Freitag, 19. Februar 2016

Weir, Andy: Der Marsianer


Gestrandet auf dem Mars

 

Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden: Als einer der ersten Menschen in der Geschichte der Raumfahrt betritt er den Mars. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung. Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes ...

(Klappentext Heyne Verlag)


  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (14. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Jürgen Langowski
  • ISBN-10: 3453316916
  • ISBN-13: 978-3453316911
  • Originaltitel: The Martian
















ROBINSON CRUSOE AUF DEM MARS...


Der Marsianer von Andy Weir, Heyne Science Fiction
Quelle: Heyne Verlag


Mark Watney ist einer von sechs Astronauten, die im Rahmen einer langjährig geplanten Mission einige Monate lang wissenschaftliche Untersuchungen auf dem Mars durchführen sollen. Als ein starker Sandsturm aufzieht, wird das Team jedoch vorzeitig zurückbeordert. Doch Mark wird während der Evakuierung von einem herumfliegenden Teil getroffen, und die Crew hält ihn für tot. Da die Bergung der Leiche eine Zeitverzögerung darstellen und der tote Körper einen unnötigen Ballast bedeuten würde, bleibt Mark auf dem Mars zurück. Doch entgegen aller Überzeugungen: er ist nicht tot!

Als er aus einer Ohnmacht erwacht, findet sich Mark plötzlich ganz allein auf dem Mars. Ein Teil der Ausrüstung ist zurückgeblieben, die Nahrung reicht noch für einige Wochen, für Sauerstoff und Wasser ist gesorgt. Doch wie um Himmels willen soll er hier auf Dauer überleben? Die nächste Mars-Mission wird den Planeten erst in vier Jahren erreichen. Und die Kommunikation zur Erde oder zu seinen Kollegen in der Hermes funktioniert nicht mehr. Alles andere als rosige Aussichten also, aber Mark hat einen großen Überlebenswillen und einen beinahe noch größeren Verstand. Sein Einfallsreichtum zeigt ihm immer wieder neue Wege auf, und sein trockener Humor hilft ihm dabei, den Kampf nicht aufzugeben. Doch wird das letztlich wirklich reichen?


Marskarte - Quelle: Verlagsgruppe Random House



Andy WeirÜber den Autoren ist zu erfahren: 'Bereits im zarten Alter von fünfzehn war Andy Weir als Programmierer für diverse Computerfirmen tätig und arbeitet inzwischen als Softwareentwickler. In seiner Freizeit interessiert er sich für Physik, Mechanik und die Geschichte der bemannten Raumfahrt - und natürlich für das Schreiben.' (Verlagsgruppe Random House)

In seinem Debütroman konnte sich Andy Weir also wunderbar austoben und hat, soweit ich das beurteilen kann, wirklich alle Eventualitäten durchdacht. Ein verblüffendes Gedankenexperiment eines aussichtslos erscheinenden Kampfes, das durchaus viel Spannendes bereithält. Meist erfährt der Leser durch Makrs Logbucheintragungen von den Ereignissen auf dem Mars, gelegentlich schwenkt die Perspektive aber auch kurz zur NASA und den Geschehnissen auf der Erde, denn nur im Zusammenspiel könnte eine Rettung überhaupt funktionieren. Auch die Hermes, die sich mit dem Rest der vom Mars evakuierten Crew auf dem Rückflug zur Erde befindet, ist zwischenzeitlich im Zentrum des Geschehens.


"Ich bin der größte Botaniker auf diesem Planeten"



Tage, Wochen, Monate verbringt Mark Watney auf diesem unwirtlichen Planeten und kämpft um sein Überleben. Anders als der legendäre Robinson Crusoe kann er aber nicht einfach losgehen, und sich eine Wasserquelle und ein paar Palmen mit Kokosnüssen suchen, sondern muss Möglichkeiten finden, das Notwendige selbst herzustellen. Dabei ist er immer auf die technische Ausrüstung angewiesen, denn ohne diese funktoniert auf dem Mars gar nichts.

Leider hat Andy Weir die technischen Vorgänge oftmals regelrecht zelebriert. Minutiös und detailverliebt beschreibt er viele Male ausschweifend die Abläufe, so dass der interessierte Leser durch die Schritt-für-Schritt-Erklärungen im Falle eines Falles fast eine Handlungsanleitung hätte. Mich persönlich interessierten diese Details allerdings weniger, bis ins Kleinste nachvollziehen konnte ich sie oft sowieso nicht. Mir reichte es zu verstehen, worum es eigentlich ging und was im Groben dafür stattfinden musste. Für mich geriet die Handlung durch die wiederholten ausschweifenden wissenschaftlichen Schilderungen oftmals zu zäh und zu langatmig.


"Ich habe Raketentreibstoff gepinkelt"


Insgesamt jedoch kann man dem Einfallsreichtum des Autors und seines Hauptcharakters nur Bewunderung zollen. Gegen Ende des Buches stieg die Spannung auch noch einmal rapide an - unvorstellbar, was da alles noch schief gehen konnte!

Ich glaube sofort, dass sich der Stoff gut verfilmen ließ. Den Film kenne ich zwar noch nicht, doch bin ich jetzt überaus gespannt, was der Regisseur aus der Geschichte gemacht hat. Sicherlich wird er aber das ein oder andere technische Detail außen vor gelassen haben...

Spannend, einfallsreich und wissenschaftlich fundiert hat Andy Weir ein gelungenes Debüt geschrieben.
© Parden







Acht Tipps von Andy Weir für alle, die unseren Nachbarplaneten besuchen wollen














Mittwoch, 17. Februar 2016

Bugler, Sheila: Nebelspiel



London: Ein zehnjähriges Mädchen wird entführt. Es gibt keine Zeugen, keine heiße Spur. Die Polizei verfolgt einen Schatten, und die Zeit läuft stetig ab für die kleine Jodie Hudson. Allen ist der Fall Molly York noch lebhaft in Erinnerung, die vor drei Jahren auf gleiche Weise verschwand und nur noch tot gefunden werden konnte. Für Detective Inspector Ellen Kelly, Londons toughe Starermittlerin und Spezialistin für Entführungsfälle, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der sie bis an die nebelverhangene Moorlandschaft der englischen Südostküste führt.

