Freitag, 19. Mai 2017

FotoPost: Frühling


Frühlingsbilder einmal anders. Aus Holland und aus Mecklenburg-Vorpommern. 






Zwei Serien völlig unterschiedlicher Art. 



Detail und weites Feld. Nähe und Weite. Beides hat seinen Reiz - die Vollkommenheit der Details  einer einzelnen Blüte und das fast unwirkliche Leuchten der Tulpenfelder in Noordholland. Ein Augenschmaus...




Nicht nur die Bäume blühen. Ganze Kunstwerke aus kleinen Blüten entstehen jährlich bei den Bloemendagen in Anna Paulowna. 10000 Hyazinthenblüten auf einen Quadratmeter - man ahnt, welche Mühe hinter solch gigantischen Bildern wie beispielsweise diesem der ehemaligen niederländischen Königin steckt. Ein Wettbewerb, der dort in Noordholland jährlich ausgetragen wird... Auf dem rechten Bild ist zwar keine Königin zu sehen -  es ist eine Wespe - aber wen erinnert die Bestäuberin nicht an Königinnen?




Auf der Halbinsel Marken am Ijseelmeer findet sich an jeder Ecke ein lohnendes Fotomotiv - vor allem im Frühling. Ein farbenfrohes Stilleben wie dieses hier beispielsweise. Auf der rechten Seite erneut die Bestäubung der Blüten - ohne derlei Insekten gäbe es kein Obst mehr...




Pastell und Farbexplosion




Die Pflanzen auf dem linken Bild wurden von Menschenhand bestäubt. Kunst und Natur. Solch ein eleganter Anflug einer Hummel ist nur durch ein Makroobjektiv fassbar. Wie auch auf dem nächsten Bild links.




Nicht nur bei den Pflanzen hat der Frühling Einzug gehalten... Bei diesen Bildern ist der Gedanke an die 'weiße Unschuld' nicht weit...





 Viele Blüten links und rechts. Eine Wohltat fürs Auge...


© Anne Parden & KaratekaDD



Montag, 15. Mai 2017

Frank, Astrid: Enno Anders - Löwenzahn im Asphalt


Die Heizung knackt, der Banknachbar schnieft: Wie kann man da einen Aufsatz schreiben? Und wenn man sich gerade vorstellt, eine Ameise zu sein – wie soll man da antworten? Enno nimmt tausend Kleinigkeiten wahr, kann sich in jedes Lebewesen hineinfühlen und sich ausgeklügelte Geschichten ausdenken, die auf anderen Planeten spielen. Nur eines kann er nicht: so sein wie die anderen …

(Klappentext Urachhaus Verlag)

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Urachhaus; Auflage: 1 (8. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Illustration: Regina Kehn
  • ISBN-10: 3825151220
  • ISBN-13: 978-3825151225
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 - 11 Jahre












WENN ALLES FALSCH LÄUFT...



Enno Anders ist genau dies: anders. Er bekommt alles mit und kann sich dann auf das Wesentliche nicht mehr konzentrieren, fällt in der Schule ständig auf und auch zu Hause passieren ihm laufend kleine Ungeschicklichkeiten. Enno hat mit seinen elf Jahren so gut wie keine Freunde - nur den hochbegabten Olsen, der bereits zweimal eine Klasse übersprungen hat und ebenso ein Außenseiter ist wie Enno. Aber Fantasie hat Enno, mehr als genug - und einfühlsam ist er wie kein zweiter. Er weiß genau, wann jemand die Wahrheit sagt und wann nicht, und er spürt, wie es anderen Menschen geht.


"Ich scheine irgendwie auf einem fremden Planeten gelandet zu sein. Die Lebewesen hier sehen zwar genauso aus wie ich, aber sie ticken alle anders. Ich kenne die Regeln nicht, nach denen das Zusammenleben hier funktioniert. Und egal, wie viel Mühe ich mir gebe, ich mache doch nur alles falsch."


Enno ist nicht dumm. Er merkt, dass er anders ist als die anderen. Er selbst könnte damit leben, doch seine Mama macht das traurig. Sie macht sich Sorgen darum, was aus Enno einmal werden soll und reagiert oft hilflos, manchmal auch verärgert auf seine Besonderheit. Mama versteht nicht, was mit ihm los ist - sie möchte, dass ihr Sohn einfach normal ist so wie andere Kinder. Und merkt dabei nicht, wie weh sie Enno damit tut. Enno flüchtet oft in seinen Briefwechsel mit seinem Opi, der allerdings vor drei Jahren gestorben ist. Aber auf Mamojusave, dem Planten, wo Enno sicherlich eigentlich herkommt, wartet Opi geduldig auf seinen Enkel, bis dessen Mission auf der Erde beendet sein wird.


"Es ist merkwürdig, aber ich weiß, dass meine Mama mich lieb hat. Trotzdem hätte sie mich offenbar gerne anders, als ich bin. Und wenn ich wüsste, wie das geht, dann würde ich alles dafür tun, um ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Aber leider weiß ich es nicht (...) Vielleicht wäre es für alle einfacher, wenn ich nicht mehr da wäre..."



Astrid Frank, die offenbar selbst ein hypersensibles Kind hat, schreibt mit einer schonungslosen Offenheit und gleichzeitig mit einer enormen Einfühlsamkeit sowohl über die Erlebnsiwelt von Enno als auch über die Reaktion der oft hilflosen Mutter. Dabei wächst beim Lesen das Verständnis für beide Seiten, wobei das Herz eindeutig für Enno schlägt. Von augenzwinkernd bis berührend bedient die Autorin dabei gekonnt die Klaviatur der Gefühle. Und schafft das Verständnis für die einfache Tatsache: anders zu sein ist nicht schlimm.

Illustriert wurde das Buch stimmungsvoll und passend von Regina Kehn.

Ein Buch, das ich gerne weiterempfehle - für Kinder, die den Wert der Toleranz erkennen sollen, für Eltern, die das größte Gut in der Normalität sehen und für alle, die mit Kindern zu tun haben und dabei den neugierigen und wohlwollenden Blick auf das Besondere in jedem von ihnen nicht verlieren wollen. Positiv, berührend, ermutigend.


© Parden













Der Urachhaus Verlag schreibt über die Autorin:

Astrid Frank, geboren 1966, studierte Biologie, Germanistik und Pädagogik und arbeitete bereits während des Studiums als Lektorin und Übersetzerin für mehrere deutsche Verlage.

Seit 1999 schreibt sie Geschichten für Kinder und Jugendliche.

