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Freitag, 3. März 2023

Leon, Donna: Ein Leben in Geschichten

Diese Autorin wird, obwohl Amerikanerin, vor allem mit Venedig verbunden. Die sie viele Jahre in der Lagunenstadt gelebt hat, dürften sich Geschichten oft um diese Stadt drehen, auch wenn MEIN VENEDIG schon Geschichten aus ihrer Feder enthält. Ansonsten kennen wir sie durch ihre nun schon einunddreißigfache Romanfigur Commissario Guido Brunetti

Mit nunmehr 80 Jahren schreibt Donna Leon im Vorwort zu diesem Buch:

„Das Allerbeste aber, zumindest für mich, ist das weitere Zusammensein mit Brunetti, seiner Familie und seinen Freunden, und dass ich ihm Gelegenheit geben kann, noch mehr von sich und seiner Vergangenheit, von seinen Gedanken und Gefühlen zu erzählen.“ (Seite 9)

Ich fange mal etwas weiter hinten im Büchlein an: Brunetti wird in diesem Büchlein, natürlich aus dem Diogenes-Verlag, nur im Zusammenhang mit einem Brief für den Questore erwähnt. So wie der Gullydeckel aus dem einst Indiana Jones auf dem letzten Kreuzzug kroch, gern von den Touristen fotografiert wird, gilt dies auch für den Balkon der Familie Brunetti und die Film-Questura, in der der Commissario arbeitet. 

Sonntag, 29. Dezember 2019

Leon, Donna: Stille Wasser (BR26)

Es ist amtlich: am 25.12.2019 sahen wir die letzte Folge der ARD-Produktion in Sachen Commissario Brunetti. Die Fan-Gemeinde ist am Boden zerstört.  Uwe Kokisch erklärt sich zum Schluss der Serie.

Annett Renneberg sagt ungefähr im Video, man müsse das ja nun nicht soweit treiben, dass sie den geliebten Commissario im Rollstuhl vor sich her schiebt, kaum noch Zähne im Mund und hinten an der Wand hängt Vice Questore Patta in Öl. 

Und in der Tat sind alle älter geworden. Michael Degen, den den Patta gab, ist über 80 und Brunettis Kinder viel zu alt um noch zu Hause zu wohnen. Dem Sohnemann (Raffaele „Raffi“ Brunetti: Patrick Diemling) sieht man das richtig an, während Chiara (Laura-Charlotte Syniawa) vielleicht ebenso wie Paola (Julia Jäger) weiter machen könnte. Brunetti, also Uwe Kokisch ist aber schon eine Weile im echten Rentenalter. 

Montag, 31. Dezember 2018

BlogPost Nr. 129: Rück- und Ausblick des Bücherjungen



Nein, nein, ich bin kein großer Fan von Statistiken und daher werde ich hier auch nicht weiter damit aufwarten. Gelegentlich haben wir, zum Beispiel aus Anlass wichtiger "Blogfeiertage" ein paar Dinge zusammengezählt. Aber wem nützt es zu wissen, dass wir 1229 Posts veröffentlicht haben und noch 16 Entwürfe herumdümpeln, von denen einige wohl nicht fertig gestellt werden dürften? Außerdem würde das nicht stimmen denn es hat ja noch jeder so seine eigenen Entwürfe auf diversen Datenträgern liegen.




Ein Projekt des Bücherjungen ist das Max-Heller-Projekt. Eigentlich ist das nicht wirklich ein Projekt, aber die Posts zu den Max-Heller-Büchern des Dresdner Autoren Frank Goldammer habe ich mal zusammengefasst (zusammengespeichert), da sollen ja noch ein paar kommen... ROTER RABE ist der vierte Band. Bereits gelesen und wartet auf die Buchbesprechung. Den hat mir Frank letzten Freitag selbst in die Hand gedrückt.


Donnerstag, 22. Dezember 2016

Groeper, Kerstin: Der Palio des toten Politikers...

 ... Commissario Marchettis erster Fall.





























