Dienstag, 23. August 2016

Blasmusik



TinSoldiers Fotos und Zeichnungen

Der Blechbläser
Graphit/Kohle auf Zeichenkarton, 40 x 50 cm
Zeichnung by TinSoldier

Samstag, 20. August 2016

Willemsen, Roger: Habe Häuschen. Da würden wir leben (Hörbuch)


Für den Moderator und Publizisten Roger Willemsen ist die Welt der Kontaktanzeigen eine Literatur neben der Literatur: Sie findet massenhafte Verbreitung und macht aus allen Menschen Autoren und Autorinnen – und das schon seit Jahrhunderten. In ihren Annoncen zeigen sich die Verfasser unverblümt und komisch, aber auch fordernd oder bitter. Sie sagen, wie sie selbst sich sehen oder gesehen werden möchten, und entwickeln ihre Ideale eines geglückten Liebeslebens. Das ist oft (unfreiwillig) komisch. Doch vor allem sagt diese Literatur etwas über den suchenden Menschen aus – und sie ist in dieser Hinsicht auch ernst zu nehmen. Willemsen hat lange recherchiert und dabei allerlei Rührendes, Abstruses, Groteskes und Komisches ausgegraben. In einer szenischen Lesung mit der Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke streift er durch seine Funde und denkt laut über die unterschiedlichen Facetten der »Verpartnerungsprosa« nach. 


  • Audio CD
  • Verlag: tacheles!/ROOF Music; Auflage: 2 (13. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • Sprecher: Roger Willemsen, Anke Engelke 
  • Spielzeit: 85 Minuten
  • ISBN-10: 3864843170
  • ISBN-13: 978-3864843174











 IM DSCHUNGEL DER KONTAKTANZEIGEN...

Es gibt eine Literatur neben der Literatur, eine, die auf eigene Weise von dem spricht, was ist, was fehlt, was sein soll, und die aus allen Menschen Autoren macht: die Kontaktanzeige. Hier zeigen sich Menschen unverblümt, hier sagen sie, wie sie selbst sich sehen oder gesehen werden möchten, hier entwickeln sie ihre Ideale eines geglückten Liebeslebens. Roger Willemsen hat lange und an entlegenen Publikationsorten recherchiert. In einer szenischen Lesung mit Anke Engelke denkt er laut über die unterschiedlichen Facetten der »Verpartnerungsprosa« nach und streift durch seine Funde.

Über 80 Millionen Deutsche haben allein im letzten Jahrzehnt eine Kontaktanzeige online gestellt. Fast jedes 5. Paar hat sich heutzutage im Internet kennengelernt. Um so dringender erschien Roger Willemsen daher die Aufgabe, sich einmal eingehender mit den Kontaktanzeigen zu befassen. Und - wenig verwunderlich - bei allen modernen Entwicklungen: die Sprache der Inserate ähnelt doch noch häufig der der Höhlenbewohner von einst.

Diese 85minütige Lesung ist recht kurzweilig inszeniert, dadurch dass sich Roger Willemsen und Anke Engelke abwechselnd und unterhaltsam laufend gegenseitig den Ball zuspielen. Highlights aus den Funden der Welt der Kontaktanzeigen werden untermalt durch nachdenkliche und dabei augenzwinkernde mögliche Interpretationen dieser ganz eigenen Schriftstücke - und Wissenswertes gibt es obendrein.

So erfährt der Hörer beispielsweise, dass die erste Kontaktanzeige am 19. Juli 1695 in einem Londoner Wochenblatt erschien - und für einen Eklat sorgte. "Ein Herr von etwa 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz sucht eine junge Dame mit einem Vermögen von circa 3.000 Pfund." Nicht jedoch der Inserent war es, der im Kreuzfeuer der Kritik stand, sondern die verantwortlichen Redakteure, die ein solches Inserat zuließen. Erst 30 Jahre später gab eine Frau eine derartige Anzeige auf - diesmal allerdings mit Folgen für sie selbst. Sie wurde als Exzentrikerin verschrieen und in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Etwa 120 Jahre später, am 30. Januar 1956, gab es erstmals eine andere Form der Kontaktanzeige. Die Eltern einer gerade einmal erwachsenen Tochter, die an 'Veiztanz' erkrankt war, boten diese meistbietend möglichst einem 40-50 jährigen Arzt als Ehefrau an, wenn dieser sich nur ausreichend um sie kümmere...

Wirklich neu sind die Kontaktanzeigen also nicht. Nur das Internet sorgte als moderne Form der Verbreitung dafür, dass auch diese Schriftstücke eine Art Globalisierung erfuhren. Der Lesung ist anzumerken, dass sowohl Anke Engelke als auch Roger Willemsen deutlich Spaß an dem Vortrag hatten. Sehr positiv empfand ich dabei, dass sich die Sprecher zwischendurch zwar durchaus lustig machen über die Inhalte der Kontaktanzeigen, dabei aber auch nachdenkliche Töne einbringen und manchmal nahezu anrühren.

