Samstag, 25. März 2017

Instagram & Co.

Ja was denn noch alles? Da sind doch schon so viele Möglichkeiten, meine Fotos zu veröffentlichen. Abgesehen davon, dass deren Veröffentlichung nur ab und zu Aufmerksamkeit erregt, geschweige denn Kommentare. Nun ja, ich tummle mich ja auch nicht ständig in den diversen Communities und so was beruht dann doch auch auf Gegenseitigkeit.





Mit was fing das an? Ach ja, fotocommunity.de, facebook - Profil, dann kam das Shootcamp (geiler Internet-Fotokurs), anschließend flickr.de, und dann, dann kam ein neues Handy.  Mit dem iPhone kam instagram. Eine Plattform, die ich nie wollte, sich aber als eine der besten für die Handyfotografie herausstellte. Erste Versuche unternahm ich mit diversen, leider eher rumstehenden Musikinstrumenten. Die nächsten hatten dann schon was mit dieser Bloggerei hier zu tun. Deutlich zu sehen, das kosten Zeit, Whisky und es braucht Sehschärfe.




Was Instagram ausmacht, das ist die vielseitige und einfach sehr schnelle Art und Weise der Fotobearbeitung. Kontraste, Schärfen und vor allem das Hervorheben, die Klarheit und einiges mehr lassen sehr schnell Fotos enstehen, die man auf Twitter und Facebook auch schnell weiter verteilen kann. Spaß macht es auch im Herbst und im Winter zu fotografieren. Hier war ich mal wieder im Hafen, wo die nächste Bildserie entstand.



Im sehr zu empfehlenden Fotokurs des Österreichers Christian Anderl bekommt der Fotounkundige, die meisten sind eigentlich so unkundig nicht, eine der ersten Aufgaben:

Er soll die teure Spiegelreflex aus der Hand legen, ausnahmsweise das Handy benutzen und auf die Suche nach Motiven gehen. Aufmerksamkeit ist gefragt.

Da sind schon schöne Sachen zu sehen gewesen in der Communiy, für die ich hier gern etwas Werbung betreiben möchte.

Das Schilfrohr im herbstlichen Wind und das letzte Grün sind solche Bilder finde ich.

Wer unseren Blog etwas aufmerksamer verfolgt, der weiß, dass Anne und ich ganz vernarrt in die Bücher von Tim Pieper sind. Das letzte Buch war Kalte Havel. In diesem geht es um Mord, aber hier geht es um Bilder. Teilweise aber spielte der Roman in den Belitzer Heilstätten. Und die sind es unbedingt wert, einmal besucht zu werden. Natürlich mit der Fotoknipse. Irgendwann muss ich die Bilder mal durch Photoshop laufen lassen, aber hier hab ich mal ein paar Beispiele, für die das Smartphone herhalten musste. Die Belitzer Heilstätten waren einmal ein super moderner, weltweit einzigartiger Krankenhauskomplex in der Nähe von Berlin.




Heute sind das meist Ruinen, deren Charme immer wieder Fototouristen anlockt, aber auch Cliquen, die es sich in den alten Gestanden gut gehen lassen. Mit geistigen Getränken und dem Rauch verbotener Substanzen ist deren Sorge, dass die Gebäude mal wieder einem Zweck zugeführt werden. Das spielt übrigens in dem genannten Roman eine Rolle.



Wenn man eine musisch - litterarische Ader hat, dann verknüpft man das gelegentlich miteinander. Zwei Klaviere sind hier rechts zu sehen. Das eine ist auch schon eine Ruine und ist in den Beelitzer Heilstätten ein beliebtes Motiv. Das andere, mit dem Efeu drum herum passt eher zu diesem Blog, denn dieses, noch "funktionierende" Klavier stand in der Messe Dresden während der Schriftgut. Von dieser kleinen und feinen Büchermesse war schon öfter die Rede hier auf Litterae- Artesque.

Etwas weniger musisch sind die folgenden Detailaufnahmen, die nicht auf den Anfang des 20. Jahrhunderts hinweisen, als die Heilstätten entstanden, sondern eher auf die Zeit, da das Areal von Soldaten wie dem in der Mitte etwas weiter oben bevölkert war.
















Irgendwann war auch im letzten Jahr Weihnachten. diese Zeit lädt auch immer ein, Fotoversuche zu machen. Solche wie die folgenden Bilder hier
.




Der hier bloggende Hobbyfotograf wohnt ja nun in der Mecklenburger Seenplatte, gelegentlich ist der Zierker See auch mal vereist. Ich habe ja schon ein paar Hafenbilder erwähnt, da rechte Bild ist allerdings der nicht vereiste Tegernsee. So eine verlassene Steganlage fotografiert man doch am besten in Schwarz - Weiß. Auch Sepia bietet sich gelegentlich an. Überhaupt ist das Verschieben der Farbregler ein interessanter Aspekt.





Zum Schluss. Nein, ein Technikfreak bin ich bestimmt nicht. Aber man kann auf diese Weise ja auch mal festhalten, was einen sonst so interessiert und der neue Kodiaq wäre schon ein Auto, welches man nicht nur ablichten muss. Man könnte dazu auch zu einem neuen Fototermin fahren.




Ein guter Freund hat unter dem linken Bild überzeugend erklärt, dies "wäre die erste Kamera, die ein Selfie von sich macht." Das war´s mal wieder von der Fotosparte.


© KaratekaDD





Freitag, 24. März 2017

Scheer, Regina: Machandel


Ein großer Familien- und Generationenroman über die DDR und wie sie unterging.

Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Debütroman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.