Was macht ein indianischer Traumfänger auf dem Deckel eines Buches, auf dem (vermutlich) ein Italiener und ansonsten ein paar mittelalterlich gekleidete Trommler und sbandieratori (Fahnenschwinger – eher Tänzer) zu sehen sind?

Ist er noch geheim, wenn der Mitautor am Ende des Krimis aus der Toskana-Stadt Siena al „geheimer Informant der Nobile Contrada dell´ Aquila“ bezeichent wird?

Und wie kommt eine deutsche Autorin, die doch eher mit Romanen über die indianischen Völker Nordamerikas bekannt geworden ist, dazu, ebenfalls zu den Nobili, den Edelleuten des Stadtteiles Aquila in Siena, zu zählen?

Und überhaupt, warum habe ich einen Roman gelesen, den ich nie im Leben selber aus einem Buchregal gezogen hätte?

Fragen…
* * *
Fangen wir einmal an, diese zu beantworten. 

DER PALIO DES TOTEN POLITIKERS – Der Titel wird sich als ein gewisser Irrtum herausstellen, denn der PALIO, zweimal jährlich in Siena ausgetragen, hat mit dem toten Angehörigen einer deutschen Delegation nur gemein, dass der Mord während des Volksfestes ausgetragen wird. Ansonsten ist Commissario Luca Marchetti absolut nicht einverstanden, dass ihm dieser (sein erster) Fall während der Vorbereitung auf wohl eines der verrücktesten Pferderennens der Welt aufgedrückt wird. Immerhin hat er in der Contrada dell´ Aquila eine nicht unwesentliche Rolle übernommen. 

Überhaupt: COMMISSARIO MARCHETTIS ERSTER FALL lautet der Untertitel und der Blogger liest ganz sicherlich keine BRUNETTI – Kopien.[1] Und sein erster Fall ist es sowieso nicht. Allerdings ist es der erste seiner Fälle, der in einem Roman präsentiert wird. Von einer Münchnerin – von Kerstin GROEPER.

Zurück zur Handlung:

MARCHETTI rennt also immer hin[2] und her zwischen den CONTRADIOLOS und der QUESTURA (Polizeipräsidium), dem Tatort und überhaupt durch eine Stadt im Ausnahmezustand. Und nun kommt auch noch dieser TEDESCO dazu, der ihn unterstützen soll. Ein riesiger Hauptkommissar aus München. Das hat ihm noch gefehlt. Zum Glück wird sich der als kompetenter und liebenswürdiger Zeitgenosse erweisen, welcher stellvertretend für die "adlige" Kerstin GROEPER die Stirn runzeln darf, zum Beispiel die Sicherheitsvorkehrungen eines Pferderennens durch die Innenstadt betreffend. Kerstin Groeper darf ja nicht meckern, sie muss (samt ihrer Familie) die CONTRADA mit dem Doppeladler als Symbol unterstützen.



Gemeinsam fangen sie an zu ermitteln und kommen einem ziemlich großen „bilateralen“ Korruptionsskandal auf die Spur, die zuerst allerdings ins Rotlichtmilieu führt, denn der Tote mochte es, ihm zugeführte Damen schwer zu verprügeln. Aber warum findet man die dazu verwendete Reitgerte mit offensichtlichen Spuren? Und warum hat man den Toten so in einer Mülltonne abgeladen, dass er auf jeden Fall gefunden werden muss?[3]

Und im Ende hat der Roman doch eine gewisse Ähnlichkeit mit einigen der BRUNETTI – Geschichten, aber das liegt nicht an Kerstin Groeper, das liegt an Italien und so wie sie schreibt, kennt sie sich damit aus. Die Szene, in der sich Marchetti mit einem Carabinieri anlegt, weil die ihn einer Kontrolle unterziehen wollen und das Ganze beim Rotwein endet, ist bezeichnend. 

A propos Rotwein: Vor allem kennt sich die Autorin mit der Seneser Küche aus. Da läuft einem beim Lesen das Wasser genauso im Mund zusammen, wie einem in der beschriebenen Sommerhitze der Schweiß vom Scheitel rinnt. 