► übernommen vom Urachhaus Verlag



Freitag, 12. Mai 2017

Neudecker, Christiane: Das siamesische Klavier


Schatten, die sich von einem selbst lösen. Kinderspiele, die zu tödlichen Geisterbeschwörungen werden. Eine verhängnisvolle Begegnung mit einem Erlkönig der Neuzeit. Ein Schachspiel mit einem Toten. Sportsgegner, die sich einfach nicht besiegen lassen wollen – oder zu sehr ... Neudecker erzählt mit hypnotischer Spannungskunst von dem winzigen Spalt, der sich von Zeit zu Zeit in unserer modernen, nur scheinbar rationalen Welt auftut.

(Klappentext btb Verlag)

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (12. März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442743311
  • ISBN-13: 978-3442743315









UNHEIMLICHE GESCHICHTEN...



Christiane Neudeckers Geschichten versetzen das Genre der unheimlichen Erzählung von E.T.A. Hoffmann bis Daphne du Maurier in unser hoch technisiertes Dasein, in unsere vermeintlich entzauberte Welt. Abgründig, verstörend intensiv und auf heimtückisch unaufdringliche Weise beunruhigend. Diese Geschichten wirken lange nach...

Sieben Geschichten mit vollkommen unterschiedlichen Grundthemen erwarten den Leser hier, doch Christiane Neudecker hat sich in die jeweilige Thematik intensiv hineingearbeitet. So ist es ihr gelungen, den einzelnen Erzählungen eine glaubwürdige Authentizität zu verleihen und sie gleichzeitig von einer beunruhigenden Atmosphäre durchdringen zu lassen.

In 'Das siamesische Klavier', das diesem Buch seinen Titel verlieh, wird im tiefsten Urwald ein seltsames Doppelklavier gefunden. Da alle Versuche, es zu transportieren, scheitern, wird an Ort und Stelle ein Konzerthaus gebaut. Mit Liszts Bearbeitung von Beethovens 9. Symphonie soll es glorios eröffnet werden - dass man aber an Klavier und Musik besser nicht gerührt hätte, zeigt sich erst, als es längst zu spät ist.

'Gerufene Geister oder: Der Carpenter-Effekt' beschäftigt sich mit einer Gruppe junger Mädchen, die sich mit Gläserrücken die Zeit vertreiben und eine Katastrophe herauf beschwören. "Wann sie damit anfingen, die Toten zu rufen, weiß im Nachhinein niemand so genau. Es bgann doch als harmlose Feizeit auf dem Hof, aber dann wurden die Spiele der Kinder immer beängstigender. Bis zu jener Nacht, von der sich die, die sie überlebten, bis heute noch nicht erholt haben."

Ein Boxer kämpft in 'Ein Geräusch, so hässlich, so ein hässliches Geräusch' gegen einen teuflisch guten Gegner. Als dem Gegner mit dem engelhaften Gesicht Maden aus dem Mund zu quellen beginnen, weiß der Freefighter nicht mehr, was er glauben soll. Ist seine Siegesgewissheit gerechtfertigt?

'Dunkelkeime' weist nahezu kafkaeske Züge auf. Hier wird ein Mann zunächst von seiner Freundin verlassen und zieht anschließend in deren Landwohnung. Dort schlüpft er - ohne es selbst zu merken - zuerst in deren Leben und dann ganz unmerklich und immer mehr in deren Körper. Am Ende zweifelt der Leser ernsthaft, was wahr ist und was nicht.

'J'adoube' - Ich berichtige. Ein Ausdruck aus der Welt des Schachs, und hierum dreht es sich in dieser Geschichte. Um eine Partie, die nicht real sein kann. Weil eine junge Frau online von ihrem vor einigen Monaten verstorbenen Freund zu einer Schachpartie herausgefordert wird. Einbildung? Oder was?

Frostig wird es in 'Der Erlkönigjäger'. Nahe dem Polarkreis testen viele Autokonzerne ihre streng geheimen Erlkönige - und ein Fotograf kommt ihnen seit Jahren immer wieder auf die Schliche. Doch plötzlich wird er in Eis und Schnee selbst zum Gejagten...

'Wo viel Licht ist' gleitet schließlich wieder sehr ins Surreale ab. Ein Softwarekünstler gerät in seinem Spiel um Licht und Schatten an die Grenzen der Realität. Sein Schatten stockt, bewegt sich nicht mehr kongruent zu ihm - und schließlich beginnt eine verstörende Verwandlung.

Nicht jede der außergewöhnlichen Geschichten konnte mich gleichermaßen begeistern, aber in allen zeigt sich das sprachliche und stilistische Feingefühl der Autorin. Die Erzählungen sind keine Gruselschocker, keine Horrorstorys - und doch verstören sie durch die dunkle Atmospähre und die Verzerrung der Realität.

Nach dieser Lektüre möchte ich jedenfalls noch weitere Bücher der Autorin lesen.


© Parden
















Christiane NeudeckerDer btb Verlag schreibt über die Autorin:

Christiane Neudecker, geb. 1974, studierte Theaterregie an der "Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch" und lebt als freie Schriftstellerin, Librettistin und Regisseurin in Berlin. 2005 erschien ihr begeistert aufgenommenes Erzähldebüt "In der Stille ein Klang", 2008 ihr erster Roman "Nirgendwo sonst", 2010 "Das siamesische Klavier - Unheimliche Geschichten". Sie wurde für ihr Schreiben mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Für den 2013 erschienenen Roman "Boxenstopp" erhielt sie das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds, die 2015 erschienene "Sommernovelle" war NDR Buch des Monats. Seit 2001 arbeitet sie mit dem Künstlernetzwerk phase7 zusammen. Die Deutsche Oper Berlin eröffnete 2013 mit Neudeckers Libretto zu "Himmelsmechanik - eine Entortung" ihre Spielzeit.

► übernommen vom btb Verlag

Dienstag, 9. Mai 2017

Bredemeyer, Mark: Runenzeit... (3)



Der Aufstieg des Arminius


Mit einer gewissen Skepsis nahm ich im Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse 2016 aus den Händen von Dirk Salomo das Buch Runenzeit - Im Feuer der Chauken entgegen. Schon auf dem Weg zur Dresdner Buchmesse Schriftgut wusste ich, Band 2, also Runenzeit - Krieg um Germanien musste in das persönliche Bücherregal. Vor einigen Tagen erhielt ich nun von Katharina Salomo, Chefin von salomo publishing den Band drei zugesendet. Wir unterhielten uns auf der Vorstellung von Vom Hängen und Würgen über die Fortsetzung der Reihe von Mark Bredemeyer.





Hier ist nur eine kurze Inhaltsangabe möglich, denn alles was man über den dritten Band der Reihe erzählen würde, ist von vornherein reichlich "spoilerhaft" wie man so sagt.

