Donnerstag, 6. Februar 2014

Zweig, Stefan: Sternstunden der Menschheit



"Immer müssen Millionen müßiger Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit in Erscheinung tritt."
(Stefan Zweig)

Eine Rezension von TinSoldier



Es ist schon eine Zeitlang her, dass ich, ausgelöst durch die Lektüre des wirklich hervorragenden Buches 1812 - Napoleons Feldzug in Russland  von Adam Zamoyski (meine Rezension dieses Buches findet sich hierein starkes Interesse für die Napoleonische Ära und für die napoleonischen Kriege entwickelt habe. Bei der Suche nach Literatur zu diesen Themen stieß ich bei einem meiner virtuellen Streifzüge durch das Bücherangebot bei

In der berühmten Schlacht bei Waterloo
entschied sich Napoleons Schicksal
Amazon u.a. auf das hier vorgestellte Büchlein Sternstunden der Menschheit von Stefan Zweigweil darin eine sehr interessante und spannende Darstellung der Schlacht bei Belle Alliance, heute besser bekannt unter der Bezeichnung Schlacht bei Waterloo, enthalten ist.

Das Buch ist eine Zusammenstellung von Kurztexten des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig und enthält 14 Miniaturen zu ebenso vielen "Sternstunden der Menschheit".
Der Begriff Miniatur bezeichnet auf die Literatur bezogen laut Wikipedia "die kleine Form in der Literatur und beim Theater". Die Bezeichnung ist der Malerei entlehnt, wo man ein kleinformatiges Bild ebenfalls als Miniatur bezeichnet. 
Es handelt sich mithin um kurze Prosatexte, die höchstens 30 Seiten, im Schnitt jedoch eher weniger, umfassen. Zweig zeichnet hier in einer äußerst ansprechenden Form, in wirklich schöner Sprache und historisch korrekt bedeutende Ereignisse der Menschheitsgeschichte nach.
Wer sich zur Lektüre entschließt, den oder die erwartet ein entspanntes Leseerlebnis, das zugleich lehrreich aber an keiner Stelle anstrengend, anspruchvoll aber nicht überfordernd und zudem von erfrischender Kürze ist. Ihn erwartet zugleich ein kleines Werk schöner Literatur!   
Die gewählte Form der Miniatur lässt keinen Raum für Längen und ist auch für Leser, deren Interesse an Geschichte, nun, sagen wir begrenzt ist, lesbar, denn, und das ist das Schöne daran: Der Autor möchte uns keinen Geschichtsunterricht erteilen, sondern uns besonder seltene und kostbare Momente der Menschheitsgeschichte vor Augen führen, die Einzigartiges, die Großes hervorbrachten!

Nunez de Balboa




In Flucht in die Unsterblichkeit - 
Die Entdeckung des Pazifischen 
Ozeans - 25. September 1513 
erzählt uns der Autor die Geschichte 
des Nunez de Balboa.




Die Eroberung von Byzanz - 29. Mai 1453 berichtet uns von dem Tag, an dem der türkische Sultan Mahomed die Hauptstadt des byzantinischen Reiches eroberte.

Georg Friedrich Händels Auferstehung - 21. August 1741 erzählt von der Entstehung eines musikalischen Meisterwerkes in einem Anfall von fiebernder Schaffenskraft des Meisters.


Claude Joseph Rouget de Lisle
In Das Genie einer Nacht - Die Marseillaise, 25. April 1792 werden wir gleichsam Zeuge der unglaublichen Geschichte, wie ein  gewöhnlicher Hauptmann der französischen Rheinarmee für eine einzige Nacht seines Lebens vom Genius berührt wird und die Marseillaise schreibt. Diese eine Nacht gebar sicherlich eine Sternstunde der Menschheit!




Marschall Grouchy
traf eine folgen-
schwere Entscheidung



Die Weltminute von Waterloo - 
Napoleon, 18. Juni 1815 
gibt uns Zeugnis davon, dass 
eine einzige Sekunde über den 
Gang der Weltgeschichte entscheiden 
kann!




Die Marienbader Elegie - Goethe zwischen Karlsbad und Weimar, 
05. September 1823 schildert, wie der Meister die Qualen einer späten Liebe während einer Kutschfahrt in geniale Verse gießt.

J.A. Suter



Die Entdeckung Eldorados - 
J.A. Suter, Kalifornien, Januar 1848 
berichtet uns vom Goldrausch in 
Kalifornien und von einem 
unglaublichen Schicksal.




Heroischer Augenblick - Dostojewski, Petersburg, Semenowskplatz,
22. Dezember 1849.
Dieser Text behandelt die Begnadigung Dostojewskis und ist einer von zwei Texten, die in Versform stehen.

Cyrus W. Field1819 - 1892
Das erste Wort über den Ozean - 
Cyrus W. Field, 28. Juli 1858 
erzählt die Geschichte von der 
Pionierleistung der Verlegung des 
ersten Transatlantikkabels und von 
dem Mann, der dem die Menschheit 
diese Leistung zu verdanken hat.





Die Flucht zu Gott - Ende Oktober 1910, Ein Epilog zu Leo Tolstois unvollendetem Drama "Und das Licht scheinet in der Finsternis" würdigt Tolstois unvollendetes Werk.


Der Kampf um den Südpol - Kapitän Scott, 90. Breitengrad, 16. Januar 1912
"Traurig stecken sie die englische Flagge, den zu spät gekommenen Union Jack, neben Amundsens Siegeszeichen. Dann verlassen sie den treulosen Ort ihres Ehrgeizes, kalt fährt der Wind ihnen nach. Mit prophetischem Argwohn schreibt Scott in sein Tagebuch: Mir graut vor dem Rückweg."

