Posts mit dem Label Flucht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Flucht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 14. August 2022

Adamah, Georg: Dein Land in Schutt und Asche

2025. Bürgerkrieg in Deutschland. Wer da wirklich gegen wen kämpft und warum ist nicht ganz ersichtlich. Hier ist mal von Reichsbürgern die Rede, aber die Ziele der Kriegsparteien und überhaupt die Politik sind anscheinend nicht wichtig für diesen hier vor uns liegenden Roman, ein Rezensionsexemplar von Georg Adamah. Vielen Dank schon hier für dieses Buch. 

Zunächst diskutieren Ismael und Hannah die Möglichkeiten ihrer kleinen Familie zu der noch Tochter Leonie gehört. Hannah will, dass sie nach Nordafrika auswandern. NORDAFRIKA? Doch Ismael hat da noch eine andere Beziehung...

Und dann ist da noch Elia, ein Penner, denn Fähigkeiten sich erst noch herausstellen müssen. Dann ist Hannah weg und Ismael van Wyden schließt sich mit diesem Elia einer mit Schwertern und Schusswaffen ausgerüsteten Gruppe an, die vom HAUPTMANN geführt wird. Sie marschieren durch ein nahezu menschenleeres Europa, allerdings auch konsequent die meisten Ortschaften und Städte meidend. Es fliegen keine oder kaum Flugzeuge. Sie überqueren dabei seltsamerweise keine Autobahnen, treffen auf Nonnen, die ihnen zwar Unterkommen gewähren, dafür aber massakriert werden... Inzwischen stehen Russen und Chinesen mit ihren Streitkräften mitten in Europa.

Der Weg nach Nordafrika ist schwer und kommt den Leserinnen und Lesern vermutlich bekannt vor....

* * *


Samstag, 25. Mai 2019

Vermes, Timur: Die Hungrigen und die Satten

Vor etwa einem halben Jahr stellte Uwe das Buch von Timur Vermes hier im Blog vor - und gleich entschied ich, dass das auch etwas für mich sei. Nachdem ich mir schon 'Er ist wieder da' begeistert von Christoph Maria Herbst vorlesen ließ, entschied ich mich, auch diesmal wieder zum Hörbuch zu greifen.

Satire funktioniert nicht immer. Aber Timur Vermes entpuppt sich hier einmal mehr als Meister dieses Genres... Lest selbst!




Donnerstag, 4. Oktober 2018

VERMES, Timur: Die Hungrigen und die Satten

„Die Hungrigen und die Satten – fängt dort an, wo der Spaß aufhört."

Und der Spaß hört auf. Er hört auf eine Art und Weise auf, die schleppend beginnt. Er hört umso mehr auf, je mehr die Grenze von Österreich zu Deutschland naht. Für insgesamt 400000.



Was war geschehen? Deutschland hat endlich seine Obergrenze durchgesetzt. Irgendwie hat das dazu geführt, daß die Flüchtlinge erstmal fortblieben. Sie sammeln sich da, wo sie hingehören in Flüchtlingslagern tief in der Dritten Welt. Europa scheint sich einig geworden zu sein. Ergebnis: FRONTEX funktioniert (?).



Samstag, 23. April 2016

Grenz, W., Lehmann, J., Keßler, S.: Schiffbruch - Das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik


Spätestens seit den Unglücken vor Lampedusa im Herbst 2013, bei denen über sechshundert Flüchtlinge starben, ist klar: Die europäische Flüchtlingspolitik versagt. Dabei haben sich die Regierungen der Europäischen Union eigentlich darauf geeinigt, ein gemeinsames Asylsystem zu schaffen. Doch während die europäischen Binnengrenzen fallen, werden die Außengrenzen undurchlässig. Wer es trotzdem bis nach Europa schafft, den erwarten oft ein mangelhaftes Asylverfahren und unzumutbare Lebensbedingungen - auch in Deutschland. Die Asylexperten Wolfgang Grenz, Julian Lehmann und Stefan Keßler machen deutlich: Europa betreibt eine fehlgeleitete Flüchtlingspolitik, die das Leben und die Rechte der Flüchtlinge aufs Spiel setzt.

(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)


  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (4. Mai 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426787458
  • ISBN-13: 978-3426787458
















 IT TAKES COURAGE TO BE A REFUGEE...


Flüchtlinge auf dem Mittelmeer


Als Flüchtling braucht man Mut. Schließlich verlässt man das, was man als Heimat empfunden und angesehen hat, seine Familie, seine ganze Existenz, und macht sich auf den Weg ins Ungewisse. Doch ist es selten der Einzelne, der im Fokus steht, wenn es um die Frage der Flüchtlingspolitik geht. Die Mengen sind es, die bewegen, die Fragezeichen entstehen lassen, Sorgen und Ängste, bisweilen sogar Hass und Ablehnung.


"Europa wird sich auf viele weitere Jahre einstellen müssen, in denen die Menschen auf den 'alten Kontinent' fliehen - zu Land, zu Luft, zu Wasser. Nicht jedes Bootsunglück wir automatisch Beweis einer gescheiterten Flüchtlingspolitik sein. Aber jeder Tote im Mittelmeer ist ein Beweis, dass wir besser werden müssen."


