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Freitag, 18. September 2020

Welskopf-Henrich, Liselotte: Der Bergführer


Die Berge haben es der studierten Okonomin und Historikerin Liselotte Welskopf-Henrich wohl angetan. Diese Geschichte hier spielt in Südtirol in den Dolomiten. 

* * *

Der Bergführer Karl Unteregger führt für meist schmales Geld Touristen in die Bergwelt der Dolomiten. Sein Wunsch ist es, eine kleine Hütte mit ein paar Wiesen zu erwerben, er will aus eigenem Domizil heraus leben mit seiner Moidl und dem kleinen gemeinsamen Buben, der ebenfalls Karl heißt.

Es ist das Jahr 1939 und im alpinen Club in Bozen haben die Faschisten das sagen. Doch die Leute in den Bergen sind frei und lassen sich nicht ein auf solch Art Ideologie.

Postoberinspektor Ordemann aus Berlin kommt mit seiner Verlobten in die Berge. Der herrische NSDAP-Ortsgruppenführer hat ein paar Touren gebucht. Karl soll ihn führen. Der erste Konflikt entsteht, als der feiste Berliner verlangt, der Bergführer solle seinen Rucksack schleppen. Unangenehm berührt von seinem Benehmen ist Lotte, das Berliner Arbeitermädchen, zwanzig Jahre jünger als ihr Verlobter...

Das Wetter in den Bergen ist launisch. Wenn es umschlägt, wird es gefährlich, besonders wenn ein warmer Föhn auf kalte Felsen fällt.

Sonntag, 26. Januar 2020

Auf den Spuren...


Es ist fünf Jahr her, da erschien auf unserem Blog die Besprechung zur Erzählung DER
BERGFÜHRER von Liselotte Welskopf-Henrich. Die Autorin hatte diese in den fünfziger Jahren geschrieben doch erst 2015 veröffentlichte der Palisander-Verlag die Originalversion.

DER BERGFÜHRER und der Tourist klettern im Gebiet des Reiches des Zwergenkönigs Laurin, rund um dessen Rosengarten. Es ist eine Sommergeschichte doch hier erscheint nun eine Wintergeschichte aus dem traumhaften Südtirol, denn der Bücherjunge kommt soeben aus dem Skiurlaub zurück.


Montag, 19. März 2018

LWH: Neuauflage der BÄRENSÖHNE



Es gibt so Verlage, die sich ganz speziellen Programmen widmen. Einer davon ist der Palisander-Verlag, der sich dem Werk der Liselotte Welskopf-Henrich widmet. Dem aufmerksamen Leser, der aufmerksamen Leserin dieses Blogs dürfte dies allerdings bekannt sein.

Das Hauptwerk der Autorin ist die sechsbändige Reihe DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN. Nun hat der Verlag dieses Werk neu herausgebracht und sich dabei an die Originalvorlagen gehalten, was sehr begrüßenswert ist.


Montag, 24. Oktober 2016

Welskopf, Liselotte: Hans und Anna

Liselotte Welskopf 
und ihre Kinderbücher

heute: 

Hans und Anna





Da muss man ein halbes Jahrhundert alt werden, ehe man die Kinderbücher seiner Lieblingsautorin in der Hand hält.  Liselotte Welskopf hat in den fünziger Jahren paar geschrieben und da sie hier auf unserem Blog einen festen Platz inne hat, ist es wohl nur folgerichtig, diese auch zu besprechen.
Heute ist Hans und Anna dran.

Elisabeth Charlotte Henrich (1901 - 1979) ist eher bekannt unter dem Namen Liselotte Welskopf-Henrich. Dieser Name ist vor allem verbunden mit zwei Werken: Die Söhne der Großen Bärin und Das Blut des Adlers. Kinderbücher? Davon las ich erst vor einigen Jahren, als das "Adlerblut" neu herausgegeben wurde und ich zu stöbern anfing. Unter dem Wikipedia-Eintrag las ich von den drei, oben abgebildeten Kinderbüchern - heute nur noch antiquarisch zu erhalten.