Der versiegelte Zug - Lenin, 09. April 1917 erzählt die Geschichte von dem Beginn des Unheils, das ein Mann namens Lenin über die Welt zu bringen half.

Cicero 


Cicero
3. Januar 106 v. Chr. † 7. Dezember 43 v. Chr. 

Cicero hielt seine Begleiter, die ihn 
schützen wollten zurück und 
"unbewaffnet und ohne Widerstand
bietet er sein greises Haupt den 
Mördern mit den wohlüberlegten
Worten dar:
Non ignoravi me mortalem genuisse
(Ich habe immer gewußt, dass ich 
sterblich bin)".



Wilson versagt

Woodrow Wilson

1918 - im "Friedenskongress von Versailles" konnte er seine weitsichtigen Ideen für einen dauerhaften Frieden nicht durchsetzen, sondern beugte sich den von revanchistischen Motiven dominierten Forderungen der Ententestaaten.







Soweit also die Sternstunden, die uns Stefan Zweig in 14 Miniaturen vorstellt.
Das Buch ist eine klare Empfehlung!



Sternstunden der Menscheit
Stefan Zweig
Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1983
ISBN 3-596-20595-6

DNB


Copyright: TinSoldier










Mittwoch, 5. Februar 2014

LWH: Heimkehr zu den Dakota

Krieger schauen in die Sonne

Meine Rezension zum 4. Band der sechsbändigen Ausgabe von

DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRINErstausgabe
Liselotte Welskopf-Henrich

Band 1: Harka - Der Sohn des Häuptlings
Band 2: Der Weg in die Verbannung
Band 3: Die Höhle in den schwarzen Bergen
Band 4: Heimkehr zu den Dakota
Band 5: Der junge Häuptling
Band 6: Über den Missouri 


Der ►Eulenspiegelverlag hat die sechs Bände wohlwollend als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Links ist das Cover der schönen Hardcoverausgabe zu sehen. Schön ist auch, dass auf dem Buchdeckel der Gesamttitel genannt wird, denn um die BÄRENSÖHNE handelt es sich ja.

 * * *

Nacht ist es in der Prärie. Ein Mann, etwas über vierzig Sommer hat er gesehen, pflegt seinen knapp zwanzig Jahre alten Sohn. Der sollte eigentlich in einem Tipi auf den Decken liegen, Büffelbrühe trinken und zum Beispiel von Sitopanaki, die ihn liebt, gepflegt werden. Doch auch die Zeit bei den Siksikau scheint vorüber. Stein mit Hörnern ist durch den Sonnentanz gegangen. Es ist erst wenige Stunden her, da er sich mit letzter Kraft in der Sternennacht vom Riemen befreite. Der Geheimnismann hatte ihm geraten, das Opfer nicht zu bringen. Denn in den Strahlen der Sonne gefangen sterben die Lügner. Ist der junge Krieger ein Dakota? Ist er ein Siksikau? Harka Steinhart Nachtauge, nun als Krieger Stein mit Hörnern, antwortete nicht. So schnitt der Geheimnismann tiefer in die Brust des Indianers und er war nicht gewillt, den Riemen vom Pfahl zu lösen, als es schien, dass der Krieger sich in seiner Erschöpfung nicht mehr selbst befreien konnte…
Mattotaupa sitzt bei ihm. Der Vater ist zu den Zelten der Siksikau geritten, obwohl er dort seinen Todfeind traf, den obersten Kriegshäuptling bei den Dakota, Tashunka-witko.
Wenige Worte wechselt er mit seinem Sohn, dem ausgezeichneten Krieger, der ihm vorwirft, dem Verbrecher Red Jim nicht nur zu folgen sondern auch mit ihm und anderen Brandy zu trinken.
Nun ist die schöne Zeit im Zeltdorf der Siksikau für Stein mit Hörnern vorbei. Wieder sind sie ausgestoßen. Der Vater pflegt seinen fiebernden Sohn.

Tage später. Vater und Sohn trennen sich. Der ehemalige Häuptling reitet zum Blockhaus am Fluss Niobrara. Den Sohn treibt es in die Schwarzen Berge, dort will er Goldsucher finden und töten.

Bald muss Mattotaupa sehen, dass sein "Bruder" Jim doch Gold sucht. Er sieht plötzlich auch, dass er das Geheimnis seiner Väter zumindest teilweise verraten hat…
Mattotaupa muss sterben.
Und Stein mit Hörnern?         
Heimkehr zu den Dakota…

* * *
Als der Eisenbahnbau, die Union Pacific, zu Beginn des vierten Bandes der Bärensöhne, beendet ist verlässt Harka die weißen Männer. Er kehrt zu den Siksikau und zu seinem Blutsbruder Stark wie ein Hirsch zurück. Er kommt, für einen Burschen recht ungewöhnlich, mit einer Kette aus Bärenkrallen und Bärenzähnen zurück. Mit "Kugel und Messer" rettete er ein kleines Mädchen aus dem Stamme der ► ABSAROKA vor dem Grizzly, der sie verfolgte.
Eine unbeschwerte Zeit liegt vor ihm. Elch- und Büffeljagd, die drei Tage fasten und träumen auf dem Weg zum Krieger, der unglaublich starke Falbhengst, den die beiden jungen Krieger Donner vom Berge und Stein mit Hörnern fangen und zähmen.[1]

Osceola (Quelle)
Beide sollen durch den Sonnentanz. Dieser soll mit anderen Stämmen gefeiert werden.