Es sind die Katastrophenmeldungen von Ertrunkenen im Mittelmeer, die aufhorchen lassen, zuletzt vor einigen Tagen, wo gleich bis zu 500 Flüchtlinge bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen sein sollen. Unvergessen das Bild des syrischen Flüchtlingskindes, das leblos an einem türkischen Strand liegt. Für Medien sowie für viele Nutzer in den sozialen Netzwerken ist es zum Sinnbild der Flüchtlingskrise geworden.

Mehr Flüchtlinge, mehr Abwehr - so könnte man die Reaktion Europas wohl bezeichnen, und auch wenn Deutschland mehr Flüchtlinge aufnimmt als viele andere europäische Staaten, begegnet diesen Menschen neben viel Hilfsbereitschaft auch eine Unzahl an bürokratischen Hürden sowie auch viel Hass und Fremdenfeindlichkeit. Parteien, die das Thema für ihren Wahlkampf nutzen und Medien, die gezielt Informationen und Parolen streuen - wer soll da noch durchblicken? Als ich auf dieses Buch stieß, griff ich zu. Ein Sachbuch zu dieser komplexen Thematik - was kann es Besseres geben, um sich über all die damit verbundenen Zusammenhänge zu informieren?


"Wer irrgeulär die Grenze zur EU übertritt, will fast immer Asyl beantragen. Aber nicht jeder, der Asyl beantragt, hat auch irregulär die Grenze übertreten. Und vor allem: Nicht jeder, der Asyl beantragen will, erhält Gelegenheit, es auch zu tun. Nicht jeder, der es beantragt, bekommt es. Und nicht jeder, der es auf dem Papier bekommt, bekommt es auch in Wirklichkeit. Klingt kompliziert? Ist es auch. Wer Europa erreicht hat, lernt schnell, was komplexe Bürokratie bedeutet."


Und dieses Buch informiert tatsächlich. Keine leichte Lektüre, wie man sich wohl vorstellen kann - und 127 Lesezeichen verdeutlichen vielleicht, wie viele wichtige und bemerkenswerte Stellen ich hier markiert habe. Zu viel, um hier im einzelnen darauf einzugehen - und wie sollte ich mir auch anmaßen, an dieser Stelle in wenigen Sätzen das wiederzugeben, was drei Autoren sachlich fundiert auf über 200 Seiten zusammengetragen haben?

Doch wie kann die EU nun ihrem eigenen Anspruch gerecht werden, ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu sein  gegenüber schutzbedürftigen Flüchtlingen und Asylsuchenden? Was kann und muss sich auch in Deutschland ändern? Das vorliegende Buch skizziert Antworten auf diese Fragen. Es ist dabei nicht nur ein eindringliches Plädoyer für eine "'menschenrechtskonforme, gute und realistische Flüchtlingspolitik"', sondern liefert in sechs Kapiteln eine prägnante und gut lesbare Analyse der Entstehung und Herausforderungen des Flüchtlingsschutzes auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene.


"Je nachdem, in welchem EU-Land sich ein Flüchtling befindet, können sich die Dinge für ihn sehr unterschiedlich entwickeln, kann die Unterbringung schlechter oder besser sein und sogar die Entscheidung über das Asylgesuch unterschiedlich ausfallen. Eine Asyl-Lotterie beginnt."


Bei aller Sachlichkeit ist das Buch auch parteiisch - und das ist auch gut so. Ohne die Grenzen des Machbaren aus den Augen zu verlieren, stellen die Autoren die Widersprüchlickeiten und Schwierigkeiten in der Gesetzgebung und der Handhabung der europäischen bzw. deutschen Flüchtlingspolitik dar, plädieren dringend für eine Verbesserung des Flüchtlingsschutzes und räumen mit Vorurteilen auf. Abschließend präsentieren sie Vorschläge, die zur Entspannung der Flüchtlingskrise beitragen könnten und verknüpfen auf diese Art eine deutliche und fachlich untermauerte Anklage gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik mit der Möglichkeit eines Auswegs.

Dieses engagierte Plädoyer für die Abkehr von einer fehlgeleiteten Flüchtlingspolitik in Europa verdient in meinen Augen viele Leser. Wissen baut Ängste ab und sorgt für einen Überblick über die historischen und internationalen Zusammenhänge. Und eines ist das Buch ganz gewiss: ein deutliches Statement für die Mitmenschlichkeit.

Unbedingt empfehlenswert!