Also, um was geht es: 
In Band 1 und 2 gelangen Leon und sein Onkel (?) Armin in das Land der Chauken. Zwei Menschen aus ferner Zukunft sollen das Schicksal der germanischen Stämme bestimmen, die immer mehr von den Römern des Kaisers Augustus bedrängt werden. Dies machen die Hagedisen, Hexen oder besser Zauberinnen, die verschiedene Stämme repräsentieren. Beide Menschen aus der Gegend um Bremen kommen unabhängig in die Zeit um den Beginn unserer Zeitrechnung. Zu Armin und Leon gesellt sich dann noch Julia, Leons ehemalige Freundin und der Kriminalkommissar Paulus, der im dritten Band erstmal keine Rolle spielt.

Inzwischen ist Leon mit Frilike verheiratet, sie haben einen Sohn. Armin hat mit Julia ebenfalls einen Sohn gezeugt, der aber von Werthliko, einem Freund Leons, bei den Chauken aufgezogen wird. Armin wurde inzwischen von den Cheruskern adoptiert und wird Offizier der Reitertruppen der 18. Legion. Spätestens jetzt muss es funken beim Leser, es sei denn, er ist so geschichtsunwissend wie Leon. Der kennt sich zwar bei den Flüssen in Deutschland gut aus, aber dass aus Armin inzwischen Arminius wird, erkennt er erst, als dieser ihm das sagt. Als beide im zweiten Band noch einmal durch die Zeit "nach Hause" reisten, schmökerte sich der ehemalige Oberstleutnant der Bundeswehr durch mehrere Meter Geschichtsbücher und stellt sich selber eine Aufgabe.

Auch Leon bekommt eine Aufgabe. Und am Ende wird von einer Ausgrabung in der Neuzeit berichtet, die eventuell die Geschichtsschreibung auf den Kopf stellt. Oder auf die Füße, wenn man dieser Fantasy-Geschichte Glauben schenken möchte.

Es ist eine durchaus eigene Geschichte, die zwar gerade nach dem Ende des dritten Bandes an Das Jesus - Video von Andreas Eschbach erinnert, aber vor allem dadurch besticht, dass sie Sitten und Gebräuche, sowie reale Geschichte spannend und ausführlich vor den Leserinnen und Lesern ausbreitet. Über den Umstand, dass da unlautere Mittel im "Spiel" des Armins / Arminius und des Witandis / Leon sind, kann nun berichtet werden, da das Titelbild des dritten Bandes "Bände" spricht.

Witandi (Leon) und der Blitzschleuderer Bliksmani (Armin) erweisen sich dann als Vater und Sohn, die Prophezeihung der Hagedisen scheint sich zu erfüllen. Die diese von Gegenspielern ausgehen, müüsen die beiden wohl unterschiedlich handeln und denken. Dem Armin ist hier eine unschöne Rolle zugedacht: Er sorgt sich zwar gelegentlich um seinen Sohn, bzw Söhne und um Julia, aber er beginnt letztlich rücksichtslos sich mit der historischen Rolle zu identifizieren. Dabei begeht er mehrfach Verrat und geht auch mal über Leichen.

Mit dem Epilog der Ausgrabung wollte Mark Bredemeyer die Geschichte eigentlich beenden, wurde aber von den Lesern "gezwungen", weiter zu schreiben. Die Geschichte sollte hier enden, als Witandi seinen Gürtel mit den zahlreichen Täschchen, Beuteln und dem Magazin anlegt, das Gepäck und das Gewehr schultert und das Dorf im Jahre 9 u.Z. verlässt um dem Ruf des Cheruskers zu folgen. Es ist nicht die einzige AK 47, die mit in den Teutoburger Wald genommen wird.


* * *




Diese Fotos stammen aus dem dem Ribe Viking Center, aus Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks. Dieses Museumsdorf lässt den Besucher in Langhäuser blicken, in denen Frilike und Witandi gewohnt haben könnten - klar, in paar hundert Kilometer weiter südlich. Das Foto rechts zeigt eine Art Heiligtum, wie es ähnlich durch Mark Bredemeyer beschrieben wurde.

Geschichtsrezeption ist die Sache vieler Jugendlicher heute nicht. Obwohl die Möglichkeiten der Geschichtslehrer durch unzählige Medien, massenweise Dokumentationen, heute fast ins unendliche gehen, scheint das Interesse selbst an eigener Geschichte ziemlich erlahmt zu sein. Vielleicht haben daher solche "histo-fantastischen" Romane ihre neue Berechtigung. Es muss ja nicht gleich so was "Kompliziertes" wie Augustus sein. 



© Bücherjunge




Montag, 8. Mai 2017

Rinser, Luise: Drei Kinder und ein Stern

Wenn Philosophinnen für Kinder schreiben, kommt in diesem Fall eine Weihnachtsgeschichte raus, die sich mal anders anhört obwohl Melchior, Balthasar und Kaspar nach dem kleinen Friedenskönig suchen und hierbei einem Stern folgen. Kennt man ja.

Allerdings sind es hier die Kinder der drei Weisen aus dem Morgenland. Der 12jährige Melchior ist ein Königssohn aus dem Zweistromland, Balthasar der Prinz von Syrien (spielt ja keine Rolle, dass es ein solches Reich damals nie gab) und Kaspar heist Kaspierina, das kohlrabenschwarze Mädchen ist die Tochter eines Gelehrten aus Alexandria. Sie folgen den Karawanen ihrer Väter, die sie nicht mitgenommen haben.
Gemeinsam bestehen sie eine Reihe Abenteuer bevor sie auf die Familie stoßen, nach deren Kinde alle suchen, da in Palästina.

Was das Angenehme ist bei diesem Buch? Nirgends ist von irgendeinem Gott oder Gottes Sohn die Rede. Klar, der Stern weist ihnen den Weg und das Reich des neuen Königs ist nicht von dieser Welt. Das wird ihnen sinngemäß erklärt. Es war auch abenteuerlich und die Idee mit dem "kohlrabenschwarzen Mädchen" gibt der Geschichte ein zusätzliche Modernität.

Es ist eine menschliche Geschichte, alt und neu zugleich.

Luise Rinser: Eigentlich wird sie als Schriftstellerin bezeichnet, schrieb viel philosophische und auch theologische Schriften und Bücher. Ich habe bereits ja "Mirjam" rezensiert. Sie schreibt irgendwie faszinierend, verständlich und hier eben sehr schön für Kinder. Für alle Kinder, egal welcher Konfession oder ohne, DIE GLEICHE GESCHICHTE.

* * *


Gefunden im Kinderbuchregal meines Neffen und natürlich rausgezogen, war doch klar, oder? Das war aber schon im Jahr 2011 und der Text der kurzen Rezension wurde am 27.07.2011 bei den Buchgesichtern veröffentlicht, hier leicht redigiert. Das waren damals noch reichlich kurze Texte.