Genug verraten.

alle Bilder aus commons.wikipedia


* * *

Wie kam ich nun zu diesem Buch? Kerstin Groeper drückte es mit während der Dresdner Schriftgut in die Hand. Ich verbarg meine bereits erwähnte Skepsis ob des Titels nicht. Aber nun bin ich wirklich begeistert, denn ein Roman zwischen Mord und Volksfest dieser Art kam mir noch nicht unter die Finger. Aber wenn man wie Kerstin dort im Sommer seit 20 Jahren förmlich beheimatet ist und der Sohn sogar ein sbandieratore, dann hat man das Flair schon verinnerlicht. Man muss nur noch schreiben können. So wie Kerstin Groeper zum Beispiel.

Übrigens: Die gefährlichsten Szenen entstehen durch das Pferderennen (Bilder), polizeilich ist da nicht „viel los“. Mit einem Schmunzeln liest man vom Umgang italienischer Polizisten untereinander.
Die Spannung fällt nach dem Palio etwas ab. Persönlich kommt mir der Roman so dicht und abgeschlossen vor, dass ich mir einen zweiten Fall gar nicht so richtig vorstellen kann. Wir werden also sehen.

Gespannt bin ich jetzt auch, ob Aquila irgendwann mal einen Mantel, einen capotto gewinnt...
Liest man etwas über die Regeln, dass weiß man: Das ist was dran an Bestechung und Betrug... Oder eben gerade nicht... ;)

► DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 2016 / ISBN: 978-3-941485-51-8, 261 S.

© KaratekaDD



[1] In Anspielung auf die nunmehr fünfundzwanzigbändige Reihe der in Venedig lebenden Amerikanerin Donna Leon, die im Untertitel heißt: COMMISSARIO Brunettis 25. FALL  
[2] Er ist Chef der squadra mobili – einer mobilen Kriminalpolizeienheit und Commissario, vermutlich eher Commissario Capo – also Erster Polizeihauptkommissar 
[3] Einen Zusammenhang mit dem Palio gibt es aber eher nicht, dazu hätte die „Täterschaft“ wissen müssen, dass der ermittelnde Commissario Seneser durch und durch ist

Quelle der Bilder: 
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Palio_di_Siena?uselang=de; 21.12.2016, 15:00 Uhr


Sonntag, 4. September 2016

Leon, Donna: Venezianisches Finale (BR1)


 Dies ist der erste Fall des Commissarios Brunetti. 

Es ist das Jahr 1992. Donna Leon, US-Amerikanerin, die in Venedig lebt, hat sich eine Romanfigur ausgedacht. Sie nennt sie Guido Brunetti, macht ihn zum Commissario in der Questura Venedigs. Sie umgibt mit Paola, seiner Frau und mit Nachwuchs. Chiara ist dreizehn , ihr Bruder Raffaele ist fünfzehn Jahre alt.  Obwohl diese Informationen nicht allzu wichtig sind, merken wir sie uns für die Zukunft.  Alles Schreiben hat einen Anfang.

Im Teatro la Fenice tritt ab dem dritten Akt von La Traviata, der großen Oper von G. Verdi ein anderer Dirigent an. Maestro Wellauer, ein über ziebzigjähriger weltberühmter deutscher Dirigent hat das Pult verlassen. In seiner Garderobe richt es nach bitteren Mandeln. Zyankali? Zyankali! Mord? - Brunetti und die Beamten Miota und Alvise nehmen die Ermittlungen auf. Sie treffen vor allem auf

  • Signora Wellauer, die dreißig Jahre jüngere Ehefrau
  • Flavia Petrelli, gefeierte Sopranistin
  • Brett Lynch, Amerikanerin und Archäologin, Freundin der Petrelli und natürlich jede Menge Theaterleute.
Der Maestro hat eine illustre Vergangenheit. Seine Kariere begann bereits in den dreißiger Jahren in Deutschland. Aber hat seine relative Nähe zum Führer etwas mit seinem Tod zu tun? Oder seine Abneigung gegenüber homosexuellen Sängerinnen, Sängern und anderen Musikern? Oder hat der Maestro noch andere Vorlieben? Wieso war die Petrelli in seiner Garderobe und die Ehefrau auch nicht weit?

