Mittwoch, 18. Mai 2016

LaPointe, Ernie: Sitting Bull...

Abb 1
Sitting Bull Sein Leben und Vermächtnis
Aus berufener Feder - geschrieben vom Urenkel des berühmten Lakota Häuptlings




Einer der Hauptgründe für den diesjährigen Besuch der Leipziger Buchmesse, war die Vorstellung des Buches DIE GESCHICHTE DES SITTING BULL von Eric Lorenz. Zu diesem Buch wird es demnächst noch manches zu schreiben geben, jetzt und hier ist aber erst mal ein anderes Buch dran: SITTING BULL – SEIN LEBEN UND VERMÄCHTNIS. Geschrieben hat dies ein Urenkel des großen Medizinmannes und Häuptlings der Hunkpapa Lakota, Tatanka Iyotake. Oder Tatanka-Yotanka wie ich den Namen zwar falsch, aber trotzdem in Erinnerung behalten werde.

Dies ist letztlich kein Zufall, denn der Weg durch die Messe führte mich durch die vielen Stände auch zum Traumfänger-Verlag, zu Kerstin Groeper, auf die ich erst kurz vorher aufmerksam geworden war. Im Regal des auf Indianerthemen spezialisierten Verlages sah ich das hier nun vorzustellende Buch. Es lag nahe, dies unmittelbar, fast gemeinsam, mit dem Buch von Eric Lorenz zu lesen, zumal Erik es auch in der Bibliografie erwähnt.

Doch nun erst einmal zu Sitting Bull, dem „Bisonbullen, der im Begriff ist, sich hinzusetzen“ – Tatanka Iyotake.


Abb 2
„Mein Name ist Ernie LaPointe. Mein Lakota Name ist Kangi Sie (Crowfoot). Ich bin eines von vier Urenkelkindern von Sitting Bull (Tatanka Iyotake). Ich schreibe dieses Buch über die Familiengeschichten – traditionell mündliche Überlieferungen – die mir, meiner ältere Schwester Marlene Andersen sowie meiner Nichte und meinem Neffen von meiner Mutter Angelique Spotted Horse-LaPointe erzählt wurden. Dieses Buch ist keine Biografie, weil ich nur die Geschichten wiedergebe, die mir meine Mutter über meinen Urgroßvater erzählte… meine Schwester Marlene hat mir die rechtliche Vollmacht gegeben, die Angelegenheiten, die unseren Urgroßvater betreffen, zu regeln. Wir sind die direkten Nachkommen von Sitting Bull.“ [1]

Der Urenkel, Ernie LaPointe, erzählt das Leben seines Urgroßvaters in Geschichten. Und er erzählt auch die Familiengeschichte.  

Im Jahr 1831 wird einem Paar der Hunkpapa Tiatunwan Lakota (von den Weißen Teton ausgesprochen), namens Her Holy Door Woman und Returns Again ein Junge geboren, der den Namen Jumping Badger erhält: Springender Dachs. Dieser unterscheidet sich von den anderen Jungs durch Zurückhaltung und Nachdenklichkeit. Und er sollte doch einer der größten Krieger, Häuptlinge und Medizinmänner werden, einer der bekanntesten Prärieindianer Nordamerikas. [2]

Mit 14 Jahren nimmt er erstmals an einem Kriegszug teil. In Folge dessen überträgt der Vater seinen Namen, Tatanka Iyotake auf den Sohn. Selbst nennt er sich nun Jumping Bull, einer von vier „Bison“-Namen, die ihm ein weißer Bison übermittelt hat. [3] Tatanka Iyotake wird dann Mitglied im Kriegerbund der Starken Herzen. Im weiteren erzählt LaPointe, was die Lakota unter „Verwandschaft machen“ verstehen, das ist die Geschichte eines Jungen der eigentlich verfeindeten Assiniboine, sie werden Hunka-Brüder, eine „Verbindung die tiefer und wichtiger als die Beziehung zwischen Blutsverwandten“ [4] ist.

LaPointe erzählt von Zeremonien wie dem „Zurückhalten der Seele“ Verstorbener und von den Beziehungen zu Frauen und Kindern. Zum Beispiel gehörte das Tipi der Frau. Der Mann durfte nur beim Aufstellen z.B. helfen, wenn sie ihn darum bat. Kindern wurde die beste Führsorge entgegengebracht, das ganze Dorf war daran beteiligt. Nach dem Tod der ersten Frau heiratete Tatanka Iyotake gleich zwei Frauen, trennt sich aber später von einer, weil er sich zu der anderen wohl stärker hingezogen fühlte und die erste eifersüchtig war. [5]

Tatanka Iyotake nahm mehrmals am Sonnentanz teil, die Zeremonie wird detailreich dargestellt. [6]
 
Im Weiteren werden die ersten Begegnungen und Kämpfe mit den weißen Amerikanern beschrieben. Tatanka Iyotake glaubt nicht an die Nachhaltigkeit von Friedensverträgen, verfolgt aber eine Politik der Vermeidung von Angriffen, wenn die Lakota in Ruhe gelassen werden.

Der Häuptling der Hunkpapa, Tatanka Iyotakes Onkel Four Horns, entscheidet sich für die Notwendigkeit einer neuen Führung der Lakota. Infolge dessen werden Tatanka Iyotake und Crazy Horse zu deren Anführern.

„Vier Häuptlinge gingen zu Tatanka Iyotakes Tipi und führten ihn hinaus. Sie brachten ein Büffelfell mit und hießen ihn, sich daraufzusetzen. Dann trugen sie ihn zum Ratszelt, um die Zeremonie durchzuführen… [Four Horns] teilte allen mit, dass es nun in [Tatanka Iyotakes] Verantwortung läge, die Ernährung und die Verteidigung der Titunwan Lakota zu gewährleisten… ‚Wenn du uns sagst, dass wir kämpfen sollen, werden wir unsere Waffen erheben, und wenn du uns sagst, wir sollen Frieden schließen, dann werden wir sie niederlegen. Jetzt wollen wir Cannunpa Wakan rauchen, die Heilige Pfeife, damit Wakan Tanka unsere Entscheidung segnen möge.‘“

Jedoch stimmten nicht alle Lakota Abteilungen, zum Beispiel die Oglala unter Red Cloud, der Wahl zu. [6]

Die folgenden Kapitel erzählen dann von den Kämpfen mit der US-Armee.
Der Häuptling wird nach der Schlacht am Little Bighorn (1876) mit seiner Stammesgruppe nach Kanada wandern, sich aber nach fünf Jahren doch den US-Truppen ergeben: für eine solche große Gruppe von hunderten von Familien gibt es dort kein auskommen. Landwirtschaft können sie noch nicht, Bisonherden gibt es kaum noch und die Jagdgründe geben für so viele nicht genug her. Hunger und Heimweh sind auch Beweggründe, die zur Rückkehr führen – in die Standing Rock Reservation. Tatanka Iyotake bleibt der nachdenkliche Führer, der aber doch nicht alle Stammesangehörigen auf dem „alten“ Glaubensweg behalten kann. 


