Mittwoch, 24. Mai 2017

Amtsberg, Sven: Superbuhei



Dass Hannover-Langenhagen der Platz sein würde, den das Leben ihm zugedacht hat, hätte Jesse Bronske nicht geglaubt. Und dass die Sitzschönheit Mona die Frau an seiner Seite sein würde, ebenso wenig. Mona ist Kassiererin im »SUPERBUHEI«, wo Jesse auch die Kneipe »Klaus Meine« betreibt. Tag für Tag schenkt er trostlosen Gestalten Drinks aus, die er nach Scorpions- Songs Gin of Change oder Grog you like a hurricane genannt hat. Doch der Wunsch nach Einzigartigkeit wurde ihm zeitlebens von seinem Zwillingsbruder Aaron auf gemeine Art vereitelt. Aaron, der ihm so sehr gleicht, dass noch nicht einmal ihr Vater, Imbissbudenbesitzer und Elvis-Imitator in Hamburg-Rahlstedt, sie auseinanderhalten kann. Jesse war vor Aaron geflohen, doch als er eines Nachts vor seinem Haus eine dunkle Gestalt im Maisfeld sieht, ist er sich plötzlich sicher: Aaron ist zurückgekehrt, um ihn zu ersetzen.

(Klappentext Frankfurter Verlagsanstalt)

  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt; Auflage: 1 (7. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3627002342
  • ISBN-13: 978-3627002343








Ich danke der Frankfurter Verlagsanstalt ganz herzlich, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen durfte!
 







TRISTESSE IN LANGENHAGEN...



Als Sohn eines Elvis-Imitators wächst Jesse, benannt nach dem totgeboren Bruder des King, im Schatten seines Zwilligsbruders Aaron in Hamburg-Rahlstedt auf. Jesse flieht nach Langenhagen, betreibt dort die trostloseste aller Kneipen, das 'Klaus Meine', und wähnt sich in Sicherheit - bis ihn die furchtbare Ahnung beschleicht: Aaron ist in sein Leben zurückgekehrt, mit dem teuflischen Plan, ihn zu ersetzen.

Jesse und Mona. Jesse und Klaus Meine und seine Scorpions. Jesse und seine Kneipe und der Alkohol. Jesse und Kafka. Das fasst das Buch im Wesentlichen zusammen, auch wenn deswegen sicher noch niemand versteht, worum es hier eigentlich geht. Aber es deutet meine Unlust an bei dem Gedanken, zu diesem Buch noch allzu viele Worte zu verschwenden.

Selten habe ich mich nämlich derart durch ein Buch gequält. Beschreibe den Roman in drei Worten? Tristesse, Paranoia, Kafka. Und Jesse? Mittelmäßigkeit, Selbstmitleid, Alkoholsucht. Eine Mischung, die mir jedenfalls nicht sonderlich zusagte und in der ich nicht wie manch anderer Leser etwas Erfrischendes entdecken konnte. Aber nun gut. Ein paar Worte mehr sollen es noch sein...

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive Jesses, wodurch der Leser 1:1 an den Gedanken des Hauptcharakters teilhaben und dadurch knietief die beklagenswerte Gewöhnlichkeit seines Lebens durchwaten kann.

Jesse lebt mit Mona zusammen, einer Verkäuferin im Superbuhei, in einem kleinen schmuddeligen Haus am Rande eines Maisfeldes. Jesse betreibt außerdem eine kleine schmierige Kneipe, die an das Superbuhei nachträglich rangeklatscht wurde und trinkt dort mit seinen Stammkunden um die Wette, immer auf der Suche nach dem hilfreichen Pegel, der das Leben irgendwie erträglicher macht - bis zum nächsten Morgen. Jesse ist zudem ein großer Fan der Scorpions, vor allem von Klaus Meine. Und so führt er mit dem Frontman der Hardrock-Band nicht nur einen regen Briefwechsel, sondern sorgt auch dafür, dass in seiner Kneipe ausschließlich Lieder der Scorpions laufen.

Jesse ist das Kind zweier gewöhnlicher Eltern, die immer etwas Besonderes sein wollten - vor allem sein Vater. Der lief schließlich in Hamburg-Rahlstedt in seinem glitzernden Elviskostüm herum, die spärlichen Haare mit Haarspray zu einer gewagten Tolle betoniert. Die Mutter ertrug die Gewöhnlichkeit irgendwann nicht länger und verließ die Familie - genau am 16. Geburtstag der Zwillinge. Nach dem Tod des Vaters flüchtete Jesse schließlich aus dem Ort seiner Kindheit, zumal sein Bruder Aaron ihm unheimlich zu werden begann.

Doch nun scheint es, dass die Vergangenheit Jesse wieder einzuholen beginnt. Er glaubt, Aaron gesehen und Spuren seines Daseins entdeckt zu haben. Doch Alkohol und Paranoia lassen ihn und den Leser zweifeln: was ist hier eigentlich wahr? Kafkaeske Sequenzen am Rande des Maisfeldes, in dem sich so viel verstecken kann...