Brunetti stochert vorerst im Nebel. Der Leser wird später feststellen, der Commissario bedient sich, typisch italienisch (?) allerlei sonstiger Personen zum ermitteln. Zum Beispiel seine Frau. Die vermittelt einen Studienkollegen, der eine Menge Klatsch weiß. Und nicht schlecht schlucken kann. Wisky. Guido kennt da auch noch einen, dessen Vater ebefalls manches zur Person Wellauers beitragen kann.

Die Entscheidung des Commissarios am Ende dieser ersten Geschichte ist, sagen wir, italienisch. Menschlich. Verständlich.

* * *
"Bei einer Männer-Tombola wäre er ein echter Hauptgewinn: Er sieht gut aus, ist intelligent und humorvoll, warmherzig und unbestechlich, er hat einen nachsichtigen Blick auf die Welt und diese edle, melancholische Aura, die Frauen unwiderstehlich finden.

Erfreulicherweise ist der Mann Italiener und deshalb irdischen Wonnen sehr zugetan: Er ißt und trinkt gern - Huhn mit Artischocken, frische Pfirsiche, Wein und Grappa -, er zankt sich mit seinen heftig pubertierenden Kindern und liebt seine Frau Paola auch nach 17 Jahren Ehe mit großer Zärtlichkeit und regelmäßig.

Er kann aber auch richtig sauer werden, etwa angesichts der Touristenmassen, die das ganze Jahr über seine Stadt bevölkern und gelegentlich sogar seine Ermittlungen behindern: Guido Brunetti ist Commissario della Polizia in Venedig." [1]

Wie kam Donna Leon zu diesem Helden? "Er stieg aus dem Boot und war da." [2] 

"Er war ein überraschend gepflegter Mann: seine Krawatte war sogfältig gebunden, das Haar kürzer als derzeit Mode, und selbst seine Ohren lagen eng am Kopf, als wollten sie nur ja nicht auffallen. Die kleidung wies ihn eindeutig als Italiener aus. Der Akzent war unverkennbar venezianisch. Sein Blick war ganz der eines Polizeibeamten." (Seite 15)

Und wie kam sie zu dieser Geschichte? Anekdote: Sie war mit einem Freund im Theater, der anschließend den Dirigenten hätte umbringen mögen. Sie meinte nur: "Ich mach´s für dich, aber in einem Roman." Außerdem hatte sie auch Klatsch über  Herbert von Karajan gehört. [3]  So etwas war schon einmal da. Das kann man hier nachlesen.


Donna Leon liebt diese Stadt. Und sie beobachtet genau. Das schreibt sie natürlich auch in ihre Bücher: "In diesen Stunden [nachts] war die Stadt für Brunetti am schönsten, denn gerade dann konnte er, der durch und durch Venezianer war, etwas von ihrer früheren Pracht erahnen. Die dunkelheit verbarg das Moos, dass über die Stufen der Palazzi entlang des Canale Grande herauf kroch, macht die Risse in Kirchenmauern unsichtbar und deckte die Stellen zu, wo der Putz von öffentlichen Gebäuden blätterte. Wie so viele Frauen in gewissem Alter konnte die Stadt nur mit Hilfe trügerischen Lichts ihre verschwundene Schönheit wiedererlangen. Ein Boot, das am Tage schlicht eine Ladung Seifenpulver und Kohl transportierte, wurde bei Nacht zu einem mysterösen Gefährt, das einem geheimnisvollen Ziel entgegenglitt. Der Nebel, der in diesen Wintertagen so häufig war, verwandelte Menschen und Dinge; selbst kanghaarige Teenager, die an einer Gassenecke herumhingen und sich eine Zigarette teilten, wurden zu geheimnisvollen Phantomen aus der Vergangenheit." (Seite 47/48)