Viel weniger 'Klamauk' wird hier also geboten, als ich anfangs erwartete. Aber ein paar skurrile Fundstücke seien hier dennoch weitergegeben: So sprach jemand nahezu lyrisch in seiner Kontaktanzeige von der Durchwanderung 'der grünen Auen des Kamasutras', bei einem zweiten schien es auf einen letzten Versuch hinauszulaufen 'Bin Rentner, 72, und suche jemanden, der das Leben genauso satt hat wie ich.'  und ein dritter meinte metaphorisch: 'Hänsel sucht Gretel - die Hexe hatte ich schon...'

Eine angenehm zu hörende Lesung um ein Phänomen der heutigen Zeit, die Unterhaltsames ebenso bietet wie Wissenswertes. Kein Muss, aber durchaus nett für zwischendurch!


© Parden















Roger Willemsen Roger Willemsen, geboren 1955 in Bonn, gestorben 2016 in Wentorf bei Hamburg, arbeitete zunächst als Dozent, Übersetzer und Korrespondent aus London, ab 1991 auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis in Gold, den Rinke- und den Julius-Campe-Preis, den Prix Pantheon-Sonderpreis, den Deutschen Hörbuchpreis und die Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft. Willemsen war Honorarprofessor für Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin, Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins und stand mit zahlreichen Soloprogrammen auf der Bühne. Zuletzt erschienen im S. Fischer Verlag seine Bestseller ›Der Knacks‹, ›Die Enden der Welt‹, ›Momentum‹ und ›Das Hohe Haus‹. Über sein umfangreiches Werk gibt Auskunft der Band ›Der leidenschaftliche Zeitgenosse‹, herausgegeben von Insa Wilke.


Anke Christina Engelke; bürgerlich: Anke Christina Fischer, ist eine deutsche Komikerin, Schauspielerin, Entertainerin, Musikerin, Synchronsprecherin und Moderatorin. Nähere Informationen s. Wikipedia



Mittwoch, 17. August 2016

Krätschmar, Tania: Seerosensommer


Kann man die große Liebe zweimal finden? Eigentlich ist Josephine nach dem Tod ihres Mannes fest davon überzeugt, dass ihre beiden Söhne von nun an die einzigen Männer in ihrem Leben sind. Als sie jedoch im Sommer darauf in eine alte Villa an der Müritz zieht, umdort ein Restaurant zu eröffnen, ist siesich plötzlich gar nicht mehr so sicher. Denn da ist Severin, dessen Augen so blau sind wie der Sommerhimmel.Doch ist sie wirklich schon bereit für eine neue Liebe?

(Klappentext Droemer Knaur)

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 694 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Knaur eBook; Auflage: 1 (13. November 2009)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B004X7TZJS

Momentan ist das Buch neu nur als eBook erhältlich...















BEDROHTE IDYLLE...



http://media.gettyimages.com/videos/lotus-flower-in-pond-video-id473052857?s=640x640


Für Josephine Gill bricht eine Welt zusammen, als ihr Mann bei einem Motorradunfall ums Leben kommt. Um den Schicksalsschlag besser zu verkraften, beschließt die junge Frau, das gemeinsame Restaurant in Berlin zu schließen, das gerade einen der begehrten Michelin Sterne bekommen hat. Mit ihrem jüngsten Sohn Gabriel und ihrer engsten Vertrauten Edith zieht Josephine nach Valtzow an der Müritz. Die alte Villa, die ihr Mann kurz vor seinem Tod für seine Familie gekauft hatte, wird renoviert, und bald schon fühlen sich die drei dort heimisch. Die Ruhe der Umgebung, die idyllische Lage an einem seerosenüberfluteten See und die Arbeit, die auf Josephine wartet, sorgen dafür, dass die Wogen der Trauer allmählich kleiner werden.

Gemeinsam mit Edith eröffnet Josephine in dem alten Herrenhaus die "Seerose", ein kleines, feines Restaurant mit regionaler Küche. Durch Zufall lernt sie neben einigen Dorfbewohnern auch Severin kennen, einen jungen Ingenieur, der ihr helfen will, für ihr Restaurant eine Terrasse zu bauen, damit die Gäste künftig auch den idyllischen Blick auf den See genießen können. Mit seinem Hausboot ankert er bald am Ufer ihres Grundstücks und begibt sich an die Arbeit. Zwischen der hübschen Josephine und dem blauäugigen Severin beginnt es zu knistern, doch die junge Witwe fühlt sich noch nicht wirklich bereit für eine neue Liebe. Und plötzlich wird auch die Idylle der "Seerose" bedroht, denn am gegenüberliegenden Ufer soll nun ein Yachthafen entstehen, für den sämtliche Natur dem Beton weichen müsste. Gibt es für die idyllische Existenz noch eine Chance?