Es mag Leser geben, die das Verwirrspiel in trüber, alkohollastiger Stimmung mögen, wo Tristesse groß geschrieben wird und der Blick auf das Leben ein resignierter ist. Ich gehöre leider nicht dazu, und auch nicht zu denjenigen, die es reizvoll finden, wenn ausschließlich negative Aspekte präsentiert werden, egal wer oder was da gerade geschildert wird. Das offene Ende passt hervorragend, doch dieser Aspekt sowie einige Ansätze von Humor reichten letztlich nicht aus, um mich von dem Buch überzeugen zu können.

Mich konnte das Buch letztlich weder begeistern noch in den Bann ziehen, so dass ich schließlich froh war, als ich es endlich zuklappen konnte... Schade.


© Parden



















Die Frankfurter Verlagsanstalt schreibt über den Autor:

Sven Amtsberg, geboren 1972 in Hannover, lebt in Hamburg und ist Autor, Veranstalter und Moderator diverser Entertainmentformate. Er betreibt das Autorendock, eine private Autorenschule, an der Dozenten wie Juli Zeh, Clemens Meyer oder Tilman Rammstedt Seminare geben. Für das Hamburger Abendblatt schrieb er die wöchentliche Kolumne "Amtsbergs Ansichten". Zuletzt erschien sein Erzählband Paranormale Phänomene. Fast wahre Geschichten. SUPERBUHEI ist sein Romandebüt.

übernommen von der Frankfurter Verlagsanstalt

Montag, 22. Mai 2017

Rinser, Luise: Mirjam

Schauen wir doch wieder mal ein paar Jahre zurück. Zum Beispiel in das Jahr 2009. Wir, Anne und ich, hatten uns bei den Buchgesichtern gerade erst kennengelernt, TinSoldier kam etwas später dazu, und schon ging die Diskussion los. Der Lapsus maiorum kam von mir: Von Philosophinnen hätte ich noch nichts weiter gehört. Und schon belehrte mich Parden eines Besseren. Zum Beispiel wäre da Luise Rinser Mit ihrem Roman MIRJAM. Übrigens waren die Texte der Rezensionen damals noch recht kurz.


»Hier bringt eine Frau die versteinerte Männerwelt um Jesus zum Tanzen: Judas ("Jehuda") will Politik machen, Johannes ("Jochanan") grübelt ewig, Jesus ("Jeschua") heilt, und Mirjam aus Magdala, die schöne Makkabäer-Tochter, sucht sich selber und den Sinn des Lebens. Sie ist Rebellin und Getreue, Begleiterin und oft Zweifelnde, eine starke, liebende Frau. Sie harrte aus unter dem Kreuz und sah als erste Jesus nach seinem Tod. Eine Frau also von zweifelhaftem Ruf war zuerst vertraut mit dem größten Mysterium des christlichen Glaubens. "Weibergeschwätz" war die erste Reaktion der Männer, als Mirjam von dem "Auferstandenen" erzählte... Luise Rinser erweckt den Mann aus Nazareth zu neuem Leben. Mirjam erinnert abendländische Christen an ihre Jesus-Vergeßlichkeit.« Franz Alt in Die Zeit
(siehe Vorstellung in Fischer-Verlage)


Parden 27.06.2009

Mirjam - der richtige Name Maria Magdalenas, in ihrer Muttersprache Aramäisch.
Luise Rinser nennt alle Orte und Personen bei ihrem "wahren" Namen, vielleicht um von vornherein jegliches Klischee zu vermeiden. Schließlich will sie eine alte Geschichte neu erzählen, aus einer anderen Perspektive, aus der Sicht eben jener Mirjam aus Magdala. Einer Frau, die als Hure abgestempelt wurde, um zu verdrängen, was sie vor allem war: Eine Jüngerin Jesu. Leidenschaftlich und stolz, den Männern unheimlich und ein ewiges Rätsel - man ist sehr geneigt, Luise Rinser zu glauben, dass die Rolle dieser Frau heruntergespielt wurde, weil sie nicht ins Bild passte. Es ist beeindruckend, wie sie es schafft, eine andere Sicht auf die Dinge zu werfen, wie sie die ganz menschlichen Charaktere der Apostel nachzuzeichnen versteht: Johannes, der griechisch beeinflusste Philosoph, Simon Petrus und sein Kinderglaube, Judas kein Verräter, sondern ein Verzweifelter, der zum Terroristen wird. Man kennt den Ausgang der Geschichte, und doch bleibt es spannend bis zur letzten Seite. Man fühlt sich heimisch darin, alles ist nachvollziehbar, das Motiv vertraut: Junge Menschen, die die Welt verändern wollen. Vielleicht ist dieses Buch näher an der Wahrheit als alles, was sonst je darüber geschrieben wurde.