A propos Teenager. Chiara will endlich einen Computer. Ob da wohl der Opa einspringen muss, Vater ihrer Mutter und steinreicher Conte, der "im Finanzgeschäft" war? Raffaele zeigt sich gerade proletarisch. Er will nicht zur Schule. Da würde man nur systemkonform beeinflusst. Aber die ganze Familie spielt Monopoli. Der Mathestar Chiara geht pleite, Raffaele, Raffi, mausert sich zum Erzkapitalisten und die Paola beklaut ihre Tochter, die Bank, ihren Gatten, den Commissario dabei strahlend anlächelnd.  Es ist ein Genuss, dies zu lesen und wohl kaum eine Roman- oder TV-Ermittler "gibt" soviel Einblick in seine, ausnahmsweise mal "normalen" Familienverhältnisse.


Figuren / Darsteller

Auf dem Bild sehen wir oben links die Familie Brunetti mit Julia Jäger, Uwe Kockisch, Laura-Charlotte Syniawa und Patrick Diemling. rechts unten, die Besetzung der Folgen 1 bis 4: Joachim Król und Barbara Auer. Außerdem zu sehen Annett Renneberg als Signorina Elettra und Michael Degen als Vice-Questore Patta. Über Patta und Elettra wird noch zu berichten sein. Mir persönlich gefällt Kockisch in der Rolle des Brunetti besser als Król. Aber beide entsprechen nicht genau dem oben gezeichneten Bild des Helden. Das betrifft zumindest die Krawatte.






Sein letztes Konzert: Was war in dem Kaffee? Da liegt Maestro Wellauer. Wurde er ermordet?



Vice Questore Patta, Commissario Brunette und Signorina Elettra. Es fehlt Sergente Vianello. In fünften Film darf er zwar nicht fehlen, aber im ersten Band spielt die Figur noch gar nicht mit.



Abendstimmung in Venedig. Aktenstudium auf venezianisch. We sitzt in diesem Flugzeug?


Ich mach dann hier erst einmal Schluss. Schließlich muss ich mir bei 25 Bänden diverse spezifische Dinge einteilen. Fall 2 ist bereits in Arbeit.


© KaratekaDD


Quellen & Abbildungen


Samstag, 13. August 2016

Donna Leon - Autorenseite



Donna Leon
13. August 2016. KaratekaDD startet das Projekt Brunetti. Eigentlich könnte es auch Venedig-Projekt heißen. Dieses Projekt hat vor allem zu tun mit Donna Leon. Die Amerikanerin wurde am 29. September 1942 in New Jersey geboren. Bekannt geworden ist sie mit eben dieser nunmehr fünfundzwanzigbändigen Reihe um den Commissario Guido Brunetti, der im sogenannten Brunetti Projekt zukünftig besondere Beachtung finden wird. Nebst den inzwischen zweiundzwanzig Filmen. Ein Projekt, dass sich wohl mindestens bis zum September 2018 hinziehen wird, wenn ich es schaffe, jeden Monat ein Buch davon zu lesen, den Film zu schauen und das ganze hier zu besprechen.

Donna Leon, die in Venedig lebt, hat auch andere Bücher geschrieben. über Himmlische Juwelen und Mein Venedig habe ich hier schon einmal geschrieben, in dem Post über vier Frauen, die damit im Zusammenhang stehen.

Über Donna Leon lässt sich viel erzählen, aber dies möchte ich hauptsächlich über ihre Bücher tun.

Das man inzwischen Bücher über ihre Bücher schreibt, zeigt ein Link zur Deutschen Nationalbibliothek.


 Blog - Beiträge
Weblinks

 * * *

© Bücherjunge


Quellen & Abbildungen
  • Abb 1:  Von Michiel Hendryckx - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11938636











Das Brunetti Projekt



Familie Brunetti (Fernsehfilme)
Nein, in Venedig war ich (noch) nicht. Vielleicht muss ich im Zuge dieses Projekts aber mal dahin. Eine Fotoserie schießen und den Balkon fotografieren, auf dem so oft Paola, Guido, Raffaele und Chiara gesessen haben. Vielleicht weiß der geneigte Leser dieses Blogs, wen ich hier meine. Ja, die Familie des Commissarios Brunetti. Auch ein Bild der Questura und und und...

