
Wieder einmal sind es die Plainsindianer, deren Geschichte Pate stand für einen Roman, der besonders das Schicksal verschiedener Frauen in den Fokus rückt. Erzählt wird die Geschichte der Crowfrau (Absorakee) Wah-bo-sehns, die von dem Lakotakrieger Tschetan-withko auf einem Kriegszug samt ihrer Tochter Graueulenmädchen geraubt wird.
Mit diesem Roman schauen wir in das achte und neunte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und damit in die letzten Jahre in Freiheit der verschiedenen Indianerstämme, der Roman behandelt die Zeit von 1870 bis 1879. Dazwischen liegt der letzte größere Sieg der Lakota und Cheyenne am Little Bighorn.
![]() |
"Bärensöhne" - 1958 |

Ich weiß, das Kerstin Groeper die Bücher um die „Bärenbande“ mag, vielleicht inspirierten diese zu Teilen der hier vorliegenden Geschichte.
► siehe Die Söhne der Großen Bärin - Liselotte Welskopf-Henrrich
► siehe Das Wunder vom Little Bighorn - John Okute Sics
Wa-bo-sehns wird mit Graueulenmädchen auf einem Kriegszug geraubt. Dasselbe Schicksal teilen mit ihr Kleine-rote-Blume und Stern-im-Auge (Pawnee). In diesen Kreis tritt ebenso Che-ni-win (Jenny), ein weißes Mädchen, welches vom Krieger Elchkalb auch auf einem Kriegszug aufgelesen wird. Um diese Frauen, ihre Kinder und neuen Familien dreht sich die Geschichte des Romans. Es ist noch eine Zeit, in der sich verfeindete Stämme angreifen, Pferde stehlen und Frauen rauben. Ein Verständnis für die gemeinsame Lage gegenüber den immer zahlreicher werdenden weißen Siedlern und der sie begleitenden US-Armee entsteht nur langsam. Die Krieger sind auf Ruhm und Beute aus und dabei zornig und gewalttätig. Wa-bo-sehns entgeht dem Tod da sie ihre kleine Tochter bei sich hat. Gewalttätigkeiten und sogar Vergewaltigungen gegenüber den „Feindfrauen“ sind keine Seltenheit. Die Autorin geht schonungslos mit diesen Umständen um, Gewalt gegen Frauen beschrieb Welskopf-Henrich nie, die Entführung von Frauen allerdings kam in zwei Fällen schon vor.
Im Fall der oben genannten Frauen und Mädchen zeigt sich aber auch, dass die Familie, der Schutz der kleinen Kinder, die Bedeutung der Krieger als Ernährer zu pragmatischen Verhältnissen führt, die man als Europäer des 21. Jahrhunderts eher abzulehnen geneigt ist. Wa-bo-sehns wird diesen verrückten Falken lieben lernen und Jenny heiratet nach Jahren den Krieger Elchkalb.
Wir lernen auch so manches über indianische „Sakramente“ wie die „Schwitzzeremonie“, den Sonnentanz und das „Verwandte machen“. Letzteres ist eine sympathische Angelegenheit, wenn zum Beispiel die Krieger die Kinder adoptieren oder der Krieger Grauadler das kleine weiße rothaarige Mädchen. Das die Stämme ein Menstruationszelt kannten, in das sich die Frauen und Mädchen während der Regel zurück zogen, erinnert verblüffend an Rituale in anderen Religionen. Die Regeln des Umgangs zwischen Männern und Frauen, so etwas wie ein „Bruder-Schwester-Tabu“ oder das „Schwiegersohn-Schwiegermutter-Tabu“ mögen uns seltsam erscheinen, näher sind uns dann respektvolle Regeln wie das Trennen der Badestellen am Fluss, aber auch die Scherze zum Beispiel der jungen Burschen und die darauffolgenden Ermahnungen der Eltern. Dass die Mädchen mit Puppen und Puppenzelten spielen, las ich allerdings das erste Mal.

* * *


► Homepage Kerstin Groeper im Traumfängerverlag
„Das ich in meinen Romanen ganz bewusst Partei für die Indianer ergreife und aus ihrem Blickwinkel erzähle, ist beabsichtigt. Insbesondere in den USA gibt es noch genug Autoren, welche die Beinahe-Ausrottung der Indianer und die Vernichtung ihrer Kultur als Heldentat feiern.“ (Nachwort – Seite 793)
"Meine Absicht ist es, ein längst vergessenes Genre wieder aufblühen zu lassen und damitDen historischen Indianerroman aus der verstaubten Ecke der Kinder- und Jugendbuchliteratur herauszuholen." (K. Groeper über sich selbst - Homepage)
Die Tochter eines Schriftstellers lebte einige Jahre in Kanada und beschäftigte sich schon früh mit den indigenen Stämmen Nordamerikas. „Sie lernte Lakota, die Sprache der Teton-Sioux und ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich der Unterstützung zum Fortbestehen der Sprache und Kultur der Teton-Sioux widmet und Mitarbeiterin beim Aufbau der Lakota Village Circle School auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota. In Deutschland führt sie regelmäßig Referate und Seminare über die Sprache, Kultur und Spiritualität der Lakota-Indianer durch.“ (Traumfänger-Verlag)
► DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 4-2017 / ISBN: 978-3-941485-23-5 / 790 S.
© Bücherjunge
Die Tochter eines Schriftstellers lebte einige Jahre in Kanada und beschäftigte sich schon früh mit den indigenen Stämmen Nordamerikas. „Sie lernte Lakota, die Sprache der Teton-Sioux und ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich der Unterstützung zum Fortbestehen der Sprache und Kultur der Teton-Sioux widmet und Mitarbeiterin beim Aufbau der Lakota Village Circle School auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota. In Deutschland führt sie regelmäßig Referate und Seminare über die Sprache, Kultur und Spiritualität der Lakota-Indianer durch.“ (Traumfänger-Verlag)
► DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 4-2017 / ISBN: 978-3-941485-23-5 / 790 S.
© Bücherjunge
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Durch das Kommentieren eines Beitrags auf dieser Seite, werden automatisch über Blogger (Google) personenbezogene Daten, wie E-Mail und IP-Adresse, erhoben. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken eines Kommentars stimmst Du der Datenschutzerklärung zu.
Um die Übertragung der Daten so gering wie möglich zu halten, ist es möglich, auch anonym zu kommentieren.