Freitag, 3. April 2026

Pergande, Frank: Die Hofdame der Königin Luise

 Ein historischer Liebesroman


Es wäre ein literarisches Versäumnis, wenn die drei Königinnen von Mirow nicht vielfältigen Eingang in diverse Bücher gefunden hätten. Ein weiteres Versäumnis wäre es, wenn dies auf unserem Blog geschehen würde, wohnt der Rezensent doch in unmittelbarer Nähe der Handlungsorte nicht nur dieses Romans von Frank Pergande. Schon einmal war der hier präsent, als er von der Inselkrähe von Mirow erzählte, in deren Mittelpunkt eine fiktive Hofdame der Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, welche später Königin von Großbritannien wurde, stand. Lotchen war übrigens eine Tante der Königin Luise von Preußen, diesmal steht einer Hofdame der preußischen Madonna im Vordergrund.

Im Jahre 1810 stirbt Luise von Preußen im Schloss ihres Vaters Karl II., Herzog von Mecklenburg-Strelitz. Sie hat sich vierunddreißigjährig mit der Geburt von zehn Kindern zu Tode erschöpft. Mit ihr ist ihre Hofdame Ulrike von Bredow gereist, die nun, da Luise im Schloss aufgebahrt liegt, nicht mehr zu tun hat, als die königlichen Unterhosen zu sortieren. Ulrike trägt einen hochadeligen alten Namen, der in Mecklenburg und Brandenburg weit verbreitet ist, sie hat als eine von Briest (wer denkt da nicht an Fontane) in die Familie eingeheiratet. Ihre Bredow-Familie ist eine allerdings eine fiktive.

Textauszug zum neugierig machen



Als Ulrike es sich im weitläufigen Park englischen Stils in Hohenzieritz scheinbar unsichtbar bequem macht, bekommt sie Besuch.... Wer ist die Person die sich um sie bemüht?

Hohenzieritz mit Luise auf dem Totenbett und Luisen-Tempel


Währenddessen muss ihr Gatte sich um den Transport der toten Königin nach Charlottenburg bemühen, und die Eiskeller der auf der Strecke ansässigen Gutsbesitzer ausräumen. Wer nun dachte, dass diese letzte Fahrt mit dem bekannten nächtlichen Zwischenhalt in Gransee (Bild Mitte zeigt in Erinnerung daran das dortige Monument)  eine weiter Rolle spielen würde, irrte. 

Erinnerungsorte an Luise von Preußen


Wir bleiben bei Ulrike. Von Bredow will seinen Sohn Gisbert als Strom nach Hohenzieritz geben. Ein Strom war ein Gehilfe, oft ein junger Mann, der einfache Dienste verrichtete: Botengänge, Tragen, Aufwarten, Stallarbeiten oder Küchenhilfen. Gisbert soll und will zusätzlich lernen, wir ein Gut geführt werden muss. 

Hohenzieritz mit Hofdamen und Pächter


Seine zwölfjährige Schwester Beatrix hat ein ausgesprochenes Zeichentalent. Bei einem Besuch in Hohenzieritz stolpert sie auf der Schlosstreppe, der Pächter, ein gewisser Hoth, fängt sie auf, wofür sie sich mit einer Skizze bedankt. Wer ist dieser Hoth, der dem Gisbert Landwirtschaft beibringen soll und seit einiger Zeit verwitwet ist?
Auf jeden Fall verkörpert er den modernen Landwirt mit einem Hang zu englischen Gärten und Floskeln, einer, der sich einst mit Luise über die „Prillwitzer Idole“ unterhielt, von denen der Rezensent an dieser Stelle erstmals las.

Und was passiert nun mit dieser Ulrike von Bredow, geborene von Briest?


* * *

Frank Pergande erzählt seine Geschichte leicht und beschwingt und so ganz ohne adeligem Anstand oder Respekt. Wann hat man denn je davon gelesen, dass ein hochadeliges Paar im Urlaub in einem Teich nackig baden geht? Oder davon, wie dem zwölfjährigen Töchterchen das erste Bier leicht zu Kopfe steigt?

Dann gibt es so kleine Anspielungen, wie die Idee der Trockenlegung einer Friedländer Wiese für bessere Futterbereitstellung. Ein Projekt, welches 150 Jahre später zum großangelegten Jugendobjekt werden sollte, was hier geborenen erfahrenen Lesern plötzlich bekannt vorkommen sollte.

Man sieht auch den Park von Hohenzieritz oder Prillwitz an der Lieps vor sich in der Beschreibung, Plätze die zum Verweilen und zur Ablichtung einladen, heute natürlich eher mit dem profanen Fotoapparat, wer hat denn schon Zeit für einen Pinsel, wenn man nicht von Bredow heißt.

Schloss Prillwitz an der Lieps

Trotzdem erfährt man so einiges über die Zeit bei Preußens, die 1810 momentan noch unter der Knute des großen oder eher kleinen Korsen leiden, auf dessen Disput mit Luise in Tilsit deren Berühmtheit beruht. 

* Quelle
Dieser Hoth ist doch ziemlich gelehrt und wenn wir uns mit ihm nach Prillwitz begeben und dort seinen Ausführungen zu den Idolen und Rethra lauschen, geht es in der Geschichte noch viel weiter zurück. Heute ist das Fake förmlich Sprachgebrauch, damals führt es ein Gutspächter, der es trotz aller Kenntnis nie nach England geschafft hat, im Munde.

Wenn er zu seinem Herzog über die Gefährlichkeit von Wölfen spricht, dann findet sich heute in den hiesigen Tageszeitungen der letzten Wochen bestimmt dieser oder jener Artikel zum Problem.

Erst zum Schluss denkt der Leser, dass er ein ziemlich modernes Buch in der Hand hält, dessen Handlung vor 215 Jahren angesiedelt ist.

Ein Buch, welches informiert und gelegentlich erotisch knistert. Gibt es ein Happyend? Und wenn ja, für wen? 

* * *


Pergande, Jahrgang 58, war lange Journalist und Redakteur, ja ich wiederhole mich, dies sind sehr gute Voraussetzungen für das Schreiben historischer Romane. Seine Recherchen zu beiden genannten Romanen hat er leicht und flüssig verarbeitet, diese kleinen Episoden und Gespräche flattern ins Bild und wieder hinaus, zu eigener KI-Nutzung animierend.

Dem Vorschlag einer Frau Rilke zu folgen, führte zu einem ausgesprochenen Lesevergnügen. Wenn Frank Pergande in Sommerliebe auf Schloss Bothmer einen gewissen Hans Kaspar von Bothmer, Bewohner der Downing Street 10 mit dessen Freund Georg Friedrich Händel um 1730 nach Mecklenburg schickt, kann mit ähnlichem Vergnügen gerechnet werden: ab auf die Liste mit diesem Titel.



* Von Silar - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75248376


© Bücherjunge.



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