Sonntag, 20. November 2022

Gurnah, Abdulrazak: Nachleben

Ilyas ist elf, als er aus Not sein bitterarmes Zuhause an der ostafrikanischen Küste verlässt und von einem Soldaten der deutschen Kolonialtruppen zwangsrekrutiert wird. Jahre später kehrt er in sein Dorf zurück, doch seine Eltern sind tot. Ilyas macht sich auf die Suche nach seiner kleinen Schwester Afiya, die bei Verwandten untergekommen ist, wo sie wie eine Sklavin gehalten wird und niemand ihre Talente sehen will. Auch ein anderer junger Mann kehrt nach Hause zurück: Hamza war von seinen Eltern als Kind verkauft worden und hatte sich freiwillig den deutschen Truppen angeschlossen. Mit nichts als den Kleidern am Leib sucht er nun Arbeit und Sicherheit – und findet die Liebe der klugen Afiya. Während das Schicksal die drei jungen Menschen zusammenführt, während sie leben, sich verlieben und versuchen, das Vergangene zu vergessen, rückt aus Europa der nächste Weltkrieg bedrohlich näher… »Nachleben«, der jüngste Roman des Nobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah, ist die ebenso kluge wie bestürzende Geschichte von Menschen, die im Schatten der kolonialen Weltordnung um ihre Unversehrtheit kämpfen. (Klappentext)





Im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin durfte ich den neuesten Roman des letztjährigen Literaturnobelpreisträgers kennenlernen. Gleichzeitig war dies auch das erste Werk Gurnahs, das ich gelesen habe. Es war sehr angenehm zu erfahren, dass auch ein Nobelpreisträger verständlich und klar schreiben kann ohne komplizierte literarische Kapriolen, dass der Aufbau des Romans trotzdem etwas Besonderes aufweisen kann und dabei Bedeutungsebenen hinter dem konkret Beschriebenen erkennbar sind. Da auch die Kolonialgeschichte ein dunkles Kapitel Deutschland ist, zählt der Roman für mich daher zu den im Blog vorgestellten Büchern "Gegen das Vergessen". Wikipedia weiß hierzu zu berichten: "In Deutsch-Südwestafrika begingen die deutschen Kolonialherren den Völkermord an den Herero und Nama, den ersten in der Geschichtsschreibung anerkannten Völkermord des 20. Jahrhunderts." Gurnah berichtet hier konsequent aus der Sicht der Betroffenen. Wie mir der Roman gefallen hat, könnt Ihr hier nachlesen:

Mittwoch, 16. November 2022

ABC Challenge 2023

1315 Minuten




Veranstaltet wird diese Challenge von Zeit für neue Genres.

Zeitraum: 01.01.2023 – 31.12.2023

 

 

 

Regeln

  • Passende Bücher von A bis Z zu finden (bestimmte Artikel - der, die, das -  werden nicht berücksichtigt).
  • Bei schweren Buchstaben, wie Q, X, Y, muss der Buchstabe lediglich irgendwo im Titel vorhanden sein und nicht am Anfang wie bei den anderen Buchstaben.
  • Es gelten nur Bücher, die ihr in der Zeit vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2023 lest und (auf dem Blog) rezensiert.
  • Es zählen Bücher ab 150 Seiten, Hörbücher ab 200 Minuten, Mangas zählen nicht.

          Sind auch hier nachzulesen


Montag, 14. November 2022

Kutscher, Volker: Transatlantik

 DER NEUNTE RATH - ROMAN

In der Rezension zu OLYMPIA, dem achten Rath-Roman, schrieb ich, dass sich nun so einiges ändern wird. Volker Kutscher hatte angekündigt, dass er weiter erzählen will, zum Beispiel weil, so wie die Reihe bisher verlief, das nächste „große“ Ereignis, die Reichspogromnacht, nicht unerzählt bleiben sollte. Am Schluss des Buches überschlägt sich die Stimme eines Radioreporters förmlich: In Englisch beschreibt dieser, wie das größte deutsche Luftschiff, die Hindenburg in Flammen aufgeht. Lakhurst, New Jersey, 06. Mai 1937.

Mit an Bord Gereon Rath, ein Umstand, für den es keine andere Wahl gibt: ein zwingender Spoiler zur vorherigen Rezension.