© Parden















Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über die Autoren:



Wolfgang Grenz war von 1979 bis 2013 hauptamtlich für Amnesty International tätig, zuletzt als Generalsekretär von Amnesty International Deutschland. Er ist Gründungsmitglied von Pro Asyl und Vorstandsmitglied der UNO-Flüchtlingshilfe. Quelle




Julian Lehmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Global Public Policy Institute (GPPi), einem Thinktank in Berlin. Zuvor war er unter anderem für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen tätig. Quelle



Stefan Keßler arbeitet als Senior Policy and Advocacy Officer beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst Europa in Brüssel. Über mehrere Jahre hinweg war er Vorstandsmitglied von Amnesty International Deutschland. Quelle


Montag, 19. Oktober 2015

Dillmann / Heim: Fluchtpunkt Karibik

Jüdische Emigranten in der Dominikanischen Republik

Kartendaten @ 2015 Google

Hört man sich um unter Kollegen und Freunden, dann erzählen doch einige vom Urlaub in der DomRep. Gekennzeichnet durch Attribute wie "all inclusiv" oder auch mal "Taucherparadies". Da kann ich nicht mitreden, ich war noch nicht dort. Die Dominikanische Republik ist mir besonders aus einer Romantrilogie bekannt. Die stammt von Wolfgang Schreyer (wiki),  der in der DDR politische Romane schrieb und sich dabei auf Südamerika spezialisiert hatte. In Der Adjutant, Der Reporter und der Der Resident beschrieb er den Untergang des Diktators Rafael Leónidas Trujillo Molina, der 1961 einem Attentat zum Opfer fiel. Aber dass dieser typisch südamerikanische Diktator einst anbot, jüdischen Flüchtlingen einen "sicheren Hafen" zu geben, las ich zum ersten Mal in diesem Buch: Fluchtpunkt Karibik.

Kurz, Trujillo wollte seine Bevölkerung "aufhellen", es waren ihm wohl zu viele Schwarze, vor allem Haitianer (Nachfahren der Sklaven französischer Plantagenbesitzer) darunter, und da momentan, also 1938 immer mehr jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich, dem Dritten Reich, aufbrachen um letztlich der Vernichtung zu entgehen, kamen ihm die gerade recht. [1]

"Während nahezu alle Länder ihre Grenzen gegenüber den Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland verschlossen, sollte ausgerechnet in dem diktatorisch regierten Inselstaat ein landwirtschaftliches Vorzeigeobjekt nach dem Muster jüdischer Kibbuzim entstehen." (Buchrücken)

100.000 Juden wollte man aufnehmen und eine jüdische Hilfsorganisation (Joint) [2] übernahm Organisation und Finazierung. Bezeichnenderweise war der erste Direktor, J. Rosen, ein Agrarexperte, der auf der Krim und in der Ukraine (!), also der Sowjetunion, in den zwanziger Jahren jüdische Siedlungen aufbaute. Am Ende aber gab es wohl zwischen 1940 und 1945 nie mehr als 500 Juden in Sosúa, dem Ort, wo das Projekt entstand. [3]

"In der Geschichte Sosúas [werden] die großen Entwicklungslinien des 20. Jahrhunderts konkret: Die Kapitulation der demokratischen Staaten vor der antijüdischen Politik der Nazis, das Konzept eines an sozialistischen Ideen orientierten Siedlungsprojektes und sein Scheitern und schließlich die Migration als Motor der Modernisierung." [4]

* * *

Bereits im Vorwort und dann im Kapitel "Europas Juden in Not" beschreiben die Autoren die Probleme der jüdischen Emigration aus Deutschland und Österreich, insbesondere ab der Jahre 1938. 130000 Menschen hatten Deutschland bereits verlassen, davon waren 80 % Juden. [5]. In Jahre 1938 wurde Österreich angeschlossen, die Reichskristallnacht (9./10. November) leitete eine neue Stufe der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein. Erschreckend war die fehlende Bereitschaft der Nachbarstaaten Deutschlands, Flüchtlinge aufzunehmen. "Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs verschärften fast alle europäischen Zielländer der jüdischen Emigration aus Deutschland ihre Einwanderungsbestimmungen, sowie die Kontrolle ihrer Grenzen, oder sie erließen Einwanderungsverbote...." [6] Genannt werden zum Beispiel die Schweiz, Frankreich, Dänemark, die Niederlande und andere. Erschreckend ist die Aktualität der (europäischen) Bilder, auch wenn heute die Migration in der anderen Richtung verläuft.

Vom 06. bis 15. Juli tagten in Evian (Schweiz) die Vertreter von 32 Staaten und alle großen jüdischen Verbände, die katholische Kirche und andere. Sie berieten über die Auswanderungsmöglichkeiten und raus kam so gut wie nichts. Man erklärte sein Mitgefühl, aber auch, dass das eigene Land nicht in der Lage wäre, diese aufzunehmen. [7]. Und kommt dieses dominikanische Angebot, ausgerechnet von einem, der dem Regime in Deutschland durchaus zugetan war und so haben die Autoren Kapitel auch benannt: "Ein Rassist heißt rassisch Verfolgte willkommen" [8]


* * *

Im Weiteren erzählen die Autoren vom doch sehr beschwerlichen Weg der Siedler, die, zumeist Großstädter und oft dem Bildungsbürgertum angehörend, sich mit der Landwirtschaft schwertaten. Für bestimmte Arbeiten wurden dann Einheimische gewonnen, deren Lohn konnte nicht in die weitere Entwicklung investiert werden.