  • DNB / Fischer TBV / 2007 / ISBN: 978-3-596807-16-1 / 109 Seiten

© Bücherjunge


Sonntag, 7. Mai 2017

Schalansky, Judith: Der Hals der Giraffe


Der lange Hals der deutschen (ostdeutschen) 
"Giraffe" nach den "blühenden Landschaften" 

Nein, nach den blühenden Landschaften sehnt sich diese Inge LOHMARK, Biologierlehrerin an einem abzuwickelnden Gymnasium, ehemalige Erweiterte Oberschule hier bei mir zu "Hause", zumindest aber in der Nähe, eher nicht. 

Armes Land, Auswandererland, Entwicklungsland (?) - Irgendwie trostlos...
Tatsächlich?

Ich verstehe diese Lehrerin, die mit vermeintlich harten Methoden ihren Unterricht, der "kreidelastig" sein soll, abzieht, die es darüber aber verlernt hat, die Schüler als junge Leute mit individuellen Neigungen zu sehen, und Gefühle zwar nicht vermeidet, aber auf keinen Fall zeigt. Doch gleichzeitig verstehe ich sie nicht.  "Biologistisch" soll ihre Weltanschauung sein, so steht´s im Vorwort. Zum "Beweis" zieht die Autorin den Ost/Weststreit um die Genetik heran. Danach soll, stark vereinfacht, der "Westen" nur der klassischen Vererbungslehre anhängen, der "Osten" jedoch den gesellschaftlichen Einfluss als ausschlaggebend für die menschliche Entwicklung ansehen.

DNB / Suhrkamp - Insel / 2011 / ISBN: 978-3-518-42177-2 / 224 Seiten

Samstag, 6. Mai 2017

Giebeler, Susanne: Gymnasium


Schule als Kampfarena? Auch zu meiner Zeit gab es einen gewisse Wettbewerb untereinander. Aber heute, über 30 Jahre nach dem Verlassen der zehnten Klasse, kann ich wohl nur froh sein, nicht mehr zur Schule zu müssen. Obwohl ich eigentlich jeden Tag in eine Schule, genauer in ein polizeiliches Ausbildungszentrum gehe, aber dazu vielleicht später etwas mehr.

Wenn man jeden Tag in so ein Ausbildungszentrum geht, dann gibt es da so ein gewisses Grundinteresse an schulischen Dingen und an Schulgeschichten. Eine der bitterbösesten Schulgeschichten hat Susanne Giebeler geschrieben. Über Literaturtest bekam ich ein Exemplar von Gymnasium.

* * *

Der 14jährige Alexander lebt mit seiner alkoholabhängigen Mutter Sabine zusammen. Diese hat einen Job als Krankenschwester, von Alex Vater lebt sie getrennt. Der Justizbeamte entspricht so einigen Beamtenklischees und versucht gelegentlich mit wenig geeigneten Methoden den Jungen zu besseren Schulnoten zu bekommen.  Alex wird auf einem Gymnasium in der 8. Klasse angemeldet, das Gymnasium steht in einer besseren Gegend des Ruhrgebietes. Er denkt, wenn er es hier schafft, bessere Schulnoten zu bekommen, dann bringt das die Eltern wieder zusammen.

„An diesem Gymnasium ringt die akademische Mittelschicht um ihren Status, schickt ihre Kinder ins Rennen... Alle lieben ihre Kinder und wollten sie vor dem Niedergang bewahren, vor einem Dasein als Klempner, als Krankenschwester oder kaufmännische Angestellte.“ (Buchrücken)

Allen voran schreitet in diesem Sinne die Mutter von Leonie Bürgelmann, Birgit. Ehemals pharmazeutische Fachangestellte, heute „Frau Chefarzt“, ihr Mann führt eine Klinik, mehr schlecht als recht wie sich herausstellt. Sie führt die Elternpflegschaft an, auch auf Landesebene ist sie in der Landeselternschaft tätig.

(Elternpflegschaft. So heißt das wirklich in NRW. Hier, in diesem Roman brauchen die Eltern wirklich Pflege) 

Die Tochter Leonie, mit unübertroffenem Goldhaar gesegnet, gibt in der neuen Klasse von Alex  den Ton an. Vor allem den Ton der „Hyänenmädchen“. Ein Kind, bei dem man das Weite suchen möchte. Einzige Ausnahme, Sharzad Kaatani, Iranerin und ebenfalls Arzttochter. (Das einzige Mädchen, das am Ende als normal angesehen werden kann).

Alex freundet sich mit Richard an, potentieller Bombenbauer, wofür er die Zutaten aus dem Chemielabor klaut.

Die Lehrerin der Bande ist u.a. Eva Jägersberg. Deutsch und Literatur. Relativ engagiert, aber auf absteigendem Ast. Einzige Ermahnungsform an Leonie & Co: „So nicht!“ – Wie dies und das anders gehen könnte, erklärt sie nicht. Abgesehen von ihrem Schulalltag besucht sie zur Entspannung einen Escortservice. Wo anders nennt man entsprechende Begleitung Gigolo. Klar, dass sie sich erpressbar macht. Welche Rolle spielt Leonies Mutter dabei?

Außerdem wäre noch zu nennen der Erdkundelehrer Herr Wüst. Den lernt Alexanders Mutter in der Klinik von Leonies Vater kennen, in der sie arbeitet und gelegentlich Medikamente für eine Art kalten Entzug mitgehen lässt.

Die Desillusionierung Wüsts sowie seiner Kolleginnen und Kollegen und zugleich ein gewisses Genrationenproblem kommt in folgenden Zeilen gut zum Ausdruck:

„Deutsch, Erdkunde, Literatur."
„Was am liebsten?"
„Erdkunde."
,Warum?"
Wüst seufzte. Eigentlich unterrichte er gar nichts mehr gern. Aber früher sei es Erdkunde gewesen. Er selbst habe die ganze Erde bereist, die Metropolen Amerikas, den asiatischen Regenwald, die Sahara, die karibischen Inseln und vieles mehr. Es habe ihm Spaß gemacht, den Kindern davon zu berichten, ihnen die Schönheit ihrer Erde nahe zu bringen, sie neugierig zu machen auf fremde Länder, ihnen Verantwortung zu vermitteln für das Fortbestehen der Natur. Aber seit einiger Zeit, er wisse gar nicht mehr genau, wann es begonnen habe, hätten die Schüler kein Interesse mehr an der Schönheit der Erde. Dagegen fragten sie viel nach Dingen, die natürlich auch zum Fach gehörten, wirtschaftliche Zusammenhänge vor allem, von denen er aber zugegebenermaßen wenig verstehe. Er habe mehr Ahnung von den anderen Bereichen des Faches.
Sabine verstand.
„Ja, das Schöne kommt zu kurz. Und das Gute. Das Herz." (Seite 97ff)