(Klappentext Knaus Verlag)


  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Albrecht Knaus Verlag (11. August 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3813506401
  • ISBN-13: 978-381350640








Ich danke dem Knaus Verlag ganz herzlich, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen!








MECKLENBURGISCHE MELANCHOLIE...



Als Clara 1985 ihren Bruder Jan vor seiner Ausreise aus der DDR nach Machandel begleitet, findet sie in dem mecklenburgischen Dorf eine verwunschene Sommerkate. Hierhin zieht sie sich mit ihrer jungen Familie vor den turbulenten politischen Entwicklungen in Ostberlin zurück. Zu Beginn ahnt sie nicht, wie sehr ihre persönliche Geschichte mit diesem Dorf verwoben ist. Schon ihr Vater, der Kommunist und von den Nazis verfolgte Hans Langer, fand hier in den letzten Kriegstagen Zuflucht, bevor er im neuen Staat Minister wurde. Doch nun kehrt sein Sohn diesem Staat den Rücken, und seine Tochter engagiert sich in Bürgerbewegungen.

Regina Scheer spannt in Manchandel den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt aus der Perspektive von Clara, ihrem Vater Hans, dem jungen Dissidenten Herbert, der ukrainischen Zwangsarbeiterin Natalja und der 1943 vor den Bomben von Hamburg nach Mecklenburg geflohenen Emma von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten. Sie erzählt von Erstarrung und Enttäuschung, von Lebenslügen und Sich-Einrichten, vom hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.


"Seit fünfundzwanzig Jahren gehört Machandel, dieses abgelegene Dorf auf dem Malchiner Lobus der Endmoräne, zu meinem Leben. Vorher war ich nie hier gewesen. Dabei sind meine Eltern sich hier begegnet, und mein Bruder Jan, das wusste ich immer, wurde im Schloss von Machandel geboren. Aber Jan ist vierzehn Jahre älter als ich, und bei meiner Geburt im Jahr 1960 wohnte meine Familie schon lange in Berlin. Unsere Großmutter, die in Machandel geblieben war, starb kurz danach, es gab keinen Grund mehr für einen von uns, in dieses Dorf zu fahren. Dachte ich." (S. 14)


Was für ein Roman! Regina Scheer gelingt hier ein großer Wurf, eine vielschichtige Erzählung mit zahlreichen Ebenen und Metaebenen. Nicht allein, dass hier wechselnd aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt wird, wodurch nicht etwa Verwirrung gestiftet, sondern deutlich wird, dass dasselbe Zeitgeschehen von verschiedenen Personen vollkommen unterschiedlich erlebt und bewertet werden kann. Darüber hinaus verwebt Scheer das Thema 'Machandel' auf vielfältige Weise mit der Erzählung - das fiktive Dorf in Mecklenburg hat seinen Namen von den Wacholderbäumen erhalten, die im niederdeutschen Machandelbäume genannt werden und rund um das Dorf anzutreffen sind. Clara befasst sich in ihrer Doktorarbeit außerdem mit dem Grimmschen Märchen 'Machandel' und mit dessen Deutungsmöglichkeiten, und der Autorin gelingt es, hier stets auch einen Bezug zwischen dem Märchenhaften und der Realität herzustellen. Den einzelnen Personen widmet sich Regina Scheer mit einer sorgfältigen Hingabe und schildert das Geschehen mit differenzierten Details, ohne jemals Gefahr zu laufen, sich zu verzetteln. Dafür allein meine Hochachtung.


"Ich spürte und wusste allmählich, dass an diesem Ort, in unserem eigenen Haus, etwas geschehen war, das nicht vergessen war, das sich jederzeit plötzlich zeigen konnte, als ein Schmerz in Nataljas Gesicht, als ein Verstummen im Gespräch der Frauen am Bus, in der Geste, mit der sie sich kaum merklich von Wilhelm abwandten. Dieses Ungesagte verwob sich für mich mit dem Märchen vom Machandelboom, es machte mich traurig. Dennoch fuhren wir so oft wie möglich nach Machandel, als würden wir nur an diesem Ort festhalten können, was uns allmählich verloren ging." (S. 190 f.)


Wie ging es mir nun mit der Lektüre? Ich habe das Lesen als unglaublich intensiv erlebt. Durch die geschilderte Vielschichtigkeit habe ich lange für den Roman gebraucht, da ich nach einigen Seiten stets das Gefühl hatte, 'satt' zu sein. Eine Fülle an Informationen, Emotionen, Nachdenkenswertem wollte verarbeitet werden, so dass ich das Buch immer wieder zur Seite legte. Abgesehen von meiner Faszination über die gelungene Komposition des Romans war die Lektüre auch überaus interessant. So viel Wissenswertes zum Zeitgeschehen in der DDR vom Zweiten Weltkrieg bis zur Wende und darüber hinaus habe ich erfahren - und gleichzeitig gemerkt, dass es dort nicht DEN Traum gab, sondern viele Träume, und dass die Anstrengungen auch der damaligen Opposition nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung zielten. Da waren Enttäuschungen vorprogrammiert. Die Melancholie zieht sich so auch durch die Erzählung.


"Immer wieder erfuhr ich, wie scheinbar Vergangenes in die Gegenwart führt, wie es immer um dasselbe geht - um Menschen und ihre Träume, um Macht und Ohnmacht. Und die Dinge sind selten so, wie sie scheinen." (S. 423)


Auch wenn die unterschiedlichen Perspektiven dazu beitragen, dass das Zeitgeschehen nicht eindimensional präsentiert wird, waren mir persönlich nicht alle gleich lieb. Aus Claras Sicht wird das Geschehen am häufigsten geschildert, und sie war es auch, der ich mich am nähesten gefühlt habe. Eher unangenehm waren mir teilweise die (zum Glück eher seltenen) Schilderungen aus der Perspektive von Claras Vater, weil hier oftmals eine Fülle von Informationen auch zu Sozialismus und Kommunismus stakkatoartig auf mich einprasselten, mit unzähligen, mir meist unbekannten Namen und oft nur angedeuteten Zusammenhängen, was ich als anstrengend empfand. Doch in der Summe ist dieser Roman ein faszinierendes Kaleidoskop deutscher Zeitgeschichte vom Krieg bis zur Wende und darüber hinaus...