Auch Dakota und Assiniboine kommen zu diesem Kultfest. Aber noch sind die Stämme einander feind. Stein mit Hörnern trägt den Wampungürtel des Seminolenhäuptlings ► OSCEOLA. Die Botschaft darauf kann er aber noch nicht weiter geben, sie wird nicht verstanden. Und so kommt es zu der Handlung des Geheimnismannes der Schwarzfüße, welcher sie erkennt, aber noch nicht bereit ist, alle Stämme als gleich anzusehen.



Into the West (Teil 1) Szenenfoto
Der Sonnentanz ist ein Kulttanz, der in den Stämmen verschiedenartig veranstaltet wird. Im Fall der beiden Blutsbrüder sollen beide gemeinsam einen Tag lang in die Sonne schauen. Der Geheimnismann macht in die linke und rechte Brust je zwei Längsschnitte und schiebt ein Holzstückchen oder Knochen durch die Schnitte. Daran werden Riemen befestigt, die an einem Pfahl angebracht sind. Die Tänzer folgen dem Lauf der Sonne. Im Sonnenuntergang beginnen sie zu tanzen und werfen sich zurück bis das Fleisch reißt. Schafft dies einmal ein Tänzer nicht, dann darf der Geheimnismann den Riemen am Pfahl lösen und der Tänzer wird hinter einem Pferd her geschleift. Hilfsbereite Knaben springen ihm auf den Rücken, damit er von der Tortour befreit wird. [2]. Das wird so ähnlich sein, wie das dreitägige vollständige Fasten, die Träume bescheren den zukünftigen Kriegern ihre Krieger- oder Männernamen. Stein mit Hörnen, der von einer Muschel, die er besitzt träumt und die im Traum zu Stein wird und Büffelhörner aufweist. 

Into the West (Teil 1) Szenenfoto
So beschreibt dies Liselotte Welskopf-Henrich in ihrem Roman. Bei Wikipedia steht, dass diese Zeremonie bis zu vier Tagen dauern konnte, ohne Essen und Trinken aber mit Pausen (?). dies würde ich in das Reich der Legende verweisen wollen. Vermutlich geht es um die Visionen, vielleicht trifft es der Begriff Halluzinationen besser, welche den Tänzern z.B. geben[2]. Das wird so ähnlich sein, wie das dreitägige vollständige Fasten, die Träume bescheren den zukünftigen Kriegern ihre Krieger- oder Männernamen. Stein mit Hörnen, der von einer Muschel, die er besitzt träumt und die im Traum zu Stein wird und Büffelhörner aufweist.

In der schon mehrfach erwähnten US-Miniserie INTO THE WEST geht DER DEN DIE BÜFFEL LIEBEN durch den Sonnentanz[3]. Die Darstellung entspricht ziemlich genau der Schilderung in den BÄRENSÖHNEN.
* * *
Quelle
Der Bau der Eisenbahnen ist ein Bild für den nun endgültigen Anfang vom Ende der freilebenden Prärie Indianern. Über den hatte ich schon einmal geschrieben in DIE HÖHLE IN DEN SCHWARZEN BERGEN. Mit den Eisenbahnen und dem professionellen Abbau von Bodenschätzen ist es mit manchen Jobs für die einfachen weißen Männer und ausgestoßene Indianer vorbei. 

In INTO THE WEST kommt die Szene vor, in der Jabob jr. WHEELER seinen Job als Kurierreiter verliert, da neben den Bahntrassen eine andere Erfindung verläuft. Die Telegrafie. So wie Menschen, Baumaterial und Bodenschätze durch die sich immer mehr verzweigenden Bahnen von Ost nach West und überhaupt in alle Himmelsrichtungen transportiert werden können, kommen Telegramme noch viel schneller am Ziele an. Verzweifelte Männer, aber auch Berufsverbrecher wie der goldsuchende Red Fox, stören den Zugverkehr und rauben zuweilen die Fahrgäste aus. Mattotaupa, ebenso allein, schließt sich solchen Gangs an, so sagt er es zumindest zu seinem Sohn. Er will gegen das "Feuerroß" kämpfen.

