Samstag, 18. März 2017

Heidenreich, Elke: Katzenmusik und Katerstimmung



»Was der Teufel für die Geige, das scheint die Hauskatze für das Klavier zu sein«, schreibt Bruno Aulich in »Mondscheinsonate und Katzenfuge«. Elke Heidenreich weiß, wovon er spricht: Ihr Kater Nero lief mit Vorliebe nachts über die Tasten und weckte alle mit modernster Musik. Auch in Frühlingsnächten ertönt Katzenmusik, wenn es bei den Katern um die Liebe und die Revierverteidigung geht. Kurzum: Das Feld der Katzenmusik ist ein weites. Ob schräge Katzenmusik, Katerstimmung oder andere tierisch-musikalische Zustände, das alles vereint diese Sammlung kecker, lustiger, ausgefallener und melancholischer Geschichten.

(Klappentext Verlagsgruppe Random House)

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (14. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Illustrationen: Rudi Hurzlmeier
  • ISBN-10: 3442746809
  • ISBN-13: 978-3442746804














KATZEN UND MUSIK...




Im Vorwort zu ihrer Anthologie erläutert Elke Heidenreich:

"Schreibt mir etwas", habe ich die Autoren gebeten, "über Katzenmusik, über Katzenjammer, ihr wisst schon...!" - Sie wussten nicht so recht, aber sie ahnten, und ich wusste auch nicht so recht, aber ich wollte solche Geschichten sammeln. Jeder kennt doch die schrillen Töne der Katzen, des Lebens, der Liebe und das scheußliche Gefühl, das schrille Töne in der Regel begleitet, und so kam Unterschiedlichstes zusammen: Von der Katze , die in der Oper mitsingt, bis zum Lebenskatzenjammer schlechthin ist alles dabei. Hat das alles noch mit Musik zu tun? O ja, mit der Musik unseres Lebens, in der es in Dur und Moll dahingeht, mal rauf, mal runter mit der Lebensmelodie, und mal klingt alles fröhlich, mal melancholsich und mal schrill und zerrissen. Katzenmusik eben.

Die andere Seite der Musik wird hier beleuchtet - das Schrille, das Grässliche, das, was einem auf die Nerven geht. Viele Autoren präsentieren hier kleine und kleinste Geschichten zum Thema, was im Leben aus dem Ruder läuft, was uns eben Katzenjammer beschert - eine Menge skurriler, lustiger und auch ernster Beiträge von einer Vielzahl von Autoren. Modeschöpfer Wolfgang Joop ist hier ebenso vertreten wie Bernd Schröder, Eva Demski, Harry Rowohlt, Jan Weiler u.v.m. Elke Heidenreich hat natürlich selbst auch eine Geschichte zu dieser Anthologie beigetragen - eine beinah wahre. Der Maler und Cartoonist Rudi Hurzlmeier hat die Geschichten noch mit seinen einzigartigen Bildern bereichert.

Was soll ich sagen? Manche der Geschichten haben mir gut gefallen, andere konnten mich leider gar nicht ansprechen - das Problem vieler Anthologien. Da ist eben für jeden Geschmack etwas dabei, und dass alles begeistert, kann man wohl nicht erwarten. Ein Buch v.a. für Katzenliebhaber. Keine Lektüre, die hintereinander weg gelesen werden sollte, sondern hier mal eine kleine Geschichte, dort vielleicht mal zwei. Häppchen für Häppchen eben, sonst wird es rasch zu viel. In jedem Fall ist es erstaunlich, wie unterschiedlich die einzelnen Beiträge sind.

Vielleicht auch eine schöne Geschenkidee...


© Parden












Die Verlagsgruppe Random House schreibt über die Herausgerberin:

Elke Heidenreich lebt in Köln. Sie hat jahrelang für Radio und Fernsehen gearbeitet, als Drehbuch- und Hörspielautorin, Talkmasterin, Literaturexpertin, früher auch als Kabarettistin. Ihre Arbeit gilt der Literatur und der Musik: an der Kölner Kinderoper wirkte sie zwölf Jahre lang mit. Beide Leidenschaften vereinigt sie seit 2008 in ihrer Rolle als Herausgeberin der Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann.

► übernommen von der Verlagsgruppe Random House


► Hier geht es zum Interview: Heidenreich interviewt Heidenreich... ☺

Dienstag, 14. März 2017

Roth, Veronica: Rat der Neun - Gezeichnet (Hörbuch)


In einer Galaxie, in der Gewalt und Rache das Leben der Völker beherrschen, besitzt jeder Mensch eine besondere Gabe, eine einzigartige Kraft, die seine Zukunft mitgestaltet. Doch nicht jeder profitiert von seiner Gabe …

Cyra ist die Schwester des brutalen Tyrannen Ryzek. Ihre Gabe bedeutet Schmerz, aber auch Macht – was ihr Bruder gezielt gegen seine Feinde einsetzt. Doch Cyra ist mehr als bloß eine Waffe in Ryzeks Händen: Sie ist stark und viel klüger, als er denkt.

Akos stammt aus einem friedliebenden Volk und steht absolut loyal zu seiner Familie. Als Akos und sein Bruder von Ryzek gefangen genommen werden, trifft er auf Cyra. Er würde alles dafür tun, seinen Bruder zu retten und mit ihm zu fliehen, doch mächtige Feinde stehen ihm im Weg. Akos und Cyra müssen sich entscheiden: sich gegenseitig zu helfen oder zu zerstören …

Gelesen von Laura Maire und Shenja Lacher.


(Klappentext der Hörverlag)

  • 2 MP3 CDs - Laufzeit 16 h 4 min.
  • Verlag: der Hörverlag; Auflage: Ungekürzte Lesung (17. Januar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung:  Petra Koob-Pawi und Michaela Link
  • Sprecher: Laura Maire und Shenja Lacher
  • ISBN-10: 3844524975
  • ISBN-13: 978-3844524970
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren













FANTASY IN GALAXY...



Der Eisplanet Thuvhe ist einer der neun Planeten in einer fernen Galaxie. Er wird von zwei Völkern bewohnt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: den friedliebenden Thuvhesi und den stets gewaltbereiten Shotet. Alle Planeten unterstehen dem Rat der Neun, und das Schicksal der Planeten wird gelenkt von den drei Orakeln, die von allen Völkern verehrt werden. Eines der Orakel ist die Mutter von Akos Kereseth und seinen Geschwistern. Es sind die letzten friedlichen Tage der Kereseth, mit denen Veronica Roth die Erzählung beginnt. Doch nur zu bald brechen Ereignisse über sie herein, die die Familie zerstören: Shotet stürmen das Haus der Kereseth, töten den Vater und entführen die beiden Brüder. Über die Federgras-Steppe werden sie verschleppt bis in das Reich der Shotet.

