Sonntag, 27. Januar 2019

Hawking, Stephen: Kurze Antworten auf Große Fragen

Las ich doch inmitten einer Reihe von kurzen Rezensionen den Satz: „Das Buch ist großer Murks!“ Gemeint war, das es zu schnell zusammengeschustert worden wäre, und ja, zumindest das Hörbuch scheint ein paar unbeabsichtigte Textwiederholungen aufzuweisen.


Aber worum geht es? Es geht um das letzte Buch des Stephen Hawking. Selbst wenn man so gar keinen Hang zu Naturwissenschaften hat, dann kennt man den vielleicht. Ob man was von ihm gelesen hat, ist da schob fraglicher, denn ein Buch mit dem Titel EINE KURZE GESCHICHTE DER ZEIT  erscheint schon seltsam, wenn der Anbeginn der Zeit Milliarden Jahre zurück liegt.







Aber nun hörte ich die kurzen Antworten auf folgende Fragen:

  1. Gibt es einen Gott? – NEIN
  2. Wie fing alles an? – MIT EINEM KNALL
  3. Gibt es andere intelligente Lebewesen im Universum? – VIELLEICHT
  4. Können wir die Zukunft voraussagen? – TEILWEISE
  5. Was befindet sich im Inneren eines Schwarzen Lochs? – ENERGIE
  6. Sind Zeitreisen möglich? – EHER NICHT
  7. Werden wir auf der Erde überleben? – NÖ.
  8. Sollten wir das All besiedeln? – SCHAFFEN WIR NICHT
  9. Wird uns Künstliche Intelligenz den Rang ablaufen? – VIELLEICHT
  10. Was hält die Zukunft bereit? – ??

Was ich hier gerade gemacht habe, gleicht einem Sakrileg. Natürlich werde ich mich hüten, diesen Gelehrten (Der hat diese Bezeichnung nun wirklich verdient) zu kürzen. Aber ob Blinklist hilft? (Es hilft ein klein wenig) Darauf will diesmal aber nicht eingehen.




Im Ernst, zum ersten Mal hatte ich den Eindruck, dass ich da einen Bruchteil der einsteinschen Relativitätstheorie verstanden hätte, auch wenn ich den Unterschied zwischen der allgemeinen und speziellen immer noch nicht erklären kann. Ich könnte das fortsetzen mit der heisenbergschen Unschärferelation. Auch hier scheint plötzlich verständlich, warum wir bei einem Teilchen nicht Ort und Geschwindigkeit gleichzeitig bestimmen können. 
Nun, das ist theoretische Physik. Das kann man wohl nicht auf Anhieb begreifen und daher gab es wohl neben der kurzen Geschichte der Zeit auch eine illustrierte und eine kürzeste Geschichte.

Im Jahr 2014 kam ein Film in die Kinos. Der hieß die Entdeckung der Unendlichkeit. Ein biografischer Film über diesen hervorragenden Wissenschaftler, den Eddi Redmayne verkörperte. Ja der aus den phantastischen Tierwesen. Redmayne hat das Vorwort zu den kurzen Antworten... geschrieben. Er soll ein großes Lob von Hawking erhalten haben. Es war auf jeden Fall eine hervorragende Schauspielerleistung.



Für Treckies sind die Kurzen Antworten vielleicht eine Entäuschung, denn Hawking räumt damit auf, dass wir mit solch riesigen Schiffen solche Geschwindigkeiten in Echtzeit erledigen könnten. Er nimmt übrigens an, dass wir in vier bis 500 Jahren in der Lage sein könnten, unser Sonnensystem zu verlassen. Er hat schon mal geübt und einen Parabelflug zur Erprobung der Schwerelosigkeit mitgemacht.

* * *

Die Texte sind aus früheren Werken zusammengestellt. Daraus erklären sich diverse , auch scheinbare Wiederholungen. Am Ende hatte ich den Eindruck, dass diese plötzlich hilfreich waren, aus diesem Buch kann man sich tatsächlich was merken. Spannend ist es auch. Auch der diesen innewohnende Humor ist interessant, wenn Hawkings zum Beispiel sagt, bei einer 70000jährigen Reise zu einem Planeten auf dem sich Leben befinden könnte, würde den dortigen Bewohnern die Bedeutung eines gewissen Trump ersparen. Den konnte der Kosmologe und Astrophysiker augenscheinlich nicht leiden. 

Hawking ist am 14. März 2018 mit 76 Jahren gestorben. Dem an amyotropher Lateralsklerose Erkrankten prophezeite man als als er gerade mal Zwanzig war noch fünf Lebensjahre. Doch was hat er aus den folgenden sechsundfünfzig Jahren gemacht...


Kaum aber erfuhr die Welt von seinem Ableben, nahm sich CICERO, das Magazin für politische Kultur seiner an. Unter der Überschrift „Priester einer vom Glauben abgefallenen Gesellschaft“, schreibt Alexander Grau von einem säkularem Orakel, das romantische Sehnsüchte erfülle. Er wäre ein „Ikone des massenmedialen Zeitalters“ und damit wäre seine Karriere ein Beispiel für der „Verwertungslogik der Massenmedien“. Trotz eines kleinen Abschlussatzes, dass die großen Forschungsleistungen bleiben werden, wenn der „populärwissenschaftliche Ruhm versendet wäre“, ist dieser Beitrag am Todestag des Physikers ziemlich unangemessen. Grau ist Philosoph, und meint anscheinend, physikalische Ideen und Hypothesen so bewerten zu müssen. Dabei hätte er genug philosophischen Spielraum im Zusammenhang mit Hawkings Auffassungen zum Klimawandel, zum Ozeanmüll und zu künstlicher Intelligenz gehabt.
Eine vom Glauben abgefallene Welt - das klingt nach ziemlich rechts - konservativer Ausrichtung, aber es geht hier nicht um Cicero, sondern um die großen Antworten.

Da sollten wir lieber Prof. Dr. Harald Lesch zuhören.




* * *

Das Schlusswort hatte Lucy Hawking, die Tochter des Astrophysikers. Sie erzählt davon, wie es war die Tochter eines solchen Mannes gewesen zu sein und von der Trauerfeier in Cambridge. Ich gebe zu, dies war durchaus ergreifend. Das Buch ist nicht wissenschaftliche Zusammenfassung kosmologischer Studien, es ist ein Apell an die Menschen auf der Erde. Wem das zu gewaltig klingen sollte, der höre diese letzten Worte, besser noch, er lese ein solches oder mehrere Bücher.





Dies ist die zweite Rezension eines Hawking - Buches. Anne besprach bereits Das Universum in der Nussschale.  Als Hörbuch und damit einer eingeschränkten Möglichkeit, Zettel hineinzukleben, ist es bestimmt schwerere Kost als in der Druckversion. Gelesen wurde es gut. Abgesehen von ein oder zwei Aufnahmefehlern, die ich entdeckt zu haben meine.

DNB / Klett-Cotta / 13-2018 / ISBN: 978-3-608-96376-2 / 255 S.

© Bücherjunge

1 Kommentar:

  1. Ein toller Artikel - und gleichzeitig eine Hommage an ein Genie, das durch die schreckliche Erkrankung tatsächlich fast auf seine Denkfähigkeit reduziert wurde. Er drang dadurch in Sphären vor, in die ihm wohl kaum jemand folgen kann...

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