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Donnerstag, 23. Juli 2020

Goldammer, Frank: Zwei fremde Leben

Dreißig Jahre ist es nun her, dass Deutschland wieder zueinander gefügt wurde. Zumeist zum Guten für seine Bürgerinnen und Bürger, von den allermeisten zur Kenntnis genommen, von vielen erfreut begrüßt, von manchen gefürchtet: Niemandem sollte es schlechter gehen, „blühende Landschaften“ verhieß der Bundeskanzler und ja, schauen wir uns doch einmal um, das lässt sich bestätigen. Für jeden?

Frank Goldammer bewegt sich seit einigen Jahren in die Geschichte des Landes(teils), in dem er geboren wurde, er hat den Buchhelden seiner Heimatstadt gefunden in Max Heller, dem Kriminalisten der ersten fünfzehn Jahre der DDR. Fünf Bücher sind es bereits und bald erscheint der sechste Roman.

In der Mitte dieses Jahres verlässt Goldammer erst einmal die fünfziger Jahre, um sich einem ernsten Thema zu widmen, welches in einem Roman zu kleiden nicht das Einfachste ist. Ein Thema, das im dreißigsten Jahr des Mauerfalls schon passt.

Samstag, 15. Februar 2020

Blume, Jutta: Die Aktivistin

Warum es ein wenig gedauert hat, bis die Rezension zu diesem Buch erscheinen konnte, lest ihr in der folgenden Buchbesprechung. 

Die Geschichte
Da fährt ein Deutscher nach Honduras. Ulrich war eine Zeit lang als Entwicklungshelfer in dem mittelamerikanischen Land und jetzt will er Yessica Lopez besuchen, eine Angehörige der Garifuna. Doch diese ist verschwunden. Lopez gehört zu einer Organisation, die für die Rechte dieser Volksgruppe kämpft. Das Gebiet Triunfo da la Cruz soll einer sogenannten Modellstadt einverleibt werden, die in „bester“ südamerikanischer Tradition entstehen soll – also mit maximaler Korruption, einhergehend mit besonderer Rücksichtslosigkeit gegenüber einheimischen oder indigenen Volksgruppen und mit US-amerikanischer „Beteiligung“. 

Freitag, 14. Februar 2020

Die Neue Chronik 2019

Das neue Jahr hat begonnen. Pünktlich kommt alljährlich ein Paket ins Haus geflogen. Es ist relativ schwer. Ein in Leder gebundenes buntes Kaleidoskop, hier habe ich den Band des Jahres 2015 schon einmal vorgestellt. 


Nun schreiben wir das Jahr 2020. Fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise werden ich dann den 2015er noch einmal ziehen und nachlesen. STUNDEN DER ENTSCHEIDUNG heißt ein Doku-Drama des ZDF über die Entscheidung der Bundeskanzlerin zur Öffnung der Grenzen für den Flüchtlingssturm, den ein gewisser Orban loswerden wollte. 




Sonntag, 13. Mai 2018

Groeper, Kerstin: Der scharlachrote Pfad

Regelmäßig führt der Gang durch die Stände der Buchmesse in Leipzig zum Traumfängerverlag. Das liegt selbstverständlich an meiner Indianer-Affinität, aber, und das ist zunehmend wichtig, ebenso an der sympathischen Kerstin Groeper, die im Jahr 2014 den Roman Der scharlachrote Pfad veröffentlichte.

Wieder einmal sind es die Plainsindianer, deren Geschichte Pate stand für einen Roman, der besonders das Schicksal verschiedener Frauen in den Fokus rückt. Erzählt wird die Geschichte der Crowfrau (Absorakee) Wah-bo-sehns, die von dem Lakotakrieger Tschetan-withko auf einem Kriegszug samt ihrer Tochter Graueulenmädchen geraubt wird.


Dienstag, 3. Oktober 2017

Whitehead, Colson: Underground Railroad


Colson Whiteheads Bestseller über eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte Amerikas – ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2017 

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.