Und Sabine klagt dem Lehrer ihr Leid mit dem Sohn. „Bevor ihr Kind in die Schule gekommen sei, habe sie es bedingungslos geliebt, denn so, wie es war, war es gut. Als es in die Schule kam, habe sich das geändert. Man habe ihr vermittelt, ihr Sohn sei faul und damit fehlerhaft, und wenn sie ihn liebe, dann dürfe sie ihn nicht in seiner Fehlerhaftigkeit belassen, sondern müsse alles dafür tun, die Fehler auszumerzen. 
Mit einem Mal sei es schwierig gewesen, ihr Kind zu lieben, obwohl sie gewusst habe, dass man auch ein Kind lieben könne, das Fehler habe. Doch die Liebe zu ihrem Sohn sei plötzlich nicht mehr beglückend gewesen, sondern ein brennender Schmerz. 
Weil sie sich gewünscht habe, die Fehler würden verschwinden, damit ihre Liebe wieder beglückend sei, habe sie alles daran gesetzt, dass Alex mehr für die Schule lerne. Gleichzeitig habe sie den Irrsinn der Sache gesehen und trotzig am alten, am wirklichen Alex festgehalten, ihn immer wieder mal für eine Zeit in Ruhe gelassen mit der Lernerei. Aber die Quittung sei meistens auf dem Fuße gefolgt.“ (Seite 97 bis 98)

Hier zeigt sich schon mal das Dilemma und irgendwie kann man sich da sogar hinein denken.




"eigenes Produkt"
Was eigentlich ist Mappenführung? Als der Begriff erstmals auftauchte, verstand ich gar nichts. Und dann: Vermutlich damit sich die miesen Schüler ein paar Ausgleichsnoten verdienen können, gibt es Noten auf die Schulhefter. Oder eben Mappen. Für die Ordnung, die Schrift, die Inhaltsverzeichnisse – Meisterin dabei ist Deborah Tüchting. Hier ist wohl schon der Name Programm. Deborah hat die besten Mappen. Sogar mit Farbsystem. Ansonsten ist sie doof wie Brot. Natürlich ist dies nachahmenswert für Alex.

„Er selbst hatte sich für die Flucht nach vorn entschieden und den ganzen Sonntag Schularbeiten gemacht, insbesondere die Mappen auf Vordermann gebracht. Nicht nur für Frau Jägersberg, auch für die anderen Lehrer ausgenommen Wüst und Wiechmann, war eine ordentliche Mappenftihrung Indiz dafür, ob man den Stoff verstanden hatte oder nicht, und wer eine ordentliche Mappe hatte, wurde mit Noten nicht unter Drei belohnt.
Alex selbst war der Meinung, eine ordentliche Mappe könnte man auch haben, wenn man nichts von all dem Abgehefteten verstanden hatte, denn bei der Bewertung gab es viele Punkte für das Inhaltsverzeichnis, die Seitenzahlen, die Vollständigkeit und die grafische Gestaltung. Er hatte sich unauffällig Deborah Tüchtings Mappen angeschaut. Deborah liebte ihre Mappen sehr.“ (Seite 120f)

Recht hat er der Alex. Aber weil er selber nicht so toll auf der Penne, ist das schon mal eine Möglichkeit, den Schnitt zu senken.

Schulischen Stoff rekapitulieren. Das wäre ja mal was. Geht über schlichte Hausaufgaben doch etwas drüber hinaus. Das Gekritzel abschreiben, ist eigentlich sinnlos, es mit Anmerkungen, Querverweisen, eigenen Auffassungen usw zu versehen, scheint ja fast schon "wissenschaftliche Arbeit" zu sein. Warum? Nur wenige Abiturienten haben mir bisher bewiesen, dass sie so arbeiten. Und ich habe einige Mappen von angehenden Diplomverwaltungswirten gesehen. Man ist doch eher darauf aus, und da unterscheiden sich immer weniger Abiturienten von Realschülern, den ultimativen Prüfungslernstoff per Kopie in die Hand zu bekommen. Vollständig und ja nicht darüber hinaus. Übrigens ist das peinlich für Abiturienten, für die Realschüler ist es auch kein Lob.

Postiv fast schon Frau Jägermann, beispielgebend für das eben Dargestellte dagegen besagte Leonie:

Sie gab den Schülern Entscheidungsfreiheit, so oft es ging. Als Einstieg in die Reihe ,Argumentation" stellte sie mehrere Dilemmageschichten zur Auswahl. Zwei Drittel stimmte für Geschichte vier:
„Eine Gruppe Wanderer verläuft sich im Wald. Ein Rudel hungriger Wölfe nähert sich. Die Leute suchen Zuflucht auf einem Hochstand. Die Wölfe werden erst wieder abziehen, wenn sie satt sind. Eine Frau schlägt vor, man solle losen, wer von ihnen den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wird, damit die anderen überleben."
„ Können wir nicht mal was machen, wo die Antwort klar ist?"
Eva bemühte sich, ruhig zu antworten.
„Man muss lernen, Argumente sorgfältig abzuwägen, bevor man ein Urteil fällt. Ein eigenes Urteil."
Leonie fuhr hoch: „Sagen Sie doch einfach, was die Leute im Wald jetzt machen sollen! Sagen Sie einfach mal ganz klar A oder B, nur ein einziges Mal. Ihr Larifari kotzt uns an!"
„Zum gymnasialen Lernen gehört es, Widersprüche auszuhalten, Kontroversen und Ambivalenz."
Ambiwas?"
„Uneindeutigkeit."
„Leck mich am Arsch."
„So nicht."
„Wie denn? Wie wollen Sie überhaupt Noten geben, wenn Sie selber nicht wissen, was richtig und was falsch ist, hä?“
Die Klasse trommelte auf den Tisch. Die Klasse lachte sie aus. Es war müßig. Sie verteilte eine Tabelle mit Formulierungshilfen und eine praktische Bauanleitung zum Verfassen perfekter Argumentationen. Sie schrieben den Einleitungssatz, sie schrieben die Inhaltsangabe, Stück für Stück arbeiteten sie den Plan ab. Sie schrieben viel. Alex Haase malte einen Wolf auf sein Etui.
Eva hatte keine Lust, sich länger mit der Debattierverweigerung herumzuschlagen, und wandte sich in der folgenden Woche der Lyrik zu. (Seite 221f)

Beispielgebend auch die geplante Theateraufführung der „Iphigenie auf Tauris“ von JWvG im JWvG – Gymnasium:

„Dem Ensemble fehlte das nötige Herzblut. Viele wollten nicht einmal die Wikipedia-Zusammenfassung des Stückes lesen. Was sie wollten, war ein Kostüm und einen Text. Den wollten sie auswendig lernen und auf der Bühne aufsagen. Spielen wollten sie nicht“ ( Seite 228)

Wie es ausgeht, mit dem Alex, der natürlich mit dieser Leonie aneinander gerät, und was es mit dem Löwen vor der Schule auf sich hat, der Alex einst inspirierte, auf dieses „tolle“ Gymnasium zu wollen, und ob der Bombenbastler eine Bombe bastelt, dass verschweigt der Blogger, denn es soll ja noch was übrig bleiben.