Jedoch erzählt Kutscher nun, wie der vor dem SD untergetauchte Gereon Rath an Bord der Hindenburg gerät, der Überflug ist teuer, ohne Hilfe funktioniert das nicht. SS-Obersturmbannführer Tornow vom SD (Sicherheitsdienst) glaubt nicht an dessen Ableben und nun kommt ihm das Regime gefährlich nahe.

Unter einer anderen Identität nimmt ihn eine gewisse Frau Jawlenka auf die Westpassage mit, wir kennen diese als Gräfin aus einer früheren Geschichte. Er hätte auch nicht gewusst, wo er die 350 - 450 US-Dollar hätte hernehmen sollen. (Das würde heute einem Preis von 13000 - 14000 € entsprechen)


In Deutschland ermittelt Charlotte Rath in einem Mordfall, der sowohl ihre verschwundene Freundin Greta Overbeck, wie auch den Mord an einem gewissen Ehlers während der Olympiade betrifft Auch dem Fritz Thormann und der Hannah Singer begegnen wir wieder, was nach dem schrecklichen Finale von MITTE plötzlich wieder hoffen lässt, aber am Ende wieder hoffnungslos verloren aussieht. Zumindest für eine Person der beiden. Die geneigte Leserin und der geneigte Leser schaue hier doch einmal in diese Rezension. Irgendwann bringt Fritz den Herrn Rademann bestimmt um, wenn er nicht die wesentlich subtilere Methode wählt, dem „Pflegevater“ öffentlich ordentlich anzuschwärzen. Er hat da was gefunden...

Sonntag, 13. November 2022

Pfyl, Luzia: Die mechanischen Kinder (Hörbuch)

Ihr erster gemeinsamer Fall führt Frost und Payne in die Tiefen einer geheimen Waffenfabrik. Der Prototyp eines neuartigen Waffensystems wurde gestohlen. Der Verdacht fällt schnell auf einen internen Maulwurf, doch als Frost und Payne das wahre Ausmaß der Sache erkennen, ist es beinahe zu spät. Das Leben des Thronfolgers steht auf dem Spiel und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. --- Cecilia wird Zeugin eines weiteren Leichenfundes. Schon wieder ein Jugendlicher mit mechanischen Körperteilen. Sie befürchtet, dass Scotland Yard als nächstes Annabella aus der Themse zieht, und bittet Payne, sich des Falls anzunehmen. Auch Frost ist an der Sache interessiert, besitzt sie doch selbst ein mechanisches Herz. (Klappentext)
 
 
 
 
 
 
 
Manche Vorhaben geraten zuweilen ein wenig ins Hintertreffen. Vor über drei Jahren stellte ich den ersten Band der Steampunk-Fantasy-Reihe hier im Blog vor und verkündete obendrein, die Reihe weiterhören zu wollen. Nun, ich habe nicht gesagt, wann... Jetzt aber: Band zwei ist gehört. Ob der mich letztlich mehr überzeugen konnte als Band eins, könnt Ihr hier nachlesen:

Freitag, 11. November 2022

Poladjan, Katerina: Zukunftsmusik

Die Geschichte eines Aufbruchs: In der sibirischen Weite, tausende Werst östlich von Moskau, leben in einer Kommunalka auf engstem Raum Großmutter, Mutter, Tochter und Enkelin unter dem bröckelnden Putz einer vergangenen Zeit. Es ist der 11. März 1985, Beginn einer Zeitenwende, von der noch niemand etwas ahnt. Alle gehen ihrem Alltag nach. Der Ingenieur von nebenan versucht, sein Leben in Kästchen zu sortieren, Warwara hilft einem Kind auf die Welt, Maria träumt von der Liebe, Janka will am Abend in der Küche singen. 

»Zukunftsmusik« ist ein großer Roman über vier Leben am Wendepunkt, über eine untergegangene Welt, die bis heute nachwirkt, über die Absurdität des Daseins und die große Frage des Hier und Jetzt: Was tun?
(Klappentext)








Vor wenigen Wochen stellte ich hier im Blog begeistert den Roman "Das Leben vor uns" von Kristina Gorcheva-Newberry vor, der von einer (verlorenen) Jugend in den letzten Jahren der zerfallenden Sowjetunion erzählt. Um so neugieriger war ich nun auf den Roman von Katerina Poladjan, der ungefähr da einsetzt, wo der Hauptteil des anderen Romans endet. So viel sei schon einmal verraten: Aufbau und Stil der beiden Bücher sind vollkommen anders, insofern sind die Romane keineswegs vergleichbar. Und doch gibt es Grundthemen, die hier wie da eine wichtige Rolle einnehmen. Wie mir "Zukunftsmusik" nun gefallen hat? Lest selbst:

