Dreißig Jahre ist es nun her, dass Deutschland wieder zueinander gefügt wurde. Zumeist zum Guten für seine Bürgerinnen und Bürger, von den allermeisten zur Kenntnis genommen, von vielen erfreut begrüßt, von manchen gefürchtet: Niemandem sollte es schlechter gehen, „blühende Landschaften“ verhieß der Bundeskanzler und ja, schauen wir uns doch einmal um, das lässt sich bestätigen. Für jeden?
Frank Goldammer bewegt sich seit einigen Jahren in die Geschichte des Landes(teils), in dem er geboren wurde, er hat den Buchhelden seiner Heimatstadt gefunden in Max Heller, dem Kriminalisten der ersten fünfzehn Jahre der DDR. Fünf Bücher sind es bereits und bald erscheint der sechste Roman.
In der Mitte dieses Jahres verlässt Goldammer erst einmal die fünfziger Jahre, um sich einem ernsten Thema zu widmen, welches in einem Roman zu kleiden nicht das Einfachste ist. Ein Thema, das im dreißigsten Jahr des Mauerfalls schon passt.
Warum es ein wenig gedauert hat, bis die Rezension zu diesem Buch erscheinen konnte, lest ihr in der folgenden Buchbesprechung.
Die Geschichte
Da fährt ein Deutscher nach Honduras. Ulrich war eine Zeit lang als Entwicklungshelfer in dem mittelamerikanischen Land und jetzt will er Yessica Lopez besuchen, eine Angehörige der Garifuna. Doch diese ist verschwunden. Lopez gehört zu einer Organisation, die für die Rechte dieser Volksgruppe kämpft. Das Gebiet Triunfo da la Cruz soll einer sogenannten Modellstadt einverleibt werden, die in „bester“ südamerikanischer Tradition entstehen soll – also mit maximaler Korruption, einhergehend mit besonderer Rücksichtslosigkeit gegenüber einheimischen oder indigenen Volksgruppen und mit US-amerikanischer „Beteiligung“.
Das neue Jahr hat begonnen. Pünktlich kommt alljährlich ein Paket ins Haus geflogen. Es ist relativ schwer. Ein in Leder gebundenes buntes Kaleidoskop, hier habe ich den Band des Jahres 2015 schon einmal vorgestellt.
Nun schreiben wir das Jahr 2020. Fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise werden ich dann den 2015er noch einmal ziehen und nachlesen. STUNDEN DER ENTSCHEIDUNG heißt ein Doku-Drama des ZDF über die Entscheidung der Bundeskanzlerin zur Öffnung der Grenzen für den Flüchtlingssturm, den ein gewisser Orban loswerden wollte.
Regelmäßig führt der Gang durch die Stände der Buchmesse in Leipzig zum Traumfängerverlag. Das liegt selbstverständlich an meiner Indianer-Affinität, aber, und das ist zunehmend wichtig, ebenso an der sympathischen Kerstin Groeper, die im Jahr 2014 den Roman Der scharlachrote Pfad veröffentlichte. Wieder einmal sind es die Plainsindianer, deren Geschichte Pate stand für einen Roman, der besonders das Schicksal verschiedener Frauen in den Fokus rückt. Erzählt wird die Geschichte der Crowfrau (Absorakee) Wah-bo-sehns, die von dem Lakotakrieger Tschetan-withko auf einem Kriegszug samt ihrer Tochter Graueulenmädchen geraubt wird.
Colson Whiteheads Bestseller über eines der dunkelsten
Kapitel der Geschichte Amerikas – ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis
2017
Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den
Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle
träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der
Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über
eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine
atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern,
obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder
Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet
am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose
Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu
sein in Amerika.
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 4 (21. August 2017)
Sprache: Deutsch
Übersetzung: Nikolaus Stingl
ISBN-10: 3446256555
ISBN-13: 978-3446256552
Originaltitel: The Underground Railroad
EINE DÜSTERE MISCHUNG AUS FAKTEN UND FIKTION...
