Donnerstag, 17. Oktober 2013

Urlaub in der Toskana Oktober 2013 - Siena

Am Rande von Siena haben wir für die Dauer unseres Urlaubs ein kleines Häuschen gemietet - klein aber fein, sogar mit einer Terrasse und dazugehörigem Mobiliar. Wenn sich die Sonne zeigte, haben wir diese Möglichkeit morgens oder auch mal abends genutzt.



Da unser Urlaubsdomizil schon einmal dort war, war Siena selbst natürlich einer der ersten Orte, die wir uns ansahen. Und es hat sich wahrlich gelohnt. Der Reiseführer meint hierzu: 
"Florenz mag die Hauptstadt und Kunstmetropole der Toskana sein, Siena aber gilt als die schönste Stadt der Region. Schon von weitem sieht man die eindrucksvolle, lang gestreckte Stadtsilhouette mit ihren Türmen und Kuppeln. Der charakteristische rotbraune Farbton kommt nicht von ungefähr. Früher wurde die Tonerde der Gegend als natürliches Pigment für Malerfarben verwendet - das begehrte, warme Sienabraun. Innerhalb des mächtigen mediceischen Mauerrings verteilt sich die gotisch geprägte Stadtanlage auf drei Hügelrücken, die im weltlichen Zentrum an der berühmten Piazza del Campo aufeinander stoßen."


Hier zunächst einige Eindrücke der Stadt. Jeder Blick um eine Ecke oder durch einen Torbogen hindurch wird mit einem Postkartenmotiv belohnt...





























































Natürlich haben wir - den Empfehlungen des Reiseführers entsprechend - auch gezielt Sehenswürdigkeiten aufgesucht... 


Da wäre zunächst einmal die Piazza del Campo - bereits im 13./14. Jahrhundert angelegt und 1956 zur ersten Fußgängerzone Italiens erklärt.
Zweimal im Jahr ist sie Schauplatz des Palio-Rennens. Und die Piazza del Campo zählt zu den schönsten Plätzen Europas.


Bei einem Cappuccino grande (draußen 2,- Euro teurer als drinnen!) haben wir den Flair des Platzes auf uns wirken lassen. Eindrucksvoll!



An der Piazza del Campo steht der Palazzo Publico. Der gotische Kommunalpalast wurde 1309 aus Travertin und Backstein errichtet. 


An der linken Gebäudeecke ragt der Rathausturm, einer der kühnsten Turmbauten des Mittelalters, in die Höhe. 1338 bis 1344 erbaut, misst er bis zur Spitze des metallenen Glockenkäfigs 102 m.
Wer mag, kann bis zur Turmplattform emporsteigen - wir mochten nicht...






Von der Piazza del Campo aus liefen wir dann weiter zu unserem nächsten Ziel. Auch diese Strecke bot einigen Anlass zum Fotografieren. Wie z.B. dieses Motiv:






Als nächste Sehenswürdigkeit erwartete uns ein Meisterwerk der Gotik: der Dom von Siena.

An der höchsten Stelle der Stadt steht die Kathedrale, die als einer der eindrucksvollsten gotischen Kirchenbauten Italiens gelten kann.


Die Fassade aus dreifarbigem Marmor mit drei Portalen ist das Werk von Giovanni Pisano.







Markant überragt der hohe, spitze Glockenturm des Doms mit seinen schwarzen und weißen Zierstreifen aus Marmor die Stadt.













Die schwarz-weißen Marmorstreifen setzen sich auch im Inneren des Doms fort. Die teilweise eng beieinanderstehenden Säulen bieten ein beeindruckendes Bild.

Etwas Besonderes sind die einzigartigen Marmorintarsien, durch die der Fußboden des Doms zu einem einzigartigen Kunstwerk wird. Nur von Mitte August bis Ende Oktober ist der Boden komplett sichtbar - ansonsten sind die Intarsien zum Schutz abgedeckt... 



Nach dem ausgiebigen Dombesuch wollten wir nur noch eines: Entspannung. Die suchten wir uns dann bei einem leckeren Gelato im Angesicht eines kühlen Springbrunnens in einem Park...




In jedem Fall ist Siena eine überaus sehenswerte Stadt, ein Besuch lohnt sich immer!


© Parden



Dienstag, 15. Oktober 2013

Timm, Uwe: Vogelweide


Ein Mann hat alles verloren, seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung, er hat einen Bankrott hinter sich und ist hoch verschuldet. Nun lebt er für eine Weile ganz allein auf einer Insel in der Elbmündung, versieht den Dienst als Vogelwart. Ein geradezu eremitisches Dasein, das durch einen Anruf durcheinandergewirbelt wird.
Anna kündigt ihren Besuch an – eben jene Anna, die vor sechs Jahren vor ihm nach New York geflohen ist und zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hat. Und während Eschenbach sich auf das Wiedersehen mit ihr vorberei­tet, seinen Alltagsritualen folgt, Vögel zählt und Strandgut sammelt, besuchen ihn die Geister der Ver­gangenheit und es entfaltet sich die Geschichte von Eschenbach, Selma, Anna und Ewald. Es ist die Ge­schichte von zwei Paaren, die glücklich miteinander waren und es nicht bleiben konnten, als Eschenbachs große, verbotene, richtige und falsche Leidenschaft für Anna entbrannte... 





