Montag, 30. Oktober 2023

Lorne, Mac P.: Das Herz des Löwen

Hätte Richard Sizilien damals eingenommen und dem Kaiser Heinrich geschenkt, welcher Anspruch darauf erhob, dann wäre ihm viel Leid und jahrelanger Kerker erspart geblieben. Meinte vor kurzem der Autor des zweiten Bandes der Robin Hood - Reihe.

Hinzufügen würde ich, dass dann vielleicht die Legenden um den König Löwenherz nicht so umfangreich entstanden wären.

In diesem Band begleiten wir Robert von Loxley mit Richard Löwenherz auf den Kreuzzug und die Gefährten aus dem Sherwood Forrest gehen als Bogenschützen mit ins Heilige Land. Lernten wir in Band 1, Die Pranken des Löwen Robins Großvater als Beschützer von Kaiserin Matilde kennen, setzt sich die Geschichte nun fort. Kenner und Liebhaber von Geschichten über die Kreuzzüge werden vieles wieder erkennen. Die Episode, in der Richard Löwenherz den Tankred von Lecce auf Sizilien bezwingt, erscheint eher nebensächlich, allerdings hat Mac P. Lorne hier einen schönen Trick angewendet, der den oft jähzornigen und ungestümen Sohn der Eleonore von Aquitanien sympathisch macht. Den der sitzt abends mit den einfachen Soldaten und Bogenschützen am Feuer und erzählt diesen anschaulich die Geschichte der bisherigen Kreuzzüge.

Sonntag, 29. Oktober 2023

WINTERHERZ - Angelesen von Ralf Günther

Gestern Abend in Pirna. Der Wahlpirnaer Ralf Günther liest seinen neuen Roman an könnte man sagen, erst vor kurzem kam WINTERHERZ in den Buchhandel. In der Stadtbibliothek Pirna fanden sich eine ganze Menge von interessierten Leserinnen und Lesern ein. 

Schon die Einleitung führte über die historischen Bücher des aus dem Rheinland zugezogenen Wahlsachsen folgerichtig zu WINTERHERZ, erwähnt wurden Goethe (Goethe in Karslbad), eine vielreisende Gräfin Ida von Hahn-Hahn, Carl Gustav Carus (Der Leibarzt), Robert Koch (Arzt der Hoffnung) und einige mehr. WINTERHERZ steht, finde ich, durchaus auch in der „Tradition“ der Weihnachtsbücher, also dem Weihnachtsmarktwunder und den Dresdner Pappen. Moderiert wurde das Gespräch mit dem Autor gekonnt durch Karin Großmann, sie war einst Chefreporterin bei der Sächsischen Zeitung.

Dienstag, 24. Oktober 2023

Vinogradova, Laura: Wie ich lernte, den Fluss zu lieben

Es sind nicht viele Menschen, die wir in diesem Buch kennenlernen. Da ist Rute. Sie hat ihre Schwester vor zehn Jahren verloren. Keiner weiss, wo sie abgeblieben ist. Der Leser erfährt es, Rute erfährt es nicht. Dinas und Rutes Mutter sitzt im Gefängnis. Und ihr Mann Stefans stammt aus reichem Elternhaus. Im Gegensatz zu Rute und Dina.

Rute kennt ihren Vater nicht. Als dieser stirbt, fährt sie an diesen Fluss, da, wo das Haus steht. Einfach. Das Wasser holt sie vom Fluss. Nicht weit entfernt lebt Matilde mit Lūkaas. Matilde ist schwanger, bevor Niklāvs auf die Welt kommt, drückt sie Rute den kleinen Lūkaas in die Hand. Die beiden Jungs haben keinen Vater, dafür aber den bärenstarken Kristofs, den Bruder von Matilde. Der aber fährt zur See. Jetzt muss Rute lernen, wie man einem Knirps den Popo abwischt. Rute ist sechunddreißig und hat keine Kinder.

So ist Rute nicht so allein. Kristofs kannte den alten Jūle. Der hatte dem kleine Kristofs einst viel beigebracht. Im Haus gibt es Bücher...

Montag, 23. Oktober 2023

Heinisch, Andrea: Henriette lächelt

Mit ihren 190 Kilo bleibt Henriette am liebsten zu Hause, während das Leben vor ihrem Fenster stattfindet. Ihre Mutter, die in der Wohnung über ihr lebt, möchte das Leben ihrer fünfzigjährigen Tochter kontrollieren, sie lässt sie nicht in Ruhe, kommentiert jede Essensbestellung, jede Kleiderwahl, die Henriette trifft. Aber zum Glück ist da Martin: Ihr Arbeitskollege, den sie nur vom Zoom-Bildschirm kennt und der so schöne Augen hat. Sie verliebt sich in ihn, auch wenn sie sich das selbst nicht zugesteht. Als sie eines Tages ihre junge Nachbarin kennenlernt, beginnt Henriette sich und ihre Welt zu öffnen. Gelingt es ihr, sich von ihrer Mutter zu lösen und einen Schritt in die Zukunft zu wagen? (Verlagsbeschreibung)