Eine angenehm zu lesende Sommerlektüre in gewohnt flüssigem Schreibstil präsentiert Tania Krätschmar hier. Eine nette - und glücklicherweise nicht zu kitschige - kleine Romanze mit sympahtischen und authentischen Charakteren entblättert sich hier, gelungen verpackt in eine spannende Geschichte, bei der beim Lesen die verzweifelte Hoffnung auf ein Happy End aufkommt - man weiß nur nicht, wie das wohl noch gehen sollte...

Dieses Buch ist nicht wirklich Teil einer Reihe. Jedoch taucht hier mit der Schwester Josephines eine Figur auf, zu der es von Tania Krätschmar einen eigenen Roman gibt: die Biologin Ella, die sich in 'Winterherz' der Erforschung der Wölfe widmet. Es war nett, Ella hier, wenn auch kurz, wiederzubegegnen. Aber 'Seerosensommer' lässt sich ganz gewiss auch ohne Kenntnis des anderen Buches lesen.

Insgesamt also ein nettes Buch für Zwischendurch, bei dem man einfach mal die Seele baumeln lassen kann. Bei Gelegenheit gerne mehr davon!


© Parden





Das Buch ist bereits verfilmt worden!








Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über die Autorin:

Tania Krätschmar wurde 1960 in Berlin geboren. Nach ihrem Germanistikstudium in Berlin, Florida und New York arbeitete sie als Bookscout in Manhattan. Heute ist sie als Texterin, Übersetzerin und Autorin tätig. Sie lebt mit ihrem Sohn in Berlin.

► übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur

Sonntag, 14. August 2016

Kang, Han: Die Vegetarierin


Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die, laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

(Klappentext Aufbau Verlag)


  • Gebundene Ausgabe: 190 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (15. August 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Dr. Ki-Hyang Lee
  • ISBN-10: 3351036531
  • ISBN-13: 978-3351036539













ABGRÜNDE DER EINSAMKEIT...




Yeong-Hye lebt mit ihrem Mann in einer kleinen Wohnung in Seoul, bescheiden und unauffällig. Jeder geht täglich seinen Aufgaben nach, pflichtbewusst und beflissen, sei es in dem Bürojob, sei es im Haushalt. Ein durchschnittliches Leben in angenehmer Eintönigkeit, ohne Ambitionen oder Leidenschaften.


"Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten."


Yeong-Hyes Mann hätte so bis ans Ende seiner Tage zubringen können - hätte seine Frau nicht zu träumen begonnen. Diese Träume jedenfalls sind der Grund, weshalb Yeong-Hye plötzlich beschließt, kein Fleisch mehr zu essen und auch alle anderen tierischen Produkte aus dem Haushalt zu entfernen. Die junge Frau ist dabei sehr konsequent, magert in kurzer Zeit bis auf die Knochen ab. Bei einem Geschäftsessen blamiert Yeong-Hye ihren Mann mit ihrer Haltung, bei einem Familienessen kommt es zum Eklat. Während ihr Mann sich zunehmend von Yeong-Hye distanziert, reagiert ihr Schwager fasziniert auf sie. Er stellt sie in den Mittelpunkt seines neuesten Kunstprojekts, Yeong-Hye als perfektes Motiv für seine avantgardistische Videokunst - und er verfolgt dies obsessiv, bis es auch hier zum Eklat kommt. Seine Frau, Yeong-Hyes Schwester, versucht zu retten was zu retten ist. Und zu verstehen.

Dies ist der erste Roman einer südkoreanischen Autorin, den ich gelesen habe. Trotz seiner Kürze von gerade einmal 190 Seiten ist er ausgesprochen anspruchsvoll - nicht aufgrund der Sprache, die klar, wenig poetisch und oftmals auch reduziert ist, sondern aufgrund der zahlreichen verstörenden, oftmals traumartigen Bilder, der kafkaesken Erzählung, der surrealen und gleichzeitig symbolbehafteten Inhalte.

Dennoch habe ich den Roman gerne gelesen, denn er bietet Einblicke in das Leben Südkoreas, wo strenge soziale Normen herrschen und alles was aus dem Durchschnitt herausfällt als subversiv gilt. Die Entwicklung um Yeong-Hye ist der rote Faden des Buches, doch werden die drei Abschnitte des Romans aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven erzählt, nie allerdings aus der von Yeong-Hye selbst. Zunächst erlebt ihr Ehemann die Veränderungen Yeong-Hyes, später wechselt die Perspektive zu ihrem Schwager und als letztes zu ihrer Schwester. Das Empfinden der Einzelnen letztlich im Kontrast zu dem der Gesellschaft im allgemeinen und der beteiligten Institutionen im besonderen auf das veränderte Verhalten Yeong-Hyes werden so sichtbar und deutlich: die Verwirrung, Verängstigung, Bedrohung, der Versuch zu verstehen, aber auch das wachsende Bewusstsein von der eigenen Einsamkeit, das Hinterfragen.