Hans und Anna wurde 1954 im Kinderbuchverlag der DDR veröffentlicht. Dieser hatte sich auf die Fahnen geschrieben, nur gute Bücher für Kinder herauszugeben und damit zielte er ganz bewusst gegen die sogeannten "Schwarten" - die Wildwest- und Krimihefte, bei denen "nur ein dicker, aber leerer Kopf herauskommt... So sind die Schwarten: immer dieselbe spannend gemachte Dummheit für Dumme."

(Schwarten stimmte auf jeden Fall, vom ständigen weitergeben waren die ziemlich abgegriffen und speckig - wie Schwarte eben) 

Der Besitz derselben wurde in der Schule angeprangert und natürlich verboten: Derartiger Schund kam natürlich von drüben und insbesondere in Berlin, also Ost - Berlin, muss ein reger Tauschhandel geherrscht haben. Gelegentlich hatte ich auch mal eins in der Hand, aber weder verstand ich den Inhalt noch haben die Geschichten mich vom Hocker gerissen.
 Im Buch Hans und Anna fand ich diese Lesezeichen, die allerdings auf eine Reihe hinweisen, die erst in den sechziger und siebziger Jahren aufgelegt wurden.

Hans und Anna hätten schon gut dazu gepasst, den die zu Beginn wie eine Hänsel und Gretel Adaption anmutende dreiteilige Geschichte ist letztlich vor allem eins, zutiefst solidarisch und, ich komme darauf zurück, politisch.

* * *

Im Bergwerk
Drei Geschichten von Allezusammen. Hans und Anna lebten mit ihren Eltern in der Mitte des 19. Jahrhunderts in "einer Hütte aus Lehm, unter einem Dach aus Stroh." Anna musste den ganzen Tag spinnen und als der reiche Müller für den Vater keine Arbeit mehr hatte, schickten die Eltern ihre drei Kinder, Hans, Anna und die kleine Lisbeth (!) auf Wanderschaft, selber verlegten sie sich auf das Betteln. Die Kinder ziehen los, beim reichen Müller gibt es schon mal nichts zu essen, nur der Hofhund mag mit ihnen teilen. Sie begegnen einem König, aber der will nur die Anna haben. Sodann ziehen sie zum schwarzen Köhler in den tiefen Wald. dieser fleißige Mann, der selber kaum etwas hat, erzählt den Kindern von der Arbeit in einem Bergwerk. Die kleine Lisbeth bleibt beim Köhler und die älteren Geschwister ziehen los und bekommen dann auch Arbeit im Kohlebergwerk. Schläge und schwere Arbeit, ein weiterer Knabe erzählt ihnen von einem weisen Häuer tief unten im Berg. Die geschundenen Arbeiter gehen zu dem Häuer und Allezusammen! zwingen sie den Besitzer des Bergwerkes dazu, keine Kinder mehr im Berg schuften zu lassen. Hunderte haben gesiegt, Tausende müssen es werden. Hans und Anne ziehen, nachdem sie ihre Eltern wiedersahen, los, um überall das Wort "Allezusammen!" zu rufen. "Damit alle Mut bekommen, miteinander gegen die Großmächtigen zu kämpfen."

Die beiden Swinegel
Die zweite Geschichte handelt von zwei kleinen Buben Jahrzehnte später. Die beiden heißen Jan und Klaus, sind Söhne eines armen Bauern aus der Lüneburger Heide und begegnen eines Tages einem Wanderburschen, der heißt Hans. Der gibt ihnen das Wort "allezusammen" mit auf den Weg. Wieder ist ein Märchen verwoben, das vom Hasen und dem Igel. Die beiden noch kleinen Jungs tricksen einen reichen Bauernlümmel auf die bekannte Art und Weise aus.


In der dritten Geschichte werden die Bösen besiegt. Diese tragen schwarze Uniformen mit einem Totenkopf an der Mütze und bewachen ein Lager, aus dem zwei Kinder, Klaus und Anna, fliehen können. Sie treffen einen Mann mit einem Roten Stern an der Mütze. Der kennt das Wort auch. Nun wird die Geschichte des Aufbaus eines zerstörten Landes erzählt, noch nicht alle aber viele arbeiten "allezusammen". Beim Aufbau der Städte und gegen die Großbauern.