Rosen wollte neben der "dauerhaften Unterbringung der Flüchtlinge [den] Aufbau einer wirtschaftlich unabhängigen Gemeinschaft, die mittelfristig sich nicht nur selbst versorgen kann, sondern auch Überschüsse erwirtschaftet."  Jedoch funktionierte dieser kooperative Gedanke, ähnlich des Kibbuz in Israel, so nicht.  Die Ursachen waren vielfältig und reichten vom "Trend, körperliche Arbeiten zu vermeiden" bis zu Ansichten einiger Siedler selbst einer "höheren Kulturstufe" anzugehören als die Einheimischen. [9]

Einen Neubeginn gab es 1944, als David Stern, der in Palästina solche Projekte geleitet hatte, in der Dominikanischen Republik ankam. Der stellte das Projekt vom Kopf auf die Füße, indem er zum Beispiel die Selbstversorgung von 57 Siedlern, die den Neuaufbau mittrugen mit 30 ha Weideland und 2 ha Anbaufläche ermöglichte. Eine Familie mit 2 Kindern bekam 15 Kühe: 10 die Familie, eine weitere für die Ehefrau und je zwei für die Kinder. Damit ließ sich etwas anfangen. [10] Erfolge gab es in der Milchverarbeitung, es gab die ersten Hotels mit 200 Feriengästen (1946), später dann eine Sparkasse. Die "Cooperación Sosúa" war für dieInfrastruktur da, Müllabfuhr, Straßenbau, Strom und Wasserversorgung. So ging es immer weiter aufwärts. [11]


* * *

Kartendaten @ 2015 Google

Noch heute gibt es viele Spuren der jüdischen Siedlungsversuche. Dies zeigt das Bild oben. Rosen und Stern sind Straßennamen gewidmet und auch wenn die Religionsausübung sich meist auf die wichtigsten jüdischen Feiertage beschränkte, gibt es auch heute noch eine Synagoge in Sosúa. [12]. Im jüdischen Museum ist die Geschichte dokumentiert und 1990 feierten 300 ehemalige Siedler den 50. Jahrestag der DORSA [13]. Die Spuren werden vom Tourismus überdeckt, aber man findet sie noch. [14] 

* * *

Die Autoren:
Der Kölner Journalist Hans Ullrich Dillmann (1951) lebt in Deutschland und der Dominikanischen Republik. Als Korrespondent der TAZ für Lateinamerika und der "Jüdischen Allgemeine" für die Karibik weiß er von was er erzählt. (Webseite) An seiner Seite hatte er die Historikerin Susanne Heim (1955), deren Arbeitsschwerpunkte auf der nationalsozialistischen Judenverfolgung und der internationalen Flüchtlingspolitik liegen. PD Dr. Susanne Heim  arbeitet am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg, sowie am Institut für Zeitgeschichte München.

Sie haben mit diesem Buch etwas "aufgedeckt", was mir bisher völlig unbekannt war, die Emigration von Juden mal nicht in die USA oder Palästina sondern aus einem Land mit einer vorher nicht dagewesenen Diktatur in eine andere Diktatur, die Gründe dafür sind weiter oben angerissen. Die Ablehnung der Aufnahme von Flüchtlingen, hier den von den Nationalsozialisten verfolgten Juden, scheint mir im Zuge des heutigen Streits um Flüchtlingsquoten in der EU und insbesondere der extremen Ablehnung der Aufnahme von Muslimen einiger EU-Staaten von einiger Aktualität zu sein.

Mit diesem Buch lässt sich aus der Geschichte lernen. Versuchen sollten dies zum Beispiel diverse Präsidenten und Ministerpräsidenten, aber auch Menschen in unserem Land, deren Fremdenfeindlichkeit zum Himmel schreit.

► DNB / Ch. Links Verlag / Berlin 2009 / ISBN: 978-3-86153-551-5 / 188 Seiten


© KaratekaDD


 Fußnoten

[1] Dillmann / Heim: Fluchtpunkt Karibik, Seite 9
[2] American Jewish Joint Distribution Committee
[3] vgl. Dillmann / Hein, ebenda
[4] siehe Ebenda
[5] Dillmann / Hein: Seite 29
[6] Ebenda, Seite 32
[7] vgl. Ebenda, Seite 38 
[8] siehe Ebenda ab Seite 45
[9] vgl. Ebenda ab Seite 94 / 109
[10] vgl. Ebenda, Seite 152 ff
[11] vgl. Ebenda Seite 157 ff
[12] vgl. Ebenda, Seite 109; Kapitel: Jüdisches Leben ohne Rabbi
[13] DominicanRepublic Settlement Assocuation
[14] vgl. Dillmann / Hein, Seite 166 f

Abbildungen:

Bild 1 und 2: Kartenmaterial aus googlemap, siehe Link unter der Abbildungen
Bild 2: Jüdisches Museum und Synagoge / Quelle Internet http://www.sosuanachrichten.com/print.php?id=777 14.10.2015;18:00 Uhr

Webseiten: (19.10.2015; 19:30Uhr)







    Dienstag, 22. September 2015

    Todenhöfer, Jürgen: Inside IS...