(Klappentext Hanser Literaturverlage)

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 4 (21. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Nikolaus Stingl
  • ISBN-10: 3446256555
  • ISBN-13: 978-3446256552
  • Originaltitel: The Underground Railroad













EINE DÜSTERE MISCHUNG AUS FAKTEN UND FIKTION...



Ihr ganzes noch junges Leben hat Cora auf der Plantage der Randalls in Georgia verbracht. Als deren Sklavin. Jeden Tag der Willkür von Schlägen, Auspeitschungen und Vergewaltigungen ausgesetzt. Doch angespornt von Caesar, einem jungen Mann, der seit kurzem auch auf der Baumwollplantage der Randells arbeitet, wagt Cora eines Nachts die Flucht. Erst durch Sumpf und Wälder, verfolgt durch Farmarbeiter und Kopfgeldjäger, doch dann endlich die Rettung. Cora und Caesar erreichen eine geheime Station der Underground Railroad, einer geheimen Organisation, einem Fluchtnetzwerk für Sklaven.


"Die Treppe führte auf einen kleinen Bahnsteig. Zu beiden Seiten öffneten sich die schwarzen Mündungen des riesigen Tunnels. Er musste an die sieben Meter hoch sein, die Wände waren in wechselndem Muster mit dunklen und hellen Steinen verkleidet (...) Zwei Stahlschienen, mit Holzschwellen am Boden fixiert, liefen durch den sichtbaren Teil des Tunnels. Vermutlich verlief der Stahl von Süden nach Norden, ging von irgendeinem unvorstellbaren Ursprung aus und schoss irgendeiner wundersamen Endstation entgegen." (S. 82 f.)


Im Gegensatz zu der historisch verbrieften Underground Railroad, die zwischen 1780 und 1862 rund 100.000 Sklaven zur Flucht aus dem Süden der USA in den rettenden Norden verholfen hat, hat sich Colson Whitehead hier für eine reale unterirdische Eisenbahn entschieden, die streng geheimen Stationen durch meilenlange Tunnel miteinander verbunden. Cora steigt auf ihrer Flucht also in einen unterirdischen Zug und fährt gemeinsam mit Caesar nach Norden. Doch der Schrecken findet kein Ende. Cora dicht auf den Fersen ist der skrupellose Sklavenjäger Ridgeway mit seinen Gehilfen - einer von ihnen trägt eine Halskette aus menschlichen Ohren.

Unterstützung und Verrat - dies ist es, was Cora auf ihrem langen Weg aus der Sklaverei immer wieder erfährt. Cora reist mit der Underground Railroad durch das ganze Land - durch ein zerrissenes Land kurz vor dem Bürgerkrieg, in dem die Frage, wie man mit Sklaven umzugehen hat, ganz unterschiedlich behandelt wird. An jeder Station der Underground Railroad trifft sie auf andere Formen des Zusammenlebens von Schwarz und Weiß, und jede davon birgt Gefahren, denn der Rassismus lebt. In South Carolina beispielsweise können Schwarze auf den ersten Blick als freie Bürger leben, werden von den Weißen jedoch für grausame medizinische Experimente benutzt. In North Carolina dagegen haben die Regierenden beschlossen, aus Angst vor der zahlenmäßigen Übermacht der ehemaligen Sklaven konsequent alle Schwarzen zu töten. In Indiana findet Cora zeitweise Frieden und Freundschaft, doch auch dies stellt sich letztlich als Trugschluss heraus...