Für mich strotzt die Erzählung nur so vor Symbolik, die sich mir vermutlich nur ansatzweise entschlüsselt. Was für mich hier deutlich Thema ist, ist das Eingeengtsein, das starre Angepasstsein, das um-alles-in-der-Welt-nicht-auffallen-Dürfen in der koreanischen Gesellschaft. Was aber zwangsläufig einhergeht mit der Entsagung von Lebensfreude, dem Alltagstrott ergeben, mit der Unterdrückung von Gefühlen und auch von Leidenschaften. Yeong-Heye wagt hier einen kleinen Akt der Unabhängigkeit, der eine Lawine nach sich zieht - und letztlich nur eine logische Konsequenz hat. Jeder Ausbruch aus den engen Konventionen wird in Südkorea nicht nur argwöhnisch beäugt, sondern gleich auch schwer geahndet - Ächtung durch die Verwandtschaft, Psychiatrie, Gefängnis. Also bleibt nur die vollkommene Verweigerung, die Flucht nach innen, weil es sonst keinen Weg zu geben scheint. Alle drei Perspektiven berichten von dieser Aussichtlosigkeit, und für alle drei ist das bisherige Dasein unerträglich - der Preis für das ewige, scheinbar emotionslose, Angepasstsein. Das ist die Botschaft, die dieser Roman für mich transportiert.

Ein außergewöhnlicher Roman, der in die Abgründe der Einsamkeit führt und von bizarren und grotesken Bildern lebt. Mir hat er gut gefallen und meiner Meinung nach völlig zurecht den International Man Booker Prize erhalten.


© Parden















Der Aufbau Verlag schreibt über die Autorin:

Han Kang wurde in Gwangju, Südkorea, geboren. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für ihr literarisches Schreiben wurde sie mit dem Yi- Sang-Literaturpreis, den Today’s Young Artist Award und dem Manhae Literaturpreis ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul.

► übernommen vom Aufbau Verlag

Samstag, 13. August 2016

Donna Leon - Autorenseite



Donna Leon
13. August 2016. KaratekaDD startet das Projekt Brunetti. Eigentlich könnte es auch Venedig-Projekt heißen. Dieses Projekt hat vor allem zu tun mit Donna Leon. Die Amerikanerin wurde am 29. September 1942 in New Jersey geboren. Bekannt geworden ist sie mit eben dieser nunmehr fünfundzwanzigbändigen Reihe um den Commissario Guido Brunetti, der im sogenannten Brunetti Projekt zukünftig besondere Beachtung finden wird. Nebst den inzwischen zweiundzwanzig Filmen. Ein Projekt, dass sich wohl mindestens bis zum September 2018 hinziehen wird, wenn ich es schaffe, jeden Monat ein Buch davon zu lesen, den Film zu schauen und das ganze hier zu besprechen.

Donna Leon, die in Venedig lebt, hat auch andere Bücher geschrieben. über Himmlische Juwelen und Mein Venedig habe ich hier schon einmal geschrieben, in dem Post über vier Frauen, die damit im Zusammenhang stehen.

Über Donna Leon lässt sich viel erzählen, aber dies möchte ich hauptsächlich über ihre Bücher tun.

Das man inzwischen Bücher über ihre Bücher schreibt, zeigt ein Link zur Deutschen Nationalbibliothek.


 Blog - Beiträge
Weblinks

 * * *

© Bücherjunge


Quellen & Abbildungen
  • Abb 1:  Von Michiel Hendryckx - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11938636











Das Brunetti Projekt



Familie Brunetti (Fernsehfilme)
Nein, in Venedig war ich (noch) nicht. Vielleicht muss ich im Zuge dieses Projekts aber mal dahin. Eine Fotoserie schießen und den Balkon fotografieren, auf dem so oft Paola, Guido, Raffaele und Chiara gesessen haben. Vielleicht weiß der geneigte Leser dieses Blogs, wen ich hier meine. Ja, die Familie des Commissarios Brunetti. Auch ein Bild der Questura und und und...

Fünfundzwanzig Fälle hat Donna Leon bisher den Lesern geschenkt. Zweiundzwanzig davon wurden bereits verfilmt. Nun wird es endlich mal Zeit, die Fälle des Commissarios Brunetti zu präsentieren.