    Spiegel - Bestseller
    ... 10 Tage im "Islamischen Staat"



    Manchmal ist es schwer, ein Buch zu rezensieren. Dieses hier gehört dazu. Nach dem Maischberger-Talk das Spiegel-Online Magazin zur Sendung:

    „Mit Jürgen Todenhöfer hatte Maischberger den Mann eingeladen, der den vor einem Jahr verstorbenen Peter Scholl-Latour endgültig als beliebtesten Islam- und Nahosterklärer der Deutschen beerbt hat.“[1]

    Nun ja, das ist ja einerseits eine Empfehlung und andererseits wohl ziemlich leichtfertig in die Welt hinaus posaunt. Der weitere Text jedenfalls lobt die Vorgehensweise des Publizisten nicht sonderlich. 

    Vor fünf Tagen schreibt Todenhöfer auf seiner Webseite, dass er in Gaza einen Spiel- und Bolzplatz und einen Frischwasserbrunnen eingeweiht hat und zwar mit dem Honorar für sein Buch INSIDE IS – Zehn Tage im >Islamischen Staat<. Er nennt eine Summe von 135.000 €.

    „Mit "INSIDE IS" verfolge ich 2 Ziele: Die Welt über den 'Islamischen Staat' aufzuklären. Und mein Honorar für Kinder und Flüchtlinge in Syrien und Gaza zu spenden.“[2]

    * * *

    Wie klärt Todenhöfer denn nun über den IS auf? Indem er nach Syrien und den Irak reist und vor Ort mit Jihadisten spricht und die Reise dokumentiert. 

    Das Buch beginnt mit einem Kapitel über die „Geburt des >Islamischen Staates<“ und einem Kapitel über die „Ziele des Westens“. Er beschreibt eine „Fahrt an die IS-Front“, unter anderem zu den Peschmerga-Kurden und anschließend den „Chat mit dem Terror“, vor allem den mit Aba Qatadah. Todenhöfer hat dessen Mutter besucht, auch von diesem Treffen erzählt er. 

    Die zweite Hälfte dieses Buches beinhaltet die Reise und beginnt mit deren Konkretisierung durch einen weiteren langen Chats (insgesamt über sieben Monate [3]) und reist dann über die Türkei in das Gebiet, in welchem die sich „Staat“ nennende Terrororganisation herrscht. Die Reise beginnt am 2. Dezember 2014 und wird am 15. Dezember 2014 beendet sein, zehn Tage davon werden sich Jürgen und Frederic Todenhöfer sowie Malcom, ein Freund Frederics in unmittelbarer Begleitung des Deutschen und anderer IS-Terroristen durch das besetzte Land reisen, unter anderem in die durch den IS eroberte Stadt Mossul.

    Jürgen Todenhöfer und sein Sohn Frederic nahmen über Skype Kontakt mit Deutschen auf, die für den IS in Syrien und im Irak kämpfen und vereinbaren eine Informationsreise unter der Bedingung, dass sie vom Kalifen Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri einen Schutzbrief erhalten, der ihnen und einem weiteren Freund garantiert, heil nach Hause zu kommen. Todenhöfer erhält diesen Brief. Sodann reisen sie in Begleitung des Deutschen Christian E. oder Aba Qatadah unter anderem nach Mossul, die Stadt, die der IS eingenommen hat. Er interviewt nicht nur diesen Mann, sondern auch Ärzte, islamische Richter, Gefangene und andere. Fotografiert und filmt mit Einschränkungen, erlebt zum Glück nicht allzu oft Bomber- und Drohnenangriffe und erreicht die Türkei wieder mit der Auffassung, mit einer der schlimmsten Gruppe von Massenmördern gesprochen zu haben, die den Islam nicht repräsentieren.




    In diesem Buch gilt Todenhöfers Interesse den Fragen:

    Wie mächtig und gefährlich ist der IS wirklich? Welche Wahnvorstellungen leiten seine Anführer? Was treibt deren Gefolgsleute zu den Gräueltaten, die die Welt in Schrecken versetzen? [4]

    Er kommt zu dem Fazit, dass die IS-Kämpfer überzeugt sind, „mit ihrer totalitären Ideologie und ihrer demonstrativen Brutalität die Welt verändern zu können.“ [5]

    * * *

    Todenhöfer wurde vorgeworfen, dass man solchen Leuten keine Plattform bieten dürfe für jegliche Form von Eigenwerbung. Dies geschah in unangenehmer Weise zum Beispiel durch Marcus Lanz, auch die Talkshow von Sandra Maischberger, „Ich stelle mich“ zeigte Aspekte, die einen wenig objektiven Umgang mit Todenhöfers Thema aufweisen. Die Duellszene mit Nikolaus Blome zeigt das.