Abb 3

Er kommt bis nach Washington, reist mit William Cody (Buffalo Bill) im Zirkus durch die Städte der USA und versucht, um Verständnis für sich und sein Volk zu werben. 

Am 15. Dezember 1890 wird er ermordet, maßgeblich von eigenen Stammesangehörigen, Verrat übt auch ONE BULL, sein eigener Neffe. Die unmittelbare Familie flieht und kommt in die Pine Ridge Reservation. Dem ging die sogenannte Geistertanzbewegung voraus, vor der die Reservationsagentur viel Angst hatte. Da sich Tatanka Iyotake deren Gebote nicht beugen wollte, galt er ihnen als Aufrührer.


Abb 4


* * *

Im Buch geht es aber nicht nur um das Leben und die Wirkung des Häuptlings. Einen großen Teil nimmt die Geschichte ein, wie Ernie LaPointe den Nachweis um die Nachkommenschaft führte, da andere Indianerfamilien ebenfalls Ansprüche erhoben.[8] Diese Ansprüche gingen seltsamerweise einher mit einerseits der Werbung mit dem Namen Sitting Bull auf der Standing Rock Reservation und andererseits mit der Diffamierung als Aufrührer.

Im Gegensatz zu anderen Autoren haben wir hier einen, der „indianisch“ schreibt. Der amerikanische Herausgeber schreibt im Vorwort über die Schwierigkeit, die Form der mündlichen Überlieferungen, die sich von den üblichen Standardbiografien sehr unterscheiden, mit eben der Biografieform zu verschmelzen. Er erzählt auch von Übersetzungsschwierigkeiten und unterschiedlichen Weltanschauungen. [9] 

Und so haben wir ein Buch vor uns liegen, welches sich unterscheidet von sonstigen Biografien, da es von den Lebenserfahrungen der Lakota, gepflegt von den Nachkommen eines der wichtigsten Lakotahäuptlingen, aber eben auch von deren Glauben, deren Weltanschauungen erzählt. Manches davon erscheint uns fremd, Die Begriffe von Ehre und Mut im Kampf, wenn in einem solchen auf Leben und Tod mit anderen Indianergruppen dem sogenannten Coup, dem Berühren eines feindlichen Kriegers ohne ihn zu verletzen oder zu töten eine solche Bedeutung zukommt. Unseren Werten wie Leben und Freiheit setzt Ernie LaPointe, der als Soldat in Vietnam gewesen ist und mit diesen als Amerikaner sicherlich etwas anzufangen weiß, Werte wie Ehre, Respekt, Demut und Mitgefühl hinzu. 

 Der Harausgeber betont in einem Nachwort noch einmal, dass hier das erste Buch vorliegt, "welches die mündlichen Überlieferung und das Wissenn der Familie von Sitting Bull repräsentiert, unzensiert von Vorurteilen und weißen Geschichtsbildern." Es ist doch kaum zu glauben, dass sich alle bisherigen Biografen nicht mit diesem authentischen Zweig der Familie unterhalten haben, höchstens mit entfernten Verwandten, deren Vorfahren beim Tod des Häuptlings eine fragwürdige Rolle spielten. [10]

Das Buch fördert auf eine bisher weniger bekannte Art und Weise das Verständnis für die Geschichte aber auch die heutige Lage der Lakota. 

Kleine Kritik von nicht übermäßiger Bedeutung: Der einzige Name, der transkribiert wurde und damit auf „Lakota“ gedruckt, ist Tatanka Iyotake. Alle anderen werden auf Englisch wiedergegeben. Dies verwundert doch ein wenig. Tatanka Iyotake bedeutet soviel wie „Bisonstier, der im Begriff ist, sich hinzusetzen“. Nicht einfach Sitzender Bisonbulle, wie Sitting Bull einfach übersetzt werden kann. Dies führt auch bei Crazy Horse, Tȟašúŋke Witkó zu vermutlichen Widersprüchen, man kennt ihn eigentlich nicht als „verrücktes Pferd“, sondern eher als „Geheimnispferd“.

* * *

"Ernie LaPointe, Urenkel von Sitting Bull, wurde 1948 auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota geboren. Er wuchs in Rapid City auf, ging dort zur Schule und trat 1966 in die Armee ein. Ernie kämpfte in Vietnam und wurde 1972 ehrenhaft aus der Armee entlassen. 1992 erhielt Ernie LaPointe die Gelegenheit, seine direkte Nachkommenschaft mit Sitting Bull zu beweisen und durfte bei der Aufnahme seines berühmten Urgroßvaters in die „Hall of Fame“ die Rede halten. Seit Jahrzehnten widmet er sich intensiv der Geschichte und dem Vermächtnis seines berühmten Urgroßvaters. Er ist regelmäßig Dozent an Universitäten und Institutionen wie dem Crazy Horse Memorial oder dem Museum am Little Bighorn Schlachtfeld. Er wurde bei mehreren Fernsehproduktionen zu Rate gezogen und produzierte selbst zwei DVDs über die Biographie seines Urgroßvaters. In Deutschland trat er 2009 in der Sendung „Ich trage einen großen Namen“ auf. Er lebt in der Tradition der Lakota, ist Sonnentänzer und folgt den spirituellen Regeln der Heiligen Pfeife. Ernie LaPointe und seine Frau Sonja leben heute in South Dakota." [11]



 Ernie La Pointe spricht im Buffalo Bill Historical Center.
(YouTube)

* * *

Der Traumfänger Verlag stellte das Buch auf der Buchmesse im Jahr 2011 vor und hatte Ernie LaPointe dabei auch zu Gast. Kerstin Groeper, Autorin und Verlegerin des kleinen Verlages macht sich seit Jahren verdient und eine Indianerliteratur, die durchaus besonders ist, auch weil sie teilweise von Indianern selbst verfasst wurde. Zudem kommt noch der Umstand, dass es nicht nur um historische Geschichten geht, aktuelle Jugendbücher, Krimis, Thriller zählen ebenso zu den Angeboten des Verlages.



Auf der Buchmesse 2011 mit Kerstin Groeper
(YouTube)



Ich danke Kerstin Groeper für die Überlassung des Buches, der Traumfängerverlag bleibt seit dem Kennenlernen auf der letzten Buchmesse in Leipzig in ständiger „Beobachtung“. 


DNB / Traumfänger-Verlag / Hohenthann 2011 / ISBN: 978-3-941485-20-4 / 156 S. 
Hompage von Ernie LaPointe



© KaratekaDD 

Dienstag, 17. Mai 2016

Rotkehlchen im Winter



Dieses hübsche Kerlchen (oder Mädel??) fand sich eines Wintertags an der Futterstelle auf meinem Balkon ein und ließ sich fotografieren.
Nach dem Foto entstand dieses kleine Aquarell.