"Wenn die Nigger frei sein sollten, dann lägen sie nicht in Ketten. Wenn der rote Mann sein Land behalten sollte, dann besäße er es immer noch. Wenn es dem weißen Mann nicht bestimmt wäre, diese neue Welt in Besitz zu nehmen, dann würde sie ihm jetzt nicht gehören (...) Dein Eigentum, ob Sklave oder Kontinent. Der amerikanische Imperativ." (S. 97)

Colson Whitehead schafft hier eine interessante Mischung aus historischen Fakten und Fiktion, die seinem Roman eine unwiderstehliche Bildhaftigkeit verschafft. Und doch ist es kein historischer Roman, auch kein Fantasy-Buch, sondern tatsächlich ein Stück zeitgenössicher Literatur. Ein Roman, der aufzeigt, dass das Trauma der Sklaverei in den USA auch 150 Jahre nach ihrer Abschaffung noch nachwirkt, dass Rassismus - ob offen oder verborgen - noch an der Tagesordnung ist. Whitehead präsentiert mit seinem u.a. mit dem Pulitzer Preis 2017 prämierten Roman eine düstere Allegorie auf das Leben der Schwarzen in den Vereinigten Staaten - auf ihre Unterdrückung, Verfolgung und Ausgrenzung, die bis heute den Alltag prägen.

Nahezu nüchtern ist der von Whitehead gewählte Schreibstil, so dass das Entsetzen, das Mitfühlen, das Bedauern beim Lesen nicht unmittelbar eintritt, auch wenn sich kurzzeitige Schreckmomente häufen, wenn einem unvorbereitet unfassbare Grausamkeiten in einem lapidaren Nebensatz entgegenschlagen. Dass sich im Laufe der Lektüre dennoch eine zunehmende Düsternis einschleicht, liegt nur z.T. an der ungeschönten Schilderung der zahlreichen Gewalttaten und Todesopfer. Während man zu Beginn darauf hofft, dass Cora ihrem Dasein als entrechtete Sklavin entrinnt, stellt sich bald eine wachsende Ernüchterung ein.


"...der amerikanische Geist (...) damit wir erobern, aufbauen und zivilisieren. Und zerstören, was zerstört werden muss. Um die unbedeutenderen Rassen emporzuheben. Und wenn nicht emporzuheben, dann zu unterwerfen. Und wenn nicht zu unterwerfen, dann auszurotten. Unsere Bestimmung kraft göttlicher Vorschrift - der amerikanische Imperativ." (S. 255)



Nicht nur das Bewusstsein für den immer noch alltäglichen Rassismus in den USA erwächst beim Lesen, sondern es werden auch Parallelen zum Leben in Deutschland / Europa deutlich und eigentlich zum menschlichen Handeln weltweit. Unterdrückung, Vertreibung, Eroberung, Ausbeutung, Ghettoisierung, Sklaventum - das sind doch keine Phänomene der Vergangenheit und auch nichts, was sich auf ein einzelnes Land beschränken lässt. Natürlich steht das strahlende Amerika auf einem Fundament von Blut und Schuld, unbestritten. Aber können wir tatsächlich mit dem Finger auf 'die da' zeigen? Ich denke, nicht so ohne weiteres. Wenn dieses Buch dem Leser eines austreibt, dann ist es die Selbstgefälligkeit. Und das macht diesen Roman zu einem unbequemen.

Colson Whitehead präsentiert hier einen Roman, der mich in mehrfacher Hinsicht überraschte, der mich trotz einiger Längen überzeugen konnte und der mich vor allem nachdenklich gemacht hat. Hier steckt sehr viel mehr drin, als auf den ersten Blick zu vermuten war. Insofern gibt es von mir eine klare Leseempfehlung!


© Parden














Die Hanser Literaturverlage schreiben über den Autor:

Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion’s Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur „Genius“ Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014) und Underground Railroad (Roman, 2017). Der Autor lebt in Brooklyn.

übernommen von den Hanser Literaturverlagen

Samstag, 11. März 2017

Nebel im August (Film)

Ein Junge, ungefähr fünfzehn Jahre, sitzt im Haus seiner Eltern und erklärt diesen, dass er gehen muss. Es läutet an der Tür. Vor dem Hause stehen Krankenpfleger und nehmen den Jungen mit zu einem Krankenauto. Er schaut zurück, die Eltern stehen entsetzt und stumm und blicken ihm nach.