Vom Begehren...

(zuerst veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am  14.10.2013)



 
Vogelinsel Scharhörn (vor Cuxhaven)


Mit reichlich Respekt begab ich mich an die Lektüre dieses Romans, der in diesem Jahr auf der Liste der für den Deutschen Buchpreis nominierten Bücher stand. Und tatsächlich musste ich mich erst einfinden in die Sprache, den vermeintlich kühlen, fast schon distanzierten Stil, der die Personen nur zögerlich und fast unwillig bei ihrem Namen nennt, am liebsten nur Ihn und Sie und Den Freund erscheinen lässt. Ganz langsam nur entpuppen sich die Figuren, gewährt Uwe Timm einen weiteren Pinselstrich, der die Charaktere allmählich deutlicher skizziert - und ihre Beziehungen zueinander.
Geschrieben ist das Buch in stetem Wechsel zwischen der einsamen Inselwelt, dem rudimentären Aufsichzurückgeworfensein, und den Erinnerungen, Geistern der Vergangenheit, mit denen Eschenbach sich in seiner selbstgewählten Einsiedelei unterhält.

 

So zögerlich wie der Roman Einblicke in die Charaktere zu zeigen bereit ist, so schnell ist doch deutlich, dass einiges im Leben des Christian Eschenbach anders verlaufen sein muss, als er es sich vorgestellt hat. Erfolgreich zunächst, gut situiert, eine Beziehung, die ausreichend Freiräume bietet und doch schön ist, ein Fragender zwar aber doch eigentlich zufrieden - so zeigt sich Eschenbachs Leben, bis er auf Anna trifft:

 

"Und Eschenbach stand da und hatte, so wie sie ihn ansah, mit dem ruhigen, auf ihn gerichteten Blick, und wie sie ihm zuhörte, den merkwürdigen Gedanken, nein, es war nur ein Wort: Rettung. Sie könnte dich retten. Wovor? Vor allem. Vor Gleichgültigkeit. Vor Bedeutungslosigkeit. Beliebigkeit."

 

Und diese Begegnung, dieses Begehren, unvernünftig, nicht sein dürfend und doch alles überschwemmend, bringt das Leben durcheinander. Nicht nur das Eschenbachs, sondern auch das der anderen, das von Anna, von ihrem Mann Ewald und das von Selma, Eschenbachs Freundin. "Alle litten, litten aneinander, ein eng verschlungenes, tiefes Leid."
Und einmal in Schieflage geraten, gerät das Leben vollends aus den Fugen, stellt alles in Frage, begräbt Eschenbach unter Trümmern. Auf der Insel mit den Vögeln und den kleinen Ritualen, die ihm Halt geben in der Einsamkeit, kommt er allmählich wieder zu sich. Bis Anna, eben jene Anna, mit der Eschenbach das Begehren lebte, ihren Besuch ankündigt. "Freute er sich auf ihr Kommen? Ja, aber es war eine Freude, die, das war ihr beigegeben, Enttäuschung fürchtete." Was würde ihn nun erwarten?

 

Intellektuell, anspruchsvoll, nachdenklich, einladend den Fragen zu folgen, und sprachlich eindringlich und schön - so begegnete mir der Roman. Oder, um es mit den Worten des Klappentextes zu sagen:
"Der neue, wunderbar choreographierte und vielschichtige Roman Uwe Timms erzählt mit hoher Inten­sität und zugleich fast meditativer Ruhe, präzise, schön, komisch und klug von der Macht des Begehrens, von den geheimnisvollen Spielregeln des Lebens - und von der Kunst des Abschieds." 




Für mich eine wundervolle Leseerfahrung...


© Parden 




Die Macht des Begehrens - © Parden





Hier noch einige Videos, die einen weiteren Eindruck verschaffen mögen:


Uwe Timm liest aus "Vogelweide"




Sendung NDR: Julia Westlake trifft Uwe Timm 09.08.2013





Und als Link:

Sendung SWR: Top oder Flop im Bücherherbst 10.10.2013






Dem Buch wird von verschiedenen Seiten eine Zugehörigkeit zu "Die Wahlverwandtschaften" von Goethe attestiert. Ein Buch, was ich sicherlich demnächst auch lesen werde...










Uwe Timm

Uwe Timm, geboren 1940, freier Schriftsteller seit 1971. Timm wurde 2006 mit dem Premio Napoli sowie dem Premio Mondello ausgezeichnet und erhielt 2009 den Heinrich-Böll-Preis und 2012 die Carl-Zuckmayer-Medaille. Zuletzt erschien „Freitisch” als Hörbuch bei Random House Audio.