Ryzek ist der Herrscher der Shotet, in dessen Auftrag Akos und sein Bruder entführt wurden. Sein eigenes Schicksal ist es, das dem Herrscher keine Ruhe lässt - mit Hilfe der Brüder Kereseth erhofft er sich eine Wendung zum Guten. Eijeh soll ihm als zukünftiges Orakel helfen, mögliche Versionen seiner Zukunft zu sehen, und Akos soll mit seiner Lebensgabe Cyra, der Schwester von Ryzek, helfen. Cyra leidet unter ständigen Schmerzen, kann diese aber auch umlenken und auf jemand anderen übertagen, weshalb Ryzek sie als Geißel seiner Herrschaft nutzt und als tödliches Folterwerkzeug einsetzt. Durch Akos Berührung lassen Cyras Schmerzen nach, so dass das Leben für sie wieder erträglicher wird und sie für Ryzek von Nutzen bleibt.

Akos und Cyra verbringen fortan den größten Teil ihrer Zeit miteinander und lernen sich allmählich kennen - und mit ihnen auch der Hörer, der durch die wechselnden Perspektiven von Cyra und Akos auch in die Gedankenwelt beider Charaktere Einblick erhält. Die zarte Liebesgeschichte, die sich hier anbahnt, dominiert dabei zu keinem Zeitpunkt das Geschehen, was ich als angenehm und maßvoll empfand. Akos bemüht sich neben dem reinen Überleben in erster Linie darum, aus der Gefangenschaft zu entkommen - aber nur gemeinsam mit seinem Bruder. Doch zunehmend wächst bei ihm die Erkenntnis, dass er dies alleine nicht schaffen kann - Cyra ist seine einzige Chance, diesen Plan auch tatsächlich umzusetzen. Doch wird sie ihm wirklich helfen?

Was einige Teilnehmer der Hörrunde als störend empfanden, fand ich im Gegenteil überzeugend: Veronica Roth lässt sich zu Beginn der Erzählung viel Zeit, um die fremden Welten, Völker, Gegebenheiten und Charaktere vorzustellen. So war es mir möglich, trotz der Vielzahl an fremden Namen und Dingen allmählich wirklich in Thuvhe und Shotet anzukommen und mir ein Bild der fernen Galaxie zu machen. In der zweiten Hälfte dann zog die Spannung zunehmend an, und auch wenn mir mancher Abschnitt gelegentlich etwas sprunghaft erschien, konnte mich die Handlung in den Bann ziehen. Empfindlich sollte man als Hörer dabei allerdings nicht sein, denn hier herrschen Gewalt, Schmerz, Blut und Tod vor.

Die Zeichnung der Charaktere ist für mich plastisch und mehrdimensional und durch die Ausgewogenheit an Stärken und Schwächen auch authentisch und glaubhaft. Der Wechsel der Perspektiven in der Erzählung bringt beide Hauptcharaktere gleichermaßen nahe, auch wenn Cyra (gelesen von Laura Maire) in der Ich-Perspektive präsentiert wird, Akos dagegen (gelesen von Shenja Lacher) etwas distanzierter in der personalen Erzählperspektive. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, die Lesung der jeweiligen Erzählperspektive entsprechend angemessen.

Auch wenn die Präsentation der fremden Galaxie den Scienc-Fiction-Gedanken nahelegt, liegt für mich der Schwerpunkt der Geschichte in erster Linie im Bereich der Fantasy. In meinen Augen ist dies der gelungene Auftakt einer vielschichtigen Dilogie, die durch eine ausgewogene Mischung von Spannung und Gefühl punkten kann. Auf die Fortsetzung bin ich jedenfalls gespannt!


© Parden 
















Der Hörverlag schreibt über die Autorin:

Veronica Roth lebt in Chicago und studierte an der dortigen Northwestern University Creative Writing. Im Alter von nur 20 Jahren schrieb sie während ihres Studiums den Roman, der später "Die Bestimmung" wurde und den Auftakt zu ihrer internationalen Bestseller-Trilogie bildet. Nun hat ihr Buchhit auch die Leinwand erobert. In der Verfilmung der preisgekrönten Romane begeistern die Stars Shailene Woodley als die tapfere junge Heldin Tris und Theo James als deren große Liebe Four.

► übernommen von der Hörverlag

Samstag, 11. März 2017

Nebel im August (Film)

Ein Junge, ungefähr fünfzehn Jahre, sitzt im Haus seiner Eltern und erklärt diesen, dass er gehen muss. Es läutet an der Tür. Vor dem Hause stehen Krankenpfleger und nehmen den Jungen mit zu einem Krankenauto. Er schaut zurück, die Eltern stehen entsetzt und stumm und blicken ihm nach.


Der Junge ist der Sohn eines SS-Obergruppenführers und unheilbar krank. Der Vater hat den Arzt des Jungen getötet, denn der wollte den Reichsgesetzen "Geltung verleihen" und den Vater anzeigen. Der Junge findet später ein Buch, in dem seine Krankheitssymptome beschrieben sind. Erzogen im nationalsozialistischen Geist und als überzeugter Angehöriger der HJ hält er sich nun für "unwert" und beschließt, dem durch die Selbstanzeige Rechnung zu tragen.


Dies sind Szenen aus der Fernsehserie THE MAN IN THE HIGH CASTLE, die unter Amzon zu finden ist, frei nach dem Buch DAS ORAKEL VOM BERGE des amerikanischen Sience Fiction Autoren Philip K. Dick.


Diese Szene fiel mir ein, als ich den Artikel Sargau ist Irsee in der Wochenzeitung DER FREITAG las.

Mittwoch, 8. März 2017

Dick, Philip K.: Das Orakel vom Berge

Der Mann im hohen Schloss / The Man in the high Castle / Das Orakel vom Berge...

„Unzählige“ Titel einer Geschichte, die mir nicht als Buch in die Hände fiel, sondern als Fernsehserie. Eine AMAZON PRIME Fernsehserie und das scheint ein Format zu sein, welches sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Ein anderer „Sender“ ist NETFLIX, aber von dem soll gerade nicht die Rede sein, der kommt dann dran, wenn ich mal was über Elisabeth II. zu schreiben hätte...