Stein mit Hörnern aber teilt den in den ► Schwarzen Bergen lebenden Dakota-Gruppen mit, dass er keine Indianer, sonder Goldsucher jagen will. Sie lassen ihn dies tun. Doch der rote Jim geht ihm wieder nicht in die Falle.
* * *
Quelle
Den Bau eines Teilabschnittes des ► Union Pacific behandelt Liselotte Welskopf-Henrich in Band 3 der BÄRENSÖHNE. Wie lief das ab im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (und damals waren sie wahrlich unbegrenzt)?
Welskopf-Henrich in Band 3 der
Quelle
In Nebraska hatte das Unternehmen die Strecke begonnen und führte sie nach Westen. Zwölf Millionen Acres[4] Land kostenlos erhalten und dazu 27 Millionen US-Dollar in Bundesanleihen. Zwanzigtausend Arbeiter[5], Kriegsveteranen und irische Einwanderer verlegten täglich acht Kilometer Schienen und starben zu Hunderten an Hitze; Kälte und durch angreifende Indianer, insbesondere, wenn diese merkten, dass die noch vorhandenen Büffelherden bzw. die Jagdgründe der Stämme immer mehr dezimiert wurden. Der Eisenbahnbau war vor allem auf Profit ausgelegt. Es wurden extra die Streckenführungen verlängert um Subventionen von den nun tangierten Städten zu erhalten. Die ► Central Pacific bezahlte 79 Millionen Dollar und damit 36 Millionen zuviel an eine ihr selbst gehörende Baufirma. Urkapitalismus. Bei solchen "profitablen" Möglichkeiten wurde natürlich auf die Belange der indigenen Bevölkerung überhaupt nicht abgestellt. Im Jahre 1969 wurden die Strecken zusammengeführt.[6] Dies ist in etwa die Zeit, in die uns die Autorin im dritten Band führt.
* * *
Heimatdorf (Szenenfoto)
HEIMKEHR ZU DEN DAKOTA heißt der Band und trägt damit das Ende des Buches, aber nicht der Geschichte, schon im Titel mit sich. Stein mit Hörnern wendet sich der eigenen Stammesgruppe wieder zu. Er hat seinen Vater sterben sehen und weiß nun auch, dass Mattotaupa teile seines eigenen Goldgeheimnisses preisgegeben haben muss. Im Angesicht des Todes muss der ehemalige Häuptling diese seine Schuld begreifen. Wie wird der Sohn eines Verräters aufgenommen werden?
Hat er doch seinen jüngeren Bruder vor vielen Jahren töten müssen und noch vor wenigen Jahren die Krieger mit einer Kriegspfeife im Kampf in die Irre geführt, als sie unter Führung Tashunka - witkos die Bahnstation angreifen wollten.[7] Die gefallenen Krieger hatte er dann selbst mit vom Kampffeld getragen; die Weißen sollten seine ehemaligen Gefährten nicht skalpieren können. So wird er selbst zum Verräter nach allen Seiten.
Da der nächste Band DER JUNGE HÄUPTLING heißt, braucht hier nicht erwähnt zu werden, wie die Geschichte ausgeht…
* * *
Den größten Teil dieses Bandes habe ich allerdings gehört. Das Hörbuch ist inzwischen dank des führenden Buchgesichtes auch in meinen Besitz gelangt. Wie so oft, sind die Texte gekürzt und im Fall des hier besprochenen Bandes fiel das sogar deswegen auf, weil der Text wegen starker Kürzung sogar geändert wurde. Leider. Aber das Hören verkürzt Autofahrten. Das ist schon mal gut. Gesprochen werden die Bücher von einem ► Jesko DÖRING. Dieser hat viele Hörbücher unterschiedlichster Themen gelesen.  Er ist Puppenspieler, Sänger und mehr.
* * *

Szenenbild
Ein kleines Post scriptum: Vielleicht im Jahre 1972 hat der kleine KaratekaDD, der noch lange nicht ein KaratekaDD war, das dicke Buch TOP UND HARRY gelesen. Es war in Holzau, einem Dorf im Erzgebirge. Es war Winter und seine Familie im Urlaub. Zwei Dinge sind mir in Erinnerung geblieben. Vaters schwerer Skistiefel im Gesicht, als wir mit dem Schlitten umkippten. Und die Szene, in der Red Fox dem großen Mattotaupa das Messer in das Herz sticht. Und die Tränen in beiden Fällen.



* * *
►  Heimkehr zu den Dakota, Eulenspiegel 2012 - DNB



© KaratekaDD


[1] siehe auch: http://litterae-artesque.blogspot.de/2013/05/fur-liselotte-welskopf-henrich.html , hier wird ein wenig über die Mustangs erzählt und eine Geschichte erzählt über die Harka in den Stunden des Fastens zurück denkt.
[3] Eine weitere Art, bei der der Sonnentänzer an den Riemen in der Brust aufgehängt wird, kann man in DER MANN DEN SIE PFERD NANNTEN (Teil 2) sehen. Allerdings ist der Film, im Gegensatz zum ersten Teil nicht unbedingt zu empfehlen.
[4] Ein Acre = 4047 m2
[5] Bei der Central Pacific waren es dreitausend Iren und zehntausend Chinesen, die für zwei Dollar pro Tag vier Jahre lang arbeiteten.
[6] vgl. Zinn, Howard: Eine Geschichte des Amerikanischen Volkes, Nikol Verlag, Hamburg 2013, Seite 249, ein Buch, von dem noch die Rede sein wird in diesem Blog
[7] zu Beginn des Bandes "Heimkehr zu den Dakota"









Dienstag, 4. Februar 2014

Eco, Umberto: Baudolino


Eine Rezension von TinSoldier

Phantasievoll, farbenreich, schillernd: 

So erzählt uns Umberto Eco in seinem prallen Erzählstil die phantastisch - abenteurliche Geschichte des piemonteser Bauernjungen Baudolino, dabei gleichenteils
aus seiner überreichen Fabulierkunst und der nicht minder phantastischen Historie schöpfend. 
So breitet Eco eine wundersame Geschichte vor uns aus, die in der italienischen Provinz Piemont ihren Anfang nimmt und in der die glitzernden Fäden von Mythos, Phantasie und Historie zu einem kunstvollen Stoff verwoben sind, dessen farbenfrohe Details vor dem geistigen Auge des Lesers zu einem sinnverwirrenden Muster verschmelzen. 
Wir sind gezwungen, im Geiste gleichsam einige Schritte zurück zu treten, weil unsere Sinne nur aus imaginärer Distanz vermögen, das Bild in diesem Muster zu erkennen!
Dies ist um so notwendiger, als sich der Autor nach Kräften bemüht hat, vor unseren Augen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion nachhaltig zu verwischen, ja, er sich darin geradezu einen Wettstreit mit seinem Titelhelden, dem begnadeten Lügengeschichtenerzähler Baudolino, liefert. Fällt es uns dort, wo Baudolino auf der Suche nach dem sagenhaften Reich des Priesterkönigs Johannes im Morgenland gleichsam in eine mittelalterliche Fabelwelt voller bizarrer Fabelwesen eintaucht, noch relativ leicht, Realität und Imagination zu unterscheiden, so fällt diese Unterscheidung in Bezug auf subtilere Aspekte der Geschichte hingegen ziemlich schwer.  
Wir wissen uns daher nun nicht anders zu helfen, als Baudolinos Geschichte Schicht um Schicht so lange zu entkleiden, bis der unter sinnverwirrenden Mustern und fabelhaftem Beiwerk verborgene, nackte Plot  sichtbar wird: 