Gaarder, Jostein: 2084 - Noras Welt


Wie es im Jahr 2084 auf der Erde aussieht, wenn wir so weitermachen wie bisher – das erlebt die 16-jährige Nora in ihren Träumen. Sie träumt von ihrer Urenkelin Nova, die ihr in einem Brief ihre Welt schildert: Der Meeresspiegel ist gestiegen, Klimaflüchtlinge ziehen umher, im Norden grasen Kamele, zahlreiche Arten sind ausgestorben. Im wirklichen Leben weiß Nora Bescheid über Ökologie, Klimawandel und Artensterben. Gemeinsam mit ihrem Freund gründet sie eine Initiative, um die Erdatmosphäre zu schützen. 
20 Jahre nach "Sofies Welt" stellt Jostein Gaarder in diesem Jugendbuch eine der drängendsten Fragen unserer Zeit: Können wir unsere Umwelt und das Klima retten? 




Was kann der Einzelne tun?

(zuerst veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am  14.10.2013)



Eine sehr engagierte und überaus selbstbewusste Nora schaut in diesem Buch für Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren weit über ihren Tellerrand hinaus.
bedrohlich: der wachsende CO2-Ausstoß
Deutlich sind die bedrohlichen Anzeichen zu erkennen: für viele Pflanzen- und Tierarten ist es bereits fünf vor zwölf. Die globale Erderwärmung, der stets noch wachsende CO2-Ausstoß, die fehlende Einsicht der Verantwortlichen - die Lage scheint hoffnungslos, zumal die "Botschaften" aus der Zukunft mehr als deutlich sind.
Doch Nora resigniert nicht, sondern beginnt sich Gedanken zu machen, was man ernsthaft als Einzelner dazu beitragen kann, um das Artensterben und die anderen verheerenden Folgen des unausweichlich scheinenden Klimawandels zu verhindern. Mit der von ihr gegründeten Umweltgruppe sollen schließlich 1001 Arten gerettet werden - märchenhaft beinahe, wie in 1001 Nacht. Doch auch utopisch?

 

Dieses Jugendbuch geht für mich über das rein Philosophische deutlich hinaus, das Jostein Gaarder sonst auszeichnet. Es hat einen starken Appell-Charakter und richtet sich an jeden einzelnen Leser, v.a. eben an die genannte Zielgruppe - denn diese jungen Menschen sind die Verantwortlichen von morgen. Und niemand ist zu jung, um nicht schon etwas Entscheidendes zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen zu können. 
Gaarder betont die Schönheit der Welt, wie wir sie heute noch genießen dürfen. Gerade noch. Das Schwert des Damokles kreist unerbittlich, die Folgen des Klimawandels scheinen unumkehrbar. Und doch appelliert Gaarder unermüdlich an die Verantwortung des Einzelnen, in freier Anlehnung an die goldene Regel jeder Ethik: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. 


bedrohte Lebenswelten

Diese Appelle an die Verantwortung aller Menschen auch im Hinblick auf die kommenden Generationen ziehen sich in Variationen durch das gesamte Buch. Mir persönlich erschienen die Wiederholungen teilweise zu gehäuft und dadurch etwas ermüdend, aber angesichts der eigentlichen Zielgruppe mögen sie die Dringlichkeit eines konsequenten Einschreitens vielleicht eher vermitteln.
"Sicher ist nur, dass eines Tages unsere eigenen Nachkommen ein Urteil über uns fällen werden. Wenn wir vergessen, an sie zu denken, werden sie uns das niemals vergessen."

 

So bedrückend die glasklaren Schilderungen der
mögliche Folgen des Klimawandels
anstehenden Konsequenzen der verantwortungslos in Kauf genommenen Klimaveränderung auch sein mögen - Gaarder belässt es nicht dabei. Er zeigt durch das Engagement der 16jährigen Nora auf, dass das Verhalten jedes Einzelnen durchaus dazu beitragen kann, konkret etwas zu unternehmen. Einige Gedankengänge dabei sind durchaus originell und könnten Jugendliche ermutigen, in ihrem Rahmen selbst aktiv zu werden. Deshalb hielte ich dieses Buch als Schullektüre - unterstützt durch einen engagierten Lehrer - für sehr geeignet. Denn es zeigt: auch der Tropfen auf einen heißen Stein muss nicht wirkungslos verpuffen. Ein Buch mit einem Appell an die Menschheit - und mit einem Hoffnungsschimmer für kommende Generationen...


 
© Parden 








Jostein Gaarder
Jostein Gaarder, 1952 in Norwegen geboren, studierte Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaften. Er war lange Philosophielehrer und hat viele Bücher zum Thema Philosophie veröffentlicht. 1993 erschien erstmals sein Weltbestseller "Sofies Welt", in dem es ihm gelang Philosophiegeschichte selbst für Kinder verständlich aufzubereiten. Jostein Gaarder lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau, einer Theaterwissenschaftlerin, und zwei Söhnen in Oslo.


 

Montag, 14. Oktober 2013

Storm, Theodor: Herbst






Theodor Storm: Herbst
© TinSoldier

Sonntag, 6. Oktober 2013

LWH: Die Höhle in den schwarzen Bergen

Büffeljagd und Union Pacific Railroads - Harka auf dem Weg zum Krieger

Meine Rezension zum 3. Band der sechsbändigen Ausgabe von

DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRINErstausgabe
Liselotte Welskopf-Henrich

Band 1: Harka - Der Sohn des Häuptlings
Band 2: Der Weg in die Verbannung
Band 3: Die Höhle in den schwarzen Bergen
Band 4: Heimkehr zu den Dakota
Band 5: Der junge Häuptling
Band 6: Über den Missouri 


Der ►Eulenspiegelverlag hat die sechs Bände wohlwollend als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Links ist das Cover der schönen Hardcoverausgabe zu sehen. Schön ist auch, dass auf dem Buchdeckel der Gesamttitel genannt wird, denn um die BÄRENSÖHNE handelt es sich ja.