Das Cover des Taschenbuches spricht ja Bände: Die japanische Kriegsflagge über dem Westen der USA, der Adler des Tausendjährigen Reiches über dem Osten und mittleren Westen. In der Mitte ein schmaler grauer Streifen, das ist die Pufferzone einiger weniger amerikanischer neutraler Staaten.


Wir schreiben das Jahr 1962. Die beiden Supermächte, Japan und Deutschland, sind sich nicht sonderlich grün. Auch regt sich Widerstand und die junge Judolehrerin Juliana sucht in den Rockies nach einem mysteriösen Autor, der den Widerstand entfachen könnte. „Nur er scheint zu wissen, wie man dem Albtraum der falschen Geschichte entkommt“ [1]

Alles ist irgendwie anders gelaufen:
Roosevelt ermordet, im Jahr 1947 siegen die Achsenmächte. Deutschland hat das Mittelmeer trocken gelegt. (Atlantropa [2]). Reichskanzler Bormann ist Tod und mehrere Gruppen kämpfen um die Macht.

Ein Hauptmann der Abwehr namens Wegener will die Japaner vor einem Atomangriff der Nazis warnen. Ein Frank Frink fälscht ehemalige amerikanische Alltagsgegenstände und will diese über den amerikanischen Kunsthändler Childan an Japaner verkaufen. In San Francisco residiert ein Mr. Tagomi in der japanischen Handelsmission. Und Juliana Frink, Exfrau von Frank verliebt sich (fast) in Joe, einen italienischen Trucker.

Sonntag, 5. März 2017

Ahava, Selja: Dinge, die vom Himmel fallen


Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Einen Eisbrocken etwa, der mitten im Sommer vom Himmel stürzt und der achtjährigen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Wenig später widerfährt auch Saaras Tante Unwahrscheinliches, als sie zum zweiten Mal im Lotto gewinnt – und vor Schreck in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf fällt. Und dann ist da noch der Fischer aus Schottland, der wiederholt vom Blitz getroffen wird –  und sein Schicksal dennoch immer wieder aufs Neue herausfordert. 

Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichts mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die ganze Welt ins Wanken bringt? In ihrem prämierten neuen Roman erzählt Selja Ahava eine Geschichte von den unberechenbaren Launen des Schicksals, schmerzhaft und ehrlich, tröstlich und märchenhaft leicht.


(Klappentext mare Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Mare Verlag; Auflage: 1. (14. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Stefan Moster
  • ISBN-10: 3866482426
  • ISBN-13: 978-3866482425
  • Originaltitel: Taivaalta tippuvat asiat








 Ich danke dem mare Verlag ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu können!  
mare








VON DER MACHT DES SCHICKSALS...



Saara ist gerade einmal acht Jahre alt, als ihr Leben auf den Kopf gestellt wird. Als sie mit ihrem Vater von einer Besorgung nach Hause kommt, ist die Mutter tot: erschlagen von einem von einer Flugzeugturbine herabgefallenen Eisbrocken. Der Vater verfällt in eine schwere Depression, doch wenigstens ist da noch Tante Annu, die die beiden zu sich in das Gutshaus holt. Gerade als sich wenigstens für Saara wieder ein wenig Normalität einzustellen scheint, widerfährt der Tante ebenfalls ein Schicksalsschlag: sie gewinnt zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre den Jackpot im Lotto. Darüber verfällt Tante Annu in einen Schock, der sie schließlich fast vier Wochen lang schlafen lässt. Danach schreibt sie verzweifelte Briefe an einen schottischen Fischer auf den Hebriden, der bereits viermal vom Blitz getroffen wurde und überlebt hat. Wie kommt man damit zurecht, wenn man nicht mehr an einen Zufall glauben mag? Welcher Sinn steckt hinter all diesen Geschehnissen? Und gibt es eine Antwort auf das 'Warum'?


"In der Schule wurde uns von Lots Familie erzählt, zu der die Engel sagten: 'Geht, aber seht euch nicht um. Wir werden jenen Menschen nun etwas Schreckliches antun. Euch werden wir retten, aber ihr dürft es nicht sehen.' Und dann lief Lots Familie davon, aber Lots Frau glaubte den Engeln nicht und drehte sich um. Und sie sah das Schreckliche, das die Engel den Menschen antaten, und verwandelte sich in eine Salzsäule. Lots Frau wurde zur Säule, weil sie nicht ertrug, was sie dort sah. Die Lehrerin sagte, die Säule sei ein Zauber der Engel gewesen, aber ich weiß jetzt, dass man auch ohne Engelszauber zur Säule erstarren kann. Es reicht, dass man etwas sieht, das man nicht aushält." (S. 42 f.)


Aufgeteilt ist die Erzählung in vier Abschnitte, die das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten:

Der erste und umfassendste Abschnitt wird aus der Sicht der achtjährigen Saara erzählt, leicht und kindlich, fast emotionslos im Stil, und doch gelingt es Selja Ahava, die große Fassungslosigkeit, Einsamkeit und Traurigkeit des kleinen Mädchens aber auch der anderen Betroffenen zu transportieren. In diesem Abschnitt fühlte ich mich dem Geschehen nahe, konnte nachempfinden und hoffen, dass die Zeit womöglich tatsächlich alle Wunden heilt.


"Die Zeit blieb stehen. Man konnte nicht vor- und nicht zurückdenken. Jemand zeichnete eine dicke weiße Linie um unsere Gedanken herum, und die Gedanken blieben stehen, und wir steckten darin fest (...) Man kann nur hoffen, dass die Zeit die Wunden heilt. Aber dass die Zeit heilt, war Scheißdreck..." (S. 47)



Der zweite Abschnitt präsentiert den bereits angedeuteten Briefwechsel zwischen Tante Annu nach ihrem zweiten Lottogewinn und dem schottischen Fischer, der bereits vier Blitzeinschläge überlebt hat. Dabei dreht sich nicht alles allein um die persönlichen Erfahrungen der beiden Briefeschreiber, sondern eingeflochten darin befinden sich auch noch andere skurrile Schicksalsschläge, die Gegenstand von Zeitungsberichten oder TV-Dokumentationen waren und die v.a. Annu gesammelt hat. Eine interessante Zusammenstellung von unglaublichen Ereignissen ist dies, und ich vermute, dass Selja Ahava diesen Briefwechsel zwischen Annu und dem Fischer eingeflochten hat, um diese Sammlung in der Geschichte unterbringen zu können.


"...vielleicht braucht die Welt bisweilen Vorkommnisse, die uns alle aufrütteln. In diesem Dorf bin ich derjenige, der die Leute aufgeweckt hat. Wenn ich den Laden betrete, erinnert sich jeder Kunde daran, dass uns zu jeder Zeit der Himmel auf den Kopf fallen kann." (S. 114)



Der dritte Abschnitt wird erzählt aus der Sicht der neuen Frau von Saaras Vater, mit der die beiden vier Jahre nach dem Unglück mit dem herabgefallenen Eisbrocken wieder in dem Haus von Saaras Kindheit leben. Schwanger ist Saaras Stiefmutter, doch verläuft diese Schwangerschaft nicht ohne Sorgen, und wirklich angekommen ist die Stiefmutter in dem Sägemehlhaus auch nie. Die Distanziertheit, mit der die Stiefmutter Saara betrachtet - stets spricht sie von ihr als 'das Mädchen' - hat mich dabei ehrlich gesagt verstört, und irgendwie wirkt diese Stiefmutter wie ein Fremdkörper in diesem Haus.


"Und so wie der Himmel und das Meer nicht zuverlässig sind, so ist es auch die Erde nicht. Eisbrocken fallen vom Himmel, Blitze schlagen ein. Wellen spülen über das Deck, und manchmal reißt schlicht und einfach die Erde auf." (S. 129)


Im vierten Abschnitt schließlich berichtet wieder Saara von ihrem Leben nach der Rückkehr ins Sägemehlhaus. Dieser Abschnitt war für mich der befremdlichste, denn immer wieder halten Inhalte von Märchen hier Einzug, und die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen. Märchen sind grausam - das Leben manchmal auch. Und die Bilder der Märchen lassen diese Grausamkeit, das Willkürliche, die Gnadenlosigkeit des Zufalls noch einmal deutlicher werden.

Von der Macht des Schicksals erzählt dieses Buch, oft leicht in der Sprache, dabei meist schwer im Inhalt, was einen reizvollen Kontrast darstellt. Die Frage nach dem 'Warum' oder dem 'Warum nicht' wird hier in den Raum gestellt, und dem Leser bleibt nichts anderes übrig, als dieser Frage ebenfalls nachzugehen, sein eigenes Leben zu durchforsten und erleichtert aufzuatmen, wenn das Schicksal ihn bislang verschont hat - doch der Frage nach dem Sinn hinter alldem kann er sich nicht entziehen.

Ein forderndes Buch, keine bequeme Lektüre, doch ein Roman, den ich letztlich wirklich gerne gelesen habe.



© Parden










Selja Ahava Der mare Verlag schreibt über die Autorin:

Selja Ahava, 1974 geboren, studierte Dramaturgie an der Theaterhochschule Helsinki und schrieb Drehbücher für Filme und Fernsehserien sowie Hörbücher, bevor sie mit Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm ihren ersten Roman veröffentlichte. Sie hat fünf Jahre in London verbracht und lebt seit ihrer Rückkehr nach Finnland mit ihrer Familie in Porvoo. Ahava gehört zu den Gewinnern des European Union Prize for Literature 2016.

 ► übernommen vom mare Verlag

Samstag, 4. März 2017

Carol, J.S.: Fürchte Dich



Dreißig Gäste in einem exklusiven Restaurant in Los Angeles, die ungestört von Paparazzi ihr Abendessen genießen möchten. Unter ihnen Alex King, ein junger aufstrebender Schauspieler, der seiner trostlosen Jugend in einem Trailerpark entkommen konnte, und Jody Johnson, seine ambitionierte Agentin. An diesem heißen Sommerabend ist King mit dem skandinavischen Model Simone verabredet. Doch plötzlich stürmt ein Maskierter das Restaurant, und ein perfides Psychospiel um Leben und Tod beginnt.

(Klappentext Aufbau Verlag)

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (14. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Ursula Walther
  • ISBN-10: 3746630983
  • ISBN-13: 978-3746630984
  • Originaltitel: Tick Tick Boom








 Ich danke dem Aufbau Verlag ganz herzlich für die Möglichkeit, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu können! 








WAS IST EIN MENSCHENLEBEN WERT?



Die Gäste eines Nobelrestaurants in Hollywood durchleben während einer Geiselnahme drei Stunden des Terrors - Mord, Russisch Roulette, Psychospiele. Der Geiselnehmer zwingt sie, sich auszuziehen und ihm alle Wertgegenstände zu überlassen. Doch das ist ihm nicht genug. Sie müssen außerdem auf ihre Konten zugreifen und ihm ihr gesamtes Vermögen überweisen, um am Leben zu bleiben. Dem neuen Star in Hollywood, Schauspieler Alex King, gelingt es, sich in der Toilette zu verstecken, und er versucht, Kontakt zu Polizei und Medien aufzunehmen. Diese halten den Geiselnehmer für einen Terroristen. Doch wer ist der Mann wirklich, und was ist sein Motiv?

Ganze drei Stunden umfasst der immerhin über 300 Seiten starke Thriller - drei Stunden, die es in sich haben. Erzählt wird hier aus verschiedenen Perspektiven, zwischen denen die kurz gehaltenen Abschnitte stetig hin und her wechseln, was das Tempo hochhält und durch einzelne Cliffhanger auch immer wieder für Spannung sorgt. So kann der Leser zum einen das Geschehen im Restaurant verfolgen - der Geiselnehmer mit seinen gekidnappten Berühmtheiten steht dabei ebenso im Fokus wie der versteckte Schauspieler, der verzweifelt versucht, einen Ausweg aus dieser heiklen Lage zu finden - und zum anderen begleitet der Leser die Berichterstattung in den Medien, die immer perfidere Züge annimmt.


Seth grinste in sich hinein, er konnte nicht anders. Er hörte die Fakten zum x-ten Mal, und sie hatten ihre Wirkung noch nicht verloren. Das war die Story seines Lebens. Wunderschön. (S. 154)



Dass J.S. Carol (ein Psyeudonym von Steve Jackson, der sonst unter dem Namen James Carol schreibt) den Schauplatz dieses Thrillers nach Hollywood verlegt, kommt wohl nicht von ungefähr. Auf diese Art war es ihm jedenfalls möglich, neben dem eigentlichen Geschehen auch noch zahlreiche gesellschaftskritische Aspekte einzuflechten: glatte Fassaden, aufgepimpte Lebensläufe, glattgebügelte weiße Westen, die Werte der Oberflächlichkeit wie Schönheit, Reichtum, Berühmtheit um jeden Preis, und wenn jemand oder etwas dabei auf der Strecke bleibt - so what... Aber auch die Rolle der Medien wird hier drastisch vor Augen geführt, bis an die Grenze des Unerträglichen. Und immer wieder stellt sich die Frage: Was ist ein Menschenleben eigentlich wert?

Doch im Vordergrund steht hier der Thriller selbst, der von der Frage lebt, wer der Geiselnehmer überhaupt ist. Was treibt ihn zu dieser Tat und was erhofft er sich davon?  Die Polizei spielt hier allerdings kaum eine Rolle, um so mehr jedoch die Geiseln selbst sowie die berichterstattenden Medien. Sympathisch ist dabei für mich keine einzige der Figuren, die allesamt recht klischeehaft und wenig greifbar gezeichnet sind. Auch wenn es einige sehr spannende Szenen gab, schaffte der Thriller es nicht, mich durchgehend in den Bann zu ziehen. Trotz der nur wenige Stunden umfassenden Handlung gab es langatmige Stellen sowie Szenen, in denen für meinen Geschmack die gesellschaftskritischen Aspekte zu übertrieben aufgetischt wurden. Sehr gespannt war ich auf die Auflösung, doch hat diese mich letztlich in ihrer Schlichtheit fast ein wenig enttäuscht. Da hatte ich mir ein wenig mehr erhofft.

Insgesamt ein Thriller mit einem interessanten Plot, der mich in der Umsetzung jedoch letztlich nicht ganz überzeugen konnte. Nett zu lesen, aber nicht herausragend.


© Parden 










Der Aufbau Verlag schreibt über den Autor:

J.S. Carol ist das Pseudonym von Steve Jackson. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Hertfordshire und schreibt auch unter dem Pseudonym James Carol.

► übernommen vom Aufbau Verlag


Donnerstag, 2. März 2017

BlogPost Nr. 88: Unsere Neuerwerbungen im Februar 2017


Und auch im Februar gab es wieder ein wenig Zuwachs in unseren Bücherregalen. Überall? Schaut selbst!







KaratekaDD



Der Aufbau - Verlag hat mir ein Buch geschickt. Ich kann mich nicht erinnern, es geordert zu haben. Aber die Inhaltsangaben auf dem Schutzumschlag finde ich schon interessant. "Ein Roman von Faustscher Art, in dem sich die große Geschichte mit dem Liebesschicksal eines einzelnen Mannes verwebt.
Notre Dame von Ulrich Schacht.






Ich komme nicht davon los. Man könnte ja wenigstens mal auf das Taschenbuch warten. Aber nein. Und Clancy hat sowieso nur seinen Namen hergegeben. Die Geschichte geht also erst mal weiter. Und da Nordkorea gelegentlich noch ziemlich schrottige Raketen abschießt, ist der aktuelle Anlass mal wieder gegeben. Tom Clancy und Mark Greaney schrieben Mit aller Gewalt.




Nach der Amazon-Serie THE MAN IN THE HIGH CASTLE musste ich natürlich die originale Geschichte erwerben. Der deutsche Untertitel lautet: Das Orakel vom Berge. Da die Geschichte aus dem Jahr 1962 stammt, dürfte dies oder jenes etwas gewöhnungsbedürftig sein.
In dieser Sience Fiction Geschichte hat das Deutsche Reich den 2. Weltkrieg gewonnen und der Osten der USA gehört zum Reich. Der Westen allerdings zu Japan und dazwischen liegt im Verlauf der Rocky Mountains eine neutrale Zone. Hier residiert irgendwo der MANN IM HOHEN SCHLOSS. Natürlich gibt es gegen die Invasoren auch Widerstand.
► Phil K. Dick hat´s geschrieben.







Anne Parden




https://s3-eu-west-1.amazonaws.com/cover.allsize.lovelybooks.de/B01MR21WMB_1483877740450_xl.jpgSpontan habe fünf Minuten vor Ablauf der Frist meinen Namen in den Lostopf für dieses Buch geworfen. Zu meiner großen Freude war dies von Erfolg gekrönt und ich habe ein Exemplar für die Leserunde bei Lovelybooks gewonnen. Der Titel ist doch einfach herrlich!

Am 5. Februar 2018 landete ein außerirdisches Raumschiff mit mehr als 5000 Flüchtlingen an Bord auf dem Flughafen München. --- Charly lebt glücklich in einer mittelalterlichen bayrischen Kleinstadt, bis nebenan eine Außerirdische einzieht. Die geht ihr ganz furchtbar auf die Nerven. Und dann beschmieren Fremde auch noch ihr Elternhaus. Zufall? Oder gibt es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen Charlys Familie und den Flüchtlingen von einer anderen Welt? Die beiden ungleichen Mädchen raufen sich zusammen und stellen sich der größten Herausforderung ihres Lebens. Ist alles so wie es scheint? Was zählt wirklich im Leben? Wie weit sind wir bereit zu gehen, um die Wahrheit zu erfahren? Wem können wir trauen? Eine spannende Geschichte, erzählt mit einer Prise Humor, für Leser und Leserinnen ab 10. Das Abenteuer schlägt eine Brücke von den Kreuzrittern bis hin zu fernen Planeten und zeigt, dass Freundschaft nicht nach Hautfarbe oder Herkunft fragt. Und Krzschrk mag zwar furchtbar stinken, schmeckt aber einfach himmlisch.



Im Rahmen der neuen Aktion 'Sound der Bücher' bei Lovelybooks gab es eine Verlosung zu diesem Hörbuch (der erste Teil eines Zweiteilers) - und ich gehörte zu den glücklichen Gewinnern. Also: auf die Ohren, fertig, los!

In einer Galaxie, in der Gewalt und Rache das Leben der Völker beherrschen, besitzt jeder Mensch eine besondere Gabe, eine einzigartige Kraft, die seine Zukunft mitgestaltet. Doch nicht jeder profitiert von seiner Gabe… --- Cyra ist die Schwester des brutalen Tyrannen Ryzek. Ihre Gabe bedeutet Schmerz, aber auch Macht – was ihr Bruder gezielt gegen seine Feinde einsetzt. Doch Cyra ist mehr als bloß eine Waffe in Ryzeks Händen: Sie ist stark und viel klüger, als er denkt. --- Akos stammt aus einem friedliebenden Volk und steht absolut loyal zu seiner Familie. Als Akos und sein Bruder von Ryzek gefangen genommen werden, trifft er auf Cyra. Er würde alles dafür tun, seinen Bruder zu retten und mit ihm zu fliehen, doch mächtige Feinde stehen ihm im Weg. Akos und Cyra müssen sich entscheiden: sich gegenseitig zu helfen oder zu zerstören…


Ein ganz liebes Dankeschön geht an den mare Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zukommen ließ! Sicher wird es bald gelesen!

Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Einen Eisbrocken etwa, der mitten im Sommer vom Himmel stürzt und der achtjährigen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Wenig später widerfährt auch Saaras Tante Unwahrscheinliches, als sie zum zweiten Mal im Lotto gewinnt - und vor Schreck in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf fällt. Und dann ist da noch der Fischer aus Schottland, der wiederholt vom Blitz getroffen wird und sein Schicksal dennoch immer wieder aufs Neue herausfordert. Was passiert, wenn von einem Moment auf den anderen nichts mehr ist, wie es war? Wenn ein kleiner Zufall die ganze Welt ins Wanken bringt?




Und noch ein weiteres Rezensionsexemplar vom mare Verlag erreichte mich - auch dafür herzlichen Dank! Ich bin schon sehr neugierig auf dieses Buch!

Sie sind jung und verliebt und haben alles, was sie brauchen. Aber ihr Pariser Leben langweilt sie, also nehmen Louise und Ludovic ein Sabbatjahr und umsegeln die Welt. Bei einem Ausflug auf eine unbewohnte Insel vor Kap Hoorn reißt ein Sturm ihre Jacht und damit jegliche Verbindung zur Außenwelt mit sich fort. Was als kleiner Ausbruch aus dem Alltagsleben moderner Großstädter gedacht war, mündet urplötzlich in einen existenziellen Kampf gegen Hunger und Kälte. Nicht weniger aufreibend ist das psychologische Drama, das sich zwischen den Partnern entspinnt. Wer trägt die Schuld an der Misere? Wer behält die Nerven und trifft die richtigen Entscheidungen? Und was wird aus der Liebe, wenn es ums nackte Überleben geht? Herz auf Eis ist ein Psychothriller der Emotionen und die einsame Insel ein Sinnbild für alle großen Herausforderungen, denen sich die Liebe zuweilen stellen muss.


Und seit langem habe ich beim Bloggerportal mal wieder um ein Rezensionsexemplar aus der Gruppe Random House gebeten. Sehr nett, dass diesem Antrag stattgegeben wurde!

Gescheiterter Schriftsteller, katastrophale Ehe, gefährlicher Brotjob – Liams Leben könnte besser sein. Doch zum Glück gibt es seinen besten Kumpel Aldo, den wahren Meister des Desasters. Und Liam ereilt die Inspiration: Er wird über Aldo schreiben! Um festhalten zu können, an welchem Punkt genau das Leben des auratischen Wiederholungstäters die Abzweigung in die permanente Katastrophe nahm, fährt Liam eine Parade von Aldos Missgeschicken auf, bei der eine in der Halsschlagader steckende Kuchengabel auf einer buddhistischen Hochzeitszeremonie noch das Geringste aller Probleme zu sein scheint. Wie mag das bloß alles enden ... Es gibt sicher noch Hoffnung, aber gibt es sie auch für Aldo? --- Originell und mit schier unerschöpflichem Wahn- und Wortwitz erzählt Steve Toltz eine dunkle Komödie über zwei beste Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und schafft so einen zeitlosen Roman über das Wunder, die Tragik und die Absurdität der menschlichen Existenz.



TinSoldier


Das Seelenleben der Tiere ist ein Thema, das mich neugierig macht. Das gleichnamige Buch von Peter Wohlleben ebenfalls:
Es gibt mittlerweile zahlreiche Hinweise darauf, dass auch Tiere ein Gefühlsleben haben, also Emotionen wie Trauer, Wut, Freude usw. empfinden. Ich persönlich zweifle nicht daran, die zahlreichen beobachtbaren Hinweise auf ein "tierisches Gefühlsleben" kann man einfach nicht übersehen. Ich glaube, diese Erkenntnis ist geeignet, das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt und zu Tieren langfristig zu verändern. Ich habe mich für die Ausgabe der Büchergilde Gutenberg entschieden. Man kann das Buch aber selbstverständlich auch in der originalen Verlagsausgabe in jedem Buchladen kaufen.
Mit Höllensturz von Ian Kershaw zählt im Februar 2017 einmal mehr ein Sachbuch zu meiner Auswahl, dass sich mit der jüngeren Historie Europas zwischen 1914 und 1949 beschäftigt.Opulente 764 umfasst das Werk, dass ich in der Ausgabe der Büchergilde Gutenberg erworben habe. Selbstverständlich ist das Buch auch für Nicht-Mitglieder der Büchergilde Gutenberg in der (dann etwas teureren) Original-Verlagsausgabe im Buchhandel erhältlich.Ich freue mich bereits darauf. dieses Buch zu lesen!









Montag, 27. Februar 2017

Pásztor, Susann: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster


Eine berührende Geschichte über die Schönheit des Lebens und die erstaunliche Entwicklung einer Vater-Sohn-Beziehung

Wie begegnet man einer Frau, die höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat? Fred glaubt es zu wissen. Er ist alleinerziehender Vater und hat sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Aber Karla, stark, spröde und eigensinnig, arrangiert sich schon selbst mit ihrem bevorstehenden Tod und möchte nur etwas menschliche Nähe – zu ihren Bedingungen. Als Freds Versuch, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, grandios scheitert, ist es nur noch Phil, sein 13-jähriger Sohn, der Karla besuchen darf, um ihre Konzertfotos zu archivieren. Dann trifft Hausmeister Klaffki in einer kritischen Situation die richtige Entscheidung – und verhilft Fred zu einer zweiten Chance.

Susann Pásztor erzählt in ihrem dritten Roman eine berührende Geschichte über die erstaunliche Entwicklung einer Vater-Sohn-Beziehung – unpathetisch und humorvoll, einfühlsam und mit sicherem Gespür für menschliche Gefühlslagen.

(Klappentext Kiepenheuer & Witsch Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer&Witsch (16. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462048708
  • ISBN-13: 978-3462048704












VOM LEBEN UND VOM STERBEN...