Ihr ganzes noch junges Leben hat Cora auf der Plantage der Randalls in
Georgia verbracht. Als deren Sklavin. Jeden Tag der Willkür von
Schlägen, Auspeitschungen und Vergewaltigungen ausgesetzt. Doch
angespornt von Caesar, einem jungen Mann, der seit kurzem auch auf der
Baumwollplantage der Randells arbeitet, wagt Cora eines Nachts die
Flucht. Erst durch Sumpf und Wälder, verfolgt durch Farmarbeiter und
Kopfgeldjäger, doch dann endlich die Rettung. Cora und Caesar erreichen
eine geheime Station der Underground Railroad, einer geheimen
Organisation, einem Fluchtnetzwerk für Sklaven.
"Die
Treppe führte auf einen kleinen Bahnsteig. Zu beiden Seiten öffneten
sich die schwarzen Mündungen des riesigen Tunnels. Er musste an die
sieben Meter hoch sein, die Wände waren in wechselndem Muster mit
dunklen und hellen Steinen verkleidet (...) Zwei Stahlschienen, mit
Holzschwellen am Boden fixiert, liefen durch den sichtbaren Teil des
Tunnels. Vermutlich verlief der Stahl von Süden nach Norden, ging von
irgendeinem unvorstellbaren Ursprung aus und schoss irgendeiner
wundersamen Endstation entgegen." (S. 82 f.)
Im
Gegensatz zu der historisch verbrieften Underground Railroad, die
zwischen 1780 und 1862 rund 100.000 Sklaven zur Flucht aus dem Süden der
USA in den rettenden Norden verholfen hat, hat sich Colson Whitehead
hier für eine reale unterirdische Eisenbahn entschieden, die streng
geheimen Stationen durch meilenlange Tunnel miteinander verbunden. Cora
steigt auf ihrer Flucht also in einen unterirdischen Zug und fährt
gemeinsam mit Caesar nach Norden. Doch der Schrecken findet kein Ende.
Cora dicht auf den Fersen ist der skrupellose Sklavenjäger Ridgeway mit
seinen Gehilfen - einer von ihnen trägt eine Halskette aus menschlichen
Ohren.
Unterstützung und Verrat - dies ist es, was Cora auf ihrem
langen Weg aus der Sklaverei immer wieder erfährt. Cora reist mit der
Underground Railroad durch das ganze Land - durch ein zerrissenes Land
kurz vor dem Bürgerkrieg, in dem die Frage, wie man mit Sklaven
umzugehen hat, ganz unterschiedlich behandelt wird. An jeder Station der
Underground Railroad trifft sie auf andere Formen des Zusammenlebens
von Schwarz und Weiß, und jede davon birgt Gefahren, denn der Rassismus
lebt. In South Carolina beispielsweise können Schwarze auf den ersten
Blick als freie Bürger leben, werden von den Weißen jedoch für grausame
medizinische Experimente benutzt. In North Carolina dagegen haben die
Regierenden beschlossen, aus Angst vor der zahlenmäßigen Übermacht der
ehemaligen Sklaven konsequent alle Schwarzen zu töten. In Indiana findet
Cora zeitweise Frieden und Freundschaft, doch auch dies stellt sich
letztlich als Trugschluss heraus...
"Wenn
die Nigger frei sein sollten, dann lägen sie nicht in Ketten. Wenn der
rote Mann sein Land behalten sollte, dann besäße er es immer noch. Wenn
es dem weißen Mann nicht bestimmt wäre, diese neue Welt in Besitz zu
nehmen, dann würde sie ihm jetzt nicht gehören (...) Dein Eigentum, ob
Sklave oder Kontinent. Der amerikanische Imperativ." (S. 97)
Colson
Whitehead schafft hier eine interessante Mischung aus historischen
Fakten und Fiktion, die seinem Roman eine unwiderstehliche
Bildhaftigkeit verschafft. Und doch ist es kein historischer Roman, auch
kein Fantasy-Buch, sondern tatsächlich ein Stück zeitgenössicher
Literatur. Ein Roman, der aufzeigt, dass das Trauma der Sklaverei in den
USA auch 150 Jahre nach ihrer Abschaffung noch nachwirkt, dass
Rassismus - ob offen oder verborgen - noch an der Tagesordnung ist.