Rotkehlchen (Erithacus rubecula)
Aquarellzeichnung by TinSoldier
Lukas Aquarellfarben auf Aquarellpapier DIN A 4

Montag, 16. Mai 2016

Kölpin, Regine: Oma zeigt Flagge



Verschwindet ein Geburtstag, wenn man fest genug nicht an ihn denkt? Oma Jette genießt ihr postfamiliäres Dasein (glaubt sie jedenfalls) und plant, ihren 60. einfach zu ignorieren. Enkelin Marie plant derweil eine Geheimoperation. Was Jettes Jugendliebe Günther plant, als er sich samt Scheidungs-Hamster Emma bei ihr einquartiert, ist ungewiss. Sicher ist nur, dass Jettes Leben plötzlich gehörig kopfsteht.

(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)


  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426516829
  • ISBN-13: 978-3426516829
















NETTE URLAUBSLEKTÜRE...




Ferien auf der Nordseeinsel Langeoog? Für die 59jährige Jette Blümerant ist es mehr als das. Sie hat sich dort ein Leben aufgebaut und es sich recht bequem eingerichtet. Ein kleines Lädchen betreibt sie auf der Insel, das von zahlreichen Touristen frequentiert wird, sie nennt ein hübsches Häuschen ihr eigen und steht mit beiden Beiden fest im Leben. Selbst das Liebesleben kommt nicht zu kurz: der spanische Maler Paolo hat offensichtlich nichts gegen eine etwas ältere Muse einzuwenden, und trotzdem bleiben beide unabhängig.

Auf den Kopf gestellt wird dieses Leben in dem Moment, als Jettes Tochter anruft. Sie muss beruflich in die USA und lädt Jettes drei Enkelkinder kurzerhand auf Langeoog ab. Zwei pubertierende Mädchen und ein hochbegabter Elfjähriger - und keines der Kinder ist begeistert von der Aussicht auf zwei Wochen Inselknast. Doch auch Jette sieht ihre Ruhe eindeutig gefährdet. Als zeitgleich auch noch Jettes Jugendliebe Günther auftaucht und sich einfach bei ihr einquartiert, ist das Chaos vorprogrammiert. Und zu allem Überfluss steht auch noch Jettes 60. Geburtstag vor der Tür, den sie am liebsten einfach ignorieren würde. Doch kann dies angesichts von plötzlich so viel Familie wirklich gelingen?


Wenn ich meine Mundwinkel nach oben ziehe, ist das ganz schlecht für meine Depression! (Charles M. Schulz: Charlie Brown)


Günther will seine Jette zurück, die Kinder suchen nach Unterhaltung und werden auch fündig - allerdings zulasten der geordneten Abläufe im Hause Jettes - und Jette will eigentlich nur ihre Ruhe. Früher, ja, da war sie ein Familienmensch, umsorgte nach der herben Enttäuschung mit Günther als Alleinerziehende ihre drei Kinder und genoss es, für diese dazusein. Seit einigen Jahren jedoch liebt sie ihre Unabhängigkeit, ihr reicht im Grunde der mediale Kontakt zu ihren Kindern: Telefon, eMails, Skypen. Doch nun bricht die Familie wie eine Sturmflut über sie hinein, und Jette versucht verzweifelt, ihr neues Leben über Wasser zu halten. Mit jedem Tag jedoch scheint ihr Bollwerk ein Stück mehr zu zerbröseln, und man darf gespannt sein, was am Ende davon übrig bleibt...

Nette Personen hat Regine Kölpin hier geschaffen, wenngleich sie hier tief in die Klischeekiste gegriffen hat. Aber bei einem Frauenwohlfühlroman darf das auch durchaus sein. 60 Jahre alt wird Jette in wenigen Tagen - Zeit, sich über die wirklich wichtigen Dinge im Leben klar zu werden. Dieser Aspekt hat mir gefallen. Weniger erfreulich empfand ich allerdings die Tatsache, dass gefühlte hundert Male darauf herumgeritten wurde, wie furchtbar alt und fernab von Gut und Böse man angeblich mit 60 ist. Das erschien mir eindeutig zu viel und zudem noch vollkommen überzogen.

Überzogen waren in meinen Augen auch einige humorvolle Stellen, die dadurch an Spritzigkeit verloren, aber es gab durchaus etliche Stellen, die auch mir ein Schmunzeln entlocken konnten. Als Urlaubslektüre hat es mir insgesamt auch gut gefallen und als leichte Unterhaltung damit auch seinen Zweck erfüllt.

Alles in allem ein nettes Buch für zwischendurch.


© Parden











Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über die Autorin:

Regine Kölpin hat zahlreiche Romane und Kurztexte publiziert, gibt Anthologien heraus und leitet als Dozentin Schreibseminare für alle Altersklassen. Unter Regine Fiedler schreibt sie für Kinder. Die Autorin wurde mehrfach ausgezeichnet. Ihre Lesungen gestaltet sie u.a. mit musikalischem Beiprogramm des Gitarrenduos „Rostfrei“, wo Regine Kölpin als Backgroundsängerin zu hören ist. Sie wurde 1964 in Oberhausen (NRW) geboren und ist verheiratet mit dem Musiker Frank Kölpin. Sie haben 5 Kinder und zwei Enkel und leben ihr Großfamiliendasein in einem historischen Dorf an der Nordseeküste Frieslands.

übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur   

Sonntag, 15. Mai 2016

Langer, Siegfried: Berlin Ripper



Angst geht um in der Hauptstadt!

Bereits mehrere Frauen sind einem grausamen Serienmörder zum Opfer gefallen. Alle waren sie jung, blond, attraktiv und keine Kinder von Traurigkeit. Die Medien sprechen schon vom 'Ripper von Berlin'. Die Privatdetektivin Sabrina Lampe folgt einer Spur ins Allgäu. Neugierig wühlt sie in der Vergangenheit und bringt dabei eine dunkle Familientragödie ans Tageslicht. Zeitgleich führen die Ermittlungen von Kriminalhauptkommissar Niklas Steg direkt in die höchsten Berliner Regierungskreise.
 

Sind die beiden schnell genug, um weitere Morde zu verhindern?

(Klappentext Autor)


  • Taschenbuch: 264 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (2. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1530837855
  • ISBN-13: 978-1530837854
  • Größe und/oder Gewicht: 12,7 x 1,7 x 20,3 cm 
  • Reihe: Bd. 3 um Privatdetektin Sabrina Lampe und Kriminalhauptkommissar Niklas Steg
















AUF DER ALM DA GIBT'S KOA SÜND...





Nach 'Leide' und 'Vergelte' ist dies bereits der dritte Fall, in den Kriminalhauptkommissar Niklas Steg vom LKA Berlin sowie die Privatdetektivin Sabrina Lampe involviert sind. Hier geht es um einen Serienmörder, der Berlins Straßen zur Zeit für blonde, attraktive, junge Frauen unsicher macht. Wie Niklas und seine Kollegen rasch herausfinden, waren alle bisherigen Opfer einem schnellen, amourösen Abenteuer nicht abgeneigt, wobei ihr letztes dann aber brutal und für sie tödlich endete. Berlins Presse hat rasch einen Namen für den Serienkiller gefunden: der Ripper von Berlin.

