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Montag, 4. Juli 2022

BiF - Buch im Film: Kat Menschik und ihre Lieblingsbücher

Im Galiani - Verlag erscheinen die Lieblingsbücher von Kat Menschik. Hier stelle ich einige im Video vor. Dabei geht es um Geschichten von Volker Kutscher und Edgar Allan Poe.





Kat Menschik & Volker Kutscher: 
Moabit



Kat Menschik & Volker Kutscher: 
Mitte


© Bücherjunge

Mittwoch, 28. Februar 2018

BlogPost Nr. 116: Zusammenfassung der Beiträge im Februar 2018



Es geht nun doch allmählich auf den Frühling zu - die Tage werden merklich länger, die Sonne hat mehr Kraft, die Natur bricht sich Bahn. Ein schönes Gefühl. Ob die Auswahl der Bücher und der Beiträge hier davon beeinflusst werden? Seht selbst!




Wie gewohnt gab es zu Beginn des Monats wieder zwei BlogPosts - Nr.114 zeigte die Zusammenfassung unserer Beiträge im Vormonat, Nr. 115 präsentierte unsere Neuerwerbungen im Januar.



Uwe präsentierte dann einen ersten Hinweis auf das anstehende Großereignis im März - er jedenfalls ist wieder dabei: die Leipziger Buchmesse...



Anne begann den Monat mit einem sehr melancholischen Hörbuch. SCHWARZ UND SILBER ist das neueste Werk von Paolo Girodano ('Die Einsamkeit der Primzahlen') und erzählt davon, was passiert, wenn plötzlich jemand fehlt, der immer da war. Der Autor hat hier eine leise Novelle geschrieben, die eindeutig autobiografisch geprägt ist, wie man eingangs erfährt: 'Dies ist das Fragment einer wahren und leidvollen Geschichte in literarischer Verarbeitung.' Geschickt arrangiert der Autor in diesem wie ein Kammerspiel anmutenden Roman die Handlungsstränge, arbeitet mit Rückblenden und verwebt kunstvoll die Einblicke in die verschiedenen Leben. Einfache, klare Sätze prägen diese Novelle. Kein Wort erscheint hier zu viel, vieles schwebt zwischen den Zeilen mit, die Szenen erscheinen in einer unaufdringlichen Präsenz vor den Augen des Lesers / Hörers. Der Ich-Erzähler beschreibt das Geschehen und die inneren Prozesse beinahe nüchtern und distanziert, und doch ist die Melancholie mit jeder einzelnen Zeile der Erzählung verwoben. Eine unspektakuläre Geschichte, die wohl komponiert dennoch in den Bann zu ziehen vermag. Wenn man sich auf so viel Melancholie einlassen mag, ist dieses Hörbuch eine literarische Empfehlung!


Danach stellte Anne ein ungewöhnliches Sachbuch vor: ATLAS DER ABGELEGENEN INSELN von Judith Schalansky. Die Autorin hat sich den Exoten gewidmet, unzugänglichen Fleckchen Erde, weitab in den Ozeanen der Welt, oft so weit entfernt von ihrem Mutterland, dass sie nicht mehr auf die nationalen Karten passen: "Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde." Eben. Dieser außergewöhnliche Atlas fasziniert neben dem ungewöhnlichen Schwerpunkt auch durch seine aufwändige und liebevolle Gestaltung. Nicht zufällig also erhielt das Buch den 1. Preis der Stiftung Buchkunst 2009 und wurde damit zum „schönsten deutschen Buch des Jahres“ gekürt. Fünfzig entlegene Inseln, die garantiert in keinem Reisekatalog auftauchen, die aber, sorgfältig recherchiert wie hier, in jedem Fall gut sind für eine interessante und lehrreiche Lektüre. Nicht nur das Durchblättern lohnt sich hier, der Atlas will tatsächlich gelesen werden. Und das hat Anne gerne und mit wachsendem Vergnügen getan.


Vielleicht werden in EINE LEICHE FÜR PERROT ein paar Ermittlungsschleifen zu viel gedreht, im Sinne der Verwirrung ein wenig zu viel Schlamm aufgewirbelt, ein paar Handlungsstränge zu viel gewebt, die teilweise am Schluss als lose Enden hinterherflattern, aber für Fans der Poirot-Krimis ist dieser Cosy-Krimi fast schon ein Muss! Unbedingt attestieren muss man der Autorin C'rysta Winter neben der offensichtlichen Liebe für den berühmten Detektiv auch die Freude am Fabulieren, den Spaß an ihren liebevoll ausgestalteten Figuren, den untergründigen Humor und das Vergnügen an den tausenderlei Anspielungen auf andere lebende und erfundene bekannte Personen. Alles in allem entpuppte sich dieser Krimi jedenfalls als ein augenzwinkernder und durchaus spannender Lesespaß, nicht nur für Fans von Agatha Christie!



Der zweite MessePost. Plötzlich "freier Journalist"?