(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (11. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Susanne Schädlich
  • ISBN-10: 3426516551
  • ISBN-13: 978-3426516553
  • Originaltitel: Hunting Shadows














EINFACH NUR ENTTÄUSCHEND...




Ein zehnjähriges Mädchen wird mitten in London entführt. Keine Zeugen, keine Hinweise, keine Spur. Die Polizei tappt im Dunkeln, und auch als sich der Verdacht erhärtet, dass das Verschwinden von Jodie Hudson mit einem Fall vor einigen Jahren zusammenhängen könnte, wo ebenfalls ein dunkelhaariges, blauäugiges Mädchen verschwand und schließlich tot und schwer misshandelt aufgefunden wurde, kommen Detective Inspector Ellen Kelly und ihr Team in ihren Ermittlungen lange Zeit keinen Schritt weiter.

Ich hole erst einmal tief Luft, während ich überlege, wo ich mit meiner Kritik ansetzen soll. Vielleicht hilft es zu erläutern, was ich von einem guten Thriller erwarte... Also gut - und hier erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit - diese Kriterien sollte ein guter Thriller für mich erfüllen: eine spannende Handlung, einen mitreißenden Einblick in die Ermittlungen, ein interessantes Täterprofil, eine psychologisch schlüssige Ausleuchtung des Hintergrunds der Tat, falsche Spuren und unerwartete Wendungen, interessante und ausgeleuchtete Charaktere, ein Schluss, bei dem die Spannung noch einmal gewaltig anzieht und der den Leser bestenfalls noch einmal enorm überraschen kann - und nach Möglichkeit alles noch erzählt in einem flüssigen und angenehm zu lesenden Schreibstil. Zugegeben: alle genannten Kriterien erfüllen nur sehr wenige Thriller - noch seltener allerdings ist mir ein Thriller untergekommen, der im Grunde nichts von den Kriterien erfüllt. Sheila Bugler mit ihrem Debüt 'Nebelspiel' hat das jedoch für mich geschafft...

Eine spannende Handlung? Mitnichten. Was als Klappentext so vielversprechend klang und auf den ersten Seiten auch durchaus so wirkte, verlor sich zunehmend in Nebenschauplätzen. Zwar richtet sich der Blickwinkel des Lesers durch eingeschobene kurze Kapitel aus der Sicht des entführten Mädchens immer wieder für kurze Zeit auf das Schicksal der Kleinen, doch empfand ich den Stil nicht dem eines zehnjährigen Mädchens angemessen, sondern eher dem einer jungen Erwachsenen und so war er dadurch für mich wenig authentisch. Und schnell gerät das Mädchen auch wieder aus dem Fokus, weil sich die Polizei mit allem Möglichen beschäftigt, nur nicht mit den Ermittlungen zu der Entführung. Viel zu viele Baustellen werden hier eröffnet und erhalten alle dieselbse Wertigkeit, wodurch ein undurchdringlicher und wenig interessanter Themenbrei entsteht, der einfach nur das Hirn verstopft. Bei mir führte es dazu, dass mich letztlich auch die Entführung und die mögliche Rettung des kleinen Mädchens nicht mehr wirklich interessierte.

Womit wir schon beim nächsten Punkt wären: den Ermittlungen. Im Klappentext wird Detective Inspector Ellen Kelly als Londons toughe Starermittlerin und Spezialistin für Entführungsfälle bezeichnet. Für mich grenzten die Ermittlungen jedoch an Dilettantismus. Keine verbindlichen Absprachen, keine Koordination, jeder macht sein Ding, meist aus einem Bauchgefühl heraus, das im nächsten Moment jedoch gleich wieder verworfen wird. Nebenschauplätzen wird mehr Platz eingeräumt als der eigentlichen Tat. Die persönlichen Angelegenheiten der Ermittler sind ständig wichtiger als der Versuch, die kleine Jodie Hudson zu retten, zwischendurch erinnert man sich mal, dass da noch was war. "'Zeit ist kostbar', sagte sie und sah ostentativ auf ihre Uhr." Diese Erkenntnis kommt Ellen endlich auf Seite 281 - was aber keineswegs dazu beiträgt, dass das Tempo anziehen würde. Die gesamte Handlung plätschert von vorne bis hinten recht trostlos vor sich hin, und eigentlich ist klar, dass der Täter schon ziemlich dämlich sein muss, damit das kleine Mädchen noch lebendig gefunden werden kann. Verhörversuche scheitern oft daran, dass jemand nicht angetroffen wird oder einfach die Tür nicht öffnet - und dann wird das auch nicht weiter verfolgt. Wenn jemand keine Lust hat, auf ihre Fragen zu antworten, arrangiert sich Detective Inspector Ellen Kelly damit und macht sich vielleicht noch im Hinterkopf eine Notiz, dass sie das doch noch mal nachholen muss.

Kommen wir zum Täterprofil und den Hintergründen der Tat. Hier weiß der Leser recht früh, mit wem er (und die entführte Jodie Hudson) es zu tun hat, und man erfährt nach und nach auch einiges über ihn und seine Kindheit. Zum einen bot mir das wenig Neues, zum anderen blieb der Charakter trotz allem so unnahbar und wenig authentisch, dass es schwierig war, hier empathisch zu sein, auch wenn das Schicksal es sicher nicht gut mit dem Täter gemeint hat. Zudem wiederholen sich manche Szenen scheinbar endlos, so dass sie für mich statt spannend zunehmend langweiliger wurden.

Auch die anderen Charaktere, anfgefangen bei Detective Inspector Ellen Kelly, bleiben flach, kein bisschen markant und wenig greifbar. Es ist Sheila Bugler nicht gelungen, mir auch nur einen Charakter wirklich nahe zu bringen - im Gegenteil: viele davon nervten mich nach einiger Zeit nur noch. Ein kollektives Suhlen in harten Schicksalen und kiloweise Selbstmitleid kennzeichnet so ziemlich alle wichtigen handelnden Personen. Zudem hatte ich einige Male das Gefühl, nicht den ersten Teil einer Reihe zu lesen, sondern einen Folgeband - zu viel wurde auf Vorgänge in der Vergangenheit hingewiesen und angespielt.