Sabrina Lampe hat eigentlich gar nichts mit diesem Fall zu tun, doch verfolgt sie die Presseberichte mit großem Interesse. Nicht zuletzt der hohe Arbeitsdruck macht es fast unmöglich, dass Niklas und sie sich privat treffen - ihre möglicherweise gemeinsame Situation bleibt so in der Schwebe. Doch Sabrina weiß, dass Niklas in den Fall involviert ist, und so kreisen auch ihre Gedanken immer wieder um die bestialischen Morde. Als sie auf eine mögliche Spur stößt, beschließt sie, ihre Koffer zu packen und dem nicht unbedingt vielversprechenden Hinweis folgend ins Allgäu zu fahren. Dort erwartet sie mehr als die landschaftliche Idylle - hinter verschlossenen Türen gilt es, eine Familientragödie ans Tageslicht zu bringen. Doch wird das tatsächlich dazu beitragen, den Ripper in Berlin zu stoppen?

Mir persönlich hat es Spaß gemacht, den beiden inzwischen schon vertrauteren Personen wiederzubegegnen - nicht nur, weil es hier wieder einen brisanten Fall zu lösen gibt, sondern auch, weil ich gespannt war, wie sich die private Situation zwischen Sabrina und Niklas weiterentwickeln würde. Etwas erstaunt war ich dann allerdings über den großen Anteil, den die Schilderung der Lebensumstände der Ermittler einnahm - meist sogar noch unabhängig voneinander. Da ich die beiden durch die vorherigen Bände bereits mochte, fand ich diese Szenen durchaus lesenswert. Doch im Verhältnis zu dem eigentlichen Fall nahmen sie doch einen großen Raum ein, was in meinen Augen vor allem in der ersten Hälfte deutlich zulasten der Spannung ging. Immerhin soll dies ja ein Thriller sein.

Im Vergleich zu den Bänden davor empfand ich diesen Band eher als humorvollen Krimi. Derartige Bücher mag ich zwar auch, doch in Erwartung eines Thrillers habe ich hier doch einige Male gestutzt. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erzählung angenehm und unterhaltsam zu lesen war. Meist kurze Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven, teilweise auch in wechselnden Zeitebenen, sorgten wieder einmal für einen Lesesog, da ich jede der Ebenen gerne weiter verfolgen wollte. Besonders positiv hervorheben möchte ich auch Langers Bestreben, immer wieder gängige Klischees auszuhebeln und in seiner Geschichte genau das Gegenteil zu demonstrieren. Dies machte mir besonderen Spaß.

Für einen Thriller hatte dieser Band für mein Empfinden zu wenig Spannung, aber da ich die Reihe schon länger verfolge, hatte ich dennoch mein Vergnügen! Und wie schon bei den vorherigen Bänden kann ich nur sagen: ich hoffe auf mehr von diesen liebenswerten Ermittlern!



© Parden










Siegfried Langer
Siegfried Langer wurde 1966 in Memmingen (Allgäu) geboren und ist 2014 - nach 18 Jahren in Berlin - wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt. 

Websites:
1. und 2.







Reihe um Sabrina Lampe und Niklas Steg:

'Leide!' (Self Publishing / MVG, 2014)
'Vergelte!' (Amazon Publishing, 2015)
'Berlin Ripper' (Self Publishing, 2016)

Jeder Roman ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen gelesen werden.

Weitere Thriller:

'Sterbenswort' (Ullstein Verlag, 2012; Neuauflage Amazon Publishing, 2016)
'Nachschlag' (Self Publishing / U-line Verlag, 2013)
'Vater, Mutter, Tod' (Ullstein Verlag, 2011)
'Alles bleibt anders' (Atlantis Verlag, 2008)

Kurzgeschichten:

13 Kurzgeschichten in 'Mord und so ...' (Self Publishing, 2016)
'18 Uhr' in '24 Stunden - 24 Autoren' (Self Publishing, 2015)
'Musikantenmord' in 'Mords-Musik' (Buchvolk Verlag, 2014)
'Im Bunker' in 'Krimineller Reiseführer Berlin' (Windspiel Verlag, 2014)
'Schöpfungsgeschichte' in 'Nova 18' (Nova Verlag, 2011)
'Berlin, Nachklang' in 'Hinterland' (Wurdack Verlag, 2010)


Mittwoch, 11. Mai 2016

Tsokos, Michael: Zersetzt


BKA-Rechtsmediziner Dr. Fred Abel arbeitet unter Hochdruck an einem großen Fall: Ein winziger Einstich in der Kniekehle eines Toten verrät ihm, dass einer der gefährlichsten Killer der letzten Zeit weiterhin sein Unwesen treibt. Doch bevor Abel ihn stoppen kann, wird er in heikler Mission in den osteuropäischen Pseudostaat Transnistrien geschickt. Dort soll er zwei Mordopfer identifizieren, die in Kalkfässern gelagert wurden und fast vollständig zersetzt sind. Plötzlich steht Abel im Fadenkreuz eines politischen Komplotts. Während einer mörderischen Verfolgungsjagd durch das transnistrische Grenzland muss er seine ganz besonderen Fähigkeiten einsetzen. Und gleichzeitig kämpft in Deutschland das jüngste Opfer des Psychopathen in einem Keller um sein Leben ...

(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)

  • Broschiert: 432 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518775
  • ISBN-13: 978-3426518779
  • Reihe: True Crime Thriller um Rechtsmediziner Fred Abel, Bd. 2 














EINSATZ IN TRANSNISTRIEN





BKA-Rechtsmediziner Dr. Fred Abel kann sich vor Fällen kaum retten, was allein schon der Realität eines Pathologen in dieser Stellung sehr nahe kommen dürfte. Ein True-Crime-Thriller ist es denn auch wieder, den Michael Tsokos hier präsentiert. Band zwei schließt aber nicht wie erwartet nahtlos an Band eins ('Zerschunden') an, sondern ist zeitlich vor dem Geschehen des Vorgängerbandes angesiedelt.

Durch die Schilderung einer Dienstbesprechung wird der Leser rasch über die Hintergründe der anliegenden Fälle informiert.

  • Ein Fall von 'Waterboarding' liegt an, heikel deshalb, weil diese Foltermethode des simulierten Ertränkens v.a. dem CIA zugeschrieben wird und der leitende Ermittler wohl nicht zu Unrecht politische Verwicklungen fürchet, sollte dieser Verdacht an die Öffentlichkeit gelangen.
  • Eine offensichtlich falsche Todesursache wurde von einem Allgemeinmediziner bei einer männlichen Leiche attestiert - eigentlich war der verstorbene Mann kerngesund und nicht schwer krebskrank, wie angegeben - allerdings hatte er einen fast unsichtbaren Einstich in der Kniekehle. Abel und seine Kollegen sollen nun herausfinden, was es damit auf sich hat.
  • Politisch heikel ist der dritte Fall, denn hier wird das BKA um Unterstützung in einem außergewöhnlichen Fall gebeten. In Transnistrien, einem winzigen, nicht offiziell anerkannten Staat nahe der moldawischen Grenze und unter erheblichem russischen Einfluss, wurden in einem Fass mit Löschkalk zwei stark zersetzte Leichen gefunden, die Anzeichen von erhelblicher Folter aufweisen. Vermutet wird, dass es sich hierbei um die zwei schon lange vermissten Neffen eines Oligarchen handelt. Gewünscht wird ein objektives Gutachten, damit die Identität der Toten zweifelsfrei bestätigt werden kann - doch es gibt starke Interessen im Land, dass es nicht zu diesem Gutachten kommt. Abel erhält von seinem Chef diesen brisanten Auftrag und macht sich auf den Weg nach Transnistrien.