Der Junge ist der Sohn eines SS-Obergruppenführers und unheilbar krank. Der Vater hat den Arzt des Jungen getötet, denn der wollte den Reichsgesetzen "Geltung verleihen" und den Vater anzeigen. Der Junge findet später ein Buch, in dem seine Krankheitssymptome beschrieben sind. Erzogen im nationalsozialistischen Geist und als überzeugter Angehöriger der HJ hält er sich nun für "unwert" und beschließt, dem durch die Selbstanzeige Rechnung zu tragen.


Dies sind Szenen aus der Fernsehserie THE MAN IN THE HIGH CASTLE, die unter Amzon zu finden ist, frei nach dem Buch DAS ORAKEL VOM BERGE des amerikanischen Sience Fiction Autoren Philip K. Dick.


Diese Szene fiel mir ein, als ich den Artikel Sargau ist Irsee in der Wochenzeitung DER FREITAG las.

Samstag, 23. April 2016

Grenz, W., Lehmann, J., Keßler, S.: Schiffbruch - Das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik


Spätestens seit den Unglücken vor Lampedusa im Herbst 2013, bei denen über sechshundert Flüchtlinge starben, ist klar: Die europäische Flüchtlingspolitik versagt. Dabei haben sich die Regierungen der Europäischen Union eigentlich darauf geeinigt, ein gemeinsames Asylsystem zu schaffen. Doch während die europäischen Binnengrenzen fallen, werden die Außengrenzen undurchlässig. Wer es trotzdem bis nach Europa schafft, den erwarten oft ein mangelhaftes Asylverfahren und unzumutbare Lebensbedingungen - auch in Deutschland. Die Asylexperten Wolfgang Grenz, Julian Lehmann und Stefan Keßler machen deutlich: Europa betreibt eine fehlgeleitete Flüchtlingspolitik, die das Leben und die Rechte der Flüchtlinge aufs Spiel setzt.

(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)


  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (4. Mai 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426787458
  • ISBN-13: 978-3426787458
















 IT TAKES COURAGE TO BE A REFUGEE...


Flüchtlinge auf dem Mittelmeer


Als Flüchtling braucht man Mut. Schließlich verlässt man das, was man als Heimat empfunden und angesehen hat, seine Familie, seine ganze Existenz, und macht sich auf den Weg ins Ungewisse. Doch ist es selten der Einzelne, der im Fokus steht, wenn es um die Frage der Flüchtlingspolitik geht. Die Mengen sind es, die bewegen, die Fragezeichen entstehen lassen, Sorgen und Ängste, bisweilen sogar Hass und Ablehnung.


"Europa wird sich auf viele weitere Jahre einstellen müssen, in denen die Menschen auf den 'alten Kontinent' fliehen - zu Land, zu Luft, zu Wasser. Nicht jedes Bootsunglück wir automatisch Beweis einer gescheiterten Flüchtlingspolitik sein. Aber jeder Tote im Mittelmeer ist ein Beweis, dass wir besser werden müssen."


Es sind die Katastrophenmeldungen von Ertrunkenen im Mittelmeer, die aufhorchen lassen, zuletzt vor einigen Tagen, wo gleich bis zu 500 Flüchtlinge bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen sein sollen. Unvergessen das Bild des syrischen Flüchtlingskindes, das leblos an einem türkischen Strand liegt. Für Medien sowie für viele Nutzer in den sozialen Netzwerken ist es zum Sinnbild der Flüchtlingskrise geworden.

Mehr Flüchtlinge, mehr Abwehr - so könnte man die Reaktion Europas wohl bezeichnen, und auch wenn Deutschland mehr Flüchtlinge aufnimmt als viele andere europäische Staaten, begegnet diesen Menschen neben viel Hilfsbereitschaft auch eine Unzahl an bürokratischen Hürden sowie auch viel Hass und Fremdenfeindlichkeit. Parteien, die das Thema für ihren Wahlkampf nutzen und Medien, die gezielt Informationen und Parolen streuen - wer soll da noch durchblicken? Als ich auf dieses Buch stieß, griff ich zu. Ein Sachbuch zu dieser komplexen Thematik - was kann es Besseres geben, um sich über all die damit verbundenen Zusammenhänge zu informieren?