Fred Wiener ist frisch ausgebildeter ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem Hospiz und nun bereit, seine erste Sterbegleitung anzutreten. Viele Bücher zu den Themen Psychologie und Tod hat er schon gelesen, doch nichts davon bereitet einen wirklich auf die Praxis vor. Entsprechend aufgeregt ist Fred, als er an der Tür klingelt - Karla Jenner-Garcia steht auf dem Schild. Doch was immer Fred auch erwartet haben mag - Karla reagiert skeptisch.


"Herr Wiener?", fragte Karla und wartete geduldig, bis er wieder zu ihr aufblickte. "Darf ich Sie fragen, warum Sie das machen? Was bringt Sie dazu, fremde Leute zu besuchen, die bald sterben werden?" (...) "Ich hab mal eine Fernsehsendung über Hospizarbeit gesehen", sagte er. "Ich wusste sofort, dass ich das auch machen wollte." --- "Nehmen die denn jeden?" --- Er entschied sich zu glauben, dass das nicht gegen ihn gerichtet war. (S. 14 f.)


Die 60Jährige verhält sich einfach nicht so, wie Fred es vermutet hat. Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstatdium, höchstens noch ein halbes Jahr zu leben - doch Karla ist sich nicht sicher, ob sie diese Art von Sterbebegleitung wirklich will. Fred jedoch lässt sich nicht beirren, bietet seine Dienste an und hat klare Vorstellungen, wie er dieser Patientin die letzten Wochen und Monate in ihrem Leben verschönern kann.


"Ist das Ihr Unterhaltungsprogramm für Sterbende, Herr Wiener?", fragte Karla. "Ich setze eine Liste mit meinen Wünschen auf, die wir dann zusammen abarbeiten? Ein letztes Mal ans Meer? Noch einen Film für die Nachwelt drehen? Ich war noch nie in einem Sexshop oder so?" --- "Warum nicht", sagte er vorsichtig. --- "Dann sind Sie sehr romantisch, Herr Wiener. Wenn ich Listen schreibe, dann sind es welche, auf denen steht, welche Todesarten mir noch weniger gefallen als die, an der ich sterben werde. Ich schreibe Listen mit meinen gebrochenen Versprechen und all den Dingen, an die ich nie geglaubt habe. Ich schreibe eigentlich nur noch Listen. Für alles andere fehlen mir die Worte." (S. 17 f.)



Karla ist stark, spröde und eigensinnig, ohne Familie und Freunde, und hatte schon immer klare Vorstellungen von ihrem Leben - und nun auch von ihrem Sterben. Doch auch wenn Fred allmählich begreift, dass er seine Vorstellungen von einer Sterbebegleitung hier nicht unbedingt ausleben kann, versucht er immer wieder, sich auf seine Art einzubringen. Aber 'gut gemeint' ist nicht immer das hilfreichste Kriterium, und so kommt es bei dem Versuch, Karla mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, zu einem Bruch. Karla lehnt jede weitere Hilfestellung ab.


"Ich habe eine Schwester, und die ist im Todesfall zu benachrichtigen. Solange ich das noch sagen kann, ist er nicht eingetreten." (S. 19)


Fred Wiener ist am Boden zerstört, und nur die Tatsache, dass sein 13jähriger Sohn Phil Karla weiterhin besuchen kann, tröstet ihn ein wenig. Phil ist nämlich derjenige, der Karlas zahllose Fotos von Konzerten und Musikevents archivieren soll, um sie der Nachwelt zu erhalten. Phil erzählt seinem Vater zwar nicht viel, doch das wenige reicht Fred, um zumindest einen kleinen Eindruck davon zu erhalten, wie es Karla geht. Phil wächst an seiner Aufgabe und diesen sehr besonderen Begegnungen mit der Todkranken, und ganz allmählich verändert sich auch die Beziehung zwischen dem Sohn und seinem Vater. Hausmeister Klaffki ist jedoch schließlich derjenige, der den Kokntakt zwischen Karla und Fred wiederherstellt - in einer Notsituation ruft er den Sterbebegleiter einfach an und bittet um seine Unterstützung. Fred beschließt, fortan vorsichtiger zu sein.


"Wie geht es jetzt weiter? Haben Sie mit Ihrem Arzt darüber gesprochen?" --- "Mein Arzt weigert sich, mir den genauen Todeszeitpunkt zu nennen. Meinen Sie, ich sollte da mehr Druck machen?" (S. 112)


Durch die anderen Bücher von Susann Pásztor wusste ich bereits, dass man bei ihr vor keinem Thema Angst haben muss. Sie schreibt nicht kitschig, drückt nicht auf die Tränendrüse, hängt nicht an Klischees - sie schreibt einfach ehrlich. Ihr Stil ist - so auch hier - warmherzig, gefühlvoll, unpathetisch, humorvoll, verständnisvoll, menschlich, einflühlsam. Dabei gestaltet sie die Dialoge oft knochentrocken und mit viel hintergründiger Ironie, was mir besonders gefällt. Gerade bei einem solch doch recht ernsten Thema ist dies einmal mehr eine überaus gelungene Mischung.


Phil blieb mit der fremden Frau allein im Wohnzimmer zurück. Er suchte verzweifelt nach etwas, das er sagen konnte, aber das Einzige, was ihm einfiel, war 'Ich bin Phil Wiener, und wer verdammt noch mal sind Sie?', und das ging nicht, denn er war das Kind hier und konnte solche Fragen nicht stellen, auch wenn er gerade das Gefühl hatte, von lauter Irren umgeben zu sein (...) und Phil fand, es war eigentlich ein guter Moment, um sich komplett in Luft aufzulösen oder an einem sicheren Ort abzuwarten, bis er volljährig war." (S. 131 f.)


Dennoch oder gerade deswegen berührt die Geschichte. Dabei wird sie nicht auf das Thema Sterben und Sterbebegleitung reduziert, sondern erzählt vielmehr vom Leben. Von Karla erfährt der Leser nur so viel, wie sie ihn von sich wissen lassen möchte - ihre Antworten sind oft abweisend, manchmal aber auch nicht, und wichtig ist ihr nur, dass sie ihre letzten Wochen selbstbestimmt gestalten kann. Fred und Phil jedoch sind zwei einsame Individuen, die sich mögen, aber nicht so recht wissen, wie sie miteinander reden können. Karla und ihr Sterben dient da unbewusst als Katalysator, denn plötzlich bewegen sich Vater und Sohn aufeinander zu. Und gehen gemeinsam ins Leben.