Unangenehm aufgestoßen ist mir neben allem anderen auch noch ein Thema, das sich hier nahezu durchgängig durchzieht: Rache und Selbstjustiz. Dies betrifft nicht nur einen der Hauptcharaktere sondern gleich mehrere, und insgesamt vermittelt die Autorin damit eine Botschaft, die mir persönlich nicht gefällt. "Das Spiegelbild in der Scheibe lächelte sie an. Sie lächelte zurück. Schuldig? Von wegen. Sie würde es sofort wieder tun." (S. 346)

Am Schluss kommt die Handlung doch wieder auf die Entführung des Mädchens zurück, aber der Versuch, die Spannung noch einmal anzuziehen, ist für mich ebenfalls gescheitert. Unglaubwürdige Handlungen und Reaktionen, zu viele Zufälle, dabei jedoch keine Überraschungen - und alles wirkte irgendwie hölzern und unbeholfen sowie übereilt konstruiert, einfach weil das Buch auch einmal einen Schluss haben musste.

Und zuguterletzt der Schreibstil. Noch nicht einmal damit kann das Buch punkten. Einfache, meist kurze Sätze in Aufsatzform ohne jegliche sprachliche Rafinessen, das war mein Eindruck. Dazu der wenig gelungene Versuch, gelegentlich poetische Stilblüten einzustreuen. Probe gefällig?

"Der Mond spiegelte sich in ihren Augen wie eine riesengroße Pizza."

"Er musste pissen. Schon wieder. Er ging zu einem Baum und öffnete den Hosenschlitz, spürte die kalte Luft. Warme Flüssigkeit sprudelte aus ihm und spritzte gegen den Baum. Frühere Besuche am selben Ort schimmerten im Dunst wie zerbrochener Bernstein. Komisch, dass so was Unschönes wie Pisse so hübsch aussehen konnte." (S.353)


Für mich insgesamt ein deutlich misslungener Versuch eines Thrillers: viel zu viele Baustellen, flache Charaktere, unrühmliche und dilletantsiche Ermittlungen - einfach nur enttäuschend...


© Parden














Sheila Bugler, gebürtige Irin, bereiste nach einem Studium der Psychologie an der Universität von Galway Europa und Südamerika. Danach ließ sie sich in London nieder, wo sie heute mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern lebt. 2008 wurde sie als eine von vier Nachwuchsautoren für das renommierte Mentorenprogramm von »Arts Council England« auserwählt. Mit ihrem Debüt um die toughe wie feinfühlige Ermittlerin Ellen Kelly hat Sheila Bugler eine psychologisch ausgereifte Thriller-Reihe erschaffen, die ihrer englischen Konkurrenz in nichts nachsteht. So stellt auch das englische Blogportal »Bookmuse« Bugler bereits in eine Reihe mit Val McDermid. Wenn sie nicht gerade schreibt, arbeitet Sheila Bugler als Online-Redakteurin und schreibt für das Magazin »Words With Jam«.
übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur

Dienstag, 16. Februar 2016

Clancy, Tom: Abgesang

Nein ABGESANG ist kein Roman des bekannten us-amerikanischen Bestsellerautors. ABGESANG ist ein solcher auf eine Reihe, die man nach ihrem Haupthelden Jack Ryan nennen kann.

Irgendwann Anfang der Neunziger bekam ich das erste Buch eines gewissen Tom Clancy in die Hände, ich glaube es war DIE STUNDE DER PATRIOTEN. Ein Kollege hatte mir erzählt, dass der Verfilmung ein Buch zugrunde liegt.

Ein Geschichtsdozent der Marine-Akademie der US-Navy rettet den Thronfolger Großbritanniens bei einem Anschlag der IRA. (Erfolgreich verfilmt mit Sean Bean und Harrison Ford). Natürlich musste der nächste Band ran, der ebenfalls verfilmt wurde, JAGD AUF ROTER OKTOBER ist wohl die bekannteste Geschichte. So ging es weiter. Schlag auf Schlag und Buch um Buch. Zwischendurch erweiterte Clancy die Reihe um eine Vorgeschichte - GNADENLOS - und fügte später noch RED RABBITT ein.

Aber wie die Reihe insgesamt aussieht, kann man hier nachlesen.



Anfangs überzeugten die Bücher vor allem durch Spannung und dadurch, dass Clancy es meisterhaft beherrschte, voneinander völlig unabhängige Handlungsstränge plötzlich zu verknüpfen. Ein weiteres Merkmal waren die genauen Darstellungen militärischer Operationen. Clancy hatte auch mehrere Sachbücher zu Einheiten der US-Streitkräfte verfasst. So konnte er SUBMARINE, FIGHTER WINGS, ARMORED CAVALRY, MARINES und andere in seine Romane unmittelbar einfließen lassen.



Der Hauptheld, Jack Ryan, Historiker mit Doktorgrad und Wirtschaftsprüfer, dessen Militärkarriere bei den Marines nach einem Hubschrauberunfall beendet war, bringt es über mehrere „Romane“ zum Direktor der CIA, zum Sicherheitsberater und letztlich zum Präsidenten selbst.




In elf Büchern bleibt Clancy sich dabei treu. Dann allerdings tritt der Sohn Jack jr. in seine Fußstapfen. Nachdem der US-Kongress die Geheimdienste, denen Ryan schon wegen seiner eigenen Geschichte äußerst verbunden war, an die Kandare nimmt, wird DER CAMPUS gegründet. Ein Geheimdienst hinter dem Geheimdienst. In diesem arbeiten dann Jack Jr. und seine beiden Cousins Caruso mit.


Von diesem Moment an geht die Reihe ganz langsam den Bach runter. Die Mitarbeiter des CAMPUS bringen ihre Widersacher in der ganzen weiten Welt des Terrorismus gelegentlich einfach um. Mit Raffinesse, aber aus Kämpfern werden so nun Mörder.

Nach dem elften Band führte Clancy einen neuen Helden ein, Max Moore, aber der kam nur in GEGEN ALLE FEINDE zum Einsatz, denn Tom Clancy strab im Herbst 2013.