Rinser berichtigt sogar Luther: Eher geht ein Schiffstau durch ein Nadelöhr, als ein Besitzender in das Reich des Geistes, so hiess es im Orginal. Die Geschichte mit dem Kamel war ein dummer Übersetzungsfehler, der bis heute in jeder deutschen Bibel zu finden ist.

Was diese Frau sucht, sind keine vorgefertigten Wahrheiten. Das Denken laesst sie sich nicht nehmen. Und sie sucht weiter.


Auf dem Kreuzweg heute / Jerusalem



KaratekaDD 04.08.2009

Der Inhaltsangabe brauche ich schon mal nichts hinzuzufügen. Prägnant, eindeutig, klar, was den Leser erwartet.

Gut fand ich, dass die handelnden Personen als Menschen in ihrer Zeit dargestellt sind. Sie sind eben nicht die Apostel der Religion. Der Blick der Mirjam lässt sie als Menschen lebendig werden.

Allerdings fand ich es etwas seltsam, das Jeschuah und seine Mutter aus dieser Beschreibung herausgenommen wurden. Die Autorin erreicht damit sicherlich, dass der Bezug zur Religion bestehen bleibt. Ich hätte mir gewünscht, dass vielleicht die Mirakel des Jeschuha offen bleiben können, er selbst und Maria aber ebenso wie die engeren Jünger, Jesus sicherlich herausragend, als Menschen dargestellt werden.

Etwas verblüfft war ich, dass Mirjam, die Erzählerin, kurz Konstantin den Großen erwähnt. So lange, hat sie nun doch nicht gelebt...

Am interessantesten wurde Jehuda (Judas Ischarioth) dargestellt, mit seinen Zweifeln, seinen Zielen, seiner Konsequenz im Handeln...

Obwohl selbst nicht religiös, bin ich froh, das Buch gelesen zu haben.




Auf dem Kreuzweg in Jerusalem



DNB / Fischer-Verlag / 1987 / ISBN: 978-3-596-25180-3 / 336 Seiten

© KaratekaDD




Samstag, 20. Mai 2017

Gricksch, Gernot: Die denkwürdige Geschichte der


...Kirschkernspuckerbande.


Da sitzt ein gewisser Piet Lehmann, 41, bei einem jungen Schnösel von Kulturjournalisten beim NDR. Er, selbst Redakteur, ist zum Interview geladen. Sein Roman Kirschkernspucker ist das Thema. TOTAAL langweilig findet der Schnösel die Geschichte von sechs im Jahr 1960 gebornen Freunden. Gelesen hat er sie auch nicht. Er hat sich, selbst kaum dem Volontariat entwachsen, von einer Volontärin einen kurzen Überblick geben lassen.

„Er schien sich nicht vorstellen zu können, dass das Leben für Menschen über vierzig noch irgendwas bereithielt. Wahrscheinlich dachte er, alles was Männern meines Alters noch blieb, waren die alljährlichen Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchungen und sporadische Ü40-Partys, auf denen wir zu den Klängen von Status Quo und Cindy Lauper unsere arthritischen Gelenke schüttelten.
‚Doch, doch. Es geht immer weiter, das Leben‘, bekräftige ich.
‚Sicher‘, sagte Klein-Dominik. ‚So ist das wohl.‘“  (Seite 19)

All das geht Piet an seinem 50sten Geburtstag durch den Kopf. Der war 2010. Meiner war drei Jahre später. Und mir schwant, dieses Buch ist vor allem was für Leute, die noch in richtige Baumwollwindeln gesch... haben, Seifenkisten bauten, gleich alleine zur Schule gingen, und denen in den letzten Schuljahren die Benutzung von Taschenrechnern noch verboten wurde, weil nicht alle einen hatten. Also zumindest in Dresden war das um 1980 so, ob Letzteres in Hamburg ebenso war, weiß ich nicht genau. Vielleicht.



All das habe ich soeben den ersten Seiten aus DIE HELDENHAFTEN JAHRE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE entnommen. Daraus folgt, es geht gar nicht um dieses Buch, sondern um DIE DENKWÜRDIGE GESCHICHTE DER KIRSCHKERNSPUCKERBANDE. Band EINS von Gernot Gricksch. Band 2 wird noch gelesen und wenn alles klappt, werden Anne und ich uns gemeinsam darüber amüsieren. Sie wird das Küken sein, denn sie ist noch mal um einiges jünger. Aber uns eint mit Piet, Petra, Bernhardt, Sven, Susann und Dilbert: Wir sind alle im siebenten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts geboren und haben alle noch in Baumwollwindeln... usw.