Fünfundzwanzig Fälle hat Donna Leon bisher den Lesern geschenkt. Zweiundzwanzig davon wurden bereits verfilmt. Nun wird es endlich mal Zeit, die Fälle des Commissarios Brunetti zu präsentieren.



Das Projekt lautet also:
Jeden Monat eins der Bücher und den dazugehörigen Film zu präsentieren. Das wir zwangsläufig zwei Jahre dauern; und länger, falls Donna Leon noch ein paar Fälle erfindet. Momentan wird es also dauern bis September 2018.



* 01 *   Venezianisches Finale
Hier geht es zum Post über Buch & Film.

* 02 *   Endstation Venedig
Ich stelle aber auch gerade fest, dass ich den zweiten Band tatsächlich schon einmal besprochen habe. Das kann man hier nachlesen.

* 16 *   Lasset die Kinder zu mir kommen
wurde schon einmal gastrezensiert, nachdem wir ein Exemplar davon verlost hatten.

* 26 *   Stille Wasser
Man sieht es geht reichlich durcheinander. dieser Link führt zur Rezension.

* * *

Brunettis Fälle:
Die Jahreszahlen zeigen die Veröffentlichung im Diogenes Verlag Zürich an. Die Links weisen auf Wikipedia - Artikel hin.

  1. Venezianisches Finale - 1993
  2. Endstation Venedig - 1995
  3. Venezianische Scharade - 1996
  4. Vendetta - 1997
  5. Acqua alta - 1997
  6. Sanft entschlafen - 1998
  7. Nobiltà - 1999
  8. In Sachen Signora Brunetti - 2000
  9. Feine Freunde - 2001
  10. Das Gesetz der Lagune - 2002
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima - 2003
  12. Verschwiegene Kanäle - 2004
  13. Beweise, daß es böse ist. Zürich - 2005
  14. Blutige Steine - 2006
  15. Wie durch ein dunkles Glas - 2007
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen - 2008
  17. Das Mädchen seiner Träume - 2009
  18. Schöner Schein - 2010
  19. Auf Treu und Glauben - 2011
  20. Reiches Erbe - 2012
  21. Tierische Profite - 2013
  22. Das goldene Ei - 2014
  23. Tod zwischen den Zeilen - 2015
  24. Endlich mein - 2015
  25. Ewige Jugend - 2016
  26. Stille Wasser - 2017
  27. Heimliche Versuchung - 2018
  28. Ein Sohn ist uns gegeben - 2019
  29. Geheime Quellen - 2020
  30. Flüchtiges Begehren - 2021
  31. Milde Gaben - 2022


© Bücherjunge (27.02.2023)

Sonntag, 14. Februar 2016

Leon, Donna: Lasset die Kinder zu mir kommen (BR16)

Lasset die Kinder zu mir kommenEine Gastrezension.

Nachdem Manuela das Buch in einem unserer sehr seltenen Gewinnspielen im letzten Jahr gewonnen hat, folgt hier nun wie versprochen aber ziemlich verspätet der "Abdruck" ihrer Gastrezension.

* * *

»Einer der Aspekte, die Brunetti insgeheim seit jeher an den antiken Dichtern und Denkern bewundert hatte - und derentwegen er sie wieder und wieder las -, war die scheinbare Leichtigkeit, mit der sie ihre moralischen Urteile fällten. Richtig oder falsch; schwarz und weiß. Ach, was für unbeschwerte Zeiten!«


Gerade hat Kinderarzt Gustavo Pedrolli noch seinen kleinen 18 Monate alten Sohn Alfredo gewickelt, mit ihm gespielt und ihn ins Bett gebracht. Gerade noch lag er selber wach und dachte glücklich daran, dass der Kleine ihn erstmals "Papa" genannt hat... Von einem Moment auf den anderen ist es mit diesem Idyll vorbei. Eine Einheit von Carabinieri stürmt die Wohnung, schlägt Pedrolli nieder und nimmt den kleinen Alfredo mit. Eine unglaubliche Tat, die sich einem zunächst nicht erschließt. Als Commissario Brunetti versucht, die Hintergründe zu erfahren, stößt er auf Schweigen, sowohl von Seiten der Carabinieri als auch bei dem krankenhausreif geprügelten Pedrolli, der seit dieser Nacht kein Wort mehr gesprochen hat. Brunetti bohrt tiefer und stößt auf ein Geflecht aus Bestechung, Korruption und illegalen Aktivitäten...