* * *


Gibt es noch indianische Hoffnung für Mattotaupa und seinen Sohn Harka? Sie reiten durch die nördlichen Prärien, da wo gelegentlich ► Siksikau (► Blackfeet) und Dakota aufeinanderstoßen. Beide Stämme sind einander feindlich eingestellt. Sie finden einen verletzten Krieger der Schwarzfüße, gemeinsam mit Häuptling Brennendes Wasser und anderen Kriegern retten sie den Mann. Nun bricht noch einmal eine Zeit glücklichen Lebens an. Dies gilt vor allem für Harka, der sich mit den Knaben des noch etwas fremden Stammes mist und Freundschaft mit Stark wie ein Hirsch, dem Häuptlingssohn schließt.
Mattotaupa zeigt sein jägerisches Geschick als er eine Gruppe ► Assiniboine in die Irre führt um die Gruppe der Siksikau an eine Büffelherde herankommen zu lassen. Harka erlegt mit Pfeil und Bogen seinen ersten Büffel unter Anleitung des Vaters.
Eines Tages schleichen sich Dakota in das Dorf. Tashunka-witko will eine Tochter seines Stammes und auch den Sohn des ehemaligen Kriegshäuptlings der Bärenbande zurück in die Zelte der Dakota holen. Letzteres kann Mattotaupa mit anderen Kriegern verhindern und der Oberhäuptling der Oglala Dakota kommt in Gefangenschaft. Er kann aber wieder fliehen. Während Mattotaupa das Geheimnispferd, so die Übersetzung des Namens Tashunka-witko, hasst, den die Dakota haben ihn ja verbannt[1], ist Harka trotzdem voll Bewunderung für den tapferen Häuptling. Ein kleiner erster Schatten legt sich über das Verhältnis von Vater und Sohn.
Harka reitet mit Stark wie ein Hirsch zur Jagd. Dort lernen sie die weißen Biberjäger Thomas und Theo, Zwillinge, kennen. Beide werden Harka immer wieder über den Weg laufen bis sie richtige Freunde werden.
Mattotaupa will aufbrechen um sich an Tashunka-witko zu rächen und außerdem seine Tochter aus den Zelten der Bärenbande zu sich holen. Seine Mutter, Untschida - das Großmütterchen, sagt ihm, dass er sich mit dem Skalp des Red Fox rehabilitieren kann. Der Sohn lehnt ab. Der Befreiungsversuch geht gründlich schief. Er kommt in Gefangenschaft von der ihn Uinonah befreit. So trifft er später wieder auf Red Fox, den roten Jim. Der redet ihm ein, dass er wegen des Mordes am Zirkusinspizienten Ellis[2] gesucht wird und nicht mehr zu dem Siksikau zurück kann. außerdem soll Harka von dort weggeholt und in ein Schulinternat[3] gesteckt werden. 

Mattotaupa, angeschlagen wegen der erneuten Niederlage, vertraut dem Weißen und gemeinsam hausen sie in den Schwarzen Bergen. Außerdem verführt er den Indianer wieder mit Alkohol.
Als Harka auf einer Handelsstation davon erfährt, verlässt er die Wandergruppe und sucht in den schwarzen Bergen nach seinem Vater. Er hat die Absichten des Red Fox längst durchschaut. In der Goldhöhle, die das Geheimnis Mattotaupas birgt, trifft Harka auf Red Fox und verletzt den noch größeren und stärkeren Mann schwer. Aber er hat noch keinen Beweis, Mattotaupa glaubt seinem Jungen nicht.
Nun verdingen sich alle drei beim Bau der Union Pacific[4] als Scouts. Dabei erweist sich Red Fox in Harkas Augen erneut als Schurke, als die Scouts gegen streikende Gleisbauarbeiter vorgehen und es Tote gibt. Der Kampf der Prärieindianer gegen die weißen Männer, die die Eisenbahn bauen und nach Gold suchen, ist härter geworden. Die Bärenbande hat einen Wasserlauf vergiftet. Die Weißen starten eine Strafexpedition. Mattotaupa zwingt seinen Sohn ebenfalls daran teilzunehmen. Nach dem Überfall auf das Dorf kommt plötzlich ein Dakotaknabe in Festkleidern zu den rum stehenden Männern. Der Junge spricht zu seinem Vater Mattotaupa und bedeutet ihm, dass er, der Sohn eines Verräters im Kampf sterben will. Dann zieht er sein Messer und geht auf den Ingenieur Joe Henry los. Das Vorhaben gelingt Harpstennah nicht, denn der Bruder verhindert es, in dem er den Jüngeren tötet. Harka lässt das Skalpieren des Jungen nicht zu und trauert auf indianische Weise.

Quelle
Während der Gleisbauarbeiten taucht eine Büffelherde auf,  die Männer machen sich zur Jagd fertig. Harka will auf traditionelle Weise jagen[5] und nimmt 10 Pfeile und seinen Bogen mit. Den zehnten Büffel allerdings schenkt er seinem Kinderfreund Kraushaar[6], der diesen ebenfalls getroffen hat. Die Bärenbande jagte ebenfalls in der Nähe. Auch Kraushaar bedeutet ihm, wie im vorangegangenen Winter bereits Tschetan, dass der Skalp des Red Jim die einzige Möglichkeit ist, wieder bei den Dakota aufgenommen zu werden.
Harka fühlt sich innerlich zerrissen. Er glaubt dem Vater und misstraut dessen "Bruder".
Der Vater frönt immer mehr dem Alkohol.
Was wird aus den beiden werden?
* * *
So wie es nun aussieht, ist die unbeschwerte Zeit der Kindheit und Jugend für Harka Steinhart Nachtauge Wolfstöter Büffelpfeilversender Bärenjäger nun endgültig vorbei. Er kommt gemeinsam mit seinem Vater zu einem der fortschrittlichsten und gleichzeitig grausamsten Unternehmen nicht nur der amerikanischen sondern überhaupt der Industriegeschichte. Zum Eisenbahnbau. Sie treten als Scouts bei der ►UnionPacific Railroads ein. Die Strecke die da gerade gebaut wird ist vermutlich die am ► North Platte River im Bundesstaat ► Nebraska. 




Quelle

Ungefähr in das Jahr 1864[7] dürfte die Handlung den Leser jetzt führen. Der ► Bürgerkrieg, der im Osten der USA immer noch tobt, bindet die meisten Regimenter der USA (Nordstaaten), trotzdem beginnt man ab 1861 mit der Erschließung des Westens auch durch den Eisenbahnbau. Die Bahn wird es sein, die zuerst tausende von weißen Männern, ausgewandert aus Europa und Asien, auf der Suche nach Arbeit in die Gleisbautrupps treibt. Hinzu kommen Subunternehmen, Jäger, Bauarbeiter für die Stationen, Händler und nach und nach auch Militär zum Schutz der Bahn. Diese führen durch die Jagdgebiete der Prärieindianer und "zerschneiden" die Wege der für diese notwendigen Büffelwege. Verständlich, dass die Indianerstämme insbesondere der Sioux das "Eiserne Pferd" als Bedrohung ansehen. Folgerichtig kämpft auch die Bärenbande gegen die Eisenbahnerbauer.

"Vorn an der Trasse standen sie, die Haut wettergegerbt.
Mit ihren Spaten hatten sie Adern ins Land gekerbt,
Mit Hacken und mit Hämmern hatten sie Berge bewegt
Und Schwellen über Schotter und darauf Schienen gelegt.

In bittrem Frost, sengender Glut, in Regen, Tag für Tag,
Nachts einen Strohsack auf dem Boden im Bretterverschlag.
Und wieder auf beim Morgengrau'n für jämmerlichen Lohn
Und noch ein neues Vermögen mehr für den Stahlbaron.

Und bald fauchte das Dampfroß funkensprühend durch das Land.
Manch neue Industrie und manch Imperium entstand,
Manch unschätzbarer Reichtum, doch an jedem Meter Gleis,
Jeder Brücke, jedem Tunnel klebten Tränen, Blut und Schweiß.
Die Eisenbahn trug Fortschritt, technische Revolution
In jedem Winkel, bis in die entlegenste Station."
[8]

Quelle
So schrieb ► Reinhard Mey in seiner Eisenbahnballade. Der Text hätte auch für die Eisenbahnbauer der Union Pacific Railroads stehen können. In der bereits mehrmals erwähnten US-amerikanischen Miniserie ► INTO THE WEST wird ein Teil dieser
Geschichte erzählt. Im vierten Teil DAS EISERNE PFERD wird der Zusammenschluss der aus Ost und West (► Central Pacific Railroads) zusammengeführten Strecken erzählt. Im Mai 1869 war es in der Nähe des Großen Salzsees in Utah dann soweit.
Für Harka bestätigt sich, wie bereits im vorhergehenden Band im Zirkus, dass es unter den weißen Männern anders zugeht als bei den Dakota oder den Siksikau. Erste Anzeichen einer, sagen wir mal Protestbewegung, werden sofort unterdrückt. Da tut es auch nichts zur Sache, dass der Anführer der Scouts, die auch eine Art Arbeitspolizei und Personenschützer für die Ingenieure sind sowieso schon ein verbrecherischer Typ ist. Für den jungen Indianer bestätigt sich der Verdacht, dass der Rote Jim nicht der BRUDER Mattotaupa ist sondern dessen Feind.

Quelle
Quelle
In ► DER WEG IN DIE VERBANNUNG habe ich von ► Buffalo Bill berichtet. Er und weitere Jäger haben die Büffelherden insbesondere im Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau förmlich hingeschlachtet.[9] Ziel war es natürlich einerseits, Fleisch für die Gleisbauer zu beschaffen, aber dafür hätte ein Bruchteil der durch die Prärien ziehenden Herden gereicht. Es gehörte aber auch zum Krieg gegen die sich wehrenden Indianerstämme. In diesem Zusammenhang ist auch schon die Jagd zu sehen, in der Harka mit zehn Pfeilen zehn Büffel schießt. 


