Sonntag, 13. September 2020

Bánk, Zsuzsa: Sterben im Sommer

 

Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon.

 

 


  • Gebundene Ausgabe : 240 Seiten
  • ISBN-10 : 3103970315
  • ISBN-13 : 978-3103970319
  • Herausgeber : S. FISCHER; 1. Auflage (9. September 2020)
  • Sprache: : Deutsch

 

 

Ein Buch, das ich freundlicherweise durch NetGalley zur Verfügung gestellt bekommen habe - herzlichen Dank dafür! Mir war klar, dass dies sicher keine leichte Lektüre werden würde - und behielt Recht. Wie es mir mit der Erzählung ging, könnt Ihr hier nachlesen:








EIN EINDRINGLICHES, POETISCHES, INTIMES BUCH ÜBER ABSCHIED UND TRAUER...


© Parden

 

Schon der Klappentext verrät, dass dies kein leichtes Buch ist. Aber bereits mit ihrem Buch "Weihnachtshaus" hat Zsuzsa Bánk bewiesen, dass sie das Thema 'Trauer' sensibel und zart-melancholisch behandelt ohne sentimental zu werden, und so wurde ich neugierig. 

Hier schildert die Autorin das letzte Jahr im Leben ihres Vaters, im Januar die Diagnose, dass der besiegt geglaubte Krebs zurückgekehrt ist, unheilbar. Noch einmal will die Familie einen Sommer in Ungarn genießen, der Heimat der Eltern, aus der sie 1956 geflohen sind. Heiße, flirrende Tage am Balaton, Schwimmen am See, das Sommerhaus der Familie, ein kaltes Soproni in der Hand. Doch wird der Vater vor Ende des Urlaubs mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen, das Sterben beginnt - mit einer Odyssee an Krankenhausaufenthalten aber auch mit liebevollen Momenten.

Dieses Buch ist ein Erfahrungsbericht, eine Familiengeschichte, eine Liebeserklärung, eine Trauerverarbeitung, eine zart gewobene Komposition aus überwältigenden Gefühlen, zermürbendem Alltag, kleinen Inseln der Ruhe, Rückblenden in die Vergangenheit, biografischen Anteilen, sehr persönlichen Einblicken. Es endet nicht mit dem Tod des Vaters, sondern zeigt auch das Jahr danach, das erste Trauerjahr.

Eine durchaus schwere Kost, die ich oft nur in kleinen Häppchen lesen mochte, die mich aber durch die poetische Note immer wieder in den Bann zog. Wer wie ich selbst schon Eltern verloren hat, wird sich in vielen Punkten wiedererkennen, vergleichen: wie war es bei mir, bei uns? Auch dafür brauchte ich Pausen bei der Lektüre. 

Aber die Stärke Zsuzsa Bánks ist tatsächlich, dass sie Gefühle einerseits klar transportiert, dass die poetische Sprache jedoch andererseits ein Überbordern der Gefühle verhindert. Dadurch entsteht zwar ein Berührtsein, jedoch ohne Überschwemmung mit Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit.

Ein eindringliches, poetisches, intimes Buch über Abschied und Trauer, das sicher Menschen in ähnlichen Lebenssituationen oder mit ähnlichen Erfarhungen anspricht. Für mich ein ganz besonderes Buch.


© Parden



 

 


 

  

 

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für »Unter Hunden« aus ihrem Erzählungsband »Heißester Sommer« erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis. Auch ihre Romane »Die hellen Tage« und »Schlafen werden wir später« wurden große Erfolge. Zuletzt erschien »Sterben im Sommer«.

Quelle:  S. Fischer Verlage

1 Kommentar:

  1. Allein die Rezension bringt schon Bilder vor meine Augen, eigene Erinnerungen.

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