Lachen und Weinen liegen hier ganz dicht beieinander, und doch fühlte sich das Lesen die ganze Zeit über gut an. Susann Pásztor führt sicher durch die Erzählung, lässt hier kein Gefühl überhand nehmen und sorgt dafür, dass das Buch mit einem Gedanken geschlossen wird: Lust. Auf. Leben.

Ich wünsche mir noch viele, viele Bücher von Susann Pásztor.


© Parden 








Die anderen Bücher von Susann Pásztor:


Rezension im Blog





























Der Kiepenheuer & Witsch Verlag schreibt über die Autorin:

Susann Pásztor, 1957 in Soltau geboren, lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin. Ihr Debütroman »Ein fabelhafter Lügner« (KiWi 1201, 2011) erschien 2010 und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. 2013 folgte der Roman »Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts« (KiWi 1326). Sie hat die Ausbildung zur Sterbebegleiterin abgeschlossen und ist seit mehreren Jahren ehrenamtlich tätig.

► übernommen vom Kiepenheuer & Witsch Verlag

Sonntag, 26. Februar 2017

Ohlandt, Nina: Küstenmorde (Hörbuch)


Herbst auf der Nordseeinsel Amrum. In einer stürmischen Nacht stirbt ein alter Mann, kopfüber aufgehängt am Quermarkenfeuer, dem kleinen Inselleuchtturm. Auch seine Frau wird brutal ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen übernimmt Hauptkommissar John Benthien von der Flensburger Kripo. Benthien hat in seiner Dienstzeit schon viele grausame Fälle bearbeitet, doch dieser übertrifft alle. Wer steckt hinter dem Doppelmord? War es ein Racheakt? Der Kommissar und sein Team tappen im Dunkeln – bis sie auf zwei Ereignisse stoßen, die weit in der Vergangenheit liegen.

(Klappentext Lübbe Audio)

  • Hörbuch-Download
  • Spieldauer: 16 Stunden und 59 Minuten
  • Format: Hörbuch-Download
  • Version: Ungekürzte Ausgabe
  • Verlag: Lübbe Audio
  • Audible.de Erscheinungsdatum: 10. September 2015
  • Sprecher: Thomas Piper
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B014ISOXYI
  • Reihe: John Benthien, Bd. 1















DAS GRAUEN IN DER URLAUBSIDYLLE...


Amrum - Sonne, Watt und Meer, Urlaub und unbeschwerte Tage, Strandwanderung und Wind in den Dünen. Was sonst verbindet man schon mit der herrlichen Urlaubsinsel? Nun, Nina Ohlandt macht die schöne Insel zum Schauplatz zweier grausamer Morde. Am Quermarkenfeuer, dem kleinen Leuchtturm auf Amrum, stirbt ein Mann in einer stürmischen Nacht, kopfüber aufgehängt und vom Wind immer wieder mit dem Kopf gegen das Eisen geschlagen. Kurz darauf wird auch seine Frau tot aufgefunden, nackt an den Boden ihres Schlafzimmers genagelt und mit einem Hammer erschlagen.

John Benthien von der Flensburger Kripo beginnt zu ermitteln. Mit seinem Team mietet er sich in einem kleinen Ferienhaus auf der Insel ein und begibt sich auf Spurensuche. Was anfangs anmutet wie ein hilfoses Stochern im Heuhaufen, offenbart zunehmend Grauenvolles, je tiefer die Ermittler in der Vergangenheit forschen. Beliebt war das Ehepaar bei den Amrumern nicht gewesen - doch die Abgründe, die sich im Laufe der Ermittlungen auftun, hätte wohl niemand vermutet. Als an der dänischen Küste eine weitere Leiche aufgefunden wird, die offensichtlich mit den Amrumer Morden in Zusammenhang steht, ist die Verwirrung komplett.

Eines gleich vorweg: dieser Krimi lässt sich Zeit. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mich auf dieses langsame Tempo einzulassen, bis ich mir sagte, dass es zum Lebenstempo auf Amrum und an der Nordsee einfach nur passt. Von Hektik keine Spur, und da sich durch den Bezug der Ferienwohnung die Ermittlungen mit den privaten Anteilen zwangsläufig vermengen, erhält der Hörer auch ausreichend Einblicke z.B. in die Verpflegung und Vorlieben der Kommissare und lernt die verschiedenen Charaktere allmählich etwas kennen. Thomas Piper spricht den Text gediegen und trägt mit norddeutschem Einschlag zum langsamen Tempo der Erzählung noch einmal deutlich bei. Zwischen den einzelnen Kapiteln untermalt ein musikalischer Einschub aus Akkordeon und Meeresrauschen noch die oftmals vorherrschende düster-melancholische Stimmung.

Während es anfangs nur Fragezeichen hinsichtlich des Täters und des Motivs zu geben scheint, tauchen letztlich immer mehr Verdächtige auf, was die Ermittlungen breit auffächern und das Ganze phasenweise etwas unübersichtlich erscheinen lässt. Zusammen mit dem langsamen Tempo war mir das manchmal etwas zu viel des Guten, auch wenn es natürlich zur Verwirrung beitrug. Vor allem im ersten Drittel schienen die 16 Stunden und 59 Minuten des Hörbuchs so kein Ende nehmen zu wollen.

Letztendlich war das Hörbuch für mich aber durchaus unterhaltsam, die Spannung zog die Erzählung in meinen Augen vor allem aus dem Ausloten menschlicher Abgründe. Ruhig und unbeirrt kann man den Ermittlungen folgen - und zwischendurch das Inselflair genießen, das Nina Ohlandt hier so bildhaft schildert, dass man fast glaubt, den Sand selbst zwischen den Zehen zu spüren, das Meer zu riechen, dem Möwengeschrei über den auf den Strand auflaufenden Wellen zu lauschen.

Insgesamt für mich ein gelungener Reihenauftakt um John Benthien von der Flensburger Kripo, der mich neugierig werden lässt auf die weiteren Folgen um den Ermittler.


© Parden

















Der Lübbe Audio Verlag schreibt über die Autorin:

Nina Ohlandt - AutorNina Ohlandt wurde in Wuppertal geboren, wuchs in Karlsruhe auf und machte in Paris eine Ausbildung zur Sprachlehrerin, daneben schrieb sie ihr erstes Kinderbuch. Später arbeitete sie als Übersetzerin, Sprachlehrerin und Marktforscherin, bis sie zu ihrer wahren Berufung zurückfand: dem Krimischreiben im Land zwischen den Meeren, dem Land ihrer Vorfahren.

► übernommen vom Lübbe Audio Verlag