* * * 

Wen es erstaunt, ein solches Buch hier rezensiert zu sehen, der mag daran denken, dass die Autorin mit anderen Büchern weit bekannter und berühmt wurde. Deutlich zu erkennen dürfte sein, dass es sich hier um ein zutiefst politisches Kinderbuch handelt. Die erste Auflage erschien im Jahr 1954 und auf diese Art und Weise wollte Liselotte Welskopf den Kindern in der DDR erklären, was letztlich Sozialismus bedeutet. Der Stil ist durchaus an einige bekannte Märchen angelehnt und sehr symbolhaft. Die Schläge im Bergwerk, in dem Kinder ausgebeutet werden, der Totenkopf, der rote Stern, weiße Blusen und blaue Halstücher sowie blaue Hemden, auch rote und blaue Fahnen...

Ich hatte eine Reihe Kinder- und Jugendbücher, die das Leben in Stadt und Land der DDR beschrieben und in vielen Fällen nicht schlecht. Ob FRANK von Karl Neumann oder DEN WOLKEN EIN STÜCK NÄHER von Günter Görlich, ob DIE REISE NACH SUNDEVIT oder TAMBARI von Benno Pludra, sie handelten von Kindern und Jugendlichen, die natürlich Pioniere waren bzw der FDJ angehörten. So wie die meisten in der DDR. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, je ein Buch für jüngere Kinder (für Leser von 9 Jahren an) in den Händen gehalten zu haben, welches derart zielgerichtet und so klar und deutlich herausstellte, welches Ziel der inzwischen fünf Jahre alte Staat propagierte. Ideologie? Natürlich. Heute jedoch wissen wir, dass dieses Ziel sicherlich ein erstrebenswertes war, der Weg hingegen nicht einfach nur steinig, sondern auch von Stacheldraht gesäumt war und daher in diesem Staat der weißen Blusen, der blauen Hemden und der roten und blauen Fahnen nicht bis an das Ziel reichte. Es fehlte an Demokratie. Es fehlte an Freiheit - späte Erkenntnis.

Liselotte Welskopf-Henrich starb 1979 - ob sie geahnt hat, dass der Weg, den sie in ihren Romanen von ZWEI FREUNDE, DIE WEGE TRENNEN SICH, DAS WIEDERSEHEN, JAN UND JUTTA und BERTOLDS NEUE WELT erzählte, nicht zum Ziel führte? Vermutlich, denn der zuletzt genannte Roman wurde nicht wie ursprünglich gewollt fortgesetzt, zu widersprüchlich waren die gesellschaftlichen Verhältnisse in diesem deutschen Staat und damit auch die Verhältnisse für die Verlage.
 
DNB / Kinderbuchverlag Berlin / Berlin 1954 /  87 Seiten.

© Bücherjunge (01.11.2024)



Montag, 22. Februar 2016

Zitkala-Ša: Roter Vogel erzählt




Abb 1
„Roter Vogel“ heißt auf Lakota Zitkala-Ša. Zitkala-Ša wure im Jahr 1876 geboren. In diesem Jahr wurde durch die vereinten Stämme der „Sieben Ratsfeuer“ – Dakota – und der Cheyenne unter Führung von Tȟašúŋke Witkó, Tȟatȟáŋka Íyotake[1] und Matohinshdar, besser bekannt als Grazy Horse, Sitting Bull und Gall, die Schlacht am Little Bighorn gewonnen und das 7th. Kavallerieregiment unter Lt. Col. Custer geschlagen.[2]

Doch ist ihr Geburtsjahr wohl weniger ausschlaggebend für ihren späteren schriftstellerischen, politischen und musikalischen Einsatz für die Rechte und die Kultur der Indianer.[3] Gertrude Simmon Bonnin besuchte als junges Mädchen eine Boarding School, eine Internatsschule und lernte dort wohl hervorragend Englisch. Dies bewies sie 1896 auf einem Rede-Wettbewerb mit dem Vortrag „Seite an Seite“.[4] Dieser ist in Roter Vogel erzählt abgedruckt und wird hier noch näher behandelt werden.