"Wer irrgeulär die Grenze zur EU übertritt, will fast immer Asyl beantragen. Aber nicht jeder, der Asyl beantragt, hat auch irregulär die Grenze übertreten. Und vor allem: Nicht jeder, der Asyl beantragen will, erhält Gelegenheit, es auch zu tun. Nicht jeder, der es beantragt, bekommt es. Und nicht jeder, der es auf dem Papier bekommt, bekommt es auch in Wirklichkeit. Klingt kompliziert? Ist es auch. Wer Europa erreicht hat, lernt schnell, was komplexe Bürokratie bedeutet."


Und dieses Buch informiert tatsächlich. Keine leichte Lektüre, wie man sich wohl vorstellen kann - und 127 Lesezeichen verdeutlichen vielleicht, wie viele wichtige und bemerkenswerte Stellen ich hier markiert habe. Zu viel, um hier im einzelnen darauf einzugehen - und wie sollte ich mir auch anmaßen, an dieser Stelle in wenigen Sätzen das wiederzugeben, was drei Autoren sachlich fundiert auf über 200 Seiten zusammengetragen haben?

Doch wie kann die EU nun ihrem eigenen Anspruch gerecht werden, ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu sein  gegenüber schutzbedürftigen Flüchtlingen und Asylsuchenden? Was kann und muss sich auch in Deutschland ändern? Das vorliegende Buch skizziert Antworten auf diese Fragen. Es ist dabei nicht nur ein eindringliches Plädoyer für eine "'menschenrechtskonforme, gute und realistische Flüchtlingspolitik"', sondern liefert in sechs Kapiteln eine prägnante und gut lesbare Analyse der Entstehung und Herausforderungen des Flüchtlingsschutzes auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene.


"Je nachdem, in welchem EU-Land sich ein Flüchtling befindet, können sich die Dinge für ihn sehr unterschiedlich entwickeln, kann die Unterbringung schlechter oder besser sein und sogar die Entscheidung über das Asylgesuch unterschiedlich ausfallen. Eine Asyl-Lotterie beginnt."


Bei aller Sachlichkeit ist das Buch auch parteiisch - und das ist auch gut so. Ohne die Grenzen des Machbaren aus den Augen zu verlieren, stellen die Autoren die Widersprüchlickeiten und Schwierigkeiten in der Gesetzgebung und der Handhabung der europäischen bzw. deutschen Flüchtlingspolitik dar, plädieren dringend für eine Verbesserung des Flüchtlingsschutzes und räumen mit Vorurteilen auf. Abschließend präsentieren sie Vorschläge, die zur Entspannung der Flüchtlingskrise beitragen könnten und verknüpfen auf diese Art eine deutliche und fachlich untermauerte Anklage gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik mit der Möglichkeit eines Auswegs.

Dieses engagierte Plädoyer für die Abkehr von einer fehlgeleiteten Flüchtlingspolitik in Europa verdient in meinen Augen viele Leser. Wissen baut Ängste ab und sorgt für einen Überblick über die historischen und internationalen Zusammenhänge. Und eines ist das Buch ganz gewiss: ein deutliches Statement für die Mitmenschlichkeit.

Unbedingt empfehlenswert!


© Parden















Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über die Autoren:



Wolfgang Grenz war von 1979 bis 2013 hauptamtlich für Amnesty International tätig, zuletzt als Generalsekretär von Amnesty International Deutschland. Er ist Gründungsmitglied von Pro Asyl und Vorstandsmitglied der UNO-Flüchtlingshilfe. Quelle




Julian Lehmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Global Public Policy Institute (GPPi), einem Thinktank in Berlin. Zuvor war er unter anderem für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen tätig. Quelle



Stefan Keßler arbeitet als Senior Policy and Advocacy Officer beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst Europa in Brüssel. Über mehrere Jahre hinweg war er Vorstandsmitglied von Amnesty International Deutschland. Quelle