Überaus beeindruckend!


© Parden












Der Knaus Verlag schreibt über die Autorin:

Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Von 1972–1976 arbeitete sie bei der Wochenzeitschrift „Forum“, deren Redaktion wegen „konterrevolutionärer Tendenzen“ aufgelöst wurde. Danach war sie freie Autorin von Reportagen, Essays und Liedtexten und Mitarbeiterin der Literaturzeitschrift „Temperamente“. Nach 1990 arbeitete sie an Ausstellungen, Filmen und Anthologien mit und veröffentlichte mehrere Bücher zu deutsch-jüdischer Geschichte. „Machandel“ ist ihr erster Roman, für den sie 2014 den Mara-Cassens-Preis erhielt.

übernommen vom Knaus Verlag

Dienstag, 21. März 2017

Lambert, Karine: Und jetzt lass uns tanzen (Hörbuch)


Die Wege von Marguerite und Marcel kreuzen sich bei einer Kur in den Pyrenäen. Sie ist nie aus dem Schatten ihres Mannes getreten und erkennt erst nach dessen Tod, dass sie ein Leben gelebt hat, das nicht ihres war. Er hat zusammen mit der Frau, die ihm alles bedeutete, auch seine Lebensfreude verloren. Obwohl Marguerite und Marcel einander so fremd sind, beschließen sie, sich zu vertrauen. Doch wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

(Klappentext Random House Audio)


  • 4 Audio CD (4 h 50)
  • Verlag: Random House Audio; Auflage: Ungekürzte Lesung (6. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Pauline Kurbasik
  • Lesung: Iris Berben
  • ISBN-10: 3837138283
  • ISBN-13: 978-3837138283
  • Originaltitel: Eh bien, dansons maintenant! (JC Lattès)










Ich danke dem Verlag Random House Audio ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses Hörbuch als Rezensionsexemplar hören zu dürfen!
Random House Audio









ALTER SCHÜTZT VOR LIEBE NICHT...




Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

Marguerite ist 78 Jahre alt, als der Mann, mit dem sie länger als ein halbes Jahrhundert verheiratet war, stirbt. Ein Leben in Abhängigkeiten hat sie bis dahin geführt, vom Elternhaus ist sie ins Eheleben geglitten, hat getan, was von ihr erwartet wurde. Ein kultiviertes Paar ohne Überraschungen waren Marguerite und der Notar Henri, seine Liebe zu ihr war 'würdevoll und tadellos'. Trotz der Lieblosigkeit der Verbindung entsprang ihr ein Sohn, und nun besteht der Höhepunkt der Woche darin, dass ihr einziger Enkel Marguerite besucht. Nach dem Tod ihres Mannes Henri ist Marguerite froh, dass ihr Sohn Frederic dessen Gewohnheiten kopiert und ihr vorgibt, wie sie sich zu verhalten hat.


"Ihr wird die Leere in ihrem Leben bewusst (...) Früher hatte sie ihre Schwester. Aber vor knapp 60 Jahren veränderte eine vereiste Straße den Lauf der Geschichte (...) Weder eine Freundin noch Liebe. Damit ging sie wenigstens nicht das Risiko ein, ein zweites Mal einen geliebten Menschen zu verlieren (...) Deshalb ließ sich ihr Leben in einem Wort zusammenfassen: 'hätte'."


Während einer ärztlich verordneten Thermalkur in den Bergen lernt Marguerite Marcel kennen. Mit seinen 73 Jahren ist er jünger als sie, doch ist er ebenfalls verwitwet. Sein ganzes Leben war er glücklich mit Nora, seiner Kindheitsliebe, nachdem ihre Familie ebenso wie die seine aus Algerien nach Frankreich geflüchtet war. Marcel ist nicht daran gestorben, dass er Nora überlebt hat, aber er ist wie versteinert. Nur dem Drängen seiner Tochter ist es zu verdanken, dass er sich ebenfalls in die Kur begeben hat.

Keiner der beiden hätte damit gerechnet, dass sie sich in ihrem Alter noch einmal einem anderen Menschen zuwenden. Doch Marguerite und Marcel berühren einander - in der Seele, im Geist und auch körperlich. Was als Abenteuer beginnt, lässt sie schließlich nicht mehr los, und so suchen sie auch nach der Kur den Kontakt zueinander. Vor allem Marguerites Sohn stößt das Verhalten seiner Mutter auf, und so sucht er diese Liaison zu beenden. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, Marguerite in ein Altersheim zu stecken, damit alles seine Ordnung hat. Doch lässt sich die Liebe wirklich unterdrücken?


"Öse für Öse öffnet er das unsichtbare Korsett, das sie all die Jahre getragen hat. Er atmet sie ein."


Die mir bis dahin unbekannt belgische Autorin Karine Lambert präsentiert hier eine berührende, lebensbejahende, behutsame Erzählung, die dem Alter der Hauptcharaktere entsprechend ein langsames Tempo anschlägt. Zu keiner Zeit gleitet das Geschehen ins Kitschige ab, und doch kennt der Roman kein Tabu. Liebe im Alter - welch tröstliche Vorstellung, dass es dafür nie zu spät ist. Das Leben genießen zu jeder Sekunde, das ist es, was Marguerite und Marcel bei allen vorhandenen Schwierigkeiten hier vorleben. Eine wahrhaft bezaubernde Geschichte, die von Iris Berben überaus passend gelesen wird.