Später unterrichtete sie zwei Jahre an der Carlisle Indian Industrial Border School.[5]
Diese Schule war eine der ersten und ihr Gründer Richard Pratt hatte den Standpunkt, dass „man den Indianer in den Kindern töten muss, um Amerikaner aus ihnen zu machen.“[6]
Mit  Zitkala-Ša ist dies überhaupt nicht gelungen, diese Art von „Lehr- und Lernziel“ veranlasste die talentierte Halbindianerin die Schule wieder zu verlassen.


Abb 2

Im ersten Teil von des Buches gibt es einen Abschnitt der mit „Schultage eines Indianermädchens“ überschrieben ist. Darin erzählt sie, die ja unbedingt auf die Schule wollte, in das „Land der Roten Äpfel“, wie ihr die Haare geschnitten werden sollten:

„Auf Händen und Füßen kroch ich unter das Bett und kauerte mich in den dunklen Winkel.

Ich spähte aus meinem Versteck hervor, vor Furcht bebend, wenn ich in der Nähe Schritte vernahm. Obgleich im Saal laute Stimmen meinen Namen riefen… öffnete ich nicht den Mund, um zu antworten. Die Schritte wurden immer schneller und die Stimmen aufgeregter. Die Geräusche kamen immer näher. Frauen und Mädchen kamen in das Zimmer. Ich hielt den Atem an und beobachtete, wie sie Schranktüren öffneten und hinter große Koffer spähten. Jemand zog die Vorhänge auf, und plötzlich war der Raum von Licht durchflutet… Ich erinnere mich daran, wie ich darunter hervorgezogen wurde, obgleich ich mich mit Tritten zur Wehr setzte und wild kratzte. Gegen meinen Willen wurde ich die Treppen hinabgetragen und fest an einen Stuhl gebunden.

Ich schrie laut, warf die ganze Zeit meinen Kopf hin und her, bis ich die kalten Klingen der Schere an meinem Hals spürte und das Geräusch hörte, mit dem sie einen meiner dicken Zöpfe abfraßen. Ich war außer mir. Seit ich von meiner Mutter weggeführt worden war, hatte ich die schlimmsten Demütigungen erdulden müssen. Leute hatten mich angestarrt. Ich wurde in die Luft geworfen wie eine Holzpuppe. Und jetzt wurde mir mein langes Haar abgeschnitten wie bei einem Feigling! In meiner Seelennot wimmerte ich nach meiner Mutter, aber niemand kam, um mich zu trösten. Nicht eine einzige Seele sprach ruhig mit mir, wie meine Mutter dies zu tun pflegte. Von nun an war ich nur noch eines von vielen kleinen Tieren, die von einem Hirten getrieben wurden.“[7]


In der US-amerikanischen Miniserie „Into the West“ wird im fünften Teil gezeigt, wie eine Gruppe Indianerkinder in die Schule des Capt. Pratt kommt. Es ist, als ob der Regisseur Zitkala-Ša´s Beschreibungen gelesen hätte. Und auch die Darstellungen der Liselotte Welskopf-Henrich von den Schulbedingen achtzig Jahre später zeigen Parallelen auf. Das Verbot „indianisch“ zu sprechen war auch zu dieser Zeit, als Zitkala-Ša bereits mehr als zwanzig Jahre vorher starb, immer noch präsent.

 5 Teil von Into the West - YouTube

Die Autorin erzählt auch von ihrem ersten Tag als Lehrerin an der genannten Indianerschule und ihrer Begegnung mit Richard Pratt. 