Ich muss gestehen, dass mich dieser Band etwas ernüchtert zurückgelassen hat. Obwohl die Fälle reale Vorlagen haben und die Ermittlungsarbeit größtenteils der Realität entsprechen wird, habe ich es hier als negativ empfunden, dass gleich drei Fälle parallel abgehandelt werden. Das mag auch im wahren Leben so sein, aber der Spannung in einem Thriller tut dies nicht sonderlich gut. Manches wird hier eher 'nebenher' und letztlich recht unspektakulär abgewickelt, an anderer Stelle entpuppt sich Fred Abel plötzlich als eine Art Superheld, der selbst den schwierigsten Situationen problemlos gewachsen ist - eine Mischung von Realität und Fiktion, die auf mich nicht sonderlich glaubhaft wirkt. Durch den ständigen Wechsel des Fokus auf die verschiedenen Fälle baut sich auch keine kontinuierliche Spannung auf, und manchesmal war ich richtig ärgerlich, dass eine brisante Situation einmal mehr unterbrochen wurde - das hatte weniger von Cliffhanger, sondern mehr von Nadel-in-Ballon-und-Luft-raus-Effekt. Nach mehr als der Hälfte des Buches hatte ich irgendwie immer noch das Gefühl, eigentlich am Anfang zu stehen und darauf zu warten, dass es endlich los geht.

Weniger ist mehr - dieser Spruch bewahrheitet sich wieder einmal. Jeder Fall für sich genommen hätte m.E. Potential zu einem spannenden Thriller gehabt. Durch die Verquickung jedoch wurde die Erzählung kaum einer Handlung wirklich gerecht. Dass etliche Folterszenen sowie auch der Ablauf der pathologischen Untesuchungen in manchen Szenen sehr realitätsnah und detailliert beschrieben werden, fordert zudem starke Nerven, doch dies störte mich persönlich nicht.

Nachdem ich vom ersten Band der True Crime Reihe recht angetan war, hoffe ich, dass sich dieses Gefühl im dritten Band auch wieder einstellen wird. Band zwei jedenfalls konnte mich leider nicht wirklich überzeugen...


© Parden


















Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über den Autor:


Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.

übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur


Dienstag, 10. Mai 2016

Tsokos, Michael: Zerschunden


Ein Serienkiller, der europaweit in der Nähe von Flughäfen zuschlägt. Er ist schnell, er ist unberechenbar, und er ist nicht zu fassen. Seine Opfer: Alleinstehende Frauen, auf deren Körper er seine ganz persönliche Signatur hinterlässt. Ein Fall für Rechtsmediziner Fred Abel vom Bundeskriminalamt, der plötzlich tiefer in den Fall involviert ist, als er möchte. Denn der Hauptverdächtige ist ein alter Freund, dessen kleine Tochter im Sterben liegt.
Der Auftakt zu einer hochspannenden Serie, die auf authentischen Fällen und echten Ermittlungen basiert - von Deutschlands bekanntestem Rechtsmediziner.


„Nichts ist so grausam wie die Realität - eine fulminante Mischung aus Fakten und Fiktion!“ Sebastian Fitzek


(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)


  • Broschiert: 432 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Oktober 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426517892
  • ISBN-13: 978-3426517895
  • Reihe: True Crime Thriller um Rechtsmediziner Fred Abel, Bd. 1

















DER MILES-AND-MORE-KILLER...




Wahre Kriminalfälle in fiktive Handlungen gekleidet - kann das denn funktionieren? Nun, Michael Tsokos tritt hier in seinem ersten True-Crime-Thriller den Beweis an und lässt den Rechtsmediziner Fred Abel vom BKA ermitteln. Es beginnt nahezu belanglos mit der Leiche einer alten Frau, die in ihrer Wohnung ermordet wurde. Alles sieht nach dem typischen Fall eines sog. 'Nachläufers' aus - jemand folgt einer wehr- und arglosen Frau bis zu deren Wohnung, schubst sie durch die gerade geöffnete Haustür und fesselt sie dann oder bringt sie, wie in diesem Fall, gleich um. Anschließend wird die Wohnung nach Wertsachen durchsucht. Doch Abel hat gleich ein ungutes Gefühl, als er die Leiche näher betrachtet: auf einem Bein der alten Frau hat der Täter einen Schriftzug hinterlassen: 'Respectez Asia'. Ohne noch wirklich zu wissen, was dahinter steckt, ahnt Abel bereits, dass sich dies noch zu einem großen Fall ausweiten wird.

Der Täter hat kaum Spuren hinterlassen, so dass kein wirkliches DNA-Profil erstellt werden kann. Doch ein grobes Profil lässt sich durchaus ermitteln, und rasch steht fest, dass es sich bei dem Täter um einen schwarzhäutigen, afrikastämmigen Mann handeln muss. Als der ermittelnde Kommissar das grobe Ergebnis durch die Computerdateien jagt, tätigt das System tatsächlich einen Treffer. Doch Abel traut seinen Ohren nicht, als er den Namen hört - es handelt sich bei dem möglichen Täter um einen alten Freund des Rechtsmediziners aus Militärtagen. Doch nicht allein der Unglaube an die Täterschaft seines Freundes lässt Abel in dem Fall schließlich über die Maßen aktiv werden, sondern vor allem die Tatsache, dass die Tochter seines Freundes im Sterben liegt und sich nichts sehnlicher wünscht als noch einmal ihren Vater zu sehen.

Die Ermittlungen ziehen sich letztlich quer durch ganz Europa. Der Täter scheint von Land zu Land zu eilen und jeweils in der Nähe der Flughäfen erneut zuzuschlagen. Was treibt den Mann an, wer ist es - und vor allem: wie ist er zu stoppen?

Die wechselnde Perspektive zwischen dem ermittelnden Rechtsmediziner einerseits und dem Täter andererseits verschafft dem Leser recht eindringliche Einblicke in den Fall. Sowohl die Begleitung der Gedanken, Erinnerungen und überaus brutalen Taten des Serienmörders, der rasch als der Miles-and-More-Killer bezeichnet wird, als auch die z.T. sehr detaillierte Schilderung gerichtsmedizinischen Vorgehens verlangen dem Leser einiges ab. Zart besaitet sollte man da eher nicht sein. Dank des wahren Hintergrundes sowie der langjährigen eigenen Erfahrung des Autors als Rechtsmediziner wird den Schilderungen eine besondere Authentizität verliehen. Aber auch der Humor kommt hier nicht zu kurz - wenn es sich auch zugegebenermaßen meist um eher schwarzen Humor handelt. So zum Beispiel, als sich der Anrufbeantworter des kauzigen Rechtsmediziners aus Bari meldet: 'Dottore Solarino. Wenn Sie bei mir anrufen, sind Sie entweder tot oder haben andere schwerwiegende Probleme.'