* * *
Quelle
 Die Heimat der Bärenbande sind die Schwarzen Berge, Paha Sapa oder auch ► Black Hills. Sie befinden sich im Bundesstaat South Dakota, da ist ja schon der Name bezeichnend. In den ► Great Plains (Große Ebenen, die Prärien) liegt die Bergkette, welche sich ca. 160 km in der Nord/Süd Richtung erstreckt und 96 km in der Ost/West Richtung. Es sind genau diese Berge, die den Dakota heilig waren und ihnen in den Verträgen von Fort Laramie[10] als ewige Jagdgründe zugesprochen wurden. Süd-östlich liegt heute die Stadt Rapid City.[11]  

Quelle
Quelle
In den Schwarzen Bergen befindet sich das Mount ►Rushmore National Memorial. Der Mount Rushmore ist ein Berg, dessen Name von einem New Yorker Anwalt herrührt, der die ersten Goldschürfrechte erworben hatte. Die Dakota in der Pine Ridge Reservation haben damit immer vor Augen, welcher Umstand zum Verlust ihrer heiligen Berge führte. Da nützt es nicht viel, vielleicht aber auch etwas, wenn in den Weißen Felsen ein ähnliches Denkmal an Tashunka-witco erinnert.

Immer wieder wurde nach Gold gesucht. Zur Zeit unserer Geschichte waren es noch einzelne Goldsucher wie der zahnlose Ben und eben Red Fox. Die größeren Goldfunde gab es erst ab 1874, der bekannte ► George Armstrong Custer erkundete die Berge im Jahr 1874, worauf es zum Goldrausch kam. In den Auseinandersetzungen mit den Indianern wurde Custers 7th. Cavalry erneut eingesetzt und in der ► Indianerschlacht am Little Bighorn vernichtend geschlagen.[12] Dieses Ereignis wird auf dem Zeitstrahl unserer Geschichte erst in etwa 10 Jahren eintreten.


Das Goldgeheimnis welches Harka in der Höhle der Großen Bärin selbst entdeckt und hinter dem Red Fox her ist, hat mit den späteren großen Goldfunden nichts zu tun. Aber dazu wird später noch zu berichten sein.


Das Kartenbild zeigt die südlichen Schauplätze der Geschichte. Die Jagdgründe der Siksikau liegen weiter nördlich.



 * * *
Der dritte Teil der sechsbändigen Ausgabe der  BÄRENSÖHNE ist der Beginn von TOP UND HARRY, zweiter Band der ursprünglich dreibändigen Ausgabe. Das Cover zeigt einen Indianer in zu Wakantanka, dem Großen Geheimnis, betenden Indianer. Das Buch wurde 1963 veröffentlicht. 



© KaratekaDD



[1] siehe LWH: Harka - Der Sohn des Häuptlings, Eulenspiegel Kinderbuchverlag  Berlin 2010 
[2] siehe LWH: Der Weg in die Verbannung, Eulenspiegel Kinderbuchverlag Berlin  2010 
[3] Zu dieser Zeit, ca. 1862 bestanden die ersten Reservationen schon und Indianerkinder sollten in Schulinternaten erzogen werden. Das Thema Schulinternate wird auch in der Pentalogie BLUT DES ADLERS (Band 4: Der siebenstufige Berg) behandelt. Die Art und Weise der Erziehung im 19. Jahrhundert wird anschaulich in der US-amerikanischen Miniserie INTO THE WEST (Teil 5) dargestellt. 
[4] Dem Bau der Eisenbahnen wird in INTO THE WEST ebenfalls ein Kapitel gewidmet. Ebenso der dabei exzessiv betriebenen Büffeljagd nach "Vorbild" des Buffalo Bill. siehe auch Rezension zu LWH: Der Weg in die Verbannung. 
[5] siehe auch Rezension zu LWH: Harka… Die traditionelle Jagd ist ebenfalls sehr anschaulich in INTO THE WEST dargestellt. 
[6] Kraushaar ist der Sohn eines ehemaligen Negersklaven, der  mit ihm bei der Bärenbande lebt. Harka fand den von den Weißen geflohenen Jungen eines Tages in der Prärie. siehe: LWH: Harka… 
[7] Die Jahreszahl nehme ich an, da Harka im Jahr der Schlacht am Little Bighorn River 24 Jahre sein soll. 
[8] http://www.lyrics007.com/Reinhard%20Mey%20Lyrics/Die%20Eisenbahnballade%20Lyrics.html, 05.10.2013, 18:00 Uhr 
[9] W.F.Cody, genannt Buffalo Bill, arbeitete von 1867 bis 1868 als Jäger für die Kansas Pacific Railways.  Hier soll er sich den Namen Buffalo Bill geholt haben. Da Cody sich erst ab 1872 dem Zirkus zuwandte, dürfte das Zusammentreffen von Mattotaupa und Harka mit ihm im zweiten Band ein Kunstgriff gewesen sein. Auch dürfte er damals noch nicht Buffalo Bill genannt worden sein.
[10] Die Geschichte der Verträge von Fort Laramie (Wyoming wird im 4. Teil von INTO THE WEST erzählt.
[11] Rapid City wird in Liselotte Welskopf-Henrichs Pentalogie DAS BLUT DES ADLERS zu New City
[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Black_Hills, 05.10.2013, 21:00 Uhr

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Vermes, Timur: Er ist wieder da (Hörbuch)


Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva, im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet er in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere - im Fernsehen.
Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und 'Gefällt mir'-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? 





Darf man da lachen?

(zuerst veröffentlicht von parden auf Buchgesichter.de am  03.10.2013)



Hitler will da anknüpfen, wo er einst erfolgreich war...
In der Ich-Perspektive berichtet Hitler über seinen Aufstieg aus der Gosse bis zum Medienstar, immer in dem Wahn, das Deutsche Volk wieder so führen zu wollen wie in der Geschichte. Die Menschen, denen er begegnet, verkennen jedoch seine Absichten und halten ihn für einen begnadeten Comedien - und wittern das große Geschäft...
Dabei hält Hitler teils unwissentlich, teils gewollt und bitterböse der heutigen Gesellschaft einen
gnadenlosen Spiegel vor. Sei es die Medienlandschaft, sei es die Politik - jeder bekommt da sein Fett weg. Einschaltquoten und Auflagenzahlen stehen über dem guten Geschmack, ein paar Wählerstimmen mehr rechtfertigen den Versuch der Anwerbung Hitlers in jeder Partei. Popularität zieht - und unter diesem Deckmantel ist offenbar so gut wie alles hinnehmbar.


Selten ist mir eine Rezension derart schwer gefallen. Ich mag Satire. Ich mag schwarzen Humor. Aber Adolf Hitler?
Wie soll ich erklären, dass ich das (Hör-)Buch komisch und erschreckend zugleich fand? Teilweise habe ich laut gelacht - und das nicht nur einmal. Und zwar mit Hitler, und nicht über ihn. Und manchesmal habe ich gedacht: "Da hat er Recht!" und fand ihn z.T. sogar sympathisch. Dann wieder lief es mir eiskalt den Rücken herunter, und das Lachen blieb mir im Halse stecken...

 

Dazu kommt noch der kongeniale Vortrag des
Christoph Maria Hebst liest diese Rolle kongenial...
Christoph Maria Herbst, der einen zwischendurch fast vergessen ließ, dass es nicht Hitler selbst ist, der da spricht.
Diese Authentizität erhöhte den Gruselfaktor des Schreckgespenstes Hitler noch, der da so mühelos die eingelullte Gesellschaft in ihren Wohnzimmern erobert.

 


Als Fazit bleibt jedenfalls ein komisches Gefühl - und glücklicherweise weniger die Ansicht, wie "lustig" doch dieser Hitler ist, sondern wie erschreckend die Erkenntnis scheint, dass das alles so abwegig ja gar nicht ist...


© Parden








Timur Verdes (Quelle: Süddeutsche.de)
Timur Vermes, Jahrgang 1967, studierte Geschichte und Politik. Viele Jahre arbeitete er als Journalist, unter anderem für die Abendzeitung. Seit 2007 schrieb Vermes als Ghostwriter mehrere Bücher. Seinen ersten offiziellen Roman "Er ist wieder da" veröffentlichte er im September 2012. Seit Monaten hält sich seine absurde Fikton vom in der Gegenwart erwachten Nazi-Diktator Adolf Hitler in den Bestsellerlisten.



Philosophisches

Eine Buchgeschichte zu 
ICH DENKE, ALSO BIN ICH VERWIRRT
von Christoph Süß
am 08.05.2005 bei buchgesichter.de veröffentlicht.

COGITO ERGO SUM. Sagte Descartes. Wer das ist? Irgendein Philosoph. Ein anderer Möchtegernphilosoph machte in einem Buch daraus COGITO ERGO CONTURBATUS. Das les ich gerade. Macht reichlich verwirrt und trainiert die Gesichtsmuskeln. Wegen andauerndem Lachen.
Hier nun gilt, bei den Buchgesichtern und Bloggern, SCRIBERUS, ERGO SUMUS. Lateinische Grammatik kann ich nicht. Also hab ich mir reichlich verwirrt gedacht, ich setz mal per Googelei was zusammen. Googeln kannte man im Lateinischen noch nicht. Der letzte Satz soll übrigens bedeuten: "Wir schreiben, also sind wir!" - wir Buchgesichter. Aber sind wir wirklich?

 * * *

Da gibt es eine schöne Stelle im Buch. Danach sind die Buchstaben auf den Seiten des Buches nur schwarze Flecken umgeben von weißem Papier, das zwischen Buchdeckeln gestapelt ist. Flecken die soviel Bedeutung haben, wie ein Fliegenschiss. Oder wie die Ausscheidungen, die Amsel Peter auf meinem Balkon gelassen hat bevor er sich verabschiedete. Obwohl, ganz ohne Bedeutung ist der Amselschiss nicht. Erstens ist es MEIN Balkon und zweitens war es ein Abschiedsschiss.
 Mir kommen die Tränen. Ich verzettele mich. "VERWIRRT ICH BIN", würde Meister Yoda sagen.