Scheherazade
Baudolino, Sohn armer Bauern aus dem Piemont, ist bereits mit 12 oder 13 Jahren ein kleiner Meister im Erfinden phantasievoller Geschichten, die mit der Wahrheit oft so viel zu tun haben wie die orientalischen Märchen Scheherezades aus Tausendundeiner Nacht.
Im Jahre 1154 begegnet dieser Geistesverwandte von Scheherazade nun wunderbarerweise dem Stauferkaiser Friedrich I., von der Nachwelt auch Kaiser Barbarossa (Kaiser Rotbart) genannt, der sich in der nebligen Poebene verirrt hat. Der Kaiser übernachtet in der Bauernhütte und wird von Baudolino am nächsten Morgen zurück zu seiner Entourage geführt. Aus Dankbarkeit und fasziniert von dessen angeborener Fabulierkunst adoptiert ihn Barbarossa und nimmt ihn mit sich nach Rom zur Kaiserkrönung.

Aber gemach!


Gehen wir zunächst an den Anfang des Buches, welcher sogleich das Ende der Geschichte ist:



Byzanz, Konstantinopel, Istanbul: Im Lauf ihrer bewegten Geschichte wechselte
die Stadt am "Goldenen Horn"  mehrfach ihren Namen
Im April 1204 eroberten die Kreuzfahrer des 
Die Eroberung Konstantinopels durch
die Osmanen im Jahre 1453
4. Kreuzzuges Konstantinopel, damals die Hauptstadt des römischen Ostreiches und Konkurrentin des mächtigen Venedig im Wettstreit um wirtschaftliche und machtpolitische Interessen.  
Der mittlerweile über 60-jährige Baudolino erlebt hier voller Entsetzen die Brandschatzungen und Plünderungen sowie das Massaker an den Einwohnern Konstantinopels durch die Ritter des Vierten Kreuzzuges. Gemeinsam mit dem byzantinischen Beamten und Historiker Niketas Choniates, dem er in den Ruinen das Leben gerettet hat, blickt er drei Tage lang auf das brennende Byzanz und erzählt ihm dabei seine unglaubliche Lebensgeschichte.
Stefan Zweig:
Sternstunden der Menschheit
Eine Rezension findet sich

hier
Die Eroberung Konstantinopels durch die Ritter des Vierten Kreuzzuges war der Anfang vom Ende der sagenumwobenen Stadt als Hauptstadt des byzantinischen Reiches: 

Bis zu ihrer Eroberung durch die Osmanen im Jahre 1453 sollte sie davon nicht mehr genesen. 

Doch dies ist eine andere Geschichte, von der 
Stefan Zweig in seinem Buch "Sternstunden der Menschheit" dem interessierten Leser einen sehr plastischen und spannenden Bericht gibt. 

Doch zurück zu Baudolino:


Dieser erlebt in Rom die Krönung Barbarossas zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches und wird in den kommenden Jahren in Regensburg durch den Bischof Otto von Freising erzogen. Hier erfährt Baudolino die Prägungen, die sein späteres Leben bestimmen sollen, wozu seine spätere lebenslange

Büste von Kaiser Friedrich I. gen. Barbarossa

Suche nach dem Reich des sagenhaften Priesterkönigs Johannes zählt.

Seine Studienjahre verbringt Baudolino in Paris, wo er sich mit einem deutschen Rittersohn, den alle nur "Poet" nennen, Abdul, einem Morgenländer, einem Franzosen namens Kyot, dem jüdischen Rabbi Salomon und mit Boron, einem fahrenden Scholaren, anfreundet.
Gemeinsam kultivieren die sechs Freunde ihre Fähigkeit im Erfinden von Lügengeschichten. Diese Freunde werden ihn später an den Hof des Stauferkaisers Barabarossa begleiten. Hier entwickelt sich Baudolino im Laufe der Zeit zum engen Vertrauten und Ratgeber seines geliebten Gönners und Kaisers. Er mischt mit bei weltpolitischen Entscheidungen und "beschafft" nebenbei Reliquien, so auch die
Dreikönigsschrein
Gebeine der Heiligen Drei Könige, deren Überführung in den Kölner Dom er im Jahre 1164 mit seinen Freunden organisiert.


Auch hier wieder mischen sich bei Eco Wahrheit und Fiktion, denn der historischen Überlieferung zufolge wurden die Gebeine nach der Eroberung Mailands durch Kaiser Barabarossa dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel als Geschenk übergeben. So gelangten die Reliquien in den Kölner Dom, wo sie bis heute im "Dreikönigsschrein" aufbewahrt und verehrt werden.

