Mittwoch, 25. März 2026

Lukaschewski, Manfred: Verschenkte Jugend - Robert und Franz

 

Bilder aus Wikipedia (Stalingrad, U-Boot-Krieg, Deportation)


Roman einer Jugend nannte Dieter Noll 1960 seinen ersten Band von Die Abenteuer des Werner Holt. Manfred Lukaschewski hat den sicher gekannt, als Jahrgang 1951 und in Altenzaun geboren, so wie vermutlich jeder (männliche) Jugendliche in der DDR. Die jungen Männer, die unmittelbar nach dem Abitur über die Flak und den Reichsarbeitsdienst (RAD) in die Wehrmacht gingen, freiwillig, lernen in den letzten Kriegsmonaten die Schrecken des Krieges kennen. Freundschaften gehen auseinander. Holt, zerrissen zwischen den Freunden nachdenklichen Gomulka und dem fanatischen Wolzow wird erst nach Kriegsende begreifen, was der Nationalsozialismus dem deutschen Volk brachte.

Jedoch sind es die Erlebnisse des Vaters vor Stalingrad, die Lukaschewski hier verarbeitet hat. Ist es ihm gelungen, Nationalsozialismus, Holocaust, Krieg so eindringlich darzustellen, dass dies den Weg in die Köpfe junger Menschen findet?

  • DNB / tolino media (Verlag) - Self-Publishing / 2026 / ISBN: 978-3-8194-0517-4 / 467 Seiten

Dienstag, 24. März 2026

Riley, Lucinda - Whittaker, Harry: Das Mädchen aus Yorkshire




Dass dieses Buch vor Jahresfrist als Geschenk aus einem Regal einer Buchhandlung herausgenommen wurde, hatte nicht nur mit dem Namen der erfolgreichen Autorin Lucinda Riley zu tun, sondern auch mit dem Umstand, dass ihr Sohn, Harry Whittaker, erneut als Coautor auftrat. Whittaker hatte schon den letzten Roman der Sieben-Schwestern-Reihe, Pa Salt, herausgegeben, da ihn seine Mutter nicht mehr beenden konnte.
Dies hier ist der zweite Roman, den Riley einst unter dem Namen Lucinda Edmonds in England (1993) veröffentlichte. Der Sohn erzählte, dass sie diese „alte“ Geschichte gern erneut herausgegeben hätte und hat dies nun selbst getan, wobei er leicht Hand angelegt hat. Ist das Projekt gelungen?

Montag, 23. März 2026

Die Bücherpassion der "Frau Rilke"

Neustrelitz, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, zählt rund 20.000 Einwohner. Statistisch gesehen müsste es in Neustrelitz daher 0,7 Buchhandlungen geben. Von den 2656 Buchläden , sollte auf die Stadt am Zierker See eine Buchhandlung kommen. Es gibt tatsächlich nur eine und diese wird geführt von Kathrin Matern, welche als gelernte Journalistin aus „Wörtern Sätze machen kann“, Rainer Maria Rilke liebt und Uwe Johnson immer wieder „rauf und runter liest“.  Oft sprechen Kunden die einfallsreiche Buchhändlerin falsch an, denn die Buchhandlung trägt den Namen Frau Rilke.

Seit zwei Jahren existiert „Frau Rilke“, die, um sich den langjährigen Traum einer eigenen Buchhandlung zu erfüllen, bei Frau Wilke zwei Jahre arbeitete. Diese führte die Buchhandlung zwei Häuser weiter. Kathrin Materns Bücherstube ist etwas kleiner, die 86 Quadratmeter hält sie für angemessen. Der Platz reicht für die in Verlagsvorschauen oder in sozialen Medien gefundenen Werke.