Abb 3 Capt. Pratt
„Ich sah vor mir die eindrucksvolle Gestalt eines stattlichen grauhaarigen Mannes. In seiner Linken hielt er einen leichten Strohhut, und die rechte Hand streckte er mir zur Begrüßung entgegen. Er lächelte mich freundlich an. Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich eingeschüchtert von seiner bemerkenswerten Größe und seinen starken. quadratischen Schultern, die sich, wie es mir schien, knapp oberhalb meinen Kopfes befanden. Mir war klar, dass es sich um den Schulleiter handeln musste…

‚Aha! Sie sind also das kleine Indianermädchen, das für so viel Aufregung bei den College-Rednern gesorgt hat!‘ sagte er mehr zu sich selbst als an mich gerichtet- Ich glaubte, einen leichten Unterton von Enttäuschung in seiner Stimme wahrzunehmen.“[8]

Wer sich für die Indianerliteratur nicht nur der Professorin Welskopf-Henrich interessiert, findet in Zitkala-Ša eine Augenzeugin der besonderen Art, denn trotz der oben angedeuteten Erziehungsmethoden passieren mit ihr zwei Dinge: Zum einen wird sie wirklich Amerikanerin. Sie behält ihre Identität als Lakota, als die sie aufgewachsen und hält die Vereinigten Staaten für das fortschrittlichste, freiheitlichste und demokratischste Land der Welt. Genau wie die vielen irischen, polnischen, russischen, spanischen, italienischen Amerikaner auch. Sie sieht die vielen Unlänglichkeiten, die in extremer Rassendiskriminierung ihren Höhepunkt finden und kämpft als Lehrerin, Musikerin und Politikerin in der   Society of American Indians und gründet später die National Council of American Indians gemeinsam mit ihrem Ehemann. Gegen die Politik des Bureau of Indian Affairs kämpft sie an ohne ihren amerikanischen und indianischen Standpunkt zu verlassen.

Wie weit die junge Indianerin hierbei bereits mit ungefähr zwanzig Jahren war, zeigt der Vortrag „Seite an Seite“, mit dem sie den zweiten Preis in einem Wettbewerb gewann.

Diesen Vortrag beginnt sie mit „Das Universum ist das Ergebnis der Evolution.“ Die Eroberung Britanniens durch die Sachsen und die Magna Carta Libertatum führt sie weiter zu den Eingeborenen Amerikas und die Ankunft einer „bleicheren Rasse“.
Sie ergreift Partei für „ihr Volk“ mit „Einer Nation im langsamen Lauf von Jahrhunderten das Leben zu nehmen, ist wohl kein geringeres Verbrechen, als sie in einem Augenblick mit einem tödlichen Schlag zu zerschmettern."

Am Ende des 19. Jahrhunderts zeugt der Vortrag von großem Wissen und großer Reife, wenn sie trotzdem ausführt:

„Amerika begann seine Laufbahn von Freiheit und Wohlstand mit der Erklärung, dass ‚alle Menschen frei und gleich geboren sind‘. Sein Wohlstand ist in dem Maße gewachsen, wie es seinen Bürgern das Geburtsrecht auf Freiheit und Gleichheit bewahrt hat. Abgesehen von der Forderung nach allgemeiner Menschlichkeit, könnt ihr als konsequente Amerikaner es denn einem amerikanischen Volk verwehren, dass es die gleichen Chancen wie ihr selbst hat bei seinem Kampf darum, sich aus Unwissenheit und Erniedrigung zu erheben? Der Anspruch auf Brüderschaft. Auf Liebe und späte Gerechtigkeit, die einer benachbarten Rasse zustehen, kann doch von eurem Herzen und eurem Bewusstsein nicht völlig unverstanden bleiben.“[9]

* * *
 

Abb 4
Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste Teil ist mit Indianische Erzählungen überschrieben. Hier erzählt Zitkala-Ša auch von ihrer Kindheit und Jugend. Im zweiten Teil geht es um Mythen, Märchen und Legenden.[10] Der dritte Teil beinhaltet Vorträge und Essays, er spiegelt die politische Tätigkeit der Autorin wieder. Mehrere Bücher wurden hier in der Auflage des Palisander-Verlages verwendet. Bereits im Jahr 1901 brachte Zitkala-Ša das Buch Old Indian Legends heraus. Dieses wurde von Hinook-Mahiwi-Kilinaka (Angel de Cora 1871 – 1919), einer Winnebago-Indianerin illustriert. Von ihr finden sich in der hier vorgestellten Ausgabe ebenfalls Zeichnungen (2. Teil) wieder, außerdem wurden zwei Erzählungen und eine autobiografische Skizze im Anhang mit aufgenommen.[11]