Aber auch an anderer Stelle halfen  Baudolino und seine fünf Gefährten der Geschichte nach, um das Ansehen und die Macht Barabarossas, u.a. gegenüber dem Papst in Rom, zu stärken - z.B. indem sie einen Brief des sagenhaften Priesterkönigs Johannes, der angeblich über Indien herrschte, an Friedrich I. Barbarossa fingierten. Mit dieser Fälschung lösen die Freunde ungeahnte politische Verwicklungen aus.

Übrigens hat es diesen mysteriösen Brief tatsächlich gegeben, nur ist der wahre Urheber unbekannt. 

Unterdessen bricht Kaiser Barabarossa 1189 an der
Der Fluß Saleph heißt heutzutage
Göksu (Blaues Wasser) und liegt in der
östlichen Türkei
Spitze seiner Kreuzfahrer zum Dritten Kreuzzug auf, stirbt jedoch noch vor Erreichen des Morgenlandes 
am 10. Juni 1190 einen mysteriösen TodIn den Erinnerungen Baudolinos liest sich der Tod des Kaisers hingegen anders als in der historischen Überlieferung, wonach der Kaiser in dem Fluß Saleph (heute Göksu) in der heutigen Türkei ertrinkt. Für Baudolino aber findet der rätselhafte Tod des Kaisers seine mögliche Erklärung erst am Ende seiner Geschichte.
 Kaiser Barbarossa erwacht im Kyffhäuser
aus dem vielhundertjährigen Schlaf
In späteren Jahrhunderten wird die Geschichte um den Tod Barabarossas romantisiert und insbesondere im 19. Jahrhundert zum Nationalmythos hochstilisiert. Der Sage nach  schläft der Kaiser im Kyffhäusergebirge mit seinem Gefolge, um eines Tages zu erwachen und das Reich zu neuer Größe zu führen.

Baudolino und seine Freunde kehren nach dem Tod des Kaisers nicht um, sondern begeben sich vom Morgenland aus auf eine lange und gefahrvolle Reise in Richtung Osten, um das Reich des legendären Priesterkönigs Johannes zu finden. Hierbei durchreisen sie ferne und unbekannte Gegenden, in denen sie zahlreichen phantastischen Gestalten und Fabelwesen der mittelalterlichen Mythologie begegnen. Hier verliebt sich Baudolino in der Stadt Pndapetzim unsterblich in eine feenhafte Frau namens Hypatia, deren Name wohl nicht zufällig in Anlehnung an jene  Philosophin und Mathematikerin der Spätantike ausgewählt ist, die ca. 415 n.Chr. in Alexandria von wütenden Christen in eine Kirche gezerrt und bestialisch getötet wurde. 
Als die Stadt von den Horden der "weißen Hunnen"
Der Vogel Roch zerstört das Schiff
Sindbads des Seefahrers
überrannt wird, können Baudolino und einige seiner verbliebenen Gefährten fliehen und fliegen mit drei Vögeln Roch, Fabelwesen aus den Erzählungen von Tausendundeiner Nacht, nach Konstantinopel zurück, wo bereits die Kreuzfahrer des Vierten Kreuzzuges eingetroffen sind und sich anschicken, die Stadt zu erobern.

Hier schließt sich der Kreis:
Baudolini rettet den byzantinischen Gelehrten Niketas Choniates an der Hagia Sophia vor der wütenden Soldateska des Kreuzfahrerheeres und erzählt diesem
Hagia Sophia
im brennenden Konstantinopel drei Tage lang seine Lebensgeschichte, bevor beide nach Selymbria, also in den (heutigen) europäischen Teil der Stadt, fliehen. 

Hier kommt es zum "Showdown", als er den Mörder Barbarossas sowie dessen Motive entlarvt und zur Rechenschaft zieht. Schließlich leistet Baudolino ein Jahr lang eine selbstauferlegte Buße als Einsiedler und Säulenheiliger in Selymbria, um seine Mitverantwortung am Tode Barbarossas zu sühnen.
Am Ende nimmt er auf immer Abschied von seinem Freund Niketas Choniates und begibt sich, von Sehnsucht getrieben, erneut auf den Weg in den fernen Osten, um nach seiner geliebten Hypatia zu suchen:

"Es war nichts zu machen. Am nächsten Tag umarmte Baudolino Niketas und seine ganze Familie, auch seine Gastgeber, stieg mit einiger Mühe auf sein Pferd, das hochbeladene Maultier am Zügel und das Schwert am Sattel, und ritt los.
Niketas sah ihn in der Ferne entschwinden, die Hand noch winkend erhoben, doch ohne sich noch einmal umzudrehen, unbeirrt unterwegs zum Reich des Priesters Johannes."