Aber da ist noch eine, eine wichtige Rezension. Denn, etwas erstaunlich, der erste Coelho. Paulo Coelho kam in diesem Blog tatsächlich noch nicht vor. Nun aber findet die geneigte Leserin, der geneigte Leser im Blog die Buchbesprechung zu DER WEG DES BOGENS. Ein in der Schweiz lebender Brasilianer schreibt eine japanische Geschichte. Ein Kyudo-Meister lehrt einen Jungen die Kunst des Bogens. Und Coelho nutzt diese und jene Weisheit uns seine Sicht auf den Weg des Lebens zu zeigen.



Nach ihrem Urlaub stellte Anne dieses Buch vor, das für ein eindringliches Leseerlebnis gesorgt hat: EIN SCHÖNES PAAR. Gerade einmal 240 Seiten umfasst der neue Roman von Gert Loschütz. Und doch ist diese auf der Geschichte der Eltern des Autors basierende Erzählung keine Lektüre, die sich einfach so herunterlesen lässt. Trotz der vermeintlichen Emotionslosigkeit und Distanziertheit des Schreibstils entfaltet der Text phasenweise eine ungeheure Wucht. Für Anne eines der bisherigen Highlights in diesem Jahr!

Montag, 2. Oktober 2017

BlogPost Nr. 105: Unsere Neuerwerbungen im September 2017

Spätsommerlicher Zuwachs in unseren Regalen. Unsere ganz eigene Ernte...





Anne Parden



Im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gewann ich dieses Buch mit dem schrägen Titel und dem auffälligen Cover. Ich bin sehr gespannt!

Eine Beziehung eskaliert, ein Kind wird geboren, eine Spurensuche beginnt: 11 Erzählungen kreisen um die Familien- und Lebensgeschichten der zwei Paare Annemarie und Manfred, Hanni und Karli. Realistische, oft auch traumartige Momentaufnahmen beleuchten Aspekte ihrer Biografien und folgen den Spuren der Erinnerung. Die Geschichten gleichen Mosaiksteinen: Sie zeigen die Figuren in unterschiedlichen Konstellationen ihres Lebens, erzählen von innerem Aufruhr, ihrem Scheitern, ihrem Aufbegehren und bewegenden Ereignissen. Am Ende entsteht ein neues Bild, zusammengesetzt aus den Splittern der Vergangenheit. In ihrem Prosadebüt zeigt Renate Silberer ihr breites Repertoire an Erzählweisen. Dialogreiche Passagen wechseln sich ab mit lyrischen, oft surrealen Szenerien. Die Wirklichkeit ist dann nur mehr in Andeutungen zu erkennen, doch entfaltet sich dadurch eine eigene Welt, die es ermöglicht, tief in die Seele ihrer Figuren einzudringen.


Und auch dieses Buch erreichte mich über eine Leserunde bei Lovelybooks, worüber ich mich sehr freue! Auf diesen mit dem Pulitzer Preis 2017 gekürten Roman bin ich schon sehr neugierig!

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.



Und dieses Buch von der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises erreichte mich ebenfalls über eine Leserunde bei Lovelybooks. Ich bin sehr gespannt darauf!

Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.


Bei diesem Buch, ebenfalls von der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises, handelt es sich um einen Gewinn im Rahmen einer Leserunde bei 'Was liest du?'. Die Losfee ist derzeit gnädig gestimmt... Dieses Buch hat bereits viele gute Kritiken erhalten, jedoch auch die Warnung vor viel Grausamkeit. Ich bin überaus gespannt auf das Buch!

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?


Und auch vom Bücherforum Whatchareadin erreichte mich ein Rezenisonsexemplar im Rahmen einer Leserunde. Der erste Roman des durch 'Stoner' berühmten Autors - geschrieben mit gerade einmal 22 Jahren. Darauf bin ich ebenfalls sehr neugierig!

Das Leben des jungen Arthur Maxley scheint beherrscht von Müßiggang und einem nie verwundenen Trauma aus der Kindheit. Einen Abend, eine Nacht lang, folgen wir Arthur. Zunächst zu einem Dinner mit seinem Vater, den er viele Jahre nicht gesehen hat. Etwas Schwerwiegendes steht zwischen ihnen, Schuld und Scham lasten auf dieser Begegnung, deren hoffnungsloses und abruptes Ende einen Vorgeschmack gibt auf das verheerende Finale dieser Nacht. Die Straßen und Bars des nächtlichen San Francisco sind die Kulisse, vor der sich Arthurs innerer Abgrund auftut. Während er der sinnlichen Verführung durch eine fremde Schöne nachgibt, enthüllt sich Arthurs ganze existenzielle Not: Sein Begehren ist tiefer, als dass erotische oder sexuelle Erfüllung es befriedigen könnten.


Nachdem ich von 'Orphan X' so begeistert war, erklärte sich der HarperCollins Verlag freundlicherweise bereit, mir auch den zweiten Band der Reihe als Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Das freut mich ganz besonders!

Evan Smoak ist der "Nowhere Man". Ein geflüsterter Name unter Kriminellen, den manche für einen Spuk halten. Er hilft denen, die keinen Ausweg mehr haben. Dies ist seine Art sich seine Menschlichkeit zu erhalten, nachdem er jahrelang unter dem Decknamen "Orphan X" im geheimen Auftrag der US-Regierung getötet hat. Während er einer Jugendlichen hilft, den Fängen eines Mädchenhändlerrings zu entkommen, wird er überwältigt und entführt. Jetzt muss Evan all sein Können aufbringen, um sich selber zu befreien, bevor es zu spät ist … Denn es gilt weiterhin sein 10. Gebot: Lasse niemals einen Unschuldigen sterben.






KaratekaDD



 Am Stand des Erich-Kästner-Museums während der Veranstaltung Dresden (er)lesen im Schloss Albrechtsberg fand ich diese Bücher. Irgendwann sollte man mal den Bereich der Kästnerschen Kinderbücher verlassen. Kästner, der der Verbrennung eigener Bücher im März 1933 zusah, hat darüber mehrfach geschrieben. Un momentan schein gegen das Vergessen zu schreiben immer notwendiger zu sein. Der Gang vor die Hunde ist der Originalroman. Bisher wurde die Geschichte als Fabian nur gekürzt verlegt. Und das seit der Erstausgabe 1931.


Thomas J, Hauck las auf der oben genannten Veranstaltung aus diesem seinem Buch. Wiener Schmäh mit Leichen - vermutlich hätte ich das nie aus einem Regal gezogen. Aber der Autor ist auch Schauspieler und das machte die Lesung schon mal zu einem Vergnügen. Daher ist es auch schade, dass es keine Hörbuchversion gibt. Trotzdem nahm ich das Büchlein, indem von einer Bilderfälschung im großen Stil erzählt wird, mitgenommen. Also, ich hab´s auch bezahlt.

Die historischen Romane des Ken Follett haben es mit spätestens seit der Jahrhundert-Trilogie angetan. Darüber haben ich ja schon ausführlich geschrieben. Der vorliegende Roman handelt im goldenen Zeitalter der jungfräulichen Königin und ist damit ein weiterer der unzähligen Romane um Elisabeth Tudor, die erste dieses Namens. Doch nicht nur das: Ausgangspunkt ist eine den Lesern wohlbekannte Kathedrale, der Kathedrale von Kingsbridge aus den Romanen Die Säulen der Erden  und Die Tore zur Welt. Sie ist Das Fundament der Ewigkeit.


Eigentlich dachte ich ja: "Es reicht!" Aber irgendwie kam ich heute an folgendem Buch nicht vorbei. Ein neuer Harry Hole. Auch wenn ich nicht alle Bücher der Reihe des Bestsellerautors Jo Nesbø gelesen habe, erst ab Leopard, Die Larve und Koma wurde ich Fan des ziemlich abgehalfterten Kriminalkommissars aus Oslo, an Durst gab es mal wieder kein "dran vorbei". Harry unterrichtet an der Polizeiakademie mit übervollen Vorlesungssälen. Doch man kommt ohne ihn nicht aus. Und auch dieser Serienkiller wird kein Unbekannter sein.









TinSoldier


Im September gab es bei mir keine Neuerwerbungen.

Montag, 7. August 2017

Gordon, Haroon: Palast aus Staub und Sand


Eines Abends ist er einfach da. Baptiste, der scheue, junge Mann, von dem niemand in der verschlafenen Ortschaft in der Provence weiß, woher er gekommen ist. Und er scheint dort sein Glück zu finden, bis Jahrzehnte später seine verschwiegene Vergangenheit aufersteht. Mit aller Macht ziehen ihn die Erlebnisse vergangener Tage wieder in ihren Bann, und mit ihnen die Erinnerungen an Abda, das längst vergessene Frauengefängnis in der algerischen Wüste, in dem eine ungewöhnliche, tiefe Freundschaft, aber auch sein dunkelstes Geheimnis begraben liegen. Eines, das in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit immer weiter an die Oberfläche drängt …

(Klappentext Hockebooks Verlag)

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 3737 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 310 Seiten
  • Verlag: hockebooks: e-book first; Auflage: 1 (4. Oktober 2016)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B01LT9DIP4









Hiermit danke ich 'Blogg dein Buch' sowie dem Hockebooks Verlag für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen.
 







 POETISCH, BERÜHREND UND EMPFEHLENSWERT...



Baptiste ist ein alter Mann, als die Erzählung beginnt. Er lebt schon lange in der Provence, seit er als junger Mann wie aus heiterem Himmel dort auftauchte, nie ein Wort über seine Vergangenheit verlierend. Obwohl zurückhaltend und in sich gekehrt, begegnete ihm vor Jahren in dem kleinen Dorf seine große Liebe. Und mit Claire hat er seitdem jedes einzelne Jahr geteilt, doch das Glück scheint sich nun zu wenden. Vor kurzem nahm ihm ein schwerer Unfall nicht nur seine Tochter, sondern auch seinen Schwiegersohn und das gerade geborene Enkelkind. Und nun ist auch seine Frau krank, schwer krank - und es führt kein Weg daran vorbei, dass sie sterben wird. Das Leben ist für Baptiste nur noch geprägt von Verlusten.


Ihr eindringlicher Blick taf Baptiste bis tief ins Mark, und in die Stille seiner Hilflosigkeit mischte sich die Bitterkeit des Kämpfers, der langsam zur Einsicht seiner Niederlage kommt. - Nun hob sich ihre Stimme, um ihm ein versöhnliches Angebot zu unterbreiten. "Weißt du, was mir wichtig ist? ich möchte ein letztes Mal mit dir verschmelzen. Ich möchte ein letztes Mal ein Stück Eiskonfekt in meinem Mund halten, bis mich der kalte Kern belohnt. Ich möchte im Kino an deiner Schulter um Jeanne d'Arc weinen und in der Nacht einen perfekten Wein entkorken. Ich möchte noch einmal aus deinem Mund Candide hören. Ich kann das alles nur mit und vor allem durch dich haben und nur, wenn du verstehst, dass dies wunderbar und die beste aller Welten ist. Wenn du das nicht spürst, kann ich es nicht erleben, denn dann wirst du uns in deiner Trauer ertränken." (S. 109)


Nach dem Tod seiner geliebten Claire verfällt Baptiste in eine tiefe Trauer. Selbst schon alt, kommen auch Gedanken auf, was er überhaupt noch vom Leben erwartet. Als er sich bei einem Sturz einen Bruch zuzieht, erklärt er sich einverstanden, für die Zeit seiner Rekonvaleszenz in ein Pflegeheim zu gehen, denn er sieht ein, dass er so nicht für sich sorgen kann. Doch in seine Überlegungen hinein, vielleicht für den Rest seiner Tage in dem Heim zu bleiben, stößt Ella, eine junge Frau, die mit einer kleinen Gruppe aus Algerien in die Provence gekommen ist, um Werbung für ihr Projekt zur Unterstützung der ärmsten aller Kinder zu machen. Algerien - Baptistes Vergangenheit meldet sich zu Wort. Und er beschließt, die jungen Leute in ihrem Engagement nicht nur finanziell zu unterstützen, sondern bricht in Frankreich alle Zelte ab, um sich seiner Vergangenheit zu stellen.


Claires Tod hatte über Nacht alle Gegenstände, alle Bücher, Bilder, Möbel, einfach alles und jeden, verstummen lassen (...) Wohl weil Claires Tod alle Geräusche absorbiert hatte und hier kein Mensch mehr war, der noch genug Leben in sich hatte, um Geräusche überhaupt zu hören. (S. 42)


Drei Geschichten werden hier zu einer Erzählung verwoben und bilden nur als ganzes eine fast vollkommene Komposition. Abwechselnd wird hier erzählt aus der Perspektive des alten Baptiste - trauernd am Ende seines Lebens angelangt und nun noch einmal die Möglichkeit ergreifend, etwas Neues zu beginnen, das aber gleichzeitig auch in seine Vergangenheit führt - und aus der Sicht Ellas, der jungen Frau, die auf der Suche nach sich selbst die Welt bereist und in Afrika mit dem Waisenhausprojekt ihre Aufgabe gefunden zu haben scheint. In Algerien angelangt, drängt die Vergangenheit Baptistes zunehmend in den Vordergrund, so dass rückblendend seine Kindheit und Jugend erzählt werden und so als dritter Handlungsstrang eine zunehmende Bedeutung erfahren. 


"Mein Schatz, du hast einmal gesagt, dass Liebe nur für die Lebenden gut sei und der Tod zu profan, als dass er etwas Verklärendes verdiene. Aber nun stehe ich hier und alle Worte, die du je zu mir gesprochen hast, hallen in mir. Jede Berührung, die du mir je geschenkt hast, durchfährt mich. Alle Blicke, die du je für mich erübrigt hast, ruhen auf mir." Baptiste schloss die Augen und beugte sich vor. Er legte sein Gesicht auf Claires Hände, die im Schoß gefaltet waren (...) (S. 80 f.)


Während ich die Passagen um den gealterten Baptiste sehr berührend und oftmals poetisch fand, gelang es mir nicht wirklich, Ella nahezukommen. Sie blieb für mich immer etwas nebulös, und ihre Handlungen waren für mich nicht alle nachvollziehbar. Gelungen fand ich im Großen und Ganzen die Komposition der drei Handlungsstränge, wobei jedoch die Erzählung um das Geschehen in Baptistes Vergangenheit eher als Block eingefügt wurde und damit die anderen Handlungsstränge für diese Zeit komplett beiseite schob und ihnen die Position einer Rahmenhandlung zuwies. Diese akzentuierte Darstellung der Vergangenheit Baptistes habe ich als etwas zu geballt empfunden, auch wenn die Erzählung selbst interessant war. Doch insgesamt war dies eine zauberhafte Lektüre, die für mich dem magischen Realismus in der Tradition südamerikanischer Literatur zuzuordnen ist. Themen wie Freundschaft, Liebe, Loyalität und Verrat werden hier auf spannende Art mit überraschenden Wendungen neu beleuchtet.

Poetisch, berührend und empfehlenswert - das bleibt als Fazit zu benennen.