* * *

In der Mail von Literaturtest fand sich folgende Romanbeschreibung:

„Giebeler rechnet schonungslos mit einem System ab, in dem Chancengleichheit und echte Bildung nur auf dem Papier stehen und die Lehrer mehr Richter als Pädagogen sein müssen. Dabei räumt sie im Interview ein, dass nicht alle Gymnasien so sind, legt aber den Finger in eine schwärende Wunde: „Wenn es nicht gelingt, die Chancenungleichheit in der Bildung abzulegen, wird sich die Spaltung der Gesellschaft verschärfen.“

Diese brachte mich dazu, das Buch anzufordern. Es entsprach natürlich überhaupt nicht den „Schulgeschichten“, die ich aus der Kinder- und Jugendzeit gewöhnt war. Jugendbücher wie Frank, Frank und Irene, Frank bleibt Kapitän von Karl Neumann * hier als einziges Beispiel von vielen möglichen genannt, gibt es kaum noch.

Susanne Giebeler bestätigte mir in einer Mail, dass es tatsächlich eine bitterböse Schulkritik mit diversen Überspitzungen, einschließlich Ironie sein soll.

„Ich bin der Überzeugung, dass das deutsche Schulsystem einer Generalüberholung bedarf. Chancengleichheit, als Grundprinzip unserer Demokratie, sehe ich in diesem System nicht gegeben, Leistungsdruck und Interessen der Wirtschaft dominieren, echte (Herzens-)bildung und soziale Werte werden unzureichend vermittelt, usw.
Das schließt natürlich nicht aus, dass es auch andere Schulen, andere Schüler, andere Lehrer, andere Eltern gibt. „Zum Glück“ – wie Sie treffend schreiben. Aber nicht genug, möchte ich antworten und einen das Gymnasium ... Es handelt sich bei „Gymnasium“ um einen fiktionalen Text, der an vielen Stellen über die Mittel satirischer Überzeichnung der Diskussion über das Bildungssystem Impulse vermitteln könnte, auch wenn die Lektüre für manchen Leser vielleicht unerquicklich sein mag. Und vielleicht gibt es ja einen engagierten Lehrer, der gerade ein positives Pendant schreibt.“

Es wäre schön, wenn es auch andere „Schulgeschichten“ gäbe, in denen engagierte Lehrer, Eltern und Kinder vorkommen. Vielleicht gibt es sie, aber sie werden vermutlich in die hintersten Regale verbannt, da gerade heute die Leute nach solchen Romanen wie diesem hier greifen. Sie fühlen bestätigt, was sie so hören und diskutieren, verdrängen gegebenenfalls ihre eigene, wenig pragmatische und nicht zielorientierte Elternrolle. Ähnliches gilt für die Lehrerinnen und Lehrer. Der Roman hat natürlich seine Berechtigung, es bleibt trotzdem ein ungutes Gefühl.


* * *



Quelle / Video
Noch einmal zum polizeilichem Ausbildungszentrum:
Wir Fachlehrer erleben durchaus, dass es an Lernkompetenzen des öfteren mangelt. Die oben beschriebenen Verhaltensweisen, Auswendiglernen, Minimalismus, Weg des geringsten Aufwandes, sind uns bewusst und bei den Polizeischülern erkennbar. Diese setzen sich zusammen aus 16jährigen Realschülern, Abiturienten und Erwachsenen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Da sind auch Familienmütter und -väter dabei. Zum Glück wirken die  unbedingt notwendigen Eignungsauswahlverfahren (noch). Gleichermaßen erleben wir aber auch das Gegenteil, also Engagement, Interesse und zielorientiertes Lernen. Die allermeisten Lehrkräfte und Fachlehrer sind aber keine Pädagogen. Es lernen Polizisten von Polizisten, was diese von Polizisten gelernt haben.* Es gibt auch in der polizeilichen Ausbildungspraxis eine Menge Nachholebedarf um sich besser auf die Generation Y und Z einzustellen. Man muss die Versäumnisse des bundesdeutschen Schulsystems ja nicht alle wiederholen.


Zum Schluss: Gelegentlich behaupten Buchblogger, dass sie Self Publishing ablehnen, bleiben aber meist die Begründung schuldig, Die Tredition GmbH ist so ein Self Publishing Verlag und dieser Roman der Beweis dafür, dass die Form von Veröffentlichungen auch ihre Berechtigung hat. Schon deswegen freue ich mich, dass mir der Roman angeboten wurde.


► DNB / tredition / 03.2017 / ISBN: 978-3-7345-8215-8 / 291 Seiten

* geschrieben zwischen 1958 und 1982 - Jugendbuch (DDR)
** aus Möllers: Prüfen und Lehren in der Polizei

© KaratekaDD






Dienstag, 2. Mai 2017

BlogPost Nr. 93: Zusammenfassung der Beiträge im April 2017


Osterzeit - Lesezeit? Irgendwie gab es in diesem Monat weniger Beiträge als sonst, dafür aber einen Post über unseren 1000. Beitrag. Ansonsten bot sich hier wieder eine bunte Mischung.





Diesmal gab es zu Beginn des Monats wieder zwei BlogPosts - Nr. 89 bot eine Zusammenfassung unserer Beiträge im März, Nr. 90 zeigte wie üblich unsere Neuerwerbugnen im Vormonat.



Unseren 1000. Post hier im Blog haben wir wieder gemeinsam verfasst, denn schließlich betreiben wir den Blog zu dritt. Ein Rückblick auf Gemeinsamkeiten und unterschiedliche Interessen bietet dieser Beitrag, und es bleibt festzuhalten: wir blicken gespannt den kommenden 1000 Posts entgegen. Es besteht jedenfalls keine Befürchtung, dass uns hier der Stoff ausgehen könnte...


Uwe las ein neues Buch von Sabine Ebert. Doch ehe er darüber einen Post veröffentlichen kann, muss er über die vorher veröffentlichten Romane über Hebamme Marthe und ihren Ritter Christian schreiben, also über die fünfbändige Hebammen-Saga. Nun hat er alle Bücher sogar gehört. Hier geht es zu diesem Post.