Zugegeben: 
Meine eher nüchterne Kurzfassung der Handlung des Buches lässt viele Details und Nuancen der Geschichte aus und ist somit allerhöchstens geeignet, demjenigen, der sich mit dem Gedanken trägt, diesen opulenten historischen Roman aus der Zeit des Mittelalters zu lesen, einen groben Überblick über die Handlung zu verschaffen, die ihn erwartet. 
Eco hat in Baudolino eine einzigartige Verschmelzung von historischem Hintergrund und  Phantasiewelt, von Realität und Fiktion geschaffen, die unglaublich reich an Tiefgründigkeit und Symbolgehalt, an Schönheit und Fabulierkunst, aber zugleich auch psychologische stimmig und kurzweilig ist. 
Umberto Eco
Im Laufe der Geschichte verliert sich der Leser, jedenfalls ging es mir so, geradezu in diesem üppigen Geflecht, diesem dicht begrünten Urwald von einer Geschichte über eine Welt, die Welt des Mittelalters, die mir mit ihren Mythen und Gebräuchen so fremdartig und seltsam erschien wie weiland Guliver das sagenhafte Land Liliput.
Umberto Eco ist zweifellos ein Autor, der sich in der Historie so sicher und elegant bewegt wie ein Delphin im Meer und bereits nach kurzer Zeit wußte ich kaum noch zu unterscheiden, ob es Baudolino oder Eco war, dessen Fabulierkunst mich fesselte.
Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich dieses Buch las, doch als ich in Vorbereitung dieser Rezension das eine oder andere Kapitel nochmal überflogen habe, stellte ich fest, dass es darin eine unglaubliche Fülle von Details gab, die meinem Gedächtnis bereits entschwunden waren. Mag der geneigte Leser nun an meinem Gedächtnis zweifeln so wage ich dennoch meinerseits die Rechtfertigung, dass es (auch) an der geradezu sagenhaften Detailfülle des Romans und sicher auch zu einem nicht unbeträchtlichen Teil am Anspruch liegt, den dieser an die Konzentration des Lesers sowie auch an seine Bereitschaft stellt, sich ggf. über sein Schulwissen hinaus mit (religions-) geschichtlichen und philosophischen Details auseinander zu setzen.
Um hier keine Mißverständnisse zu wecken:
Baudolino ist ein hervorragendes und absolut zu empfehlendes Buch. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass  dieser Roman alles andere als eine einfache Lektüre ist, der auch, ja man kann es sagen, ohne den Wert des Buches zu schmälern, durchaus in manchen Kapitel seine "Längen" aufweist. 
So kann ich meine Mitrezensentin Parden verstehen, die am Ende ihrer Rezension des "Baudolino" zu folgendem Ergebnis kommt:

"Ausschweifend, langatmig, detailverliebt, ermüdend. Das ist leider das Fazit am Ende der über 600 engbeschriebenen Seiten.
Eco mag ein hervorragender Essayist sein - als Roman ist diese Kunst jedoch nicht zu empfehlen. Hier war es echt des Guten zu viel!"


Und so muss man auch diese Meinung, die ich entschieden nicht teile, über das Werk erwähnen, um dem potentiellen Leser ein ausgewogenes Bild zu geben: 
Was des Einen Lust, ist des Ander´n Frust!
Und so wollen wir es halten, indem wir dem Leser das letzte Wort in dieser Sache überlassen. 


Eco, Umberto

Baudolino
Carl Hanser Verlag München Wien 2001
DNB



©TinSoldier





Sonntag, 2. Februar 2014

Langer, Siegfried: Leide!


Jemand ist hinter dir her.
Er will dich leiden sehen.

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Observierungen untreuer Ehemänner und Kaufhausüberwachungen sind die Hauptgeschäftsfelder der Privatdetektivin Sabrina Lampe.
Auch der Auftrag einer schrulligen, alten Nachbarin sieht zunächst sehr nach Routine aus.
Doch im Zuge ihrer Recherchen wird Sabrina Teil eines grausamen Spiels, dessen Ursachen weit in der Vergangenheit liegen.

Ihr teuflischer Kontrahent zwingt Sabrina an ihre Grenzen - und darüber hinaus!
---
Ein packender Thriller für Freunde abgründiger Handlungen und liebenswert-skurriler Figuren. 




  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 435 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 301 Seiten
  • bald: auch als Taschenbuch-Ausgabe erhältlich
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch




Beginn einer Reihe?


Ich habe mich sehr über die Aktion gefreut, dass jeder, der bereits ein Buch von Siegfried Langer gelesen und rezensiert hat, das neueste Werk von ihm als ebook gratis erhielt. Da mir die beiden Vorgänger dieses Buches sehr gut gefallen haben, war ich neugierig auf "Leide!", das bald auch im Taschenbuch-Format erhältlich sein wird...

Doch nun zum Buch selbst:

Bei einem Spaziergang mit seinen Hunden macht ein Rentner eine furchtbare Entdeckung. In einem verfallenen Gebäude findet er die grausam zugerichtete
LKA Berlin
Leiche eines Mannes. Kriminalhauptkommissar Niklas Steg vom LKA Berlin nimmt die Ermittlungen auf. Statt sich in Ruhe an seinem neuen Arbeitsplatz einarbeiten zu können, muss er sich gleich auf die Suche nach der Identität des Opfers und nach dessen Mörder machen.
Zeitgleich erhält die Privatdetektivin Sabrina Lampe einen scheinbaren Routineauftrag von ihrer alten Nachbarin. Deren Neffe meldet sich nicht mehr bei ihr, seine Frau verleugnet ihn am Telefon. Die alte Nachbarin ist davon überzeugt, dass da etwas nicht stimmt...

