Freitag, 7. Juni 2013

Ustinov, Sir Peter: Der alte Mann und Mr. Smith

Meine Rezension zu
DER ALTE MANN UND MR SMITH,
von Sir Peter USTINOV
"Die Geschichte zweier skurriler Reisender, die in einem Washingtoner Hotel absteigen. Der Alte Mann, der seinen Namen hartnäckig mit G-O-T-T buchstabiert und der leicht reizbare Mr. Smith geben sich die Ehre - um alsbald verhaftet zu werden, weil sie mit ihrem plumpen Falschgeld allzu verschwenderisch umgehen. Ein köstlicher Geniestreich von einem der größten Künstler unserer Zeit."

So steht es im Buchüberblick bei Amazon und auch bei buchgesichter.de. Und die wenigen Zeilen sagen auch nicht viel aus. Allerdings wird auf den Autoren mit den Worten "... einem der größten Künstler unserer Zeit." hingewiesen und das muss dann wohl genügen. Wohl dem, der weiß, wer Sir Peter USTINOV ist. Die meisten und vor allem Älteren kennen ihn wohl als Schauspieler.



Wer erinnert sich nicht an den trotteligen und falschsingenden Nero in QUO VADIS? Sir Peter Alexander Baron von Ustinov wurde für diesen Film erstmals für den OSCAR nominiert als bester Nebendarsteller. Übrigens ist QUO VADIS ein Buch von Henryk Sienkiewicz aber da es hier ja nicht um Ustinovs erste Filmrolle geht, sei auf wikipedia verwiesen. Ustinov hat nun wirklich alles gemacht. Er hat Opern inszeniert, große Filme gedreht als Produzent und Schauspieler, er stand in unzähligen Rollen auf der Bühne und... er hat geschrieben! Nicht nur ein Buch sondern eine ganze Menge.

DER ALTE MANN UND MR. SMITH ist ein besonders vergnügliches und trotzdem sehr ernstes Buch. Gott und der Teufel wandeln auf Erden und werden dabei immer menschlicher. Wo landen sie zuerst? Na in Gottes eigenem Land. Wo sonst. Den USA. Es gibt zwar verschiedene andere Völker, die ihr Land ebenso bezeichnen, aber welches ist das wohl "bedeutendste"? Nun ja, so ganz unbedeutend sind die USA wohl nicht. Der alte Mann und Mr. Smith verkörpern das Licht und die Dunkelheit, Gut und Bösen, Ying und Yang und das leben sie aus. Dabei erzählen sie aus alter Zeit:


"'Ohne mein Opfer... ohne mich bis du unsichtbar!' fauchte Mr. Smith.
'Ich bin bereit zu glauben, das dies teilweise wahr ist', sagte der Alte Mann... Vor einem Moment sagtest du liebenswürdiger- und zutreffenderweise, hätte ich dich nicht rausgeschmissen, wärest du wahrscheinlich früher oder später von allein gegangen.... Das bedeutet... Ich habe dem richtigen Engel einen Schubs gegeben.'
'Das bestreite ich gar nicht. Die Kollegen, die du für mich schufst, waren ohne jeden Charakter, möglicherweise mit Ausnahme von Gabriel, der sich immer freiwillig für schwierige Missionen meldete und bereit war, komplizierte Nachrichten über lange Entfernungen zu überbringen. Und weißt du warum? Er langweilte sich. Er litt genauso an Langeweile wie ich...'"
(Seite 18)


So hecheln sie den Himmel und die Erde auseinander und kommen ganz schön rum. Ergötzlich, wie sich der Hohe Rat der Oberrabbiner im Staat Israel an ihnen die Zähne ausbeißt, nicht anerkennend obwohl genau wissend, wer da vor ihnen steht. Erkennen sie die beiden an, dann hat sich das mit dem Messias und der Glauben ist futsch. Ebenso verrückt ist die Rede des modernen Mephistopheles vor den Deputierten des Obersten Sowjets... Aber ich will das ja nicht alles erzählen. Japan, Indien, der Himalaya sind weitere Stationen. ein Schlagabtausch ergibt den nächsten und während die Geheimdienste mehrerer Länder beiden wegen Falschmünzerei her sind, einzelne erkennen beide...