* * *

»Als die sinnlose Rede vorbei ist, treten wir ans Grab. Den Kübel mit Sand ignorieren wir. Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck bewerfen. Stattdessen legen wir alle gleichzeitig, als hätten wir es wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir in hohem Bogen unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns wütend an. Doch was weiß der schon.« (Seite 7)

Wer da in das Loch auf dem Friedhof in Ohlsdorf heruntergelassen wurde, ist nicht klar, nur soviel, einer von sechs wird es schon gewesen sein. Wenn im Epilog diese Szene wiederholt wird, hat man schon einen leicht verschleierten Blick, denn während man meist lachen musste bei der Lektüre, hier ist die Geschichte so was von traurig, da darf man schon mal ein Tränchen verdrücken. Im Übrigen zeigt Piet Lehmann, der Erzähler ja des Öfteren, dass Mann auch mal heulen darf. Ohne heulen hätte er seine bessere Hälfte nicht, verraten, ob die nun Petra, Susann oder ganz anders heißt, wird hier nicht.

Sven ist der Erste, den Piet kennenlernt. Sozusagen im Laufstall. Bei einer Art Ghostbuster-Spiel kommt ein neuer Junge dazu. Petra. „‚Petra?‘, rief ich entsetzt. ‚Du bist´n Mädchen??‘ ‚Ja.‘ Petra funkelte mich wütend an. ‚Aber ich bin stärker als du!‘ Ich sagte lieber nichts mehr. Wahre Führer wissen, wann es klüger st, einen temporären Rückzug anzutreten.“ (Seite 23) Und dann trennen sich Svens Eltern, es wird dauern, bis die Leser den Grund dafür erfahren.

1966 gab es Schultüten. Und zu dem Trio stoßen der stille Bernhardt und der Rüpel Dilbert hinzu. Bernhardt sitzt neben Piet, Dilbert gehört auch in diese Klasse. Sven hat eine Banknachbarin namens Susann. Und um das mal richtig zu erklären, was den Unterschied von Petra und Susann ausmacht und warum sich neben ein Mädchen zu setzen eine große Dummheit ist, gebe ich mal folgende Erklärung. „Wenn Mädchen so waren wie Petra – permanent schmutzig, mit aufgeschlagenen Knien und einer Rauferei nie abgeneigt – , dann konnte man vielleicht mal eine Ausnahme machen, aber so ein richtiges Mädchen, eins mit Zöpfen, mit einem Kleid!“ (Seite 36)

Bernhard dagegen: „W-wollt ihr Sch-schokolade?“ – Ach, Bernhard. Der ist der Schlaukopf. Total belesen, Geografie-As würden wir sagen. Besitzer zweier Alkoholiker-Eltern. Stotternd, schüchtern, außer in dieser nun kompletten Clique, die auch in der Schule vollständig wird, nachdem Petra es geschafft hatte, von ihrer Mädchenschule zu fliegen. Piet, Sven, Petra, Bernhard, Susann und Dilbert.

Überspringen wir mal ein paar Jahre. 1972, da wird die Rasselbande zwölf. Petra hat den Dilbert des öfteren im Schwitzkasten und Piet hat Susann´s beginnende Brüste wohl zu lange angeschaut. Und „Susann bemerkte alles, was ich tat“.

„Ich lag also da, zwölf Jahre alt und dachte an Susanns Lippen und an ihre Minibrust... Und da war sie dann: Meine erste Erektion. Halleluja! Ohne dass es mir jemand erklärt hätte, fand ich sehr schnell heraus, wie man so eine Erektion wieder loswird.“ (Seite 71)

* * *

Überspringen wir erneut ein paar Jahre und auch die Phase, in der Dilbert meint: „So viele Weiber! So wenig Zeit!“ – Überspringen wir überhaupt den ganzen Rest, der nur spoilerhaft wirken würde und kommen wir mal zu einem Fazit:

Da lese ich nun einen „Wessi-Roman“ und finde mich doch wieder. Nicht unbedingt in Hamburg-Altona-Reeperbahn und LSD-WG, auch nicht an der Startbahn-West und in Brokdorf, als deren Vertreter besagter Piet seine kurzen Ausführungen dazu bringt. Ich will da mal was ganz Profanes erwähnen: Cat Stevens - Morning has brocken. Was verbindet Ost und West damit, wenn man zwischen 1960 und ein paar Jahren später geboren ist? Natürlich: Den Engtanz. Den in der Klassendisko. Näher kam man ja in einem bestimmten Alter an die Busen der Mädchen nicht heran. Aber jetzt gleite ich schon wieder zurück in die pubertären Erinnerungen. Dabei wird doch dieses Buch zunehmend ernst und nicht erst, als die Freunde (teilweise) Eltern werden.

Übrigens war es wohltuend, nichts, aber auch gar nichts zum Thema Ost/West zu lesen. Keine Tante, kein Onkel, keine Carepakete und Ostreisen. Ein einziges Mal die Erwähnung der Geschehnisse von 1989.

Für Anne Parden „war das wie eine Reise durch meine eigene Kindheit und mein Leben. Ereignisse, die ich längst verdrängt hatte, politische Bewegungen, besondere Augenblicke kamen wieder zum Vorschein, Gegenstände, Ausdrücke, Mode und Musik im Wechsel der Jahre - ein herrliches Wiedertreffen!“ wie sie in ihrer Rezension schrieb.

