Mittwoch, 21. Oktober 2020

Follett, Ken: Kingsbridge...

 ... Der Morgen einer neuen Zeit.

"England im Jahr 997. Im Morgengrauen wartet der junge Bootsbauer Edgar auf seine Geliebte. Deshalb ist er der Erste, der die Gefahr am Horizont entdeckt: Drachenboote. Jeder weiß: Die Wikinger bringen Tod und Verderben über Land und Leute.

Edgar versucht alles, um die Bürger von Combe zu warnen. Doch er kommt zu spät. Die Stadt wird beinahe völlig zerstört. Viele Menschen sterben, auch Edgars Familie bleibt nicht verschont. Die Werft der Bootsbauer brennt nieder. Edgar bleibt nur ein Ausweg: ein verlassener Bauernhof in einem Weiler fern der Küste.

Während Edgar ums Überleben kämpft, streiten andere um Reichtum und Macht in England. Unter ihnen: der gleichermaßen ehrgeizige wie skrupellose Bischof Wynstan, der idealistische Mönch Aldred und Ragna, die Tochter eines normannischen Grafen ..." (lübbe)

Soweit diesmal der Klappentext. Es war ein typischer Ken Follett, der mir gefallen hat. Die wenigen Kritikpunkte habe ich trotzdem erwähnt.

Die Geschichte. Es ist die Zeit, da die Dänen regelmäßig die Insel heimsuchen, sie umfasst 10 Jahre um die Jahrhundertwende.

Doch diesmal geht es nicht um eine Kirche, auch wenn das Fundament der Kathedrale, die wir in späteren Jahrhunderten, oder aus einigen Romanen, kennenlernen, gelegt wird. Diesmal sagt der Name genau aus um was es geht: Eine Brücke für den König – Kingsbridge. Den Ort sucht man vergebens auf englischen Karten, nun, im Jahre 997 heisst er auch nicht so, den Drews Ferry ist ein Nest mit einem Holzkahn als Fähre. 

Das wir uns in den Jahrhunderten zurück bewegen, merkt man nicht nur an der Rolle von Dänen, Wikingern und der schon bestehenden Normandie, wir lesen von äußerst einfachen Behausungen der Dörfler, von Sklaven, die in diesem England noch gehalten werden, zum Beispiel für Prostitution, auch die Burgen bestehen noch aus Holz und Palisaden, einzig der Graf von Cherbourg, Ragnas Vater hat schon einen steinernen Turm.

Geht es in den beiden folgenden (früheren) Büchern hauptsächlich um den Bau und Umbau der Kathedrale von Kingsbridge, steht hier der Bootsbau und der Brückenbau im Fokus, allerdings nehmen diese nur wenige Kapitel in Anspruch. Das Buch handelt demnach mehr von den gesellschaftlichen Umständen, den Wirkungen der Dänenüberfälle, der Rolle des Königs, der Bischöfe und der sogenannten Aldermänner (Ealdorman – vom König eingesetzter Graf – später Earl). Das politische Dreieck König – Sheriff – Aldermann zeigt uns, wie Recht und Politik gemacht und umgesetzt wurden, der König hält, wie in den Festlandreichen, immer an anderen Stellen Hof und spricht Recht.  Ragna, die Normannin verliebt sich in  einen Aldermann der Cherbourg besucht, Wilwulf hält dann um ihre Hand an und die junge Frau zieht nach England in das Shire Shiring. Ihr Widersacher ist vor allem Wynstan, der Bischof, in unangenehmer Typ, der an Godwyn aus DIE TORE DER WELT erinnert.

Der Roman ist geprägt von Gewalt und Zärtlichkeit, erzählt von Handwerk, der Rolle von Mann und Frau in einer Welt, von der nicht soviel bekannt ist, denn die Kopierwerkstätten in den Klöstern Englands sind noch selten. Es ist eine düstere Zeit. Alfred, ein Mönch, verkörpert insofern den Fortschritt, er will das Kloster in Shiring zu einem berühmten Ort mit bekanntem Skriptorium machen, wird aber nach Drews Ferry abgeschoben. 

Etwas nachteilig empfand ich, dass Follett das grundsätzliche Muster der Säulen der Erde und der Tore der Welt in etwa wiederholt bediente: Grafentochter heiratet, wird verstoßen, ein Bischof handelt ihr gegenüber und überhaupt wenig christlich und ein Handwerker (Baumeister / Bootsbauer) wird zum Berater und Liebhaber einer Hochadeligen. Zugegeben, in dieser Konstellation lässt sich eine ganze Grafschaft und die in ihr lebenden Menschen, deren Stände, Lebensumstände und Arbeit gut verknüpfen und dass Follett hier wiederholt meisterlich arbeitet, war zu erwarten und kann bestätigt werden. Insofern ist der obige Einwand weniger gewichtig.

Man kommt ohnehin nicht drum herum, bibliophil, wie man so ist, eine bestehende Reihe im Bücherschrank zu vervollständigen. In diesem Fall hat es sich unbedingt gelohnt.

Der deutsche Untertitel des Buches erschließt sich mir nicht so richtig. Was für eine neue Zeit bricht eigentlich an? Einverstanden, es geht auch um ein neues Jahrtausend, aber die Handlung macht, außer dass der Bau von Gebäuden mit Steinen immer mehr um sich greift, das nicht sonderlich deutlich. Der englische Titel heißt Der Abend und der Morgen, was aus meiner Sicht ebensowenig greift.

Andererseits bricht für diesen kleinen Ort tatsächlich eine neue Zeit mit dieser Brücke an... 


Weitere Videos bei follett.lübbe.de

* * *

Das Layout des Schutzumschlages ist ein gänzlich als das der "folgenden", der bisherigen Bücher. Schwarz mit einem goldenen Helm in der Mitte und goldenen Lettern. Die Kapitelseiten zieren zweiseitige Zeichnungen und das Innenbild zeigt uns Kingsbridge und den Ort, an den es Ken Follett gesetzt wird.


  • Die Kingsbridge-Reihe bei Lübbe
  • Das Fundament der Ewigkeit - Rezension
  • Ken Follett - Autorenseite
  • Ken Follett - Webseite 
  • DNB / Verlag Lübbe / Köln 2020 / ISBN: 978-3-7857-2700-3 / 1016 S.
© Bücherjunge

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