Annes erstes Buch war ein Bilderbuch von Colin Thompson: BÜCHER ÖFFNEN WELTEN. Ein tiefgründiges Bilderbuch hat Colin Thompson hier geschaffen, und jede einzelne Seite lädt zum Entdecken ein. Eine überbordende Fantasie kommt hier in den Seiten zutage, und der Titel könnte nicht passender gewählt sein. Ein Buch zum oft-in-die-Hand-Nehmen, denn immer wieder entdeckt man hier Neues. So schön! Anne jedenfalls war ganz begeistert.


EIN FAULER GOTT ist der Debütroman von Stephan Lohse. Er spielt in den 70er-Jahren und beschäftigt sich mit dem 11jährigen Ben und seiner Mutter, die den Verlust von Bens kleinem Bruder verkraften müssen. Als Fazit zog Anne: 'Die Atmosphäre der 70er-Jahre ist gut eingefangen, das Thema Trauer präsent - und doch konnte mich das Buch nicht wirklich berühren.' Weshalb, kann man in ihrer Rezension nachlesen...


Einen unterhaltsamen Krimispaß hat Anne dann mit dem ersten Band der Papst-Krimis gelesen. HALLELUJA! von Johanna Alba & Jan Chorin lässt Paulus II. ermitteln nach einem Anschlag auf seinen ältesten Freund Kardinal Rotondo. Viele mysteriöse Ereignisse täuschen nicht darüber hinweg, dass die Bedrohung näher rückt - der Papst selbst gerät in Gefahr. Klischeehafte aber nette Charaktere führen den Leser durch nicht ernstgemeinte Ermittlungen. Anne jedenfalls freut sich schon auf den Folgeband...


Auch im April verzichtete Anne nicht auf ihre geliebten Hörbücher. Diesmal gab es einen Klassiker von Kurt Tucholsky: SCHLOSS GRIPSHOLM. Die Erzählung dominiert weniger durch Aktionen denn durch inneres Erleben - und das erfordert ein sehr genaues Zuhören, damit hier keine Anspielungen und feine Nuancen verloren gehen. Tucholsky verwebt hier witzige und geistreiche Berliner Dialoge mit plattdeutschen Einsprengseln. Dabei zeigt er sein literarisches Können durch stilistisch ausgefeilte feine Formulierungen scharfer und punktgenauer Beobachtungen - ein gehobenes Stück Literatur.


Dieses Hörbuch ist mal wieder vom KaratekaDD. Ein faszinierender Thriller, der völlig ohne Aufregung von Charles Brauer gelesen wird. Ein Anwalt sitzt im Knast. Unschuldig. Er verrät einen geflohenen Mitinsassen und kommt ins Zeugenschutzprogramm. Da geht es erst richtig los. Und um viel Geld geht es auch. Ein echtes Komplott. Und hier geht es zur Rezension des Romans von John Grisham

Bücher 'Gegen das Vergessen' sind inzwischen fester Bestandteil dieses Blogs und werden immer wieder einmal von uns gelesen und vorgestellt. DER LETZTE ÜBERLEBENDE ist die Schilderung des Erlebens des Holocaust aus der Sicht eines der letzten lebenden Zeitzeugen: Sam Pivnik. Die Schreibweise ist meist recht distanziert, die Schilderungen jedoch schonungslos. Eingebettet ist die persönliche Erzähung Sam Pivniks in die größeren politischen Ereignisse, die zu der jeweils geschilderten Zeit auftraten. So fällt es dem Leser leichter, das Schicksal des Autors in einen größeren Ereigniszusammenhang einzubetten. Allemal lesenswert, befand Anne.


Ein ungewöhnliches Buch für diesen Blog hat Anne dann gelesen - ein Sachbuch, das sich mit dem Thema 'Inklusion' beschäftigt und mit deren Auswirkungen auf Deutschlands Bildungslandschaft. DIE INKLUSIONSFALLE von Michael Felten ist in der Argumentation differenziert und ausgewogen, bezieht aber doch eindeutig Position, um den Schülern von heute und morgen zu ihrem Recht zu verhelfen und damit das Wohl der Kinder wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Ein wichtiges Buch, befindet Anne.


Manchmal ist ein Titel so schräg, dass man zweimal hinschaut - und manchmal bleibt man dann richtig hängen. Anne jedenfalls ging es so mit DIE GRAMMATIK DER RENNPFERDE von Angelika Jodl. Eine leise Geschichte ist dies, eine Erzählung rund um ungewöhnliche Themen, die jedoch wohl das Leben der Autorin selbst berühren. Ein ungewöhnlicher Roman mit leisen Tönen und Charakteren, die sich erst im Laufe der Erzählung nahbarer zeigen - für Anne hat es sich in jedem Fall gelohnt, diesem Buch eine Chance zu geben.



Zu denen, die richtig gute historische Romane schreiben gehört unzweifelhaft Sabine Ebert. Nicht nur Sachsen und unter diesen die Freiberger kennen die fünfbändige Hebammensaga, die im 12. Jahrhundert angesiedelt ist. Nach einem Ausflug in das 19. Jahrhundert und die Schlachten bei Leipzig (1813) und Waterloo (1815) begibt sich die Autorin zu den mittelalterlichen Wurzeln zurück: Sie begibt sich in die Zeit, da Friedrich, ein Staufer und Neffe von König Konrad bis zum Kaiser aufsteigen wird. Barbarossa wird er genannt. Und sie erzählt die Geschichte der Eltern des späteren Ritters Christian von Christiansdorf. Als Dank an die große Zahl ihrer Fans. Ein tolles Hörbuch, gelesen von Gabi Blum. Rezension zu Schwert und Krone - Meister der Täuschung.


Mit hohen Erwartungen ist Anne an das Thrillerdebüt von Melanie Raabe herangegangen. DIE FALLE versprach spannende Hörstunden, doch empfand Anne es letztlich eher als langatmiges Kammerspiel. Mehr Schwachpunkte als gelungene Elemente gab es hier, weshalb es für sie eher eine Enttäuschung war...







Mario Sempf hat "ein staubiges Tuch des Vergessens von alten Akten gezogen". Schon seit einiger Zeit auf der Suche nach Gruseligem in Dresden, hat er nun mit seinem Illustrator im Dresdner Buchverlag das Buch VOM HÄNGEN UND WÜRGEN herausgebracht. Nicht nur das ernste Thema ist verblüffend, ebenso die Art der Vermarktung. Das klingt profan, daher will ich lieber von einer besonderen Art des Geschichtsunterrichts schreiben. Doch seht selbst, ich war mit einem Ritter, einem Scharfrichter und einer geköpften Magd in Dresden unterwegs. Rezension

Montag, 1. Mai 2017

BlogPost Nr. 92: Unsere Neuerwerbungen im April 2017


Viele bunte Ostereier? Hier ist es zwar bunt, aber das liegt eher am Zuwachs in unseren Regalen...