Whitehead präsentiert mit seinem u.a. mit dem Pulitzer Preis 2017
prämierten Roman eine düstere Allegorie auf das Leben der Schwarzen in
den Vereinigten Staaten - auf ihre Unterdrückung, Verfolgung und
Ausgrenzung, die bis heute den Alltag prägen.
Nahezu nüchtern ist
der von Whitehead gewählte Schreibstil, so dass das Entsetzen, das
Mitfühlen, das Bedauern beim Lesen nicht unmittelbar eintritt, auch wenn
sich kurzzeitige Schreckmomente häufen, wenn einem unvorbereitet
unfassbare Grausamkeiten in einem lapidaren Nebensatz entgegenschlagen.
Dass sich im Laufe der Lektüre dennoch eine zunehmende Düsternis
einschleicht, liegt nur z.T. an der ungeschönten Schilderung der
zahlreichen Gewalttaten und Todesopfer. Während man zu Beginn darauf
hofft, dass Cora ihrem Dasein als entrechtete Sklavin entrinnt, stellt
sich bald eine wachsende Ernüchterung ein.
"...der
amerikanische Geist (...) damit wir erobern, aufbauen und zivilisieren.
Und zerstören, was zerstört werden muss. Um die unbedeutenderen Rassen
emporzuheben. Und wenn nicht emporzuheben, dann zu unterwerfen. Und wenn
nicht zu unterwerfen, dann auszurotten. Unsere Bestimmung kraft
göttlicher Vorschrift - der amerikanische Imperativ." (S. 255)
Nicht
nur das Bewusstsein für den immer noch alltäglichen Rassismus in den
USA erwächst beim Lesen, sondern es werden auch Parallelen zum Leben in
Deutschland / Europa deutlich und eigentlich zum menschlichen Handeln
weltweit. Unterdrückung, Vertreibung, Eroberung, Ausbeutung,
Ghettoisierung, Sklaventum - das sind doch keine Phänomene der
Vergangenheit und auch nichts, was sich auf ein einzelnes Land
beschränken lässt. Natürlich steht das strahlende Amerika auf einem
Fundament von Blut und Schuld, unbestritten. Aber können wir tatsächlich
mit dem Finger auf 'die da' zeigen? Ich denke, nicht so ohne weiteres.
Wenn dieses Buch dem Leser eines austreibt, dann ist es die
Selbstgefälligkeit. Und das macht diesen Roman zu einem unbequemen.
Colson
Whitehead präsentiert hier einen Roman, der mich in mehrfacher Hinsicht
überraschte, der mich trotz einiger Längen überzeugen konnte und der
mich vor allem nachdenklich gemacht hat. Hier steckt sehr viel mehr
drin, als auf den ersten Blick zu vermuten war. Insofern gibt es von mir
eine klare Leseempfehlung!
Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard
University und arbeitete für die New York Times, Harper's und
Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young
Lion’s Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur „Genius“
Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014) und Underground Railroad (Roman, 2017). Der Autor lebt in Brooklyn.
Ein Junge, ungefähr fünfzehn Jahre, sitzt im Haus seiner Eltern und erklärt diesen, dass er gehen muss. Es läutet an der Tür. Vor dem Hause stehen Krankenpfleger und nehmen den Jungen mit zu einem Krankenauto. Er schaut zurück, die Eltern stehen entsetzt und stumm und blicken ihm nach.
