Mittwoch, 21. Dezember 2022

Kästner, Erich: Vom Glück in Dresden aufzuwachsen

Alljährlich zum Jahreswechsel erreiche ichganz sicherlich meine Heimatstadt. Diese teile ich mit diversen Berühmtheiten und immer wieder begegnet einem dadurch eine Figur, die am Albertplatz auf einer Mauer sitzt und das Treiben auf diesem Platz beobachtet.


Am liebsten hockte ich dann auf der Gartenmauer und schaute dem Leben und Treiben auf dem Albertplatze zu. Die Straßenbahnen, die nach der Altstadt, nach dem weißen Hirsch, nach dem Neustädter Bahnhof und nach Klotzsche und Hellerau fuhren, hielten dicht vor meinen Augen, als täten sie‘s mir zuliebe. Hunderte von Menschen stiegen ein und aus und um, damit ich was zu sehen hätte. Lastwagen Kutschen, Autos und Fußgänger taten für mich, was sie konnten. Die zwei Springbrunnen zeigten ihre Wasserkünste. Die Feuerwehr ratterte, mit ihrem Hornsignal und glockenläutend, vorbei. Schwitzende Grenadiere kehrten, singend und im Gleichschritt, von einer Übung in die Kaserne zurück. Eine königliche Equipage rollte vornehm übers Pflaster. Eisverkäufer in weißer Uniform verkauften an der Ecke Waffeln für fünf und zehn Pfennige. Ein Bierwagen verlor ein Hektoliterfass, und die Neugierigen kamen gelaufen. Der Albertplatz war die Bühne. Ich saß, zwischen Jasmin und Bäumen, in der Loge und konnte mich nicht satt sehen.“ (Seite 45) 


Dresdner erkennen das vielleicht und haben diese Plastik vor Augen, die immer noch auf der Mauer sitzt und den Albertplatz, der zwischenzeitlich einmal „Platz der Einheit“ hieß, was nichts mit der deutschen Einheit zu tun hatte, beobachtet. Es fehlen die Glocken der Feuerwehr und die Grenadiere und die Equipagen, die Straßenbahnen fahren dort heute noch so.




In der Neustadt ist er aufgewachsen, der Erich Kästner, bei dem die meisten an einen gewissen Emil, ein fliegendes Klassenzimmer und ein doppeltes Lottchen denken. Im hier obliegenden Buch finden sich, herausgegeben von Sylvia List, Texte des Dichters, die sich mit Dresden befassen und so finden wir Auszüge aus einem ganz wichtigen Buch,welches Als ich ein kleiner Junge war heißt, auch auch aus seinem Erwachsenen-Roman Der Gang vor die Hunde.

Ein Lesebüchlein, welches den Dresdner und die, die Dresden mögen, und Kästner, oder beide immer wieder zurück führt. Man kann auch sehr schön auf dessen Spuren durch die Neustadt wandeln und das Kästner-Literaturmuseum besuchen, dass sich in der Villa eines Onkels befindet, dessen Grundstück von eben jener Mauer begrenzt wird, auf der der Junge einst saß. Seit kurzem gibt es auch eine interessante Entdecker-Tour für Kinder.

Auch dieses Büchlein wurde im Atrium-Verlag Zürich verlegt und beinhaltet Auszüge aus den genannten Büchern und vielem mehr. Jeder Beitrag ist mit einer kurzen Anmerkung versehen. So erfahren die Leserinnen und Leser davon, dass der Erich eher nicht auf der Mauer gesessen haben dürfte, denn der Onkel Franz erwarb die Villa erst 1915. Da besuchte Kästner noch das Lehrerseminar und 1917 wurde er eingezogen. Kästner hat die oben so schön beschriebenen Erinnerungen wohl etwas vordatiert. 

Erich Kästner im Blog: Erich Kästner: Über das Verbrennen von Büchern * / Beate Baum: Weltverloren / Dresden - Eine Stadt in Biografien / Das Meerbuch / Nicht schon wieder Ostern

Es bleibt also noch viel zu erzählen über den Dichter und seine Werke. Im Post zu Über das Verbrennen von Büchern wird auch von Erich Kästner und dem kleinen Dienstag erzählt, einem Film der die Geschichte des Hans Albrecht Löhr, der den Jungen in Emil und die Detektive spielte.


© Bücherjunge











 

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