Die Reihe war aber nicht beendet. Es folgten noch AUTHORITY COMMAND – Kampf um die Krim und eben DER CAMPUS. Als Mitautor tritt nun ein gewisser Mark Greany auf, aber wie gesagt, die Klasse der ersten 11 Bücher der nunmehr 16teiligen Reihe ist verschwunden. Die Spannung bleibt, die Handlung aber ist flach und von „Technothrillern“ wie bei Roter Oktober oder DAS ECHO ALLER FURCHT kann keine Rede mehr sein.


Im CAMPUS geht es nun um WHISTLEBOWLER. Das ist folgerichtig, denn irgendwie waren die Romane immer aktuell. So wie KAMPF UM DIE KRIM wie eine Vorhersage der Geschehnisse aussieht. Als in EHRENSCHULD ein Flieger mit seiner Boeing 747 in das Kapitol krachte, stand der 11. September noch bevor.  Hier sucht nun Dominic Caruso, übrig gebliebener „Held“ des Campus nach einem Geheimnisverräter. Clancy / Greany machen kein Hehl daraus, was sie von solchem Geheimnisverrat halten. Da diesem Verrat ein Anschlag auf einen befreundeten israelischen Kraf Maga Trainer folgt, hat Caruso das Ziel, den Verräter zu töten. Natürlich steckt ein wenig mehr dahinter, aber wie gesagt, die Story hat sich nun weit von den ursprünglichen Geschichten entfernt.

Das ist schade, aber nicht zu ändern. Vermutlich werde ich, da wohl mit zumindest drei Büchern noch zu rechnen ist, weiterlesen. Oder auch nicht.

Zu Tom Clancy verweise ich mal auf die Autorenseite. Oder auf wikipedia.
Oder auf die Clancy-Webside selbst.

Dies ist also eine „Nicht-Rezension“. Eher ein Abgesang auf zwanzig Jahre Spannung, was der nächste Roman wohl bringen mag.



PS: Nun, das muss ich ja nach MIT ALLER GEWALT etwas dementieren. (2017)

KaratekaDD

Sonntag, 14. Februar 2016

Blog on Tour: Literaturfrühstück am Sonntagmorgen (Thomas Hesse und Renate Wirth)

Manchmal lohnt es sich richtig, auch die VHS-Programme zu durchforsten. Hierbei stieß ich unlängst auf folgende Ausschreibung:


Literaturfrühstück am Sonntagmorgen

Die literarische Matinee am Sonntagmorgen gehört seit vielen Semestern zum festen Bestandteil des VHS Programms. Auch in diesem Semester laden wir Sie wieder ein, während eines gemütlichen Frühstücks in einem ansprechenden Ambiente, Leben und Werk berühmter Frauen und Männer, die die Literatur geprägt haben, zu entdecken, sich aus ihren Büchern vorlesen zu lassen und sich dabei auch dem Menschen hinter den literarischen Werken zu nähern.


Da schaute ich natürlich näher hin, und gleich die erste Veranstalung traf genau meinen Nerv:



It‘s Crime Time –
The Best of Renate Wirth and Thomas Hesse


Renathe Wirt, Thomas Hesse (Quelle)
Ihr spezielles „Best of“ aus acht gemeinsamen und erfolgreichen Niederrhein-Kriminalromanen präsentieren Renate Wirth aus Xanten und Thomas Hesse aus Wesel. Natürlich ist auch ihr aktuelles Buch „Der Käfer“ dabei, das an bekannten niederrheinischen ‚Tatorten‘ mit hohem Wiedererkennungseffekt spielt. Spannende, unterhaltsame und atmosphärische Beispiele stammen z. B. aus „Die Füchse“, „Die Elster“, „Die Eule“ und „Die Wölfin“.
Besonders beliebt ist die Krimi-Werkstatt, ein Teil des Literaturfrühstücks, in dem Thomas Hesse und Renate Wirth u.a. Fragen nachgehen, wie man ein Buch schreibt und vor allem, wie ein Roman zu zweit entstehen kann. Darüber hinaus geben sie an diesem Morgen bereits einen Einblick in den Plot ihres neuen Krimis, der im Spätsommer 2016 erscheinen wird.


Als ich dann auch noch ein Bild der Lokalität sah, wo die Lesung stattfinden sollte, war ich vollends überzeugt.

Rasch zwei Plätze ergattert, und auf den Termin - 14.02.2016 - hingefiebert. Meine Freundin war begeistert, als ich ihr einen der Literaturfrühstücksplätze zu Weihnachten schenkte und freute sich auf den Termin genauso wie ich...






Da ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich vor dem Literaturfrühstück noch nichts von diesen Autoren gehört geschweige denn gelesen habe, hat es mich überrascht zu erfahren, wie viele Bücher das Duo bereits geschrieben hat. Die Reihe um Hauptkommissarin Karin Krafft begann im Jahr 2005. Der letzte bzw. neueste Teil der mittlerweile bereits acht Bücher stammt aus dem Jahr 2015. Im Herbst 2016 soll der neunte Band erscheinen. Hier einmal die Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens:


Wie man unschwer erkennen kann, haben die Titel alle etwas mit Tieren zu tun. Fast alle. Bis auf das erste Buch. Da schwebte den Autoren zwar der Titel 'Die Schnecke' vor, doch lehnte der Emons Verlag dies vehement ab. Er wies darauf hin, dass eine vorwiegend weibliche Leserschaft sich durch einen solchen Titel nur schwerlich angsprochen fühlen würde. Auch bei 'Die Spinne' tat sich der Verlag sehr schwer mit dem Titel, bestand dann auch zumindest darauf, dass das Cover nicht einmal ein einzelnes haariges Spinnenbein zieren dürfe... Der Arbeitstitel des für Herbst geplanten neunten Buches lautet 'Das schwarze Schaf' und enthält nicht von ungefähr eine Reminiszenz an Hans Dieter Hüsch, wie uns die Autoren verraten haben.





Da dies mein erstes Literaturfrühstück war, war ich gespannt, wie dies ablaufen sollte. Geschirrklappern und Kaffeeschlürfen während einer Lesung? Aber nein, wie sich zeigte, war der Ablauf gut durchdacht. In der Zeit, wo das Buffet eröffnet wurde, konnten die Autoren ihren Lesetisch vorbereiten und noch Kleinigkeiten mit den Veranstaltern absprechen.


Gute Vorbereitung ist alles...



