Sonntag, 1. März 2020

Der Turm der Infantinnen


Satellit: google.map

Es war einmal... So könnte man die Geschichte anfangen, die ihren Anfang nahm, als Muhammad VII. im 14. Jahrhundert einer schönen Christin gewahr wurde, welche Gefahr lief, eine Sklavin zu werden. Der maurische König in Andalusien nahm sie mit auf die Alhambra.  Sie liebten sich beide gar sehr und bald erblickten drei Prinzessinnen das Licht der maurischen Welt die Zaida, Zoraida und Zorahaida geheißen wurden. Eine war schöner als die andere und von der Jüngsten schrieb der amerikanische Chronist: 

„Zorahaida wieder war sanft und schüchtern, äußerst empfindsam und dazu von hingebender Zärtlichkeit. Mit Liebe pflegte sie Blumen, Vögel und andere mögliche Tierchen. Sanft und voll Liebe unterhielt sie sich mit ihren Schwestern... Sinnend und träumend saß sie oft stundenlang auf dem Balkon und schaute in milden Sommernächten zu den funkelnden Sternen hinauf, oder auf das weite vom Mond bestrahlt Meer hinaus.“ 





Von der Alhambra sieht man kein Meer, aber von der Festung Salobreña aus, wo die Mädchen im goldenen Käfig saßen, wurde dem Vater doch einst prophezeit, dass er wachsam sein müsse, wenn die Infantinnen heiratsfähig sein würden. 

Just als er sie auf die Alhambra, den Palast der Emire Stadt Granada holen wollte, erspähten die Mädchen drei gefangene und musisch begabte christliche Ritter, welche sich in den allerliebsten Köpfchen festsetzten. 

Auf der Alhambra bezogen sie ein schönes Türmchen mit Blick auf den Garten, der da Generalife genannt wird, während die Ritter auf der Festung gefangen gehalten wurden. Doch die Kinderfrau der drei, Kagida mit Namen, richtete es ein, dass die Gefangenen in der Schlucht unterhalb des Turmes zu arbeiten hatten und in den Pausen zu singen anhuben. Auch schmiedete sie mit Hussein, dem Bewacher einen Plan. Zaida und Zoraida ließen sich an einer Strickleiter hinab, Zorahaida allerdings hatte den betrübten Herrn Papa vor Augen und verzichtete auf ihr Glück, während Zaida und Zoraida mit ihren Ritten gen Cordoba enteilten.



„Man glaubt, sie habe es schwer bereut, damals nicht mit ihren beiden Schwestern geflohen zu sein. Dann und wann sah man sie auf den Zinnen des Turmes; müde lehte sie an der Brüstung und schaute traurig zu den Bergen hinüber, hinter denen Cordoba lag. Klagend sang sie zur Laute herzzerbrechende Lieder und beweinte den Verlust ihrer Schwestern und des geliebten Mannes. Jung beschloss sie ihr einsames Leben und wurde, so erzählt man sich, in einem Gewölbe unterm Turm begraben.“



Eine Reise und ihre Geschichten
Andalusien. Granada. Die Alhambra. Ein Reise in die Zeit von 1000 und einer Nacht, in das Reich der Emire von Granada. Auf der gewaltigen Festungsanlage kann man sie besuchen, die Prinzessin Zorahaida, oder genauer, ihre Behausung und ihr Grabmal. Wir können uns vorstellen, wie die Prinzessinnen den lieblichen Tönen lauschten, die sie aus der Schlucht erreichten. 



„Torre de las infantas“ liest man an einem der Türme der Festungsmauer und dass hier die drei Prinzessinnen Zaida, Zoraida und Zorahaida wohnten. Der Ausblick aus den Fenstern ist atemberaubend: der Garten der Sultane Generalife liegt in ganzer Pracht vor einem. Die gesamte riesige Festungsanlage ist einen mehrtägigen Ausflug wert. Sie ist unzählige Male in der Literatur- beschrieben, ich denke da an zum Beispiel an DIE MAURIN von Lea Korte, ein Roman, der mich -vor Jahren literarisch erstmals in diese Gegend führte.

Die Frage, was ich mir von Urlaubsreisen mitbringe, ist meist einfach zu beantworten, nur die Auswahl ist gelegentlich schwierig. Auf der Alhambra war es schnell klar: Ein Bild für das Wohnzimmer und ein Buch. Unterhalb der Burg steht ein Hotel mit dem Namen Washington Irving. Kenne ich nicht. Unvermittelt steht der Name auf diesem Taschenbuch, welches ERZÄHLUNGEN VON DER ALHAMBRA benannt ist. Ein Blick hinein zeigt, das ist wohl ein Reprint und die Zeichnungen im Buch machen etwas her.

Der Erzähler
Washington Irving war als US-Amerikanischer Gesandter viel in Spanien unterwegs, so besuchter er Granada und konsequenter Weise dessen Wahrzeichen. Von seinen spanischen Reisen erzählt Irving und von einem längeren Schreibaufenthalt im roten Palast . Die Erzählungen haben dieses Kleinod maurischer Baukunst in vielen Ländern berühmt gemacht. Zudem scheint er damit Einfluss auf so manchen anderen Erzähler wie Dickens oder Puschkin gehabt zu haben. 


Washington Irving: Wikipedia

Hier aber ging es um ein winzigen Teil der TALES OF ALHAMBRA, um die Sage von den drei schönen Prinzessinnen. Ob sie wahr ist, mag schwer zu beantworten sein.. Einen Muhammad VII., Emir von Cordoba gab es tatsächlich, von den Töchtern findet sich in diversen Lexika keine Spur. Schon die Inschrift am Turm der Prinzessinnen lässt daher vermuten, dass hier die Fantasie des Schriftstellers mit im Spiel war.

So blättert man sich, die eigenen unzähligen Fotos vor Augen, durch die Geschichten eines amerikanischen „Chronisten“. So etwas nenne ich eine spaßige Urlaubsnachbereitung.

Zur Alhambra später einmal mehr.

  • DNB / Editiones Miguel Sanchez / 1999 / ISBN: 978-84-7196-107-1 / 382 S.
© Der Bücherjunge


Kommentare:

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