Ein Hörbuch, das ich gerne auch noch einmal als Buch genießen möchte, weil es so viele Passagen gab, die ich mir gerne notiert hätte. Hier konnte ich in jede einzelne Zeile eintauchen.


© Parden


















Karine LambertRandom House Audio schreibt über die Autorin:

Karine Lambert ist Fotografin und Schriftstellerin. Nach vielen Reisen und Aufenthalten in verschiedenen Ländern lebt sie heute wieder in ihrer Geburtsstadt Brüssel. Für ihr erstes Buch, das in Frankreich zum Bestseller avancierte, erhielt sie 2014 den Prix Saga Café für das beste belgische Debüt. Mit ihrem zweiten Roman Und jetzt lass uns tanzen erscheint sie nun im Diana Verlag erstmals auf Deutsch. Das Buch wird in neun Sprachen übersetzt und in 21 Ländern veröffentlicht.

übernommen von Random House Audio



Iris BerbenRandom House Audio schreibt über die Sprecherin:

Iris Berben, geboren 1950 in Detmold, spielte in mehr als 300 Kino- und Fernsehfilmen und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen. Seit über zehn Jahren ermittelt sie im Fernsehen als "Rosa Roth", viel beachtet sind auch ihre Lesungen, u.a. aus den Tagebüchern von Anne Frank und Joseph Goebbels. 2003 wurde sie für ihr Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. Als Sprecherin hat Iris Berben u.a. "Und da kam Frau Kugelmann" von Minka Pradelski und Françoise Sagans "Bonjour Tristesse" für die BRIGITTE Hörbuch-Edition gelesen.

übernommen von Random House Audio

Sonntag, 19. März 2017

Averbeck, Sanne: Die Gästeliste


Die Welt ist ein Dorf und Facebook sein schwarzes Brett.

Carola Martins hat die Menschen und sozialen Netzwerke fest im Griff. Regelmäßig veranstaltet sie Partys, zu denen sie wichtige Persönlichkeiten einlädt, und erschleicht sich subtil Vorteile. Ihrer Karriere im Rampenlicht scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Doch gerade, als sie den bedeutendsten Erfolgen entgegensieht, werden Menschen aus ihrem Bekanntenkreis brutal ermordet. Alles deutet auf Carola als Täterin hin. Offenbar will jemand ihr Leben vollkommen zerstören. Um das zu verhindern, muss sie ihren kostbarsten Besitz aus der Hand geben: die Gästeliste!


(Klappentext LYX Verlag)

  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: LYX (16. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3736302401
  • ISBN-13: 978-3736302402











DIE KEHRSEITE DER SOCIAL MEDIA...



Es erfordert viel Disziplin und Fingerspitzengefühl, um sich in der Welt der Social Media ganz an die Spitze zu katapultieren. Carola Martins jedenfalls ist auf dem besten Weg dahin. Blog, Facebook & Co. haben ihr dazu verholfen, sich einen Namen zu machen, und so bekommt sie lukrative Aufträge von Firmen, schmeißt gefragte Partys und ist ein gern gesehener Gast bei wichtigen Events. Stets auf ein makelloses Auftreten bedacht, zeigt Carola immer nur die glatte Fassade und führt ein skandalfreies Leben - no Sex and Drugs and Rock'n'Roll, jedenfalls nichts, was irgendjemand mitbekommen könnte. Selbst aus ihrer Wohnung hat Carola alles Persönliche verbannt, Fotos, Tagebücher oder sonstige persönliche Aufzeichnungen sucht man hier vergebens.

Denn Carola weiß um die Macht des Wissens. Sie selbst sammelt jede verfügbare Information über die Menschen, mit denen sie es zu tun bekommt, und führt darüber akribisch Buch. 'Die Gästeliste', wie Carola die Informationssammlung auch nennt, steht im Ruf, auch brisantes Wissen zu bergen - und schon lange gibt es Neugierige, die nur zu gerne einmal einen Blick darauf werfen würden. Doch nicht einmal Carolas einzige Vertraute und Freundin aus Kindertagen, Bianca, weiß um diese Details. Dafür verfolgt diese bewundernd Carolas Geschick, sich zielbewusst in den Social Media zu bewegen - subtil gibt das It-Girl nicht nur vor, wer oder was gerade angesagt ist, sondern manipuliert auch geschickt die Meinungsbildung der Follower, so dass selbst Neider ihrem Nimbus nicht wirklich etwas anhaben können.


"Carola ist bewundernswert zielstrebig. Wenn Sie ihr etwas vorwerfen wollen, dann nur, dass sie verstanden hat, wie das Spiel läuft. Alle, die hier sind, netzwerken und versuchen, sich Vorteile zu verschaffen. Carola hat dieses System perfektioniert." (S. 181)


Doch in dieses empfindlich austarierte Gefüge bricht plötzlich eine Folge ungewöhnlicher Todesfälle. Alle scheinen mit Carola zu tun zu haben, und bald schon beginnt ihr Stern zu fallen. Immer weniger Menschen suchen ihre Nähe, die Aufträge von Firmen bleiben aus, und auch die Meinungsäußerungen im Netz lassen nach - niemand will mehr in den Fokus des immer grausamer agierenden Mörders geraten. Doch wer steckt hinter den Taten? Und was ist sein Motiv?