Der Junge ist der Sohn eines SS-Obergruppenführers und unheilbar krank. Der Vater hat den Arzt des Jungen getötet, denn der wollte den Reichsgesetzen "Geltung verleihen" und den Vater anzeigen. Der Junge findet später ein Buch, in dem seine Krankheitssymptome beschrieben sind. Erzogen im nationalsozialistischen Geist und als überzeugter Angehöriger der HJ hält er sich nun für "unwert" und beschließt, dem durch die Selbstanzeige Rechnung zu tragen.
Dies sind Szenen aus der Fernsehserie THE MAN IN THE HIGH CASTLE, die unter Amzon zu finden ist, frei nach dem Buch DAS ORAKEL VOM BERGE des amerikanischen Sience Fiction Autoren Philip K. Dick.
Diese Szene fiel mir ein, als ich den Artikel Sargau ist Irsee in der Wochenzeitung DER FREITAG las.
Spätestens seit den Unglücken vor Lampedusa im Herbst 2013, bei denen
über sechshundert Flüchtlinge starben, ist klar: Die europäische
Flüchtlingspolitik versagt. Dabei haben sich die Regierungen der
Europäischen Union eigentlich darauf geeinigt, ein gemeinsames
Asylsystem zu schaffen. Doch während die europäischen Binnengrenzen
fallen, werden die Außengrenzen undurchlässig. Wer es trotzdem bis nach
Europa schafft, den erwarten oft ein mangelhaftes Asylverfahren und
unzumutbare Lebensbedingungen - auch in Deutschland. Die Asylexperten
Wolfgang Grenz, Julian Lehmann und Stefan Keßler machen deutlich: Europa
betreibt eine fehlgeleitete Flüchtlingspolitik, die das Leben und die
Rechte der Flüchtlinge aufs Spiel setzt.
Als Flüchtling braucht man Mut. Schließlich verlässt man das, was man
als Heimat empfunden und angesehen hat, seine Familie, seine ganze
Existenz, und macht sich auf den Weg ins Ungewisse. Doch ist es selten
der Einzelne, der im Fokus steht, wenn es um die Frage der
Flüchtlingspolitik geht. Die Mengen sind es, die bewegen, die
Fragezeichen entstehen lassen, Sorgen und Ängste, bisweilen sogar Hass
und Ablehnung.
"Europa wird sich auf viele
weitere Jahre einstellen müssen, in denen die Menschen auf den 'alten
Kontinent' fliehen - zu Land, zu Luft, zu Wasser. Nicht jedes
Bootsunglück wir automatisch Beweis einer gescheiterten
Flüchtlingspolitik sein. Aber jeder Tote im Mittelmeer ist ein Beweis,
dass wir besser werden müssen."
Es sind die
Katastrophenmeldungen von Ertrunkenen im Mittelmeer, die aufhorchen
lassen, zuletzt vor einigen Tagen, wo gleich bis zu 500 Flüchtlinge bei
einem Schiffsunglück ums Leben gekommen sein sollen. Unvergessen das
Bild des syrischen Flüchtlingskindes, das leblos an einem türkischen
Strand liegt. Für Medien sowie für viele Nutzer in den sozialen
Netzwerken ist es zum Sinnbild der Flüchtlingskrise geworden.
Mehr
Flüchtlinge, mehr Abwehr - so könnte man die Reaktion Europas wohl
bezeichnen, und auch wenn Deutschland mehr Flüchtlinge aufnimmt als
viele andere europäische Staaten, begegnet diesen Menschen neben viel
Hilfsbereitschaft auch eine Unzahl an bürokratischen Hürden sowie auch
viel Hass und Fremdenfeindlichkeit. Parteien, die das Thema für ihren
Wahlkampf nutzen und Medien, die gezielt Informationen und Parolen
streuen - wer soll da noch durchblicken? Als ich auf dieses Buch stieß,
griff ich zu. Ein Sachbuch zu dieser komplexen Thematik - was kann es
Besseres geben, um sich über all die damit verbundenen Zusammenhänge zu
informieren?