    Jürgen Todenhöfer hat schon seit vielen Jahren immer wieder versucht, auch mit den „Schurken“ dieser Welt zu sprechen, erstmals als junger 34jähriger Abgeordneter der CDU mit dem chilenischen Diktator Pinochet. Auch dafür wurde er angegriffen und dies beileibe nicht nur von Links. Er hat auch mal in Bezug auf die gestürzte sozialistische Regierung Allende gesagt, dass „für sozialistische Experimente in der dritten Welt die DDR zuständig“ wäre und dieser zugesagte Kredite auch für die putschende Junta zur Verfügung stehen müssten. Wofür er wohl 4000 eingekerkerte Chilenen freibekam.[6] Doch soll diese Episode nicht stellvertretend stehen für seine Grundhaltung, die einerseits die Muslime als Anhänger einer friedlichen Religion sieht und andererseits die Politik des Westens, insbesondere aber nicht nur der USA als Ursache für den erstarkenden islamistischen Terrorismus und den IS als dessen schlimmste Form ansieht. Diese Episode stellt den Beginn von politischen Handlungen dar, wozu auch ein Gespräch mit dem syrischen Präsidenten Bassar al Assad zählt. Die Art und Weise wie er zu diesem Gespräch kam geriet in heftige Kritik, denn die Mails im Vorfeld an eine Art Pressesprecherin Assads gerieten in die Öffentlichkeit [7]. Wie kommt man an Gespräche mit den Diktatoren dieser Welt? Oder kommt es darauf an, welche politische Auffassungen der Interviewer hat? Vor allem, wenn er die Politik der USA kritisiert.

    * * *

    Das Buch des 1940 geborenen ehemaligen Richters, Bundestagsabgeordneten, und Medienmanagers hat seine unbedingte Berechtigung im Canon der Literatur um Terrorismus, nicht nur den, welchen man islamistisch nennt. Ebenso ist es im Licht der in den letzten Wochen angestiegenen Migrationsströme, deren Ursache auch die Grausamkeiten des sogenannten „Islamischen Staates“ sind, sehr interessant, beleuchtet es doch, dass „Andersglaubende“ einer unmittelbaren Todesgefahr unterliegen. Dies betrifft Schiiten und Jesiden unmittelbar, Juden und Christen ebenso, Kopfsteuer hin oder her, denn der Prophet ist wohl ziemlich schnell zu beleidigen. Zumindest in den Augen eines Christian E. & Co.

    Ich glaube nicht, dass man Jürgen Todenhöfer nun unbedingt als Nachfolger des Peter Scholl-Latour bezeichnen sollte. In meinem Regal steht „Inside IS“ allerdings neben Scholl-Latours letztem Buch „Der Fluch der bösen Tat“. „Inside IS“ ist das erste Buch, welches ich von Jürgen Todenhöfer gelesen habe. Das Letzte war es wohl nicht.

    * * *



    ► Video von J. Todenhöfer bei LiveLeak vom 16.01.2015
    Interview bei Russia Today (RT) – YouTube vom 07.02.2015
    Talk bei Markus Lanz vom 30.04.2015
    ► Menschen bei Maischberger vom 26.08.2015: Chaos im Orient
    Interview Todenhöfer – Baschar al Assad vom 08.07.2012
    ► Webseite von J. Todenhöfer
    ► Bertelsmann Verlag / München 2015 / ISBN: 978-3-570-10276-3 / 286 Seiten / DNB


    © Bücherjunge (02.01.2025)

    PS: Das Thema ist im Internet äußerst gegensätzlich diskutiert wurden. Der IS wütete auch in Syrien und Russlands Interesse an und in Syrien ist bekannt. Um diese Umstände darzustellen habe ich die genannten Beiträge verlinkt. Nicht alles, was in diesen gesprochen wird, entspricht meiner persönlichen Meinung.



    [2] http://juergentodenhoefer.de; 21.09.2015; 18:27 Uhr
    [3] https://www.youtube.com/watch?v=UBhhJjAF7ME ; Aussage im Interview bei RT-Deutsch
    [4] Siehe Todenhöfer: Inside IS, 2015, Klappentext - Schutzumschlag
    [5] Vgl. Ebenda

    Freitag, 19. September 2014

    Uris, Leon: Exodus



    Ein Buch, ein Film und eine Reise…

    "Millionen von Lesern wurden durch diesen in viele Sprachen übersetzten Roman zum ersten Mal mit der größten Tragödie des 20. Jahrhunderts konfrontiert. Dem Autor ist es gelungen, die sich überstürzenden Ereignisse vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Leben zu füllen: Er erzählt die Geschichte einer amerikanischen Krankenschwester, eines jüdischen Freiheitskämpfers und zahlreicher weiterer Menschen, die hineingerissen werden in den schicksalshaften Kampf eines Volkes um Freiheit und Eigenständigkeit." (Buchdeckel)

    Es ist Jahre her, da sah ich im Fernsehen einen historischen Film mit Paul Newman in der Hauptrolle. Die Geschichte handelte von einem Schiff, welches mit 300 Juden von Zypern nach Palästina fährt. Die Juden, Männer, Frauen und Kinder kamen aus Internierungslagern aus Zypern. Es ist das Jahr 1946. Nach einem Hungerstreik gestatten die Briten das Auslaufen nach Palästina, in ihr Mandatsgebiet… Das Schiff heißt EXODUS.