Jede Menge Bücher mit gefühlt tausend Post-Its an Stellen, die sich zum Vorlesen eignen...





...und die Dekoration wurde auch nicht vergessen - z.B. ein Glas mit Knochen, die das Autoren-Duo bei Spaziergängen am Rhein fand...





Und dann wurden die Teller abgeräumt, und es konnte endlich losgehen mit der Lesung. Eine Stunde lang lasen Thomas Hesse und Renate Wirth Stellen aus verschiedenen ihrer Bücher vor, die einen guten Eindruck davon vermittelten, dass es den beiden nicht nur um Spannung geht, sondern dass in den Werken auch der Humor nicht zu kurz kommt. Wie gebannt lauschten die etwa 30 Gäste den beiden Autoren...

Wie die beiden erklärten, kommt es ihnen in ihren Krimis weniger auf technische Details wie DNA-Abgleichungen o.ä. an. Ihnen ist es viel eher wichtig, die Atmosphäre sowie die Charaktere so auszukleiden, dass sie stimmig sind. Auch die Namensgebung gehört dazu. Hesse und Wirth legen Wert darauf, dass die Charaktere Namen erhalten, die sich zum einen am Niederrhein wiederfinden, bei denen man zum anderen aber auch sofort ein Bild vor Augen hat. Dies führt allerdings teilweise zu ungeahnten Auswüchsen. Thomas Hesse, der hauptberuflich RP-Redakteur aus Wesel ist, erzählte von einer Begebenheit, wo ihn ein ihm unbekannter Mann in der Redaktion aufsuchte und darum bat, sich ausweisen zu dürfen. Als Hesse dies irritiert gestatte, schob der Mann seinen Personalausweis mit der Bemerkung über den Tisch: 'Gestatten, ich bin die Leiche!'


Nach einer kurzen Pause plauderten die Autoren dann noch aus dem Nähkästchen. Wie es beispielsweise dazu kam, dass sie, die beide nicht ursprünglich vom Niederrhein stammen, nun gemeinsam Regionalkrimis schreiben. 'Regionalkrimis sind die neuen Heimatromane', so Hesse, und wie sich zeigt, gibt es hierfür eine wachsende Fangemeinde. Dabei legen die beiden Autoren viel Wert darauf, die für einen Krimi gewählten Ortschaften so genau wie möglich zu schildern - denn meistens gibt es diese genau so in der Realität. Vorab ist also eine genaue Recherche der Örtlichkeiten erforderlich. Es gebe sogar Leser, so Wirth, die eine Art Buchtourismus durchführen - sie fahren die im Krimi erwähnten Plätze ab, um sich ein noch besseres Bild machen zu können, spekulieren manchmal aber auch, wenn nicht ganz klar benannt ist, wo z.B. ein bestimmtes Haus steht. Allerdings gab das Autoren-Duo auch unumwunden zu, manchmal auch der Fantasie freien Lauf zu lassen. So bereitete es ihnen keine Mühe, ein Krankenhaus an einem eigentlich unbebauten Platz zu errichten oder einen ganzen Ortsteil zu erfinden und zu gestalten - einschließlich detaillert gezeichneter Baupläne, wie sie uns heute vor Augen führten.

An Ideen scheint es den beiden nicht zu mangeln. Bei regelmäßigen gemeinsamen Café-Besuchen lassen sie sich durch das Beobachten der anderen Gäste hinsichtlich der Auskleidung der Charaktere inspirieren, und kuriose Nachrichten und Zeitungsmeldungen beflügeln ihre Fantasie. Aus der Meldung, dass an der Grenze zu Holland ein vor zig Jahren vergrabener VW-Käfer entdeckt und ausgebuddelt worden sei, entstand beispielsweise der bis heute letzte Krimi der beiden: 'Der Käfer'. Nicht immer sind sich die beiden einig, welche der kreativen Ideen sie beim Schreiben verwirklichen wollen, manchmal gibt es auch ein paar Tage Sendepause, wenn es zu größeren Unstimmigkeiten kommt. Letztlich aber raufen Wirth und Hesse sich immer wieder zusammen, und die wachsende Zahl der Anhänger zeigt, dass es sich lohnt. Der Roman entsteht beim Schreiben, so das Bekenntnis des Duos. Oftmals entwickle die Geschichte ein Eigenleben, und manchmal seien die Autoren selbst überrascht, wer am Ende der Täter sei...


Fans der Autoren beglücken diese immer wieder mit zu den Büchern passenden Devotionalien. Auf dem Foto beispielsweise ist eines der Bilder zu erkennen, das eine Malerin passend zu einem der Buchtitel malte - zu den beinahe jährlich erscheinenden Krimis gibt es nun schon eine ganze Reihe von diesen Bildern.

Zu den Auflagezahlen befragt, hielten sich die Autoren bedeckt, äußerten jedoch schmunzelnd, dass der Verlag sowie sie selbst sehr zufrieden seien. Auch die Ausgaben ihrer älteren Krimis seien nach wie vor erhältlich und nicht vom Verlag eingestellt worden.







In der Pause sowie im Anschluss an die Lesung konnte das Publikum sich von der Vollständigkeit der Buchreihe überzeugen und in den Werken blättern. Natürlich konnten diese auch käuflich erworben werden...









...und nicht wenige machten von der Möglichkeit Gebrauch. Widmungen oder Autogramme waren da natürlich inbegriffen...











Muss ich noch extra erwähnen, dass sich heute auch mein Buchbestand erhöht hat? Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf, Hauptkommissarin Karin Krafft in dem zweiten bzw. siebten Band der Reihe kennenzulernen. Bei Gelegenheit werde ich davon zu berichten wissen...

Für mich war das in jedem Fall heute eine neue Erfahrung, die mir außerordentlich gut gefallen hat, und gerne lasse ich mich wieder einmal einladen zu einem Literaturfrühstück. Mal sehen, welcher Autor dann zu Gast sein wird...

Leon, Donna: Lasset die Kinder zu mir kommen (BR16)

Lasset die Kinder zu mir kommenEine Gastrezension.

Nachdem Manuela das Buch in einem unserer sehr seltenen Gewinnspielen im letzten Jahr gewonnen hat, folgt hier nun wie versprochen aber ziemlich verspätet der "Abdruck" ihrer Gastrezension.