Für ihre Leserinnen und Leser, organisiert Frau Matern vielfältige Veranstaltungen und Lesungen rund um Bücher und Literatur. Mit einem Glas Wein sitzen sie etwas kuschelig in der Buchhandlung, wird mehr Platz gebraucht, kooperiert Frau Matern mit dem Kulturquartier Neustrelitz. Interessante Autorinnen und Autoren sind dann zu Gast, Neuerscheinungen und Regionales werden vorgestellt, Verlage kommen zu Wort, wenn die Inhaberin als Moderatorin gekonnt durch die Abende führt und dabei den geladenen Gästen viel Gesprächsraum bietet. Als der Aufbau-Verlag zum 80jährigen Jubiläum das Buch Karen W von Gerti Tetzner wiederholt herausbrachte, war dies ein Grund für eine solche, gut besuchte Veranstaltung .

Da Königin Luise aus dieser Gegend nicht wegzudenken ist, wird Frank Pergandes Die Hofdame der Königin ganz aktuell erwähnt und eben erst im NDR von Kathrin Matern vorgestellt. 

Nächste Veranstaltungen: 

  • Am 27.03.26 ist Takis Würger mit Für Polina zu Gast
  • Kaleb Erdmann liest am 14.04.26 aus seinem Buch Die Ausweichschule
  • Helene Bukowski war für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und stellt ihr Buch Wer möchte nicht im Leben bleiben am 08.05.26 vor
  • Ob die Literatur der DDR verschwand können interessierte Leserinnen und Leser am 29.05.2026 in Lesung und Gespräch mit Carsten Gansel und Ausradiert? erfahren.

©️ Bücherjunge


Sonntag, 22. März 2026

Goldener Homer 2025 / 26

In Leipzig wurde die Shortlist für den rennomierten Literaturpreis HOMER für die besten historischen Romane des Vorjahres, also 2025 bekannt gegeben.


Es sind bekannte Namen darunter, einige standen bereits auf den Nominierungslisten und waren gar Preisträger. ich bin gespannt, der im Herbst dann die Preise entgegen nehmen wird.

©️ Bücherjunge

Samstag, 21. März 2026

LBM 26 - Kurzer Besuch

Gemessen an den vier Tagen Buchmesse Leipzig ist ein Tag natürlich wenig, aber es zeigt sich wieder, die beiden Wochentage sind die geruhsameren. Gleichzeitig staunt auch dieser erfahrene Leipzig-Besucher, wieviele Menschen sich ab 10:00 Uhr im Messe-Areal befinden. In den Hallen verläuft sich das etwas.  Die hohen Kraftstoffkosten teilten sich diesmal gleich vier Messebesucher, vielleicht bedeutet das soviel wie "ein Buch mehr". 😉 📚

Dienstag, 17. März 2026

Vom Atlantik zum rauchenden Berg und donnerndem Eis.


Wohin in Argentinien? Warum nicht Patagonien, begrenzt von Rio Colorado im Norden und der Magellan-Straße im Süden. Rund eine Million Quadratkilometer umfasst das Gebiet in Argentinien und Chile.

Im Frühling, also im November, fliegen wir von Buenos Aires an die Atlantikküste, nach Commodoro Rivadavia. Von November bis Mitte Dezember ist vielleicht die beste Zeit für eine solche Reise. Wind, Sonne und Staub begleiten uns auf dem Weg in Richtung Westen. Wir besuchen einen versteinerten Wald, eine Pinguin-Kolonie und betrachten eine Erdölpumpe in einem der größten Ölfelder der Welt, Vaca Muerte, aus der Nähe. Hier werden Schieferöl und Schiefergas durch Fracking gewonnen.

Den Mietautos wird auf den Schotterpisten eine Menge zugemutet. Wäre die berühmte Ruta 40 voll asphaltiert, könnte man schläfrig werden beim Durchfahren dieser oft ebenen Landschaft. Plötzlich: eine Kurve, eine Erhebung und die Sonne färbt eine Hügellandschaft neu ein. Manchmal hängt ein totes Guanako in den Zaunreihen. 

Viele interessante Orte und Landschaften besuchen wir, fahren den stürmischen Lago Buenos Aires entlang und lassen uns durch die Cuevas de las Manos mit den prähistorischen Handabdrücken in der malerisch grünen Schlucht des Rio Pinturas führen. Das nächste Ziel ist El Chalten, eine junge Bergsteigerstadt, die nach dem Rauchenden Berg, dem Fitz Roy, benannt wurde. Das Wahrzeichen des Nationalparks Los Claciares ist meist wolkenverhangen. Bei strahlend blauem Himmel erreiche ich eine herrliche Aussicht auf das schneevereiste Felsmassiv und den von Gletschern gespeisten, kurvenreichen Rio de las Vueltas im Tal.  Es gelingt, den Koloss als ausgegangene Räucherkerze abzulichten. Die indigenen Tehuelche nannten den schroffen schnee- und eisumgebenen, meist umwölkten Berg deswegen den Rauchenden, das erzählt Carmen Rohrbach, die weltreisende Biologin und Reiseautorin, in ihrem Buch Patagonien.

Darin las ich auch, dass Francisco Pascasio Moreno, genannt Perito Moreno, ihm den Namen des Kapitäns der „Beagle“, mit der Darwin reiste, gab. Nach dem Forscher Moreno ist der berühmten Gletscher benannt, den wir entlang des Lago Argentino, von Calafate kommend, zum Abschluss der Reise besuchen.  Aus donnernd abgebrochenen Eisblöcken werden kleine bläulich schimmernde Eisberge, die geräuschlos durch den See gleiten.

Auf rund 1350 Kilometern bereisten wir Patagonien, bevor uns der Flieger in die Stadt der Guten Winde, zurückbringt. Unübersehbare Weite, Steppe, Wind, Staub, Farben, Sonne, große Seen und die Kette der Anden. Unvergesslich.


Der Text entstand für eine Einsendeaufgabe in meinem Journalistik-Kurs.  Kommentare sehr erwünscht.

Hier gibt es vollständigen, viel bebilderten Reisebericht durch Patagonien:

Tag 5 - Lago Buenos Aires - Verhinderte Bootstour
Tag 6 - Bunte Hände in den Cuevas de las Manos
Tag 10 - Perito Moreno


©️ Bücherjunge


Montag, 16. März 2026

Hein, Christoph: Das Narrenschiff

Das hier zu besprechende Buch ist vor einem Jahr veröffentlicht wurden. Der Grund, warum ich es mir nun vorgenommen habe, liegt in der Lektüre einer Rezension und eines Spiegel-Interviews, beides vom Mai 2025. Darauf komme ich bald zurück.

DDR-Geschichte zu rezipieren, scheint immer schwieriger zu werden. Momentan verstärken sich so Meldungen, die den Staat östlich der Elbe überaus positiv zeichnen. Die hiesige Tageszeitung, Nordkurier, druckt am 12.03.26 einen Artikel „Ostalgie fast ohne Zwischentöne“. Auf einer Bühne vereint: Egon Krenz, Gustav Adolf "Täve" Schur, Waldemar Chierpinski und Frank Schöbel. Schon der Artikel taugt nicht viel, denn vorgestellt werden neben einigen Zitaten vor allem Besucher, die aus marginalen Gründen hingingen, die mal einen Blick auf diese illustre Garde werfen wollten.  Einschließlich Autogrammmöglichkeit, Buchverkauf und einem neuen Lied eines Schlagerbarden.

Von den Genannten tritt nur einer als Nebenfigur im 700seitigen Roman von Christoph Hein auf, indirekt, denn er wird dort vom ehemaligen ZK-Mitglied und Ökonomieprofessor Karsten Emser immer nur „der Jungpionier“ genannt. (Als ich Pionier wurde, war Krenz Vorsitzender der Pionierorganisation, das war 1970).