Auch wenn die Identität des Täters für mein Empfinden zu früh gelüftet wurde und das Buch stellenweise durchaus auch einige Längen aufweist, was zulasten der Spannung ging, konnte mich das Gesamtkonzept letztlich überzeugen. Und so werde ich sicher bald auch den zweiten Band um den Rechtsmediziner Fred Abel lesen - nicht zuletzt deswegen, weil dieser Thriller mit einem echt fiesen Cliffhanger endete.

Für Thrillerfans, die an wahren Gegebenheiten und Hintergründen interessiert sind, in jedem Fall empfehlenswert...


© Parden
























Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über den Autor:




Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.

übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur

Montag, 9. Mai 2016

Wie ein Bild entsteht...



Heute zeige ich mal,  wie in 2 - 3 Tagen eine großformatige Portraitzeichnung entsteht:


Bild 1: Man sieht... noch nicht viel


Bild 2: die Bleistiftskizze hat noch viele Fehler...



Bild 3: Egal, die Konturen werden schon mal mit Kohlestift nachgezogen



Bild 4: sieht doch schon ganz passabel aus


Bild 5: Ein paar Details kommen dazu




Bild 6: Die Gesichter sollen plastisch sein


Darf ich vorstellen: Lina mit ihrer Mama
Lina sagt: "Im August werde ich sechs und dann bin ich bald ein Schulkind!"

Zeichnung: Blei- und Kohlestift auf Zeichenkarton, DIN A 2
by TinSoldier 2016


Copyright: R. Fröhlich (TinSoldier)

Donnerstag, 5. Mai 2016

Somer, Bradley: Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel

 

Die schönste Fish-Out-Of-Water-Story des Jahres!


Goldfisch Ian fällt. Aus dem 27. Stock. Auf seinem Weg nach unten fliegen die Fenster des Wohnhauses in rasender Geschwindigkeit an ihm vorbei – und mit ihnen die Geschichten der Menschen, die dahinter wohnen. Während Ian immer schneller auf den Bürgersteig zurast, fiebern wir nicht nur mit ihm mit, sondern erhaschen durch seine Augen einen Blick auf die Schicksale dieser Menschen. Ein Leben wird dabei beginnen, eines enden, und am Schluss begreifen wir, dass das Glas, das uns vom Rest der Welt trennt, zerbrechlicher ist, als wir glauben. Dann wird auch klar, warum Ian eigentlich fällt – und was passiert, wenn er landet.

In ›Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel‹ geht es buchstäblich um Leben und Tod. Bradley Somer klappt das Haus in der Roxy Street auf wie eine Puppenstube und erweckt die Figuren darin auf wunderbar liebevolle, spielerische und humorvolle Weise zum Leben.


(Klappentext Dumont Verlag)


  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (12. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Annette Hahn
  • ISBN-10: 3832197834
  • ISBN-13: 978-3832197834
  • Originaltitel: Fishbowl

























ZU OBERFLÄCHLICH UND BELANGLOS...





Ian heißt der ganz gewöhnliche Goldfisch, den eigentlich nur die Tatsache von seinen Artgenossen unterscheidet, dass er von dem Balkon der Wohnung im 27. Stock aus eine ungewöhnlich gute Aussicht über die ganze Stadt hat. Ach ja, und die Tatsache natürlich, dass er sich aus seinem Goldfischglas befreit hat - und sich nun im freien Fall in Richtung Straße befindet. Ein Unternehmen, das wenig durchdacht klingt, nun aber nicht mehr abgebrochen werden kann - zu schnell ziehen Fenster und Stockwerke an dem Fisch vorbei, ein Atmen ist nicht mehr möglich, der Asphalt nähert sich mit rasender Geschwindigkeit.

Und doch ist es am allerwenigsten der Goldfisch Ian, um den es in diesem Buch geht. Seine kurzen Blicke auf die im freien Fall vorbeihuschenden Leben der Bewohner des Hochhauses sind es, die hier wirklich von Bedeutung sind: einzelne Menschenschicksale, die durch diesen zufälligen Sturz vom Balkon aus dem Dunkel der Anonymität des Stadtlebens gehoben und dem Leser präsentiert werden. 30 Minuten im Leben dieser Menschen, dieses Hauses, dieses Goldfisches umfasst die ganze Spanne des Buches - geschildert auf immerhin über 300 Seiten.

Ian selbst kommt nur in einzelnen Kapiteln vor, und nach anfänglicher Verblüffung darüber, war ich dann sogar eher erleichtert, dem Fisch nicht häufiger zu begegnen. Zu banal das Geschehen, zu häufig die Wiederholungen (bespielsweise bezüglich der kaum nennenswerten Gedächtnisleistung eines Goldfisches), zu langatmig die Szenen - ehrlich gesagt fing ich mich bei diesen Kapiteln zunehmend an zu langweilen. Ian erfüllt in diesem Buch genau zwei Funktionen: er ist mit seinem freien Fall das verbindene Glied zwischen den anderen Geschichten, und er steht für eine allgemeine Lebensweisheit:


"Ein ganzes Leben in einem Fischglas führt dazu, dass man als alter Fisch stirbt, ohne auch nur ein einziges Abenteuer erlebt zu haben." (S. 63)



Einige wenige Namen begegnen dem Leser immer wieder, und Bradley Somer lässt ihn an deren Leben teilhaben. Nichts Spektakuläres geschieht hier, nichts von wirklicher Bedeutung - außer für den Betreffenden selbst. Alltägliches, das in den Fokus des Betrachters gerät - und schließlich wieder in die Dunkelheit der Anonymität zurückgleitet. In kurzen Kapiteln werden die Geschichten einiger Bewohner des "Seville on the Roxy" blitzlichtartig in diesem kleinen Zeitfenster erzählt, alle tauchen mehrmals auf, begegnen einander auch zum Teil, und teilweise wird ein und dasselbe Geschehen aus verschiedenen Perspektiven erzählt - allerdings häufig ohne dass der Leser dabei etwas Neues erfährt. Und parallel zu des Goldfischs Außenblick auf das Geschehen, erfährt der Leser viel von dem Innenleben der Bewohner, von ihren Gedanken und Gefühlen. Einsamkeit ist ein Thema, das sich hier beispielsweise durch alle Geschichten zieht.