* * *

»Einer der Aspekte, die Brunetti insgeheim seit jeher an den antiken Dichtern und Denkern bewundert hatte - und derentwegen er sie wieder und wieder las -, war die scheinbare Leichtigkeit, mit der sie ihre moralischen Urteile fällten. Richtig oder falsch; schwarz und weiß. Ach, was für unbeschwerte Zeiten!«


Gerade hat Kinderarzt Gustavo Pedrolli noch seinen kleinen 18 Monate alten Sohn Alfredo gewickelt, mit ihm gespielt und ihn ins Bett gebracht. Gerade noch lag er selber wach und dachte glücklich daran, dass der Kleine ihn erstmals "Papa" genannt hat... Von einem Moment auf den anderen ist es mit diesem Idyll vorbei. Eine Einheit von Carabinieri stürmt die Wohnung, schlägt Pedrolli nieder und nimmt den kleinen Alfredo mit. Eine unglaubliche Tat, die sich einem zunächst nicht erschließt. Als Commissario Brunetti versucht, die Hintergründe zu erfahren, stößt er auf Schweigen, sowohl von Seiten der Carabinieri als auch bei dem krankenhausreif geprügelten Pedrolli, der seit dieser Nacht kein Wort mehr gesprochen hat. Brunetti bohrt tiefer und stößt auf ein Geflecht aus Bestechung, Korruption und illegalen Aktivitäten...

Dieser Krimi startet schon mal anders als die meisten anderen, nämlich nicht mit einem Mord. Das macht ihn aber nicht weniger spannend, denn der Vater, der seinen geliebten kleinen Sohn verloren hat, kann niemanden kalt lassen. Auch Brunetti und seine Kollegen reagieren höchst emotional auf diesen ungewöhnlichen Fall, Brunetti zeigt sich besonders dünnhäutig, da er ständig an seine eigenen Kinder denken muss. Recht und Unrecht sind hier alles andere als klar verteilt, ich ertappte mich dabei, dass ich noch nach Zuklappen des Buches darüber nachgrübelte. Beim Bohren in Medizinerkreisen werden weitere sensible Themen aufgedeckt, die betroffen machen und zum Nachdenken anregen.


Brunetti mag ich als Charakter sehr. Er hat eine wunderbar trockene Art, seinen eigenen Kopf und ist ansonsten herrlich normal. Weder hat er großartige psychische Probleme, noch ist er geschieden, gesundheitlich beeinträchtigt oder alkoholabhängig. Entsprechend beschäftigen ihn – abgesehen von seiner Arbeit – ganz normale und alltägliche Dinge, die jeder so oder so ähnlich kennt. Ich finde so einen „normalen“ Charakter zwischendurch sehr erholsam!


Das Szenario gefiel mir ebenfalls sehr - die Beschreibungen Venedigs verursachen bei mir regelmäßig spontane Reiselust - und die diversen eingestreuten italienischen Begriffe runden das Bild ab. Wer das Land und die Sprache liebt, bekommt beim Lesen häufig Grund zur Freude… 

»In anderen Kulturen hätte man Giuliano Marcolini vielleicht einfach als dick bezeichnet. Den Italienern hingegen, deren Sprache so reich an Beschönigungen ist, galt ein Mann wie er als "robusto".«


Fazit: Gelungener Krimi der ruhigen Art. Sensible Themen und viel Stoff zum Nachdenken.

»Das Gesetz ist eine herzlose Bestie, Lorenzo.«

Auch auf Lovelybooks

KaratekaDD



Samstag, 13. Februar 2016

Winner, Jonas: Die Zelle

Wie viele Morde sah die Zelle?

Berlin! Die Beschreibung der Stadt auf Seite 1 liest sich wie das Berlin in den 50zigern. Doch nein. Der Autor schreibt das Jahr 2016 und blickt zwanzig Jahre zurück.



Eine Familie zieht nach Berlin. Vom London. Der Vater Komponist, die Mutter Sängerin. Sie haben zwei Söhne und ein Au-Pair-Mädchen. Die Familie zieht in eine Villa nach Grunewald. Großer Garten mit Pool. Es sind Ferien. Sammy, 11 Jahre alt, weiß nicht, was er mit sich anfangen soll. Auf dem Grundstück findet er eine Hütte. Diese führt zu einem unterirdischen gruseligen Gang. In diesem befindet sich unterirdisch eine Bowlingbahn aus amerikanischen Besatzungszeiten. Ein alter Schallplattenspieler. Elvis. Es ist das Jahr 1996…

Zwanzig Jahre später. Sam Grossman, New York, gehen die Geschehnisse damals nicht aus dem Kopf. Das Mädchen, welches er in der unterirdischen, mit Planen auskleideten Zelle fand und das dann weg war. Der Vater, den er gesehen hat, wie er in die Hütte geht. Und der Teddybär, der immer wieder auftaucht. Sein Vater, welcher Filmmusiken für Filme komponiert, welche nur auf Video erscheinen und der einen abgehetzten, erfolglosen Eindruck macht. Sein Bruder, der es mit dem Au-Pair-Mädchen treibt. Zuviel für den empfindsamen, belesenen Elfjährigen. Er rennt los und erzählt alles der Polizei.

Doch dann lernt er Marina kennen. Im Nachbargrundstück. Gleichaltrig. Sie versteht den Jungen…

Im Jahr 2016 fliegt Sam Grossman nach Berlin…




Grunewald © by google.maps

* * *

Es war nicht zu viel versprochen: Spannung pur. Undurchsichtig. Gab es einen Mord? Oder war alles nur Einbildung? Wer hier ist eigentlich verrückt oder wahnsinnig? Jonas Winner treibt den Leser, die Leserin von einer Seite des Spielfeldes auf die andere. Gruselig, manchmal horrormäßig, eklig, blutig…

Was habe ich nun eigentlich gelesen? Einen Thriller? Ein Horrorthriller? Irgendwie hab ich so Szenen aus Das Schweigen der Lämmer (Harris) vor mir. Einen Psychothriller, wie es auf der Umschlagseite steht? Letzteres scheint zu stimmen und wird durch das Ende bestätigt. Ein toller Trick, das Buch zu beenden und dann plötzlich Auszüge aus Protokollen. Der Thriller hätte sogar ohne diese gewirkt, den Leser verstörter sitzen zu lassen, was zum Buch gepasst hätte.

