gearbeitet und ist auch ausgezeichnet wurden.



Diese Buchbesprechung, eher ein Essay, erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Das Netz, ob YouTube oder Instagram ist voll von Berichten und Videos zum Thema, seien sie kurz, privat aufgenommen oder professionell, als Meldung, Bericht oder Reportage, von öffentlich-rechtlichen Medienanstalten oder anderen Portalen. Auf alle im Buch geschilderten Formen von Polizeigewalt werde ich daher nicht eingehen.
  • DNB / Piper / München 1924 / ISBN: 978-3-492-06520-7 / 349 Seiten