Mittwoch, 9. November 2022

Lewinsky, Charles: Sein Sohn

Louis Chabos wächst in einem Kinderheim in Mailand auf. Nachdem er in Napoleons Russlandfeldzug den Krieg kennengelernt hat, möchte er nur noch eins: endlich zu einem menschenwürdigen Leben finden und Teil einer Familie werden. In Graubünden erlangt er ein kleines Stück des erhofften Glücks. Doch das verspielt er, als die Sehnsucht nach dem unbekannten Vater ihn nach Paris ruft und er zwischen Prunk und Schmutz seine Bestimmung sucht. (Klappentext)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wieder einmal ein Roman, den ich im Rahmen einer Leserunde bei Whatchareadin lesen durfte. Dem Diogenes Verlag gebührt auch an dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Charles Lewinsky ist hier im Blog kein Unbekannter. 2019 stellte ich seinen Roman "Der Stotterer" vor - ein sprachlich versiertes Schelmenstück, das mich gut unterhalten konnte. Dieser neue Roman ist anders. Ob er mich ebenfalls überzeugen konnte, könnt Ihr hier nachlesen:

Montag, 7. November 2022

Langgässer, Elisabeth: Proserpina - Eine Kindheitsmythe

  „Denn das Haus stand an der Römerstraße, und der uralte Boden teilte noch immer die Geschenke der Vorzeit aus, wenn der Landmann mit dem Pfluge darüber ging, und weckte der Erinnerungen viele. Man stieß den Spaten in den Schlaf der Legionäre und hob Schild und Harnisch, aber auch die Mischgefäße der Freude, Schale und Becher...“ (Seite 13)

In diesem Haus lebt ein Kind, ein Mädchen, dessen Geschichte im Verlaufe eines Jahres erzählt wird, von Frühling zu Frühling. Doch ist das Kind, welches auf späteren Seiten dann Proserpina genannt wird, nicht einfach ein Mädchen, denn mit ihm wird eine mythologische Geschichte erzählt. Proserpina (römisch) oder Persephone (griechisch), Tochter von Zeus (Jupiter) und Demeter (Ceres), lebte als Kind „in einem blühenden, in seiner unermesslichen Fruchtbarkeit auch unheimlichen Garten, ganz nah einer eigenen und in ihrer Umgebung drohenden Todesahnung.“ (Seite 6)

Diesen Garten blättert Elisabeth Ganggässer vor den Lesern auf und erzählt eine duale Geschichte: kindlich und erwachsen, Leben und Tod, Licht und Dunkelheit, Wachsen und Vergehen, Wachen und Träumen, eine Geschichte der Jahreszeiten. Dreh und Angelpunkt ist das Kind im Garten.


Inhalt: Zu Beginn ist das Kind erkrankt und schwebt zwischen Licht und Dunkelheit so wie die Proserpina, deren Hand einst Pluto (Hades) von Jupiter erbat. Der Vater der Götter meinte jedoch, dass Ceres, die Mutter es nie erlauben würde, dass das Kind als Königin der Unterwelt und der Toten dauerhaft im Tartaros leben würde. Gleichwohl entführte der Gott der Unterwelt das Kind und Jupiter erlaubte später, als Ceres davon erfuhr, dass Proserpina ein halbes Jahr diesseits und ein halbes Jahr Jenseits leben sollte.

Samstag, 5. November 2022

Freeman, Castle: Ein Mann mit vielen Talenten

Taft, ein dem Alkohol zugeneigter Eigenbrötler, steckt in einer Sinnkrise. Da kommt der schneidige Fremde namens Dangerfield gerade recht, der ihm auf der Veranda ein verführerisches Angebot macht: Taft hat sechs Monate Zeit, alles zu bekommen, was er jemals wollte – zu einem hohen Preis. Mit der Gewissheit, nichts zu verlieren zu haben, lässt sich Taft auf den Pakt ein und versucht auf seine Art, das teuflische Spiel zu unterlaufen. Doch der Stichtag rückt näher, und Dangerfield denkt nicht daran, von seiner Forderung abzurücken.  (Klappentext)