© Parden

















Der Hockebooks Verlag schreibt über den Autor:

Haroon Gordon, Jahrgang 1969, geboren als Sohn eines Auswanderer-Ehepaares vom indischen Subkontinent, lebt viele verschiedene Leben. Nach seinen erfolgreichen Studien der Musik und Informatik arbeitete er in jungen Jahren unter anderem als Programmierer, Musiker, Lehrer, Musikkritiker, Texter, Produzent, Tontechniker und Dirigent. Während er in seiner Freizeit schon als Jugendlicher am liebsten Flugzeuge mit und ohne Motor flog, taucht er heute gerne Haien hinterher, klettert trotz ungünstigem Kraft-Masse-Verhältnis immer wieder für ihn gefährlich anmutende Steilwände hinauf, verliert aus seiner Sicht viel zu häufig im Squash und Badminton und reist so oft es irgend geht durch die Welt, um möglichst viele Länder und deren Leibgerichte kennenzulernen – nicht ohne seine Reisen in Bild und Blog zu dokumentieren.

übernommen vom Hockebooks Verlag

Mittwoch, 3. Februar 2016

Fuchs, Ruth M.: Erkül Bwaroo und der Mord im Onyx-Express


Erkül Bwaroo und sein Freund Dr. Artur Heystings reisen im „Onyx-Express“ nach Pendrin, als einer der Mitreisenden ermordet wird.Außer Bwaroo und Heystings befinden sich noch zwölf weitere Fahrgäste im Zug. Alle kannten den Toten, dessen Verlobte sich vor einigen Jahren umbrachte. Jeder hat ein Motiv.Möglicherweise wollte ja die Mutter der Verlobten Rache nehmen. Oder war es die kapriziöse Operndiva, die angeblich so schlecht auf ihren Eiderdaunendecken geschlafen hat? Und was hat der kämpferische Zwerg zu verbergen?

Der Elfendetektiv und sein Freund finden sich bald in einem Netz von Geheimnissen, Skandalen und Intrigen wieder, als sie versuchen, den Mörder zu entlarven.Zwölf Verdächtige, zwölf Motive. Ein Mörder. Oder ist doch alles ganz anders?

(Klappentext Raposa Verlag)


  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 643 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 199 Seiten
  • Verlag: Raposa Verlag (15. Oktober 2015)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B013J50T44









Hiermit danke ich 'Blogg dein Buch' sowie dem Raposa Verlag für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen.
 
Raposa Verlag




















ORIGINELLE HOMMAGE AN DIE ALTMEISTERIN DER KRIMINALLITERATUR...


Ruth M. Fuchs tut gar nicht erst so, als habe sie das Rad neu erfunden. Ähnlichkeiten mit dem Krimiklassiker 'Mord im Orientexpress' von Agatha Christie und ihrem legendären Detektiv Hercule Poirot sind hier nicht zufällig, sondern ausdrücklich gewollt. Doch ist hier nicht einfach abgeschrieben worden. Auch wenn die Hauptcharaktere einen Wiedererkennungswert haben und sich die Handlung in weiten Teilen an das Geschehen im Orientexpress anlehnt - Ruth M. Fuchs ist es dennoch gelungen, der Geschichte ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

Erkül Bwaroo ist mit dem Onyx-Express unterwegs zu dem berühmten Kurort Pendrin. Der Elfendetekiv mit Etikette wird dabei von seinem langjährigen Freund Doktor Heystings begleitet, der in Pendrin die meist gut betuchten Kurgäste ärztlich betreut. Auch sonst ist der Luxus-Zug gut belegt, und die Fahrt nimmt gemächlich aber keineswegs langweilig ihren Lauf. Zu viele unterschiedliche Personen sind an Bord und begegnen sich zwangsläufig immer wieder, was interessante Beobachtungen zulässt. Dabei gibt es neben Menschen und Elfen auch noch Zwerge, Trolle, Kobolde, Minotauren und andere Geschöpfe aus dem Reich der Sagen und Märchen, die hier aber weniger als Fabelwesen auftreten, sondern deren Besetzung eher bestimmte Charaktereigenschaften unterstreichen bzw. die Rolle von Vorurteilen dokumentieren.

Eine nicht zwangsläufig harmonische Mischung von Wesen, die da auf engem Raum zusammengepfercht sind, wenn sie auch den Vorteil einer überaus luxuriösen Betreuung genießen können. An die Namensflut gewöhnt man sich im Laufe der Lektüre, während man auf den Mord wartet, der natürlich geschieht. Es macht Spaß, Bwaroo und Heystings bei der anschließenden Befragung der überlebenden Fahrgäste und Zugbegleiter über die Schulter zu schauen, und zu sicher sollte man sich nicht sein, dass sich die Handlung und Auflösung vollständig an dem Original orientiert. Der Leser ist immer an der Seite von Heystings, der das Geschehen aus seiner Sicht protokolliert - und hat wie Heystings dieselben Fakten vor Augen wie auch Bwaroo, und doch habe ich genauso versagt wie der Freund des nicht ganz zu Unrecht sehr von sich überzeugten Detektivs. Vielleicht fehlen uns einfach ein paar von den berühmten "kleinen grauen Zellen"...