In dieser erzählt sie, dass sie im Jahr 1906 vom Kommissar für Indianerangelegenheiten auf Talentsuche u.a. in die Carlisle Indian School gesendet wurde. „Es besteht kein Zweifel daran, dass junge Indianer ein Talent für bildliche Darstellung besitzen, und das künstlerische Verständnis der Indianer verdient es sehr wohl, anerkannt zu werden.“[12]

Ein weiteres Buch mit dem Titel American Indian Stories erschien mit autobiografischen Texten und weiteren Geschichten im Jahr 1921. [11]

Zitkala-Ša selbst hat im Jahr 1913 „The Sun Dance Opera“ aufgeführt, eine Oper, an der Ute-Indianer beteiligt waren. Unter Leitung eines hundertjährigen Indianers führten sie Lieder und Tänze auf, die allerdings nicht in der Partitur standen.[13]


Sun dance opera (Doku)  YouTube


Hier schließt sich ein Kreis. Zitkala-Ša, Angel de Cora und die Romanfigur Queenie Tashina King aus der Pentalogie Das Blut des Adlers von Liselotte Welskopf-Henrich: ebenfalls eine an einer indianischen Kunstschule ausgebildete Indianerin, die ihre „Vorbilder“ in den beiden bewundernswerten Indianerinnen „findet“, welche in einer Zeit, da Bürger- und Indianerkrieg noch sehr lebendige Erinnerungen waren, bereits hörbar für die Rechte und die Kultur der Indianer eintraten.


Abb 5
Dem Palisander-Verlag ist ein weiteres Mal zu danken für die Auflage eines großartigen Werkes von und über die nordamerikanischen Ur-Amerikaner. Frank Elstner und Ulrich Gräfe haben das Werk aus dem Englischen übersetzt.

Die Hinweise auf das ebenfalls im Palisander-Verlag herausgegebene belletristische Gesamtwerk der Liselotte Welskopf-Henrich sind dem Blogger hier ein Bedürfnis. Die Herausgabe von Büchern wie Roter Vogel erzählt oder Das Wunder vom Little Bighorn von John Okute Sica ergänzen Welskopf-Henrichs Werk hervorragend, sie führt zu einer bisher kleinen aber sehr interessanten Bibliothek eines Verlages, der damit ein anderes Zeichen in Sachsen setzt als der "große sächsische Lügenbold" - Karl May. [14]

DNB / Palisander Verlag / Chemnitz 2015 / ISBN 978-3-938305-70-6 / 400 S.


© KaratekaDD (23.03.2016)



Abbildungen und Quellen:

Donnerstag, 11. Februar 2016

Leipzig´16: MesseBlogPost No. 2

 






Auf der Suche nach Aufgaben, 
in eigenen und anderen Sachen.

Die Treffliste ist sicherlich noch lange nicht fertig und auch das Buchmessenprogramm muss sicherlich noch studiert werden.

Natürlich habe ich den inzwischen schon so oft erwähnten Palisander-Verlag im Auge und ich hatte dem Chef auch eine Mail geschrieben. In dieser stand ein Angebot meinerseits, Frank Elstner findet das gut, Zeit werden wir gemeinsam finden.