Anne Parden



Bei Lovelybooks wurde ich von der Autorin auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Da mich das Thema interessiert, habe ich mich in der Leserunde um ein Leseexemplar beworben und tatsächlich den Zuschlag bekommen. Ich bin sehr gespannt auf die wohl recht intensive Leserunde...

Als Pia zufällig einen TV Bericht über die Befreiung Rosstals im April 1945 durch die Amerikaner sieht, beginnt sie sich Fragen zustellen nach der Geschichte ihrer Familie und inwieweit dies Einfluss auf ihre eigene Biografie hatte. Sie stößt auf die Tagebücher und andere Dokumente ihrer Ahninnen. Es spannt sich ein Bogen von 1850 von Notburga, der Ururgroßmutter über deren Tochter Maria, die eine Suffragette war, hin zur Oma Cäcilie, die nach Paris ging, zurück kehrte, heiratete und Pias Mutter gebar. Pia reist durch den Wandel der Zeiten, Aufbruch und Niedergang, Beginn des Technologiezeitalters. Sie erfährt, die allmählich veränderte Stellung der Frau von einer rechtlosen, dem unmündigen Kindern gleichgestellten Frau hin zur emanzipierten Frau der heutigen Gesellschaft einerseits. Andererseits gibt es die individuellen Antworten der Protagonistinnen auf ihre persönliche Lage.



Mit verändertem Cover aber immer noch denselben Protagonisten - die Reihe geht in die vierte Runde! Bei Lovelybooks habe ich Band 4 im Rahmen einer Leserunde gewonnen und freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit Jamie, Jemma, Zack, Ned und Will.

Yonderwood – der erste Erlebnispark, der ein LiveAction-Rollenspiel mit Cyberabenteuern verbindet. Klar, dass Jemma, Charlie und die Jungs sich diesen Spaß nicht entgehen lassen, als Will und Ned die Einladung bekommen, gemeinsam mit anderen Spielern die Geheimnisse von Yonderwood zu ergründen. Was ist in dem einsamen Dorf geschehen, dass immer mehr Dorfbewohner die Flucht ergreifen? Warum herrscht über die Vergangenheit eisiges Schweigen? Und was geht in den finsteren Wäldern rund um das Dorf um und verbreitet Angst und Schrecken?
Während die sechs auf Spurensuche gehen und versuchen, den verbliebenen Dorfbewohnern zu helfen, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Cyberwelt. Doch der Spielspaß wendet sich jäh, als plötzlich ein alter Bekannter mit neuen Freunden auftaucht – und sie alle haben noch eine Rechnung mit den sechs offen …



Ebenfalls bei Lovelybooks bewarb ich mich im Rahmen der Aktion 'Sound der Bücher' um ein Exemplar dieses Hörbuchs - und gewann auch hier. Ich bin sehr gespannt, wie mir die locker-ernste Art des Dr. med. Eckart v. Hierschhausen zusagen wird.

Tausend Rezepte - aber keine überzeugenden Erfolge. Gar keine? Deutschlands lustigster Arzt findet die Trüffel der Glücksforschung, das Kuriose, Komische und Menschliche. Endlich spricht einer aus, was keiner wahr haben will: wir sind von Natur aus bestens geeignet, das Glück zu suchen, aber eklatant schlecht darin, zufrieden zu sein. Muss das sein? Wer die evolutionären Webfehler in unseren Wünschen kennt, hat gut Lachen. Ein erfrischend provokanter Perspektivenwechsel auf Finanzkrise, Partnerwahl und Erdbeermarmelade.



Und noch einmal hatte ich Glück bei Lovelybooks im Rahmen einer Leserunde. Ich hatte auch mal wieder Lust auf etwas Locker-Leichtes. Momentan läuft es bei mir wohl...

Nachdem sich Olivias Karriereaussichten in Rauch aufgelöst haben, flüchtet sie sich kurzerhand zu ihrer besten Freundin ins ländliche Vermont. Wo sie nicht nur Unterschlupf und eine Anstellung wider Willen in einem kleinen Landgasthof findet, sondern auch ein neues Zuhause, nach dem sie bislang gar nicht gesucht hatte. Doch bevor Olivia selbst erkennt, wohin ihr Herz gehört, muss sie sich mit der kauzigen Lokalbevolkerung anfreunden – und das Geheimnis um den besten Apple Pie lüften. Und nicht zuletzt die Gunst einer eigensinnigen alten Dame erobern, unter deren rauer Schale mehr verborgen liegt, als Olivia ahnen kann …









KaratekaDD


Zu denen, die richtig gute historische Romane schreiben gehört unzweifelhaft Sabine Ebert. Nicht nur Sachsen und unter diesen die Freiberger kennen die fünfbändige Hebammensaga, die im 12. Jahrhundert angesiedelt ist. Nach einem Ausflug in das 19. Jahrhundert und die Schlachten bei Leipzig (1813) und Waterloo (1815) begibt sich die Autorin zu den mittelalterlichen Wurzeln zurück: Sie begibt sich in die Zeit, da Friedrich, ein Staufer und Neffe von König Konrad bis zum Kaiser aufsteigen wird. Barbarossa wird er genannt. Und sie erzählt die Geschichte der Eltern des späteren Ritters Christian von Christiansdorf. Als Dank an die große Zahl ihrer Fans.
Schwert und Krone  - Meister der Täuschung ist Teil 1 einer mehrbändigen Reihe. Die Rezension ist auch schon fertig.


Vom Hängen und Würgen erzählt die Geschichte der Scharfrichterei. Johann Melchior Wahl persönlich, Scharfrichter zu Dresden führt den Leser zu grausigen Methoden der Durchsetzung fragwürdigen Rechts.
Mario Sempf, experimenteller Archäologe hat sich durch diverse historische Überlieferungen gekämpft und erzählt anhand allerlei gruseliger Verfahren und Urteile vom sächsischen Recht und anderem. Thomas Zahn hat das Buch illustriert. Hier gibt es auch schon die Rezension.

"Ein Schulroman voller wunderbar böser Beobachtungen. Eine Geschichte über erschöpfte Schüler, verzweifelte Mütter und ratlose Lehrer." Ein Roman von Susanne Giebeler. "Am Gymnasium ringt die akademische Mittelschicht um ihren Status, schickt ihre Kinder ins Rennen..."








TinSoldier

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