DNB / Picus Verlag/ 2023 / ISBN 978-3-7117-2142-6 / 208 Seiten







Dieser Roman sprang mich mit seinem freundlichen Cover bei NetGalley geradezu an. Der Klapptentext klang dann auch interessant, und schon griff ich zu. Herzlichen Dank für die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen! Meine Kurzfassung zum Titel lautete schließlich: Henriettes stream of consciousness - Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, und über all dem ihr enormes Gewicht. Aber es bewegt sich was... Wie mir der Roman letztlich gefiel, könnt Ihr hier nachlesen:


Sonntag, 22. Oktober 2023

Merkentrup, Inge: Eines Tages werde ich berühmt sein

Emma Ritter hat ein stattliches Lebensalter erreicht. Geboren wurde sie 1878 in Vechta im Großherzogtum Oldenburg und sie wurde 95 Jahre alt. Aber gehört hatte ich von ihr nie. Allerdings las ich von einer Gruppe Künstler, die die beteiligten Maler DIE BRÜCKE nannten. Schon einmal erzählte ich hier von einer jungen Frau, die einst in Moritzburg auf eine Gruppe von Malern und Modellen traf, die Novelle DIE BADENDE VON MORITZBURG schrieb Ralf Günther im Jahr 2017.

Diese Emma Ritter traf in ihrer jungen Schaffensphase mit den Brücke-Künstlern zusammen. Doch wie traf ich auf Emma? Am 06. Oktober 2023 fand in Ingolstadt eine 7er-Lesung statt. Anlass war die Verleihung der HOMER – Literaturpreise 2023. Im Stadtmuseum Ingolstadt las Inge Merkentrup aus dem biografischen Kunstroman EINES TAGES WERDE ICH BERÜHMT SEIN. Ihr Thema: Emma Ritter expressionistische Malerin.

Samstag, 21. Oktober 2023

Brotz, Philipp: Die Ungleichzeitigen

Hagen, Anfang dreißig und ewiger Student, ist in Berlin gescheitert und mit den Eltern verkracht. Als diese tödlich verunglücken, kehrt er in sein Schwarzwälder Heimatdorf zurück, um an sein früheres Leben anzuknüpfen. Doch bestürzt stellt er fest, dass nichts beim Alten ist: Im Dorf hat man ihn vergessen, der Wald seiner Kindheit soll Flüchtlingsunterkünften weichen. Hagen beginnt einen aussichtslosen Kampf um das Verlorene und gegen das Fremde, bis er in der Jesidin Adana auf eine Frau trifft, die genau wie er entwurzelt zu sein scheint. (Verlagsbeschreibung)
 

DNB / 8 grad verlag/ 2023 / ISBN 978-3-910228-12-2 / 320 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Diesen Roman habe ich im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen - mit Autorenbeteiligung. Das kann prima sein, manchmal aber auch schwierig, gerade wenn man einige kritische Anmerkungen hat. Hier hielt sich der Autor aber angenehm zurück, auch wenn deutlich wurde, dass ich mit dem Roman so meine Schwierigkeiten hatte. Das finde ich selbst immer schade, aber ich kann ja eben nur von meinem individuellen Leseerlebnis berichten. Was für mich dabei problematisch war, könnt Ihr gerne hier nachlesen:
  

Freitag, 20. Oktober 2023

Schubert, Helga: Der heutige Tag

Über fünfzig Jahre lang teilen sie ihr Leben. Doch nun ist der Mann schwer krank. Lange schon palliativ umsorgt, wird sein Radius immer eingeschränkter, der Besuch weniger, die Abhängigkeiten größer. Entlang der Stunden eines Tages erzählt Helga Schubert davon, wie man in solchen Umständen selbst den Verstand und der andere die Würde behält, wie es ist, mit einem todkranken Menschen durch dessen Zwischenwelten zu wandeln. Und davon, wie Liebe zu Erbarmen wird. Die Texte mäandern in der gemeinsamen und der eigenen Vergangenheit, sind von zartem Humor und frei von Pathos. Eine rührende Liebeserklärung an den Mann an ihrer Seite und all die Dinge, die das Leben inmitten der Widrigkeiten des Alters lebenswert machen. (Verlagsbeschreibung)
 
 
DNB / dtv/ 2023 / ISBN 978-3423283199 / 272 Seiten
 
 
 
 
 
 
Eine Leserunde bei Whatchareadin bescherte mir diesen neuen Roman von Helga Schubert, deren Titel "Vom Aufstehen" auch hier im Blog zu finden ist. Diesmal möchte ich Helga Schubert selbst zu Wort kommen lassen - als Zitat: "Liebe Leserinnen, liebe Leser, so viele von Ihnen haben mein Buch ›Vom Aufstehen‹ gekauft, es gelesen und weiterempfohlen. Das habe ich nicht zu hoffen gewagt. Nun lege ich Ihnen hier mein neues Buch ans Herz, ›Der heutige Tag‹. Es erzählt eine lebenslange Liebesgeschichte bis ins hohe Alter und berührt auch die letzten Dinge. Keine Angst: Es geht zwar um Pflege und nahen Abschied, aber meine Hoffnung ist, dass Ihnen, wenn Sie sich auf das Buch einlassen, leicht ums Herz wird, so wie mir beim Schreiben. Vielleicht sehen Sie nach der Lektüre sogar etwas zärtlicher, liebevoller und zuversichtlicher auf Ihr Leben und womöglich auch auf dessen Hürden und Einschränkungen." Bessere Worte zum Roman hätte ich kaum finden können. Wie er mir letztlich gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:
 
 

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Schenk, Sylvie: Maman

Eine Annäherung an die eigene Mutter und eine schmerzhafte Abrechnung: 1916 wird Sylvie Schenks Mutter geboren, die Großmutter stirbt bei der Geburt. Angeblich war diese eine Seidenarbeiterin, wie schon die Urgroßmutter. Aber stimmt das? Und welche Geschichte wird den Nachkommenden mit auf den Weg gegeben? Als Kind leidet Sylvie Schenk unter dieser Unklarheit, als Schriftstellerin ist sie deshalb noch immer von großer Unruhe geprägt. Mit poetischer Präzision spürt sie den Fragen nach, die die eigene Familiengeschichte offenlässt. „Maman“ ist waghalsiges Unterfangen und explosive Literatur zugleich. (Verlagsbeschreibung)
 
 
DNB / Hanser Literaturverlage/ 2023 / ISBN 978-3446276239 / 176 Seiten
 
 
 
 
 
 
 
 
Einer der Vorteile bei NetGalley ist es, dass dort die Möglichkeit besteht, sämtliche Titel des Deutschen Buchpreises sowie des Österreichischen Buchpreises von der Longlist an anzufragen. Man muss es dann nur noch schaffen, die gewährten Titel auch zu lesen. "Maman" ist solch ein Roman. Die Autorin webt hier ein schemenhaftes Bild einer zu Lebzeiten oft unzugänglichen Frau - ihrer eigenen Mutter... Der Roman hat den Deutschen Buchpreis nicht gewonnen - dafür hat er mir aber gefallen. Weshalb? Lest selbst:
 

Montag, 16. Oktober 2023

Yuzuki, Asako: Butter (Hörbuch)

Rika, eine junge Journalistin in Tokio, recherchiert über die Serienmörderin Manako Kajii, die Männer mit ihren Kochkünsten verführt und anschließend umgebracht haben soll. Manako behauptet, sie verabscheut nichts mehr als "Margarine und Feministinnen" und hat eine ausgeprägte Leidenschaft für hemmungslosen Genuss und insbesondere Butter. Jetzt, wo sie im Gefängnis sitzt, empfängt sie Rika, unter der Bedingung, nur über ihre Kochkünste zu reden. Für Rika werden die Begegnungen mit Manako zu einer Meisterklasse der Lebenskunst. Ein Roman, der Genuss, Essen und Trinken feiert, vor allem aber die unmöglichen Erwartungen thematisiert, die an Frauen in patriarchalen Gesellschaften heute gestellt werden. (Verlagsbeschreibung)

DNB / aufbau audio / 2022 / ISBN: 978-3-96105-681-1 / 815 Minuten




Dieses Hörbuch bekam ich als Rezensionsexemplar über NetGalley, wofür ich mich herzlich bedanken möchte. Ich habe meine Zeit gebraucht, um diese Erzählung zu hören - nicht weil es langweilig war, sondern weil das Erzähltempo ein langsames ist und das Hören für mich dadurch auch langsam geriet. Immer wieder musste ich Pausen einlegen, stieg dann aber gerne wieder ein. Und nun ist es beendet, und ich lasse die Figuren nur ungern ziehen, irgendwie. In jedem Fall ein besonderer, außergewöhnlicher Roman. Mehr dazu könnt Ihr hier lesen:

Sonntag, 15. Oktober 2023

Goldammer, Frank: In Zeiten des Verbrechens

Schon mit dem Lesen des ersten Bandes der Geschichte um den Dresdner Kriminalkommissar Max Heller stellte sich immer wieder die Frage, wie der Mann denn durch die 12 Jahre des nationalsozialistischen sogenannten Dritten Reiches gekommen war. Mit der Zeit und mit den Einblicken in die Geschichte des Geron Rath, Hauptfigur von Volker Kutscher in bisher neun Bänden (Babylon Berlin) verstärkte sich diese Frage noch mehr:

Konnte man als Polizist, dessen Behörde der Kriminalpolizei immer mehr an den Sicherheitsdienst (SD) und die Geheime Staatspolizei (Gestapo) gekoppelt wurde oder gar darin einging, weitestgehend unschuldig ermitteln? Nun ist der Max Heller ein ganz anderer Charakter als dieser ungefähr gleichaltrige Gereon Rath.

In ZEIT DES VERBRECHENS werden wir die Antwort immer noch nicht finden, aber nun erfahren wir, wie der junge Max Heller überhaupt zur Polizei kommt.