Oder auch ganz kurz bei Droemer-Knaur: „Frischt Kindheitserinnerungen auf, herrlich unpathetisch und unsentimental, und doch auf ganz eigene Art berührend. Tolles Buch!“



Geht mir genauso, auch wenn ich mir, ähnlich der nebenstehenden Jahrgangsbücher auch eine Ost-Variante der Kirschkernspuckerbande vorstellen könnte. Aber schade ist letztendlich nur, dass ich diesen denkwürdigen Roman einer denkwürdigen Gruppe fast Gleichaltriger nicht schon eher in die Hände bekam, denn Gernot Gricksch schrieb den bereits 2001.

Die eingangs erwähnte Fortsetzung, also „unsere“ heldenhaften Jahre, erschien „erst“ 2013. Nun ist die Geschichte schon etwas ernsthafter, darüber wird noch zu schreiben sein.

PS: Bei Droemer-Knaur steht, Gernot Gricksch ist einer der meistverfilmten deutschen Autoren. Das war mir bisher ebenso wenig bekannt, wie seine beiden Romane über die Kirschkernspuckerbande. Aber das wird nicht so bleiben.




► Die denkwürdige Geschichte... DNB / Droemer-Knaur / München 2001 /
     ISBN: 978-3-426-61892-9 / 320 Seiten /
► Die heldenhaften Jahre... DNB / Droemer-Knaur / München 2013 / ISBN: 978-3-426-51065-0 /          313 Seiten
► Gernot Gricksch bei Droemer-Knaur
► Gernot Gricksch in der DNB

© KaratekaDD



Freitag, 19. Mai 2017

FotoPost: Frühling


Frühlingsbilder einmal anders. Aus Holland und aus Mecklenburg-Vorpommern. 






Zwei Serien völlig unterschiedlicher Art. 



Detail und weites Feld. Nähe und Weite. Beides hat seinen Reiz - die Vollkommenheit der Details  einer einzelnen Blüte und das fast unwirkliche Leuchten der Tulpenfelder in Noordholland. Ein Augenschmaus...




Nicht nur die Bäume blühen. Ganze Kunstwerke aus kleinen Blüten entstehen jährlich bei den Bloemendagen in Anna Paulowna. 10000 Hyazinthenblüten auf einen Quadratmeter - man ahnt, welche Mühe hinter solch gigantischen Bildern wie beispielsweise diesem der ehemaligen niederländischen Königin steckt. Ein Wettbewerb, der dort in Noordholland jährlich ausgetragen wird... Auf dem rechten Bild ist zwar keine Königin zu sehen -  es ist eine Wespe - aber wen erinnert die Bestäuberin nicht an Königinnen?




Auf der Halbinsel Marken am Ijseelmeer findet sich an jeder Ecke ein lohnendes Fotomotiv - vor allem im Frühling. Ein farbenfrohes Stilleben wie dieses hier beispielsweise. Auf der rechten Seite erneut die Bestäubung der Blüten - ohne derlei Insekten gäbe es kein Obst mehr...




Pastell und Farbexplosion




Die Pflanzen auf dem linken Bild wurden von Menschenhand bestäubt. Kunst und Natur. Solch ein eleganter Anflug einer Hummel ist nur durch ein Makroobjektiv fassbar. Wie auch auf dem nächsten Bild links.




Nicht nur bei den Pflanzen hat der Frühling Einzug gehalten... Bei diesen Bildern ist der Gedanke an die 'weiße Unschuld' nicht weit...





 Viele Blüten links und rechts. Eine Wohltat fürs Auge...


© Anne Parden & KaratekaDD



Montag, 15. Mai 2017

Frank, Astrid: Enno Anders - Löwenzahn im Asphalt


Die Heizung knackt, der Banknachbar schnieft: Wie kann man da einen Aufsatz schreiben? Und wenn man sich gerade vorstellt, eine Ameise zu sein – wie soll man da antworten? Enno nimmt tausend Kleinigkeiten wahr, kann sich in jedes Lebewesen hineinfühlen und sich ausgeklügelte Geschichten ausdenken, die auf anderen Planeten spielen. Nur eines kann er nicht: so sein wie die anderen …

(Klappentext Urachhaus Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Urachhaus; Auflage: 1 (8. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Illustration: Regina Kehn
  • ISBN-10: 3825151220
  • ISBN-13: 978-3825151225
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 - 11 Jahre












WENN ALLES FALSCH LÄUFT...




Enno Anders ist genau dies: anders. Er bekommt alles mit und kann sich dann auf das Wesentliche nicht mehr konzentrieren, fällt in der Schule ständig auf und auch zu Hause passieren ihm laufend kleine Ungeschicklichkeiten. Enno hat mit seinen elf Jahren so gut wie keine Freunde - nur den hochbegabten Olsen, der bereits zweimal eine Klasse übersprungen hat und ebenso ein Außenseiter ist wie Enno. Aber Fantasie hat Enno, mehr als genug - und einfühlsam ist er wie kein zweiter. Er weiß genau, wann jemand die Wahrheit sagt und wann nicht, und er spürt, wie es anderen Menschen geht.