Hinter dem Pseudonym Sanne Averbeck steckt die Autorin Sonja Rüther, von der ich bereits einige Bücher gelesen habe. Und aus Erfahrung weiß ich, dass man sich bei ihren Werken stets auf Überraschungen gefasst machen muss. Geschickt lenkt die Autorin hier den Verdacht des Lesers auf bestimmte Akteure, und gerade, wenn man denkt, der Lösung nahe gekommen zu sein, stellt man fest, dass Sonja Rüther einen genau da haben wollte. Da hilft dann nur Grinsen oder Kopfschütteln - und eben Weiterlesen.


"In einer Welt, die Virtualität und Realität verschmelzen lässt, gelten andere Gesetze - strengere Gesetze (...) Wer heute ein König ist, kann schon morgen mit faulen Worthülsen beworfen werden. Und Sicherheit ist nur ein Mouseclick vom Untergang entfernt. (Lydia Raymond, Sozialwissenschaftlerin, Philosophie der virtuellen Macht)" (S. 5)


Aus wechselnder Perspektive von Carola und ihrer besten Freundin Bianca wird dieser Thriller erzählt, wodurch der Leser stets auf dem selben Wissensstand ist wie die beiden. Den Abschnitten vorangestellt ist oftmals ein Zitat der angeblichen Sozialwissenschaftlerin Lydia Raymond zu dem Bereich der virtuellen Welten (s.o.) - im Rahmen der Leserunde stellte sich heraus, dass diese Person der Fantasie von Sonja Rüther entsprungen ist, und dass es der Autorin ein großes Vergnügen bereitet hat, Statements zum Thema Social Media auf diese Art auszudrücken. Durch den wiederholten Einschub an Screenshots von Diskussionen auf Facebook gewinnt das geschilderte Geschehen zusätzlich an Authentizität. Insgesamt erscheint der Thriller durch die Verknüpfung dieser stilistischen Mittel ansprechend und geschickt konzipiert, was mir gut gefallen hat.

Die Mischung aus spannender Unterhaltung einerseits und kritischen Gedanken zum Umgang mit den Sozialen Medien andererseits finde ich sehr gelungen. Dass es hier für mich nicht zu fünf Sternen reichte, liegt an ein paar Kleinigkeiten - auch wenn dies eher 'Jammern' auf hohem Niveau ist. Fehlende Sympathieträger, einige Längen in der zweiten Hälfte des Buches und kaum Informationen zum Täterhintergrund sind Minuspunkte, die verschmerzbar sind, die aber durch den ständigen Wechsel hinsichtlich der Vermutung, wer denn nun der Täter ist, auch fast wieder wettgemacht werden.

Insgesamt einmal mehr eine spannende Lektüre aus der Feder Sonja Rüthers, die diesmal ein Pseudonym gewählt hat. Immer gerne mehr davon!


© Parden












Der LYX-Verlag schreibt über die Autorin:

Sanne Averbeck ist ein Pseudonym der deutschen Autorin Sonja Rüther. Seit vielen Jahren betreibt sie erfolgreich den Verlag Briefgestöber. Neben phantastischer Literatur schreibt sie am liebsten Thriller. Ihre Romane zeichnen sich vor allem durch die besondere Originalität von Setting und Handlung aus. Sonja Rüther lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Hamburg.

übernommen vom LYX-Verlag

Samstag, 18. März 2017

Heidenreich, Elke: Katzenmusik und Katerstimmung



»Was der Teufel für die Geige, das scheint die Hauskatze für das Klavier zu sein«, schreibt Bruno Aulich in »Mondscheinsonate und Katzenfuge«. Elke Heidenreich weiß, wovon er spricht: Ihr Kater Nero lief mit Vorliebe nachts über die Tasten und weckte alle mit modernster Musik. Auch in Frühlingsnächten ertönt Katzenmusik, wenn es bei den Katern um die Liebe und die Revierverteidigung geht. Kurzum: Das Feld der Katzenmusik ist ein weites. Ob schräge Katzenmusik, Katerstimmung oder andere tierisch-musikalische Zustände, das alles vereint diese Sammlung kecker, lustiger, ausgefallener und melancholischer Geschichten.

(Klappentext Verlagsgruppe Random House)

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (14. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Illustrationen: Rudi Hurzlmeier
  • ISBN-10: 3442746809
  • ISBN-13: 978-3442746804














KATZEN UND MUSIK...




Im Vorwort zu ihrer Anthologie erläutert Elke Heidenreich:

"Schreibt mir etwas", habe ich die Autoren gebeten, "über Katzenmusik, über Katzenjammer, ihr wisst schon...!" - Sie wussten nicht so recht, aber sie ahnten, und ich wusste auch nicht so recht, aber ich wollte solche Geschichten sammeln. Jeder kennt doch die schrillen Töne der Katzen, des Lebens, der Liebe und das scheußliche Gefühl, das schrille Töne in der Regel begleitet, und so kam Unterschiedlichstes zusammen: Von der Katze , die in der Oper mitsingt, bis zum Lebenskatzenjammer schlechthin ist alles dabei. Hat das alles noch mit Musik zu tun? O ja, mit der Musik unseres Lebens, in der es in Dur und Moll dahingeht, mal rauf, mal runter mit der Lebensmelodie, und mal klingt alles fröhlich, mal melancholsich und mal schrill und zerrissen. Katzenmusik eben.