Dieser Krimi startet schon mal anders als die meisten anderen, nämlich nicht mit einem Mord. Das macht ihn aber nicht weniger spannend, denn der Vater, der seinen geliebten kleinen Sohn verloren hat, kann niemanden kalt lassen. Auch Brunetti und seine Kollegen reagieren höchst emotional auf diesen ungewöhnlichen Fall, Brunetti zeigt sich besonders dünnhäutig, da er ständig an seine eigenen Kinder denken muss. Recht und Unrecht sind hier alles andere als klar verteilt, ich ertappte mich dabei, dass ich noch nach Zuklappen des Buches darüber nachgrübelte. Beim Bohren in Medizinerkreisen werden weitere sensible Themen aufgedeckt, die betroffen machen und zum Nachdenken anregen.


Brunetti mag ich als Charakter sehr. Er hat eine wunderbar trockene Art, seinen eigenen Kopf und ist ansonsten herrlich normal. Weder hat er großartige psychische Probleme, noch ist er geschieden, gesundheitlich beeinträchtigt oder alkoholabhängig. Entsprechend beschäftigen ihn – abgesehen von seiner Arbeit – ganz normale und alltägliche Dinge, die jeder so oder so ähnlich kennt. Ich finde so einen „normalen“ Charakter zwischendurch sehr erholsam!


Das Szenario gefiel mir ebenfalls sehr - die Beschreibungen Venedigs verursachen bei mir regelmäßig spontane Reiselust - und die diversen eingestreuten italienischen Begriffe runden das Bild ab. Wer das Land und die Sprache liebt, bekommt beim Lesen häufig Grund zur Freude… 

»In anderen Kulturen hätte man Giuliano Marcolini vielleicht einfach als dick bezeichnet. Den Italienern hingegen, deren Sprache so reich an Beschönigungen ist, galt ein Mann wie er als "robusto".«


Fazit: Gelungener Krimi der ruhigen Art. Sensible Themen und viel Stoff zum Nachdenken.

»Das Gesetz ist eine herzlose Bestie, Lorenzo.«

Auch auf Lovelybooks

KaratekaDD



Sonntag, 1. September 2013

Leon, Donna: Endstation Venedig (BR02)

historische Karte Venedigs
Italia, Italia - quo vadis? ODER: Donna Leon zum Zweiten
Meine Rezension zu ENDSTATION VENEDIG - Commissario Brunettis zweiter Fall
zuerst veröffentlicht bei den Buchgesichtern am 29.12.2011



Was bringt mich plötzlich dazu  hier die nächste Baustelle aufzumachen, nämlich die venezianische der Amerikanerin ► Donna Leon? Die mag ich. Außerdem kamen heute im Ersten gleich mal zwei Teile. Erst ► ENDSTATION VENEDIG und dann noch des Commissarios 12. Fall: VERSCHWIEGENE KANÄLE.

Hier nutze ich erst mal die  Gelegenheit, eine ältere Rezension einzustellen.

* * *
Szenenbild: Commissario Brunetti und Sergente Vianello
Italia, Italia – Quo Vadis? Ja, „ITALIEN, wo gehst du hin?“ – das könnte man sich fragen, nachdem man den zweiten BRUNETTI – Roman der Donna LEON gelesen hat. Okay, das fragen wir uns am Ende des Jahres 2011 auch, aber gerade tut es nichts zur Sache.