Mittwoch, 11. März 2026

Follett, Ken: Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit

Es gibt Orte in der Welt, die jeder kennt. Man muss nicht mal dort vor Ort gewesen sein. Manchmal nennt man diese Orte, die Bauten dort, Weltwunder. Jetzt würde jeder an die Pyramiden von Giseh denken, aber im Titel dieser Rezension steht Stonhenge.

"Der Name Stonehenge stammt aus dem Altenglischen stān hencg, wobei stān „Stein“ bedeutet und hencg entweder „Angel“ oder „Scharnier“ meint – eine Anspielung auf die zapfenartigen Verbindungen der Decksteine. „Henge“ bezeichnet heute einen ringförmigen Erdwall mit Graben, doch Stonehenge ist ein atypisches Beispiel, da der Graben innen liegt."

Aha, jetzt wissen wir (dank KI Comet) Bescheid. Aber wir wissen ja nichts. Während weiter im Osten, in Kleinasien - Mesopotamien, die ersten Stadtstaaten entstehen, große Bauten, Städte, Tempelanlagen und die Keilschrift, findet sich im Westen Europas nichts davon. Die jungsteinzeitlichen Menschen schrieben nichts auf...

Wie schreibt man dann ein Buch über die Errichtung des megalithischen Steinkreises in der Nähe von Salisbury? Ken Follett hat es getan...

Dienstag, 10. März 2026

Stürikow, Regina: Kommissar Gennat und der BVG-Lohnraub

 

Leserinnen und Leser, wenn sie gern Kriminalromane lesen, haben da so ihre kriminalistischen Vorlieben. Vor allem bei Regionalkrimis und diversen Buchreihen folgen sie ihren Spezies, die da Max Heller (Frank Goldammer) oder Julia Durant (Andreas Franz), Toni Sanftleben (Tim Pieper) oder Harry Hole (Jo Nesbø) heißen. (Hier auf diesem Blog gibt es außer diesen noch mehr)

Wer sich einer Reihe namens Babylon Berlin näherte und Volker Kutschers Gereon Rath folgte, lernte dabei einen dicken Kriminalrat kennen, der mal keine fiktive Figur darstellte, Ernst Gennat (1880 – 1939) arbeitete während der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und unter den Nationalsozialisten in der Berliner Polizei, der Aufbau einer modernen Mordkommission geht dabei auf sein Konto. Bei Volker Kutscher lesen wir, dass das „Mordauto“, bestückt mit Tatortuntersuchungsmaterial, unter den Berlinern bekannt war.

Gennat galt länger als vergessen. Regina Stürickow hat ihren Anteil daran, dass er, der „Buddha vom Alexanderplatz“ in diversen Büchern wieder auflebt.

Montag, 2. März 2026

Dohrweiler, Ralf H: Die Farbe des Bösen

Kriminalkommissar Rieker hätte eher nicht angenommen, dass er noch einmal auf Johanna, die Tochter des Richters Ahrens treffen würde. Mitte der 80ger Jahre des 19. Jahrhunderts treiben sich höhere Töchter eher selten in alten Fabriken rum und versuchen herauszukriegen, ob unter den Beschäftigten einer Tapetenfabrik, welche sind, die den Sozis zuneigen. Wie macht man das? In der tagesüblichen Kleidung der Johanna Ahrens geht das nicht. Da muss man sich schon in andere Kluft werfen.

Johanna, deren Augen meist offener sind, als es gut sie wäre. beobachtet dann auch einen kleinen und einen großen Mann, die etwas transportieren, was seltsam aussieht. Dass sie dabei mit gerafften Rücken hinter einem Gebüsch hockt, was ja manchmal sein muss, passt zur Arbeiterin Mechthild...

Es dauert diesmal etwas länger, aber bald führt der Fall mit mehreren Toten ohne Zähne die beiden wieder zusammen. Auch Arsen ist im Spiel. In den Tapeten und anderswo.