Das Projekt lautet also:
Jeden Monat eins der Bücher und den dazugehörigen Film zu präsentieren. Das wir zwangsläufig zwei Jahre dauern; und länger, falls Donna Leon noch ein paar Fälle erfindet. Momentan wird es also dauern bis September 2018.



* 01 *   Venezianisches Finale
Hier geht es zum Post über Buch & Film.

* 02 *   Endstation Venedig
Ich stelle aber auch gerade fest, dass ich den zweiten Band tatsächlich schon einmal besprochen habe. Das kann man hier nachlesen.

* 16 *   Lasset die Kinder zu mir kommen
wurde schon einmal gastrezensiert, nachdem wir ein Exemplar davon verlost hatten.

* 26 *   Stille Wasser
Man sieht es geht reichlich durcheinander. dieser Link führt zur Rezension.

* * *

Brunettis Fälle:
Die Jahreszahlen zeigen die Veröffentlichung im Diogenes Verlag Zürich an. Die Links weisen auf Wikipedia - Artikel hin.

  1. Venezianisches Finale - 1993
  2. Endstation Venedig - 1995
  3. Venezianische Scharade - 1996
  4. Vendetta - 1997
  5. Acqua alta - 1997
  6. Sanft entschlafen - 1998
  7. Nobiltà - 1999
  8. In Sachen Signora Brunetti - 2000
  9. Feine Freunde - 2001
  10. Das Gesetz der Lagune - 2002
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima - 2003
  12. Verschwiegene Kanäle - 2004
  13. Beweise, daß es böse ist. Zürich - 2005
  14. Blutige Steine - 2006
  15. Wie durch ein dunkles Glas - 2007
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen - 2008
  17. Das Mädchen seiner Träume - 2009
  18. Schöner Schein - 2010
  19. Auf Treu und Glauben - 2011
  20. Reiches Erbe - 2012
  21. Tierische Profite - 2013
  22. Das goldene Ei - 2014
  23. Tod zwischen den Zeilen - 2015
  24. Endlich mein - 2015
  25. Ewige Jugend - 2016
  26. Stille Wasser - 2017
  27. Heimliche Versuchung - 2018
  28. Ein Sohn ist uns gegeben - 2019
  29. Geheime Quellen - 2020
  30. Flüchtiges Begehren - 2021
  31. Milde Gaben - 2022


© Bücherjunge (27.02.2023)

Freitag, 12. August 2016

From Classic to Klezmer

Stadtkirche / Konzertkirche
 



From Classic to Klezmer 
oder
Organ meet Clarinet

Ein Plakat an der Straße. Inmitten von Wahlplakaten, in MV wird bald gewählt. Doch erst fällt meine Wahl auf etwas Besonderes: Giora Feidman & Matthias Eisenberg spielen in der Stadtkirche von Neustrelitz.


 "Das besondere an einem Konzert in einer Kirche ist, dass das Publokum auf den Altar blickt, die Künstler jedoch hinten auf der Orgenempore spielen, oft sogar dem Zuschauer gänzlich verborgen bleiben." - So steht es in der Beschreibung der Konzert-CD. Es war nicht ganz so, zu Beginn geht der 80jährige in Argentinien geborene Giora Feidman ganz langsam mit langsamen und ganz leisen verhaltenen Tönen quer durch die Stadtkirche und trifft dann auf den Organisten, der in Dresden bekannt wurde. Es gibt schon ein paar Plätze in dieser Kirche, die einen Blick auf die Empore gestatten. Ich aber habe das Konzert genauso erlebt, wie es die beiden großen Künstler konzipiert haben.

Was folgt ist ein Reigen ganz eigenartiger Musik, wenn zwei Religionen eine Sprache sprechen *, die große Orgel auf eine Klarinette trifft, die Bachsche Toccata & Fuge auf Shalom Chaverim, Classic auf Klezmer, der Altmeister der Klezmer-Klarinette auf den ziemlich genau zwanzig Jahre jüngeren Organisten aus Dresden, der schon mit neun Jahren in Kirchen die Orgel spielte. Einige Stücke werden von einem kleinen Chor begleitet, das Publikum darf mitsingen, bei dem bekannten Donna Donna zum Beispiel.


Ein Plakat an der Straße und eine Karte, kurz vor Mitternacht am Abend vorher im Internet erworben. Doch nicht nur das, ein Buch und die Konzert-CD. Da kam ich nicht vorbei.

Signiert natürlich von einem freundlichen alten Mann, einem Künstler der seinem Instrumente Töne wie Lachen & Weinen, Jauchzen & Schluchzen, Freude & Schmerz entlocken kann. Gelegenheit, darauf zu verweisen, dass erst Jenseits der Stille (der Film, indem er eine klitzekleine Szene mit großer Wirkung hatte - nicht nur auf mich) dazu führte, Klezmer - Musik bewusst zu hören.