"Erkül Bwaroo hat den Fall gelöst", verkündete er nach einer bedeutungsvollen Pause feierlich. "Das Puzzle ist zusammengesetzt, und jedes Teilchen ist an seinem Platz." --- "Und wer war es?" --- "Das, mein lieber Heystings, wird Bwaroo in Kürze enthüllen. Nur noch ein wenig Geduld. Bitte veranlassen Sie alle Passagiere und auch das komplette Personal, in den Speisewagen zu kommen. Dort werde ich den Täter überführen." --- Ich wusste, es hatte keinen Sinn, weiter in ihn zu dringen. Er liebte seine großen Auftritte und würde mir niemals auch nur ein Sterbenswörtchen vorher verraten. Seufzend gab ich mich geschlagen und machte mich auf, die anderen alle zusammenzutrommeln...

In unterhaltsamem, flotten Schreibstil wird die Geschichte um den Mord und eine möglichen Hintergründe sowie um zahlreiche  und oftmals recht exzentrische Charaktere erzählt. Besonderes Vergnügen hat mir dabei eine Dame bereitet, die sich in ihrem Bemühen, etwas Besseres darzustellen, häufig an Fremdwörtern vergriff und diese falsch benutzte, was entsprechend im Effekt nach hinten losging. Der Humor kommt hier auch nicht zu kurz, bleibt aber stets niveauvoll und wirkt in dieser Dosis einfach nur erfrischend.

Insgesamt fand ich diese  Hommage an die Altmeisterin der Kriminalliteratur originell und unterhaltsam, und meine Lust auf weitere Begegnungen mit Erkül Bwaroo ist in jedem Fall geweckt! Wie ich erfahren habe, ist dieses Buch bereits der vierte Band um den Elfendetektiv, der fünfte ist in Arbeit. Es kann also weitergehen mit den "kleinen grauen Zellen"...


© Parden





Die Reihenfolge der Buchserie um Erkül Bwaroo:

  1. Gestatten, Erkül Bwaroo
  2. Erkül Bwaroo auf der Fabelinsel
  3. Fragen Sie Erkül Bwaroo!
  4. Erkül Bwaroo und der Mord im Onyx-Express




















Ruth M. Fuchs'Blogg dein Buch' schreibt über die Autorin:

Ruth M. Fuchs, eigentlich bildende Künstlerin, wurde durch Zufall die Herausgeberin des Magazins "Neues aus Anderwelt", das von 2000 bis 2013 dreimal im Jahr erschien. Dort schrieb sie immer mal wieder Artikel und Kurzgeschichten und 2003 dann ihr erstes Buch. Inzwischen hat sie das Modellieren von Skulpturen hintangestellt und schreibt vor allem die Phantastische Krimiserie "Erkül Bwaroo ermittelt". In dieser Reihe löst ein Elfendetektiv mit großem Schnurrbart, noch größerem Ego und belgischem Akzent Kriminalfälle. Wie Kenner inzwischen schon vermuten dürften, ist das Ganze eine humorvolle Hommage an Agatha Christie und ihren berühmten belgischen Detektiv - echte Krimis, aber immer mit ein bisschen Fantasy und einem Hauch von Märchen


übernommen von 'Blogg dein Buch'

Dienstag, 15. Dezember 2015

Spindler, Erica: Zu richten die Lebenden




Er wird kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.


An einem einzigen Tag verliert die Künstlerin Mira Gallier alles: Hurrikan Katrina entreißt ihr den Mann, und ihre gläsernen Kunstwerke werden in tausend Scherben zerschlagen. Kaum hat sie sich davon erholt, da öffnen sich die Tore zu Miras persönlicher Hölle erneut: Ein Priester wird ermordet, die Kirchenfenster aus ihrer Werkstatt sind mit düsteren Worten beschmiert: "Er wird kommen, zu richten die Lebenden und die Toten." Es ist der Auftakt zu einer blutigen Mordserie in New Orleans, bei der die Spuren in Miras Richtung weisen. So eindeutig, dass der ermittelnde Detective Spencer Malone sie für die Täterin hält?

(Klappentext 'Blogg dein Buch')



  • Broschiert: 432 Seiten
  • Verlag: HarperCollins; Auflage: 1., Aufl. (9. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Katrin Hahn
  • ISBN-10: 3959670052
  • ISBN-13: 978-3959670050
  • Originaltitel: Watch Me Die
















Hiermit danke ich 'Blogg dein Buch' sowie dem Harper Collins Verlag für die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen!















 VERWIRRSPIELE...


New Orleans ist der Schauplatz der Geschichte, und es ist schon einige Jahre her, dass der Hurrikan Katrina dort gewütet hat. Die Folgen jedoch sind bis heute spürbar in der Stadt, und so manchen hat es dabei hart getroffen. Auch Mira Gallier, obwohl selbständig und erfolgreich in ihrem Beruf als Glaskünstlerin, leidet gegenwärtig noch unter den Geschehnissen, hat es sie doch nicht nur ihre damalige Werkstatt samt der dort gelagerten Kunstwerke gekostet, sondern auch das Leben ihres Mannes.