Die andere Seite der Musik wird hier beleuchtet - das Schrille, das Grässliche, das, was einem auf die Nerven geht. Viele Autoren präsentieren hier kleine und kleinste Geschichten zum Thema, was im Leben aus dem Ruder läuft, was uns eben Katzenjammer beschert - eine Menge skurriler, lustiger und auch ernster Beiträge von einer Vielzahl von Autoren. Modeschöpfer Wolfgang Joop ist hier ebenso vertreten wie Bernd Schröder, Eva Demski, Harry Rowohlt, Jan Weiler u.v.m. Elke Heidenreich hat natürlich selbst auch eine Geschichte zu dieser Anthologie beigetragen - eine beinah wahre. Der Maler und Cartoonist Rudi Hurzlmeier hat die Geschichten noch mit seinen einzigartigen Bildern bereichert.

Was soll ich sagen? Manche der Geschichten haben mir gut gefallen, andere konnten mich leider gar nicht ansprechen - das Problem vieler Anthologien. Da ist eben für jeden Geschmack etwas dabei, und dass alles begeistert, kann man wohl nicht erwarten. Ein Buch v.a. für Katzenliebhaber. Keine Lektüre, die hintereinander weg gelesen werden sollte, sondern hier mal eine kleine Geschichte, dort vielleicht mal zwei. Häppchen für Häppchen eben, sonst wird es rasch zu viel. In jedem Fall ist es erstaunlich, wie unterschiedlich die einzelnen Beiträge sind.

Vielleicht auch eine schöne Geschenkidee...


© Parden












Die Verlagsgruppe Random House schreibt über die Herausgerberin:

Elke Heidenreich lebt in Köln. Sie hat jahrelang für Radio und Fernsehen gearbeitet, als Drehbuch- und Hörspielautorin, Talkmasterin, Literaturexpertin, früher auch als Kabarettistin. Ihre Arbeit gilt der Literatur und der Musik: an der Kölner Kinderoper wirkte sie zwölf Jahre lang mit. Beide Leidenschaften vereinigt sie seit 2008 in ihrer Rolle als Herausgeberin der Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann.

übernommen von der Verlagsgruppe Random House


Hier geht es zum Interview: Heidenreich interviewt Heidenreich... ☺

Dienstag, 14. März 2017

Roth, Veronica: Rat der Neun - Gezeichnet (Hörbuch)


In einer Galaxie, in der Gewalt und Rache das Leben der Völker beherrschen, besitzt jeder Mensch eine besondere Gabe, eine einzigartige Kraft, die seine Zukunft mitgestaltet. Doch nicht jeder profitiert von seiner Gabe …

Cyra ist die Schwester des brutalen Tyrannen Ryzek. Ihre Gabe bedeutet Schmerz, aber auch Macht – was ihr Bruder gezielt gegen seine Feinde einsetzt. Doch Cyra ist mehr als bloß eine Waffe in Ryzeks Händen: Sie ist stark und viel klüger, als er denkt.

Akos stammt aus einem friedliebenden Volk und steht absolut loyal zu seiner Familie. Als Akos und sein Bruder von Ryzek gefangen genommen werden, trifft er auf Cyra. Er würde alles dafür tun, seinen Bruder zu retten und mit ihm zu fliehen, doch mächtige Feinde stehen ihm im Weg. Akos und Cyra müssen sich entscheiden: sich gegenseitig zu helfen oder zu zerstören …

Gelesen von Laura Maire und Shenja Lacher.


(Klappentext der Hörverlag)

  • 2 MP3 CDs - Laufzeit 16 h 4 min.
  • Verlag: der Hörverlag; Auflage: Ungekürzte Lesung (17. Januar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung:  Petra Koob-Pawi und Michaela Link
  • Sprecher: Laura Maire und Shenja Lacher
  • ISBN-10: 3844524975
  • ISBN-13: 978-3844524970
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren













FANTASY IN GALAXY...



Der Eisplanet Thuvhe ist einer der neun Planeten in einer fernen Galaxie. Er wird von zwei Völkern bewohnt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: den friedliebenden Thuvhesi und den stets gewaltbereiten Shotet. Alle Planeten unterstehen dem Rat der Neun, und das Schicksal der Planeten wird gelenkt von den drei Orakeln, die von allen Völkern verehrt werden. Eines der Orakel ist die Mutter von Akos Kereseth und seinen Geschwistern. Es sind die letzten friedlichen Tage der Kereseth, mit denen Veronica Roth die Erzählung beginnt. Doch nur zu bald brechen Ereignisse über sie herein, die die Familie zerstören: Shotet stürmen das Haus der Kereseth, töten den Vater und entführen die beiden Brüder. Über die Federgras-Steppe werden sie verschleppt bis in das Reich der Shotet.

Ryzek ist der Herrscher der Shotet, in dessen Auftrag Akos und sein Bruder entführt wurden. Sein eigenes Schicksal ist es, das dem Herrscher keine Ruhe lässt - mit Hilfe der Brüder Kereseth erhofft er sich eine Wendung zum Guten. Eijeh soll ihm als zukünftiges Orakel helfen, mögliche Versionen seiner Zukunft zu sehen, und Akos soll mit seiner Lebensgabe Cyra, der Schwester von Ryzek, helfen. Cyra leidet unter ständigen Schmerzen, kann diese aber auch umlenken und auf jemand anderen übertagen, weshalb Ryzek sie als Geißel seiner Herrschaft nutzt und als tödliches Folterwerkzeug einsetzt. Durch Akos Berührung lassen Cyras Schmerzen nach, so dass das Leben für sie wieder erträglicher wird und sie für Ryzek von Nutzen bleibt.

