Posts mit dem Label Gast werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gast werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 14. Februar 2016

Leon, Donna: Lasset die Kinder zu mir kommen (BR16)

Lasset die Kinder zu mir kommenEine Gastrezension.

Nachdem Manuela das Buch in einem unserer sehr seltenen Gewinnspielen im letzten Jahr gewonnen hat, folgt hier nun wie versprochen aber ziemlich verspätet der "Abdruck" ihrer Gastrezension.

* * *

»Einer der Aspekte, die Brunetti insgeheim seit jeher an den antiken Dichtern und Denkern bewundert hatte - und derentwegen er sie wieder und wieder las -, war die scheinbare Leichtigkeit, mit der sie ihre moralischen Urteile fällten. Richtig oder falsch; schwarz und weiß. Ach, was für unbeschwerte Zeiten!«


Gerade hat Kinderarzt Gustavo Pedrolli noch seinen kleinen 18 Monate alten Sohn Alfredo gewickelt, mit ihm gespielt und ihn ins Bett gebracht. Gerade noch lag er selber wach und dachte glücklich daran, dass der Kleine ihn erstmals "Papa" genannt hat... Von einem Moment auf den anderen ist es mit diesem Idyll vorbei. Eine Einheit von Carabinieri stürmt die Wohnung, schlägt Pedrolli nieder und nimmt den kleinen Alfredo mit. Eine unglaubliche Tat, die sich einem zunächst nicht erschließt. Als Commissario Brunetti versucht, die Hintergründe zu erfahren, stößt er auf Schweigen, sowohl von Seiten der Carabinieri als auch bei dem krankenhausreif geprügelten Pedrolli, der seit dieser Nacht kein Wort mehr gesprochen hat. Brunetti bohrt tiefer und stößt auf ein Geflecht aus Bestechung, Korruption und illegalen Aktivitäten...

Dieser Krimi startet schon mal anders als die meisten anderen, nämlich nicht mit einem Mord. Das macht ihn aber nicht weniger spannend, denn der Vater, der seinen geliebten kleinen Sohn verloren hat, kann niemanden kalt lassen. Auch Brunetti und seine Kollegen reagieren höchst emotional auf diesen ungewöhnlichen Fall, Brunetti zeigt sich besonders dünnhäutig, da er ständig an seine eigenen Kinder denken muss. Recht und Unrecht sind hier alles andere als klar verteilt, ich ertappte mich dabei, dass ich noch nach Zuklappen des Buches darüber nachgrübelte. Beim Bohren in Medizinerkreisen werden weitere sensible Themen aufgedeckt, die betroffen machen und zum Nachdenken anregen.


Brunetti mag ich als Charakter sehr. Er hat eine wunderbar trockene Art, seinen eigenen Kopf und ist ansonsten herrlich normal. Weder hat er großartige psychische Probleme, noch ist er geschieden, gesundheitlich beeinträchtigt oder alkoholabhängig. Entsprechend beschäftigen ihn – abgesehen von seiner Arbeit – ganz normale und alltägliche Dinge, die jeder so oder so ähnlich kennt. Ich finde so einen „normalen“ Charakter zwischendurch sehr erholsam!


Das Szenario gefiel mir ebenfalls sehr - die Beschreibungen Venedigs verursachen bei mir regelmäßig spontane Reiselust - und die diversen eingestreuten italienischen Begriffe runden das Bild ab. Wer das Land und die Sprache liebt, bekommt beim Lesen häufig Grund zur Freude… 

»In anderen Kulturen hätte man Giuliano Marcolini vielleicht einfach als dick bezeichnet. Den Italienern hingegen, deren Sprache so reich an Beschönigungen ist, galt ein Mann wie er als "robusto".«


Fazit: Gelungener Krimi der ruhigen Art. Sensible Themen und viel Stoff zum Nachdenken.

»Das Gesetz ist eine herzlose Bestie, Lorenzo.«

Auch auf Lovelybooks

KaratekaDD



Sonntag, 3. Januar 2016

Günther, Ralf: Das Weihnachtsmarktwunder


Einige Zeit vor Weihnachten erhielt ich ein Buch, auf das mich schon der Einband neugierig machte: die Frauenkirche in Dresden, davor ein freier Platz und zwei Kinder mit einem Schlitten, der Kleidung nach etwas „Historisches“.

Das Weihnachtsmarktwunder von Ralf Günther

Als Dresdnerin muss man natürlich hineinschauen. Einige sehr schöne Illustrationen ließen auf eine Geschichte aus dem Erzgebirge schließen, richtig, eine Geschichte über das schwere Leben der Holzschnitzer und Spielzeugdrechsler.

Martin, ein Junge von fünfzehn Jahren geht allein nach Dresden, zu Fuß, mit einem Schlitten voller Spielzeugtiere, die er verkaufen will, weil der Händler nicht kommt und der Vater krank wird. Vom Verkauf der Arbeit hängt das Leben der Familie im nächsten Jahr ab.


Bilder: Cover und Einband innen

Auf seinem Weg und auch in Dresden findet er hilfsbereite Menschen, so dass es ihm möglich wird, seine schönen Spielsachen zu verkaufen. Eine besondere Rolle spielt dabei ein Elefant aus Holz, gedrechselt, geschnitzt und wunderschön bemalt.
Aber auch vor Strolchen und Dieben muss er sich in acht nehmen.

Am Ende geht alles gut, er kommt glücklich nach Hause, die Eltern sind stolz auf ihren mutigen Sohn und können Weihnachten feiern.*
 

Es ist eben ein richtiges Weihnachtswunder.

© Gudrun R. als Gastrezensentin


* Das darf man wegen des Titels ausnahmsweise auch mal verraten

* * *

Bilder: Innenseiten

Auf eine Anfrage hin antwortete der Autor, dass der fünfzehnjährige Martin aus einem fiktiven Dorf im Spielzeugerzgebirge kam, weil Ralf Günther sich für keinen der schönen Orte entscheiden konnte. Okay, dann verorten wir das Heimatdorf eben zwischen Frauenstein und Dippoldiswalde, dies könnte der zurückgelegten Wegstrecke und der gebrauchten Zeit so halbwegs entsprechen. 

Wunderschön illustriert hat das Buch Andrea Offermann. Ralf Günther, der inzwischen in Hamburg lebt, aber Dresden unbedingt verbunden bleibt, hat schon einige gute Bücher im Zusammenhang mit Dresden verfasst. Dieses hier ging auf der SCHRIFTGUT weg wie warme Semmeln samstagmorgens beim Bäcker.


DNB / Kindler Verlag (Rowohlt) / Berlin 2015 / ISBN:  978-3-463-40657-2 / 144 S.

Ich danke meine Gastrezensientin für die schöne Einführung.


KaratekaDD