Erwähnenswert ist, dass durch diesen Film Webber und Rice für den Song You Must Love Me einen Oskar erhielten. Es ist die Musik, die den Stoff in die Welt trägt, denn wer kennt Don´t Cry For Me Argentina nicht?
Die Staatsoperette hat Evita derzeit im Spielplan und am Ostersonnntagnachmittag ist die Spielstätte voll besetzt. Auf der Bühne ein Sarg, auf dem ein Mädchen barfuß im unscheinbaren Kleidchen sitzt und mit der Hand über den Deckel streicht. Im Hintergrund groß im Bild Maria Eva Duarte de Perón (1919 - 1952). Die Inszenierung ist von Harold Prince und in den Hautrollen sehen wir als Evita Sybille Lambrich, Marcus Günzel als Juan Peron und Gero Wendorff als Che.
Gespielt und gesungen wird in großer Besetzung, Chor, einschließlich Kinderchor, und Ballett haben viel zu tun - Es ist ein Musical und das lebt von Bewegung.
Es ist zu empfehlen, sich Handlung und Geschehen vorher einmal genauer zu besehen. Klar, das Stück ist seit knapp 50 Jahren auf den Bühnen der Welt zu Hause aber Rolle, Zeit, Geschichte, Argentinien in den 30ger bis 50er Jahren sind für uns Europäer relativ entfernt:
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| © UR (2007) |
(Am Grab der Eva Perón auf dem Friedhof Recoleta in Buenos Aires finden sich immer frische Blumen)
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| Programmheft |
und Maske, an den Argentinier Ernesto Che Guevara erinnert; so auch die Absicht von Komponist und Librettist. Durch diese Figur wird nicht nur Eva Perón sondern auch der Perónismus kritisiert, das Machtstreben und indirekt auch die Korruption, die ihr in Bezug auf ihre Stiftung vorgeworfen wird, mit der sie Projekte für die ärmere Bevölkerungsschicht, für die Arbeiterklasse realisierte.
Das Bild auf der Dresdner Bühne zeigt sie beim Verteilen von "Almosen", während sie ansonsten, offen zugegeben, zu Reichtum und Macht kam. In Wirklichkeit ist der bekannte Guerilla-Revolutionär für diese Rolle zu jung, er wurde erst 1928 geboren. In diesem Zusammenhang ist das Kostüm mit dem T-Shirt mit bekanntem Guevara-Porträt, umsäumt vom Einschüssen (er wurde 1967 in Bolivien ermordet) eher unnötig, das Publikum hätte ihn bestimmt auch ohne diese optischen Hinweise sicher erkannt.
Blau-Weiß dominiert auf der Bühne, argentinische Fahnen noch und noch, als Evita förmlich in den Himmel aufsteigt, so beginnt das Musical, der Weg dort hin wird im Anschluss erzählt. Die Musik ist mitreißend, südamerikanische Motive, Tango, Marschmusik - eigentlich fehlt etwas Folklore. Das Thema der Evita erklingt immer wieder, dies Wein nicht um mich Argentinien. Gelegentlich erscheint das Orchester als ziemlich laut, aber insgesamt sind die Texte gut zu verstehen. Der Originaltext (englisch) läuft oben mit. Zwei Stunden mit einer Pause sind vorüber und die Bilder, die Musik hallen nach.
Es bleibt neben dem Kunsterlebnis, ein Gefühl, dass die Massen unter bestimmten Umständen den falschen Leuten mit den vielen Versprechungen zujubeln, womit das Stück auch aktuelle Bezüge aufweist. Der Peronismus ist eine populistische Bewegung, die staatliches Handeln zugunsten des Volkes verspricht und von der man sich das auch erwartet.
Ein Musical mit politischem Hintergrund bei gleichzeitigem Kunsterlebnis. Nach dem die Massen an Mitwirkenden die Bühne verlässt, hebt der Dirigent, Peter Christian Feigel, den Taktstock für das im Ohr bleibende Thema der Evita.
© Bücherjunge


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