    * * *


    filmposter-archiv.de
    Die Geschichte ist wahr, wenn auch nicht so ganz wie im Roman von Leon Uris erzählt. Diesen fand ich 2007 im Bücherschrank bei Verwandten und begann darin zu lesen. 

    Es ist die Geschichte der US-Amerikanerin Kitty Freemont, die im Jahr 1946 nach Zypern kommt. Über den Kommandeur der britischen Streitkräfte Brigadier General Sutherland kommt sie mit den Internierungslagern in Berührung, in denen die Briten Juden aus den europäischen Ländern gefangen halten, denn die Einwanderung nach Palästina so mindestens gedrosselt werden.[1] Hier stößt Kitty auf Ari ben Kanaan, (Foto Mitte) einen Sabre[2] und Sohn eines um die Jahrhundertwende eingewanderten ukrainischen Juden namens Rabinowitz…

    Kitty wird auf ein Mädchen aufmerksam, welches sich um jüngere Kinder kümmert und auf der Suche nach ihrem Vater ist, der sich in Palästina befinden soll. Karen Clement Hansen wurde als achtjähriges Mädchen nach Dänemark geschickt und überlebte den Krieg dank der Pflegeeltern Hansen. Ein klein wenig älter ist Dov Landau, ein Junge aus dem Warschauer Getto, der im Konzentrationslager Ausschwitz im Sonderkommando arbeitete und dort befreit wurde…

    Ari besorgt Lastwagen in der Uniform der „SMJTZ“ (Seiner Majestät jüdische Truppen auf Zypern – ironische Bezeichnung der Agenten der ►Aliyah Beth) und bringt 300 Kinder auf einen alten Dampfer, der dann EXODUS genannt wird nach der biblischen Geschichte des Auszuges aus Ägypten.[3]
    Nach einem Hungerstreik und weltweitem Protest lassen die Briten das Schiff nach Palästina auslaufen. Kitty, die Karen gern adoptieren will, kommen nach GAN DAFNA, einem kibbuzähnlichen Jugendcamp im Huletal, im Norden Israels.[4] Dov schließt sich später den Makkabäern (► IRGUN) an, einer jüdischen Terrororganisation, die gegen die Briten kämpft um einen jüdischen Staat in Palästina zu ermöglichen…

    Im Huhletal leben die die Araber von Abu Yecha mit den Juden in YAT EL friedlich zusammen, Taha, der Muktar von Abu Yecha ist mit Ari gemeinsam aufgewachsen…
    Als die UNO in ihrer Resolution von 1947 für die Teilung Palästinas stimmt, kommt es zu Kämpfen zwischen Arabern und Juden, als Ben Gurion 1948 den Staat Israel proklamiert, zum Krieg…

    * * *

    Die Geschichte von Leon Uris aus dem Jahr 1958 wurde bereits im Jahr 1960 verfilmt. Seit einigen Jahren war so etwas wie Frieden in Israel, ich glaube, dies hatte bestimmten Einfluss auf die Geschichte, denn so konzentrierte man sich auf den Erfolg eines Staates, der ganz offensichtlich war. Bis auf die Araber in Abu Yecha kommen kaum Muslime vor.

    Der Film illustriert den Roman hervorragend, allerdings entspricht er nicht voll der Handlung. So sind im Film auf der EXODUS hunderte von Menschen aller Alterklassen vorhanden, statt Kinder. Im Film endet die Geschichte mit dem Angriff der Araber nach der Auszählung der UNO.


    Trailer (YouTube)

    Aber schon die reale Geschichte der EXODUS verläuft anders, denn das Schiff fuhr von Marseilles nach Palästina mit 4515 jüdischen Flüchtlingen und der eigentliche Skandal bestand darin, dass die Briten das Schiff vor der Küste Palästinas aufbrachten, was zu Kämpfen mit einigen Todesopfern führte. Die Briten luden die Flüchtlinge bis auf die Verletzten um und fuhren nach Europa zurück. Einige kamen in Frankreich an Land. Ausgerechnet in Hamburg wurden die Flüchtlinge in Lager gesperrt. Der internationale Protest verursachte, dass nach vier Wochen die britischen Bewacher dort abzogen, die jüdischen Flüchtlinge schlugen sich wieder bis Palästina durch.[5]

     
    Aus heutiger Sicht mag der Film allerdings weit überholt sein. Er wird auch als zionistisches Epos beschrieben, was für den dreistündigen Monumentalfilm, aber auch für die Botschaft passt. Der Konflikt, zwischen Arabern und Juden schwelte wohl schon immer, auch angefacht durch die britische Mandatspolitik nach der ►Balfour – Deklaration 1917. Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al Husseini hatte zwar Kontakte zum nationalsozialistischem Deutschland, aber der sofort nach der Staatsgründung ► Israels einsetzende Krieg war nicht alleine durch diesen und durch ehemalige Nazis begonnen wurden, die umliegenden arabischen Länder, vor allem Transjordanien und auch Ägypten wollten die Bildung eines jüdischen Staates verhindern.[6]

    * * *

    filmposter-archiv.de
    Mehr als der Film vermag der Roman Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel die von den Brüdern Rabinowitz, die nach Palästina aus der Ukraine auswandern. Barack und Akiba nennen sie sich später. Ersterer wird für die ► Jewish Agency aktiv, der andere andere allerdings gründet die ► IRGUN mit und bekämpft dann die Britten mit terroristischen Mitteln.