Scheinbar gehen hier ein paar zusammenhanglose Dinge durcheinander, die BRUNETTI so richtig erst durch seinen Schwiegervater, den CONTE FALIERE erkennt. Der muss ihm auch helfen.

Diese Hilfe aber zeigt dem geneigten Leser zwei Dinge:
Erstens, Donna LEON weiss schon, warum sie die Romane nicht in italienisch erscheinen lässt: Ihre Nachbarn in LA FENICE würden sie wohl nicht mehr anschauen.
Zweitens, die Polizei ist immer dann dumm dran in Bella Italia, wenn sie an mafiöse Strukturen stößt.

Genau das passiert COMMISSARIO BRUNETTI, der den Mord an einem Sergeanten der US-Army untersucht. Dessen Vorgesetzte und Freundin, Capitan und Kinderärztin muss auch über die Klinge springen.

Ein Major der Carabinieri, welcher BRUNETTI hilft, wird am Schluss nach Sizilien versetzt, ein Umstand , der die Lebenserwartung des Maggiore deutlich sinken lässt. Und ein Kleinkrimineller klaut Gemälde, die letztlich in einem seltsamen Zusammenhang zur illegalen Verklappung von Giftmüll stehen, weswegen auch dieser sterben muss. Die Blutrache seiner Mutter an einer maßgeblich am Ganzen beteiligten schwerreichen Person kommt dem geneigten Leser als gerechte Handlung vor.

Habt ihr alles verstanden? Nein? Soll auch so sein, denn selber lesen macht schlau. Auf jeden Fall werde ich nun sicher weitere Brunetti Fälle lösen, äh, lesen wollen. Der Typ ist schon mal Klasse. Auch dann, wenn es einen wie mich eher wundert, dass ein Polizist nur von Wein und Kaffee lebt und zu ausgedehntem Mittagessen auch ein Gläschen zu sich nimmt. Und in den Kaffee am frühen Morgen gelegentlich einen Grappa.

Das ist etwas anders als hier in Deutschland, dessen Leser auf die Geschichten wohl abfahren. Zudem hab ich bisher selbst noch keine solche Vorgesetzten erlebt wie den Vice-Questore PATTA. Literarisch eine toller Gegenpart zu Brunetti. Aber so ein A… So! (A = Armleuchter; nur zur Erläuterung)

Familie Brunetti
Gut finde ich auch die Familiengeschichte. PAOLA, Guidos Frau, seine Tochter CHIARA und RAFFAELE, sein Sohn, runden den Krimi ab.

Vielleicht gefallen mir darum auch die Filme.





 * * *
Zweimal PS:
Zum einen hatte ich in diesem Jahr einmal die Gelegenheit, einen Vice Questore (Aggiunto) kennenzulernen und der hob sich sehr wohltuend von Patta ab. So ein freundlicher Kollege, der eine Studentengruppe und mich hervorragend betreute und einen informativen Tag bei der Polizia Ferroviaria (italienische Bahnpolizei) innerhalb der ► Polizia di Stato gestaltete.

Zum zweiten allerdings muss ich anmerken, dass aus dem berufenen Mund eines Obersten der ► Carabinieri die Beschäftigung von Frauen innerhalb dieser Polizeiaufgaben erfüllender Waffengattung des italienischen Militärs so wie im Film gezeigt nicht so richtig wahr ist. Viele gibt es nämlich nicht. Das exakte Benehmen der Carabinieri kann man sehen. Es ist anders als in Deutschland. Auch daher ist der Film, naja, ein Film. Aber ein schöner Film.


 * * *

Quelle
Donna Leon ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die in Venedig lebt. Sie wurde am 28, September 1942 in Montclair, New Jersey, geboren.

"In Deutschland ist Leon eine Bestsellerautorin. Auf ihren Wunsch hin erscheinen ihre Bücher nicht auf Italienisch, damit die Venezianer, von denen sie ihre Geschichten und Anregungen hat, weiter unvoreingenommen mit ihr umgehen." (siehe wikipedia)

© KaratekaDD

Donna Leon in der DNB
Deutsche Nationalbibliothek