"Ich scheine irgendwie auf einem fremden Planeten gelandet zu sein. Die Lebewesen hier sehen zwar genauso aus wie ich, aber sie ticken alle anders. Ich kenne die Regeln nicht, nach denen das Zusammenleben hier funktioniert. Und egal, wie viel Mühe ich mir gebe, ich mache doch nur alles falsch."


Enno ist nicht dumm. Er merkt, dass er anders ist als die anderen. Er selbst könnte damit leben, doch seine Mama macht das traurig. Sie macht sich Sorgen darum, was aus Enno einmal werden soll und reagiert oft hilflos, manchmal auch verärgert auf seine Besonderheit. Mama versteht nicht, was mit ihm los ist - sie möchte, dass ihr Sohn einfach normal ist so wie andere Kinder. Und merkt dabei nicht, wie weh sie Enno damit tut. Enno flüchtet oft in seinen Briefwechsel mit seinem Opi, der allerdings vor drei Jahren gestorben ist. Aber auf Mamojusave, dem Planten, wo Enno sicherlich eigentlich herkommt, wartet Opi geduldig auf seinen Enkel, bis dessen Mission auf der Erde beendet sein wird.


"Es ist merkwürdig, aber ich weiß, dass meine Mama mich lieb hat. Trotzdem hätte sie mich offenbar gerne anders, als ich bin. Und wenn ich wüsste, wie das geht, dann würde ich alles dafür tun, um ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Aber leider weiß ich es nicht (...) Vielleicht wäre es für alle einfacher, wenn ich nicht mehr da wäre..."



Astrid Frank, die offenbar selbst ein hypersensibles Kind hat, schreibt mit einer schonungslosen Offenheit und gleichzeitig mit einer enormen Einfühlsamkeit sowohl über die Erlebnsiwelt von Enno als auch über die Reaktion der oft hilflosen Mutter. Dabei wächst beim Lesen das Verständnis für beide Seiten, wobei das Herz eindeutig für Enno schlägt. Von augenzwinkernd bis berührend bedient die Autorin dabei gekonnt die Klaviatur der Gefühle. Und schafft das Verständnis für die einfache Tatsache: anders zu sein ist nicht schlimm.

Illustriert wurde das Buch stimmungsvoll und passend von Regina Kehn.

Ein Buch, das ich gerne weiterempfehle - für Kinder, die den Wert der Toleranz erkennen sollen, für Eltern, die das größte Gut in der Normalität sehen und für alle, die mit Kindern zu tun haben und dabei den neugierigen und wohlwollenden Blick auf das Besondere in jedem von ihnen nicht verlieren wollen. Positiv, berührend, ermutigend.


© Parden













Astrid FrankDer Urachhaus Verlag schreibt über die Autorin:

Astrid Frank, geboren 1966, studierte Biologie, Germanistik und Pädagogik und arbeitete bereits während des Studiums als Lektorin und Übersetzerin für mehrere deutsche Verlage.

Seit 1999 schreibt sie Geschichten für Kinder und Jugendliche.

übernommen vom Urachhaus Verlag

Freitag, 12. Mai 2017

Neudecker, Christiane: Das siamesische Klavier


Schatten, die sich von einem selbst lösen. Kinderspiele, die zu tödlichen Geisterbeschwörungen werden. Eine verhängnisvolle Begegnung mit einem Erlkönig der Neuzeit. Ein Schachspiel mit einem Toten. Sportsgegner, die sich einfach nicht besiegen lassen wollen – oder zu sehr ... Neudecker erzählt mit hypnotischer Spannungskunst von dem winzigen Spalt, der sich von Zeit zu Zeit in unserer modernen, nur scheinbar rationalen Welt auftut.

(Klappentext btb Verlag)

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (12. März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442743311
  • ISBN-13: 978-3442743315









UNHEIMLICHE GESCHICHTEN...



Christiane Neudeckers Geschichten versetzen das Genre der unheimlichen Erzählung von E.T.A. Hoffmann bis Daphne du Maurier in unser hoch technisiertes Dasein, in unsere vermeintlich entzauberte Welt. Abgründig, verstörend intensiv und auf heimtückisch unaufdringliche Weise beunruhigend. Diese Geschichten wirken lange nach...

Sieben Geschichten mit vollkommen unterschiedlichen Grundthemen erwarten den Leser hier, doch Christiane Neudecker hat sich in die jeweilige Thematik intensiv hineingearbeitet. So ist es ihr gelungen, den einzelnen Erzählungen eine glaubwürdige Authentizität zu verleihen und sie gleichzeitig von einer beunruhigenden Atmosphäre durchdringen zu lassen.