Solche Romane sind eigentlich nicht mein Ding, aber die Verlosung bei Lovelybooks.de reizte mich und gestern lag das Buch im Briefkasten. Gestern! Ja, ich habe nur bis heute gebraucht. Denn es stimmt, man kann das Taschenbuch kaum aus der Hand legen.

Es war meiner Ansicht nach wohl schwierig, den erwachsenen Sam die Geschichte des 11jährigen Sammy erzählen zu lassen. Mal wirkt der Junge sehr erwachsen dann wieder wie ein Kind, das er ja ist. Die Eltern allerdings reden, zum Beispiel als die Geschehnisse immer abgrundtiefer werden, mit ihrem Jungen überhaupt nicht kindgerecht. Erklärt doch der Vater seinem Sohn, warum er diese Psychopharmaka jetzt nehmen soll und wie diese wirken. Okay, insbesondere die vom Job voll beanspruchte Mutter ist wohl überfordert… Es wäre etwas besser gewesen, wenn entweder Sammy erzählt, was wohl beabsichtigt war, oder eben Sam. Dann aber hätte dies konsequenter sein können, entweder der Erwachsene oder das Kind. Dem Thriller selbst hat das wohl nicht geschadet, mir viel es etwas seltsam auf.

* * *
Foto Facebook
Jonas Winner, Doktor der Philosophie, arbeitete als Journalist und Redakteur, sowie für das Fernsehen. Er gehört zu der seltenen Spezies, die es geschafft hat, einen Bestseller durch Selfpublishing heraus zu bringen.

 Großen Dank für das Exemplar an Jonas Winner. (Ist der Nachname vielleicht ein Pseudonym?




DNB / Droemer Knaur / 2016 / ISBN: 978-3-426-51276-0 / 336 Seiten
Webseite von Jonas Winner


© KaratekaDD




Freitag, 12. Februar 2016

Gardam, Jane: Ein untadeliger Mann


Das bewegende Leben eines Mannes im British Empire – Jane Gardam erzählt es mit hinreißender Ironie und Warmherzigkeit. 


Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel – seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Seine perfekte Haltung täuscht alle und manchmal sogar ihn selbst. Doch mit Bettys Tod bricht etwas in ihm auf, und behutsam beginnt Feathers, vergangene Ereignisse ans Licht zu holen. An einem kalten englischen Wintermorgen setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden. Mit Jane Gardams meisterhaftem Roman über ein Leben im British Empire ist eine große Autorin zu entdecken.

(Klappentext Hanser Verlag)


  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Hanser Berlin; Auflage: 6 (24. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Isabel Bogdan
  • ISBN-10: 3446249249
  • ISBN-13: 978-3446249240
  • Originaltitel: Old Filth













Ich danke 'Was liest du?' und dem Hanser Verlag ganz herzlich dafür, dass ich dieses Buch im Rahmen einer Leserunde lesen durfte!









EIN BEWEGENDES LEBEN IM  UNTERGEHENDEN BRITISH EMPIRE...


Edward Feathers, einst Kronanwalt in Hongkong, vollendeter Gentleman und noch mit achtzig ein schöner Mann, scheint ein mühelos erfolgreiches Leben gehabt zu haben, doch wer hat ihn wirklich gekannt? Nicht einmal seiner Frau Betty hat er je erzählt, woher das Stottern kommt, das ihn in Augenblicken großer Aufregung immer noch überwältigt. Als Betty stirbt, bewahrt Old Filth, wie er auch genannt wird - nicht im Sinne von 'Schmutz', sondern gemäß dem Spruch: 'Failed in London, try Hongkong' - wie gewohnt Contenance. Doch eines Morgens setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden.


"Der disziplinierte Charme, der Filth sein Leben lang ausgezeichnet hatte, hatte es gut überstanden. Jedenfalls hatte es den Anschein. Im Rückblick war Filth jedoch bewusst, dass er hinter seiner äußerlichen Abgeklärtheit psychisch zusammengebrochen war, und dass ein psychischer Zusammenbruch bei jemandem, der die Schauspielerei verinnerlicht hat (wie etwa ein Kronanwalt), unsichtbar sein kann. Für den Betroffenen ebenso wie für alle anderen" (S. 19 f.)


Was für ein köstlicher Roman! Er gibt nicht gerne seine Geheimnisse preis, ganz passend zu Edward Feahters, der gemäß dem anerzogenen Motto keep a stiff upper lip sich je weder Verletzlichkeit noch überschwängliche Freude anmerken lässt - doch allmählich zeigen sich die losen Fäden, auch wenn sie erst noch mühselig aus dem Lebensknäuel gezogen werden müssen. Ein vielschichtiger Roman ist es, der nicht linear erzählt wird, sondern wechselnd in der Gegenwart spielt und dann wieder in die Vergangenheit des langjährigen Lebens von Filth eintaucht.

Geboren in Britisch-Indien, teilte Edward Feathers das Schicksal zahlloser Kinder britischer Kolonialbeamter, die im Alter von vier oder fünf Jahren aus den Kolonien fortgeschickt wurden nach England und als sog. 'Raj-Waisen' galten. Ohne Eltern wuchsen sie bei ihnen unbekannten Angehörigen oder aber bei Pflegeeltern auf, die sich um diese Kinder kümmerten, bis sie ein Internat besuchen konnten. Filth traf es gemeinsam mit zwei Cousinen nicht sehr gut an bei seinen Pflegeeltern, doch lange geht die Erzählung hier über Andeutungen nicht hinaus.


"Vor ihm tat sich der Abgrund seiner Ungewissheit auf. Ich bin immer noch der Fremde. Für sie. Und für mich selbst auch, hier. Ich habe keinen Hintergrund. Ich wurde von meinem Hintergrund geschält." (S. 123)


Diese Fremdheit, diese Einsamkeit, dieses immer wieder Verlassenwerden zieht sich durch Filth' ganzes Leben und prägt ihn. Die Diszipliniertheit wird ihm zur schützenden Fassade, Vergangenes wird verdrängt. Doch Bettys Tod erschüttert, die Fassade erhält Risse. Edward Feathers macht sich auf den Weg, sucht noch einmal Orte und Menschen seiner Vergangenheit auf, beginnt sich zu erinnern - und zu erkennen.