Akos und Cyra verbringen fortan den größten Teil ihrer Zeit miteinander und lernen sich allmählich kennen - und mit ihnen auch der Hörer, der durch die wechselnden Perspektiven von Cyra und Akos auch in die Gedankenwelt beider Charaktere Einblick erhält. Die zarte Liebesgeschichte, die sich hier anbahnt, dominiert dabei zu keinem Zeitpunkt das Geschehen, was ich als angenehm und maßvoll empfand. Akos bemüht sich neben dem reinen Überleben in erster Linie darum, aus der Gefangenschaft zu entkommen - aber nur gemeinsam mit seinem Bruder. Doch zunehmend wächst bei ihm die Erkenntnis, dass er dies alleine nicht schaffen kann - Cyra ist seine einzige Chance, diesen Plan auch tatsächlich umzusetzen. Doch wird sie ihm wirklich helfen?

Was einige Teilnehmer der Hörrunde als störend empfanden, fand ich im Gegenteil überzeugend: Veronica Roth lässt sich zu Beginn der Erzählung viel Zeit, um die fremden Welten, Völker, Gegebenheiten und Charaktere vorzustellen. So war es mir möglich, trotz der Vielzahl an fremden Namen und Dingen allmählich wirklich in Thuvhe und Shotet anzukommen und mir ein Bild der fernen Galaxie zu machen. In der zweiten Hälfte dann zog die Spannung zunehmend an, und auch wenn mir mancher Abschnitt gelegentlich etwas sprunghaft erschien, konnte mich die Handlung in den Bann ziehen. Empfindlich sollte man als Hörer dabei allerdings nicht sein, denn hier herrschen Gewalt, Schmerz, Blut und Tod vor.

Die Zeichnung der Charaktere ist für mich plastisch und mehrdimensional und durch die Ausgewogenheit an Stärken und Schwächen auch authentisch und glaubhaft. Der Wechsel der Perspektiven in der Erzählung bringt beide Hauptcharaktere gleichermaßen nahe, auch wenn Cyra (gelesen von Laura Maire) in der Ich-Perspektive präsentiert wird, Akos dagegen (gelesen von Shenja Lacher) etwas distanzierter in der personalen Erzählperspektive. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, die Lesung der jeweiligen Erzählperspektive entsprechend angemessen.

Auch wenn die Präsentation der fremden Galaxie den Scienc-Fiction-Gedanken nahelegt, liegt für mich der Schwerpunkt der Geschichte in erster Linie im Bereich der Fantasy. In meinen Augen ist dies der gelungene Auftakt einer vielschichtigen Dilogie, die durch eine ausgewogene Mischung von Spannung und Gefühl punkten kann. Auf die Fortsetzung bin ich jedenfalls gespannt!


© Parden 
















Der Hörverlag schreibt über die Autorin:

Veronica Roth lebt in Chicago und studierte an der dortigen Northwestern University Creative Writing. Im Alter von nur 20 Jahren schrieb sie während ihres Studiums den Roman, der später "Die Bestimmung" wurde und den Auftakt zu ihrer internationalen Bestseller-Trilogie bildet. Nun hat ihr Buchhit auch die Leinwand erobert. In der Verfilmung der preisgekrönten Romane begeistern die Stars Shailene Woodley als die tapfere junge Heldin Tris und Theo James als deren große Liebe Four.

übernommen von der Hörverlag

Samstag, 11. März 2017

Nebel im August (Film)

Ein Junge, ungefähr fünfzehn Jahre, sitzt im Haus seiner Eltern und erklärt diesen, dass er gehen muss. Es läutet an der Tür. Vor dem Hause stehen Krankenpfleger und nehmen den Jungen mit zu einem Krankenauto. Er schaut zurück, die Eltern stehen entsetzt und stumm und blicken ihm nach.

Der Junge ist der Sohn eines SS-Obergruppenführers und unheilbar krank. Der Vater hat den Arzt des Jungen getötet, denn der wollte den Reichsgesetzen "Geltung verleihen" und den Vater anzeigen. Der Junge findet später ein Buch, in dem seine Krankheitssymptome beschrieben sind. Erzogen im nationalsozialistischen Geist und als überzeugter Angehöriger der HJ hält er sich nun für "unwert" und beschließt, dem durch die Selbstanzeige Rechnung zu tragen.

Dies sind Szenen aus der Fernsehserie THE MAN IN THE HIGH CASTLE, die unter Amzon zu finden ist, frei nach dem Buch DAS ORAKEL VOM BERGE des amerikanischen Sience Fiction Autoren Philip K. Dick.


Diese Szene fiel mir ein, als ich den Artikel Sargau ist Irsee in der Wochenzeitung DER FREITAG las.


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Keine Alternativwelt, sondern bittere Realität, basierend auf einer wahren Geschichte, ist der Film NEBEL IM AUGUST. (wiki) Aufmerksam wurde ich auf diesen Film durch einen Artikel heute in der Wochenzeitung DER FREITAG. Kai Wessels Film erzählt erstmals vom "Euthanasie"-Programm im Nationalsozialismus. Es ist die Geschichte eines dreizehnjährigen Jungen.

Das Bild im Artikel zeigt einen Krankensaal mit Kindern. Ein Bild wie es viele in der Welt gab und gibt. Die Einrichtung stammt aus früheren Jahrzehnten, erkennbar wohl auch an der Kleidung der auf dem Bett sitzenden Krankenschwester. Es ist die katholische Schwester Sophia (Fritzi Haberland). Auf der anderen Seite des Bettes sitzt Dr. Walter Veithausen, (Sebastian Koch) der dem kleinen Jungen gerade ein Jojo schenkt. Er wird wenig später eine Weisung an eine andere Krankenschwester geben.