Seine Mitteilung über zwei Veranstaltungen gefallen mir sehr gut, sie werden meine Abreise etwas hinaus zögern
  • Momentan lese ich Roter Vogel erzählt. Zitkala-Ša (1876-1938) hat diesen Roman geschrieben, eine indianische Schriftstellerin, die als Publizistin, Musikerin und Aktivistin arbeitete. Dazu gibt es am 19.03. eine Lesung mit Musik.  Da bin ich natürlich dabei. 
  • (20.03.2016, 14:00 bis 14:30 Uhr - Halle 5, Stand K600)

* * *
  • Frank Elstner wird gemeinsam mit Erik Lorenz eine Lesung und Gespräch zum Leben von Tatanka Yotanka, besser bekannt als Sitting Bull bestreiten. Es geht um eine illustrierte biografische Erzählung über den berühmten Häuptling und Medizinmann. 
  • (19.03.2016, 10:30 bis 11:00 Uhr, Halle 5, Stand K600)

Erik Lorenz hat die Biografie zu Liselotte Welskopf-Henrich geschrieben. Den kennenzulernen, heißt, diverse Facebook-kontakte auszudenhen, ist schon mal ein interessantes Messe High-light.

* * *

 Bin gespannt, was noch alles dazu kommt.

KaratekaDD






Freitag, 19. Juni 2015

Otto, Uli; Otto, Till: Auf den Spuren...

... der Söhne der Großen Bärin.



Vor einigen Jahren dachte ich noch, dass Liselotte Welskopf-Henrich in der alten Bundesrepublik Deutschland weniger bekannt war, auch wenn zum Beispiel die dreibändige Ausgabe der Söhne der Großen Bärin extra wegen des Drucks im Westen Deutschlands in sechs Bände geteilt wurde.

Am 27.06.2009 schrieb ich unter buchgesichter.de:
„Begeistert von dem Roman der Liselotte Welskopf-Henrich wird der historische und kulturgeschichtliche Hintergrund der Jugendbücher von Dr. Uli Otto und seinem Sohn untersucht. Dabei hat mir durchaus auch gefallen, dass der Autor diese Geschichten von Karl May Romanen abgrenzt, was nicht heißt, dass diese abgewertet werden.
Eine kurze und knappe Inhaltsangabe zu den nunmehr sechs Büchern und den handelnden Personen gibt es auch.“

* * *

Der Regensburger Kulturwissenschaftler Dr. Uli Otto, dessen Sohn Till maßgeblich zu diesem Buch beitrug, schreibt im Vorwort des Buches, dass nach dem Untergang der DDR „zu befürchten [steht], daß mit ihm auch Liselotte Welskopf-Henrich und ihr Werk in den Strudel der Vergessenheit gerät, obgleich ihre gut und spannend geschriebenen, sehr interessanten Werke gerade unter ethnologischen, anthropologischen und historischen Gesichtspunkten auch heute noch durchaus lesenswert sind, zumal es sich gerade auch bei ihren Indianerromanen um Bücher von hoher ‚historischer Authentizität‘ handelt, welche Teilaspekte der Geschichte und Kulturhistorie der nordamerikanischen Plainsindianer in der Zeit von 1860 bis 1880 sowie ihren Untergang treffend und packend schildern.“[1]

Er schildert die Begeisterung beim lesen in jungen Jahren, das konnte ich sehr gut nachvollziehen. Dass es ihm gelang, seine Kinder ebenfalls an den Stoff heranzuführen, dafür gebührt ihm förmlich lob, das ist nicht selbstverständlich, ich weiß das...

Auf irgendeine Weise trug Uli Otto mit diesem Buch dazu bei, dass ich wieder mit dem „Studium" der Werke begann.

„Das Verhältnis der Deutschen zu den Prärieindianern“ beschäftigt den Autoren, natürlich ist Karl May aus der Indianerliteratur nicht weg zu denken, der dieses Verhältnis durchaus prägte. Interessant dabei ist, dass Otto hier auf die einwandernden Deutschen und auf bedeutende Personen wie den Gründer von Germantown, Pastorius, und die Generale FriedrichWilhelm von Steuben und CarlSchurz eingeht. Und wenn sogar Lieutenant Colonel George Armstrong Custer hessische Vorfahren hat, wen wundert das dann.[2]


 
Sodann wendet er sich Liselotte Welskopf Henrich zu, zu der ich aber schon viel geschrieben habe. Es geht Dr. Otto hauptsächlich um das erste belletristische Werk, DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN, auf die ich hier bereits umfassend eingegangen bin. Die Ausführungen bewogen mich, im Antiquariat nach der einbändigen Erstausgabe zu suchen. 