Die Auftragslage für Miras Werkstatt allerdings ist grandios durch die Folgen des Hurrikans. So viele Kirchenfenster sind dabei zu Bruch gegangen, dass Mira kaum hinterherkommt mit deren Restaurierung. Die Hilfe ihrer Assistentin Deni sowie von deren Freund Chris kann sie daher gut gebrauchen. Doch da erscheint plötzlich die Polizei bei ihr: gerade wieder von ihr eingesetzte Kirchenfenster wurden grob mit einem Bibelzitat beschmiert: "Er wird kommen, zu richten die Lebenden und die Toten". Und der Pfarrer der Kirche liegt ermordet vor dem Altar.

Bei diesem einen Mord bleibt es jedoch nicht, und schnell wird klar, dass alle Opfer auf irgendeine Weise einen Bezug zu Mira hatten. Eine eindeutige Spurenlage für Detective Spencer Malone und seine neue Partnerin Karin Bayle. Mira rückt in den Mittelpunkt der Ermittlungen... Dabei tut sich Detective Spencer Malone recht schwer mit seiner neuen Partnerin, obwohl er wirklich versucht, gut mit ihr zusammenzuarbeiten. Doch irgendwie will sich kein rechtes Vertrauen zwischen den beiden einstellen.


"Bayle hatte die Sozialkompetenz eines Pittbulls, befand Malone, und schaltete sich ein..."



Viel Zeit hat Malone allerdings nicht, über die merkwürdigen Spannungen zwischen sich und Bayle nachzudenken, denn die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Eindeutig treibt hier ein Serienmörder sein Unwesen, und ein wie auch immer gelagertes religiöses Motiv scheint den Morden zugrunde zu liegen.

Erica Spindler schafft hier ein grandioses Verwirrspiel mit ständig wechselnden Verdächtigen. Nach einem eher bedächtigen Einstieg nimmt der Thriller bei flüssigem und eingängigem Schreibstil an Fahrt auf und hält nicht nur die Polizei hübsch in Atem. Ein Mix voller Emotionen, Verwirrungen, Zweifel und zunehmender Spannung treibt den Leser zunehmend rasch durch die Seiten. Wie Mira kommt der Leser dazu, niemandem mehr zu vertrauen, denn nichts und niemand scheint zu sein, was man glaubte, das es sei. Unerwartete Ereignisse schleudern den Verdacht immer wieder in eine andere Richtung, und tatsächlich war ich mir bis kurz vor dem Ende nicht sicher, wer der Täter nun war.

Kleine logische Fehler in der Polizeiarbeit sowie die Tatsache, dass mir keine der Personen wirklich sympathisch war, sind kleine Mankos, die die Höchstwertung hier verhindern. Die wechselnden Perspektiven meist zwischen Mira einerseits und der Polizei andererseits haben mir dagegen gut gefallen, und auch die vereinzelt eingestreuten Kapitel aus der Sicht des (noch unbekannten) Täters haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

Insgesamt ein Thriller, der mich gut unterhalten hat und den ich im letzten Drittel kaum noch aus der Hand legen mochte...


© Parden
















'Blogg dein Buch' schreibt über die Autorin:

Erica Spindler studierte zunächst Kunst. Als erfolgreiche Malerin stellte sie in namhaften Galerien aus. 1982 begann sie mit dem Schreiben, als sie mit einer Erkältung das Bett hüten musste. 1987 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Zunächst tat sie sich als Autorin romantischer Geschichten hervor, wandte sich aber ab 1996 dem Kriminalroman zu. Ihre Bücher erreichen immer wieder die ersten Plätze der New York Times-Bestsellerliste und erscheinen inzwischen in über 20 Ländern. Spindlers Stil wird durch ihre Faszination für Psychologie und Zwischenmenschliches geprägt, die ihre Romane zu einem spannenden und emotionalen Erlebnis für ihre Leser und Leserinnen macht. Auch als präzise Beobachterin und Kommentatorin gesellschaftlicher Entwicklungen fällt Erica Spindler auf. Die 1957 in Illinois geborene Autorin lebt seit 1980 im Raum New Orleans. An der dortigen Universität schloss sie ihr Kunststudium ab. Heute wohnt sie mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Söhnen im ländlichen Louisiana nahe der Metropole.

übernommen von 'Blogg dein Buch'


Dienstag, 20. Oktober 2015

Jansen, Liv: Zornröschen





"Eines Tages werden wir uns an allen rächen!", sagte Charlotte wütend.
"Nein!", sagten Gerti und Anne. "Nicht eines Tages! Jetzt!"

Gerti, Charlotte und Anne - drei Frauen, die nicht nur unterschiedlich alt - 31, 52 und 72 - sondern auch sonst sehr eigen sind: Die Putzfrau Gerti kommt aus ärmlichen Verhältnissen und saß wegen angeblichen Mordes an ihrem Mann unschuldig im Gefängnis. Die Werbetexterin Anne hatte angeblich Firmeninterna weitergegeben und wurde aus dem Job gemobbt, und die mondäne Unternehmensberaterin Charlotte soll Steuern hinterzogen haben. Dadurch sind all drei Frauen auf der Straße gelandet. Und weil sie sich bestens verstehen, tun sich zusammen und schwören Rache.


