Samstag, 3. Oktober 2015

Ein Bergsteiger im Flachland: Reinhold Messner...

oder eine Ankündigung.

Bei meiner Oma fand ich im Bücherschrank, den ich durchstöbern durfte, zwei Bücher eines gewissen Fritz Rudolph. Vielleicht war ich elf oder zwölf oder dreizehn Jahre alt und vom "Bergsteigen" war mir soviel bekannt, dass es in der Sächsischen Schweiz gleich nebenan Sport viele Leute waren, die diesen Sport betrieben, es gab (und gibt es heute noch) sogar einen Bergsteigerchor und die Roten Bergsteiger gab es auch. Doch dann fand ich eben diese Bücher aus den Jahren 1955, HIMALAYA TIGERS und von 1959, GIPFEL OHNE GÖTTER. Gelesen habe ich die also, bevor ein gewisser Reinhold Messner im Jahr 1978 den Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff bestieg.

Nicht das ich nun Bergsteiger oder auch nur Kletterer geworden wäre, ein paar kurze, wenn auch interessante und erfahrungsreiche Versuche in den 90ziger Jahren gab ich wegen Beweglichkeitsproblemen wieder auf, aber das Interesse an solchen "Abenteuern" war geweckt. Von Fritz Rudolf und seinen Büchern wird noch einmal die Rede sein, zu Beginn der "Bergsteigerreihe" geht es erst einmal um den bereits genannten  Reinhold Messner, einen Großen der Zunft der Alpinisten.

Das Himalaya aus demWeltall fotografiert (wiki)


Der war am 28.01.2014 schon einmal Thema aber bei den Buchgesichtern, die es damals noch gab. Hier die Geschichte dazu:

* * *


Ein Bergsteiger im Flachland



Bereits im letzten Jahr fand ich eines Tages im NORDKURIER, das ist die hiesige Tageszeitung, einen Artikel mit einem Interview mit Reinhold MESSNER. An sich scheint es müßig, Irgendjemanden zu fragen, wer das sei. Den meisten Leuten ist er bekannt. Vor allem als Bergsteiger. Schließlich hatte er als erster Bergsteiger alle Achtausender bestiegen und unzählige Bücher geschrieben.

Messner sagt in dem Interview, dass er zwei schwerwiegende Dinge zu verantworten hat. Dazu gehört der Tod seines Bruders Günther, der im Jahr 1970 am Nanga Parbat blieb. Diese Geschichte wurde übrigens von Joseph Vilsmaier im Jahr 2010 verfilmt.

Was den Gipfelsturm betrifft, war die Expedition damals erfolgreich. Aber der Tod von Günther Messner zog jahrelange Streitereien, auch Gerichtsverfahren nach sich. Es gab bis zum Tod des Expeditionsleiters Karl Maria Herrligkoffer (1991) keine Versöhnung zwischen Reinhold Messner und diesem.

Und nun spricht Messner, 69zigjährig am 23.01.14 in der Stadthalle von Neubrandenburg. Diese ist gut besucht, hätte ich gar nicht gedacht. Eine große Leinwand in der Mitte des Saales auf der Bühne. Rechts daneben ein kleines Pult mit einem Glas Wasser. Natürlich ein langer Tisch mit Büchern, Büchern, Büchern. 





Eines hab ich mir mitgebracht: Die Freiheit aufzubrechen, wohin ich will. Nein, Freunde, das ist kein Hölderlin - Zitat, dieses würde korrekt heißen: "…wohin er will." Der Mensch. Messner hat dieses Gedicht dem Buch voran gestellt. 

"Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern',
Und verstehe die Freiheit,
Aufzubrechen, wohin er will." 
(Hölderlin: Lebenslauf, letzte Strophe)



Das Buch möchte ich mir signieren lassen. Natürlich.