Manchmal gibt es bei Lovelybooks Bücher nicht im Rahmen von Leserunden zu gewinnen, sondern durch Buchverlosungen. Dieser Roman kam durch solch eine Verlosung des Hanser Verlags zu mir, worüber ich mich sehr gefreut habe. Der Klappentext erschien mir reizvoll, ebenso das Cover. Ob mir der Roman selbst letztlich zugesagt hat, könnt Ihr hier lesen:


Donnerstag, 3. November 2022

Spix, Ida: Die zerbrochenen Flöten - Jadefisch und Motecuzoma

Manche Bücher brauchen etwas länger. Dieses hier wurde mit bereits im letzten Jahr „übergeben“. Es war auf der BuchBerlin 2021. Kerstin Groeper betreute wie üblich den Stand des Traumfängerverlages, diesmal unterstützt von Angelika Danielewski, alias Ida Spix. Mal keine nordamerikanischen Indianer, dafür bewegen wir uns in südlichere Gefilde, wir reisen mit Ida Spix  nach Mexiko. Zunächst einmal in das reiche Tenochtitlan, dort wo Motecuzoma herrscht, während an der Küste ein gewisser Hernando Cortez anlandet. Wir sind also bei den Azteken angekommen, im Jahre 1519. Vor siebenundzwanzig Jahren landeten die Schiffe des Christobal Colon in der Karibik und nun steht Cortez mit „Hirschen“ und „Feuerschlangen“ im Reich des Herrschers der Azteken Motecuzoma II ( 1465 – 1520).

Soeben lernt der Fürstensohn Zwölf-Bewegung Jadefisch auf der Flöte das Blumenlied. Jadefisch soll der neue Ixiptla werden und damit zum neuen Abbild des Gottes Tezcatlipoca werden. Jedoch ist es die Bestimmung des Ixziptla, am Ende des Jahres selbst dem Gott geopfert zu werden. Der große Sprecher, Moctecuzoma ist zu Beginn noch nicht erfreut, denn das Flötenspiel des Sohnes von Nachtjaguar, einer von sechs Herrschern in Cholollan, der Stadt der Grünfederschlange, lässt noch zu wünschen übrig, die Töne sitzen noch nicht perfekt.


Doch Jadefisch wird es schaffen und hat nun ständig mit dem Großen Sprecher zu tun, Als Ixiptla des Tetzcatlipoca kommt er fast überall hin und lernt nun auch Maisblüte, die Tochter des Herrschers der Atzteken kennen, eifersüchtig überwacht von ihrer Mutter Quetzalmatte. Sie kommen sich näher...

Eines Tages steht der Gesandte des Callox von Castillan, den Königs von Kastilien, vor Motecuzoma, man begrüßt und beschenkt sich, das Volk schaut ehrfürchtig zu, der Herrscher seinem noch nicht zu erahnendem Untergang entgegen. 

Das Buch endet, als sich Motecuzoma und Jadefisch zu wehren beginnen: Krieg!

Dienstag, 1. November 2022

Goldammer, Frank: BRUCH - Ein dunkler Ort

Es ist nicht meine Art und nur selten bemühe ich den Klappentext zu einem Buch, um den Einstieg in die Besprechung zu finden. Diesmal scheint es mir notwendig, weniger wegen unserer Leserinnen und Leser, mehr um damit meine Kritik in der Rezension zu erklären.

Frank Goldammer ist ein Dresdner Autor, dem ich nun seit Jahren folge, noch bevor er mit den sieben Büchern um den Dresdner Kriminalisten Max Heller seinen nunmehrigen großen Erfolg begründete. Eine Menge Bücher hatte er vorher schon geschrieben, nicht alle hatte ich gelesen, es begann mit NEBELGEFLÜSTER, zu dessen Besprechung Bloggerfreundin Anne Parden bemerkte, ich hätte mich „in ein fremdes Genre-Land vorgewagt“. In Nebelgeflüster steht ein altes Haus an der Elbe bei Laubegast, und das ist der Hauptfigur überhaupt nicht geheuer...


Und es scheint, als hätte Frank Goldammer zu mystisch-schaurigen Geschichten zurückgefunden und nach dem KHK Tauer (Revierkampf), dem KOK Heller, und zuletzt Leutnant Falk (Im Schatten der Wende) die KHK BRUCH & SCHAUER erfunden, bei denen er vielleicht eine Weile verbleiben will.

Doch kommen wir zu diesen beiden und einem neuen schaurigen Ort.