In 'Das siamesische Klavier', das diesem Buch seinen Titel verlieh, wird im tiefsten Urwald ein seltsames Doppelklavier gefunden. Da alle Versuche, es zu transportieren, scheitern, wird an Ort und Stelle ein Konzerthaus gebaut. Mit Liszts Bearbeitung von Beethovens 9. Symphonie soll es glorios eröffnet werden - dass man aber an Klavier und Musik besser nicht gerührt hätte, zeigt sich erst, als es längst zu spät ist.

'Gerufene Geister oder: Der Carpenter-Effekt' beschäftigt sich mit einer Gruppe junger Mädchen, die sich mit Gläserrücken die Zeit vertreiben und eine Katastrophe herauf beschwören. "Wann sie damit anfingen, die Toten zu rufen, weiß im Nachhinein niemand so genau. Es bgann doch als harmlose Feizeit auf dem Hof, aber dann wurden die Spiele der Kinder immer beängstigender. Bis zu jener Nacht, von der sich die, die sie überlebten, bis heute noch nicht erholt haben."

Ein Boxer kämpft in 'Ein Geräusch, so hässlich, so ein hässliches Geräusch' gegen einen teuflisch guten Gegner. Als dem Gegner mit dem engelhaften Gesicht Maden aus dem Mund zu quellen beginnen, weiß der Freefighter nicht mehr, was er glauben soll. Ist seine Siegesgewissheit gerechtfertigt?

'Dunkelkeime' weist nahezu kafkaeske Züge auf. Hier wird ein Mann zunächst von seiner Freundin verlassen und zieht anschließend in deren Landwohnung. Dort schlüpft er - ohne es selbst zu merken - zuerst in deren Leben und dann ganz unmerklich und immer mehr in deren Körper. Am Ende zweifelt der Leser ernsthaft, was wahr ist und was nicht.

'J'adoube' - Ich berichtige. Ein Ausdruck aus der Welt des Schachs, und hierum dreht es sich in dieser Geschichte. Um eine Partie, die nicht real sein kann. Weil eine junge Frau online von ihrem vor einigen Monaten verstorbenen Freund zu einer Schachpartie herausgefordert wird. Einbildung? Oder was?

Frostig wird es in 'Der Erlkönigjäger'. Nahe dem Polarkreis testen viele Autokonzerne ihre streng geheimen Erlkönige - und ein Fotograf kommt ihnen seit Jahren immer wieder auf die Schliche. Doch plötzlich wird er in Eis und Schnee selbst zum Gejagten...

'Wo viel Licht ist' gleitet schließlich wieder sehr ins Surreale ab. Ein Softwarekünstler gerät in seinem Spiel um Licht und Schatten an die Grenzen der Realität. Sein Schatten stockt, bewegt sich nicht mehr kongruent zu ihm - und schließlich beginnt eine verstörende Verwandlung.

Nicht jede der außergewöhnlichen Geschichten konnte mich gleichermaßen begeistern, aber in allen zeigt sich das sprachliche und stilistische Feingefühl der Autorin. Die Erzählungen sind keine Gruselschocker, keine Horrorstorys - und doch verstören sie durch die dunkle Atmospähre und die Verzerrung der Realität.

Nach dieser Lektüre möchte ich jedenfalls noch weitere Bücher der Autorin lesen.


© Parden
















Christiane NeudeckerDer btb Verlag schreibt über die Autorin:

Christiane Neudecker, geb. 1974, studierte Theaterregie an der "Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch" und lebt als freie Schriftstellerin, Librettistin und Regisseurin in Berlin. 2005 erschien ihr begeistert aufgenommenes Erzähldebüt "In der Stille ein Klang", 2008 ihr erster Roman "Nirgendwo sonst", 2010 "Das siamesische Klavier - Unheimliche Geschichten". Sie wurde für ihr Schreiben mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Für den 2013 erschienenen Roman "Boxenstopp" erhielt sie das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds, die 2015 erschienene "Sommernovelle" war NDR Buch des Monats. Seit 2001 arbeitet sie mit dem Künstlernetzwerk phase7 zusammen. Die Deutsche Oper Berlin eröffnete 2013 mit Neudeckers Libretto zu "Himmelsmechanik - eine Entortung" ihre Spielzeit.

übernommen vom btb Verlag

Dienstag, 9. Mai 2017

Bredemeyer, Mark: Runenzeit... (3)

Mit einer gewissen Skepsis nahm ich im Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse 2016 aus den Händen von Dirk Salomo das Buch Runenzeit - Im Feuer der Chauken entgegen. Schon auf dem Weg zur Dresdner Buchmesse Schriftgut wusste ich, Band 2, also Runenzeit - Krieg um Germanien musste in das persönliche Bücherregal. Vor einigen Tagen erhielt ich nun von Katharina Salomo, Chefin von salomo publishing den Band drei zugesendet. Wir unterhielten uns auf der Vorstellung von Vom Hängen und Würgen über die Fortsetzung der Reihe von Mark Bredemeyer.