Ein Buch, welches ohne die Musik wohl nicht gelesen werden kann. Ich freu mich drauf.

"Ich spiele Klarinette um meine Gefühle mit den Menschen zu teilen."
Giora Feidman

Wenn man ihn sieht, wenn man vor ihm steht, wenn man ihn hört, er tut genau das, seine großen Gefühle mit uns teilen.



© KaratekaDD
 

 * * *

Giora Feidman

Ora Bat Chaim

* * *

Matthias Eisenberg

 in dulci jubilo







Mittwoch, 10. August 2016

Gricksch, Gernot: Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande



Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande ist eine bunte Chronik der letzten vierzig Jahre, ein Buch über echte Freundschaft und große Liebe, eine Bestandsaufnahme der Fragen, die uns alle irgendwann im Leben einmal bewegen - und ganz nebenbei ist Gernot Grickschs Roman zum Weinen schön und zum Lachen lustig!

(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)

  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Droemer Knaur (1. Oktober 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426618923
  • ISBN-13: 978-3426618929











 ÜBER FREUNDSCHAFT UND MEHR...





Sofort nach der Geburt ihres Sohnes sprang Piets Mutter auf, um den Vater zu suchen, der sich in einer Toilette eingesperrt hatte. Und Piet? Der blieb im Kreißsaal liegen und dachte erstaunt: »War's das schon?« Die gleiche Frage stellt er sich vierzig Jahre später am Grab eines seiner besten Freunde; er erinnert sich an Prickel Pit und Schlaghosen, Miami Vice und Startbahn West, den ersten Kuss und die letzte Gehaltsabrechnung. Und Piet denkt an vier Jahrzehnte mit seinen besten Freunden - kurz: an die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande...


"Als die sinnlose Rede vorbei ist, treten wir ans Grab. Den Kübel mit Sand ignorieren wir. Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck bewerfen. Stattdessen legen wir alle gleichzeitig, als hätten wir es wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir in hohem Bogen unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns wütend an. Doch was weiß der schon."


An seinem 40. Geburtstag steht Piet am Grab seines Freundes. Zum Begräbnis sind auch die anderen Freunde aus Kindheitstagen erschienen Alle im Jahr 1960 geboren und von Kindesbeinen an miteinander verbunden. 'Die Kirschkernspuckerbande' wurden sie seinerzeit genannt:  Piet, Sven, Petra, Susann, Bernhard und Dille. Und auch wenn sich ihre Leben im Laufe der Jahrzehnte auseinanderentwickelt haben - die Freundschaft blieb.

Piet lässt die vergangenen gemeinsamen 40 Jahre Revue passieren, und da ich im selben Jahrzehnt geboren wurde wie die sechs Helden, war das wie eine Reise durch meine eigene Kindheit und mein Leben. Ereignisse, die ich längst verdrängt hatte, politische Bewegungen, besondere Augenblicke kamen wieder zum Vorschein, Gegenstände, Ausdrücke, Mode und Musik im Wechsel der Jahre - ein herrliches Wiedertreffen!
Die Beschreibung der Freundschaft unter den sechsen mit allen Höhen und Tiefen, Krisen und freudige Ereignisse im Leben der verschiedenen Charaktere - alles glaubwürdig geschildert, herrlich unpathetisch und unsentimental, und doch auf ganz eigene Art berührend. Sechs Leben im Zeitraffer, so anschaulich, so lebendig, so normal, so nachvollziehbar beschrieben, dass man fast meint, man würde dazugehören. Und keine einzige Seite des Buches ist langweilig.

Das Buch war ein Zufallsfund, und ich bin begeistert. Natürlich sollen sich auch jüngere Leser über das Buch freuen können - aber ich glaube doch, dass es vor allem die Leser meiner Generation sind, die das Buch in erster Linie anspricht.

Irgendwo las ich mal: 'Haben Sie schon ein Lieblingsbuch? Nehmen Sie einfach dieses!' Nun, eines meiner Lieblingsbücher ist dieses hier nun ganz gewiss...


© Parden












Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über den Autor:

Gernot Gricksch, geboren 1964, ist Kolumnist, Kinokritiker und Autor von Romanen, Sachbüchern und Drehbüchern. Er ist einer der meistverfilmten deutschen Autoren und lebt mit seiner Familie in Hamburg. Gernot Gricksch versteht es wie kaum ein anderer deutscher Unterhaltungsautor, sein Publikum zum Lachen zu bringen, zu Tränen zu rühren und dabei so einiges über das Innenleben von Männern zu verraten, was »echte Kerle« nur zu gerne für sich behalten und viele Frauen gerade deswegen hochspannend finden. Zu Gernot Grickschs größten Erfolgen gehören »Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande« und »Freilaufende Männer«. Sein Roman »Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe« wurde 2006 mit dem Literaturpreis DeLiA als bester Liebesroman des Jahres ausgezeichnet, die eigene Drehbuchadaption mit dem Norddeutschen Filmpreis und dem Bayerischen Filmpreis. Nach »Freilaufende Männer« wurde 2012 der Roman »Das Leben ist nichts für Feiglinge« mit Wotan Wilke Möhring verfilmt.

► übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur

Montag, 8. August 2016

Bentow, Max: Der Federmann


Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord: Wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.

(Klappentext Goldmann Verlag)

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (21. Januar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442478820
  • ISBN-13: 978-3442478828
  • Reihe: Nils Trojan (Bd. 1)












ALS DEBÜT OKAY...




Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, die Augen ausgestochen und der Bauchraum geöffnet - und ein zerfetzter Vogel wurde auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord - wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der 'Federmann' einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Trojan hofft, durch die kleine Tochter der Ermordeten einen Hinweis zu bekommen, doch dann verschwindet das Mädchen von einem Tag auf den anderen.  Es beginnt ein gefährlicher Wettlauf mit der Zeit...

Nils Trojan steht als ermittelnder Kommissar im Mittelpunkt des Geschehens. Erfahren, wie er ist, verlässt er sich häufig und zurecht auf seinen Instinkt, doch auch er kann die Serie der Morde nicht verhindern. Stets laufen sie dem Mörder hinterher, ohne wirklich ein Muster zu erkennen oder auch nur einen Zusammenhang zwischen den Ermordeten wahrzunehmen - außer den den dichten, blonden Haaren scheint es keine Gemeinsamkeiten zu geben.

Die erste Hälfte des Thrillers weiß zu begeistern. Die Spannung wird aufgrund der Dichte der Ereignisse hochgehalten, und mit Trojan hat Max Bentow einen sympathischen neuen Charakter im Thrillergenre geschaffen. Dabei erhält der Leser auch Einblick in seine private Situation. Geschieden ist er, doch er bemüht sich, für seine Tochter ausreichend Zeit zu finden. Aufgrund von Versagensängsten befindet er sich außerdem ohne das Wissen seiner Kollegen in psychologischer Behandlung. Dabei verliebt er sich zusehends in seine attraktive Psychologin Jana Michels, auch wenn er weiß, dass diese allein schon aus Gründen der Professionalität Distanz wahren muss. Doch für persönliche Belange bleibt bald schon keine Zeit mehr - dafür sorgt der Fall um den Federmann.

Leider lässt in meinen Augen die Spannung in der zweiten Hälfte des Thrillers zusehends nach, wodurch es zu einigen Längen kommt - auch wenn die Frage, wer hinter den Taten stecken könnte, bis kurz vor dem Ende offen bleibt. Und so glaubwürdig, wie die Person Nils Trojans insgesamt gezeichnet wurde, sein Verhalten am Ende mutet dann doch eher an wie 'Supermann'. Manche der Schlussszenen waren so wie geschildert für mich einfach nicht nachvollziehbar, auch wenn ich glaube, dass man mit viel Adrenalin im Körper und mit unbedingtem Willen über sich hinauswachsen kann.

Trotz der genannten Schwächen ist 'Der Federmann' in meinen Augen jedoch ein vielversprechendes Debüt, und sicherlich werde ich auch die folgenden Bände der Reihe noch lesen. In der Hoffnung auf anhaltende Spannung bis zum Schluss und auf ein glaubwürdigeres Ende.


© Parden













► HIER geht es zum Portrait von Nils Trojan





Max BentowDer Goldmann Verlag schreibt über den Autor:

Max Bentow wurde 1966 in Berlin geboren. Nach seinem Schauspielstudium war er an verschiedenen Bühnen als Schauspieler tätig. Für seine Arbeit als Dramatiker wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Mit den fünf bisher erschienenen Kriminalromanen um den Berliner Kommissar Nils Trojan gelang Max Bentow ein großer Erfolg, alle Bücher standen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

► übernommen vom Goldmann Verlag

Sonntag, 7. August 2016

Baumm, Stefanie: Der Tod wartet nicht


In Schleswig-Holstein häufen sich die Todesfälle. Innerhalb weniger Tage werden zwei Leichen an Land geschwemmt, und in einem Kieler Krankenhaus sterben nicht nur Patienten, sondern auch ihre behandelnden Ärzte. Und während immer mehr Todesnachrichten bei der Kieler Kripo eingehen, scheinen nicht nur Kommissar Armin Stahl und sein Kollege Birger Harms ein Interesse an der Lösung der Fälle zu haben …
Stefanie Baumm hat einen brisanten und äußerst spannenden Krimi über organisierte Kriminalität, illegalen Organhandel und die Abgründe der menschlichen Seele geschrieben.