"Wer irrgeulär die Grenze zur EU
übertritt, will fast immer Asyl beantragen. Aber nicht jeder, der Asyl
beantragt, hat auch irregulär die Grenze übertreten. Und vor allem:
Nicht jeder, der Asyl beantragen will, erhält Gelegenheit, es auch zu
tun. Nicht jeder, der es beantragt, bekommt es. Und nicht jeder, der es
auf dem Papier bekommt, bekommt es auch in Wirklichkeit. Klingt
kompliziert? Ist es auch. Wer Europa erreicht hat, lernt schnell, was
komplexe Bürokratie bedeutet."
Und dieses Buch
informiert tatsächlich. Keine leichte Lektüre, wie man sich wohl
vorstellen kann - und 127 Lesezeichen verdeutlichen vielleicht, wie
viele wichtige und bemerkenswerte Stellen ich hier markiert habe. Zu
viel, um hier im einzelnen darauf einzugehen - und wie sollte ich mir
auch anmaßen, an dieser Stelle in wenigen Sätzen das wiederzugeben, was
drei Autoren sachlich fundiert auf über 200 Seiten zusammengetragen
haben?
Doch wie kann die EU nun ihrem eigenen Anspruch gerecht
werden, ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu sein
gegenüber schutzbedürftigen Flüchtlingen und Asylsuchenden? Was kann und
muss sich auch in Deutschland ändern? Das vorliegende Buch skizziert
Antworten auf diese Fragen. Es ist dabei nicht nur ein eindringliches
Plädoyer für eine "'menschenrechtskonforme, gute und realistische
Flüchtlingspolitik"', sondern liefert in sechs Kapiteln eine prägnante
und gut lesbare Analyse der Entstehung und Herausforderungen des
Flüchtlingsschutzes auf internationaler, europäischer und nationaler
Ebene.
"Je nachdem, in welchem EU-Land sich ein
Flüchtling befindet, können sich die Dinge für ihn sehr unterschiedlich
entwickeln, kann die Unterbringung schlechter oder besser sein und sogar
die Entscheidung über das Asylgesuch unterschiedlich ausfallen. Eine
Asyl-Lotterie beginnt."
Bei aller Sachlichkeit
ist das Buch auch parteiisch - und das ist auch gut so. Ohne die Grenzen
des Machbaren aus den Augen zu verlieren, stellen die Autoren die
Widersprüchlickeiten und Schwierigkeiten in der Gesetzgebung und der
Handhabung der europäischen bzw. deutschen Flüchtlingspolitik dar,
plädieren dringend für eine Verbesserung des Flüchtlingsschutzes und
räumen mit Vorurteilen auf. Abschließend präsentieren sie Vorschläge,
die zur Entspannung der Flüchtlingskrise beitragen könnten und
verknüpfen auf diese Art eine deutliche und fachlich untermauerte
Anklage gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik mit der Möglichkeit
eines Auswegs.
Dieses engagierte Plädoyer für die Abkehr von
einer fehlgeleiteten Flüchtlingspolitik in Europa verdient in meinen
Augen viele Leser. Wissen baut Ängste ab und sorgt für einen Überblick
über die historischen und internationalen Zusammenhänge. Und eines ist
das Buch ganz gewiss: ein deutliches Statement für die
Mitmenschlichkeit.
Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über die Autoren:
Wolfgang Grenz war von 1979 bis 2013 hauptamtlich für Amnesty
International tätig, zuletzt als Generalsekretär von Amnesty
International Deutschland. Er ist Gründungsmitglied von Pro Asyl und
Vorstandsmitglied der UNO-Flüchtlingshilfe. ► Quelle
Julian Lehmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Global
Public Policy Institute (GPPi), einem Thinktank in Berlin. Zuvor war er
unter anderem für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen tätig.
► Quelle
Stefan Keßler arbeitet als Senior Policy and Advocacy Officer
beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst Europa in Brüssel. Über mehrere Jahre
hinweg war er Vorstandsmitglied von Amnesty International Deutschland. ► Quelle