Wenn ein Buch schon mit BIBLIOMANIE betitelt wird, dann sollte es wenigstens dazu führen, dass man es allein schon wegen seiner äußeren Gestalt besitzen möchte. Obwohl, es ist ja ein Insel-Büchlein und dann noch eines von der kleineren Sorte. Es hat die Größe eines Oktav-Heftchens und passt in die Innentasche eines Sakkos. Ich schau es an und sehe ein gefesseltes, ein förmlich verschnürtes Bücherregal...
Der Bibliomanie, das lernte ich einst bei Umberto Eco, bin ich wohl nicht verfallen, der BIBLIOPHILIE schon eher. Der italienische Professor widmete der Kunst des Bücherliebens ein ganzes Buch. Erst kürzlich war von diesem hier und nicht zum ersten Mal Geschriebenes zu lesen. Vermutlich hat Eco, nein, ganz sicherlich, den Verfasser des Büchleins gekannt, heißt, er hat ihn bestimmt gelesen. Eher nicht wegen des Titels, sondern überhaupt, denn es handelt sich um den Franzosen Gustave Flaubert (1821 – 1880).
* * *
„In einer engen, düsteren Gasse Barcelonas lebte vor einiger Zeit ein Mann mit bleicher Stirn und trüben tiefliegenden Augen, ein satanischer und wunderlicher Mensch, wie Hoffmann in seinen Träumen sie entdeckt hat... Er zählte dreißig Jahre und galt schon für alt und verbraucht; seine Gestalt war hoch, aber vornübergebeugt, wie die eines Greises; sein langes Haar wehte schlohweiß im Winde; seine starken sehnigen Hände waren vertrocknet und mit Runzeln bedeckt; sein Gewand armselig und zerschlissen. Er sah linkisch und verlegen aus, sein Gesicht war bleich, traurig häßlich, ja sogar unbedeutend...“ (Seite 7)