"Wir haben gar keine Kinder (...) Wir wollten keine. Man muss sich gut überlegen, ob man Kinder in die Welt setzen will. Betty und ich waren sogenannte Empire-Waisen. Wir wurden mit vier oder fünf Jahren in Pflegefamilien gegeben und haben unsere Eltern dann mindestens vier Jahre nicht gesehen. Wir hatten Pech. Bettys Pflegeeltern mochten sie nicht, und meine (...) wurden ausgewählt, weil sie billig waren. Wenn man als Kind nicht geliebt wird, kann man später kein Kind lieben. Man muss das erfahren haben (...) Ich wurde, nachdem ich viereinhalb war, nicht mehr geliebt. Stellen Sie sich vor, da Eltern zu sein." (S. 216)


Dieser Roman nimmt sich Zeit. Zeit zum Erzählen, zum Entdecken, zum Erkennen. Vielschichtig und in einem bezaubernden und bildhaften Schreibstil lässt Jane Gardam den Leser eintauchen in das lange Leben Edward Filth, zutiefst menschlich, dazu scharfsinnig erzählt und keineswegs melancholisch, sondern immer wieder auch von trockenem Humor durchzogen. Diese Stellen kamen häufig so unerwartet, dass ich die Sätze manchesmal zweimal lesen musste, bevor ich begriff und wirklich lachen musste.


"Ich habe eine Tiefkühltruhe. Und Whiskey." --- "Whiskey?" --- "Ach, nur, falls jemand vorbeikommt. Die Polizei - sehr nette Leute, außerhalb der Arbeitszeiten. Sie haben mir so nett geholfen, als ich mal gestürzt bin. Der Vikar. Die einäugige Frau, die weiter unten wohnt. Der Fensterputzer. Ich mag den Fensterputzer. Ich lasse ihn einmal die Woche kommen. Wobei 'jemanden kommen lassen' natürlich nichts ist, was ich noch täte, ich hab's am Herzen." (S. 192)


Ein wenig irritierend fand ich zwischenzeitlich, dass so wenig über Ewards Frau Betty zu erfahren war. Doch dann bekam ich mit, dass dieser Roman der Beginn einer Trilogie ist - und Band zwei, der im März diesen Jahres erscheinen soll, wird aus der Sicht eben dieser Betty erzählt. Somit ist verständlich, weshalb hier manches noch unentdeckt blieb.

Ich freue mich, dass ich diesen Roman entdecken durfte, eine wundervolle Mischung aus Warmherzigkeit und Ironie. Und natürlich bin ich froh, dass es bald noch einen weiteren ins Deutsche übersetzten Roman aus der Feder Jane Gardams geben wird...


© Parden

























Jane GardamDer Hanser Verlag schreibt über die Autorin:

Jane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire geboren. Als einzige Schriftstellerin wurde sie gleich zweimal mit dem Whitbread/ Costa Award ausgezeichnet. Mit Ein untadeliger Mann stand sie auf der Shortlist des Orange Prize und mit Letzte Freunde auf der Shortlist des Folio Prize 2013. Sie ist Fellow der Royal Society of Literature und lebt in East Kent.

übernommen vom Hanser Verlag




Bald erscheint Band zwei der Trilogie:

Eine treue Frau Ist Liebe eine Frage der Haltung? Nach "Ein untadeliger Mann" folgt nun Band zwei der hinreißenden Trilogie von Jane Gardam. 

Manchmal vergisst Betty, dass sie keine Chinesin ist, so selbstverständlich nah ist ihr das Land, dessen Sprache sie seit Kindertagen beherrscht. Diese elementare Liebe zum Fernen Osten verbindet sie tief mit ihrem künftigen Mann Edward Feathers, dem jungen Star unter den Richtern der Krone in Hongkong. Als Betty Edward ewige Treue verspricht, weiß sie intuitiv, dass ihre Ehe kaum auf wilder Leidenschaft gründen wird. Doch sie ahnt nicht, dass sie nur eine Stunde später der Liebe ihres Lebens begegnen wird, Edwards Erzrivalen Terry Veneering … Jane Gardams "Eine treue Frau" ist ein umwerfend kluger, zarter Roman über die Spielarten von Liebe und Begehren.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Leipzig´16: MesseBlogPost No. 2

 






Auf der Suche nach Aufgaben, 
in eigenen und anderen Sachen.

Die Treffliste ist sicherlich noch lange nicht fertig und auch das Buchmessenprogramm muss sicherlich noch studiert werden.

Natürlich habe ich den inzwischen schon so oft erwähnten Palisander-Verlag im Auge und ich hatte dem Chef auch eine Mail geschrieben. In dieser stand ein Angebot meinerseits, Frank Elstner findet das gut, Zeit werden wir gemeinsam finden.

Seine Mitteilung über zwei Veranstaltungen gefallen mir sehr gut, sie werden meine Abreise etwas hinaus zögern
  • Momentan lese ich Roter Vogel erzählt. Zitkala-Ša (1876-1938) hat diesen Roman geschrieben, eine indianische Schriftstellerin, die als Publizistin, Musikerin und Aktivistin arbeitete. Dazu gibt es am 19.03. eine Lesung mit Musik.  Da bin ich natürlich dabei. 
  • (20.03.2016, 14:00 bis 14:30 Uhr - Halle 5, Stand K600)

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  • Frank Elstner wird gemeinsam mit Erik Lorenz eine Lesung und Gespräch zum Leben von Tatanka Yotanka, besser bekannt als Sitting Bull bestreiten. Es geht um eine illustrierte biografische Erzählung über den berühmten Häuptling und Medizinmann. 
  • (19.03.2016, 10:30 bis 11:00 Uhr, Halle 5, Stand K600)

Erik Lorenz hat die Biografie zu Liselotte Welskopf-Henrich geschrieben. Den kennenzulernen, heißt, diverse Facebook-kontakte auszudenhen, ist schon mal ein interessantes Messe High-light.

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 Bin gespannt, was noch alles dazu kommt.

KaratekaDD