    Die Geschichte der Karen Clement Hansen wird ebenfalls sehr ausführlich erzählt und öffnet den Blick für die Verhältnisse in Dänemark nach der deutschen Besetzung.
    Dov Landaus Geschichte im ► Warschauer Getto und im Konzentrationslager sowie seine Entwicklung zum Offizier in der IDF ist bezeichnend für den Mythos um die Staatsgründung und die Menschen, die den neuen Staat verteidigten.
    Die Schwierigkeiten zwischen den Arabern und den Juden, welche ja bereits seit Jahrzehnten das Land urbar machten und Kibbuze und Moschavs gründeten, werden anhand des Verhältnisses von Abu Yecha und Yat El erzählt.[7]

    * * *

    Der Roman ist einer, welcher seine Aktualität natürlich vor allem wegen des immer weiter schwelenden Konfliktes  zwischen Palästinensern und Israelis nicht verlieren kann. Die Figuren sind auch in ihrer Widersprüchlichkeit sehr interessant und auch liebenswert. Das Brüderpaar Barack und Akiba, Demokrat der eine, Terrorist letztlich der andere. Die nach außen zur Schau gestellte Härte eines Ari Ben Kanaans und sein Einsatz für dieses Land, und die Unschlüssigkeit der Kitty Freemont in ihrer Haltung zu den Juden allgemein und den ihr bekannten im besonderen sind handlungsforttreibend, beide sind hierin auch ein Paar und das nicht nur als Hauptfiguren. Hinzu kommen Karen, die sanfte, musische und hilfsbereite Teenagerin und der zornige, alle Menschen um ihn herum ablehnende Dov, sie verkörpern die nachfolgende Generation. 


    * * *

    Die 840 Seiten lasen sich relativ schnell, die Rückblenden zu den Lebenswegen der handelnden Personen waren keineswegs störend, im Gegenteil, durch diese wurde auf eindrucksvolle Weise die Geschichte vor der aktuellen Handlung beleuchtet.  

    Ein Roman ist ein Roman. Er hatte auf mich eine enorme Wirkung, denn Israel war mir nur im Zusammenhang mit dem ► Nahostkonflikt bekannt, die Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert bis zur Staatsgründung war mir bis dato gar nicht geläufig.

    Heute sehe ich das wieder differenzierter. Nach einer Studienreise nach Israel und durch die Bücher von Tom Segev (zum Beispiel ► DIE ERSTEN ISRAELIS) sehe ich den Roman inzwischen als ein wenig einseitig an. Romane gehören auch in den Kontext ihrer Zeit. Auch dadurch haben sie uns in späteren Jahrzehnten eine Menge zu geben.

    * * *

    Leon Uris, geboren 1924 in Baltimore, gestorben 2003 in Shelter Island war der Sohn einer jüdischen polnischen Immigrantenfamilie. Er kämpfte im United States Marine Corps im Pazifik. Die Anregungen zu EXODUS erhielt er wohl als Korrespondent in Israel. Uris schrieb mehrere Palästina-Romane. 

    ► Leon Uris in wikipedia
    DNB / Heyne TB/ München 13.2006 / ISBN: 978-3-453-13834-0 /      
         843 S.
    ►Leon Uris in der DNB 

      Weitere Romane:
    • Mila 18, Roman, der die Geschichte des Aufstands im Warschauer Ghetto schildert (1961)
    • QB VII, Gerichtsdrama vor dem Hintergrund des Holocaust (1970) Jerusalem Lied der Lieder (Jerusalem Song Of Songs) Bildband mit Jill Uris (1981)
    • HADDSCH (The Haj), Roman, der das Leben in Palästina in der ersten Hälfte des 20 Jh. Beschreibt (1984)
    • Mitla Pass, Roman um den israelischen Sinaifeldzug 1956 (1988)


    ►  Palästina  - Seite

    © Bücherjunge (21.04.2023)



    [1] Siehe SEGEV, TOM: DIE ERSTEN ISRAELIS und ES WAR EINMAL EIN PALÄSTINA 
    [2] SABRE: In Palästina, in Israel geborener Jude, benannt nach einem einheimischen Kaktus 
    [6] Siehe auch URIS, Leon: Haddsch, DNB / Droemer - Knaur / München 1998 / ISBN: 3-426-61025-6 /  574 S. (Taschenbuch) 
    [7] Im Film wird Taha, Muktar von Abu Yecha von Nazis ermordet, im Roman stirbt er im Kampf gegen die Verteidiger des neu gegründeten Staates. Leon Uris hat das jüdisch-arabische Verhältnis genauer in seinem Roman HADDSCH erzählt, wenn auch 35 Jahre später. Die Sicht auf diese Zeit in Palästina ist in diesem Roman offensichtlich etwas anders und vor allem kritischer.
    ___________________________________