Hier ist nur eine kurze Inhaltsangabe möglich, denn alles was man über den dritten Band der Reihe erzählen würde, ist von vornherein reichlich "spoilerhaft" wie man so sagt.

Also, um was geht es: 
In Band 1 und 2 gelangen Leon und sein Onkel (?) Armin in das Land der Chauken. Zwei Menschen aus ferner Zukunft sollen das Schicksal der germanischen Stämme bestimmen, die immer mehr von den Römern des Kaisers Augustus bedrängt werden. Dies machen die Hagedisen, Hexen oder besser Zauberinnen, die verschiedene Stämme repräsentieren. Beide Menschen aus der Gegend um Bremen kommen unabhängig in die Zeit um den Beginn unserer Zeitrechnung. Zu Armin und Leon gesellt sich dann noch Julia, Leons ehemalige Freundin und der Kriminalkommissar Paulus, der im dritten Band erstmal keine Rolle spielt.

Inzwischen ist Leon mit Frilike verheiratet, sie haben einen Sohn. Armin hat mit Julia ebenfalls einen Sohn gezeugt, der aber von Werthliko, einem Freund Leons, bei den Chauken aufgezogen wird. Armin wurde inzwischen von den Cheruskern adoptiert und wird Offizier der Reitertruppen der 18. Legion. Spätestens jetzt muss es funken beim Leser, es sei denn, er ist so geschichtsunwissend wie Leon. Der kennt sich zwar bei den Flüssen in Deutschland gut aus, aber dass aus Armin inzwischen Arminius wird, erkennt er erst, als dieser ihm das sagt. Als beide im zweiten Band noch einmal durch die Zeit "nach Hause" reisten, schmökerte sich der ehemalige Oberstleutnant der Bundeswehr durch mehrere Meter Geschichtsbücher und stellt sich selber eine Aufgabe.

Auch Leon bekommt eine Aufgabe. Und am Ende wird von einer Ausgrabung in der Neuzeit berichtet, die eventuell die Geschichtsschreibung auf den Kopf stellt. Oder auf die Füße, wenn man dieser Fantasy-Geschichte Glauben schenken möchte.

Es ist eine durchaus eigene Geschichte, die zwar gerade nach dem Ende des dritten Bandes an Das Jesus - Video von Andreas Eschbach erinnert, aber vor allem dadurch besticht, dass sie Sitten und Gebräuche, sowie reale Geschichte spannend und ausführlich vor den Leserinnen und Lesern ausbreitet. Über den Umstand, dass da unlautere Mittel im "Spiel" des Armins / Arminius und des Witandis / Leon sind, kann nun berichtet werden, da das Titelbild des dritten Bandes "Bände" spricht.

Witandi (Leon) und der Blitzschleuderer Bliksmani (Armin) erweisen sich dann als Vater und Sohn, die Prophezeihung der Hagedisen scheint sich zu erfüllen. Die diese von Gegenspielern ausgehen, müüsen die beiden wohl unterschiedlich handeln und denken. Dem Armin ist hier eine unschöne Rolle zugedacht: Er sorgt sich zwar gelegentlich um seinen Sohn, bzw Söhne und um Julia, aber er beginnt letztlich rücksichtslos sich mit der historischen Rolle zu identifizieren. Dabei begeht er mehrfach Verrat und geht auch mal über Leichen.

Mit dem Epilog der Ausgrabung wollte Mark Bredemeyer die Geschichte eigentlich beenden, wurde aber von den Lesern "gezwungen", weiter zu schreiben. Die Geschichte sollte hier enden, als Witandi seinen Gürtel mit den zahlreichen Täschchen, Beuteln und dem Magazin anlegt, das Gepäck und das Gewehr schultert und das Dorf im Jahre 9 u.Z. verlässt um dem Ruf des Cheruskers zu folgen. Es ist nicht die einzige AK 47, die mit in den Teutoburger Wald genommen wird.


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Diese Fotos stammen aus dem dem Ribe Viking Center, aus Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks. Dieses Museumsdorf lässt den Besucher in Langhäuser blicken, in denen Frilike und Witandi gewohnt haben könnten - klar, in paar hundert Kilometer weiter südlich. Das Foto rechts zeigt eine Art Heiligtum, wie es ähnlich durch Mark Bredemeyer beschrieben wurde.

Geschichtsrezeption ist die Sache vieler Jugendlicher heute nicht. Obwohl die Möglichkeiten der Geschichtslehrer durch unzählige Medien, massenweise Dokumentationen, heute fast ins unendliche gehen, scheint das Interesse selbst an eigener Geschichte ziemlich erlahmt zu sein. Vielleicht haben daher solche "histo-fantastischen" Romane ihre neue Berechtigung. Es muss ja nicht gleich so was "Kompliziertes" wie Augustus sein. 


DNB / salomo publishing /  Edita 2012 / ISBN: 978-3943450064 / 561 Seiten

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