Gegen Ende gibt uns Peter Ustinov sein Credo bekannt indem er den Teufel sagen läßt:

"'Ich möchte nur eins klarstellen', sagte er.
'Ja?'
'In den diversen heiligen Schriften wird das Beten zu falschen Göttern, zu Götzen mit tönernen Füßen, so häufig verdammt, diese ganz innere Propaganda, Reklame für den eigenen Glauben auf Kosten all der anderen. Dies scheint mir völlig verkehrt, da ja der Glaube an sich wichtig ist, nicht die Objekte des Glaubens. Glaube bringt eine Lektion in Demut mit sich. Für die Seele eines Menschen ist es gut, wenn er an etwas Größeres als sich selbst glaubt, nicht weil er seinen Gott vergrößert, sondern weil er selbst auf sein Normalmaß schrumpft.... Der Akt der Verehrung ist wichtig, in keinem Fall das Objekt der Verehrung.' ...
'Ich kann nur sagen, was auf der Hand liegt, außer für einen Theologen. Da ich alles bin, folgt daraus, das ich auch der Ton bin, aus dem die Füße des falschen Gottes bestehen., von dem Vulkan, dem Baum, der Sonne ganz zu schweigen. es gibt keine falschen Götter, es gibt nur einen Gott.'
'Viele Ketzer sind verbrannt ... wurden, weil sie falsche Götter verehrten. Man hätte sie dafür beglückwünschen sollen, daß sie überhaupt verehrt haben.'
'... Ich bin nicht in Stimmung, alte Geschichten von Auseinandersetzungen wieder aufzuwärmen, in denen Überzeugungen die Schlachten gegen Zweifel gewonnen haben. Vergiss nicht, ihre Zweifel einen die Menschheit, ihre Überzeugungen entzweien sie. Es ist doch logisch, daß Zweifel für das Überleben der Gattung Mensch viel wichtiger sind als bloße Überzeugungen...''
(Seite 302 f)



Liest man die Dialoge, die beide miteinander führen, dann staunt man immer häufiger über die genaue Beobachtungsgabe und den präzisen Ausdruck des weltberühmten Autoren. Aber sicher doch, er ist Schauspieler. Er kann mit Sprache umgehen und Bilder schaffen. Deutsch sprach er auch sehr gut.


Peter Ustinov links im Bild (Trailerfoto)


Es ist ein sehr lehrreiches Buch, geschrieben von einem Weisen. Irgendwie passt der Begriff auf den Baron von Ustinov, der seinen Adelstitel ererbt hat. Vielleicht deshalb spielt er in LUTHER den Fürsten FRIEDRICH DEN WEISEN, welche den Augustinermönch mit Witz und Klugheit unterstützte.


Irgendwie fällt einem Goethe ein, der Prolog aus dem Faust I:

"Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern,
Und hüte mich, mit ihm zu brechen.
Es ist gar hübsch von einem großen Herrn,
So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen."


Nur dass der Kampf zwischen dem Herrn und Mephisto (noch) zu keiner Einigung führt. Das bringt nach dem deutschen Dichterfürsten erst der britische Oscarpreisträger fertig. (Sicher war das jetzt literarische Blasphemie)



Peter Ustinov 1986 (wikipedia.de)

Sir Peter USTINOV, geboren am 21. April in London und gestorben am 28. März 2004 in Genolier (Schweiz) war ein wahrlich großer Künstler. Sicher ist es genauso interessant, die anderen Bücher zu lesen.

Die Münchner Boulevardzeitung tz meinte im Nachruf:

"Am stärksten wird uns das Lächeln im Gedächtnis bleiben. Dieser kleine, listige Gesichtsausdruck, bei dem die Augen immer ein bisschen mehr zu wissen schienen, als der Mund gerade sagte. Es war wohl dieser leise, niemals polternde Humor, den die Menschen so geliebt haben am großen Sir Peter Ustinov. Nur nichts allzu ernst nehmen, strahlte er aus … Hat die Zuneigung, die ihm überall entgegenschlug, in Hilfe für andere umgemünzt." (Zitiert in: FAZ: „Dieser leise Humor“, 31. März 2004)


Dieser Humor ist es, welchen das Buch atmet und den man förmlich spürt. Da muss man wirklich nicht der vollkommene Ustinov Kenner sein.

Deutsche Nationalbibliothek

Was fällt mir noch dazu ein? Ach so ja: DIE ERSCHAFFUNG DER WELT. von Jean Effel ebenso vergnüglich:






© KaratekaDD; 21.12.2014


Kommentare:

  1. Das Buch steht seit etwa zwei Wochen nun auch in meinem Regal. Bin gespannt!
    Schöne Buchbesprechung übrigens - hat was, so viele Fotos dazu einzustellen, wie man mag, finde ich... :)

    AntwortenLöschen
  2. Klingt interessant - gute Rezension!
    Ich mochte P. Ustinov insbesondere als Schauspieler, als Autor ist er mir bisher noch nicht begegnet...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Empfehlung vor Monaten bin ich sehr gern nachgekommen. Ich werde bestimmt auch noch andere Bücher von ihm lesen...

      Löschen