Die Folgebände, die Pentalogie DAS BLUT DES ADLERS werden nicht mit untersucht. Der bibliografischen Vollständigkeit wegen werden Kinderbücher und andere Romane ebenfalls erwähnt, wie auch ihr wissenschaftliches Hauptwerk, in dem sie sich mit der Hellenischen Poleis beschäftigte.

Sehr intensiv beschäftig sich Otto mit der Geschichte, den Figuren und auch der Verfilmung. Die Ausführungen werden auch durch Illustrationen ergänzt, zum Beispiel Bilder von Bodmer, der unter vielem anderen auch Indianer gemalt hat. Näher geht Otto auch auf die historischen Häuptlinge ein, die er, was sonst selten ist, bei ihren indianischen Namen nennt: Tatanka Yotanka, Tashunka-witko und Machipiya-luta (Rote Wolke).



Sicherlich kann man viele Bücher lesen, die von der nordamerikanischen Prärie, ihrer Flora und Fauna und den danach genannten Plains- oder Prärieindianern handeln, hier aber wird genau die Gegend, die Umwelt beschrieben, in der die Geschichte spielt. Die Geschichte der Stämme der „Sieben Ratsfeuer“ (Dakota), ihr Lebensweise, ihre Waffen, werden eingehend beschrieben, auch der Ursprung des bekannten Tomahawks, dem Kriegsbeil, das ursprünglich eine elastische Keule war wird näher beleuchtet. Die Behausung, das Tipi wird betrachtet, die Religion und manches mehr. Mit den letzten Kämpfen (Little Bighorn) und dem Massaker am Wounded Knee in der Pine Ridge Agency endet das informative Buch.

Der Kulturwissenschaftler hat hier ein sehr verständliches Werk aufgelegt, dass sich flüssig lesen ist, umfassend informiert und nicht nur für die Fans von Liselotte Welskopf-Henrich sehr interessant sein dürfte. 



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Kurz nach der Lektüre hatte ich damals kurzen Mail-Kontakt mit Dr. Otto, in dem es zum Beispiel um die Herkunft eines Negerjungen namens Tschapa Kraushaar ging, der vermeintliche Widerspruch konnte dadurch ausgeräumt werden, dass die Erstausgabe und die Folgebände diese unterschiedlich erzählen. So macht Recherche doch Spaß.
Zum Glück behielt Uli Otto aber nicht Recht, mit der Befürchtung, dass die belletristischen Werke Welskopf-Henrichs untergehen könnten: Der Eulenspiegel Kinderbuchverlag druckte mehrfach die schs Bände der „Bärensöhne“ und der Palisander Verlag Chemnitz nahm sich dem „Adlerblut“ an und verkündete auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse die Veröffentlichung des gesamten belletristischen Werkes im eBook-Format.  

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Quelle
Uli Otto, der als freiberuflicher Dozent im Bereich Volkskunde und Kulturwissenschaften an verschiedenen bayerischen Universitäten lehrt, hat sich der Liedforschung und Erzählforschung verschrieben. Musiker ist er daher auch.
Auf der Webseite gibt es eine Rubrik „Auf den Spuren von…“ Neben den „Bärensöhnen“ hat er sich unter diesem Titel auch mit einem der meistgelesenen Jugendbuchautoren der 50ziger und 60ziger Jahre, Herbert Kranz beschäftigt, der die 10bändige Reihe „Ubique Terrarum“ geschrieben hat.
Sehr schon auch die zweibändige Ausgabe „Auf den Spuren des fliegenden Klassenzimmers“ (Erich Kästner).
Ich merke gerade: Es wird Zeit, sich dem Werk des Regensburger Kulturwissenschaftlers näher zu widmen.





► DNB / Kern Verlag / Regensburg 2001 / ISBN: 3-934983-03-0

© Karateka



[1] Vgl. Otto, Auf den Spuren, 2001, Seite 9
[2] Ebenda Seite 18ff