(Klappentext Mira Taschenbuch Verlag)



  • Broschiert: 304 Seiten
  • Verlag: MIRA Taschenbuch; Auflage: 1 (10. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3956492102
  • ISBN-13: 978-3956492105















Hiermit danke ich 'Blogg dein Buch' sowie dem Mira Taschenbuch Verlag für die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen!















UNTERHALTSAMER RACHEROMAN MIT ÜBERTRIEBENEN CHARAKTEREN...



Drei Frauen, drei Schicksale - und so unterschiedlich sie auch sind, so viel haben sie auch gemeinsam. Auf der Straße gelandet sind Gerti, Charlotte und Anne - aus vollkommen unterschiedlichen Gründen, doch im Grunde alle ohne eigenes Zutun. Als die drei durch Zufall aufeinandertreffen, merken sie schnell, dass jede von ihnen nicht nur Grund hat, mit dem Schicksal zu hadern, sondern auf einige Menschen aus ihrem alten Umfeld mehr als wütend zu sein:
  • Gerti ist 72 und hat fünf Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen, weil sie ihren Mann umgebracht haben soll. Und als würde das nicht reichen, hat ihr eine Gefängnisaufseherin die Jahre hinter Gittern zur Hölle gemacht, ohne dass Gerti sich dagegen wehren konnte.
  • Die 52jährige Charlotte ist eigentlich eine Dame von Welt - als mondäne Unternehmensberaterin hat sie jahrelang eine erfolgreiche Firma geführt, bis sie wegen Steuerhinterziehung belangt wurde und plötzlich nur noch das besaß, was sie auf dem Leib trug. Eine geschickt eingefädelte Intrige seitens ihres Mannes sowie ihrer damaligen besten Freundin, gegen die Charlotte sich seinerzeit nicht zur Wehr setzen konnte.
  • Anne ist mit ihren 31 Jahren die Jüngste in der Runde der schuldlos Obdachlosen. Sie verfiel aufgrund von Mobbing am Arbeitsplatz sowie mieser Unterstellungen und Bezichtigungen, die sie letztlich den Job kosteten, in eine schwere Depression. So verlor sie ihre Wohnung und die Achtung vor sich selbst und landete ebenso wie die anderen beiden Frauen schließlich auf der Straße.
Gemeinsam beschließen die drei, dass sie nun genug geduldet und erlitten haben. Sie schmieden Rachepläne und finden plötzlich zahlreiche Unterstützer. Schwester Magdalena gewährt ihnen in ihrem Agathahaus Unterkunft und Verpflegung, der Bruder Magdalenas - eine bekannte Kiezgröße - entdeckt spontan auch seine soziale Ader, ebenso wie sein Kumpel Cäsar, der dafür bekannt ist, Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg zu gehen. Das Helfersystem verwebt sich immer enger, so dass der Racheplan immer mehr Gestalt annimmt...
Was erwartet man von solch einem Buch? Unterhaltsame und unkomplizierte Lesestunden, einen eher vorhersehbaren Ablauf und keine sonderlichen Überraschungen - das waren jedenfalls meine Erwartungen. Tatsächlich gab es bei mir den ein oder anderen Schmunzler, und ein wenig neugierig war ich auch, wie sich das ganze wohl auflösen würde. Allerdings gefiel mir die Ausgestaltung der meisten Charaktere nicht sonderlich. Dass in solch einem Roman alle möglichen Klischees bedient werden, ist zwar kein wirklicher Minuspunkt - das passt einfach zu dieser Art Unterhaltungslektüre. Aber dass ein Großteil der Figuren ständig nervige Verhaltensweisen an den Tag legt, das hat mich dann doch unangenehm überrascht. Derart überzogen hat mir dies stellenweise den Spaß verhagelt, auch wenn die Geschichte in der Summe durchaus unterhaltsam war. Vor allem gegen Ende zog das Tempo dann auch noch einmal deutlich an - der ständige Szenenwechsel ergab einen Cliffhanger nach dem anderen und sorgte dadurch für zusätzliche Spannung. Da fiel dann auch kaum noch ins Gewicht, dass die Frauen bei der Umsetzung ihrer Rachepläne kaum Steine in den Weg gelegt bekommen und dass der glückliche Zufall das ein oder andere Mal vielleicht doch zu häufig bemüht wird.
Ganz nett zu lesen und die erhoffte kurzweilige Unterhaltung, allerdings mit ein paar Schwachpunkten, die das Lesevergnügen etwas schmälerten.

© Parden
















Der Mira Taschenbuch Verlag schreibt zu Liv Jansen:

Liv Jansen, geb. 1979, arbeitete als Redakteurin für verschiedene Fernsehformate, bis sie vor Kurzem das Schreiben für sich entdeckte. Weil ihr das so gut gefällt, hat sie sich gleich mal an ein Buch gesetzt. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter macht sie gern Urlaub in Österreich, weil es da so leckeren Kaiserschmarrn gibt. Und wenn sie zu Hause in Frankfurt ist, trifft man sie eigentlich immer im Pferdestall bei ihrem Schimmel Romeo. Zornröschen ist ihr erster Roman.

(übernommen vom Mira Taschenbuch Verlag)