 

Wieder einmal webt Siegfried Langer das gekonnte Gespinst eines Thillers, erzählt auf verschiedenen Zeitebenen und aus der Sicht unterschiedlicher Personen. Diese Ebenen laufen lange abwechselnd nebeneinander her und nähern sich nur ganz allmählich einander an, so dass vieles lange im Dunkeln bleibt. Dabei steht zumindest für den Leser weniger die Frage im Raum, wer der Täter ist, als vielmehr die Frage nach dessen Motiv.
Anders als bei "Vater, Mutter, Tod" oder auch "Sterbenswort" liegt in diesem
Langers voherige Thriller
Thriller der Schwerpunkt weniger auf dem Aspekt des Psychospiels, was mir ein wenig gefehlt hat. Manche Szenen sind sehr bildhaft brutal und eklig beschrieben, was mein Kopfkino beim Lesen an diesen Stellen teilweise zu sehr ankurbelte. Dennoch lässt sich die Erzählung wieder sehr flüssig lesen und hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Sehr gut gefallen hat mir die Ausarbeitung der Personen, allen voran die der Privatdetektivin Sabrina Lampe, aber auch Kriminalhauptkommissar Niklas Steg wirkt sehr sympathisch und authentisch. Positiv aufgefallen ist mir darüber hinaus auch der trockene Humor und der oftmals ironische Witz, der für mich in den Büchern von Siegfried Langer neu ist.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Buch der Beginn einer Reihe um Niklas Steg und Sabrina Lampe ist, jedenfalls wäre ich neugierig darauf, die beiden näher kennenzulernen und zu verfolgen, wie sie sich weiterentwickeln.
Also bitte, Herr Langer: mehr davon!
 


© Parden


 







Siegfried Langer
Geboren 1966 in Memmingen (Allgäu), seit 1996 in Berlin lebend.


Websites:
1. und 2.

Romane:
'Leide!' im Eigenverlag, 2014
'Sterbenswort' im List Verlag, 2012.
'Vater, Mutter, Tod' im List Verlag, 2011.
'Alles bleibt anders' im Atlantis Verlag, 2008.





Samstag, 1. Februar 2014

Lohmann, Beatrix: ...weg bist du


Die Kurzgeschichten dieses Bandes reihen sich scheinbar, ohne einem erkennbaren roten Faden zu folgen, aneinander und doch haben viele von ihnen etwas gemeinsam. Sie beschäftigen sich mit dem Verschwinden. So verschwinden Personen, Gedanken, Träume, aber auch Wünsche und falsche Vorstellungen. Nicht immer ist dieses Verschwinden unblutig oder geht für denjenigen, der etwas verschwinden lassen will, oder selbst verschwinden soll, leicht vonstatten, wie man sich sicher denken kann. Doch wird der Leser vom Ausgang der Geschichten überrascht sein. Sie werden schon sehen!









  • Taschenbuch: 104 Seiten
  • Preis: 7,90 Euro
  • Verlag: Miko-Verlag (7. Januar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3981521765
  • ISBN-13: 978-3981521764




 KLEINE ÜBERRASCHUNGEN...



Gerade mal 104 Seiten hat die Taschenbuchausgabe dieses Buches. Können so ein paar Seiten denn überhaupt einen Eindruck hinterlassen? Sie können!
 

21 kurze Geschichten verstecken sich in diesem schmalen Band, das zentrale Thema ist das Verschwinden. Auf unterschiedlichste Weise wird das Thema in den meist nur wenige Seiten umfassenden Erzählungen angegangen. Witzig, überraschend, absurd, morbide - ein kleines Feuerwerk der Einfälle wird hier gezündet. Personen, Gegenstände, Vorstellungen und Träume, von alldem muss man sich gelegentlich verabschieden. Die Autorin Bearix Lohmann tut dies hier auf oft originelle Weise.
Der flüssige und lebendige Schreibstil verschafft ein angenehmes Lesegefühl, und auch wenn mich nicht wirklich jede Entwicklung und jedes Ende einer Geschichte überraschen konnte, hat mich die Gesamtkomposition doch überzeugt. Gerade die letzten Erzählungen haben mir richtig gut gefallen, weil sie mit z.T. unerwarteten Wendungen oder Lösungen aufwarteten. Da saß ich dann mit hochgezogenen Augenbrauen und staunte. 


Untypisch war das letzte Kapitel, doch zeugt es vom Humor Lohmanns:
Und Tschüss!

Haare nass,
geföhnt, gewellt,
geeeelen ...

Puder hier und da
ein bisschen mehr
Tusche!

Die Lippen
pinsel, pinsel,
feucht und vielversprechend.

Zupf, zupf,
Bauch rein,
Brust raus,
Klimper, klimper
und Tschüss! 


Insgesamt ein nettes Buch für ein paar angenehme Lesestunden, und ich freue mich, dass die Autorin mir dieses Rezensionsexemplar anbot! Diese Sammlung von Kurzgeschichten macht mich neugierig auch auf andere Bücher der Autorin...


© Parden








Beatrix Lohmann (Michaela Knospe)
Michaela Knospe 1960 in Trier geboren, lebt seit vielen Jahren im Hunsrück. Sie arbeitet als Lehrerin und hat neben ihrem erfolgreichen Kinderbuch über den kleinen Drachen Qualmi, ein auf der Geschichte basierendes Theaterstück und eine Lehrerhandreichung beim Buchverlag Kempen veröffentlicht.

Im Mai 2012 erschien ihr witziger Frauenroman "Satansbraten", unter dem Pseudonym Beatrix Lohmann. 

Ein rührend erzähltes und liebevoll illustriertes Kinderbuch mit dem Titel: Adele, die fliegende Spitzmaus folgte im November 2012. Aus der neuen Kinderbuchreihe um den liebenswert ängstlichen Piratenkapitän Käpten Schisshose sind bisher zwei Abenteuer erhältlich:Käpten Schisshose auf großer Fahrterschien im Juni 2013.  Das zweite Buch der Reihe mit dem Titel: Käpten Schisshose und das Seemonster gibt es seit September 2013. Das dritte Abenteuer ist in Vorbereitung.

Gerade erschien eine Sammlung dunkler, makabrer und überraschender Kurzgeschichten unter dem Pseudonym Beatrix Lohmann: ...weg bist du.