Messner nimmt die Zuhörer und Zuschauer mit auf eine Reise um den Globus. Er fängt mit dem McKinley an, dem höchsten Berg von Nordamerika. Warum hab ich mir das gemerkt? Dort ist es nicht nur ganz oben sch…kalt, nein, ganz unten nicht minder. Danach gibt es erst einmal eine Rückblende in sein süd-tiroler Heimat-Tal und die Geisslerspitzen. Er erzählt, dass man in einem Tal ohne Fußballplatz und Fernseher und ringsum nichts als hoher Felsen eben nur eines machen kann: Klettern.



Natürlich erzählt er vom Himalaya, vom Everest und George L. Mallory, der 1924 dort oben geblieben ist und dessen Leiche im Jahr 1999 gefunden wurde. Und vom Nanga…



Sehr interessant dann später die Tour zu Fuß über die Antarktis mit Arved Fuchs. Er leitet dies mit der für uns wohl unglaublichen Geschichte von Ernest Shackleton und seiner Endurance - Expedition. Dies gibt uns Zuhörern einen schönen Einblick in die Motivation für solche Reisen.

Der Vortrag wird immer mal wieder von kleinen Filmausschnitten unterbrochen, in denen Messner nichts sagt. Mit leiser Musik unterlegt lässt er die Bilder für sich sprechen. Er hat es drauf, die Zuhörer in den Bann zu ziehen.

Ungefähr 2,5 Stunden dauert der Vortrag. Die Karte kostete 29 €. Hinzu kommt noch eine Rechnung. Für was wohl? Natürlich. Wer wenn nicht ihr wisst wovon ich rede.


Eines ist das Buch ANTARKTIS - Himmel und Hölle zugleich, das andere heißt EVEREST - Expeditionen zum Endpunkt. Natürlich ziert letzteres auch eine Unterschrift des Verfassers.

Es war ein gelungener Abend.

PS zum ersten: Fotoapparat vergessen. Mist. Sonst hätte es ein besseres Bild hier geben können.

PS zum zweiten: Im Anschluss unterhalte ich mich mit einem älteren Herrn, der doch tatsächlich die Fritz-Rudolph-Bücher über das Himalaya kennt. GIPFEL OHNE GÖTTER und HIMALAYA-TIGERS sind die Bücher, welche in mir das Leseinteresse zu diesen Themen weckte.

PS zum dritten:

Messner baut Museen auf. Über Bergvölker, das Klettern, das Eisklettern, Expeditionen und die Welt. Der Plan: nächstes Jahr geht’s zum Skifahren nach Südtirol, in die Dolomiten. Da werde ich dann dieses oder jenes Museum besuchen. Und wenn nicht nächstes Jahr, dann eben übernächstes. Unbedingt. 

* * * 

Es sind eine Menge "Abenteuerbücher" dazu gekommen im Laufe der Jahre. Über einige wird in den nächsten Wochen zu berichten sein. Über das Buch Im Schatten des Everest - Die Geschichte der Sherpa vom Enkel des Erstbesteigers Tenzing Norgay, Tashi Tenzing. Oder von Peter Firstbrooks Verschollen am Mount Everest - Die spektakuläre Suche nach George Mallory.


Eine kleine Auswahl

Mallory und Tensing sind Bergsteigerlegenden die ich bei Rudolph kennen lernte, welche aber natürlich auch bei Messner eine Rolle spielen. Es wird also spannend und vielseitig werden.

* * *

Gestern war ich im Kino. Im Film EVEREST. Von dem wird noch die Rede sein. Ein Spielfilm nach wahren Begebenheiten in 3D. Tolle Bilder. Diese erinnerten mich an den Vortrag von Messner. Und damit beginnt eine kleine Reihe von Büchergeschichten, denn Beiträge wohl das Maß einer Rezension wieder einmal sprengen werden.


© KaratekaDD


1 Kommentar:

  1. Was aus Kinobesuchen alles so entstehen kann... ;) Vielseitige Interessen, der Herr. Karate, versteht sich, Israel, Indianer und nun noch die Bergsteiger. Na, es gibt viel zu tun!

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