Freitag, 28. Juni 2013

Eco, Umberto: Die Kunst des Bücherliebens

Für Umberto Eco ist Büchersammeln ein Akt ökologischer Fürsorge: "Wir haben nicht nur die Wale, die Mönchsrobben und die Bären in den Abruzzen zu retten, sondern auch die Bücher." Wirkliche Leser möchten ihre Lieblingsbücher deshalb nicht nur lesen, sondern auch besitzen und zu Hause ins Regal stellen. Für sie hat Eco "Die Kunst des Bücherliebens" geschrieben. Der Romancier, Wissenschaftler und Geschichtenerzähler aus Italien nähert sich darin der ewigen Frage "War Shakespeare zufällig Shakespeare?", und er zeigt auch, dass mit Werken wie dem "Book of Lindisfarne" oder den "Tres Riches Heures", welche die Geistesgeschichte seit Jahrhunderten prägen, eine ganze Kultur auf dem Spiel steht. 





 Sehr viele Leben...
(zuerst veröffentlicht von parden auf buchgesichter.de am 02.09.2011)


Dieses Buch ist kein Roman. Dieses Buch lässt sich nicht einfach so hintereinander weglesen. Dieses Buch stellt eine Sammlung von Vorträgen, Einführungen und Aufsätzen dar, die Eco zwischen 1992 und 2004 verfasst hat.
Gegliedert ist es in drei Teile: "Über Bibliophilie", "Historica" und "Literarische Narren (und wissenschaftliche)", die jeweils mehrere Beiträge beinhalten.


Meine Bewertung für den ersten Teil würde deutlich höher ausfallen als die gegebenen 7 Punkte für das Gesamtwerk. Hier sprüht Eco geradezu vor Fabulierkunst über Begriffe wie Bibliophilie, Bibliomanie und Biblioklasmus. Was sich hier trocken anhört, liest sich aber problemlos und ist logisch nachvollziehbar. Besonderen Spaß macht hier Ecos augenzwinkender, subtiler Humor, der auch kompliziertere Sachverhalte aufzulockern vermag.
Besonderes Vergnügen machen hier Sätze wie: "Wir machen es uns nicht bewusst, aber unser Reichtum gegenüber dem Analphabeten (oder dem, der zwar lesen gelernt hat, aber nicht liest) besteht darin, dass er nur sein eines Leben lebt und leben wird, während wir sehr viele Leben gelebt haben werden." (S. 14)


Der zweite Teil dagegen ist sehr speziell. Zu speziell, für meinen Geschmack. Er befasst sich mit ausgewählten historischen, mir vollkommen unbekannten Werken, über die Eco z.T. sehr ausschweifende Exkurse schreibt. Das mag in dem ursprünglich gedachten Kontext - ein Vorwort zu einem Buch, ein Aufsatz in einer Zeitschrift - sicherlich angemessen gewesen sein und die passende Zielgruppe erreicht haben. In diesem Buch jedoch habe ich es als unpassend und für den "normalen" Leser auch als uninteressant empfunden.


Der dritte Teil wiederum enthält so manche Skrurrilität und einige interessante und auch amüsante Gedankengänge des Autoren zum Thema Bücher. Ecos 30.000 Bücher umfassende private Bibliothek enthält wohl auch einige kuriose Werke, über die er sich hier z.T. auslässt.
Besonders gefallen hat mir in diesem Teil der innere Monolog eines E-Books, in dem es um die Gefühle geht, wenn statt einem Bücherherzen plötzlich ganz viele in seiner Brust schlagen...


Was man anerkennen muss: Eco ist ein gebildeter und im wahrsten Sinne des Wortes belesener Mensch. Ein Sammler von Bücherschätzen. Und jemand, der sein Wissen mit anderen teilen möchte.
Teilweise vermag er auch für den Laien hochinteressante Zusammenhänge zu erläutern und dies mit seinem Zynismus und trockenen Humor auflockernd zu untermalen. Teilweise jedoch ist er einfach auch nur anstrengend zu lesen. Sei es, weil der jeweilige Aufsatz eigentlich an ein sehr spezielles Fachpublikum gerichtet ist oder sei es, weil er Geduld und Fähigkeit des Lesers zu sehr strapaziert. Ein Satz beispielsweise, der anderthalb Seiten lang ist und nur aus Aufzählungen besteht, lässt meine Konzentration irgendwann schwinden. Oder die häufig angeführten Zitate in der Originalsprache eines angegebenen Buches (italienisch, lateinisch, französisch, englisch) ohne eine entsprechende Übersetzung ins Deutsche überfordern mich teilweise trotz meiner Sprachkenntnisse.


Zusammenfassend kann ich also kein einhelliges Urteil über das Buch abgeben. Phasenweise hat es mir wirklich gut gefallen und ließ mich die Sachverhalte problemlos nachvollziehen, teilweise war es aber auch zu speziell und uninteressant und für den Laien kaum noch nachvollziehbar.
Insgesamt freue ich mich aber, dass ich es lesen konnte und danke Uwe (Karatekadd) für die freundliche Leihgabe! 

 
Ich vergebe für dieses Buch 7 von 10 Punkten.

© Parden


zum Autor 
Deutsche Nationalbibliothek 

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