"...stellt er sich vor, das von diesem Punkt aus in jede Rischtung Menschen sind. Er fühlt sich in dieses Gebäude voller Menschen eingewickelt wie in Geschenkpapier. Sie gehen über seinem Kopf, sitzen unter seinen Füßen, schlafen zu seiner Linken und schenken sich zu seiner Rechten Tee ein. Hunderte von ihnen in jeder Richtung, und dennoch kennt er keinen davon. Er weiß nichts über ihr leben, kennt nicht ihre namen. Sie alle sind für ihn Fremde (...) Das Treppenaus, denkt er, ist das Zentrum reiner Einsamkeit, und ich bin mittendrin." (S. 82)


Ich hatte hier ehrlich gesagt etwas anderes erwartet - Humorvolleres, Spritzigeres, auch Tiefsinnigeres. Einzelne Schicksale fand ich durchaus interessant und hätte sie auch über die eigentliche Erzählung hinaus noch gerne länger verfolgt, aber insgesamt war mir das Buch in seiner Aussage zu banal und zu oberflächlich. Einige allgemeine Lebensweisheiten kristallisierten sich hier heraus, wie 'sein Leben wirklich leben' und 'gemeinsam ist besser als einsam', sicher auch der Appell zu mehr Toleranz - aber insgesamt war das für mich nur wenig erschöpfend. Die Idee hinter dem Buch hätte m.E. deutlich mehr an Potential geboten.

Somit war dies für mich eine nette Unterhaltung, aber eben nicht das, was ich mir erhofft und aufgrund einiger Stimmen zum Buch auch erwartet hatte...


© Parden
























Bradley SomerDer Dumont Verlag schreibt über den Autor:



Bradley Somer wurde in Sydney, Australien, geboren und wuchs in Kanada auf. Er hat Studienabschlüsse in Anthropologie und Archäologie. Sein erster Roman ›Imperfections‹ wurde mit dem kanadischen CBC Bookie Award für das Debüt des Jahres ausgezeichnet. Derzeit lebt er in einem kleinen alten Haus in Calgary, wo er schreibt und dabei den Wildwuchs in seinem Garten zu ignorieren versucht.

übernommen vom Dumont Verlag

Mittwoch, 4. Mai 2016

Wangenheim, von, Inge: Station 5 - Romanze einer Genesung


In der 'Station 5' des Bezirkskrankenhauses Eisenberg musste sich Inge von Wangenheim einer komplizierten Operation unterziehen. In ihrer 'Romanze einer Genesung' schildert sie ihre Erlebnisse im Krankenhaus, ihre Mitpatienten, die Schwestern und Ärzte. Natürlich auch die Gespräche und Überlegungen. Es ist ein lebendiges Bild, das die Sensibilität der Autorin ebenso ausweist, wie es die Situation der Genesenden skizziert. 'Wir sind alle Unikümer!' charakterisiert ein Mitpatient den Kreis der Gäste auf 'Station 5'. Trifft das nicht ein wenig auf uns alle zu?











  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Mitteldeutscher Verlag, Halle 1985,; Auflage: 138 S. (1985)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3354001291
  • ISBN-13: 978-3354001299








WIR SIND ALLE UNIKÜMER!

Die alte Klinik in Eisenberg

'Unmögliches wird gleich erledigt - Wunder dauern etwas länger!'


Inge von Wangenheim ist schon über 70, als eine Hüftoperation unumgänglich wird. Ihre Wahl fällt auf Eisenberg, eine aus Holzbaracken bestehende kleine Klinik, entstanden aus einem in der Kriegszeit errichteten Lazarett - aber eben mit hochspezialisierten Orthopäden. Voller Vertrauen in die Zauberkräfte der Spezialisten begibt sich die Autorin in diese mitten im Wald gelegene Klinik - und der Leser erhält die Gelegenheit, sie für die vier Wochen ihres Krankenaufenthaltes dort zu begleiten.


'Alsbald, ich ahnte es längst, war es beschlossene Sache: ich gehörte in eine Werkstatt, wo das Unmögliche geleistet wird und die Wunder vollbracht werden. Mit Pillen, Bädern, Strom und Massage war an meinem Fall nichts  mehr zu bessern, auch nahm die Verunstaltung des Ganges rapide zu, was mich, ehrlich gestanden, am empfindlichsten traf. Wer tritt schon gern humpelnd vor sein Auditorium. Bliebe die Frage nach dem berufensten Zauberer in möglichster Nähe. Aber das war keine Frage. Die Wahl fiel auf Eisenberg...'


► Inge von Wangenheim
Zugegeben habe ich bislang erst kaum Erfahrung mit DDR-Literatur gemacht. Als ich dieses Buch geliehen bekam mit der Erwartung, es auch zu lesen, war ich doch überrascht. Inge von Wangenheim? Zwar hatte ich den Namen schon einmal gehört, aber näher mit der Person beschäftigt hatte ich mich tatsächlich noch nie. Aber Wikipedia macht es ja leicht nachzuforschen, und so erfuhr ich, dass die Autorin von 1912 bis 1993 lebte, die letzten 20 Jahre in Weimar. Auf ein bewegtes Leben konnte sie zurückblicken, zunächst Schauspielerin, liiert mit dem Kommunisten Gustav von Wangenheim, während des Nationalsozialismus Exil in Frankreich und Russland, nach Kriegsende Rückkehr nach Deutschland und ab dann vorwiegend schriftstellerisch tätig, Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR.

Keine unumstrittene Schriftstellerin der ehemaligen DDR war Inge von Wangenheim wohl - aber dieses vorliegende, noch zu DDR-Zeiten gedruckte Buch ist vor allem eines: humanistisch.


'Nur was man verstanden hat, kann man bewältigen.'

Fast wie ein Tagebuch liest sich 'Station 5' - Geschehnisse, Begegnungen, Gedanken und Emfpindungen, alles findet hier seinen Platz. Deutlich wird die genaue Beobachtungsgabe der Autorin, aber eben auch die große Fähigkeit, diese fein ausformuliert wiederzugeben. Dabei hatte ich oftmals den Eindruck, in ein früheres Jahrhundert versetzt worden zu sein, denn die Formulierungen muteten fast altertümlich an - wenn man sich an den Schreibstil gewöhnt hat, aber wunderschön. Als ich später las, dass Inge von Wangenheim eine besondere Liebe verspürte zur großen bürgerlich-humanistischen Literatur von Lessing, Goethe oder Schiller, fand ich meine Empfindung bezüglich ihres eigenen Schreibstils nur bestätigt.

Neben der Beobachtungsgabe werden in den vorliegenden Zeilen auch andere Züge der Autorin sichtbar - eine große Empfindsamkeit, eine unstillbare Neugier, ein fast unbeugsamer Optimismus und eine zutiefst wohlwollende Haltung ihren Mitmenschen gegenüber. Diese humanistische Haltung hat mich tatsächlich beeindruckt.

Weniger Zeitgeschichte als erwartet, dafür ein interssanter Einblick in ein Stück Lebensgeschichte. Durchaus lesenswert!