Der Freitag, Nr 10. 09. März 2917


Die Szene könnte sich genauso abgespielt haben in der "Heil- und Pflegeanstalt" Kaufbeuren - Irsee. In der wurde Ernst Lossa nämlich ermordet. Ernst Lossa ist der Junge auf dem Cover des Buches. Er hat wirklich gelebt und seine Geschichte hat Robert Doemes im gleichnamigen Buch erzählt, der Film beruht auf diesem Jugendbuch.

Ernsts Vater gehört zu den Jenischen, den Fahrenden. Er hat also keinen festen Wohnsitz. Der Junge kommt mit seinen Schwestern in ein Kinderheim und später selber nach Sargau (Filmort) - also nach Kaufbeuren - Irrsee. Er gilt als schwererziehbar.

In Sargau regiert Dr. Veithausen (orig. Dr. Faltlhauser). Eines Tages erhält er den Befehl, "lebensunwerte" Bewohner der Heil- und Pflegeanstalt nicht mehr an eine von mehreren Tötungsanstalten der T4 - Aktion zu schicken, sondern dies gleich in der Anstalt zu erledigen. Dazu stellt er die Kinderkrankenschwester Edith (orig. Pauline Kneissler) ein. Barbiturate in Himbeersaft ist das "kinderfreundliche" Rezept des Todesengels, sie würden dann das Gift nicht mehr so oft ausspucken. Die katholische Schwester Sophia versucht bei ihrem Bischof zu protestieren, der aber lässt sie an diesem Platz als Beistand für die Opfer des Verbrechens, das sich nicht verhindern lässt. Sophie versucht einige der Morde zu verhindern und versteckt gemeinsam mit Ernst, der ebenfalls versteht was da passiert, ein kleines Mädchen. Sophia kommt bei einem Bombenangriff um. Ernst klagt bei der Beerdigung den Anstaltsleiter an, ein Mörder zu sein. So kommt der gesunde Junge auf die Todesliste...


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wikipedia ***
Ernst Lossa ist keine fiktive Figur, die Akte Lossa zog Michael von Cranach, der später Leiter des Bezirkskrankenhause Kaufbeuren, aus den Beständen im Anstaltskeller. (Seltsam, dass die die ganze Zeit dort lagerten). Der Arzt wurde für seine Verdienste um Aufklärung der Euthanasie-Verbrechen ausgezeichnet.

Manches, was sich in dieser "Heil- und Pflegeanstalt" abspielte, wird im Film erzählt. Im Rahmen der T4 - Aktion (benannt nach dem Sitz des Amtes in der Tiergartenstraße 4 in Berlin) erfand Veithausen / Faltlhauser eine Suppe ohne Nährstoffe (Entzugskost). Durch vollständiges Auskochen von Gemüse wurde das erreicht. Die damit "versorgten" Patienten verhungerten förmlich beim Essen.

Im Film selber wird zwar die Verabreichung des Himbeersaftes gezeigt, wie Ernst die Todesspritze erhält aber nicht. Tatsächliche Grausamkeiten werden dem Zuschauer nicht vorgeführt. Im Gegenteil, der Anstaltsleiter kommt einem gar nicht unbedingt wie der fanatische Nazi vor. Um so stärker die Szenen, in denen der Füllfederhalter Namen auf Listen ausstreicht. Mit was für einem Menschen wir es zu tun haben, zeigt dann vor allem die Szene, in der Veithausen die "Suppe" in einer Besprechung zur T4-Aktion den Teilnehmern verabreicht und ihnen beim Essen erklärt, dass sie gerade eben "nichts essen".

Die im genannten Artikel angeführte Kritik, wonach der Junge als Held und die Schwester Sophia "zu positiv" dargestellt wurden wären, ist meines Erachtens nicht haltbar. Auch nicht der Gedanke, dass "das Verbrechen der "Euthanasie" offensichtlich noch monströser [wird], wenn es einen nichtbehinderten Charakter trifft." Dies sei "vielleicht der Preis, den man zahlen muss, damit der film die nichtbetroffenen Zuschauer erreicht." Ich finde, dass genau diese nicht zutrifft. Der Mord an Ernst Lossa zeigt eher, dass der überzeugte Nationalsozialist Veithausen / Faltlhauser "neben" der Ideologie auch vor einem weiteren Mord nicht zurückschreckt, da der Junge ja nicht schweigt und die "Arbeit" in Gefahr gerät. Und sei es nur der "geordneten Abläufe" wegen.

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Im Jahr 1954 wird der Psychiater Faltlhauser durch den bayerischen Justizminister begnadigt - nach drei Jahren Haft. Und auch obwohl das Töten in der Anstalt noch Monate nach der Kapitulation weiter ging. Pauline Kneissler, das Vorbild für die Edith im Film, wird nach Verbüßung von einem Viertel der Strafe freigelassen und arbeitete weiter als Kinderkrankenschwester. Ihr Name wurde erst durch das Buch über Ernst Lossa wieder bekannt.

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Bild Mitte siehe wikipedia **


Dieser Post gilt dem Film Nebel im August, doch steht das Jugendbuch gleichberechtigt neben Hanas Koffer und ist ein Zeugnis gegen das Vergessen.



© KaratekaDD


* Die Zitate sind  dem abgebildeten Artikel entnommen. 
   Rebecca Maskos in DER FREITAG / Nr 10 / 09.03.2017 / Seite 18, 

** Angela Huster: Irsee, Euthanasie-Denkmal im sog. Euthanasie-Friedhof in Kloster-Nähe / gemeinfrei /  File:Irsee       
      Euthanasie-Friedhof (2).JPG Erstellt: 20. Mai 2012

***   Archiv BKH Kaufbeuren - Krankenakte von Ernst Lossa / CC BY 3.0 / File:Ernst Lossa, Foto aus der 
          Krankenakte.jpg / Erstellt: 4. September 2011