Bedeutung bekommen die Flecken erst, wenn wir sie lesen. Das führt zu dem Satz: LEGERE ERGO SUM. (Scheiß auf die Grammatik). Das Ding mit dem Papier zwischen den Pappdeckeln und dem Schutzumschlag bekommt also auch Bedeutung. Der Autor ebenso? Aber der sei uns erst mal egal. Viel wichtiger ist das Buchgesicht Parden. Von der kam das Ding, also das Buch zu mir. Damit wird sie, wenigstens halb, gegenständlich. Und schreiben kann sie auch. Irgendwer muss ja meine Adresse auf den Umschlag geschrieben haben. Vermutlich war sie es. ERGO: SIE IST. (Ich verzichte an dieser Stelle mal auf Latein) Obwohl ich sie nicht kenne, trotz des Briefes, der dem Ding, also dem Buch beilag. Was sie schrieb, ist geheim. Postgeheimnis. Das gibt es, schreibt der Gesetzgeber. Da halte ich mich dran. Ähhh, wo war ich? Ach so…

Da gab es nämlich Männer (ausschließlich Männer - schreibt der Möchtegernphilosoph), die meinten vor tausenden von Jahren, dass nur existiert, was man sieht. Also nehme ich mal an, den Computer vor mir gibt es, den sehe ich ja. Das Regal hinter mir gibt es somit nicht. Es sei denn, ich schalte die Webcam ein. Dann sehe ich es vielleicht. Parden  sehe ich aber immer noch nicht. ERGO: sie ist nicht existent. Da das Buch aber von ihr kam, müsste es auch nicht existent sein. Dumm nur, dass ich gerade darüber philosophischen Unsinn in den existenten Computer haue. VERWIRRT ICH BIN, aber das schrieb ich ja schon.

Schuld an dem Elend ist das bereits genannte Buchgesicht namens PARDEN. Die kam mit dem Buch, na ja, nicht so richtig zu recht. Darum wollte ich es lesen. Hatte ich schon mal ein Buch von PARDEN? Nein. Oder doch? Aber ich habe mal eins zu ihr geschickt. Damit könnte PARDEN ja vielleicht doch existieren. Am Niederrhein. Sagt mein Computer. Was nun? Kompliziert.

Zurück zu den Flecken auf dem Papier. Solange das Buch von PARDEN gelesen wurde, hatten diese für PARDEN eine Bedeutung. Warum? LEGERE… usw.  Das wusste ich schon. Zumindest meinte das der blöde Computer, der "denkt", die Einsen und Nullen, die in ihm hin und her schießen, würden mir was sagen. Jedenfalls erzeugten diese Einsen und Nullen dann eine Nachricht in der stand, kurz ausgedrückt: "Her mit dem Ding, diesem Buch!" Nun ist es hier.

Die alten Griechen hatten ein gestörtes Verhältnis zur Wahrnehmung vor allem zur sinnlichen. Ungefähr so, wie oben erzählt. Sinnlich heißt, dass man etwas fühlt, sieht, schmeckt, liebt (körperlich oder zumindest gegenständlich). Da haben wir ein neues Problem mit den Buchgesichtern, wenn dieses Prinzip der Erfinder der Volksherrschaft (Demokratie), in der wir ja angeblich immer noch leben, gilt. Also erstens kann ich die Buchgesichter weder fühlen noch schmecken noch körperlich lieben. (Noch nicht; *lach* = sprachliche Entgleisung)
Ich kann zweitens nur ihre Einsen und Nullen zu Nachrichten zusammensetzen, die ich gelegentlich nicht verstehe. Daher weiß ich immer noch nicht, ob mir mein Computer eure Existenz nur vorgaukelt. Es sei denn, ich bekomme Bücher, deren Bedeutung sich mir beim lesen vielleicht erschließt. VIELLEICHT! Daraus wird, wenn auch empirisch nicht bewiesen, eure Halbexistenz.

Welche Bedeutung die schwarzen Flecken auf dem Papier zwischen den Buchdeckeln haben, kommt auf die existenten und nichtexistenten Buchgesichter an, denen sich diese beim Lesen, aber auch dann nicht immer, erschließen. Zum Beispiel erschließt sich mir nicht die Bedeutung der Buchstabenflecken V-A-M-P-I-R. Auch nicht nach einem bereits erzähltem Versuch. Aber manchem Buchgesicht soll sich diese Buchstabengruppe bedeutungsvoll darstellen. Meint mein Computer.

Das, liebe PARDEN, ist Philosophie *lach*. Da ich keine religiösen Themen angeschnitten habe, kann mich, hoffentlich, keiner als Häretiker verbrennen. Aber vielleicht bin ich für dich gar nicht mehr existent. Denn du hast die schwarzen Flecken auf dem Papier zwischen den Buchdeckeln ja auch entziffert.

DIE PHILOSOHPEN HABEN DIE WELT NUR VERSCHIEDEN INTERPRETIERT, ES KOMMT DRAUF AN, SIE ZU VERÄNDERN!
Das allerdings ist nicht von Descartes sondern von Marx)

© KaratekaDD