© Parden





Es gibt zahlreiche interessante Seiten im world wide web zu Inge von Wangenheim, auf denen man umfassenden Einblick erhält in ihr Leben und Werk. Hier beispielhaft zwei ausführliche Informationsseiten:
Wikipedia
Unsere Neue Zeitung




Vielen Dank an Uwe für die nette Leihgabe. Auf 'Deutsch und Geschichte' wäre ich nun tatsächlich auch gespannt, wovon ich bislang ja erst das erste Kapitel kenne. Aber das - das ist eine andere Geschichte...

Dienstag, 3. Mai 2016

Jacob, Mira: Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz


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Da stürzt sich ein Mann von einer Brücke in Seattle - und Amina schießt das Foto, das berühmt werden wird. Doch wie abgebrüht muss man sein, in einem solchen Moment auf den Auslöser zu drücken? Amina verzeiht sich das nicht, verdingt sich fortan als Hochzeitsfotografin. Als ihr Vater sterbenskrank wird, muss sie sich ihrer bewegten Vergangenheit stellen, einer Geschichte, die in den 70er Jahren in Indien begann und nun in New Mexiko ihren Lauf nimmt. Amina beginnt, die Unwägbarkeiten des Lebens anzunehmen, und sich endlich mit den Geistern ihrer Familie auseinanderzusetzen.













  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Eichborn Verlag; Auflage: 1. Aufl. 2015 (12. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Edith Beleites
  • ISBN-10: 3847905619
  • ISBN-13: 978-3847905615
  • Originaltitel: The Sleepwalker's Guide to Dancing



















BERÜHREND, LEBENDIG, HOFFNUNGSVOLL...





Amina arbeitet als Hochzeitsfotografin in Seattle, auch wenn ihre Fotokunst eigentlich viel weiter reicht. Doch nach einem spektakulären, von der Presse zahlreich abgedruckten Bild von einem Indianer, der sich im Federschmuck von einer Brücke stürzt, ist sie erschüttert von ihrer eigenen vermeintlichen Kaltblütigkeit und verschanzt sich hinter dem profanen Job der Eventfotos. Ihre Cousine Dimple ist es, die sie mit iher Quirligkeit und Lebensfreude zuweilen aus ihrer Mutlosigkeit holt, aber Amina hält fest an dem Vorsatz, keine besonderen Bilder mehr zu machen - höchstens heimlich und nur für sich...
Zu ihrer Familie hat Amina ebenso wie Dimple allenfalls noch rudimentären Kontakt, gelegentlich einmal ein Telefonat - durch ihren Weggang nach Seattle haben die beiden vesucht, ihre indischen Wurzeln weitgehend zu kappen und ein emanzipiertes, amerikanisches Leben zu führen. Doch dieser eine Anruf ihrer Mutter lässt die Situation kippen. Amina begreift, dass es nicht die übliche Lamentiererei ist, als ihre Mutter ihr berichtet, dass ihr Vater nunmehr bereits seit drei Nächten in Folge im Garten sitzt und redet. Nicht mit sich selbst, sondern mit Ammachy - seiner verstorbenen Mutter. Er kann sie sogar sehen. Amina sagt die Fototermine der nächsten Tage ab und macht sich auf den Weg nach Albuquerque in New Mexico.


Die Hochzeitsbeleuchtung war noch eingeschaltet und tauchte den Garten in dezentes goldenes Licht. Die Rückenlehne des Sofas und Thomas' Kopf hoben sich deutlich vor dem schimmernden Horizont ab. Das hohe Gras wogte im Wind, und Amina musste an einen Flößer in einem schwarz-grünen Strom denken. Seine Worte wehten in Böen zum Haus herüber. (S. 563)


Kaum wieder zu Hause, stürmt alles auf Amina ein. Die Mutter, die nicht glücklich ist, wenn sie ihre Familie nicht bekochen kann, die ihre Probleme in fulminanten Gerichten verkocht, die nur hört, was sie hören will, blind ist für Offensichtliches, sich in ihrem Glauben verschanzt und nie wirklich heimisch geworden ist in Amerika, nur ihrem Mann und ihrer Familie zuliebe nie zurückging nach Indien. Der Vater, der erfolgreich und anerkannt als Gehirnchirurg in einer ortsansässigen Klinik arbeitet, sich über seinen Beruf definiert, meist erst spätabends zu Hause ist und dann ganz für sich auf der Veranda seinen Scotch trinkt, der sich stets geweigert hat, nach Indien zurückzukehren, doch an den Konsequenzen bis heute zu leiden hat. Tanten, Onkel, die ganze redselige, farbenfrohe, bunte, neugierige, tratschende Verwandtschaft, die ständig ans Essen denkt und daran, wie Amina verkuppelt werden könnte - die ganzen Wurzeln sind wieder da und haben Amina im Griff.
Doch nicht nur die Sorgen um ihren Vater beschäftigen sie, auch ihre Vergangenheit holt sie ein. Frühere Besuche der Verwandten in Indien, ihre Schulzeit, der frühe Tod ihres Bruders - alles Themen, die sich unaufhaltsam ins Hier und Jetzt schleichen und ihre Spuren hinterlassen.


Endlich war ihr Vater glücklich. Das war unschwer zu erkennen. Sein Gesicht leuchtete vor Freude, und sein Blick hatte eine Intensität wie zu der Zeit, als er ein gefragter Chirurg war. Seine Hände flogen druch die Luft, als finge er vorbeiziehende Sätze ein. Mandchmal lachte er. Einmal drehte er sich sogar zu Amina um und zwinkerte ihr zu. Es kam ihr vor, als sei sie Teil einer großen, völlig verrückten Verschwörung. (S. 565)



Zehn Jahre hat Mira Jacob an diesem Roman gearbeitet - eine lange Zeitspanne, in der die Figuren liebevoll und bildhaft ausgestaltet werden konnten, die Szenen lebendig und anschaulich ausgefeilt wurden, die Gefühle ausreichend Platz bekamen, sich zu entfalten und die Handlungsstränge aus der Vergangenheit und der Gegenwart zu einer gelungenen Komposition verwoben werden konnten.
Von Beginn an hat mir dieser Roman gut gefallen; zunehmend konnte ich eintauchen in dieses Familienepos, mit all den schrulligen und skurrilen Personen, die dabei so lebensnah und glaubwürdig wirkten. Während anfangs der Humor überwog, mischte sich bald eine gewisse Traurigkeit und Wehmut in die Zeilen, denn die Autorin spart hier nicht mit berührenden und tragischen Themen: der Spagat zwischen den Kulturen, Angst, Liebe, Hoffnung, Verlust und Tod - eben die ganze Spannbreite des Lebens.

Ein tragikomisches, lebenspralles, hochemotionales Debüt, unterhaltsam und packend, anspruchsvoll und doch mit einer gewissen Leichtigkeit.

Von mir eine unbedingte Empfehlung!


© Parden































Mira Jacob - AutorMira Jacob erhielt ihren Master of Fine Arts in Kreativem Schreiben an The New School. Sie gründete und leitet diverse Lesereihen in New York, arbeitete als Redakteurin für verschiedene Onlinemagazine, schreibt Beiträge für Fernsehen, Radio und verschiedene Magazine. "Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz" ist ihr erster Roman.


Quelle Text und Bild