(Klappentext Verlagsgruppe Droemer Knaur)

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426638673
  • ISBN-13: 978-3426638675
  • Reihe: Armin Stahl (Bd. 2) 













SKRUPELLOS...



Bildergebnis für organhandel

Hat mich mein Gefühl doch nicht getrogen... Obschon ich nach dem ersten Band der Reihe um die Kommissare Armin Stahl und Birger Harms recht enttäuscht war, wollte ich unbedingt auch den zweiten Band lesen, denn durch die Werke unter Stefanie Baumms Pseudonym (Alex Berg) wusste ich einfach, dass sie es besser kann. Et voilà: das Dranbleiben hat sich gelohnt!

Im Ostseebad Strande wird die angespülte Wasserleiche eines Mannes gefunden. Durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe ist der Unbekannte regelrecht hingerichtet worden. Die Kommissare Armin Stahl und Birger Harms übernehmen den Fall, und bald schon ist die Identität des Toten geklärt. Ein altes Gut in Schleswig Holstein gerät dabei ins Visier der Ermittlungen - der erschossene Mann war der ehemalige Verwalter des Gutes, auf dem traditionell und erfolgreich seit Jahrzehnten Pferde gezüchtet werden. Schon bei den ersten Gesprächen mit der alteingesessenen Familie auf dem Gut ist den Ermittlern klar, dass da irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht - die Familie hat offensichtlich etwas zu verbergen. Doch was hat das mit dem Toten zu tun?

Parallel dazu erfährt der Leser von Geschehnissen in einer Kieler Klinik, in der die Ärztin Andrea Groth Unregelmäßigkeiten auf die Spur kommt: ein Patient von ihr - ein kleiner Junge - stirbt dort unter dubiosen Umständen, seine Krankenakte verschwindet spurlos und der Ärztin wird dringend angeraten, sich aus allem rauszuhalten. Obschon die Warnung deutlich war, lässt der Ärztin der Fall keine Ruhe, und sie beginnt auf eigene Faust nachzuforschen. Doch der Kollege, den sie deshalb unbedingt sprechen will, kommt unerwartet zu Tode. War es wirklich ein Herzinfarkt? Oder steckt hier etwas ganz anderes dahinter?

Spannend gestrickt ist dieser Krimi, wobei sich die Hintergründe der Verbrechen, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, erst nach und nach entblättern, um dann jedoch um so grausamer im Raum zu stehen. Armin Stahl und seine Kollegen sehen sich plötzlich mit der organisierten Kriminalität konfrontiert, und auch wenn der Wunsch 'David gegen Goliath' sicher immer wieder auch in den Köpfen der Kommissare herumspukt, ist doch klar, dass selbst jeder sogenannte Erfolg nur ein nichtssagender Tropfen auf den heißen Stein ist. Dennoch verbeißen sich die Kommissare in die Fälle und erfahren dabei die Unterstützung durch das BKA. Denn organisierte Kriminalität in all ihrer Skrupellosigkeit ist für die kleine Behörde alleine dann wohl doch eine Nummer zu groß...

Ein wenig zu sehr hat die Autorin für meinen Geschmack allerdings in die Klischeekiste gegriffen bei der Ausgestaltung der Charaktere. Auf der einen Seite der Gutsbesitzer, der wirklich alle gängigen Klischees bedient, auf der anderen Seite die Russen, die hier hinter der organisierten Kriminalität stecken - keiner von ihnen bietet so noch einen überraschenden Zug. Sowohl die 'russische Seele', tiefgründig, melancholisch und poetisch, als auch die brutale, skrupellose Seite des russischen Mannes werden hier aus meiner Sicht arg bemüht.

Ansonsten aber ist dies ein flott zu lesender, stimmig gestalteter und spannender Krimi, der mit geschickt gesetzten Perspektivwechseln die Neugier des Lesers immer wieder entfacht und zum Weiterlesen verführt. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, und auch das Ende hat mich diesmal nicht enttäuscht. Ich freue mich jedenfalls auf ein Wiedersehen mit den Kommissaren Stahl und Harms!


© Parden









Die Verlagsgruppe Droemer Knaur schreibt über die Autorin:

Stefanie Baumm arbeitete viele Jahre als freie Journalistin, bevor sie mit dem Schreiben von Romanen begann. Ihre politisch brisanten Thriller „Machtlos“ und „Die Marionette“ sowie die Romane „Dein totes Mädchen“ und „Tochter der Angst“ erschienen unter dem Pseudonym Alex Berg.

► übernommen von der Verlagsgruppe Droemer Knaur