DNB / Input Verlag / 2021 / ISBN 978-3-941905-39-9 / 288 Seiten
Ein nettes Geschenk zu einem runden Geburtstag von einem Bücherfreund ist nun gelesen - vielen Dank dafür! Gelesen wurde es passend im April, die Rezension kommt nun etwas später...
Kurzmeinung: Trotz der altertümlichen Sprache ein angenehmes Leseerlebnis. Vier Frauen im Frühling an der italienischen Mittelmeerküste - alles blüht...
FRÜHLING IN ITALIEN...
Ein Zeitungsinserat weckt sofort die Sehnsucht von Lotty Wilkins: ein mittelalterliches Castello in Italien am Meer kann für den April gemietet werden. Wie das wäre - einen Monat lang kein Dauerregen im ewig grauen London, einen Monat lang fern von ihrem Mann, der mehr mit seinem Beruf als Bankangestellter verheiratet zu sein scheint als mit ihr. Als Lotty in ihrem Club eine andere junge Frau entdeckt, die eben diese Anzeige in der Times zu studieren scheint, spricht sie sie kurzerhand an. Beide Frauen kennen sich vom sonntäglichen Kirchenbesuch, haben aber noch nie miteinander geredet. Doch nun teilen sie eine Sehnsucht - und darf man denn nicht träumen?
"An diejenigen, die Blauregen und Sonnenschein zu schätzen wissen. Kleine mittelalterliche italienische Burg an den Ufern des Mittelmeers für den Monat April möbliert zu vermieten. Notwendige Bedienstete vorhanden." (S.9)
Mrs. Wilkins und Mrs. Arbuthnot beschließen kurzerhand, ihr Glück zu versuchen. Und erfahren vom Urheber des Inserats, dass sie das Vergnügen 60 Pfund kosten würde. 60 Pfund! Doch einmal entschlossen, geben die beiden jungen Frauen nicht auf, sondern inserieren nun ihrerseits, dass sie noch zwei Mitstreiterinnen suchen. Und so machen sich schließlich vier englische Damen auf den Weg ins sonnige Italien, vier Damen, die noch nie etwas miteinander zu tun hatten, die unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft sind, und die lediglich die Sehnsucht nach einer Auszeit teilen - und nach dem sonnigen Frühling in Italien.
Während die vier Damen zu Beginn auf Abstand gehen und ihren Eigenheiten und Gedanken Raum geben, beginnt der Ort sie zunehmend zu verzaubern. Gerade Lotty Wilkins, die auf die anderen einen etwas unkonventionellen Eindruck macht, kann sich diesem Zauber nicht entziehen - und möchte nun auch ihren Mann - gerade ihn, dem sie doch für die vier Wochen entfliehen wollte - an ihrem Glück teilhaben lassen. Und lädt ihn ein. Und so entpuppt sich ein Reigen, zu dem sich nach und nach auch noch andere Männer hinzugesellen, ganz entgegen der ursprünglichen Absprache...
Dieser Roman erschien erstmals im Jahr 1922, und entsprechend sind die Charakterdarstellungen und Rollenzuschreibungen sowie der heute altertümlich anmutende Schreibstil (trotz der etwas modernisierten Fassung in dieser Ausgabe). Dies habe ich aber genauso erwartet, und so empfand ich das Leseerlebnis als stimmig. Elizabeth von Arnim berichtet aus der Position der wissenden Erzählerin, begleitet die Charaktere mal mitfühlend, mal in kritischem Ton und lässt dabei immer wieder auch einen ironischen Humor erkennen. Besonders letzterer hat neben einigen Szenen mit viel Situationskomik bei mir für Erheiterung gesorgt.
Die Autorin versteht es, neben den treffenden Charakterstudien auch die Naturbeschreibungen sehr bildhaft und atmosphärisch zu gestalten. Auch wenn diese Szenen manchmal etwas weitschweifig geraten, verfehlen die Schilderungen ihre Wirkung nicht. So fühlt man sich beim Lesen so manches Mal selbst in einen üppig blühenden Garten versetzt - mit frühlingshaften Farben und Düften und dem herrlichen Ausblick auf das blau glitzernde Meer.
Ein entschleunigendes Leseerlebnis, das zeigt, dass es sich lohnt, auch alte Schätze wiederzuentdecken.
© Parden


Freut mich, dass es nun zwei Buchbesprechungen zu diesem Buch gibt.
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