Dienstag, 8. September 2020

Wittenfeld: Kunst und Krimi


Da flattert mal wieder ein Buch ins Haus und es kommt aus einem mir inzwischen gut bekanntem Selbstverlag. Ruhrkrimi-Verlag. Gleich gerate ich in einen Konflikt. 

„Kunst und Krimi, schließt sich das aus? Wir würden sagen: Nein. Kunst kann spannend, brutal und tödlich, Krimis können kunstvoll, phantastisch und bunt sein... In diesem Buch spielt die Kunst keine Rolle in den Krimis, sondern sie begleitet die Krimikurzgeschichten.“

So leiten Dr. Daniela Richter-Wittenfeld und Uwe Wittenfeld diesen Band ein und prompt trete ich in einen Fettnapf. 

Schon in der ersten Geschichte, in der es um Zechenschließung und verarschte Kumpel, auf deren Reihenhäuser Grundstücksmakler nicht nur ein Auge geworfen haben und die bezeichnenderweise  Bonnie und Klaus heißt, klingt nach Bonnie and Clyde, kommt eine Pistole mit Schalldämpfer vor. 


Vor der Geschichte folgende Kunst: „Acrylfarben gespachtelt. Datenträger mit Baumwolle und Bast bewebt und mit einer Lichterkette verbunden. Datenträger aud Espressokapseln befestigt.“

Und was fällt mir Banause dazu ein? Der Boden einer Patronenhülse. Ich fand, das lag nahe. Ein Fettnapf, denn ich gab das kund...



Die Geschichten sind wirklich gut. Sie sind ruhrig.   Die Dialoge bezeichnend: 

„Wie isses?“

„Muss. Und selber?“

„Muss...“

Aber Uwe Wittenfeld schickt die Leser auch quer durch das Land, an die Ostsee, nach Potsdam, zurück nach Gelsenkirchen... Das Verblüffende ist jeweils das Ende. Ganz wenige Zeilen zur Auflösung. Oft in Staunen versetzend. Manchmal eher offensichtlich, zum Beispiel die Drohne, die da einer durch Berlin fliegt und denkt, es ist ein Spiel...

Oder warum man plötzlich keinen Spargel mehr essen muss, zumindest für einige Jahre...

Und Hugo Koslowsky begegnen wir auch wieder.

Jede Geschichte anders. Jede ein neuer, manchmal unglaublicher Kriminalfall. Tolle Frühstückslektüre. Das kann er, der Uwe Wittenfeld. Die Idee der farbigen Kunst, gespachtelte Acrylfarben auf Pastell-Ölkreide, mit Baumwolle, Perlen, Frischhaltefolie, dazu CD´s und Espressokapseln: Ehrlich, ich fands zuerst seltsam, aber wie bei einem Bild, dass den Betrachter erst mit der Zeit anspricht, gehte es mir hier ähnlich. Von Geschichte zu Geschichte werden die Farben ansprechender und wirken nicht nur beruhigend. Also bitte ich vielmals um Entschuldigung für den Vergleich mit einer (noch) ungenutzten Patrone, Frau Richter-Wittenfeld.


Collage

Kunst Collagen


Schöne Idee... 

Uwe Wittenfelds Romane haben hier schon ihren Platz. Und so mache seiner Kurzgeschichten warten noch als Frühstückslektüre. Vielen Dank, Uwe, für das Exemplar.

© Bücherjunge


1 Kommentar:

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