Mittwoch, 3. Juli 2013

Laufer, Anke: Die Irritation

Ein Ingenieur, der in einem leeren Fabrikgebäude haust und dem Geist eines toten Kollegen begegnet. Eine Frau, die ihr jüngeres Selbst von Bord einer Kanalfähre wirft. Ein Wissenschaftler, dem ein ausgestorbener Vogel erscheint. Ein Handlungsreisender, der an sein dunkelstes Geheimnis erinnert wird. Ein junger Mann, der auf einem stillgelegten Spielplatz ein kleines Mädchen beobachtet... 
Anke Laufers 21 Stories - jede für sich ein kleines Universum - handeln von Liebe, Tod und dem Einbruch des Unergründlichen und Verstörenden in den Alltag. Atmosphärisch dicht und ungeheuer spannend sind diese Geschichten, ob sie den Leser in ein englisches Seebad entführen, in ein süddeutsches Dorf, in die Straßen von Madrid oder in eine fiktive südamerikanische Großstadt, ob sie aus der scheinbar wohlvertrauten Gegenwart berichten oder uns die gar nicht so weit entfernte, deshalb aber umso unheimlicher erscheinende Zukunft vor Augen führen. Aus der klaren und präzisen Sprache dieser Autorin schlägt kaltes Feuer: Ihre Stories sind voller Abgründe, Unterströmungen und Andeutungen, die weit über das tatsächlich Erzählte hinausweisen. Vielleicht wahren sie ja gerade deshalb am Ende ihr Geheimnis, das im Leser mit Sicherheit lange nachklingen wird.



Erzählungen der besonderen Art
(zuerst veröffentlicht von parden auf buchgesichter.de am 03.07.2013)

21 Kurzgeschichten, teilweise nur fünf Seiten umfassend, erwarten den Leser in diesem Buch. "Die Irritation" ist eine dieser Geschichten. Unterteilt sind die Geschichten in drei Kapitel: "ruhelos", "geheimnisse, nebenan" und "morgen, bald, irgendwann".
Anke Laufer schreibt diese Geschichten in einer sehr eingängigen, bildhaften und klaren Sprache. Jede dieser Geschichten entführt in eine eigene Welt, bereits mit den ersten Zeilen wird man in diese hineingezogen. Doch erst zum Ende hin wird jeweils der eigentliche Hintergrund offenbart, der häufig irritierend, überraschend oder gar verstörend ist. Einige der Geschichten sind berührend, manche kafkaesk-verwirrend, andere beunruhigend oder gruselig. Doch allen ist gemein, dass sie nachwirken, einen nicht sofort loslassen.

Dies ist kein schnell zu lesendes Buch, da jede einzelne Geschichte ihren Raum und ihre Zeit fordert. Dafür ist es ein Buch mit 21 Überraschungspäckchen, die sich zu öffnen lohnen. Viele der Erzählungen beschäftigten mich tatsächlich über das Lesen hinaus, was für das Talent Anke Laufers spricht.
Besonders gefallen haben mir in diesem Band die Geschichten: "Chinakladden" und "Die Zuflucht des Vito Laquasto".

Insgesamt ein beeindruckendes Buch, das in jedem Fall zum wiederholten Lesen einlädt. Und neugierig macht auf weitere Publikationen der Autorin.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die einem Ausflug in den Bereich anspruchsvoller Literatur nicht abgeneigt sind... 


Ich vergebe für dieses Buch 10 von 10 Punkten und setze es auf meine Favoritensliste.


© Parden 



Ich danke dem Verlag "Worthandel" ganz herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. 

 

Anke Laufer
Wer sich für die Person Anke Laufers interessiert, die erst mit 40 zu schreiben begann, dem seien folgende Links empfohlen: